Archiv der Kategorie: Lesestoff

Lesestoff: Revolution im Profifußball

In der Urlaubswoche zuletzt mal wieder ein bisschen Zeit zum Lesen gehabt. Nicht nur, aber auch fußballbezogene Lesezeit. Von meiner Amazon-Wunschliste hatte mir dankensweiter ein Leser eines der dortigen Bücher zukommen lassen.

Revolution im Profifußball“* ist das Buch von Daniel Memmert und Dominik Raabe betitelt. Unter Revolution macht man Fortschritte in welchem Bereich des Fußballs auch immer ja nicht gern. Im konkreten Fall geht es bei der radikalen Veränderung (=Revolution) des Fußballs um die Nutzung von Big Data, also die sinnvolle Nutzung und Interpretation von immer mehr und neuen Daten, wie zum Beispiel Positionsdaten.

Ziel dessen ist, dass “taktische und technische Komponenten des Spiels derart analysiert werden können, dass relevante Schlüsse für das Coaching gezogen werden können”. Es wird also bei der Erhebung und Analyse von Daten vor allem auch auf Prognosen und nicht auf nachträgliche Beschreibungen gezielt. Dabei geht es dann vor allem darum, dass dem Coaching Informationen zur Verfügung stehen, die die Wahrscheinlichkeit auf Erfolge erhöhen und nicht nur nachträglich Spielverlaufe beschreiben können. Tatsächlich dürfte dieser Schritt die Königsklasse der Datenanalyse sein.

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Lesestoff: Mittendrin

Der eine oder andere wird mitbekommen haben, dass in der Länderspielpause hier Ruhe war, weil ich mir eine Auszeit gegönnt und mich mit meiner Frau frisch verheiratet für eine reichliche Woche nach Israel bewegt habe. Lesetechnisch war das durchaus recht anregend, sich mal ein wenig mit lokalen Presseerzeugnissen zu beschäftigen, auch wenn die Auswahl im englischsprachigen Bereich nicht arg groß ist.

Wie schon vor knapp 20 Jahren, als ich mal ein halbes Jahr vor Ort verbrachte, war die Jerusalem Post mein erster Anlaufort (und selbst die ist in Tel Aviv nicht gerade einfach zu kriegen; dafür kriegt man gern ‘ich habe schon seit drei Jahren keine Zeitung mehr gekauft’-Antworten, wenn man fragt, wo man eventuell eine kaufen könnte). Eine Zeitung, mit der man einen ganz guten, inhaltlich und von den Meinungen her sehr breiten und extrem anregenden Einstieg (bzw. Wiedereinstieg) darin kriegt, wie und mit welchem Fokus Themen, zu denen hierzulande meist eine verzerrte Realität gezeichnet wird, vor Ort diskutiert werden.

Schon interessant auch, wie unterschiedlich Sportseiten gefüllt werden können. Während in Deutschland, überspitzt gesagt, nur dann nicht mit Fußball getitelt wird, wenn ein deutscher Einbeiniger im Stabhochsprung Olympiasieger wird, spielte dort Fußball in der Länderspielpause selbst dann nur eine untergeordnete Rolle, wenn am Abend ein Länderspiel Israel gegen Schottland anstand. Herrlich entspannend eine Sportseite zu öffnen und dann erstmal den neuesten Stand in den Playoffs in der Major League Baseball nachlesen zu können. Oder einen Beitrag zum Basketball vorzufinden. Oder was zu Rollstuhl-Rugby oder zu Tennis-Ballkindern in Wimbledon.

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Lesestoff: Zeit der Strategen, Matchplan, Helmut Schön, Fieberwahn

Die letzten Wochen war wieder mal ein bisschen Zeit, die Nase in ein paar Bücher mit Fußballbezug zu stecken. Vor allem auch dank derjengen Blog-Leser, die fleißig meine Amazon-Wunschliste leerbestellten. Vielen Dank dafür. Immer wieder eine Freude, wenn ein kleines Paket eintrifft und dann ein Büchlein zum Vorschein kommt. Manchmal sogar zum perfekten Zeitpunkt direkt vor einer freien Woche.

So auch diesmal, was mir das Vergnügen brachte, in den letzten Wochen gleich vier sehr unterschiedliche Bücher lesen zu dürfen, die unterschiedlichen Erkenntnisgewinn mit sich brachten. Und immer muss man den Gedanken abschütteln, die Werke an einem Reng-Buch messen zu wollen. Daran können Bücher ganz notwendig nur scheitern.. Lesestoff: Zeit der Strategen, Matchplan, Helmut Schön, Fieberwahn weiterlesen

Der Fußball als Skandal und als Geschichte

Im Zuge des Bruma-Transfers nach Leipzig letzten Sommer waren für das Verständnis auch ein paar Spiegel-Artikel sehr hilfreich. Da ging es nicht so sehr um die sportliche Expertise zur neuen RB-Offensivhoffnung, sondern eher um seine Betreuung durch seinen Onkel Catio Balde, der hierzulande als Brumas Spielerberater gilt, dies aber offenbar gar nicht wirklich ist. Jedenfalls führt ihn auch Marco Kirdemir als seinen Spieler und Ralf Rangnick betonte rund um die Bruma-Verpflichtung, dass man mit dem Berater, der in der Öffentlichkeit genannt wird, gar nicht verhandle.

Den Spiegel-Beiträgen nach ist Catio Balde eine eher schwer zu durchschauende Persönlichkeit und hat ja auch im avisierten Deal mit Umaro Embalo wieder seine Finger im Spiel bzw. tritt diesbezüglich als Embalos Vertreter bzw. als Fürsprecher eines Wechsels nach Leipzig auf. Sein Job besteht unter anderem darin, Spieler aus Guinea-Bissau nach Portugal zu bringen. So war es mit 12 bei Bruma und so war es mit 14 bei Umaro Embalo. Geld verdient Balde dann vor allem daran, dass diese Jungs in Portugal Profiverträge unterschreiben.

Bei Bruma verdiente Balde dann auch daran, dass er zehn Prozent der Transferrechte hielt und entsprechend an möglichen Transfers gut verdienen konnte. 2013 verkaufte er dann aber Transferrechte und Bildrechte an Pini Zahavi, einen anderen Spielerberater, für eine mittlere fünfstellige Summe. Ein Deal, der später bezüglich Brumas Bildrechten Teil eines Rechtsstreits wurde. Durchaus möglich, dass Balde auch bei Embalo ein paar Rechte hält, die einen Wechsel von Benfica zu RBL auch für ihn schon jetzt lukrativ machen, auch wenn hierzulande Beratergebühren bei Wechseln von Minderjährigen inzwischen verboten sind.

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Lesestoff: Wochendrebellen, Spieltage, Hool

Die Länderspielpause, also nicht die aktuelle, sondern die davor, war mal wieder die Gelegenheit, sich Lesestoff zu widmen, der zwar mit Fußball, aber mit Tagesaktualität nichts zu tun hatte. Zeiten, die in den vielen englischen Wochen und dem Hangeln von Spiel zu Spiel auch immer knapper wird. Gesponsert wurde der Lesestoff unter anderem von Bloglesern, die mich dankenswerterweise mit Büchern von meiner Amazon-Wunschliste bedachten. Vielen Dank!

Wir Wochenendrebellen

Eines der Bücher kam allerdings auf einem anderen Wege in mein Haus. Nämlich als eine Art Rezensionsexemplar. Ein Buch von Mirco von Juterczenka, bei Twitter als @MircovJ unterwegs. Besser bekannt auch als einer von zwei Wochenendrebellen, über deren Abenteuer auf der entsprechenden Blogseite berichtet wird, die auch einen Podcast beinhaltet.

Bei den Wochenendrebellen handelt es sich um besagten Mirco von Juterczenka und seinen autistischen Sohn Jason. Irgendwann hatten sie es sich zum Ziel gesetzt, einen Verein für den Sohn zu finden, was voraussetzte, dass der Sohn alle Vereine in Deutschland besuchen musste, um überhaupt zu wissen, was es so alles gibt und wie das mit dem Fansein überhaupt funktioniert. Weswegen sie nun durch Deutschlands (und nicht nur Deutschlands) Fußballstadien reisen.

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Nachhaltigkeitsdebatten ohne erhobenen Zeigefinger

Fühlt sich zwar schon wieder wie drei Monate her an, aber vor gar nicht allzu langer Zeit war dieser Blog ja aus Urlaubsgründen geschlossen. Die Zeit, wo man auch mal etwas länger und am Stück dazu kommt, alles mögliche wegzulesen, was über das Jahr liegengeblieben ist. Zeitschriften und Bücher mit sportlichem, aber auch nicht sportlichem (oder nur methaporisch sportlichem) Inhalt.

Zu meiner Urlaubslektüre gesellte sich auch ein Buch, was mir einer der Blogleser namens Till dankenswerterweise von meiner Wunschliste zukommen ließ. Dabei handelt es sich um Ronny Blaschkes Gesellschaftsspielchen.

Den Autor war kürzlich schon bei einer Rasenballisten-Diskussionsrunde im Theater der Jungen Welt im Anschluss an das Stück “Juller’ als recht klarer, angenehm und vernünftig argumentierender Mensch aufgetreten. Blaschke ist Journalist und als solcher vor allem mit Themen an der Schnittstelle zwischen Sport und Politik beschäftigt. Man kann ihn im Radio beispielsweise im Deutschlandfunk immer mal wieder als Autor verschiedener Stücke hören. Buchtechnisch hat er mal über Marcus Urban, einen schwulen Fußballer und über Rechtsextremismus im Fußball, in dem es unter anderem um Lok Leipzig ging, geschrieben.

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Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Drei Wochen Urlaub am Stück gab es in diesem Sommer für mich. Fast schon opulente Zustände, die auch dazu führten, wieder mal viel Zeit zum Lesen von Büchern zu haben. Neben einigen Werken, die gar nichts mit Sport zu tun hatten, schlich sich aber dank der Gabe des twitternden @rbfreund auch ein Büchlein mit Fußballbezug in die Leseliste.

Das Buch trägt den Titel “Die Wahrheit liegt auf dem Platz” und den protzigen Untertitel “Warum (fast) alles, was wir über den Fußball wissen, falsch ist” (im englischen Original hat man im Untertitel das “(fast)” sogar noch weggelassen). Ein Untertitel, der etwas arg dick aufgetragen ist, denn nach dem Lesen des Buchs hat man nicht wirklich das Gefühl, dass sich irgendetwas auf den Kopf gestellt hätte. Vielmehr ergänzt das Buch an manchen Stellen einfach auf angenehme Art und Weise die Sicht auf das Spiel.

Das Buch dreht sich (an der Stelle sind dann wahrscheinlich 80 Prozent der LeserInnen weg) um Statistik. Die Autoren Chris Anderson und David Sally glauben an den Erkenntnisgewinn, den man aus Daten über den Fußball gewinnen kann und nutzen ihr Buch, um Zahlen und Analysen vorzustellen und auch manchmal darzulegen, an welcher Stelle man mit solchen Analysen vielleicht zu anderen Entscheidungen kommen würde, als es Clubs manchmal tun.

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Vom Libero zur Doppelsechs

“Oh man, jetzt schieß doch mal!” Wer erwischt sich nicht selbst und vor allem natürlich seine Nebenleute mal bei einem Fußballspiel bei diesem Ausruf (vielleicht ist es ja auch nur ein RB-Phänomen, wo Schüsse von jenseits der Strafraumgrenze seit der Zorniger-Zeit auf dem Index zu stehen scheinen). Es ist dies Teil dessen, dass beim emotionalen Erleben eines Fußballspiels als Fan einer der beteiligten Mannschaften vor allem Individualaktionen wie Zweikämpfe, Dribblings oder eben Torschüsse im Mittelpunkt des Erlebens und Beurteilens stehen.

Es gibt aber jenseits dessen (und neben vielem anderen) auch die Ebene der Taktik, die sich wesentlich weniger intuitiv erschließt und erleben lässt und das Fußballspiel mit einer Komplexität auflädt, die schwer vermittelbar ist. Bzw. Fußballlehrer auf einer Ebene von Komplexität und Nerdigkeit arbeiten, die mit der Bewertung der Geschehnisse durch die Anhänger vom Ergebnis her nur schwerlich in Übereinstimmung zu bringen ist.

Seit ein paar Jahren finden sich allerdings immer mehr dem Fußball anhängende Menschen zusammen, die den theoretischen Unterbau des Spiels verstehen und ihn erklären bzw. erklärt haben wollen (vielleicht weil sie statt “Schieß doch!” auch mal “Klapp doch ab!” rufen wollten). In Deutschland nimmt da spielverlagerung.de sicherlich eine herausragende Stellung ein. Sowohl hinsichtlich der Reichweite als auch hinsichtlich der Erklärungstiefe.

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Aufstieg ohne Grenzen

Wieder mal eine Buchrezension hier im Blog. Nicht dass diese Online-Präsenz noch Teil der Hochkultur wird. Ach nee, keine Angst, es geht zwar um ein Buch, aber weiterhin um Fußball. Und während vor einem halben Jahr die Sicht auf RB Leipzig aus Fansicht dran war, ist es diesmal der journalistische Blick auf sieben Jahre RasenBallsport, der pünktlich zur Buchmesse seinen Weg in die Regale gefunden hat.

“RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen” heißt das Büchlein, das 176 Seiten umfasst und den Anspruch hat, “die überregionale Diskussion über und Bewertung von RB Leipzig durch zahlreiche, zum Teil neue Fakten, Details, Hintergründe, Zusammenhänge und Bewertungen auf ein neues Niveau zu heben” und den RB-Anhängern “jede Menge neue Impulse” zu liefern.

Geschrieben wurde die zweite Auseinandersetzung mit RB Leipzig in Buchform von Ullrich Kroemer, seines Zeichens freier Journalist, der sich seit 2012 intensiv mit dem Verein beschäftigt und in vielerlei bundesweiten Publikationen darüber berichtet hat. Seit der ersten Hälfte des Jahres 2015 findet man die journalistische Arbeit zu RB Leipzig auch in der tagesaktuellen Berichterstattung in der Mitteldeutschen Zeitung.

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