Europa League: RB Leipzig vs. Zorya Luhansk 3:2

Rückspiel in den Playoffs der Europa League. Nach dem 0:0 in Luhansk brauchte RB Leipzig einen Sieg. Den holte man sich beim 3:2 völlig verdient auch. Aber der Weg dahin war durchaus steinig und vor allem spannend, weil RB erneut einige Chancen liegen ließ und defensiv einige Male schlecht aussah.

In die Partie gegangen war RB Leipzig mit sechs Veränderungen gegenüber dem Spiel in Dortmund. Getreu dem Motto, dass man immer die frischesten Spieler auf den Platz bringen will. Nicht neu ins Spiel kamen lediglich Mukiele (Schonung wegen Knieproblemen) und Bruma. Ansonsten machte Ralf Rangnick vom kompletten Rotationsprogramm Gebrauch.

Von der Formation her blieb es bei irgendwas zwischen 4-3-3 und einer Raute. Je nachdem, wo man Cunha sehen will, der gegen den Ball eher Teil der vordersten Reihe war, sich aber ansonsten in den Zehnerraum fallen ließ. Kampl und Sabitzer gaben in der rautenähnlichen Formation die Achter.

Sorja Luhansk wechselte gegenüber dem Hinspiel auf zwei Positionen. Den rotgesperrten Lednev vertrat Gordienko irgendwo zwischen Zehn und gegen dem Ball zweitem Stürmer. Khomchenovskyi wurde links durch Kabaev ersetzt. Das ganze dann gegen den Ball als 4-4-2.

Die erste Hälfte war größtenteils ein sehr unruhiges Spiel mit vielen Aktionen, bei denen der Ball im Mittelfeld hin- und herflipperte. RB Leipzig dabei stärker um Spielkontrolle und Offensivgeist bemüht. Luhansk verteidigte dicht und lauerte auf Kontersituationen. Und schien schon früh auf der Verliererstraße, denn bereits nach sieben Minuten fiel das vermeintlich erlösende 1:0. Passend zum oft ungenauen Spiel war es ein Fernschuss von Cunha, den Werner so abfälschte, dass er im Tor landete.

Mit der Führung im Rücken war RB trotz einiger Ungenauigkeiten das dominierende Team und hätte die Partie bei ein paar Gelegenheiten frühzeitig in die richtigen Erfolgsbahnen lenken können. Werner, der den Ball nach Laimer-Hereingabe am Tor vorbeilegt. Noch mal Werner, der aus guter Position weit drüber schießt.

Doch so nach 20 Minuten kommen die Gäste langsam zurück. Zuerst mal (natürlich) nach Standards. Eine Ecke, die die RB-Hintermannschaft in völlige Konfusion stürzt. Ein abgeblockter Schuss aus gefährlicher Situation in der Folge eines abgewehrten Freistoßes. RB gibt die Kontrolle über das Spiel ein wenig ab, weil man es mal wieder nicht schafft, über den Ballbesitz Ruhe in die Partie zu bringen und Dominanz auszustrahlen, sondern viele Bälle auch in gefährlichen Situationen leichtfertig hergibt.

Nach 35 Minuten fällt dann das zu diesem Zeitpunkt nicht mal unverdiente 1:1 für Gäste, die immer wieder versuchen, Umschaltsituationen klar und direkt auszuspielen. Beim Ausgleich löst man sich in der eigenen Hälfte mal aus dem Pressing von RB und hat dann auf der rechten Seite viel Platz. Abgefälschte Flanke, die hinter Konaté auf Rafaels Kopf fällt, der keine Mühe hat, den Ball in die Ecke zu köpfen. Zu einem Zeitpunkt als Luhansk aufgrund einer Verletzung nur zu zehnt spielt..

Poulsen und Werner haben dann vor der Pause noch mal die Chance, RB Leipzig wieder auf die Siegerstraße zu bringen und die Nerven zu beruhigen. Doch während Poulsen im Strafraum den Ball vertändelt, schießt Werner aus der Distanz mit seltsamer Flugkurve die Kugel an die Latte.

Ein Jubelknäuel als Ausdruck der Erleichterung. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

In die Pause geht es mit einem 1:1, das den Druck auf RB noch mal deutlich erhöht. Unnötig einerseits, wenn man auf die guten RB-Chancen nach dem Ausgleich schaut. Unnötig auch, weil RB es wie schon in der Vorsaison nicht schaffte, nach einer Führung Gegner und Ball auch mal laufen zu lassen und abgeklärt gleichzeitig auf eigene Chancen zu warten und gut zu verteidigen.

In Sachen RB-Defensive wurde es in den zehn Minuten nach der Pause ganz wild. Schon nach 48 Minuten reicht ein einfacher langer Ball durch die Mitte, um die RB-Abwehr komplett aus dem Spiel zu nehmen und hinterherlaufen zu lassen. Wieder ist Karavaev der Vorbereiter für das Tor von Gordienko, der am langen Pfosten nur noch den Fuß in einen Querpass halten muss. In dieser Phase nach der Pause RB Leipzig von hinten heraus fast schon desolat. Vor allem Konaté hatte einen schwachen Tag erwischt und muss nach einer knappen Stunde zusammen mit Poulsen folgerichtig vom Platz.

Wenn man auf die Partie mit Abstand zurückblickt, dann muss sich Luhansk vielleicht vorwerfen, in dieser Viertelstunde nach der Pause nicht konsequenter auf einen dritten Treffer und die Vorentscheidung gegangen zu sein. Denn langsam und spätestens mit den Einwechslungen von Forsberg und Augustin dreht sich das Blatt. Es sind immer noch viel zu viele Ungenauigkeiten und Abstimmungsprobleme im Spiel, aber in der letzten halben Stunde ist es quasi ein durchgehendes Powerplay, das RB Leipzig aufzieht. Nicht immer mit der ganz großen Torgefahr, aber immer mit Druck auf den Strafraum und entsprechend vielen Situationen, in denen ein Gegner auch mal Fehler machen kann.

Forsberg und Werner versuchen es mit ersten Abschlüssen, sind aber gegen die vielbeinige Abwehr der Gäste, die nun immer tiefer verteidigen, noch zu ungenau. Augustin macht es dann nach knapp 70 Minuten besser. Klostermann hatte einen Umschaltversuch der Gäste abgefangen. Kampl und Cunha treiben den Ball nach vorn. Werner spielt einen Chip-Ball in den Strafraum. Und Augustin macht gegen den etwas zögerlich rauslaufenden Gäste-Keeper das, was er am besten kann, nämlich ein Tor schießen.

Mit dem Ausgleichstreffer kam im Stadion dann endgültig Europapokal-Atmosphäre auf. Anlaufen, anlaufen, immer wieder anlaufen, heißt es dazu auf dem Rasen. Nicht immer mit den richtigen Mitteln wie bei Cunha, der mal eben in einer Umschaltsituation aus über 25 Metern schießt, anstatt gleich drei einlaufende Spieler mitzunehmen. Werner schießt auch noch mal eine Ecke volley am Tor vorbei. Aber so richtig strukturiert ist das Spiel nicht. Viel hoch und weit von Mvogo. Einige lange Diagonalbälle von Ilsanker, die von der Zorya-Defensive abgefangen werden. Bruma kommt dann auch noch und macht noch ein bisschen Betrieb mit seinem Tempo. Aber der Portugiese bleibt genauso uneffektiv wie einige Standards rund um den Strafraum der Ukrainer.

Mutlos wird das Anrennen aber nie. Ball um Ball schlägt RB in den Strafraum. Und so wird das permanente Anrennen dann mit ein bisschen Glück doch noch belohnt. Sabitzer mit einer eigentlich nicht so gefährlichen Flanke aus dem Halbfeld, die aber so durchrutscht, dass sie Vernydub an den ausgestreckten Arm springt. Dem Schiedsrichter bleibt gar keine andere Wahl als auf den Punkt zu zeigen. Elfmeter Forsberg. Eiskalt und extrem präzise verwandelt. Jubeltraube auf dem Platz. Große Emotionen auf den Rängen. Und vier Minuten und ein, zwei RB-Konterversuche später ist dann Schluss.

Fazit: Ein ganz hartes Stück Arbeit von RB Leipzig, die vom Zeitpunkt her glücklich, aber über 180 Playoff-Minuten gesehen mehr als verdient in die Gruppenphase einzogen. Mit vielen hohen, langen Bällen und vielen Ungenauigkeiten machte RB sich das Leben im Rückspiel sehr lange, sehr schwer. Dazu kamen zwei Abwehraussetzer, die von Luhansk bestraft wurden. Vor allem aber in der letzten halben Stunde schnürte man die Gäste komplett am und im eigenen Strafraum ein und erzwang den Sieg und den Einzug in die Gruppenphase der Europa League schließlich über einen Handelfmeter. Wenn man auf das Spiel mit dem Ball schaut, dann war es kein gutes Spiel, aber es war aufregend und spannend und hatte ein sehr emotionales Happy End zu bieten.

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Randbemerkung 1: Ich schrieb es ja hier im Blog schon mal irgendwo, was ich von dieser Rangnick-Saison erwarte. Nämlich das, was man schon in der zweiten Liga von ihm kriegte. Dass er aus einem etwas in Gruppen zerfallenen Team wieder eine Einheit formt, die über eine gewisse Mentalität kommt und aus dieser Einheit heraus, das Spiel gegen den Ball mit entsprechendem Willen durchzieht. Dazu ein bisschen bessere Standards (aber das vergessen wir mal an der Stelle). Was man in der zweiten Liga kriegte, war ein Team, das selten Hurra-Fußball spielte und oft hilflos gegen tief stehende Gegner anrannte oder auch immer mal ausgekontert wurde. Aber eben auch ein Team, das mit einer Mischung aus Mentalität, Wucht und individueller Klasse einige Spiele spät gewann oder gar drehte. Eine Mannschaft, die sich nie aufgab und die eigentlich auch nie auseinanderbrach. Es war aber auch eine Mannschaft, die im Spiel mit dem Ball nicht immer allzu gute Ideen hatte und die sich an guten Abwehrreihen häufiger die Szene ausbiss. Das Spiel gegen Luhansk war quasi ein wenig das Spiegelbild der ‚Mentalität schlägt spielerischen Fortschritt‘-These für diese Saison. Man kann der Mannschaft in Sachen Engagement keinen Vorwurf machen. Wie die ganze Bank beim Siegtreffer über den Platz stürmte, war ein deutliches Zeichen, dass es im Team derzeit absolut stimmt. Und man hat bis zum Schlusspfiff ein Team gekriegt, das diese Partie unbedingt gewinnen wollte. Verzweifeln konnte man als Zuschauer allerdings bei der Wahl der Mittel und den vielen Ungenauigkeiten und gebolzten Bällen in unpassenden Situationen. Das Spiel mit dem Ball wirkte über weite Strecken der Partie bemerkenswert kopflos, auch wenn da immer mal wieder individuelle Klasse die ordnende Funktion übernahm. Wenn Ralf Rangnick erklärt, dass es ihm nicht so sehr um das Spiel mit dem Ball, sondern um das Spiel gegen den Ball geht, dann war das Spiel gegen Luhansk ein kleines Paradebeispiel dafür. Hauptsache den Ball in irgendeine Zone kriegen, wo man sich dann so positionieren kann, dass man ihn erobert. Da ist dann auch viel Zufall dabei, auf Abpraller und ähnliches zu hoffen (auch wenn man das durch gute Positionierung an und in der Box zum Beispiel auch ein Stück steuern kann). Will sagen, die Saison dürfte nichts für schwache Nerven sein, wenn man an die Konterabsicherung denkt. Die Saison dürfte auch nichts für spielkulturelle Ästheten sein, die an Guardiola, Sarri oder (mit Abstrichen) Nagelsmann hängen. Aber man könnte viel Kampf bis zur letzten Minute und Emotionen und aufgregende Spielverläufe kriegen. So wie im Rückspiel gegen Luhansk eben. Wo es irgendwas zwischen Verzweifeln über den 20. langen Ball und Mitfiebern, weil da eine Mannschaft immer und immer wieder anläuft, war. Inklusive emotionaler Erlösung in der 90. Minute. Emotional fühlte es sich super an. Auf Ebene einer Spielanalyse war es eher so puh.

Randbemerkung 2: Ein bisschen seltsam war der Rückschritt in der Spielkultur bei RB Leipzig im Spiel gegen Luhansk dann aber doch. Peter Gulacsi war letztens noch als der RB-Spieler mit der besten Passquote aus dem Spiel gegen Dortmund gegangen. Generell hatte man in den ersten Spielen dieser Saison das Gefühl, dass die Torhüter stärker flach und ruhig hintenrausspielen sollen. Gegen Luhansk nun wurden die Bälle von Mvogo (und das schien absolut gewollt zu sein) in ganzer Reihe wieder hinten raus gebolzt und in Zonen geschlagen, wo es kaum Aussicht gab, ihn zu sichern, aber man ihn sich im besten Fall zurückholte, um dann den Angriff ab der Mittellinie zu starten. Vielleicht war das gegen Luhansk auch nur (ein seltsames) taktisches Mittel, aber auffällig blieb es, wie wenig RB in Ruhe den Ball von hinten rausspielte, um klare Aktionen zu setzen.

Randbemerkung 3: In der Halbzeitpause Reiner Callmund aka Calli zum Halbzeit-Interview bei Tim Thoelke. Wurde dann eher eine Motivationsrede ans (begeisterte) Volk. Irgendwie passte das gut zum Spiel von RB Leipzig. Sehr motiviert, sehr engagiert, sehr emotional und zappelig. Aber eben auch einigermaßen kopflos..

Randbemerkung 4: Bei der WM gab es ja die lustige Geschichte, dass einige Teams dachten, dass der Schiedsrichter das Spiel nach einem Tor wieder anpfeifen darf, wenn alle Spieler sich zum jubeln außerhalb des Platzes befinden. Deswegen gab es die lustigen Szenen, in denen das ganze Team draußen feiert und ein Feldspieler ein paar Zentimeter innerhalb des Spielfelds steht und den feiernden Kollegen drei Meter weiter weg zugucken muss (um so den Schiedsrichter vom schnellen Wiederanpfiff abzuhalten). Nach dem 3:2 gegen Luhansk wollte auch Willi Orban mit in die Jubeltraube, wurde aber von Yussuf Poulsen vehement davon abgehalten sich dazuzugesellen. Der Däne bedeutete dem Innenverteidiger, dass er doch bitteschön innerhalb des Spielfelds zu bleiben habe. Warum diese Mär, die von den Regelhütern schon bei der WM als erfunden zurückgewiesen wurde, immer noch in den Köpfen der Spieler rumspukt, bleibt unklar. Ein bisschen lustig sah es aber schon aus.

Randbemerkung 5: Bei sowieso schon hohem Puls sorgte Timo Werner fast für eine Herzattacke, als er in der 90. Minute Emil Forsberg den Ball aus der Hand nahm und gewillt schien, den entscheidenden Elfmeter zu schießen. Kollektives Aufstöhnen im weiten Rund. Ganz großes Vertrauen, dass der Stürmer in einer solchen Situation den Ball locker versenkt, hatte man offenbar nicht. Kleiner Jubel, als Werner den Ball wieder an Forsberg zurückgab. Kuriose Szene, bei der ein bisschen unklar blieb, was Werner dazu bewegte, von seinem Vorhaben, den Elfer zu schießen, wieder Abstand zu nehmen..

Randbemerkung 6: 60:15 Torschüsse verbuchte RB Leipzig in zwei Spielen gegen Luhansk. Nur drei Tore aus 60 Torschüssen verweisen darauf, dass die Abschlussqualität nicht sehr hoch war, aber auch darauf, dass die Schussauswahl teilweise nicht sehr gut war. Nur jeder vierte RB-Schuss ging auch auf den Kasten (und blieb nicht irgendwo hängen oder ging vorbei), bei Luhansk war es jeder zweite Schuss. Hat natürlich auch mit dem etwas wilden Spiel mit dem Ball von RB gegen tiefstehende Gegner zu tun, dass viele Abschlüsse nicht gleichbedeutend sind mit vielen guten Abschlüssen, aber wenn man auch in der Bundesliga 20 Torschüsse benötigt, um ein Tor zu schießen, könnte es mit einer erfolgreichen Saison schwierig werden.

Randbemerkung 7: Nicht nur hatte RB Leipzig 60 Torschüsse, sondern über zwei Spiele auch 16 Ecken und dazu diverse Einwürfe und Freistöße. So richtig viel rum kam bei all den Standards nicht. Ein kleiner Rückschritt, nachdem man in diesem Bereich eigentlich zuvor schon Fortschritte gemacht zu haben schien. Bei so vielen ruhenden Bällen nicht einmal ins Tor zu treffen, erschwert es dann halt auch, sich gegen Luhansk sicherer und souveräner durchzusetzen. Auffällig, dass die langen Einwürfe gar nichts mehr an Gefahr einbrachten. In Craiova hatte man die eigentlich gute Idee, einen Innenverteidiger auf der gegnerischen Torauslinie zu postieren, wo er beim Einwurf ja nicht im Abseits steht und über ihn dann quasi einen Rück-Kopfball in den Strafraum zu kriegen. Das war eine durchaus recht innovative Idee, mit der man Verwirrung stiften kann. Zuletzt wurde aber der Ball wieder relativ planlos einfach Richtung Sechszehner geworfen, ohne dass das zu irgendwas führte. Bleibt ausbaufähig, die Sache mit den Offensiv-Standards.

Randbemerkung 8: Treffer durch Werner. Treffer durch Forsberg. Dadurch stieg die Anzahl der Torschützen in bisher sechs Europa-League(-Quali)-Spielen auf zehn an. Zehn Torschützen für zwölf Treffer. Also wenn die Idee in dieser Saison tatsächlich ist, den Kader in seiner ganzen Breite durchzurotieren, dann zeigt zumindest die Tatsache, dass alle Offensivkräfte schon mindestens einmal getroffen haben, dass es zwischen den zu rotierenden Spielern nicht die ganz großen Unterschiede gibt.

Randbemerkung 9: Auch im 22. Europa-League(-Quali)-Spiel am Stück verlor Luhansk nicht mit mehr als zwei Toren. Persönlich finde ich diese Statistik für ein unkrainisches Mittelklasse-Team immer noch sehr beeindruckend. Ist dann halt auch irgendwann kein Zufall mehr, wenn du über Jahre auch mit den Teams aus vermeintlichen Topligen auf Augenhöhe agieren kannst.

Randbemerkung 10: Hinderte Luhansk-Coach Juri Vernydub trotzdem nicht daran, nach dem Spiel in Leipzig von seinem Job zurückzutreten. Ein durchwachsener Start in der Liga. Das Ausscheiden gegen Leipzig. Zusammengenommen war Vernydub deswegen der Meinung, dass er die sportlichen Ziele nicht erreicht hat und seine Zeit nun zu Ende geht. Nach knapp sieben Jahren als Chef-Trainer, in denen er die Mannschaft überhaupt erst dazu brachte, in der Europa League bzw. in der Quali dazu mitzuspielen. Ein Ausscheiden gegen den Sechsten der Bundesliga als einen derartigen Misserfolg einzustufen, dass man von seinem Posten zurücktritt, ist durchaus erstaunlich, wenn man die Stimmungslage hierzulande nimmt, dass das doch der Normalfall sein sollte (und wenn man bedenkt, dass Luhansk individuell dann eben doch einige Limitierungen hat).

Randbemerkung 11: Heute wird dann schon die Gruppenphase der Europa League ausgelost. Ab 13 Uhr geht es los. Vier Töpfe mit je zwölf Mannschaften sind es. Aus jedem Topf wird ein Team in jede Gruppe gezogen. Duelle zwischen Mannschaften aus demselben Land sind nicht möglich. Im ersten Topf liegen die Mannschaften mit den besten UEFA-Koeffizienten. Also so namhafte Vereine wie Chelsea, Arsenal oder Sevilla. Aber auch der FC Salzburg aka Red Bull Salzburg. Oder Besiktas oder Lazio. RB Leipzig liegt immerhin in Topf 3, weil man letzte Saison ordentlich ein paar Punkte in Europa sammeln konnte. Man könnte eine krass namhafte Gruppe ziehen (Arsenal, Milan, Glasgow Rangers zum Beispiel), aber auch eine Revanche-Gruppe mit St. Petersburg und Marseille wäre möglich. Düdelingen hat sich auch qualifziert und würde in Topf 4 warten. Ich persönlich hätte in jedem Fall gern Salzburg. Zusammen mit Düdelingen wäre das doch schon mal ganz lustig. Eine Übersicht über die Töpfe inklusive Koeffizienten gibt es zum Beispiel auf der Wiki-Seite zur Europa League.

Randbemerkung 12: Seltsam ist ja immer diese fanseitige Selbstanklage in Bezug auf (geringe) Zuschauerzahlen und die Aufrufe, sich doch ins Stadion zu bewegen. Knapp 18.000 wurden es für das Rückspiel gegen Luhansk am Ende. Da scheint sich so ein wenig die untere Grenze des Interesses am RasenBallsport-Geschehen einzupegeln. Das ist sicherlich nicht gerade viel, vor allem weil die Tickets maximal 20 Euro kosteten. Aber offenbar ist das bei der Europa League so. Dass es in der Gruppenphase wesentlich mehr werden, muss man nicht wirklich annehmen. Wird natürlich von den Gegnern abhängen. Spiele gegen Chelsea oder Salzburg würde man vermutlich voll oder fast voll kriegen. Bei Dynamo Kiew oder St. Petersburg sähe das schon anders aus. Wird halt auch die Frage, was für Preispakete RB Leipzig schnürt. In der Quali hat man die Tickets für sehr wenig Geld verkauft. In der Gruppenphase wird man da vermulich deutlich höher ansetzen. Am Ende ist es aber wie immer. Wer kommen und Spaß haben will, soll kommen und wer nicht, der nicht. Alles halb so wild (außer für den Vereinsschatzmeister, der bei Zuschauereinnahmen im unteren sechsstelligen Bereich und ausgezahlten Prämien, die darüber liegen dürften, leise vor sich hin weint).

Randbemerkung 13: Ein bisschen stellte man sich ja die Frage, inwieweit RB Leipzig die Europa-League-Quali angesichts eines sehr späten und überhaupt nicht darauf eingehenden Trainingsstarts ernstnehmen würde. Zweifel daran waren nicht unberechtigt, wenn man an Dinge denkt, wie ein EL-Auswärtsspiel für die Zeit während des Trainingslagers zu planen. Am Ende hat man alles richtig gemacht. Man hat sich im Sommer keine zusätzlichen Vorbereitungswochen aufgehalst. Man hat die Quali-Spiele mit dem nötigen Ernst bestritten und gleichzeitig aber auch nicht mehr investiert als absolut nötig. Und man hat in den Playoffs bis zur 90. Minute des Rückspiels um die Gruppenphase gekämpft und es geschafft. Ende gut, alles gut. Ziehe ich meinen Hut davor, dass man das auch (abgesehen von der Flugverspätungs-Dopinkontrollen-Geschichte beim Hinspiel) alles in Sachen Fragen nach Belastung und Flugstress recht entspannt wegmoderierte und die Dinge einfach so nahm, wie sie halt kamen. Die Freude nach dem Rückspiel gegen Luhansk machte auch deutlich, dass die Mannschaft unbedingt in die Gruppenphase der Europa League wollte und darin überhaupt nicht den Cup der Verlierer sieht.

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Lichtblicke:

  • Kevin Kampl: Zog im Mittelfeld die Fäden und war derjenige, der es dann doch immer wieder mal schaffte, Ordnung ins Spiel zu bringen. Am Ende quasi so etwas wie der Libero zwischen Orban und Ilsanker. Spielt bisher eine sehr gute Saison. Technisch sauber. Auch immer wieder guten Zug zum Tor bzw. in den Strafraum (so wie vor dem 1:0). Persönlich finde ich, dass er in einer offensiveren, freieren Rolle besser zur Geltung kommt, als als tiefer Sechser, aber in einer eher an Keita orientierten Rolle kann er auch von der Sechs aus gut spielen.
  • Matheus Cunha: Weiter noch nicht alles gold, aber er probiert viel und es gelingt ihm auch einiges. War an allen drei Toren an der Entstehung beteiligt. Bewegte sich immer wieder gut in einem Raum hinter den Stürmern. Hat auch von jenseits der Strafraumgrenze einen guten Schuss. Und er wirkt mit seinen verdammten 19 Jahren, als wäre er schon ewig im Team.
  • Lukas Klostermann: Spielte fast schon eine Art  zusätzlichen Außenstürmer statt eines Außenverteidigers. Vor allem in der ersten Halbzeit eine gute Anspielstation am gegnerischen Strafraum und riss dort durch seine Bewegungen immer wieder Lücken für andere oder nutzte selbst Räume für Aktionen. In der zweiten Halbzeit ließ der offensive Mut etwas nach (bei gleichbleibend hoher Positionierung), nachdem Klostermann zusammen mit seinen Kollegen in der Abwehrkette beim 1:2 ganz alt ausgesehen hatte. Aber insgesamt hat Klostermann in den letzten zwei Wochen einen enormen Sprung weg vom offensiv verunsicherten Außenverteidiger gemacht, was durchaus bemerkenswert ist, so verkrampft wie er quasi noch vorgestern wirkte.

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Tore: 1:0 Werner (7.), 1:1 Rafael (35.), 1:2 Gordienko (48.), 2:2 Augustin (69.), 3:2 Forsberg (90./ HE)

Aufstellung RB Leipzig: Mvogo – Laimer (79. Laimer), Konaté (59. Forsberg), Orban, Klostermann – Sabitzer, Ilsanker, Kampl – Poulsen (59. Augustin), Cunha, Werner; Bank: Müller, Mukiele, Demme; Nicht im Kader: Halstenberg (verletzt), Saracchi (gesperrt), Gulacsi, Bruno

Aufstellung Zorya Luhansk: Felipe – Tymchyk, Vernydub, Svatok, Mykhaylychenko – Karavaev,  Kharatin, Silas, Kabaev- Gordienko (68. Kochergin), Rafael (80. Pryima)

Schiedsrichter: Danny Makkelie (Insgesamt durchaus souverän. Hatte am Ende den Mut den (klaren) Handelfer zu pfeifen. Zwischenzeitlich machte er sich nicht mit jeder Zweikampfbewertung Freunde. Aus Stadionsicht hätte ich auch drei, vier Situationen anders gesehen. Aber insgesamt hatte Makkelie eine klare Linie, eine gute Ansprache und zog auch die Karten konsequent an den richtigen Stellen. War insgesamt eine gute Schiedsrichter-Partie.)

Gelbe Karten: – | Svatok, Kharatin, Felipe

Zuschauer: 17.644 (davon 40 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, Luhansk-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 30 : 9
  • Schüsse auf das Tor: 9 : 6
  • Fouls: 8 :10
  • Ecken: 7 : 5
  • Abseits: 4 : 3

Statistiken von uefa.com

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Saisontorschützen Europa League: Cunha, Augustin – 2; Bruma, Kampl, Bruno, Konaté, Poulsen, Sabitzer, Werrner, Forsberg – je 1

Saisonvorlagengeber Europa League: Augustin, Cunha – 2; Ilsanker, Sarcchi, Kampl, Poulsen, Forsberg, Orban, Werner – 1

Saisontorbeteiligungen Europa League (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 5; Kampl, Konaté, Sabitzer – je 3; Saracchi, Orban, Bruma, Klostermann, Cunha – je 2; Gulacsi, Mvogo, Ilsanker – je 1

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Bisherige Europa-League-Spiele

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

3 Gedanken zu „Europa League: RB Leipzig vs. Zorya Luhansk 3:2“

  1. Befürchte für die BuLi, dass der Spielstil, sodenn er so aussieht wie gestern, das ein oder andere Mal in die Hose gehen wird. Ein gutes Passspiel seitens Luhansk und zack das Gegentor ^^.

  2. Sicher mit den knapp 18.000 Zuschauern? Laut kicker waren es nämlich 26.000, das ist eine Diskrepanz von mehr als einem Drittel…

    Ansonsten für mich Werner der größte Lichtblick. Torschütze durch das geschickte Abfälschen des Cunha-Schusses, toller Lattentreffer, durch gute Laufwege viele Chancen und mit Abstand gefährlichster Leipziger. Vor allem jedoch phantastischer Chippass auf Augustin zum so wichtigen 2:2, ein Pass den man eher mit jemandem wie Gündogan verbindet. Werner ist eben mehr als die schnelle Kontermaschine, auf die er gern reduziert wird. Wichtigster und bester Offensivspieler von RB, mit ihm steht und fällt ein großer Teil der Saison

    1. Ja, sicher mit der Zuschauerzahl. Offizielle Info des Vereins via Twitter. Weiß nicht, wo der Kicker die Zahl, die ich auch gesehen und etwas geschmunzelt hatte, hergenommen hat. Im Stadion wurde ja keine angesagt.

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