Transfer: Tyler Adams

Gerade mal Anfang Dezember und schon der erste Wintertransfer öffentlich bestätigt. Ein überraschender Transfer war es aber nicht mehr. Schon länger war Tyler Adams in der Verlosung. Schon länger war es nur logisch, dass Adams einer der zwei angeblich schon seit Anfang September fixen Transfers ist.

Denn in Verbindung mit Leipzig steht Tyler Adams schon seit einer halben Ewigkeit. Schon Anfang 2016 hatte er sich in Leipzig umgeschaut und die Dinge, die er hier sah in Sachen Trainingszentrum und Betreuungsstab für gut befunden. Damals war er mit der U19 im Training und spielte sogar in einem Testspiel gegen die Bayern.

Zwischenzeitlich bekannte er, dass er in New York die internationalen Auftritte von RB Leipzig verfolgt und dabei besonders auf Naby Keita schaut, bevor er dann Ende 2017 erstmals ernsthaft in das Gerüchtekarussell für einen Wechsel nach Europa kam. Damals 18 Jahre alt und als Kandidat für Salzburg oder Leipzig im Gespräch. Doch es dauerte dann doch noch ein weiteres, sein zweites komplettes Jahr in der Major League Soccer, bevor nun der Schritt nach Europa und nach Leipzig ansteht.

Bis 2023 hat Tyler Adams unterschrieben. Was  viereinhalb Jahre Vertrag sind. Eher typischer Vertrag für einen jungen Spieler, den man wohl erstmal an Bundesliga-Niveau heranführen muss und von dem man wirtschaftlich und sportlich was haben möchte.

Sportlich hatte man in New York nun zwei komplette Spielzeiten was von Tyler Adams. Bereits mit 12 Jahren schloss er sich dem Nachwuchsprogramm des Klubs an und gilt nun als erster Spieler der alle Nachwuchsebenen in New York durchlaufen hat und amschließend in die weite Welt und in die großen Fußballligen Europas schaut.

Ob es sich wirtschaftlich für die US-Red-Bulls auch gelohnt hat, lässt sich nicht sagen, da die Ablöse (noch nicht mal spekulativ) bekannt ist. Aus New Yorker Perspektive spielt es sowieso keine ganz große Rolle, weil man nur 750.000 Dollar der Transfersumme wieder in Spielerverpflichtungen stecken kann (Um die Details der Kaderplanungsbestimmungen zu verstehen, müsste man das entsprechende Regelbuch wahrscheinlich zwei Wochen lang studieren..). Zahlt Leipzig mehr als diese Summe, dann wandert der Rest auf das Konto eines Red-Bull-Unternehmens, das die New Yorker Fußball-Franchise ja nun mal ist. Also praktisch auf Red-Bull-Konten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Red Bull mit New York in harte Verhandlungen mit Leipzig eingestiegen ist, um eine hohe Ablöse zu generieren, mit denen man dann Steine in New York finanzieren könnte, dürfte eher gering sein.

Interessant für die Zukunft dürfte aber eher sein, inwieweit sich der New Yorker Klub, der sich in den letzten Jahren ja verstärkt auch derAusbildungsstrategie verschrieben hat und vergleichsweise wenig Gehälter zahlt (und vor allem wesentlich mehr Erfolg, als dem Etat entsprechen würde, hat) stärker in die Ausbildungsfolge für RB Leipzig einreiht. Von den Regularien her gibt es für Verbindungen im Gegensatz zu denen nach Salzburg keine Beschränkungen (zumindest wären mir keine entsprechenden Regularien bekannt) (entsprechend haben ja Manchester City und New York City FC auch denselben Besitzer und sind stark vernetzt).

In den letzten Jahren liefen die wenigen Berichte zu dem Thema jedenfalls in meiner Interpretation ein bisschen darauf hinaus, dass New York für den Markt von Nord- bis Südamerika so eine Art Sammelbecken für Talente werden könnte. Auch als Durchgangsstation für mögliche Talente aus Brasilien, so denn die dortige Red-Bull-Dependance entsprechende Spieler hervorbringen sollte. Die Major League Soccer wäre zumindest ein Umfeld, in dem junge Spieler den nächsten Schritt machen und Spielpraxis sammeln können. Eine Art FC Liefering in Amerika, nur halt dann doch auf etwas höherem Ligen-Niveau als die zweite österreichische Liga.

Wie auch immer diese Perspektiven aussehen werden, ist Tyler Adams der erste Spieler, der aus dem New Yorker Red-Bull-Klub zu RB Leipzig wechselt. Matt Miazga war einst beinahe der Vorreiter für Adams. Der spielte 2013 mit 17 in Leipzig vor und stand Anfang 2016 (in dem Transferwinter, in dem Damari und Co nach Leipzig kamen) wohl auf dem Leipziger Wunschzettel, ging dann aber zum FC Chelsea.

Tyler Adams folgt dagegen dem Werben von RB Leipzig, was natürlich auch damit begründet ist, dass der Klub inzwischen ein ambitionierter Erstligist und kein Zweitligist mehr ist. Und es hat was mit Adams Geschichte zu tun. Denn in seinen sechs Jahren bei den New York Red Bulls ist er sehr mit diesem Klub verwoben. Seine „andere Familie“ nannte er es zuletzt in einem lesenswerten Beitrag für The Players Tribune. Eine Familie, die er rein vom Wohlfühlfaktor nur ungern verlässt und dann eben mit dem guten Gefühl, innerhalb der „Red-Bull-Familie“, wie er es nennt, zu bleiben.

Adams ist verknüpft mit einer dieser schönen Geschichten, die gern erzählt werden, wenn es denn ein Talent geschafft hat. Mit alleinerziehender Mutter hatte man es nicht leicht, den Alltag zu bestreiten und trotzdem fuhren sie lange Strecken damit Adams regelmäßig zum Training nach New York kam. Man biss sich durch, die Mutter verliebte sich in einen anderen Mann und mit dessen Kindern zusammen bildete man eine neue, große Familie. Und bei den Red Bulls in New York wurde Adams in seiner parallelen Fußball-Familie groß, kam in die Akademie und dann in den Profibereich. Im Juli 2015 machte er in einem Testspiel gegen Chelsea sein Debüt für die Männermannschaft. Mit 16. Inklusive erstem Tor.

Es sind (schöne) Geschichten, die Tyler Adams da erzählen kann. Und bei allem, was man über den gerade mal 19 Jahre alten Mann liest und wenn man ihm zuhört, bleibt das Gefühl, dass er in diesem Aufwachsen mit dem Fußball und der engen Mutter- und Familienbindung sehr bodenständig und fokussiert auf Fußball geblieben ist. Kein Typ mit Flausen. Eher einer, der vom Kopf her wie einst ein Joshua Kimmich wirkt, der immer klar und nie überheblich oder abgehoben war und sich auch dadurch immer leicht damit tat, auf dem nächsthöheren Level anzukommen und das dortige Niveau aufzusaugen. Typ perfekter Schwiegersohn, nur halt mit großem sportlichen Ehrgeiz.

Tyler Adams spielt sein Anfang 2017 regelmäßig für den New Yorker RB-Verein. Damals war er 18. Er hat damit zwei komplette Spielzeiten in der Major League Soccer hinter sich. Auch wenn er sein großes Ziel, den Meistertitel nicht erreichen konnte, hat er sich trotzdem zu einem der besten Spieler der Liga auf seiner Position entwickelt. Im Talentebereich wird eigentlich nur Alphonso Davies als besser angesehen, vor allem weil der noch mal eineinhalb Jahre jünger ist (aber auch auf einer komplett anderen Position spielt). Davies wechselt diesen Winter zu den Bayern (bzw. trainiert da glaube sogar schon mit). Adams geht nach Leipzig. Mal sehen, wer schneller in seinem Team zum Zuge kommt und schneller in der Bundesliga ankommt.

Als Sechser spielt Tyler Adams auf einer etwas anspruchsvolleren Position als Offensivmann Alphonso Davies. Weil er auf dieser Position vor allem Dinge falsch machen und Spiele verlieren kann. Als Sechser erinnert Adams auf so einen ersten Blick (im Detail muss man sich das dann erstmal ein paar Spiele live anschauen, bevor man dann finale Eindrücke hat) an eine Mischung aus Diego Demme und Joshua Kimmich. Er hat sehr gute Fähigkeiten in der Balleroberung, für die ihn seine Dynamik prädistiniert und bewegt sich dabei defensiv ganz schlau in den Räumen, um dann auch im richtigen Moment Zugriff auf den Ball zu kriegen.

Auf der anderen Seite verfügt er auch über einen ganz guten Blick für das Spiel und ein gutes Passspiel. An Joshua Kimmich (aus dessen Leipziger Zeit) erinnert Adams vielleicht ein wenig, weil er mehr noch als Demme auch offensive Räume im Blick hat und dort auch Spieler einsetzt oder mal stärker den Weg an und in den Strafraum sucht. Keine Tormaschine, ganz im Gegenteil, aber seine Dynamik prädistiniert ihn auch dafür, sich von der Sechs stärker Richtung Offensive einzuschalten als dies Demme, der ja eher als Quarterback in der Offensive fungiert, so tut.

Tyler Adams‘ Passquote ist mit 76% in dieser Saison überschaubar gewesen. Das liegt aber vor allem auch an der in New York gepflegten Philosophie des schnellen Umschaltens und einem generell etwas wilderen Fußballs, wie er in den USA gepflegt wird. Er war in seinem Team der Taktgeber und ist dabei nicht der Spieler, der alle überstrahlt, sondern eher der, der seinen Job macht und den Laden zusammenhält.

Ähnlichkeiten zu Laimer könnten darin bestehen, dass der Sprung für Tyler Adams in die Bundesliga sehr groß ist. Gerade im Sechserbereich liegen Welten zwischen dem, was man dort in der deutschen Bundesliga und dem was man in Österreich oder den USA können muss. Die Räume, die man für die Ballverarbeitung hat, sind wesentlich geringer. Möglichkeiten, seine Dynamik einzubringen, muss man gut auswählen.

Konrad Laimer hat da nach fast eineinhalb Jahren in Deutschland immer noch so seine Mühe, im Sechserbereich Fuß zu fassen. Weil die fehlenden Räume ihn in seiner Dynamik beschneiden und sein Passspiel nicht in dem Maß hervorragend ist, dass es ihm auf der Sechs helfen würde. In Österreich hatte Laimer nach Balleroberungen oft ein paar Meter Platz, um Fahrt aufzunehmen. Die hat er in Deutschland nicht. Er ist weiterhin ein sehr guter Spieler gegen den Ball und hat viel Dynamik, aber eigentlich schienen die letzten Monate darauf hinzuweisen, dass Laimer auf der Rechtsverteidigerposition besser aufgehoben ist, weil er dort mehr Raum für sein Spiel hat und deswegen dort herausragende Partien machte.

Möglich, dass auch Tyler Adams (Kimmich ging es bei den Bayern ja ähnlich) so eine Entwicklung geht. Allerdings gibt es bei RB Leipzig derzeit hinten rechts wenig Bedarf. In New York spielte er dort in seiner ersten Saison. In seiner zweiten Saison wollte er sich im zentralen Mittelfeld durchsetzen und hat sich im zentralen Mittelfeld durchgesetzt. Vermutlich wird er das auch in Leipzig wollen und seine Bewegungen sind auch auf engem Raum etwas feingliedriger als jene von Laimer.

Letztlich kriegt RB Leipzig mit Tyler Adams einen sehr jungen, sehr talentierten Sechser, der neben einem guten Defensivverhalten und guten Balleroberungen auch Dynamik, Passspiel und Qualitäten im Eins gegen Eins mitbringt. Sogar im Kopfballspiel ist der etwas schmächtige Adams gar nicht mal so schlecht. Insgesamt ist das von seinen Grundanlagen her ein ziemlich komplettes Paket, das RB Leipzig da kriegt.

Aber Adams ist auch ein Spieler, der in jedem dieser Bereiche noch Feinschliff braucht und dem man eine gewisse Anpassungszeit an die Bundesliga, an das Tempo und an die nicht mehr so großen Räume auf dem Spielfeld zugestehen muss. Mit 19 hat er diese Zeit ja auch noch und könnte trotzdem schon sofort eine gute Kaderoption und eine gute Backupvariante für Diego Demme werden. Sehr vielversprechender Transfer. Wird sehr interessant, wie der sehr talentierte und sehr sympathisch wirkende Adams sich in Leipzig unter Rangnick und dann Nagelsmann entwickelt und wie viel von seinem unzweifelhaft großen Potenzial er tatsächlich ausschöpfen kann.

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An american Boy bei RB Leipzig: Tyler Adams kommt für die Sechs. | Screenshot Twitter RB Leipzig - twitter.com/DieRotenBullen

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