Bilanzen vom Rande des Spielfelds aus der Bundesliga 2018/2019

Die Bundesligasaison ist ja bereits Geschichte. Kann man also schon mal mit dem Bilanzieren anfangen. Und da es mit dem RasenBallsport für diese Saison noch nicht ganz vorbei ist (#irgendwasmitfinale), bietet es sich an, sich nicht dem sportlichen Teil zuzuwenden, sondern dem Geschehen auf den Zuschauerrängen in der Bundesliga und natürlich insbesondere bei RB Leipzig.

25 Pflichtspiele hat RB Leipzig in dieser Saison zu Hause absolviert. Das war dank der Europa-League-Qualifikation noch mal eins mehr als in der Vorsaison und gleich acht mehr als in der ersten Bundesligasaison, als in der Red Bull Arena nur Ligaspiele zu sehen waren.

Vom Zuschauerzuspruch her war es für RB Leipzig eine durchwachsene Saison mit Höhen und Tiefen. Gerade Spiele unter der Woche in einem Nicht-Bundesliga-Wettbewerb waren eher zähe Geschichten (selbst wenn die Preise teilweise sehr niedrig waren). Die gerade mal 21.000 in einem Achtelfinale des DFB-Pokal gegen Wolfsburg im Februar waren da sicherlich der Tiefpunkt.

Vor allem interessant, dass zum selben Spiel im selben Wettbewerb in derselben Runde noch vier Jahre zuvor das Stadion komplett voll war. Deutlicher kann man angesichts ähnlicher Rahmenbedingungen gar nicht ausdrücken, dass der erste Fußballhunger und der Hype um den Aufstieg von RB Leipzig aus der fünften Liga nach ganz oben durch ist. Vor vier Jahren mobilisierte das Spiel eines Zweitligisten gegen einen Bundesligisten noch über 40.000 Zuschauer, inzwischen ist dasselbe Spiel zwischen zwei Bundesligisten für viele offenbar eine Art Alltagsware, für man kein zusätzliches Geld ausgeben will.

(Wie immer gilt in dieser jährlichen Auseinandersetzung mit den Besucherzahlen, dass das wertfrei und beschreibend gemeint ist. Schwanzvergleiche oder das Anprangern von Fans, die sich solche Spiele sparen, sind meine Sache nun wirklich nicht.)

Enttäuschend dürfte aus Sicht der Ticketverantwortlichen auch der Zuspruch in der Europa League in einer eigentlich attraktiven Gruppe gewesen sein.  Einzig das Spiel gegen Celtic war mit fast 40.000 Zuschauern zumindest gut gefüllt. Gerade mal 24.000 gegen Salzburg und keine 17.000 gegen Rosenborg BK waren sehr dünn.

Konsequenz daraus dürfte auch sein, dass für die kommende Champions-League-Gruppenphase die Spiele unterschiedliche Preise bekommen. Eine Partie in der Topspielkategorie, eine Partie in der Preiskategorie drunter und eine Partie sogar nur in der dritthöchsten Kategorie. Also eine Mischung aus Geld verdienen (Topspiel), aber in der Breite trotzdem das Stadion gefüllt kriegen. Man hat ja schon angekündigt, im Ticketing neue und flexiblere Wege gehen zu wollen. Das ist sicherlich als einer der Schritte in diese Richtung zu sehen. Über allem bleibt dabei ja auch, dass Oliver Mintzlaff ganz oben im Verein so seine Erwartungen haben dürfte, was über die Saison gesehen aus dem Ticketbetrieb zu erlösen ist.

  • 2009/2010: 2.150 (Oberliga)
  • 2010/2011: 4.206 (Regionalliga)
  • 2011/2012: 7.396 (Regionalliga)
  • 2012/2013: 7.557 (Regionalliga) (ohne Relegation)
  • 2013/2014: 16.735 (3. Liga)
  • 2014/2015: 25.026 (2.Liga)
  • 2015/2016: 29.440 (2.Liga)
  • 2016/2017: 41454 (Bundesliga)
  • 2017/2018: 39397 (Bundesliga)
  • 2018/2019: 38380 (Bundesliga)

Zum zweiten Malin Folge sank der Zuschauerschnitt bei RB Leipzig. Allerdings nicht mehr so stark wie vom ersten zum zweiten Bundesligajahr. Um rund 1.000 Zuschauer pro Spiel ging der Schnitt zurück. Wobei zu beachten ist, dass die Kapazität des Stadions auch um 600 Plätze geringer war als noch im Vorjahr. Aber selbst bei einer Kapazität wie im Vorjahr wäre der Schnitt noch um 800 gesunken, bleibt also ein realer Rückgang der Zuschauerzahlen.

Dabei hatte man allerdings in den letzten Saisonspielen den Eindruck, als würde der Zuspruch wieder deutlich anziehen. In einer Saisonphase, in der RB Leipzig sportlich sehr gut war und in der es nur noch wenige Heimspiele und keine mehr unter der Woche gab, wurde der Ausflug in die Red Bull Arena wieder zu einem gern genommenen Erlebnis. 40.900 Zuschauer in den letzten fünf Spiele waren bei einer Kapazität von 41.939 ein sehr guter Schnitt. Da fehlte das Ausverkauft-Schild manchmal auch nur wegen eines nicht ganz vollen Gästeblocks.

Wobei wie schon letzte Saison deutlich zu sehen war, dass es zwischen Ausverkauft und Ausverkauft doch deutliche Unterschiede gibt. Gegen die Bayern war das ausverkaufte Stadion sehr voll. In anderen Ausverkauft-Partien war die No-Show-Rate doch deutlich höher (selbst wenn man einrechnet, dass einige Anhänger die Partien stehend über dem Unterrang verfolgen und nicht an ihrem Sitzplatz). Da gab es auch Spiele, wo dann das letzte Kontingent an Tickets einfach in die Ticketbörse ging und die Partie als ausverkauft galt, aber in der Ticketbörse, die vornehmlich für nicht genutzte Dauer- und Tageskarten gedacht ist, noch viele Tickets zu finden waren.

Im Bundesligavergleich sind natürlich auch in dieser Saison wieder Bayern und Dortmund die absoluten Zuschauerkönige. Die Bayern-Spiele waren wie immer alle komplett ausverkauft. Und selbst bei einem Pokalviertelfinale gegen Heidenheim finden sich 75.000 Zuschauer, die nach Fröttmaning pilgern. Auch die Auswärtsspiele des FCB waren alle ausverkauft. Das ist schon beeindruckend.

RB Leipzig liegt in Sachen Zuschauerschnitt auf Rang 11 und damit einen Platz besser als im Vorjahr. Der Schnitt ist natürlich begrenzt durch die Stadiongröße, aber Platz 11 spiegelt wohl recht gut den aktuellen Zustand des Bundesligastandorts Leipzig in Sachen Faninteresse im Vergleich der Liga wider.

Am unteren Tabellenende ist erneut der SC Freiburg zu finden. Das liegt allerdings nur am kleinen Stadion. Das ist im Heimbereich praktisch immer ausverkauft. Gerade mal 116 Plätze bleiben insgesamt bei SC-Spielen im Schnitt frei. Da wird man bald nach einem Stadionneubau sehen, wo das tatsächliche Zuschauerpotenzial des Klubs liegt. Die rund 100% Auslastung verweisen jedenfalls darauf, dass Freiburg eines der weniger Teams ist, denen das Stadion deutlich zu klein ist.

Im Bereich von unter 30.000 Zuschauern finden sich auch noch Augsburg, Hoffenheim, Leverkusen, Mainz und Wolfsburg. Angsichts der dortigen Auslastung zwischen 79% und 94% wäre dort die These, dass deren Stadien zu klein sind, eher nicht haltbar. Das sind schlicht, rein vom Interesse her die kleineren Standorte der Bundesliga.

Über die Liga gesehen ist die Auslastung der Stadien gut. Nur drei Klubs können im Schnitt nicht 80% der Plätze füllen. Bei Hertha liegt das schlicht an der unmöglichen Größe des Stadions (wenn sie das gewünschte 50.000er-Stadion hätten, hätten sie eine sehr hohe Auslastung). Bei Hannover hat der sportliche Misserfolg und die Querelen im Verein einen sehr großen Teil des Publikums vertrieben. Und in Mainz muss man sich tatsächlich Sorgen machen über den permanenten Zuschauerverlust. Seit 2015/2016 hat man pro Spiel rund 5.000 Fans verloren. Das ist dann durchaus eine beträchtliche Größe für einen eher kleinen Klub.

Sehr gut ist die Auslastung neben Freiburg nicht nur in Dortmund oder München. Auch die großen Standorte in Gelsenkirchen, Bremen und Frankfurt können Zahlen im sehr hohen 90er-Bereich vorweisen. Gerade auf Schalke ist es erstaunlich, dass der sportliche Einbruch nicht stärker bestraft wurde. Schlägt sich manchmal aber auch erst mit Verspätung in den Zuschauerzahlen nieder. Schalke ging schließlich als Vize-Meister in die Saison und damit eigentlich mit einer gewissen Euphorie.

Zahlen zwischen 93 und 94% Auslastung bilden so die Mitte der Liga. RB Leipzig befindet sich da mitten in einem Feld aus insgesamt sechs Klubs, darunter Mönchengladbach oder Stuttgart. Erstaunlich gering ist die Auslastung bei den Aufsteigern Düsseldorf und Nürnberg. Gerade bei der sehr guten Saison der Fortuna hätte man mit höherem Besucherschnitt gerechnet. Aber das Stadion ist auch sehr groß und beiden Klubs merkt man eben auch an, dass sie lange in der zweiten Liga spielten und der nachhaltige Fannachwuchs deswegen vielleicht fehlt. Die extremen Zuwächse im Zuschauerschnitt zeigen zumindest für beide Klubs, dass sie von einem vergleichsweise geringen Ausgangsniveau kommen.

Insgesamt neun Vereine vermeldeten in dieser Saison ein Minus bei ihren Zuschauerzahlen. Das sind drei Vereine weniger als vor einem Jahr. Dass Hannover und Stuttgart in für sie üblen Spielzeiten Zuschauer verlieren, liegt auf der Hand, wobei der Zusammenbruch bei den 96ern sich eben nicht nur aus der sportlichen Talfahrt erklärt. Die deutlichen Rückgänge vor allem in Mainz, aber auch in Mönchengladbach, Wolfsburg oder Leipzig sind da aufgrund der eigentlich besseren sportlichen Leistungen bemerkenswerter.

Im Vergleich zur Vorsaison sind die Zuschauerzahlen im Schnitt um 1.200 zurückgegangen. Das ist aber immer ein schwieriger Vergleich, weil von Jahr zu Jahr die Stadiongrößen insgesamt unterschiedlich sind. Die Gesamtkapazität ging nämlich zu dieser Saison um 2.600 zurück, weil die Stadien der Absteiger Köln und HSV zusammen etwas größer sind als jene der Aufsteiger Düsseldorf und Nürnberg.

Wenn man mal nur die 16 Vereine vergleicht, die letzte Saison auch schon Bundesliga spielten, dann bleibt aber trotzdem ein Minus von 405 Zuschauern im Schnitt pro Klub pro Spiel. Das sind dann halt über die Saison mal auch eben insgesamt 110.000 Fans, die fehlen. Hertha fängt das mit einem Plus von rund 4.000 Fans sogar noch etwas auf und gleicht damit die Vorjahresverluste halbwegs aus. Das fünf Klubs ein Zuschauerplus hatten (Augsburg, Bremen, Frankfurt, Hertha und Dortmund, weil die diesmal keine Tribünensperrung hinnehmen mussten oder ein zu boykottierendes Montagsspiel hatten), konnte die Verluste bei neun Vereinen aber nicht auffangen.

Schon im Vorjahr war für die 16 Klubs, die schon 2016/2017 dabei waren, ein Minus von fast 700 Fans pro Spiel zu verzeichnen. Damit manifestiert sich der Trend, dass die Liga bereinigt von Dinge wie sich verändernden Stadiongrößen Zuschauer verliert. Wie relevant die Größe des Verlusts ist, müssen die Vereine selbst bewerten. Fakt ist, dass es nicht so einfach ist, die Stadien (jenseits von Dortmund und Bayern) permanent zu füllen.

Vergleicht man die Zuschauerzahlen für die 14 Vereine, die diese Saison Bundesliga spielten und dies schon vor zwei Jahren taten, dann bleibt ein Minus von rund 650 Zuschauern pro Spiel pro Verein oder ein Rückgang über zwei Jahre für 14 Mannschaften von rund 150.000 Zuschauern. Das ist durchaus nicht wenig, resultiert aber auch hauptsächlich aus den Zuschauerrückgängen in Mainz, Wolfsburg und Leipzig mit jeweils Verlusten von rund 3.000 Zuschauern pro Heimspiel. Gladbach hat auch noch rund 2.000 Fans verloren. Ansonsten blieben die Klubs anderen Klubs, die mindestens die letzten drei Jahre in der Bundelsliga spielten, relativ stabil.

[Heim = Zuschauerschnitt bei den Heimspielen; +/- = Veränderung beim Zuschauerschnitt bei den Heimspielen im Vergleich zur Vorsaison 2017/2018; Heim/100.000 = Anzahl der Zuschauer pro 100.000 Einwohner der jeweiligen Stadt; Ausl = Auslastung des Stadions in Prozent]

TeamHeim+/-Heim/100000Ausl
Bayern7500005172100
Dortmund8084113451379599
Leipzig38380-1017672192
Leverkusen27990-4251717293
Gladbach49668-13181903092
Wolfsburg24479-12341974182
Frankfurt49765606676297
Bremen41403533733898
Hoffenheim28456-2608130294
Düsseldorf4385714893715582
Hertha492583935136866
Mainz26246-25201226579
Freiburg23894010480100
Schalke60941-3562317298
Augsburg28618380986893
Stuttgart54551-1815868693
Hannover38365-4341719878
Nürnberg403729814788581

Die schlechtbesuchteste Partie in dieser Saison war die Begegnung zwischen Mainz und Wolfsburg mit unter 20.000 Zuschauern. Die einzige Partie mit weniger als 20.000 Zuschauern. Gerade mal zu 58% war das Stadion an diesem Tag beim FSV ausgelastet. Reichlich vier von zehn Plätzen blieben also leer.

Die schlechteste Auslastung der Saison hatte Hertha in einem Heimspiel gegen Augsburg als gerade mal 37% der Plätze belegt waren. Keine 28.000 Zuschauer verloren sich in der Schüssel für knapp 75.000 Zuschauer. Auch bei Nürnbergs Heimspiel gegen Wolfsburg war bei 52% Auslastung eher tote Hose.

Insgesamt war die Auslastung bei den schlechtesbesuchten Spielen bei fast allen Bundesligisten schlechter als noch in der Vorsaison. Also auch bei Teams, die im Schnitt eigentlich mehr Zuschauer begrüßten. Das könnte darauf verweisen, dass die Tendenz bei der Spielauswahl immer mehr zu Highlights geht. Gerde die Zuschauerzahlen unter der Woche in der kalten Jahreszeit sind teilweise extrem niedrig gewesen.

Auch in Leipzig fiel die Auslastung weiter. Letzte Saison war das Stadion im schlechtesten Fall offiziell noch zu 75% gefüllt, in dieser Saison beim Heimspiel gegen Mainz nur noch zu 72%. Knapp über 30.000 waren es an einem Tag im Dezember. Und da ist die No-Show-Rate wie üblich in der Bundesliga noch gar nicht ausgewiesen und eingerechnet.

Gerade mal fünf Vereine hatten bei ihrem schlechtbesuchtesten Spiel mehr als 90% aller Plätze belegt. Entsprechend kann man auch nur bei den Stadien in München, Dortmund, Gelsenkirchen, Freiburg und Bremen davon sprechen, dass hier die Auslastung konstant sehr hoch ist. Bei allen anderen Stadien gilt das nur mit Abstrichen.

[Best = Anzahl der Zuschauer beim bestbesuchten Heimspiel; Schlecht = Anzahl der Zuschauer beim schlechtestbesuchten Heimspiel; Range = Wieviel Prozent des bestbesuchten Spiels besuchten auch das schlechtestbesuchte Spiel?; Ausverkauft = Anzahl der ausverkauften Heimspiele; ]

TeamBestSchlechtRangeAusv
Bayern750007500010017
Dortmund81365757009311
Leipzig4193930136725
Leverkusen3021024632825
Gladbach5402241257765
Wolfsburg3000020334682
Frankfurt5150043800856
Bremen42100391009310
Hoffenheim3015023404785
Düsseldorf5340034394645
Hertha7466927939371
Mainz3330519205582
Freiburg24000235009811
Schalke6227158271944
Augsburg3066025733845
Stuttgart5868046072792
Hannover4900030400622
Nürnberg5700029604525

Beim Gesamtzuschauerschnitt pro 34 Spielen liegt Dortmund wegen des größeren Stadions vor den Bayern. Über 63.000 Zuschauer hatte jedes BVB-Spiel. Über 2,16 Millionen Menschen sahen die Dortmunder in dieser Saison live im Stadion.

Bayern und Dortmund sind auch die Vereine, die auswärts die meisten Fans ziehen, wenn man sich den (ohne mit statistischen Details zu langweilen) bereinigten Schnitt bei Auswärtsspielen anschaut (Ausw II unten in der Tabelle). Beide Vereine funktionieren weiterhin an fast jedem Tag in der Woche zu jeder Jahreszeit.

Zu den großen Zugpferden der Liga gehören auch Schalke, Mönchengladbach und Bremen. Das sind jene drei Klubs, die neben Bayern und Dortmund auch über eine relevante bundesweite Fanbasis verfügen und entsprechend die Auswärtsblöcke stets sehr gut füllen und auch für die Heimfans interessant sind. Danach folgt ein breites Mittelfeld von Frankfurt und Stuttgart bis Hannover und Hertha.

RB Leipzig ist im dritten Bundesligajahr erstmals ins letzte Drittel gerutscht. Bisher lag man, was das Interesse in Auswärtsstadien anging, immer im guten Mittelfeld der Liga. Nun ist man noch hinter Hoffenheim der Klub mit dem viertschlechtbesuchtesten Auswärtsspielen der Liga. Auf Augenhöhe mit Wolfsburg und Augsburg. (Ja, es gab ein paar unglückliche Geschichten wie in Stuttgart mitten auf dem Höhepunkt der dortigen Krise und Zuschauerenttäuschung anzutreten oder in Frankfurt an einem Sonntagabend einen krassen Sturm mitzunehmen, aber das erklärt die Rückgänge der Zahlen nicht komplett.) Das überrascht ein wenig und legt die These nahe, dass die erste Aufregung um RB und um deren Hintergrund vorbei ist und entsprechend auch auswärts der Hype, dem Dosenklub ein Bein zu stellen, erst mal vorbei ist. Da RB auch selbst kein Klub ist, der viele Fans zu Auswärtsspielen mitbringt, sinkt halt die Zahl deutlich. Normalität kehrt um RB langsam ein, könnte man auch zusammenfassen.

Mit Hannover und Nürnberg verliert die Liga diese Saison in jedem Fall zwei Klubs, die bundesweit nur für durchschnittliches Interesse gesorgt haben. Mit Köln kommt ein Klub hoch, der vorletzte Saison noch zu den absoluten, emotionalen Zugpferden der Liga gehörte. Mit Paderborn kommt ein Klub dazu, der sich aufmerksamkeitstechnisch eher am Tabellenende einordnen wird.

In Sachen Sky-Quoten fällt auf, dass die Bayern noch mal deutlich zugelegt und ihre Spitzenstellung ausgebaut haben. Zeige ein Bayern-Spiel und du hast zu jeder Tages- und Nachtzeit viele Zuschauer vor dem Fernsehen. Logisch, dass die ARD im Pokal im Normalfall lieber ein Bayern-Spiel bei einem Regionalligisten zeigt als sagen wir Leipzig gegen Wolfsburg. Frankfurt in den Sky-Quoten mit dem größten Sprung nach oben (von 11 auf 4), was sich vor allem dadurch erklärt, dass der lange Europapokal-Ausflug zu sehr vielen Sonntagsspielen ohne parallele Bundesliga-Konkurrenz führte.

RB Leipzig rutscht bei den Sky-Quoten von 6 auf 7, hatte allerdings auch nicht mehr so viele Sonntagsspiele wie noch in der letzten Saison. Im TV funktioniert es offenbar noch wesentlich besser, dass Spiele gegen RB gern genommen werden, sei es weil man sie scheitern oder weil man sie siegen sehen will (sprich, weil sie polarisieren). Am 34. Spieltag war Werder gegen RB bspw. das drittinteressanteste Spiel für die Zuschauer hinter den Spielen von Bayern und Dortmund. Die Spiele zwischen Bayern und Leipzig gehören eigentlich immer zu den Quoten-Highlights.

Am Ende der Sky-Quoten-Tabelle dann Hoffenheim, Freiburg, Wolfsburg und Augsburg. Im Englischen würde man Small-Market-Teams sagen.

[Schnitt = Gesamtzuschauerschnitt über 34 Spiele; Ausw = Zuschauerschnitt bei 17 realen Auswärtsspielen; Ausw II = Zuschauerschnitt bei 18 Auswärtsspielen (jedes Team bekommt hier ein fiktives, zusätzliches Auswärtsspiel im eigenen Stadion mit ihrem Durchschnittsheimbesuch hinzugerechnet (Bayern hat also ein 18. Auswärtsspiel mit 75.000 Zuschauern, so wie alle anderen Vereine, die nach München fahren), um Effekte unterschiedlicher Stadiengrößen bei den Auswärtsfahrten auszugleichen und einen für alle Vereine vergleichbaren Wert zu haben.); Sky = Zuschauer bei Sky in Millionen, die im Schnitt Partien des Teams wählten (0,79 = 790.000 Zuschauer pro Spiel bei Sky), Quelle ist meedia.de]

TeamSchnittAuswAusw IISky
Bayern6094946898484601,09
Dortmund6362246403483160,92
Leipzig3997941577414000,49
Leverkusen3561143232423850,45
Gladbach4757645485457170,50
Wolfsburg3330642132411520,25
Frankfurt4648143198435620,56
Bremen4334545286450700,55
Hoffenheim3568342911421080,29
Düsseldorf4349043123431640,40
Hertha4559241926423340,39
Mainz3396241679408210,35
Freiburg3382843761426570,28
Schalke5257644210451400,64
Augsburg3525341888411510,24
Stuttgart4877342996436380,43
Hannover4047942593423600,37
Nürnberg4158042787426530,33

Bei den Topkulissen liegt natürlich der FC Bayern München vorn. 17mal sorgte der auswärts für ein ausverkauftes Haus, so oft wie kein anderer Klub der Liga. Bleibt erstaunlich, dass quer durch Deutschland alle in reichlicher Zahl in ein Stadion strömen, um zuzugucken, wie die Bayern mal wieder gewinnen.

Dahinter sind Klubs wie Dortmund, Gladbach, Schalke, Stuttgart und Bremen jene, die für Topkulissen in fremden Stadien sorgen. Weil sie einerseits viele Fans mitbringen, aber auch für die Heimfans interessant sind (und sei es, weil es Duelle mit regionaler Nähe sind).

RB Leipzig reiht sich hier wie schon letzte Saison ganz hinten ein. Nur zweimal verbuchte man im fremden Stadion eine Topkulisse. In München, weil dort immer 75.000 Zuschauer kommen und in Bremen zuletzt, weil man dort zur Abwechslung zu allen anderen Auswärtsspielen der Saison jenseits der Bayern den Gästeblock gefüllt bekam.

Insgesamt rund 10.000 RB-Fans weniger als noch in der Vorsaison reisten in dieser Saison in der Bundesliga ihrem Team hinterher. Insgesamt 16.000 weniger als im ersten Bundesligajahr sind das nun, also rund 1.000 weniger pro Partie. Allerdings relativiert sich das etwas, weil im Vergleich mit den Vorjahren einfach nur die extremen Spitzen der Spiele in München, Berlin oder Dortmund (erste Saison) weggefallen sind. Die im Schnitt 1.600 Fans pro Auswärtsspiel entsprechen der realen Lage viel eher als die wegen fast 10.000 Fans in Berlin gepimpten Zahlen aus den Vorjahren. Die Zahl kann wie in Mainz auch mal unter 1.000 fallen, aber realistisch sind fast immer und überall irgendwas zwischen 1.200 und 1.400 und dazu dann eben Highlights wie Berlin oder diese Saison die Auswärtsfahrt nach Bremen. Konsolidation auf dem Niveau der Vorjahre könnte man beim Kern der Auswärtsfahrer sagen.

Topkulissen der 18 Bundesligisten gegen (Mehrfachnennungen, weil bei allen Vereinen mehr als einmal die gleiche Topkulisse zusammenkam):

  • Bayern – 17
  • Dortmund – 13
  • Gladbach – 9
  • Schalke, Stuttgart, Bremen – je 7
  • Frankfurt – 6
  • Nürnberg – 5
  • Düsseldorf, Hertha – je 4
  • Hannover, Wolfsburg, Freiburg, Mainz – je 3
  • Hoffenheim, Augsburg, Leipzig – je 2
  • Leverkusen – je 1

Nur acht Mannschaften waren bei ihren Auswärtsfahrten nie an Minuskulissen beteiligt. Wenn Mainz zu Besuch war, verbuchten gleich vier Vereine den schlechtesten Besuch der Saison (Wolfsburg, Augsburg, Hannover und Leipzig). Leipzig schaffte das aber auch dreimal und damit noch einmal mehr als in der Vorsaison (in Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart). Ansonsten versammeln sich in der Liste all jene Teams, die auch bei den sonstigen Zahlen zum Zuschauerinteresse meist weiter hinten lagen.

Minuskulissen von 17 Bundesligisten gegen (ohne Heimspiele der Bayern, weil 17mal die gleiche Minuskulisse, weil immer ausverkauft):

  • Mainz – 4
  • Leipzig – 3
  • Wolfsburg, Hannover – je 2
  • Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt, Freiburg, Augsburg, Hertha,  – je 1

Über die Zahlen drübergesehen bleibt die Konstante, dass nur Dortmund und Bayern bundesweit und immer und zu jeder Zeit funktionieren. Sie sind in Sachen Zuschauerinteresse, Image und bundesweitem Funktionieren unerreichbar für alle anderen Klubs.

Dahinter bildet sich ein breites Mittelfeld mit verschiedenen Teams, die wohl unter dem Label Traditionsteams zu subsumieren wären. Gladbach, Stuttgart, Bremen, Schalke, Frankfurt also. Und mit teils deutlichen Abstrichen dahinter kommen dann Düsseldorf, Freiburg, Nürnberg, Leverkusen, Hannover oder Hertha.

RB Leipzig reiht sich (außer beim Sky-Interesse) erstmals im letzten Drittel der Bundesliga ein und rutscht damit ein wenig aus dem komfortablen Mittelfeldplatz, den man in den letzten beiden Spielzeiten noch hatte. Naheliegende These wäre, dass die Polarisierung, die mit dem Verein in die Bundesliga kam, langsam keine Rolle mehr spielt bzw. nicht mehr für so viel Furore führt, dass es die Stadien füllt. Zusammengenommen mit dem weiter sinkenden Heimschnitt ist das eine Zwischenbilanz mit negativer Tendenz. Weiter auch naheliegend auf die Erfahrungen mit Hoffenheim zu verweisen, die die Bundesliga auch zuschauertechnisch im Sturm eroberten, um dann ab dem zweiten Jahr etwas in sich zusammenzufallen, bis man ein normales Team war und in den letzten Jahren wieder mit größer werdendem Zuschauerschnitt aufwarten kann.

Insgesamt sinken die Zuschauerzahlen in der Bundesliga weiter. Wie schon im Vorjahr gibt es jenseits der Neulinge nur wenige Klubs, die mehr Zuschauer begrüßen konnten als im Vorjahr. Das ist eine Tendenz, über dessen Ursachen sich trefflich streiten lässt. „Scheiß Kommerz“ und „Fußballmafia DFB/ DFL“ hört man es aus der einen Ecke hallen. Könnte aber auch einfach sein, dass es einen kulturellen Wandel in der Freizeitgestaltung von (jungen) Menschen gibt, bei dem Live-Stadionbesuch nicht zwangsläufig in der Konstanz über die gesamte Saison dieselbe Bedeutung hat wie in den Vorjahren.

Letztlich halt auch die Frage, ab welchem Punkt man so etwas wie einen Zuschauerrückgang als Problem ansehen will. Vor rund 20 Jahren hätte man von solchen Arenen und Besucherzahlen wie heute geträumt. Von daher ist es halt auch immer eine Frage des Bezugsrahmens. Permanentes Wachstum gibt es nirgendwo und nicht immer sagt das Ende eines Wachstums etwas darüber aus, dass der Gegenstand sich verschlechtert hätte. Auf der anderen Seite zeigt ja schon der Unterschied zwischen den Zuschauerzahlen bei einem Dienstags- oder Samstagsspiel oder im DFB-Pokal vs. in der Bundesliga, dass es Faktoren gibt, die eine hohe Besucherzahl befördern oder behindern.

Festzuhalten bleibt auch, dass der Fußball im TV weiter gut funktioniert. Sky auch diese Saison in der Bundesliga wieder mit guten Quoten. Klar war das irgendwann auch durch einen spannenden Meisterschaftskampf getrieben. Letztlich ist die noch mal deutliche Steigerung der Bayern-Quoten zum Beispiel aber auch das Zeichen, dass die angekündigte Sättigung in der Breite der TV-Fußball-Fans noch nicht erreicht wurde. Vielleicht wird es aber in Zukunft auf eine noch stärkere Fokussierung auf einzelne Leuchttürme (also auf Bayern und Dortmund) hinauslaufen, wenn die Zuwendung zu Welt, Stars und Klubs immer globaler wird und sich nicht mehr so sehr aus lokalen Verbundenheiten erklärt.

Insgesamt bleibt die Bundesliga weiter für Zuschauer hochattraktiv. Die Zuschauerzahlen bleiben auf hohem Niveau vergleichsweise stabil. Es gibt gerade mit Mainz, Leipzig und auch Wolfsburg aber einige Standorte mit größeren Einbrüchen auf sehr unterschiedlichen Ebenen, die den dortigen Verantwortlichen zu denken geben sollte. Wird die nächsten Jahre interessant, ob sich an die Stelle der nachlassenden Polarisierung bei RB etwas anderes setzt, das Identifikation und Emotion mit sich bringt, die sich von den in dieser Beziehung schwächeren Teams der Liga abheben. Die Tendenz, was den Stadionbesuch angeht, war im ‚jungen, dynamischen, hochattraktiven‘ Leipziger Hause im zehnten Jahr des Bestehens jedenfalls auf verschiedenen Ebenen deutlich negativ.

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Anmerkung

Zahlen beruhen auf eigenen Daten. Entsprechend sind Fehler allein mir zuzuschreiben. Hinweise darauf sind willkommen. Dass die Durchschnittswerte hier und an anderen Stellen im Netz differieren, ist klar, aber nicht wild. In der Tendenz stimmen die Werte. Problematisch generell bei diesen Zahlen, dass damit nur die offiziellen Zahlen erfasst werden. In Leipzig aber auch an vielen anderen Orten gibt es bspw. immer wieder Debatten darüber, dass die Zahl der Leute im Stadion und die Zuschauerzahl sich teils deutlich unterscheiden (die sogenannte No-Show-Rate). Das kann natürlich von einer Statistik wie der obigen nicht wirklich erfasst werden. Auch ein völlig unterschiedlicher Umgang mit Pufferbereichen, der zu unterschiedlich ausgelasteten Stadien vom einen Spiel zum nächsten führt, kann hier nicht berücksichtigt werden.

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Es ist nicht mehr oft so richtig voll in der Red Bull Arena. | GEPA Pictures - Gabor Krieg
GEPA Pictures – Gabor Krieg

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2 Gedanken zu „Bilanzen vom Rande des Spielfelds aus der Bundesliga 2018/2019“

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