Trotz durchwachsenem Spiel viel Freude an der Rückkehr auf die Trainerbank gehabt - Ralf Rangnick beim 1:0 von RB Leipzig beim FSV Frankfurt | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Kaderschmiede RB Leipzig 2018/2019

Die Saison ist gerade mal eine Woche Geschichte (und diverse Saisonrückblicke stehen noch aus) und natürlich dreht sich rund um RB Leipzig bereits relativ viel um mögliche Neuzugänge und um mögliche Abgänge.

Auf die Verantwortlichen bei RB Leipzig kommt viel Arbeit zu. Das liegt an gleich neun Leihspielern, die von ihren jeweiligen Vereinen zurück nach Leipzig kommen und von denen maximal zwei bis drei (eigentlich faktisch nur einer) eine kurzfristige Zukunft bei RB haben. Für einige Spieler werden endgültige Lösungen fällig, weil sie nur noch ein Jahr Vertrag in Leipzig haben und entsprechend nicht noch einmal verliehen werden können (außer man verlängert ihre Verträge zuvor).

Erschwerend kommt bei der Kaderplanung für die kommende Spielzeit hinzu, dass RB Leipzig nun in die Europa-Legue-Qualifikation muss. Mal abgesehen davon, dass das für potenzielle Neuzugänge jetzt nicht wirklich das ultimative Wechselargument ist, stellt sich aus Sicht der Kaderplanung vor allem die Frage, wie man mit einem Wettbewerb umgeht, bei dem man nicht weiß, wie viel Aufwand er bedeuten wird.

Falls RB in die Gruppenphase einzieht, würde man bis zum Winter zwölf zusätzliche Spiele in Europa zu bestreiten haben. Genausogut könnte man aber auch bereits in der ersten zu spielenden Runde (was die zweite Quali-Runde ist, weil RB erst dort einsteigt) ausscheiden, dann wäre die Zusatzbelastung gering. Das Rückspiel der letzten Quali-Runde ist am 30.08.2018. Man weiß also erst einen Tag vor Schließen des Transferfensters, ob man in der Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs antritt.

Sprich, man weiß bis Ende August noch nicht genau, mit welchen Belastungen man in der Hinrunde umgehen und inwiefern man darauf mit entsprechenden Kadergrößen reagieren muss. Da man keine U23 zur kurzfristigen Aufrüstung der Profis hat, muss man den Profikader entsprechend ausrüsten, dass er auch für die Europa-League-Gruppenphase aufgestellt ist, ohne dass man lange überhaupt weiß, ob man daran teilnimmt. Auch der eine oder andere Spieler könnte sich mit einer Zusage leichter tun, wenn die Europa-League-Gruppenphase bereits gesichert wäre. Könnte also sein, dass die letzten ein, zwei Transfers dann tatsächlich erst am 31.08. über die Bühne gehen oder nicht über die Bühne gehen.

Nicht ganz ideal ist auch die Tatsache, dass man noch nicht weiß, wer bei RB Leipzig in der kommenden Saison an der Seitenlinie stehen wird. Das ist nicht extrem schlimm, weil die Kaderplanung seit 2012 sowieso im Kern Rangnicks Angelegenheit und der jeweilige Trainer da nicht völlig außen vor, aber nicht die entscheidende Figur ist (außer er lehnt einen Spieler sehr vehement ab). Trotzdem bleiben Verhandlungen mit Spielern, die auch nachfragen werden, unter welchem Trainer sie denn dann arbeiten werden. Wäre gut dann auch Antworten präsentieren zu können, die zu überzeugen wissen..

Die Leihspieler

Gleich neun Leihspieler muss Ralf Rangnick in diesem Sommer verarzten. Mit Massimo Bruno, Omer Damari, Marius Müller, Zsolt Kalmar und Anthony Jung kehren fünf Spieler zurück, die nur noch bis 2019 Vertrag bei RB Leipzig haben. Diese Spieler können also (ohne vorherige Vertragsverlängerung) nicht mehr verliehen werden (weil Leihen nur für Spieler mit mehr als einem Jahr Restvertrag möglich sind). Bruno, Damari, Kalmár und Jung haben keine Zukunft mehr bei RB. Für sie braucht es also finale Lösungen. Marius Müller könnte für die kommende Spielzeit noch eine Zukunft als Nummer 2 hinter Gulacsi haben.

Bei weiteren vier Spielern, die von Leihen zurückkehren, dauern die Verträge bei RB noch mindestens bis 2020. Atinc Nukan hat trotzdem null Perspektive in Leipzig. Mal sehen, ob man noch mal eine Leihe hinbekommt. Dass Besiktas die Kaufoption zieht, ist mehr als unwahrscheinlich.

Agyemang Diawusie ist der vermutlich einzige Leihspieler mit auch mittelfristiger Perspektive in Leipzig. Nach seiner Leihe nach Wiesbaden soll nun ein Zweitligaklub folgen, bevor dann in einem Jahr die Frage wäre, ob Diawusie für den Sprung zu den RB-Profis in Frage kommt oder ob man ihn abgibt.

Bei Vitaly Janelt war das Tischtuch mit RB eigentlich komplett zerschnitten. Unter Robin Dutt kam der 20-Jährige kaum noch zum Einsatz, sodass auch völlig unklar ist, ob Bochum die Kaufoption zieht. Wenn der VfL das nicht tut, geht es vermutlich nur noch um die Frage, welchen Klub RB für Janelt als nächstes findet.

Dieselbe Frage stellt sich für Felix Beiersdorf. Nachdem der 19-Jährige auch beim Regionalligisten Chemie Leipzig keinen Fuß auf den Boden bekam, wird es eine lustige Aufgabe einen Spieler loszuwerden, der so viel verdienen dürfte, wie manch Fünftligeteam insgesamt. Bis 2021 hat Beiersdorf noch Vertrag bei RB. 2016 bestritt er unter Hasenhüttl in der Saisonvobereitung sogar noch Spielzeit mit den Profis von RB…

Die Abgangskandidaten

Auf Abgangsseite dürfte neben den Leihspielern gar nicht mehr so viel passieren. Dominik Kaiser und Naby Keita sind aufgrund auslaufenden Vertrags und Ausstiegsklausel nächste Saison nicht mehr dabei. Benno Schmitz darf gehen. Yvon Mvogo möchte gern (leihweise) gehen, wenn sich an seiner Rolle nichts ändert.

Unklar ist die Zukunft auch bei zwei weiteren Torhütern. Fabio Coltortis Vertrag läuft aus. Wahrscheinlich ist allerdings, dass der Vertrag auf dem kurzen Dienstweg um ein weiteres Jahr verlängert wird und Coltorti als Nummer 4 und Urgestein im Verein bleibt.

Bei Philipp Köhn wäre das nicht ganz so günstig, weil für den 20-jährigen Nachwuchsnationaltorwart der Schweiz eine weitere Saison auf der Bank wenig zielführend wäre. Eine Leihe in die zweite Liga würde Sinn machen. Müsste dann aber auch ein Team sein, das ihn haben und einsetzen will.

Neben Kandidaten, die auf der Hand liegen, gibt es sicherlich auch noch Kandidaten, die nicht so auf der Hand liegen. Bzw. bei denen es seitens RB bisher keine Bereitschaft gibt, sie abzugeben. Ein Emil Forsberg ist hier natürlich ganz vorn zu nennen, der ja eigentlich in jeder Transferperiode zu einem Wechselthema wird. Inwiefern die Augustins und Brumas Bock auf Euro-League-Quali haben, wird man sehen.

Nachwuchsspieler

Vor einem Jahr wollte RB drei Kaderplätze dauerhaft und fest an U19-Spieler vergeben. Elias Abouchabaka und Nicolas Kühn bekamen zwei der entsprechenden Plätze. Kühn spielt inzwischen in Amsterdam. Abouchabaka spielte eine überschaubare U19-Runde. Und die drei Plätze für U19-Spieler bei den Profis gibt es in der Form nicht mehr, weil sie in den vielen englischen Wochen mit wenig zielgerichtetem Training keinen Sinn ergaben. Entsprechend gab es in der vergangenen Saison erneut keinen Nachwuchsspieler von RB Leipzig, der bei den Profis in einem Pflichtspiel zum Einsatz kam. Niclas Stierlin durfte beim Spiel gegen Wolfsburg mal auf der Bank hocken, das war’s.

Entsprechend ist auch nicht zu erwarten, dass aus dem aktuellen 1999er-Jahrgang, der nach oben aus der U19 herauswächst, jemand größere Chancen auf einen Platz bei den Profis hat. Emre Aslan hat sich zu einer Tormaschine und zum türkischen Nachwuchsnationalspieler entwickelt. Kilian Senkbeil ist schon seit 2010 dabei und galt eins als eines der größten Talente des Vereins. Ansonsten dürfte im 99er-Jahrgang wenig drinstecken, wofür Ralf Rangnick bereit wäre zu töten.

Aus dem 2000er-Jahrgang, der kommende Saison der ältere U19-Jahrgang ist, müssten sich nun die nächsten Spieler für Schnupperstunden bei den Profis anbieten. Niclas Stierlin, Elias Abouchabaka, Kilian Ludewig und Erik Majetschak sind die Namen, die hier am ehesten zu nennen sind und ja teilweise auch schon häufiger dabei waren. Julian Krahl wäre als Torwart prädistiniert für die parallele Rolle als Nummer 3 oder 4 bei den Profis, weil er gleichzeitig halt (im Gegensatz zu Köhn) U19 spielen könnte.

Auch aus dem U17-Bereich rücken in der kommenden Saison aus dem 2001er-Jahrgang eine Reihe von Talenten mit guten Perspektiven in die U19 auf. Fabrice Hartmann, Tom Krauß, Noah Holm oder auch ein Mads Bidstrup wären hier zu nennen. Aber das sind Jungs, die 17 sind oder gerade werden. Da sollte man die Füße auch noch sehr still halten in Sachen Hoffnungen für das Profiteam.

Interessant wird bei all dem auch wieder die Frage nach den Local Playern. Acht braucht man davon insgesamt. Vier davon müssen zwischen 15 und 21 für mindestens drei Jahre bei einem deutschen Verein ausgebildet worden sein. Mit Willi Orban, Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann, Diego Demme, Kevin Kampl und Timo Werner hat man hier einige Spieler (wenn man nur jene nimmt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bleiben oder bleiben sollen), die die Regel erfüllen.

Dazu braucht man aber noch vier weitere Spieler mit Profiverträgen, die zwischen 15 und 21 für mindestens 36 Monate bei RB Leipzig ausgebildet wurden. Letzte Saison gab man deswegen Senkbeil, Yilmaz, Dauter und Minz einen Profivertrag. Ob davon ein, zwei noch laufen oder nicht ist unklar, aber eher unwahrscheinlich (unwahrscheinlich vor allem, dass Rangnick einen der Spieler in den Profikader integrieren will).

Aus dem aktuellen RB-Kader erfüllt kein Profi die Local-Player-Vorgaben, zumindest nicht in der scharfen Form der UEFA-Vorgaben. Lukas Klostermann kam dafür ein paar Wochen zu spät nach Leipzig. Yussuf Poulsen kam ein Jahr zu spät. Entsprechend braucht RB Leipzig auch diese Saison wieder vier Spieler aus dem U19-Bereich, die man mit Pro-Forma-Verträgen ausstatten kann. Da kämen vom Mekkonen über Krahl und Majetschak bis hin zu Ludewig und Abouchabaka und noch mehr einige Spieler in Frage. Interessanterweise ist Niclas Stierlin, der bereits mit einem Profivertrag ausgestattet wurde, kein Local Player, weil er erst seit 2017 in Leipzig spielt. Würde noch zwei Jahre dauern, bis er als Leipziger Local Player gelten würde.

Die Kaderplanung

Rechnet man mal die Leihspieler und die Abgangskandidaten und mögliche Nachwuchsspieler als Auffüller nicht mit, dann kommt RB Leipzig bisher auf ein bis zwei Torhüter und 16 Feldspieler für die kommende Saison. Weitere Abgänge wie einen Forsberg aufgrund der klaren Rangnick-Absage nicht eingerechnet.

Die maximal mögliche Anzahl an Pflichtspielen allein bis zur Winterpause beträgt für RB Leipzig 31. Darunter sind 17 Partien in der Bundesliga, 12 in Europa und 2 im DFB-Pokal. Das ist nicht wenig und wird entsprechend einen vor allem qualitativ breiten Kader brauchen. Wobei es halt auch eine Kunst ist, einen breiten Kader zusammenzustellen, in dem dann die Nummer 20 bis 22 auch mit ihrer Rolle in der Hierarchie leben können. Spieler wie Kaiser oder Schmitz, die diese Rollen hinter dem Kernkader relativ klaglos hinnehmen, findet man dann doch nicht ganz so oft.

Bei 16 Feldspielern ist die Zahl der Akteure, mit denen man den Kader ergänzen muss, eigentlich gar nicht so hoch. Mehr als 5 bis 6 Feldspieler müssten es diesen Sommer gar nicht sein. Mit 20 Feldspielern plus vier Nachwuchsspielern als Anschlusskader wollte man in die Vorsaison gehen. Das wäre auch für drei Wettbewerbe eine vernünftige Größe, wenn man denn tatsächlich 20 Feldspieler mit Einsatzchancen und vier Nachwuchsspieler mit entsprechendem Entwicklungspotenzial und Vertrauen in ihre Entwicklung hat.

Der Transferrahmen aus der Vorsaison düfte sich kaum verändert haben. Wegen der fehlenden Champions-League-Gelder fallen ein paar Euro weg. Die nationale und internationale TV-Vermarktung durch die DFL bringt einige Millionen-Zuwächse für RB (wobei man den größten Sprung wohl erst in einem Jahr machen würde, wenn man die fünfte Saison in erster und zweiter Liga hinter sich gebracht hat). Auch der Keita-Transfer verschafft für diesen Sommer ein gutes Finanzpolster.

Steigende Gehälter futtern davon wohl einiges wieder auf. Sowieso dürfte es von Jahr zu Jahr immer schwieriger werden, ein Minus in der Transferbilanz durch normale Saisoneinnahmen gegenzufinanzieren. In der aktuellen Saison wird es wohl wegen der Keita-Summe eher nicht auf ein Transferminus hinauslaufen (wobei ein Transferminus wohl wirtschaftlich weiterhin machbar wäre). Letzte Saison hatte RB für Transfers irgendwas um die 60 Millionen Euro ausgegeben. Das ergab ein Transferminus von rund 40 Millionen (für die Gewinn-Verlust-Bilanz des Jahres ist das nicht ganz so einfach zu berechnen). Ein Transferrahmen von 60 Millionen Euro ist auch dieses Jahr locker denkbar. In Abhängigkeit davon, was man mit der Keita-Summe anstellen will (bzw. muss, wenn es um das Tilgen von Darlehen geht). Das Transferminus dürfte diese Saison insgesamt kleiner ausfallen als noch letzte Saison. Alles handgeschätzt.

Schon letzte Sasion hatte RB Leipzig einen Kader zusammen, mit dem man sich ganz automatisch zu einem Team aufpeppte, dessen Ziel das oberste Drittel der Bundesliga sein muss. Wenn man diese Saison den Kader bis auf Keita zusammenhält und ihn weiter in der Breite stärkt und die Köpfe des Teams vielleicht wieder stärker zu Köpfen werden als in der abgelaufenen Spielzeit (oder mit Augustin und anderen neue Köpfe heranwachsen), dann muss ein Platz unter den ersten Vier für RB Leipzig in der kommenden Saison das Ziel sein. Wirtschaftlich läuft es sowieso darauf hinaus, dass man für die entscheidenden Wachstumsschritte die Champions League braucht.

Das Tor

Eine Position mit viel Diskussions- und Handlungsbedarf. Peter Gulacsi ist gesetzt. Yvon Mvogo will (leihweise) weg, falls das so bleibt. Philipp Köhn braucht auch eine Leihe, um Spielzeit zu kriegen. Fabio Coltortis Vertrag läuft aus, wobei man den 37-Jährigen wohl auch noch zu einem weiteren Jahr überreden kann.

Sieht alles eher kompliziert aus in der Planung. Wird allerdings relativ einfach, wenn man wirklich von Peter Gulacsi als Nummer 1 auch für die kommende Spielzeit überzeugt ist. Dann könnte man hinter Gulacsi mit Marius Müller, Fabio Coltorti und Nachwuchsmann Julian Krahl drei Spieler stellen. Müller müsste man dabei versprechen, dass er der erste Ersatz bei einem Gulacsi-Ausfall ist (und vielleicht auch generell vier, fünf Spiele kriegt). Coltorti ist mit jeder Rolle zufrieden. Bei Krahl könnte man aufgrund seiner Einsätze in der U19 gar nichts falsch machen.

Die Innenverteidigung

Mit Willi Orban, Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté hat man ein sehr gutes Trio zusammen. Dahinter ist dann die Frage, wie sehr man mit Stefan Ilsanker und Bernardo als mögliche Alternativen in der Innenverteidigung plant. Tut man das nicht, dann braucht man in jedem Fall noch einen Innenverteidiger. Am besten einen, der keinen ganz großen Schmerz hat, sich hinter den etablierten drei Spielern auf die Bank zu setzen.

Die Außenverteidigung

Die Außenverteidigerposition gilt bei RB Leipzig immer ein wenig als Problemposition. Dabei ist sie eigentlich qualitativ und quantitativ im Bundesliga-Vergleich recht gut besetzt. Zumindest wenn auch der neue Trainer mit Konrad Laimer als Rechtsverteidiger plant. Dahinter steht ein Lukas Klostermann, der vor zwei Jahren noch als künftiger Nationalspieler galt. Ist man von Klostermann Potenzial immer noch überzeugt, dann kann man fast kein besseres Rechtsverteidiger-Pärchen haben als Laimer/ Klostermann.

Links spielte Marcel Halstenberg in der letzten Hinrunde eine sehr konstante Saison. Wenn er bis zur kommenden Saison wieder fit wird, dann hat man links hinten einen der besten deutschen Linksverteidiger. Ganz viel Qualitätssprünge nach oben kriegt man da durch externe Neuzugänge nicht mehr. Bernardo ist dahinter vor allem defensiv ein sehr guter Backup, wenn da manch Stellungsfehler und Unaufmerksamkeit nicht wäre.

Letztlich ist man in Sachen Außenverteidigung besser aufgestellt als vor einem Jahr (wenn denn Halstenberg zurückkommt). Ein Akteur mit einer gewissen offensiven Dynamik kann aber auch nicht schaden. Lösungen wie Henrichs wären allerdings wohl kaum zu finanzieren.

Defensives Mittelfeld

Auf der Sechs geht es derzeit sehr luftig zu. Zumindest wenn man Konrad Laimer als Außenverteidiger sieht. Dann blieben in der Mittelfeldzentrale mit Diego Demme und Kevin Kampl zwei Stammkräfte und mit Stefan Ilsanker ein Defensivallrounder. Klar, dass man auf dieser Position dann noch Verstärkungen wie die gerüchtelten Tyler Adams (New York) oder der etwas offensivere Amadou Haidara (Salzburg) braucht. Auch ein Niclas Stierlin würde hier, zumindest von der Position, her gut passen.

Am Ende auch die Frage, was du auf dieser Position will. Willst du mehr Passsicherheit, also mehr Demme-Qualitäten oder willst du mehr Offensivpower und Aggressivität im Vorwärtsgang (inklusive Balleroberungen), also mehr Keita-Qualitäten.

Offensives Mittelfeld

Im offensiven Mittelfeld ist RB Leipzig mit Bruma, Forsberg und Sabitzer sehr gut, aber nicht sehr breit besetzt. Die einfachste Lösung wäre natürlich Ademola Lookman dauerhaft zu verpflichten. Dass das finanziell mit dem FC Everton zu klären ist, davon sollte man nicht ausgehen. Im besten Fall könnte man den Engländer noch mal leihen, aber selbst da sollte man die Chancen angesichts eines Wechsels in der sportlichen Leitung des Premier-League-Klubs nicht allzu groß sehen.

Fakt ist, dass RB noch einen offensiven Mittelfeldspieler braucht und der eher der Typ Bruma, als der Typ Sabitzer oder Forsberg sein sollte. Als ein schneller und dribbelstarker Spieler mit Zug zum Tor. Auch nicht gerade der Spielertyp, den man für 5,50 Euro auf der Straße findet.

Der Sturm

Mit Timo Werner, Yussuf Poulsen und Jean-Kevin Augustin verfügt RB Leipzig über drei Stürmer. Letzte Saison hätte sich ein Backup für Yussuf Poulsen noch gut gemacht (einen Jhon Cordoba zum Beispiel). Zuletzt spielte man den Kampf um die zweiten Bälle aber so schlecht, dass ein Stürmer, den man mit langen Bällen anspielt auch nicht allzu viel Sinn macht.

Drei Stürmer klingt eher wenig, könnte alledings reichen, wenn man viel auf 4-3-3 geht (und auch Bruma und ein Mister X die Außenpositionen spielen können) oder wenn man im Fall der Fälle auf Sabitzer oder Bruma (oder einen anderen Spieler)  als zweite Spitze setzt. Schafft Augustin den finalen Durchbruch, dann sucht RB sowieso nur einen Backup für die Tage, wenn der Franzose verletzt ist oder geschont wird. Aufgrund seiner Inkonstanz und Werners WM-Einsatz darf man allerdings davon ausgehen, dass ein weiterer Stürmer durchaus Sinn machen würde.

Kader insgesamt

Wenn man mal über alle Positionen drüberschaut, dann braucht es bei RB Leipzig vor allem in der Innenverteidigung, im zentralen Mittelfeld und im offensiven Mittelfeld Verstärkungen. Angriff und Außenverteidgung sind Bonus. Ans Tor kann man rangehen in der Kaderplaung, man kann es aber auch lassen und mit den naheliegenden, eigenen Varianten lösen.

Auf vier, fünf Feldspieler dürfte es auf Neuzugangsseite hinauslaufen. Je flexibler die Neuzugänge einsetzbar sind, desto besser für die Kaderplanung, weil man gerade angesichts der fehlenden U23 dadurch Engpässe durch Verletzungen besser auffangen und vernünftiger rotieren kann, sodass auch alle oder fast alle Spieler ihre Einsatzzeiten kriegen.

Wird insgesamt eine interessante Transferperiode. Weil RB Leipzig ohne das lockende Glück der Champions League den Kader zusammenbauen muss. Weil man finanziell in Sachen Gehältern den nächsten Schritt wird machen müssen und das vielleicht auch dazu führt, dass dieses Geld woanders fehlt. Und weil aktuell wegen des fehlenden Trainers in Sachen Planung der Spieler für bestimmte Positionen auch noch einiges offen ist, was besser nicht offen wäre.

Viel Bewegung in den Transfersommer wird bei RB Leipzig schon deswegen kommen, weil man so viele Leihspieler zu verarzten hat. Aufgrund der WM und vieler abwartender Vereine dürfte die Transferperiode aber eine sehr langwierige werden. Einerseits auf der Abgangsseite, wo RB den einen oder anderen Leihspieler vielleicht erst sehr spät bei einem Klub, der plötzlich Not hat, unterbringt. Andererseits auf der Zugangsseite, wo dann noch dazu kommt, dass die Perspektiven von RB Leipzig in dieser Saison vor allem in Bezug auf Europa erst eine Woche vor dem Saisonstart feststehen.

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Der aktuelle Kader (Liste wird beständig aktualisiert. Die Zuordnung ist eher der Übersichtlichkeit geschuldet und nicht strikt zu verstehen. Spieler, die den Verein – und sei es per Leihe – verlassen, werden durchgestrichen. Neuzugänge werden kursiv dargestellt. Mit aufgeführt sind auch Spieler, die formal nach Leihe zurückkehren, aber mit denen eigentlich nicht mehr geplant wird.)

  • Tor: Peter Gulacsi, Yvon Mvogo, Fabio Coltorti, Philipp Köhn, Marius Müller
  • Außenverteidiger: Marcel Halstenberg, Bernardo, Lukas Klostermann, Konrad Laimer, Benno Schmitz, Anthony Jung
  • Innenverteidigung: Willi Orban, Ibrahima Konaté, Dayot Upamecano, Atinc Nukan
  • Mittelfeld defensiv: Diego Demme, Stefan Ilsanker, Kevin Kampl, Vitaly Janelt
  • Mittelfeld offensiv: Emil Forsberg, Marcel Sabitzer, Bruma, Massimo Bruno, Felix Beiersdorf, Agyemang Diawusie, Zsolt Kalmár
  • Stürmer: Yussuf Poulsen, Timo Werner, Jean-Kevin Augustin, Omer Damari

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Ralf Rangnick ist wieder mal als Kaderplaner gefragt und dürfte einen bewegten Transfersommer vor sich haben.. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
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5 Gedanken zu „Kaderschmiede RB Leipzig 2018/2019“

  1. Solange bei der schon angelaufenen Kaderplanung für die Saison 2018/2019 solche Steine, wie die noch ungelösten Probleme der fast zweistelligen (!) Leihspieler, die noch ungewisse Zahl der Zu- oder Abgänge, auch im Nachwuchsbereich, im Weg liegen, wo das Ziel eines 4. Platzes sowie die angestrebte Teilnahme an der CL in der kommenden Saison eigentlich nur ein nicht fest zementiertes Wunschkonzert sein kann, sollte die Arbeit des dafür Hauptverantwortlichen einmal näher unter die Lupe genommen werden!

    Wenn man sich für einen Spieler als Zugang eines ganz normalen Vereine entscheidet, sollte dieser auch über einen längeren Zeitraum zuvor beobachtet worden sein. Die Varianten, entweder er passt zu uns oder wir geben ihn einfach, mit einem günstigen Leihvertrag ausgestattet, gleich wieder ab, egal wohin, ist mir eine zu einfache Lösung! Wie im Lotto, gibt es allerdings auch positive Ausnahmen, die aber niemals Grundlage für eine vernünftige Personalplanung sein dürften! Im Fall „RaBa“ Leipzig steht nach dem erreichten Transfer-Minus nun eine größere Wiedereinordnung von Spielern bevor, die nicht gerade mit einer woanders erreichten Wertsteigerung aufwarten konnten und deshalb für den Eigenbedarf kaum zu brauchen sind. Genau das ist das Problem!

    Einzig und allein scheint die Leipziger Führung mit dem bis zum Aufstieg fest als Nr. 1 gesetzten sympathischen und mittlerweile mit der Warteschleife gut vertrauten Rolle des Torhüters Coltorti überhaupt keine Probleme zu haben. Ob als Nummer 4 eingestuft oder manchmal auch etwas höher scheint diesem alles egal zu sein, die Hauptsache, vertraglich ist er noch dabei……

  2. Zitat:
    Weil man finanziell in Sachen Gehältern den nächsten Schritt wird machen müssen und das vielleicht auch dazu führt, dass dieses Geld woanders fehlt.

    Wie, was?
    Gehts noch?
    CL verkack für diese Saison und dann mehr Geld?
    Wir sind nich im Bankensektor wo es für Minus Bonuszahlungen gibt.
    Hoffe nur man hAt in den zuletzt verlängerten Verträgen erfolgsabhängige Zahlungen eingebaut gehabt.

    1. Klar, in den bestehenden Verträgen gibt es Klauseln (hatte auch Mintzlaff mal erklärt), die absichern, dass die Spieler bei EL-Teilnahme weniger kassieren als bei CL-Teilnahme. Trotzdem werden die Neuverpflichtungen die Kaderkosten wieder erhöhen und muss man für Vertragsverlängerungen künftig (oder hat es vermutlich schon) die 4,5-Millionen-Gehaltsgrenze aufgeben. Von daher steigen die Kosten weiter. Noch weit entfernt von Dortmund-Niveau, aber wenn man dauerhaft mit dem BVB mithalten will, wird man sich deren Kosten immer weiter annhähern müssen, wenn man Spieler halten oder holen will.

  3. Ich stelle mir gerade vor Du bist Chelsea-Fan und schreibst als Blog die Kaderschmiede dort. 21 Leihe und 25 Stammspieler. Da ist ja der Rasenballkader pille palle dagegen.

    Das mit den Leihen hat schon was. Man braucht aber auch verdammt viel Glück. Mir fallen da positv spontan Christensen (eben wegen Chelsea), Lahm und Gnabry ein. Gibt noch andere Beispiele, aber der Großteil bleibt auf der Strecke. Beim Bruno-Transfer war ich sehr optimistisch, ein riesen Talent, aber irgendwo fehlte das letzte Puzzlestück. Gilt auch für Kalmar.

    Eine riesen Aufgabe für Rangnick diese Leihen unter zu bringen.

    Beim Kader der letzten Saison hatte man verdammt viel Glück, dass es nicht zu viele verletzungsbedingte Ausfälle kam (oder Können?) In dieser Tabelle steht man da ja auf Platz 1.
    Sabitzer und Halstenberg als Stammspieler kommen ggf. nicht rechtzeitig zur Saisonvorbereitung. Da muss man aufpassen. Sprich, ich sehe beide erst 09-10/2018 in der Stammelf. Bei den 3 WM Fahrern muss man denen auch eine Pause gönnen, die sollten (wenn sie denn im Kader bleiben) erst spät einsteigen.

    Dann bleibt für das 1. EL Qualispiel Ende Juli:
    Gulacsi, Bernardo, Klostermann, Laimer, Orban, Konaté, Upamecano, Demme, Ilsanker, Kampl, Bruma, Augustin
    (Ich habe mal da die Leihe und U-Spieler rausgenommen)

    11 Feldspieler
    Das ist mMn sehr, sehr, dünn, allen voran offensiv.
    Und DFB-Pokal ist ja auch noch im August.

    Viele Namen geistern ja schon im Presseblog und der ein oder andere wird schon kommen (müssen). Ich brauche auch keinen Kader wie BVB/S04 mit 25 Erstligaspielern; 20-21 Feldspieler reichen mMn für die 4-fach Belastung aus und sollten dann bei Bedarf mit Jugendspielern aufgebessert werden. Vielleicht schafft es ja ein U-Spieler, wie Chewy, Sterlin etc unter dem neuen Trainer auf ein paar Einsätze.

    Kannst Du vielleicht beim nächsten Update die Leispieler kursiv schreiben bzw. am Ende statistisch die Anzahl (mit /Leihe) zur besseren Übersicht schreiben:
    Torwart X
    Feldspieler Y

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