Kaderschmiede RB Leipzig 2019

So, dann werfen wir doch (gibt es rund um RB grad wichtigere Themen?) auch noch mal einen Blick auf den Kader, der da so für die Rückrunde bei RB Leipzig zusammengestellt wurde. Trotz ernsthaftem Interesse des FC Barcelona hat es RB Leipzig geschafft, Jean-Kevin Augustin zu halten. Äh Moment, ich komme noch mal rein..

Auf Abgangsseite gab es keine Bewegungen bei RB Leipzig. Letztlich hätte da nur was bei Atinc Nukan oder bei einem der Torhüter passieren können. Nukan hatte keine vernünftigen Angebote und wollte, so schien es in seinen Äußerungen, trotz aussichtsloser Lage in Sachen Einsätzen, auch nicht so richtig weg. Bei den Torhütern schob Ralf Rangnick relativ schnell einen Riegel vor und machte deutlich, dass er mit allen drei Keepern in die Rückrunde gehen will.

Auf Zugangsseite schlug man mit Tyler Adams, Amadou Haidara und Emile Smith Rowe gleich dreimal zu. Für RB-Verhältnisse im Winter eine sehr hohe Zahl. Da zwei der Transfers ja letztlich nur nachgeholte Transfers sind, die man im Sommer nicht realisieren konnte und damals für die Kaderplanung eigentlich schon benötigt hätte, relativiert sich die Zahl aber auch sehr. Irgendwas um die 20 Millionen Euro investierte man in die Spieler. Auch eine hübsche Summe. Auch die relativiert sich dadurch, dass man im Sommer den einen oder anderen Euro gespart hatte. (Und nebenbei Keita für viel Geld verkaufte.)

Insgesamt darf man die Transferperiode im Gegensatz zum vorigen Winter als sehr gelungen empfinden. Tyler Adams und Amadou Haidara sind absolut hervorragende Verstärkungen, die mit ihrer Spielweise sehr gut zu RB Leipzig passen. Bei Haidara muss man allerdings noch ein wenig warten, bis er dann auch wirklich fit ist. Noch nicht fit ist auch Emile Smith Rowe, hinter dem die größten Fragezeichen stehen, weil es für den 18-Jährigen schon schwer sein wird, sich in einem Kader durchzusetzen, der (wenn alle fit sind) sehr breit und dicht besetzt ist.

22 Feldspieler sind es aktuell, wenn man Atinc Nukan mitzählt. Braucht man eigentlich nicht, aber formal gehört er nun mal zum Männerteam, auch wenn er in Sachen Chancen auf Einsatzzeit eher das Niveau eines RB-Nachwuchsspielers hat. 22 Feldspieler sind jedenfalls für nur noch maximal 16 Spiele mehr als genug. Aktuell ‚profitiert‘ der Klub von einer recht großen Ausfallliste. Wenn die sich irgendwann leert, dann gibt es allerdings auch viel Potenzial für Unzufriedenheit. Schon jetzt dürften Augustin und Bruma mit ihren jeweiligen Rollen eher unzufrieden sein. Mal sehen, was da mit dem einen oder anderen im Sommer passiert.

Aber gehen wir mal ins Detail. Der folgende Kaderüberblick ist in seiner Zuordnung zu Positionen vergleichsweise schematisch. Auf den einzelnen Positionen sind jeweils die Kernspieler verzeichnet und anschließend in Klammern die möglichen Backups. Dabei durfte jeder Spieler nur in einer Kategorie Kernspieler sein.

Tor: Peter Gulacsi (28), Yvon Mvogo (24), Marius Müller (25), (Julian Krahl)

Ein Torwart-Trio von sehr hohem über ordentlichem bis hin zu niedrigerem Bundesliga-Niveau. Das ist schon eine sehr gute Besetzung, die RB Leipzig da im Kasten versammelt hat. Gulacsi ist natürlich in der aktuellen Form unantastbar und die klare Nummer 1, was zu entsprechender Unzufriedenheit bei Mvogo und Müller über fehlende Spielzeiten führen wird (und schon geführt hat). Aus Vereinssicht kann es aber optimaler gar nicht sein, als so viel Qualität versammelt zu haben und auch auf Ausfälle reagieren zu können. Nachwuchsmann Julian Krahl ist da nur der Füllstoff für ganz außergewöhnliche Situationen.

Außenverteidiger: Marcel Halstenberg (27), Lukas Klostermann (22), Nordi Mukiele (21), Marcelo Saracchi (20), (Laimer), (Ilsanker), (Demme)

Halstenberg ist derzeit mit seiner Form, Konstanz und Spielmacherqualität auf der linken Seite absolut unantastbar. Mukiele könnte von seinem Potenzial her mehr als Konkurrent auf Augenhöhe für Klostermann auf der rechten Seite sein. Bisher scheiterte es wohl auch an der fehlenden, dauerhaften Ernsthaftigkeit im Training. Klostermann ist da im Gegensatz dazu ja schon der fleißige, zurückhaltende Musterschüler. Hat halt nicht den Körper eines Mukiele. Der Franzose kann zwar auch Innenverteidiger oder vor allem rechts in einer Dreierkette spielen. Aber die Dreierkette wird wohl keine dauerhafte Option und in einer Zweier-Innenverteidigung gibt es viel Konkurrenz, die eigentlich noch vor Mukiele steht. Deswegen sollte er sich eigentlich eher gegen den deutlich verbesserten Klostermann durchbeißen wollen. Saracchi auf der linken Seite fällt gegenüber den anderen drei Spielern etwas ab. Hat viel Aggressivität und Dynamik, aber ihm fehlen auch Ruhe am Ball, Übersicht und gelegentlich das Stellungsspiel. Wird schwer für ihn, in der Rückrunde viel Spielzeit zu kriegen.

Innenverteidiger: Dayot Upamecano (20), Ibrahima Konaté (19), Willi Orban (26), Stefan Ilsanker (29), (Nordi Mukiele), (Lukas Klostermann), (Atinc Nukan)

Wenn keine größeren Verletzungen passieren, dann ist die Innenverteidiger-Position sehr gut besetzt. Der längere Ausfall von Upamecano ist da allerdings schon mal ein schlechteres Zeichen. Mit Mukiele hat man jemanden in der Hinterhand, der die Position auch auf ungefährem Niveau von Konaté und Upamecano spielen kann. Und Ilsanker ist in der Mitte einer Dreierkette sehr gut aufgehoben, wie er nicht nur zuletzt gegen Frankfurt zeigte, als er Haller über 90 Minuten erfolgreich bearbeitete. Orban zeigte sich zuletzt in sehr guter Verfassung und wäre wohl ein Weltklasse-Innenverteidiger, wenn er zwei km/h schneller wäre, ist aber in der Bundesliga immer eine sehr gute Option. Passt schon so, auch wenn man da für die neue Saison (je nachdem, wo man mit Mukiele stärker plant) durchaus noch eine junge Nummer 4 einbauen könnte (so denn Ilsanker den Verein eventuell wirklich verlässt).

Defensives Mittelfeld: Diego Demme (27), Kevin Kampl (28), Tyler Adams (19), Konrad Laimer (21), (Stefan Ilsanker), (Emile Smith Rowe), (Niclas Stierlin)

Mit Tyler Adams hat RB Leipzig eine der offensichtlichsten Kaderlücken geschlossen und damit Entlastung für Demme und Kampl, die in der Hinrunde noch fast alternativlos waren, ins Team gebracht. Der US-Amerikaner hat in seinen ersten Auftritten gezeigt, dass er keine Anlaufzeit braucht, um die Position sehr gut auszufüllen. Demme ist sowieso mit seiner Wichtigkeit für die Balance im Spiel gesetzt. Und Kampl war vor allem für die Kreativität im Spiel nach vorn wichtig. Der Slowene kann aber auch eine Position weiter vorn spielen. Konrad Laimer steht mit auf dieser Position, auch wenn man bei ihm gar nicht sagen kann, welche Position gerade seine Kernposition ist. Von rechts hinten bis nach links vorn hat er ja diese Saison schon alles gespielt. Kaderplanungstechnisch und von seinen Ursprüngen her gehört er aber eigentlich auf die Sechs. Wo die Konkurrenz mit Demme, Kampl und Tyler aber krasse und im spielerischen Bereich vor allem höhere Qualität hat.

Offensives Mittelfeld: Marcel Sabitzer (24), Emil Forsberg (27), Amadou Haidara (21), Bruma (24), Emile Smith Rowe (18), (Kevin Kampl), (Konrad Laimer), (Erik Majetschak)

Falls Emil Forsberg mal längerfristig fit bleibt und Amadou Haidara relativ schnell fit wird, ist auch das offensive Mittelfeld sehr gut besetzt. Wobei Haidara wohl das offensive Mittelfeld vom Typus her eher als Achter bespielt. Sabitzer ist in den letzten Wochen (abgesehen vom Torabschluss) wieder nah an seine überragende Form der Hinrunde 2017/2018 gekommen. Konrad Laimer hat auf der anderen Seite zuletzt vor allem im Spiel gegen den Ball die vielen Ausfälle komplett vergessen gemacht. Vielleicht ein kleines Manko, dass die schnellen, dribbelstarken Außenspieler fehlen bzw. nur Bruma in diese Kategorie Spielertyp, die Lookman letzte Saison so gut verkörperte, fällt. Bei Smith Rowe muss man abwarten, welche Rolle er in diesem auch sehr gut besetzten Bereich spielen kann. Generell muss man abwarten, wie gut Forsberg und Haidara nach ihren jeweils langen Verletzungen durchstarten und welchen Einfluss sie auf die Teamleistungen nehmen können. Läuft alles halbwegs gut, hat Ralf Rangnick aber viele gute Optionen auf der Zehn.

Sturm: Timo Werner (22), Yussuf Poulsen (24), Matheus Cunha (19), Jean-Kevin Augustin (21), (Marcel Sabitzer), (Bruma)

Wahnsinn eigentlich, dass so ein Talent wie Augustin derzeit in der Hierarchie der Stürmer auf Platz 4 abgerutscht ist. Wenn man das Talent des Franzosen zu den anderen drei Spielern addiert, dann hat man ein überragendes Quartett mit sehr unterschiedlichen Qualitäten. Der Mann für die Tiefe und den schnellen Abschluss Timo Werner. Der Zweikämpfer und Räumeschaffer und inzwischen auch Torschütze Yussuf Poulsen. Der ballsichere und auch aus der Distanz eigentlich abschlussstarke Matheus Cunha. Der in seinen Körperbewegungen und im Abschluss im Strafraum überragende Augustin. Das ist schon sehr viel und sehr hohe Qualität für einen Bundesligisten. Und für die restlichen 16 Spiele auch völlig ausreichend.

Der Kader von RB Leipzig ist insgesamt sehr gut besetzt. Fragezeichen bleiben hinter einem Marcelo Saracchi, der in den letzten Wochen den Anschluss an den Kader ein wenig verloren zu haben schien. Auch interessant wird es, wie es mit Augustin und Bruma weitergeht, die mit wenig Einsatzzeit (nach der es aktuell aussieht) sehr unzufrieden sein dürften. Und dazu bleibt die Frage nach der Rolle von Emile Smith Rowe, der bei einem gesunden Kader angesichts der Qualität das fünfte Rad am Wagen ist.

Denn erstmals seit dem Bundesligaaufstieg ist RB Leipzig tatsächlich auf allen Positionen auf qualitativ gutem bis sehr gutem Niveau doppelt besetzt. Letzte Saison gab es da in Richtung Schmitz, Kaiser oder einen nur mit drei Spielern besetzten Sturm deutlich mehr Lücken im Kader, die sich dann auch darin bemerkbar machten, dass der Kader am Ende der Rückrunde auch wegen Ausfällen wie dem von Forsberg etwas überspielt wirkte.

Das dürfte im Normalfall in dieser Saison nicht passieren, weil man mit 21 bis 22 Feldspielern und vier Torhütern eigentlich für jede Eventualität aufgestellt ist. Das bedeutet dann zwar für den einen oder anderen Spieler auch über kürzere oder längere Phasen ein Platz auf Bank oder Tribüne, was für Spieler mit dem Anspruch, in der Bundesliga Spielzeit zu kriegen, sicherlich nicht lustig ist. Aber in Bezug auf die Saisonziele hat Ralf Rangnick eine fast schon idyllische Situation einer enormen Konkurrenzsituation. Wie gesagt, wenn denn nicht plötzlich fünf Spieler gleichzeitig länger ausfallen.

Mögliche Formationen für die Rückrunde, wenn alle fit sind:

RB Leipzig im 4-2-2-2 in der Rückrunde: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Upamecano, Halstenberg – Demme, Kampl – Sabitzer, Forsberg – Poulsen, Werner

RB Leipzig im 4-3-3 in der Rückrunde: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Upamecano, Halstenberg – Sabitzer, Demme, Kampl – Forsberg – Poulsen, Werner

RB Leipzig im 3-3-2-2: Gulacsi – Konaté, Orban, Upamecano – Klostermann, Demme, Halstenberg – Sabitzer, Forsberg – Poulsen, Werner

Nun, soweit zur Theorie. Mal sehen, was das Ganze dann in der Praxis für Fallstricke hat oder ob es auch aufgeht. Champions-League-Quali und im DFB-Pokal das Finale sind die Ziele (wobei es beim Pokal eher ein Wunsch als ein hartes Ziel ist) für die Saison. Kadertechnisch hat man dafür alles zusammen, was man braucht. Und den Rest können wir uns in Ruhe angucken.

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Voller Kader, voller Erfolg? RB Leipzig will in der Rückrunde noch viel feiern. | Foto. Dirk Hofmeister
Foto. Dirk Hofmeister

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2 Gedanken zu „Kaderschmiede RB Leipzig 2019“

  1. Sehr schöne Übersicht.

    Ich denke, das ist mit der Beste Kader den man haben kann. Ohne EL hat Rangnick nun die Ausgabe das alles so zu kommunizieren, das es keinen Stunk gibt und alle bei Laune bleiben.

    Der Trondheim Ausgleich ist für Spieler wie Mvogo, Saracchi, Mukiele, Bruma, Cunha und Jika da umso ärgerlicher. Denn so würden sie einige Spiele mehr auf dem Konto haben. Jetzt Spielzeiten zu bekommen, wird mehr als schwer werden, aber es ist gut zu wissen, das man sich auf sie verlassen kann, wenn es denn muss, wie Mukiele gegen SGE oder Cunha gegen H96.

    Man kann nur hoffen, das Rangick mal eher wechseln wird.

    Was auch sehr spannend ist, man kann nun wirklich alle 3 Varianten taktisch spielen bzw. die Rasenballer beherschen diese perfekt.

    Was noch spannender ist, wie wird RR umstellen, wenn die Kreativen alle fit sind? Sprich, lieber einen Kreativen mehr und dadurch mehr Tore erziehlen oder aber doch draussen lassen, weil mit Laimer und Co die Arbeit gegen den Ball perfekt funktioniert und man dadurch kein Tor bekommt.

    „Orban zeigte sich zuletzt in sehr guter Verfassung und wäre wohl ein Weltklasse-Innenverteidiger, wenn er zwei km/h schneller wäre, ist aber in der Bundesliga immer eine sehr gute Option. “

    Im Oktober hätte ich Dir Recht gegeben. Aber was ich von Orban gegen Wob/SGE im Stadion sah, da kam er mir flinker vor als vor einem viertel Jahr. Klostermann und Halstenberg hat die Konkurenz ja auch steigern lassen und Orban anscheinend auch.

  2. Danke für die Übersicht. Lese sehr gerne regelmäßig deinen Blog. Hoffe er bleibt über den Sommer hinaus.

    ausLE
    „Was noch spannender ist, wie wird RR umstellen, wenn die Kreativen alle fit sind? Sprich, lieber einen Kreativen mehr und dadurch mehr Tore erziehlen oder aber doch draussen lassen, weil mit Laimer und Co die Arbeit gegen den Ball perfekt funktioniert und man dadurch kein Tor bekommt.“

    Wie wäre es mit beidem ? :) Erst Kreativ und möglichst früh die Tore machen und dann wechseln und die Arbeit gegen den Ball in den Vordergrund stellen.

    Aktuell mache ich mir da gar keine Sorgen. Nicht wie noch vor einiger Zeit wenn ein Ilsanker eingewechselt wurde und man begann das Zittern. :)

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