RB Leipzig in der Bundesliga 2018/2019

Fast ging es ein bisschen unter zwischen Hasenhüttl-Abgang, Europa-League-Quali-‚Absturz‘, Pfingsten und Trainerroulette. Nämlich, dass seit Dienstag die Zusammensetzung der Bundesliga für die kommende Saison feststeht.

Aus RB-Sicht wird es historisch. Nachdem man diese Saison erstmals in der Vereinsgeschichte schlechter abschnitt als im Vorjahr, tritt man nun 2018/2019 erstmals in einer Liga an, in der man keinerlei neue Gegner kennenlernen darf. Denn mit Nürnberg und Düsseldorf steigen zwei Teams auf, die RB bereits aus Duellen in der zweiten Liga kennt. Wäre Kiel aufgestiegen, hätte man gegen die Norddeutschen sogar bereits die Spiele 7 und 8 austragen müssen, so viel wie gegen keine andere Mannschaft.

Die Fahrt ganz in den Norden in einen der bescheideren Gästeblöcke diesen Landes erspart sicht RB Leipzig nun. Dafür geht es ins recht nahe Nürnberg und zu DJ Opa nach Düsseldorf, der vermutlich schon mal seine Plattentasche für das RB-Spiel im Geist durchgeht, während die Social-Media-Abteilung sich ganz in der Tradition eines Zweitligisten im klassischen RB-Logoverzicht übt.

Nun, die beiden Aufsteiger haben vergleichsweise klangvolle Namen und/ oder große Stadien. Faktisch haben sie die Bundesliga seit der Wende gar nicht in dem Ausmaß geprägt, wie man denken könnte. Nürnberg war in 14 von 26 Spielzeiten dabei, seitdem man nach der Wende mit 18 Teams in der Bundesliga spielt. Von den letzten acht Spielzeiten hat man nur vier mitgemacht. In den letzten vier Spielzeiten versuchte man mal mehr, mal minder verzweifelt aufzusteigen. Unter Rene Weiler scheiterte man vor zwei Jahren in der Relegation an Frankfurt. Die Plätze 9 und 12 in den anderen beiden Spielzeiten waren eher unbefriedigend.

In der letzten Spielzeit profitierte man auch von einer in der Spitze nicht so dominanten Liga und stieg auf. Mit den beiden Ex-RBLern Fabian Bredlow und Federico Palacios. Bei beiden kann man annehmen, dass sie auch in der Bundesliga zum Kader der Nürnberger gehören werden, zumal Bredlow zuletzt Stammkeeper war. Beide könnten sich dann tief im Abstiegskampf wiederfinden, denn kadertechnisch ist Nürnberg solide, aber eben auch geprägt von vier Zweitligajahren aufgestellt. Und ganz große Sprünge sind finanziell bei den Franken nicht wirklich drin.

Das dürfte auch für Düsseldorf gelten, die erst in ihre vierte Spielzeit in der Bundesliga seit 1992 gehen und entsprechend abgesehen vom Stadion strukturell eher auf Zweitlliganiveau eingestellt sind. Kadertechnisch hat man ein paar gute Aufgaben wegen einiger Leihen im Team. Und sowieso stellt sich die Frage, wie nachhaltig diese Saison unter Friedhelm Funkel war angesichts eines Teams, das die Erwartungen deutlich übertroffen hat. Mit teilweise nicht ganz so hübschem Fußball. Wie tragfähig das in der ersten Liga sein wird, wo das andere Teams mit besser besetzten Kadern auch können, wird man sehen.

Am anderen Ende der Tabellle werden wie immer die Bayern zu erwarten sein. Egal welcher Trainer da zu Saisonbeginn auf der Bank sitzt. Egal wie die Transfers laufen. Für die Bundesliga ist man immer der Favorit. Im Schnitt(!) standen die Bayern in jeder der letzten acht Spielzeiten mit 14,5(!) Punkten vor Dortmund, die in der Tabelle seit 2010 deutlich auf Platz 2 liegen und auf Leverkusen nochmal im Schnitt pro Jahr neun Punkte Vorsprung haben.

Fast 15 Punkte. Pro Saison. Vor dem Zweiten. Die Bayern waren in den letzten 26 Jahren seit der Wende immer das dominante Team der Liga. Auf einen so langen Zeitraum, wie es acht Jahre sind, so konstant vor dem Rest zu stehen, ist trotzdem neu.

Normalerweise müsste dahinter dann Dortmund stehen, die vor allem in den letzten acht Jahren den Rest im Schnitt deutlich hinter sich ließen und sich (auch wirtschaftlich) als klare Nummer 2 in Deutschland etablierten. Funktioniert das mit Lucien Favre (was es im ersten Jahr unter ihm eigentlich bei seinen bisherigen Vereinen immer tat), dann kann man von einem Dortmunder Team mit einiger individueller Klasse viel erwarten. Zumindest eben Platz 2.

Dahinter tummelt sich dann wieder ein Feld, zu dem man rein von den wirtschaftlichen Voraussetzungen Schalke, Leipzig, Leverkusen, Hoffenheim und mit Abstrichen (aufgrund des sportlichen Trends) Mönchengladbach und mit deutlicheren Zweifeln (nach zweimaliger Relegation) Wolfsburg zählen muss. Auch Stuttgart sollte vielleicht nicht kurz-, aber mittelfristig dazuzählen. Der Verein fehlte in den letzten 25 Jahren nur einmal in der Bundesliga und das war in der vorletzten Saison. Das allein (plus eine wirtschaftlich wohlhabende Region) verweist darauf, dass der Klub eher in die Kategorie schlafender Riese denn zu den künftigen Abstiegskandidaten gehört.

Eine Wundertüte könnte Frankfurt werden, die jenes Team sein könnten, das mit der Dreifachbelastung am schlechtesten zurechtkommt. Weil man mit neuem (aber interessanten und bisher immer erfolgreichen) Trainer in einen Umbruch geht und noch völlig unklar ist, wie die von Kovac zusammengeschweißten Strukturen unter Hütter zusammenhalten werden. Da ist in alle Richtungen sehr viel Potenzial vorhanden..

Auch Hertha und Bremen fallen trotz fehlender Doppelbelastung in diese Kategorie, wo in beide Richtungen der Tabelle viel möglich ist. Bei Hertha je nachdem, ob Dardai diesen Umbruch zu einer jüngeren und angriffslustigeren Mannschaft moderiert kriegt oder ob man weiter an spielerischem Profil verliert. Bei Bremen je nachdem, ob traditionell der installierte Trainer aus der U23 nur ein Strohfeuer entfachen konnte oder sein taktisches Verständnis nachhaltig ist. Die letzten Spiele der letzten Spielzeit wiesen eher in eine negative Richtung. Die grundsätzliche Arbeit und Flexibilität von Kohfeldt weisen in eine positive Richtung.

Bleiben noch Mainz, Augsburg, Freiburg und Hannover, die man in unterschiedlichem Ausmaß als jene Teams ausmachen könnte, die gegen Nürnberg und Düsseldorf um den Klassenerhalt kämpfen. Wobei es Freiburg sehr schwer haben wird, wenn man nicht ein, zwei Optionen für die Offensive gewinnt (und sei es einen gesunden Niederlechner). Bei Hannover hängt viel an der Ruhe im Verein. Die Personalien Heldt und Kind versprechen viel Unterhaltung jenseits des Fußballfeldes. Das dürfte aber wenig nützlich sein. Bei Augsburg hat letzte Saison viel geklickt, was in der Saison davor nicht klickte. Wie gut man in der kommenden Saison am Ende dastehen wird, dürfte am Saisonstart und am Händchen auf dem Transfermarkt hängen. Und in Mainz steht die spannende Frage, ob Sandro Schwarz dem Team noch seine Ideen beibringen kann oder ob man auch in der kommenden Saison wieder früh mit dem Rücken zur Wand steht.

Interessant vielleicht, dass 15 der 18 Bundesligisten der kommenden Saison von den neuen Spielzeiten zwischen 2010 und 2019 höchsten zwei verpassten. Gleich neun Teams werden alle neun Spielzeiten absolviert haben. Nimmt man noch den HSV dazu werden seit 2010 gleich 16 Mannschaften höchstens zwei Bundesligaspielzeiten verpasst haben. In den jeweils neun Jahren zuvor (2001 bis 2010 und 1992 bis 2001) waren es auch neun bzw. sieben Teams, die jeweils in allen Spielzeiten dabei waren. Jeweils nur 13 Teams waren allerdings jeweils in mindestens sieben der neun Spielzeiten dabei. Zwischen 2010 und 2019 haben 14 Teams nur eine oder keine Bundesligasaison verpasst, zwischen 2001 und 2010 waren es nur elf und zwischen 1992 und 2001 nur acht.

Das alles spricht dafür, dass die Bundesliga im letzten Jahrzehnt tatsächlich zu einer sehr viel geschlosseneren Gesellschaft mit einem dauerhafteren Kern an Teams geworden ist. Da steigen dann immer mal Teams wie Ingolstadt, Darmstadt, Fürth, Braunschweig oder Paderborn auf, aber etablieren kann sich keiner, weil der strukturelle Abstand einfach zu groß ist. Lediglich Augsburg (Hoffenheim ist schon länger dabei) konnte sich seit 2010 nach dem Aufstieg in die Bundesliga etablieren, war aber auch finanziell gut (wenn auch auf niedrigerem Niveau als Hoffenheim oder nun Leipzig) abgesichert.

RB Leipzig hat für die letzten 26 Spielzeiten den zweitbesten Punkteschnitt pro Spielzeit hinter den Bayern. Nach der zweiten Saison im Oberhaus ist das allerdings auch noch nicht so richtig aussagekräftig. 120 Punkte in den ersten zwei Spielzeiten eines Neulings schafften zuvor nur die Bayern. Nur um mal die Dimension von Hasenhüttls zwei Spielzeiten klarzumachen (auch wenn die Vergleiche aufgrund der finanziellen Absicherung bei RB ein wenig hinken).

Die 60 Punkte im Schnitt pro Saison werden in den letzten acht Spielzeiten neben den Bayern (81,5 Punkte im Schnitt!) nur vom BVB (67 Punkte im Schnitt) übertroffen. Leverkusen, die sich in den letzen 26 Jahren mit unheimlicher Konstanz als Nummer 3 in der Bundesliga etabliert haben, folgt mit knapp 60 Punkten dahinter.

Wenn man die letzten 26 Spielzeiten nimmt, dann bleiben mit Bayern, Dortmund, Leverkusen, Schalke und Bremen für die kommende Spielzeit nur noch fünf Mannschaften übrig, die immer dabei waren. Wenn man mal Bremen abzieht, die wirtschaftlich in den letzten Jahren sehr ins Hintertreffen geraten sind, dann hat man das Topquartett des Landes versammelt. Stuttgart, Wolfsburg und Hamburg sähen sich sicher auch gern in dem Kreis, sind aber in unterschiedlichem Ausmaß deutlich ins Hintertreffen geraten. RB Leipzig gehört im Schnitt der ersten zwei Saisons zu diesem Kreis, muss aber erst noch beweisen, wie nachhaltig die Entwicklung ist.

Wenn man die Mannschaften, die die Zeit zwischen 1992 und 2001 bzw. zwischen 2010 und 2019 in der Bundesliga mitprägten (also in mindestens sechs von neun Spielzeiten mitmachten), nimmt, dann fehlen von den 90er-Teams heute im Kern Kaiserslautern, 1860, Bochum, Rostock, Karlsruhe und Duisburg. An deren Stelle sind jetzt Wolfsburg, Mainz, Hoffenheim, Augsburg und Hannover (und perspektivsch vielleicht auch Leipzig) dauerhaft ganz oben vertreten. Wie viel Attraktivität der Liga da jenseits von Kaiserslautern und 1860 durch den Austausch verloren gegangen ist, liegt vermutlich im Auge des Betrachters.

Insgesamt ist es in der jüngeren Vergangenheit so und ist auch für die kommende Saison zu erwarten, dass ganz vorn München steht und Dortmund dahinter gut aussieht und sich dann der ganze Rest tummelt. Dass sich das dann mal ausnahmsweise durchmischt, hängt dann auch immer an schlechten Spielzeiten der Teams (wobei es halt schwierig geworden ist, eine so schlechte Bayern-Saison zu erwischen, dass man sie in der Liga über 34 Spiele schlagen kann). Von daher wird der Abstand zwischen Bayern und dem Rest in der kommenden Saison wohl nicht mehr ganz so riesig sein, weil diese Saison in Sachen Inkonstanz und zufallsverteilten Negativentwicklungen bei den Bayern-Verfolgern (und vor allem beim BVB) einiges zusammenkam, was im Normalfall so nicht zusammenkommt. Aber alles andere als ein FC Bayern vor dem Rest wäre dann doch eine Überraschung.

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[Punkte = Anzahl der Punkte aus den letzten 26 Spielzeiten; Spielzeiten = Anzahl der in der Bundesliga absolvierten Spielzeiten seit 1992 (seit Zusammenführung von Ost und West und Spielbetrieb mit 18 Mannschaften; Pkt/Schnitt = Punkte pro absolvierter Bundesligaspielzeit]

 PunkteSpielzeitenPkt/Schnitt
Bayern18852672,5
Dortmund15312658,9
Leverkusen14692656,5
Schalke13782653,0
Bremen13372651,4
Stuttgart12242549,0
Hamburg11872645,7
Mönchengladbach10172344,2
Wolfsburg9852146,9
Hertha8951947,1
Frankfurt8222041,1
Freiburg7191839,9
Kaiserslautern7091547,3
Köln6841838,0
Hannover6251541,7
Nürnberg5281437,7
Mainz5171243,1
Bochum4971338,2
Hoffenheim4541045,4
Rostock4381139,8
18604351043,5
Karlsruhe359844,9
Bielefeld319935,4
Duisburg292836,5
Augsburg289741,3
Cottbus211635,2
Leipzig120260,0
St. Pauli116429,0
Düsseldorf103334,3
Dresden98332,7
Uerdingen89329,7
Unterhaching79239,5
Ingolstadt72236,0
Wattenscheid67233,5
Darmstadt63231,5
Ulm35135,0
Aachen34134,0
Paderborn31131,0
Braunschweig25125,0
Fürth21121,0
VfB Leipzig20120,0

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[10/18 = Punkte in den acht Spielzeiten von 2010 bis 2018; SpZ 10/18 = Anzahl der absolvierten Spielzeiten in den Jahren 2010 bis 2018; 01/10 = Punkte in den neun Spielzeiten von 2001 bis 2010; SpZ 01/10 = Anzahl der absolvierten Spielzeiten in den Jahren 2001 bis 2010;  92/01 = Punkte in den neun Spielzeiten von 1992 bis 2001; SpZ 92/01 = Anzahl der absolvierten Spielzeiten in den Jahren 1992 bis 2001]

 10/18SpZ 10/1801/10SpZ 01/1092/01SpZ 92/01
Bayern652863695979
Dortmund536848495119
Leverkusen465849395119
Schalke429853194189
Mönchengladbach411829483127
Wolfsburg369842691904
Hoffenheim357897200
Mainz3558162400
Bremen324854994649
Hamburg301847694109
Hannover2967329800
Frankfurt291723362987
Stuttgart290751594199
Freiburg289712143097
Augsburg28970000
Hertha249643592114
Köln228615952977
Nürnberg159425671133
Leipzig12020000
Ingolstadt7220000
Kaiserslautern69220754338
Darmstadt6320000
Düsseldorf30100732
St. Pauli291221652
Bochum0028272156
Bielefeld0021761023
Rostock0017952596
Cottbus001725391
18600012733087
Karlsruhe007222876
Duisburg005622366
Dresden0000983
Uerdingen0000893
Unterhaching0000792
Wattenscheid0000672

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Erster vager Tabellentipp inklusive Spannbreite der möglichen Platzierungen für 2018/2019

  • Bayern München – 1. bis 2.
  • Borussia Dortmund – 1. bis 4.
  • RB Leipzig – 2. bis 6.
  • Schalke 04 – 3. bis 8.
  • Bayer Leverkusen – 3. bis 9.
  • TSG Hoffenheim – 4. bis 9.
  • VfB Stuttgart – 5. bis 9.
  • Borussia Mönchengladbach – 5. bis 10.
  • VfL Wolfsburg – 6. bis 11.
  • Werder Bremen – 6. bis 12.
  • Hertha BSC – 8. bis 13.
  • Eintracht Frankfurt – 9. bis 14.
  • Hannover 96 – 10. bis 15.
  • 1. FC Nürnberg – 11. – 16
  • FC Augsburg – 12. bis 17.
  • Fortuna Düsseldorf – 13. bis 18.
  • Mainz 05 – 14. bis 18.
  • SC Freiburg – 15. bis 18.

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Auch in der kommenden Spielzeit wird es bei RB Leipzig kein anderes Ziel als Europa geben. | Foto: Dirk Hofmeister
Foto: Dirk Hofmeister

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