Transfer: Emile Smith Rowe

Die Wintertransferperiode war für RB-Verhältnisse relativ ereignisreich. Zwei fixe Transfers (Haidara, Adams), ein für den Sommer getätigter Transfer (Wolf) und eine Leihe bis zum Saisonende (Smith-Rowe). Das war jetzt schon die dritte Transferperiode am Stück, in der der letzte Tag des offenen Transferfenster bei RB Leipzig noch einen Neuzugang brachte oder man (letzten Sommer) zumindest intensiv an einem Neuzugang arbeitete. Gab früher mal letzte Tage von Transferperioden, da hätte man nicht mal für das Internet eingeschaltet..

Wie vor einem Jahr war die letzte Tätigkeit im Winter die Bekanntgabe eines leihweisen Wechsels aus der Premier League. Nicht ganz so spät wie bei Lookman vor einem Jahr, aber auch deutlich nach Schließen des Transferfensters wurde der Wechsel von Emile Smith Rowe zu RB Leipzig bis zum Saisonende bekanntgegeben. Ein Transfer, der einige Frage aufwirft.

Zuerst einmal ist Smith Rowe allerdings rein sportlich ein großes Talent. Der 18-Jährige feierte bereits im September sein Debüt in Arsenals Männermannschaft. In der Europa League wurde er damals eingewechselt. Seitdem stehen bereits sechs Spiele im Profibereich (vier in der Europa League, zwei im Ligapokal) in der Bilanz des Engländers. Immerhin drei Tore schoss er in diesen Einsätzen.

Was gleich auf eine der zentralen Stärken von Smith Rowe verweist, seinen Torabschluss. Auch aus der Distanz ist er mit seinem Fuß und seinen Schüssen eine Waffe. Durchaus etwas, was dem RB-Kader bisher ja ein wenig abgeht, wenn man auf die Torbilanzen der Mittelfeldspieler schaut.

Emile Smith Rowe ist eine eher groß gewachsener Mittelfeldspieler, der im Gegensatz zu Lookman vor einem Jahr kein purer Offensivspieler ist, sondern eher aus einer etwas tieferen Rolle wie der Acht kommt. Die Zehn kann er auch (eher in einer Spielmacherfunktion) spielen, aber seine Stärken hat er vor allem in der Ballzirkulation und nicht so sehr im Dribbling oder der Ballbehauptung auf allerengstem Raum, was ihn eher für eine tiefere Rolle prädestiniert.

Dazu passt auch, dass Smith Rowe eine gute Dynamik mitbringt. Sowohl, wenn es darum geht, Bälle zu erobern oder Gegenangriffe zu stoppen (auch seine Körpergröße und damit große Reichweite hilft ihm dabei), als auch wenn es darum geht, offensive Räume mit großen Schritten zu erobern. Aufgrund seiner Statur, seinem Zug zum Tor und seinem guten Torabschluss erinnert Emile Smith Rowe dabei ein wenig an einen Leon Goretzka. Ist ja auch nicht die schlechteste Referenz.

Mit seinen Qualitäten und mit seinem Alter passt Emile Smith Rowe recht perfekt in das Anforderungsprofil bei RB Leipzig. Und mit seinem Talent ist er ein sehr interessanter Spieler mit einer sehr guten Mischung aus Technik, Körpergröße, Dynamik und Torgefahr. Ein Spieler, dessen Entwicklung zu verfolgen, sicherlich eine Freude sein kann.

Womit wir schon bei den Haken des Transfers sind. Denn nach jetzigem Stand wird der Nachwuchsnationalspieler Englands Leipzig im Sommer wieder verlassen. RB Leipzig erklärte schon, dass man versuchen wird, die Leihe im Sommer zu verlängern, aber für mehr als Leihe ohne Kaufoption ist Arsenal offenbar nicht bereit. Heißt, dass RB hier den Ausbildungsverein für einen Spieler spielt, bei dem man wenig Chancen hat, ihn bei positiver Entwicklung auch fest zu verpflichten. Zumal Smith Rowe eher ein Arsenal-Boy ist und von Heldentaten für den Premier-League-Klub träumt.

Entsprechend bleibt die Frage, wie sinnvoll die kurzfristige Leihe eines 18-jährigen Talents ist. Der ganz akute Bedarf ist im Kader eigentlich nicht vorhanden auf einer Position irgendwo im offensiveren Mittelfeld, wo es mit Kampl, Forsberg, Laimer, Bruma, Adams, Sabitzer und irgendwann mal Haidara eine ganze Reihe an Optionen gibt.

Vor einem Jahr bestand aufgrund Forsbergs unklarer Verletzungssituation und eines dünneren Kaders mehr Bedarf, die Lücke mit einer Not-Leihe (Lookman) zu schließen. In dieser Saison war die Not im Winter eigentlich nicht ganz so groß und ist Emile Smith Rowe erstmal Kaderplatz Nummer 21 und schon von der Seite her von Einsätzen recht weit weg, wenn sich denn nicht einige Spieler gleichzeitig verletzen.

Schon von dieser Seite her ist die Verpflichtung von Smith Rowe seltsam. Dazu kommt auch noch, dass das Talent erstmal verletzt ist und wohl nicht vor Ende Februar ins Mannschaftstraining einsteigt. Anpassung an den neuen Verein, dann ist im März noch mal Länderspielpause. Der Zeitpunkt, an dem Smith Rowe überhaupt ein ernsthafter Kandidat für einen Platz im Team ist, könnte erst Ende März kommen. Viel Zeit ist dann nicht mehr bis zum Saisonende.

Ein bisschen scheint es, als wäre die Leihe eine, die vornehmlich Netzwerkziele verfolgt. Da kann man einem verletzten 18-jährigen Talent zeigen, dass man sich um ihn kümmert und ihm alle Zeit der Welt lässt und vielleicht (wie bei Kimmich einst, der nach seinem Wechsel auch erst mal einige Zeit ausfiel) damit auch einen gewissen Eindruck beim Jung-Profi schinden. Was ja für künftige Karriereentscheidungen nicht nachteilig sein muss, wenn ein Spieler einen Leihklub in guter Erinnerung behält.

Dazu kommt sicherlich auch so etwas wie Beziehungspflege zu Arsenal, für die man nun Pflege und Entwicklung eines Talents übernimmt, auf das der Klub langfristig durchaus setzen möchte. Zumindest klang aus den Worten der RB-Verantwortlichen ein gutes Verhältnis zu Arsenal heraus. Kann einem ja bei künftigem Interesse an anderen Spielern vom Londoner Klub noch mal helfen. Kann aber auch ein Signal an andere Premier-League-Klubs sein, dass man ein verlässlicher Partner ist. Einen Fuß im englischen Markt zu haben, ist angesichts des dortigen Überflusses an Talenten und generell Spielern ohne Spielzeit sicherlich nicht ganz falsch. Zumal wenn man bedenkt, dass noch unabsehbar ist, was nach einem Brexit in welcher Form auch immer in Sachen Ausländerbeschränkungen und Co passiert.

Ein mieses Zeichen ist der Transfer mal wieder für den eigenen Nachwuchs. In der Hinrunde gab es immer mal wieder die Situation, dass ein eigener Nachwuchsspieler auf der Bank sitzen durfte oder ein Majetschak in der Europa League gegen Celtic sogar eingewechselt wurde. Schon die Verpflichtungen von Adams und Haidara haben die Chancen für den eigenen Nachwuchs deutlich verringert (waren als nachhaltige Verpflichtungen aber alternativlos). Dass man jetzt mit Smith Rowe aber sogar noch Kaderplatz 21 mit einem 18-Jährigen ohne (weil fehlende Kaufoption) langfristige Perspektive holt, ist dann doch ein mehr als deutliches Signal an den eigenen Nachwuchs, dass man in den derzeitigen U19-Jahrgang, also vornehmlich Majetschak und auch Stierlin, die am nächsten am Team waren, keinerlei Vertrauen hat.

Wobei die Betonung dabei auf Kaderplatz 21 liegt. Dass man junge Talente von externen Quellen holt, gehört zur Vereinsphilosophie. Zu der gehörte aber auch einst, die Plätze 21 abwärts für den eigenen Nachwuchs zu lassen. Einen Smith Rowe zu holen, verbaut da einen Platz, weil man den Neuzugang natürlich eher spielen lassen wird, wenn man ihn denn schon für die kolportierte und nicht geringe Leihgebühr von einer Million Euro holt. Bedeutet, dass der Übergang aus der eigenen U19 in den Männerbereich, den man ja einst nach der Abmeldung der U23 stärken wollte, weiterhin praktisch nicht existent ist.

Insgesamt ein sportlich sehr interessanter Transfer mit vielen Fragezeichen in Bezug auf die Sinnhaftigkeit. Das betrifft vor allem die Nachhaltigkeit, die Notwendigkeit für die kommenden reichlich drei Monate und das Signal an den eigenen Nachwuchs. Für Smith Rowe selbst kann man nur hoffen, dass seine Rechnung aufgeht und er zumindest noch ein bisschen Spielzeit abkriegt in der Restsaison. Einfach wird das angesichts der Konkurrenz im Kader sicher nicht.

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Emile Smith Rowe bei seiner Vorstellung bei RB Leipzig. | Foto: Screenshot twitter.com/dierotenbullen
Screenshot twitter.com/dierotenbullen

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