Schlagwort-Archive: Bundesliga 2016/2017

Erstaunlicher Zusammenbruch

Auf dem Weg ins Saisonfinale hat sich RB Leipzig noch mal eine ganz formidable Defensivschwäche zugelegt. Zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt kassiert man ein Tor nach dem anderen. Seit der letzten Länderspielpause sind es in der Bundesliga pro Spiel drei Stück gewesen. In jedem der Spiele in Hannover, gegen Leverkusen, in Bremen, gegen Hoffenheim und in Mainz verlor man zumindest phasenweise die Kontrolle über die gegnerische Offensive und lief vor allem auch wieder mal in viele, viele Tempogegenstöße.

15 Gegentore in fünf Spielen. Nur Eintracht Frankfurt konnte in diesen fünf Spielen mit 14 Gegentoren halbwegs mithalten. Erstaunlich, wie zwei Teams, die in guten Phasen defensiv sehr stabil agieren können, so massiv auseinanderfallen. Bei RB Leipzig kommen dabei viele Faktoren zusammen, wenn man an Gegentore nach eigenen Standards am gegnerischen Strafraum oder an einige individuelle Fehler, aber auch an ein nicht mehr intensives und präzises Arbeiten im Gegenpressing oder im defensiven Umschalten denkt.

Es gab zuletzt beim Spiel zwischen Juve und Neapel eine schöne Szene, als Neapel in der gegnerischen Hälfte den Ball verlor. Juve in dem Spiel komplett auf Defensive und Konter eingestellt, hatte eine gute Feldposition und viel Raum vor sich. Das Gegenpressing konnte in der Situation aufgrund der Positionierungen der Spieler nicht greifen. Entsprechend war der Raum für einen Konter weit offen. Ausgespielt wurde er trotzdem nicht, weil zehn Neapel-Feldspieler in höchstem Tempo vom einen Moment auf den Nächsten in die eigene Hälfte sprinteten und binnen kürzester Zeit wieder geordnet vor dem eigenen Strafraum standen. Das war durchaus imposant und ein extremer Unterschied zu einigen RB-Situationen in den letzten Wochen, in denen die gegnerischen Akteure aus Umschaltsituationen heraus fast schon ungestört an und in den Leipziger Strafraum spazieren durften.

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Emil Forsberg: geringere Effizienz bei tieferer Rolle

Wenn man so über die Saison drüber schaut, dann fällt es bei RB Leipzig schwer, einen Spieler auszumachen, der eine außerordentlich prägende Rolle gespielt hat. Hatte man letzte Saison mit Keita, Werner und Forsberg gleich drei Akteure, die in ihrer je eigenen Weise herausragende Akteure waren, hatte man diese Saison viele Spieler, die mal gut mal weniger gut unterwegs waren.

Emil Forsberg steht da ein wenig paradigmatisch für die wechselhafte Saison von RB Leipzig. Zu Beginn der Saison krank und entsprechend ein wenig schwer in die Spielzeit gestartet. Rund um die Winterpause die seltsame und langwierige Bauchmuskelverletzung. Dazu schien sich der Schwede außerordentlich schwer damit zu tun, sich in die Rotation hineinzufinden und dort seinen Spielrhythmus zu finden. Und nun steht als irgendwie krönender Abschluss der Saison eine rote Karte, die ihn die letzten drei Spiele fehlen lässt.

Wenn man die Kicker-Gerüchte dazu nimmt, dass der Verein durchaus bereit sein könnte, Forsberg abzugeben (was man aber erstmal abwarten sollte), dann wäre das ein denkbar unschöner Abschied eines Spielers, der in der vergangenen Spielzeit teilweise absurd großartige Sachen auf den Rasen gezaubert hat. Beim Auswärtsspiel in Freiburg dürfte Forsberg 2016/2017 auf dem Höhepunkt seines RB-Schaffens gewesen sein.

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Rotation als neue Herausforderung

Die große Veränderung im Vergleich zur Vorsaison wird die steigende Belastung für die Profis von RB Leipzig. Gerade mal 35 Pflichtspiele absolvierte man in der Vorsaison. Abgesehen von Werder Bremen musste kein Bundesliga-Team so selten ran. Im Vergleich dazu warten 2017/2018 allein bis zur Winterpause schon mindestens 24 Pflichtspiele. Wenn man von einem Weiterkommen im DFB-Pokal in der ersten Runde ausgeht, dann sogar 25.

Bei RB Leipzig hat man darauf mit einer Verbreiterung des Kaders bzw. eine Verbesserung der Qualität in der Breite reagiert. 20 Feldspieler plus 4 Nachwuchsfeldspieler hat man als Kaderplanungsparole ausgegeben. Nominell wäre man damit aktuell abgesehen von noch einem noch nicht benannten, vierten Nachwuchsakteur, der regelmäßig bei den Profis mittrainiert, durch.

Ob man damit breit genug aufgestellt ist, wird die kommende Saison zeigen. Letztlich ist es vor allem eine Frage von Qualität und nicht Quantität, denn wenn du im Saisonverlauf durchrotieren musst, brauchst du auch bis runter zur Nummer 18 bis 20 verlässliche Qualität im Kader.

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How to survive Bundesliga – kein Guide

Das erste Jahr Bundesliga. Für RB Leipzig, aber irgendwie auch für mich. Zumindest, wenn es um tatsächliche Nähe zum Gegenstand geht. Denn die letzten Versuche mit der höchsten Liga des Landes lagen schon 20 Jahre zurück und waren als lockere Liebelei mit dem BVB eher fernnah als nahnah. Falls das irgendwie selbsterklärend genug ist.

Zuletzt fragte mich jemand, ob ich die Saison nicht noch mal aus persönlicher Sicht Revue passieren lassen will. So vor dem Hintergrund, dass ich einmal durch alle Bundesligastadien reisen durfte. Um dann einen Eindruck von der Liga und ihren Facetten zu geben.

Tatsächlich bin ich mir nach dem Jahr noch nicht mal so richtig sicher, ob es schon so etwas wie einen Gesamteindruck jenseits von ‚irgendwie seltsam‘ gibt. Das Jahr schoss so dahin. Der sportliche Erfolg war in vielerlei Hinsicht unerwartet und fühlte sich entsprechend surreal an.

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Größer werdende Herausforderungen

Eine engere Verzahnung von U19 und Profibereich ist ab kommender Saison bei RB Leipzig angesagt. Es sollen nur noch herausragende Talente, die aber dafür umso früher an den Männerbereich herangeführt werden. Ohne den Umweg über die abgemeldete U23. Soweit der Plan.

In der Praxis der gesamten Bundesliga ist die Heranführung von U19-Spielern an den Männerbereich derzeit noch die absolute Ausnahme. Wenn man mal als Indiz nimmt, dass entsprechend junge Spieler auch ein paar Pflichtspiele bei ihren Klubs kriegen

Gerade mal acht Spieler hatten in der abgelaufenen Spielzeit mindestens fünf Bundesliga-Einsätze, die vom Alter her noch für die U19 spielberechtigt gewesen wären. Lediglich Kai Havertz kam (als Einziger aus allen drei Profiligen im deutschen Fußball) aus dem jüngeren Jahrgang der U19 und wurde erst 1999 geboren. Die anderen waren alle Jahrgang 1998 und wachsen damit in diesem Sommer aus dem U19-Bereich heraus.

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Bilanzen vom Rande des Spielfelds aus der Bundesliga 2016/2017

Wagen wir uns auch noch mal an einen Überblick über die Zuschauerzahlen der letzten Saison. Meist als eine Art Schwanzvergleich benutzt, soll es hier eher um einen nüchternen Blick auf den Stand der Dinge, auf Interesse und Desinteresse gehen.

Bei RB Leipzig waren zum siebten Mal in Folge steigende Zuschauerzahlen zu beobachten. Das konnte nicht wirklich überraschen nach dem Bundesligaaufstieg. Es könnte allerdings vor dem Ausbau des Stadions auch das letzte Mal gewesen sein, dass man einen Anstieg im Zuschauerinteresse verzeichnen kann.

Wobei die Entwicklung in der kommenden Saison interessant bleibt. Der sportliche Erfolg diese Saison war überwältigend und dürfte in der Form nicht zu wiederholen sein. Entsprechend stellt sich die Frage, ob sich der Zuschauerschnitt trotzdem auf hohem Niveau konsolidiert, wie er das bisher stets bei Verbleib in einer Liga getan hatte, oder ob man da Verluste hinnehmen muss. Diesbezüglich auch nicht uninteressant, ob manch ein Besucher nicht auch mal ein Bundesliga-Heimspiel auslässt, wenn es unter der Woche ein Champions-League-Heimspiel gibt. Bilanzen vom Rande des Spielfelds aus der Bundesliga 2016/2017 weiterlesen

Praktische Tipps zur Trennungsverarbeitung

Sommerpause. Die Bundesligasaison 2016/2017 ist gefühlt schon eine halbe Ewigkeit her. Trotzdem reden Dirk, Kai und meine bloggende Wenigkeit noch einmal über ein paar Erinnerungen an die Saison.

Dann driftet der Podcast trotz herausragender Konzepte erstaunlicherweise ein wenig ab und landet bei Naby Keita, Emil Forsberg, bei den Phasen der Trennungsverarbeitung und bei Enttäuschung und Empörung. Und schließlich werden auch noch die Gegner für die kommende Spielzeit in der Champions League festgelegt. Spoiler: Platz 1 in der Gruppe ist Pflicht.

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Spieler der Rückrunde: Timo Werner

Fehlt noch eine Rubrik bei der Rückschau auf die Leistungen der Spieler von RB Leipzig in der ersten Bundesligasaison der Vereinsgeschichte. Die allumfassende Lobhudelei auf den besten Spieler der Rückrunde. Eine Rubrik, die hier im Blog auch immer mal eher die Wahl des Spielers mit dem unerwartetsten Leistungssprung war. Aber da setzt halt jeder auch so seine eigenen Prioritäten.

In Frage kommt eigentlich im groben derselbe Personenkreis wie in der Hinrunde. Ganz vorneweg natürlich Diego Demme, der sich  in seiner ersten Saison in der Bundesliga nicht nur bei RB Leipzig wieder mal unverzichtbar gemacht, sondern bis in die Nationalmannschaft gespielt hat. Durch seine gewohnte Laufstärke und dazu unheimliche Präsenz im Ballbesitz.

Vielleicht zu nennen wären auch Willi Orban oder Yussuf Poulsen. Beide fehlten dann aber in der Rückrunde auch einige Spiele, sodass ihr Gesamteindruck ein wenig verblasste. Trotzdem war Orban wohl der beste Defensivspieler im Team und über Poulsens Qualitäten als Zweikampfmaschine im Angriff muss man nicht mehr wirklich reden.

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Kaderrückblick RB Leipzig: Bundesliga 2016/2017 – Teil II

Weiter geht es mit der Saisonaufarbeitung. Diesmal mit Teil II der Betrachtungen zu den einzelnen Spielern des RB-Kaders. Nach den Torhütern und Verteidigern sind heute die Mittelfeldspieler und die Stürmer dran. Geordnet ist die Übersicht nach Positionen (Mittelfeld, Sturm) und innerhalb der Positionen nach Einsatzzeit. Wobei die Zuordnung zu den Positionen eher nach Spielertypen erfolgt. Marcel Sabitzer hat genaugenommen von der Position her dasselbe gespielt wie Emil Forsberg, ist aber trotzdem vom Typ her eher Stürmer. Gilt ähnlich für Burke.

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Kaderrückblick RB Leipzig: Bundesliga 2016/2017 – Teil I

Weiter Rückblickzeit auf die Bundesligasaison. Traditionell dabei auch der subjektiv-qualitative Blick auf alle Spieler und ihre Leistungen. Auch unter Berücksichtigung ihrer möglichen Zukunftsperspektiven. Geordnet ist das ganze nach Positionen (Tor, Verteidigung, Mittelfeld, Sturm) und innerhalb dieser Positionen nach Einsatzzeit. Los geht es heute mit den Keepern und den Verteidigern. In den nächsten Tagen dann Mittelfeldspieler und Angreifer.
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