Archiv der Kategorie: Fußballdeutschland

Mehr Aufregung als nötig

So richtig kann da was nicht stimmen, wenn am Rande eines Fußballwetttbewerbs die Schiedsrichter nicht permanent in der Kritik stehen, sondern oft sogar gelobt werden. So wie jetzt bei der WM. Wo immer wieder sogar Lob für die Umsetzung des Videobeweises bzw. die Art der Einführung der Videoassistenten gefunden wird. Lob! für! den! VAR!!

Wie gerechtfertigt dieses Lob ist, vermag ich nicht so recht einzuschätzen, weil mir dazu die Gesamtschau der WM fehlt. Aus den paar Sachen, die ich gesehen habe, würde ich herausziehen, dass es gelungenere Sachen und weniger gelungene Sachen gab. Und es gab streitbarere und weniger streitbare Situationen. Also alles in einem Rahmen, den es in der Bundesliga auch gab, nur dass dort die emotionale Fallhöhe offenbar wesentlich höher war, als bei einem WM-Spiel zwischen (völlig fiktiv) Saudi-Arabien und Ägypten.

Sprich, vielleicht war der wesentliche Unterschied zwischen Bundesliga und WM der, dass man bei einer WM etwas neutraler und offen-interessierter zuschaut als bei der Bundesliga, wo ja Wochenende für Wochenende jedes Detail eine überbordene Wichtigkeit bekommt, während bei der WM eher Geschichten von Spielern, Mannschaften und Spielen erzählt werden (wollen).

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Bilanzen vom Rande des Spielfelds aus der Bundesliga 2017/2018

Der Rückblick auf die Zuschauerzahlen in der vergangenen Saison steht noch aus. Auch diesmal geht es weniger um einen Schwanzvergleich, sondern eher um eine nüchterne Bestandsaufnahme zu den Tendenzen, die man aus der abgelaufenen Spielzeit herauslesen kann. Sowohl in Bezug auf RB Leipzig, aber auch in Bezug auf die Bundesliga generell, in der ja zwischenzeitlich der wahrnehmbare Zuschauerrückgang an verschiedenen Stellen durchaus deutlich diskutiert und hinterfragt wurde.

Erstmals in der Vereinsgeschichte schloss RB Leipzig in der letzten Saison schlechter ab als in der Vorsaison. Das galt nicht nur in der sportlichen Endtabelle, sondern auch für den Zuschauerschnitt im Ligabetrieb. Immerhin rund 2.000 Zuschauer spuckten die offiziellen Statistiken am Ende im Schnitt weniger pro Leipziger Spiel aus. Wenn man dazu rechnet, dass dem Verein da vor allem teure Tagestickets durch die Lappen gingen, summiert sich der Verlust über die Saison gesehen dann schnell mal auf einen niedrigen siebenstelligen Betrag.

Schon vor einem Jahr konnte man mutmaßen, ob die erstmalige Teilnahme an der Champions League (und später Europa League) nicht genau einen solchen Effekt hervorrufen würde. Dazu war es die zweite Bundesligasaison und der sportliche Durchmarsch der Vorsaison natürlich nicht zu wiederholen. Vielmehr gab es auch einige Heimspiele, die nicht wirklich als Festtage in Erinnerung blieben, sondern im besten Fall nüchtern gespielter Ergebnisfußball waren.

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Wir gegen uns – Saisonstart mal nach dem Saisonstart

Viktoria Köln ist es also für RB Leipzig in der ersten Runde des DFB-Pokals geworden. Ein Los, das keine große Aufregung in welche Richtung auch immer produzierte. Hier im Blog hatten sich die LeserInnen mehrheitlich das Spiel gegen Chemie gewünscht (siehe Umfrage unten). Wie immer gingen auch andere Gegner aus dem Osten gut. Viktoria Köln hatte keiner auf der Rechnung. Entsprechend überschaubar waren die Reaktionen nach dem Los.

Bricht man es runter, dann ist es eine Aufgabe, für die man relativ weit reisen muss. Zumal die Partie eventuell zwischen zwei Europa-Legue-Quali-Spielen stattfindet. Da die Möglichkeit besteht am 16.08. noch in Europa anzutreten, wird man von den möglichen DFB-Pokal-Spieltagen zwischen dem 17. und 20.08. keinen vor dem 19.08. abkriegen. Man wird also in Köln am Sonntag oder eventuell am Montag antreten (letzte Saison gab es in der ersten Runde vier Spiele am Montag, darunter drei um 18.30 Uhr..).

Neben dem Reiseaufwand ist Viktoria Köln sportlich zwar ein machbares, aber auch ein undankbares Los. Klar muss man kein Regionaliga-Team größer machen als es ist, aber Viktoria ist eine Mannschaft, die seit Jahren versucht in die dritte Liga aufzusteigen und entsprechend angeführt von Kapitän Mike Wunderlich, der an guten Tagen Zweitliganiveau hat, eine gut besetzte Mannschaft, die über viel Erfahrung und einige Qualität verfügt.

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Schwerer Übergang

Der Wechsel von Kilian Ludewig zu Red Bull Salzburg wirft ja mal wieder die Frage nach der Durchlässigkeit für Nachwuchsspieler bei RB Leipzig auf. Dass nun schon Spieler den Verein verlassen, die eigentlich noch ein Jahr im U19-Bereich spielen könnten, ist kein gutes Zeichen. Zumal wenn es Spieler wie Ludewig (oder auch Abouchabaka, bei dem es ebenfalls Wechselgerüchte gibt) betrifft, die zu den talentierteren Spielern ihres Jahrgangs gehören und vor der abgelaufenen Saison als jene Akteure galten, die man an den Männerbereich heranführen will.

Eine engere Verzahnung von U19 und Profibereich hatte man sich als Ziel gesetzt, nachdem man die U23 vom Spielbetrieb abgemeldet hatte. Drei, vier Talente aus der U19 sollten mehr oder minder regelmäßig mit den Profis trainieren und so den Anschluss schaffen. In der Praxis gab man das Modell relativ schnell wieder auf, weil in den vielen englischen Wochen kaum einmal richtige Trainingseinheiten möglich waren und die U19-Spieler entsprechend für ein nachhaltiges Training wieder zu ihrem Nachwuchsteam zurückgeschickt wurden.

Am Ende der Saison steht nun der weiterhin depremierende Fakt, dass erneut kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis auch nur halbwegs ankommen konnte. Lediglich Niclas Stierlin durfte am Ende der Saison immerhin mal bei den Profis auf der Bank sitzen. Zu mehr reichte es für niemanden. Was deswegen erstaunlich ist, weil RB Leipzig es in der Vergangenheit bspw. bei Upamecano oder Konaté, aber auch bei Klostermann sehr wohl geschafft hat, Spieler im U19-Alter bei den Profis zu integrieren. Nur dass die halt direkt den Sprung von außen zu den Profis schafften und nicht erst noch im RB-Nachwuchs verschwanden.

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RB Leipzig in der Bundesliga 2018/2019

Fast ging es ein bisschen unter zwischen Hasenhüttl-Abgang, Europa-League-Quali-‚Absturz‘, Pfingsten und Trainerroulette. Nämlich, dass seit Dienstag die Zusammensetzung der Bundesliga für die kommende Saison feststeht.

Aus RB-Sicht wird es historisch. Nachdem man diese Saison erstmals in der Vereinsgeschichte schlechter abschnitt als im Vorjahr, tritt man nun 2018/2019 erstmals in einer Liga an, in der man keinerlei neue Gegner kennenlernen darf. Denn mit Nürnberg und Düsseldorf steigen zwei Teams auf, die RB bereits aus Duellen in der zweiten Liga kennt. Wäre Kiel aufgestiegen, hätte man gegen die Norddeutschen sogar bereits die Spiele 7 und 8 austragen müssen, so viel wie gegen keine andere Mannschaft.

Die Fahrt ganz in den Norden in einen der bescheideren Gästeblöcke diesen Landes erspart sicht RB Leipzig nun. Dafür geht es ins recht nahe Nürnberg und zu DJ Opa nach Düsseldorf, der vermutlich schon mal seine Plattentasche für das RB-Spiel im Geist durchgeht, während die Social-Media-Abteilung sich ganz in der Tradition eines Zweitligisten im klassischen RB-Logoverzicht übt.

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Außergewöhnliche Herausforderung

Vier Spieltage sind es noch bis zum Ende der Saison. Die Tabellenrechner sind gezückt und werden mit den sinnvollsten Varianten gefüttert, um am Ende das Wunschergebnis herauszubekommen.

Bei RB Leipzig will man immer noch Platz 4. Über die semantischen Feinheiten, dass das eigentlich gar nicht das Ziel im Sinne eines Muss, sondern eher im Sinne eines Wunsches ist, debattiert inzwischen keiner mehr. Vielmehr wird gerechnet und sich Mut zugesprochen, dass das doch noch gelingen könne. Eine starke Halbzeit in Bremen und das Ende der englischen Wochen machen es möglich, dass man nach neun Gegentoren in zwei Spielen zuvor dann doch wieder mit Selbstvertrauen in die verbleibenden Spiele geht. Trotz vier Punkten Rückstand auf Rang 4 und nur einem Punkt Vorsprung auf Hoffenheim und Frankfurt.

Vier Siege muss man wohl aus den letzten vier Spielen mitnehmen, so hatte Ralf Rangnick nach dem Spiel in Bremen vorgerechnet. Und darauf verwiesen, dass man ja schon gezeigt habe, dass man so etwas könne und sogar schon achtmal am Stück gewonnen hat. Allerdings stammt das letztere Beispiel noch aus der Vorsaison und ist vielleicht nicht der allerbeste Maßstab. Zumindest nicht, wenn man rational drauf blickt. Aber darum geht es ja auch nicht unbedingt, wenn man sich Selbstvertrauen zusprechen will.

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Die 50+1-Regel ist tot, es lebe die 50+1-Regel

Sechseinhalb Jahre ist es nun her, dass Reinhard Rauball in seiner Rolle als DFL-Funktionär darüber jubelte, dass „die 50+1-Regel im Kern erhalten bleibt“. Damals hatte man sich vor dem Schiedsgericht mit Martin Kind geeinigt, den Stichtag aus der Regel zu streichen. Ursprünglich lautete die Regel so:

Über Ausnahmen vom Erfordernis einer mehrheitlichen Beteiligung des Muttervereins nur in Fällen, in denen ein Wirtschaftsunternehmen seit mehr als 20 Jahren vor dem 1.1.1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat, entscheidet der Vorstand des Ligaverbandes.

Sprich, der Regel nach sollte es Ausnahmen von der 50+1-Regel, dass ein Verein immer die Mehrheit über eine ausgelagerte Kapitalgesellschaft, in der Profifußball gespielt wird, halten muss, nur in historischer Form für Vereine geben, die vor 1999 schon von ihren jeweiligen Gönnern (Bayer, VW) mindestens 20 Jahre lang gefördert wurden.

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Ein bisschen mehr Vielfalt wagen. Oder: Keiner mag Ballbesitzfußball.

Ich hatte es ja im Rahmen der Europa-League-Duelle schon erwähnt, dass mich der SSC Neapel bzw. der Fußball, den Trainer Maurizio Sarri spielen lässt, durchaus sehr fasziniert. Gewöhnlicherweise sind meine Blicke in andere Ligen selten, von daher war der erste Reflex auf das Los eher der Gedanke an eine langweilige italienische Liga mit viel Defensivqualität. (Zugeben, dass Neapel irgendwas anders macht, hatte ich schon mal irgendwo gehört und waberte im Hinterkopf auch herum.)

Und dann schaut man sich das Team einmal an und dann ein zweites Mal und vielleicht noch ein drittes Mal und mit jedem Mal Hingucken wuchs das Staunen darüber, was der SSC macht . Bzw. darüber wie der Verein seine Gegner zu knacken versucht, denn naturgemäß funktioniert das auch in Neapel nicht jede Woche gleichermaßen.

Was der SSC Neapel macht, ist vielleicht das Anti-Prinzip von dem, was in der Bundesliga so als erfolgsversprechend gilt. Denn das Sarri-Team will den Ball und die Kontrolle über das Spiel und ist in der Lage von hinten und aus dem Ballbesitz heraus gefährlich zu werden, auch wenn man dabei das gegnerische Mittelfeld durchspielen muss.

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Eventliga ohne Event

Eine Nachricht durfte gestern (auch wenn eigentlich alle Nachrichten hinsichtlich ihres Überraschungsgrads verblassen, wenn ein Abstiegskandidat sich tatsächlich Tayfun Korkut als Trainer holt) dann doch ein bisschen erstaunen. Sky vermeldete per Pressemitteilung, dass sie für den Samstagnachmittag einen neuen Quotenrekord aufstellten. 1,7 Millionen Zuschauer hätten sich demnach ab 15.30 Uhr im Pay-TV dem Fußball in Konferenz oder bei den Einzelspielen gewidmet. Und da sind wohl Sky Go und Kneipengeschichten noch gar nicht mit drin.

Wenn man mal davon absieht, dass es irgendwann in der letzten Saison eine Veränderung bei der Quotenmessung gab und die Einschaltquoten deswegen seitdem generell ein wenig gestiegen sind (bzw. vorher zu niedrig ausgewiesen wurden), bleibt das angesichts einer schwächelnden Liga doch erstaunlich, zumal die Quoten in dieser Saison generell (selbst wenn man den technisch bedingten Anstieg herausrechnet) ansteigend sind. Schließlich gibt es permanent Debatten über das Niveau des gebotenen Sports und ist man von der Zuschreibung der spannendsten Bundesliga seit Ewigkeiten im September schon lang bei der langweiligsten Bundesliga für ungefähr immer gelandet. ‚Wir werden alle sterben‘ ist meist der wahrnehmbare Ruf beim Blick auf die Tabelle. Und dann gucken trotzdem mal eben 1,7 Millionen Leute per Pay-TV zu. Purer Katastropentourismus?

Ja, unter den zehn Teams, die am Samstagnachmittag spielten, waren diesmal mit Bayern, Köln, Schalke, Dortmund oder dem HSV auch echte Quotenschwergewichte (fünf der sechs meistgesehenen Teams in dieser Saison), von daher relativiert sich der Sky-Rekord auch etwas. Allerdings bleibt die durchaus vorhandene Differenz zwischen allgemeinem Reden und Wehklagen über die Liga und dem weiter hohen oder hinsichtlich des Live-Erlebnisses sogar steigenden TV-Konsums.

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Der Fußball als Skandal und als Geschichte

Im Zuge des Bruma-Transfers nach Leipzig letzten Sommer waren für das Verständnis auch ein paar Spiegel-Artikel sehr hilfreich. Da ging es nicht so sehr um die sportliche Expertise zur neuen RB-Offensivhoffnung, sondern eher um seine Betreuung durch seinen Onkel Catio Balde, der hierzulande als Brumas Spielerberater gilt, dies aber offenbar gar nicht wirklich ist. Jedenfalls führt ihn auch Marco Kirdemir als seinen Spieler und Ralf Rangnick betonte rund um die Bruma-Verpflichtung, dass man mit dem Berater, der in der Öffentlichkeit genannt wird, gar nicht verhandle.

Den Spiegel-Beiträgen nach ist Catio Balde eine eher schwer zu durchschauende Persönlichkeit und hat ja auch im avisierten Deal mit Umaro Embalo wieder seine Finger im Spiel bzw. tritt diesbezüglich als Embalos Vertreter bzw. als Fürsprecher eines Wechsels nach Leipzig auf. Sein Job besteht unter anderem darin, Spieler aus Guinea-Bissau nach Portugal zu bringen. So war es mit 12 bei Bruma und so war es mit 14 bei Umaro Embalo. Geld verdient Balde dann vor allem daran, dass diese Jungs in Portugal Profiverträge unterschreiben.

Bei Bruma verdiente Balde dann auch daran, dass er zehn Prozent der Transferrechte hielt und entsprechend an möglichen Transfers gut verdienen konnte. 2013 verkaufte er dann aber Transferrechte und Bildrechte an Pini Zahavi, einen anderen Spielerberater, für eine mittlere fünfstellige Summe. Ein Deal, der später bezüglich Brumas Bildrechten Teil eines Rechtsstreits wurde. Durchaus möglich, dass Balde auch bei Embalo ein paar Rechte hält, die einen Wechsel von Benfica zu RBL auch für ihn schon jetzt lukrativ machen, auch wenn hierzulande Beratergebühren bei Wechseln von Minderjährigen inzwischen verboten sind.

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