Transfers: Cunha, Kaiser

Und weiter geht es schon wieder mit den Transfers bei RB Leipzig. Schön immer mit einem gewissen Abstand tröpfelt der eine nach dem anderen in dieser Sommerpause herein.  Nach Nordi Mukiele und Marcelo Saracchi sind wir nun schon bei Nummer 3. Und immerhin schon bei Ausgaben von irgendwas bei 40 Millionen Euro.

Mit dem Brasilianer Matheus Cunha hat man sich diesmal einen Stürmer geangelt. Der eigenen Vorgabe nach auch das mit 19 Jahren ein junger Spieler mit Entwicklungspotenzial. Nach einem französischen und einem spanischen Muttersprachler folgt nun konsequenterweise ein portugiesischer Muttersprachler. Wobei Cunha durch sein letztes Jahr in der französischsprachigen Schweiz einen Grundkurs in der zweiten Amtssprache bei RB Leipzig gekriegt hat und entsprechend eine ganze Gruppe an Ansprechpartnern kriegt.

Cunha wechselte erst vor einem Jahr von Brasilien nach Europa und schloss sich dort dem FC Sion an, der über ganz gute Kontakte nach Brasilien verfügt. Auch für die kommende Saison hat der Sechste der ersten Schweizer Liga der abgelaufenen Spielzeit (bei nur zehn Teams und bei nur drei Punkten Vorsprung auf Platz 9) bereits wieder zwei brasilianische Talente verpflichtet.

Damit verbunden ist nicht nur die Hoffnung auf einen sportlichen, sondern auch auf einen finanziellen Volltreffer. So wie bei Cunha, der vor einem Jahr für schmales Geld von einem brasilianischen Zweitligisten kam und nun für irgendwas um die 15 Millionen (die einen legen noch ein paar Euro drauf, die anderen ziehen ein paar ab) nach Leipzig kommt. Für die Schweizer ein gutes Geschäft, das sie offenbar mit dem Spielen mit anderen Interessenten und Kolportieren absurder Ablösesummen von teils deutlich über 20 Millionen Euro gern zu einem noch besseren gemacht hätten.

Aber auch die rund 15 Millionen Euro sind schon eine ordentliche Stange Geld für einen 19-Jährigen, der gerade mal ein Jahr in Europa in einer kleineren Liga bei einem schwächeren Verein gespielt hat (zumal wenn man es mit den zehn Millionen vergleicht, die RB einst für Werner bezahlte). Geld, von dem angesichts des Entwicklungsstandes des Brasilianers noch völlig unklar ist, ob man es sinnvoll angelegt oder aus dem Fenster geworfen hat (wobei das in dieser Altersstufe selten der Fall ist, dass man Geld komplett verbrennt).

Fakt ist, dass sich Matheus Cunha bereits in seiner ersten Saison in Europa einen gewissen Namen gemacht hat. Das ist nicht selbstverständlich für einen Brasilianer, der mal eben mit 18 den Kontinent wechselte. Zehn Tore und acht Vorlagen weisen die Statistiken für den inzwischen 19-jährigen Stürmer aus. Vor allem in der Schlussphase der Saison konnte er mit sieben Toren und vier Vorlagen in elf Spielen glänzen.

Die Stärke von Cunha ist sicherlich sein Torabschluss. Vor dem Tor verfügt er über verschiedenste Möglichkeiten, den Ball aus verschiedensten Entfernungen mit beiden Füßen oder mit dem Kopf über die Linie zu bringen. Er ist noch keine Tormaschine, aber die Qualität, vor dem Tor die richtigen Entscheidungen zu treffen und auf sehr unterschiedliche Arten zu vollenden, ist bereits unverkennbar.

Ansonsten wirkt Cunha noch ein bisschen wie ein ungeschliffener Diamant (was bei einem Spieler, der 19 ist, auch wenig verwundern kann). Interessant wird bei RB Leipzig vor allem seine Einpassungsfähigkeit in taktische Erfordernisse. Laufwege, Arbeit gegen den Ball, also all das, was auch ein Jean-Kevin Augustin erst mal lernen musste.

Entsprechend bleibt halt die Frage, wohin es Cunha so treibt. Mit Spielern wie Oliver Burke hatte RB Leipzig auch schon in der Vergangenheit junge, teure Offensivspieler mit allen Anlagen, die es für einen Spieler braucht, um in den RB-Fußball zu passen. Und die am Ende halt doch nicht reinzupassen.

Für Matheus Cunha besteht zuerst einmal die Aufabe sich gegen Werner, Poulsen und Augustin bzw. zumindest gegen zwei von ihnen durchzusetzen. Da hat er am Anfang den Vorteil, dass Werner und Poulsen von der WM kommen und entsprechend in ihrer Vorbereitung später dran (und zu Beginn der Europa-League-Quali noch gar nicht dabei) sein werden. Also könnte das genau die Zeit sein, um sich zeigen. Und ansonsten könnte es für einen Cunha auch eine Saison werden, in der er sich hinten anstellen und neben dem Lernern auf seine Chancen warten muss. Mit seinen Abschlussqualitäten ist er natürlich auch erstmal als Joker eine Option. Wobei er in der Schweiz nur ein Tor nach Einwechslung schoss (bei auch nur fünf Einwechslungen in 29 Ligaspielen).

Wenn man Cunha als Spielertypen beschreiben wollte, dann fällt das aktuell noch ein bisschen schwer. Im ersten Moment wirkt er so ein bisschen wie einst ein Denis Thomalla (nur halt eine Qualitätsstufe drüber). Ganz gute Technik, guten Torschuss, aber auch noch nicht die allerletzte Dynamik und Geschwindigkeit oder Dribbelstärke oder Physis. Gerade in Bezug auf physische Fragen von Zweikampfführung und Spielgeschwindigkeit auf enger werden Räumen wird es interessant, wie schnell Cunha auf ein neues, höhere Niveau springen kann. Man kennt das ein wenig von Laimer, der in seiner ersten Saison sehr damit zu kämpfen hatte, dass er im Sechserraum wesentlich weniger Platz hatte als noch in Österreich. Auch bei Cunha ist die Frage, wie seine Abschlussqualität und seine Möglichkeiten, sich in Position zu bringen, aussehen, wenn er sehr viel enger und robuster markiert wird und am und im Strafraum im Normalfall nur wenig Raum zur Verfügung steht.

Insgesamt ein guter Perspektivtransfer, der auch kurzfristig bereits helfen kann, den RB Leipzig da für den Offensivbereich getätigt hat. Damit hat man die Kaderlücke im Sturm, die bei nur drei Stürmern für normalerweise zwei Positionen (zumindest solange man beim 4-2-2-2 bleibt) bestand, geschlossen. In der letzten Saison war dann im Fall der Fälle Sabitzer noch die Option für die zweite Spitze, aber der Österreicher bleibt auf der rechten Zehn die wesentlich effektivere Variante.

Mit Werner, Poulsen, Augustin und Cunha hat man im zentralen Sturmbereich sehr viel Qualität versammelt und mit Cunha noch mal jemanden dazugeholt, der für Tore steht. So wie es zumindest Werner und (von seiner Effizienz her) vor allem Augustin auch tun. Da müsste verletzungstechnisch jetzt schon viel passieren, dass das für die Saison nicht ausreicht.

Dominik Kaiser

Zum inzwischen 29-jährigen Mittelfeldmann wurde hier an dieser Stelle bereits nach dem Abschiedsspiel mit einem Tränchen im Auge alles wichtige gesagt. Entsprechend bleibt hier fast nur noch zu vermelden, dass mit Brönby IF nun auch der Klub feststeht, zu dem der Ex-Kapitän von RB Leipzig wechselt. Back to the roots sozusagen, denn bei den Dänen steht Alexander Zorniger an der Linie, der Kaiser 2012 bereits nach Leipzig geholt hatte.

Die gegenseitige Wertschätzung war bereits bekannt. Nun sind sie wieder vereint und bereit für neue Taten. Zorniger wollte Kaiser schon vor einem Jahr holen. Da wollte sich Kaiser noch nicht die Champions-League-Chance mit RB entgehen lassen. Nun, bei auslaufendem Vertrag, wollte Kaiser dann unbedingt ins Ausland. Sagt er zumindest jetzt, da er ins Ausland wechselt. Dass es nun Bröndby geworden ist, wo er schon in den letzten Monaten hätte unterschreiben können, verweist darauf, dass passendere, höherwertigere Angebote, auf die Kaiser vielleicht noch ein bisschen gewartet hatte, nicht dabei waren.

Letztlich ist Bröndby aber vermutlich eine sehr gute Wahl. Ein Trainer, der voll auf Kaiser setzt und bei dem der Mittefeldspieler entsprechend einiges an Spielzeit kriegen wird. Dazu ein Team, das in Dänemark um Titel mitspielen kann und in der Europa-League-Qualifikation antritt (dort könnte man als ungesetztes Team in der dritten Runde auf RB Leipzig treffen, wenn denn RB die zweite Runde übersteht). Ist durchaus ein gutes Gesamtpaket für Kaiser, wenn der nicht heimlich noch davon geträumt haben sollte, in einer europäischen Topliga für Furore zu sorgen.

Zumindest vermuten konnte man nach den letzten zwei Jahren, dass der diesbezügliche Zug ein wenig abgefahren ist. Seit der vierten Liga musste Dominik Kaiser sich immer wieder in neuen Ligen an das neue Niveau gewöhnen. Das gelang ihm in der dritten Liga sehr gut, als er der beste Spieler der Liga war. Und das gelang ihm mit etwas Anlauf auch noch in der zweiten Liga. In der Bundesliga wurde es dann richtig schwierig für Kaiser. In der ersten Halbserie kam er aufgrund diverser Ausfälle noch immer wieder als Springer hier und dort und auch als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Danach wurden die Einsätze immer weniger. Und immer wenn er zum Einsatz kam, merkte man ihm an, dass er sich an die Spielgeschwindigkeit in der Liga noch nicht gewöhnt hatte. Wobei immer die Frage war, ob das daran lag, dass es in der Liga zu schnell ging oder daran, dass Kaiser die Spielpraxis fehlte.

Gemotzt hat Kaiser wegen der Situation nie, auch wenn er damit nicht sonderlich glücklich war. In der abgelaufenen Spielzeit bekam er noch den Lohn eines Einsatzes in der Champions League. Und er profitierte davon, dass Keita im letzten Heimspiel verletzt ausfiel und er ein letztes Mal sein Team als Kapitän aufs Feld führen konnte und kurz vor Schluss mit Standing Ovations verabschiedet wurde. Es war sicherlich einer der besten und emotionalsten Momente, die die Saison zu bieten hatte.

Man wird den Typen Dominik Kaiser künftig in Leipzig vermissen. Und man wird auch den Standardschützen Dominik Kaiser vermissen. Im Gedächtnis wird bleiben, dass Kaiser den Verein von der vierten bis in die erste Liga geprägt hat und in allen Ligen mindestens ein Tor für RB schoss. Passenderweise auch das erste Bundesligator von RB Leipzig überhaupt. Wer außer ihm hätte das Tor auch sonst schießen sollen. Waren sehr schöne sechs Jahre mit Kaiser und irgendwie ist sein Abschied auch das Signal, dass diese Aufstiegsära in der Vereinsgeschichte endgültig vorbei ist. Bleibt zu hoffen, dass er in den nächsten zwei Jahren bei Bröndby IF auch auf dem grünen Rasen noch mal sein Glück findet.

Kilian Senkbeil, Mert Yilmaz und Felix Schimmel

Bleiben noch drei Spieler, bei denen man wieder mal herzerfrischend über die Nachwuchsarbeit bei RB Leipzig schreiben und die Frage aufwerfen könnte, wie denn der Klub nun eigentlich den Übergang vom U19-Bereich zu den Profis gestalten möchte. Denn mit Kilian Senkbeil, Mert Yilmaz und Felix Schimmel verlassen die nächsten drei U19-Spieler den Verein.

Nicht ganz überraschend muss man hinzufügen, denn alle drei gehörten im letzten Jahr nicht zu den Spielern, die nah am Profikader dran waren und von denen man den Eindruck hatte, dass sie den Schritt in die Bundesliga relativ kurzfristig schaffen können. Bzw. denen man nicht den Eindruck vermitteln konnte, dass RB einen Weg kennt, wie man ihnen den Schritt in die Bundesliga ermöglicht.

Entsprechend ist es nur logisch, dass die drei aus dem älteren U19-Jahrgang (also aus dem Jahrgang, der nächste Saison nicht mehr U19 spielen kann) den Verein verlassen, nachdem zumindest Senkbeil und Yilmaz vor einem Jahr noch mit einem (vermutlich einjährigen) Profivertrag ausgestattet wurden, um die Local-Player-Regelung zu erfüllen. Gerade bei Senkbeil ist das durchaus schade, denn als gebürtiger Leipziger und Spieler, der seit 2010 alle Altersstufen im Verein durchschritten hat, war der Defensivmann quasi der Idealtypus eines Spielers, der zum Identifikationsobjekt taugt.

Erstaunlich an den Abgängen von Senkbeil und Yilmaz (bei denen sich auch zeigt, dass auch längerfristige Profiverträge plus Leihen derzeit offenbar keine gangbare Option sind) ist lediglich, dass sie beim FC Bayern München landen. Dass RB Leipzig nun für den deutschen Meister ausbildet, ist durchaus gleichermaßen skurril wie bemerkenswert. Liegt natürlich daran, dass die Bayern eine U23 haben und entsprechend den Talenten aus der U19 eine gute Anschlussmöglichkeit geben, um sich noch ein, zwei Jahre zu entwickeln, bevor sie nachgewiesen haben müssen, dass sie auch für höhere Aufgaben taugen.

Dass Senkbeil und Yilmaz jemals bei den Profis des FC Bayern München auflaufen, ist zumindest stark in Zweifel zu ziehen, wenn man die Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis in den letzten Jahren bei den Münchenern sieht. Und trotzdem haben die Bayern etwas in den beiden Spielern gesehen, dass sie glauben lässt, dass es sich lohnt, die beiden mal über einen gewissen Zeitraum bei sich unter Beobachtung zu haben. Allein das zeigt schon, dass Yilmaz und Senkbeil nicht wirklich talentfrei sein können. Was sie dann draus machen, steht auf einem anderen Blatt. Dass Talente zum FC Bayern wechseln, weil sie dort die besseren Entwicklungsperspektiven sehen als in Leipzig sollte einem Verein, der in der Nachwuchsausbildung mal auf Topniveau wollte, aber durchaus zu denken geben..

Felix Schimmel wechselt derweil in die U21 (bzw. praktisch U23) des 1. FC Nürnberg. Ein Verein, der in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Talente bei den Profis eingebaut hat. Da wird die Luft nach dem Bundesligaaufstieg auch dünner, aber für Schimmel ist es sicherlich ein interessantes Ziel, um seine Ausbildung als Fußballer fortzusetzen. Sein Abgang bei RB ist durchaus logisch, nachdem er in der letzten Saison nicht zu den unumschränkten Stammspielern im RB-Nachwuchs zählte und auch Richtung Profis keine Chance hatte. 2014 kam er aus Aue, nun geht es weiter nach Franken.

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Matheus Cunha unterschreibt für fünf Jahre bei RB Leipzig. | Foto: Screenshot Twitter RB Leipzig
Screenshot Twitter RB Leipzig

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