Kaderschmiede RB Leipzig 2018/2019 – Update 1

Der Trainingsauftakt bei RB Leipzig steht dann in einer knappen Woche auch vor der Tür. Erstaunlicherweise fängt kein Bundesligist in diesem Jahr später an als RB. Die meisten beginnen bzw. begannen bereits diese Woche. Angesichts der Tatsache, dass Leipzig als erstes Team der Bundesliga mit der Europa-League-Quali in den Pflichtspielbetrieb einsteigt, bleibt das eine erstaunliche Entscheidung in Sachen Trainingssteuerung, dass man die Vorbereitung (rein von der Zeit her) komplett auf den ersten Bundesligaspieltag ausrichtet.

Abgesehen davon ist man kurz vor Trainingsbeginn kadertechnisch ungefähr auf halber Strecke in Sachen Neuverpflichtungen. Wenn man denn keine relevanten Abgänge mehr hat, dann ist man mit drei Neuen ungefähr zwei bis drei Neue vom kompletten Kader entfernt. Das ist für den aktuellen Zeitpunkt der Sommerpause ok. Klar hätte man immer bereits zum Trainings- oder spätestens zum Trainingslagerstart alle beisammen, aber so funktionieren ja Transferperioden schon lange nicht mehr.

Durch die WM kommen diese Saison sicherlich einige Dinge noch später in Bewegung als in Spielzeiten ohne WM. Positiv ist, dass in England das Transferfenster schon am 09.08. schließt. Auch Italien ist mit dem 18.08. schon relativ früh dran, während in Deutschland weiter bis zum 31.08. Spieler verpflichtet werden können. Sprich, zwei der großen Ligen können nur bis Anfang oder Mitte August Spieler holen, man kann aber in Deutschland noch bis Ende August (unzufriedene) Spieler von dort kaufen. Gerade bei einem Ademola Lookman ist es sicher nicht undenkbar, dass die Hängepartie bis in den August hinein dauert und man dann relativ spät im August noch mal die Chance kriegt, während auf der anderen Seite nicht mehr die Gefahr besteht, dass ein Phantasie-Trillionen-Angebot aus England für wen auch immer reinrauscht.

Heißt zusammengefasst nur, dass die noch wartenden Transfers durchaus noch länger dauern können, weil die Gegebenheiten eben so sind, dass das passende Gesamtpaket aus sportlicher Qualität und wirtschaftlicher Machbarkeit auch ein wenig Geduld (bei gleichzeitiger Hartnäckigkeit) erfordert. 60 Millionen hatte die MZ letztens als Rahmen für Transferausgaben angegeben. Angesichts von bereits 40 Millionen Ausgaben und der Suche im Regal der talentierten, jungen Spieler mit Champions-League-Potenzial, die immer mit zweistelligen Millionenbeträgen verbunden ist und angesichts der gehandelten Namen scheinen 60 Millionen Euro eher niedrig angesetzt.

Da wäre man wohl schon angelangt, wenn man nur einen Ademola Lookman holt. Aber dann wäre der Kader noch nicht komplett. Vielleicht findet man ja aber auch Lösungen wie Paris Saint-Germain bei Kylian Mbappe, der erst ein Jahr geliehen wurde, bevor man die Kaufsumme überweisen musste. Das würde dann aber auch einfach nur den Rahmen für die kommende Saison entsprechend verkleinern.

Viel wichtiger ist allerdings die zentrale Mittelfeldposition. Von der Breite her hat man sicherlich genug Leute, die dort spielen können. In Sachen Kreativität fehlt es dort aber nach dem Keita-Abgang sehr deutlich. Einen ähnlichen Spielertyp zu holen, muss das zentrale Ziel sein. Dass man einen Amadou Haidara von Salzburg nicht loseisen konnte, ist diesbezüglich eine schlechte Nachricht gewesen, weil der von Potenzial und aktueller Qualität her eine perfekte Besetzung gewesen wäre für die etwas offensivere, aber nichtsdestotrotz aggressive und zweikampfstarke Besetzung der zentralen Mittelfeldposition.

Aber gehen wir den Kader einfach mal der Reihe durch. Den ausführlichen Rundumschlag mit allen Leihspielern und Local-Player-Geschichten und Co gab es bereits. Hier kümmern wir uns jetzt nur um die Namen, die realistisch nächste Saison Stand heute zum Profikader gehören. Spieler wie Bernardo, der weg will und weg darf, fehlen entsprechend. Auch Leihspieler, von denen keiner eine Zukunft hat, fehlen bis auf Marius Müller, bei dem es denkbar ist, dass er in Leipzig bleibt. In Klammern auf den jeweilen Positionen noch Spieler, die dort als Kandidaten gelten können.

Tor

Peter Gulacsi (28), Yvon Mvogo (24), Marius Müller (24), (Fabio Coltorti, 37), (Julian Krahl, 18)

Das Tor bleibt weiterhin erstaunlicherweise eine Baustelle. Weil Yvon Mvogo seinen Leihwunsch mehr als deutlich hinterlegt hat, aber unklar ist, ob der Verein dem zustimmt. Weil man entsprechend nicht weiß, was mit Marius Müller wird, der auf keinen Fall als Nummer 3 in die neue Saison gehen will. Und weil man entsprechend nicht weiß, ob man Coltorti einen Vertrag geben soll, weil man nicht weiß, wie viele Keeper man auch ohne ihn so hat. Sicher scheint nur, dass Julian Krahl als U19-Keeper anstelle von Philipp Köhn (der bereits in Salzburg mittrainierte) die Nummer 4  gibt und nebenbei bei der U19 Spielpraxis kriegt. Eigentlich erstaunlich, dass die Position eine Baustelle ist, denn man könnte natürlich gut mit Gulacsi, Müller, Coltorti und Krahl in die Saison gehen und Mvogo verleihen. Außer man ist überhaupt nicht überzeugt, dass man mit Müller eine verlässliche Nummer 2 hätte.

Außenverteidigung

Marcel Halstenberg (26), Lukas Klostermann (22), Konrad Laimer (21), Marcelo Saracchi (20)

Eigentlich rein formal alles gut besetzt. Rechts das Pärchen Laimer/ Klostermann, wobei Letzterer gefordert ist, den nächsten Schritt zu machen und eine prägendere und aktivere Rolle bei RB Leipzig zu spielen. Links hat man mit Halstenberg/ Saracchi auch ein sehr gutes Duo zusammen.Und solange Halstenberg noch in der Reha  steckt bzw. noch nicht weit genug ist für Einsätze, hat man Klostermann noch als Linksverteidiger-Backup und Mukiele als Rechtsverteidiger-Backup.

Bei letzerem ist sowieso die Frage, ob er nicht als Rechtsverteidiger besser besetzt ist. Das wird dann wohl die Saison zeigen. Auch fraglich, wo sich Laimer selber sieht. Die letzte Saison hat gezeigt, dass Laimer als Rechtsverteidiger besser besetzt ist als auf der Sechs. Das kann der Österreicher aber natürlich auch ganz anders sehen. Tut er das nicht, hat RB Leipzig vier gute Außenverteidiger und mit Sarachi noch mal ein Plus an Dynamik auf der Position dazugewonnen.

Innenverteidigung

Willi Orban (25), Dayot Upamecano (19), Ibrahima Konaté (19), Nordi Mukiele (20)

Die französische U21-Innenverteidigung unter Anleitung eines deutschen Kapitäns. Wenn man Mukiele mal hier in der Innenverteidigung einschreibt, was bisher die einhellige, öffentliche Meinung war, die scheinbar auf Ideen aus dem Verein beruht, dann ist man gut besetzt. Wenn Mukiele am Ende der bessere Rechtsverteidiger sein sollte, wäre es natürlich etwas dünn auf der Position. Zumal immer noch ein guter Innenverteidiger mit einem guten linken Fuß fehlt. Klar können auch von den vorhandenen vier Spielern einige links spielen und haben das ja auch schon getan. Aber so richtig leuchtet es nicht ein, dass RB Leipzig sich noch einen Innenverteidiger mit rechtem Fuß geholt haben sollte, während man mit Bernardo einen potenziellen Innenverteidiger mit linkem Fuß abgibt.

Wenn man in der Innenverteidigung annimmt, dass Upamecano den nächsten Schritt so geht, wie man es annehmen darf, dass er ihn geht und wenn auch Konaté und Mukiele die Entwicklung nehmen, die ihre Anlagen versprechen, dann ist man zusammen mit dem soliden und vor allem zweikampfstarken Orban sehr gut besetzt. Orban hat in den letzten Wochen selbst in der Sommerpause noch mal heftig im Fitnessbereich gearbeitet. Das wird zumindest seiner Zweikampfführung weiter gut tun. Inwieweit es ihn in Sachen Geschwindigkeit, ein wenig die Achillesferse, verbessert, wird man dann sehen. Letztlich bleiben kleine Fragezeichen im zentralen Defensivbereich eben wegen Orbans Geschwindigkeit und wegen der bei den jungen Franzosen durchaus möglichen Leistungsschwankungen, die man bei Upamecano in der letzten Rückrunde sehr gut beobachten konnte.

Zentrales Mittelfeld

Diego Demme (26), Kevin Kampl(27), Stefan Ilsanker (29), (???)

Klare Baustelle diese Position und die Bewertung der Qualität hängt wesentlich von Mister X ab. Klar kann man einen Keita nicht 1:1 ersetzen, aber man braucht auf der Position einen Spieler, der Kreativität und Dynamik verbindet. Diego Demme ist weiterhin eine gute Ballmaschine und ein prima Spieler, der die Balance im Spiel herstellt. Kevin Kampl ist die etwas offensivere und weniger präsente Variante von Diego Demme. Stefan Ilsanker ist eine gute Option als alleiniger Sechser hinter zwei Achtern, wenn es vornehmlich um das Spiel gegen den Ball geht. Konrad Laimer als möglicher Backup bringt von allem ein bisschen mit, braucht aber für die Sechs noch ein bisschen zu viel Platz.

Und nun braucht man halt noch jemanden, der auch mal ein 1 gegen 1 gewinnen kann, der Situationen in der Zentrale auf positive Art auflöst und trotzdem genug Dynamik für das Spiel gegen den Ball hat. Je nachdem, wie man mit Ilsanker plant, braucht man sogar zwei Spieler für die Zentrale. Oder wenn man dann Laimer als Sechser sieht, bräuchte man einen Rechtsverteidiger. Oder wenn man dann stattdessen Mukiele dort sieht, brächte man einen Innenverteidiger.. Ein zentraler Mittelfeldspieler auf Bundesliga-Topniveau ist bereits teuer. Zwei davon wären nicht zu bezahlen. Vielleicht sieht man ja in U19-Mann Niclas Stierlin einen, der da die Nummer 4 geben kann. In Sachen Raumverständnis ist das jedenfalls ein guter.

Offensives Mittelfeld

Emil Forsberg (26), Marcel Sabitzer (24), Bruma (23), (???)

Baustelle Nummer 2. Auch hier gilt, dass man natürlich noch schieben kann und auch Kevin Kampl eine Option für die Zehn ist. Aber dann würde man die Sechser-Position ja noch dünner machen. Es fehlt ein Spieler im offensiven Mittelfeld, wenn man denn weiter meist mit zwei Zehnern und einem 4-2-2-2 spielt. Klar ist, dass RB Leipzig Ademola Lookman gern hätte. Klar ist, dass man sich angesichts dessen Zahlen in der letzten Rückrunde zwangsläufig um ihn bemühen muss. Ob der zu kriegen wäre, ist eine offene Frage. Wenn nicht, dann braucht man halt eine neue Idee. Der immer noch gehandelte Umaro Embalo passt da sicher auch in das Raster, könnte aber als mögliche Verpflichtung auch zu sehr auf Zukunft und nicht Gegenwart ausgerichtet sein.

Viel hängt auf der Position auch davon ab, wie sich die etablierten Spieler entwickeln. Forsberg hatte eine durchwachsene Saison 2017/2018 und als man das Gefühl hatte, er käme besser in Schuss, flog er gegen Hoffenheim vom Platz. Nun spielt er WM und wird zum dritten Mal in Folge keine richtige Vorbereitung mit seiner Mannschaft mitmachen. Zudem gilt er schon seit jeher als wechselwillig. Da bleiben also viele Fragezeichen. Genau wie hinter Sabitzer und Bruma. Sabitzers Rückrunde war wegen Verletzungen und taktischen Verschiebungen deutlich schwächer als die sehr gute Hinrunde. Bruma war in seinem ganzen Spiel zu ineffizient. Sabitzer wird man gerade als Spieler zwischen den Ketten in jedem Fall brauchen. Ein Bruma (dem man fehlenden Fleiß überhaupt nicht vorwerfen kann) mit Effizienz würde das Offensivspiel auch mal eben auf eine neue Stufe heben. Ganz zu schweigen von einem Forsberg in Topform.

Sturm

Timo Werner (22), Jean-Kevin Augustin (21), Yussuf Poulsen (24), Matheus Cunha (19)

Der Baby-Sturm, in dem Yussuf Poulsen mit seinen 24 Jahren schon der älteste Spieler ist. Und Timo Werner ist weiter gerade mal 22 Jahre alt. Auch irre..

Die Sturm-Position ist mit vier Spielern für zwei Startelfplätze zu. Nach allem, was man in der Prognose sagen kann, ist die Position auch von Qualität und Vielfalt her sehr gut besetzt. Werner als Spieler für die Tiefe. Augustin, der aufgrund seiner fußballerischen Klasse auch immer mal im Zehnerraum aktiv sein kann, aber auch Tiefgang hat. Poulsen, der ein sehr guter Wandstürmer ist und den man gerade auch in der Luft im Strafraum noch stärker in Szene setzen könnte. Der Körper von Poulsen muss wieder stärker zu einer auch offensiven Waffe werden als er das in der letzten Saison war, als der Däne meist dann ins Spiel kam, wenn er eine Führung sichern und sich die Lunge im Spiel gegen den Ball aus dem Hals rennen sollte. Mit Cunha hat man nun noch einen vielseitigen Stürmer mit viel Qualität im Torabschluss dazugekriegt. Die recht hohe Ablöse spricht nicht dafür, dass er per se als Nummer 4 gesehen wird. Aber eine Jokerrolle wäre für den Anfang das nachvollziehbarste.

Auf drei Positionen gibt es noch Handlungsbedarf. Im Tor hat man eigentlich alles zusammen, man muss es nur noch passend zusammenpuzzeln. Im defensiven Mittelfeld muss man ganz dringend noch was machen. An diesem Transfer wird für die kommende Saison und für die Bewertung des Kaders einiges hängen, weil das halt auch die Position ist, auf der Keita mit seinem Abgang eine richtige Lücke gerissen hat. Die ist auf der offensiven Mittelfeldposition rein qualitativ nicht ganz so groß, aber auch dort braucht es ganz sicher noch eine Verstärkung. Das alles immer unter der Voraussetzung, dass es nicht noch Abgänge oder unvorherzusehende Verletzungen gibt und dass man nicht Spieler wie Laimer oder Kampl oder Mukiele doch primär auf anderen Positionen sieht. Dass im Sommer in der letzten Transferwoche bei RB Leipzig immer mal noch etwas geht, hat man nicht nur letzte Saison mit Burke und Kampl gesehen. Das wäre auch diese Saison denkbar, dass man noch mal reagiert, wenn man die ersten Pflichtspiele hinter sich gebracht hat und noch mal besser sehen konnte, wo mögliche Lücken sind.

Insgesamt hat RB Leipzig aber schon mal einen guten Kader zusammen, an dem man prinzipiell gar nicht mehr so viel machen müsste. Wenn man jetzt noch auf den Nachwuchs als Unterbau setzt und bei Lücken konsequent auf die Abouchabakas, Stierlins oder auch Bidstrups setzt, dann hat man da am Ende durchaus auch bis runter zur Position 23, 24 einen guten und vielseitigen Kader zusammen. Wie gesagt hängt aber noch relativ viel am wichtigen Puzzlestück im zentralen Mittelfeld, das die ganze Statik und taktische Flexibilität des Kaders entscheidend mitbestimmen wird.

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Die Lücke, die Naby Keita hinterlassen hat, ist jene, die am dringlichsten geschlossen werden muss. | Foto: Dirk Hofmeister
Foto: Dirk Hofmeister

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