Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2017/2018 – Teil 2

Heute dann also Teil 2 der Betrachtungen rund um die Leistungsdaten der Spieler von RB Leipzig. Wer noch mal nachlesen möchte, was es so alles zu Einsatzzeiten, Torbeteiligungen und Zweikampfgeschichten zu erzählen gab, der blättere einfach zurück.

Dauerläufer im Team war diese Saison mal wieder Diego Demme, der deutlich über 12 km abspulte. Insgesamt hat sich die Laufleistung bei RB Leipzig im Vergleich zur Vorsaison (auch bei Diego Demme) trotz Mehrfachbelastung noch mal erhöht, ist aber gleichzeitig nicht so stark angestiegen wie der Ligaschnitt, sodass man inzwischen nur noch ein leicht unterdurchschnittliches Laufteam ist.

Interessant vielleicht, dass in der Rückrunde die Laufleistungen insgesamt deutlich geringer wurden als noch in der Hinrunde. Das kann man auf hohe Belastungen schieben (dann müsste man da in der Trainingssteuerung noch mal ran), es könnte aber auch einfach an veränderten Herangehensweisen bei der Spielgestaltung liegen oder ein Effekt sein, der aus mannschaftsinternen Dynamiken (sprich Missstimmungen in der Gruppenstruktur) entstand.

Auch nicht uninteressant, dass ein Bruma weiterhin überdurchschnittlich viel und mehr als ein Kevin Kampl auf der Sechs in die Spiele investiert. Spricht dafür, dass der Portugiese in seiner Arbeit für das Team durchaus einen hohen Einsatz mitbringt.

Top 5 Laufstrecke pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Diego Demme: 12,24 km
  • Yussuf Poulsen: 11,80 km
  • Marcel Sabitzer: 11,41 km
  • Bruma: 11,36 km
  • Kevin Kampl: 11,31 km

Topssprinter der Saison ist Jean-Kevin Augustin mit rund 33 Sprints pro 90 Minuten. Wobei die Zahl leicht nach oben verzerrt ist, weil er pro Spiel nicht so viel Spielzeit bekam wie ein Werner und entsprechend verhältnismäßig viel sprinten konnte, weil er nicht so lange spielen und seine Kräfte einteilen musste. Grundsätzlich zeigt sich in den Daten aber auch, dass die Bereitschaft von Augustin, sich einzusetzen und einzubringen da ist. Kommt halt auch immer darauf an, wann und wo man sprintet. Oliver Burke war ja ein Meister darin, viele Sprints abzureißen, dabei aber ziemlich ineffektiv zu sein, weil er meist eine Sekunde zu spät lossprintete.

Timo Werner ist mit 29 Sprints pro 90 Minuten der Spieler mit den zweitmeisten Sprints, wobei das fast fünf weniger sind als noch in der Vorsaison. Ein fleißiger Anläufer gegen den Ball ist Werner aber an guten Tagen immer noch. Genauso wie ein Yussuf Poulsen, der oft in der Rolle als Einwechsler noch mal Dynamik in das Spiel gegen den Ball bringen sollte.

Top 5 Sprints pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Jean-Kevin Augustin: 32,9
  • Timo Werner: 29,1
  • Bruma: 28,7
  • Yussuf Poulsen: 27,5
  • Lukas Klostermann: 25,1

Zentrales Ballbesitzspielelement ist wieder Diego Demme als jener Sechser, der häufig zwischen die Innenverteidiger oder auch mal neben die Innenverteidiger abkippt und über den der Spielaufbau sehr viel läuft. Auch Keita spielt hier naturgemäß wie die Spieler in der Verteidigungskette eine größere Rolle. Interessant vielleicht, dass ein Bernardo wesentlich häufiger in den Spielaufbau eingebunden war als Klostermann oder Halstenberg (spricht für eine defensivere Rolle bei ihm) und dass Kampl es bei weitem nicht in die Top5 schafft. Interessant auch, dass die Zahl der Ballkontakte im Vergleich zur Vorsaison angestiegen ist (wobei ich mir nicht sicher bin, dass hier die gleiche Zählweise und mithin Vergleichbarkeit vorliegt).

Top5 Ballkontakte pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten:

  • Diego Demme: 94
  • Stefan Ilsanker: 76
  • Bernardo: 74
  • Naby Keita: 73
  • Dayot Upamecano: 71

Die Spieler mit der höchsten Passgenauigkeit sind wenig erstaunlich diejenigen, die weiter hinten auf dem Platz stehen und automatisch in einer Position agieren, auf der man sich nicht allzu viele Fehler erlauben darf. Interessant, dass Bernardo mit einer Passquote von 78% relativ deutlich abfällt.  Von den offensiven Spielern ist Emil Forsberg mit 83% Passquote der ballsicherste Spieler.

Top 5 Passgenauigkeit (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Dayout Upamecano: 89%
  • Kevin Kampl: 87%
  • Willi Orban: 86%
  • Stefan Ilsanker: 86%
  • Diego Demme: 85%

Wichtig bei der Spielweise von RB Leipzig sind Balleroberungen aller Art. Unterschieden wird diesbezüglich zwischen (aktiven) Eroberungen und Interceptions (also eher abgefangenen Bällen). Die Unterscheidung soll hier nicht ganz so wichtig sein und bleibt außen vor (wobei sie spielstrukturell durchaus wichtig ist, weil manche Trainer sehr viel wert darauf legen, den Ball über abgefangene Pässe zu erobern und nicht bspw. über Zweikämpfe).

In dieser Kategorie gibt es die wohl deutlichsten Veränderungen, denn die Zahl der Balleroberungen ist gegenüber der Vorsaison, aber auch gegenüber der Hinrunde noch mal deutlich zurückgegangen. Das liegt einerseits natürlich daran, dass die gegnerischen Mannschaften nicht mehr so unbedarft in die RB-Fallen spielten wie noch vor einem Jahr, aber es hat auch mit einer wesentlich unintensiveren und unaggressiveren Spielweise von RB Leipzig zu tun.

Naby Keita ist als Balleroberer komplett weggebrochen und eroberte im Vergleich zur Vorsaison deutlich weniger als die Hälfte der Bälle. Teamintern ist er damit auf Platz 3 abgerutscht und ungefähr auf dem Niveau von Diego Demme. Dass man diese Saison Keitas großartige Aggressivität gegen den Ball nicht mehr in dem Maß bekommen hat wie noch in der Vorsaison war sicherlich ein Puzzlestein im leichten Abwärtstrend.

Dass mit Halstenberg und Upamecano gleich zwei Spieler aus der Abwehrkette unter den Top 5 der Balleroberer liegen, verweist auch darauf, dass sich der Ort der Balleroberung deutlich nach hinten verschoben hat. Was dann eben die Idee des schnellen Umschaltens schwieriger macht, weil der Weg zum gegnerischen Tor deutlich weiter wird. Auch hier gilt wieder, dass die Veränderung natürlich auch damit zu tun hat, dass die Gegner die gefährlichen Pressingzonen im Mittelfeld oft einfach überspielen, sodass die Ballgewinne automatisch etwas tiefer stattfinden.

Top5 Balleroberungen pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Marcel Halstenberg: 5,7 Balleroberungen
  • Dayot Upamecano: 5,5 Balleroberungen
  • Naby Keita: 5,4 Balleroberungen
  • Diego Demme: 5,2 Balleroberungen
  • Stefan Ilsanker: 5,0 Balleroberungen

Topdribbler im Spiel von RB Leipzig ist Bruma, der gleich acht Eins-gegen-Eins-Duelle pro 90 Minuten nimmt, davon aber auch nur 42% gewinnt. Eine ordentliche, aber nicht überragende Quote. Wenn Bruma ins Tempo-Dribbling kommt, dann ist er nur schwer aufzuhalten. Wie Keita hat er die Fähigkeit, aus dem Stand heraus mit dem Ball am Fuß am Gegner vorbeizubeschleunigen. Zu oft trifft Bruma aber nach dem Dribbling im Zusammenspiel mit Mitspielern noch zu schlechte Entscheidungen. Was ihn dann eben von Spielern wie Lookman unterscheidet.

Emil Forsberg nimmt zwar nur knapp fünf Dribblings pro 90 Minuten, gewinnt davon aber sehr gute 54%. Ballsicherheit ist weiterhin eine große Stärke des Schwedens. Halt meistens nur in Zonen, die weit entfernt vom Strafraum sind, weswegen sich durch die Dribblings nicht so viele Räume öffneten wie bei anderen.

Naby Keita ist so etwas wie eine Mischung aus Bruma und Forsberg. Er nimmt immerhin reichlich sechs Dribblings pro 90 Minuten und gewinnt davon immerhin 48%. Seine Ballführung ist letztlich natürlich weiterhin atemberaubend. Wenig hilfreich wird es halt, wenn es darauf hinausläuft, dass man Keita den Ball gibt und dann hofft, dass er sich an fünf Spielern vorbeischummelt. Das kann selbst ein Keita nicht und schon gar nicht regelmäßig leisten.

Interessant vielleicht noch Dayot Upamecano, der für einen Abwehrspieler absurd viele 21 Dribblings genommen hat und davon 13 gewann. Das wäre für einen Offensivspieler eine sehr gute Quote. Für einen Defensivspieler ist jedes verlorene Dribbling eine große Gefahr für das eigene Tor. Sieht zwar manchmal überraschend gut aus, wenn der Riese Upamecano über das Feld spaziert mit dem Ball am Fuß. Will man als Spielstrategie aber auch nicht unbedingt haben.

Top5 Anzahl der Dribblings (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Bruma: 8,23 Dribblings pro 90 Minuten
  • Naby Keita: 6,12 Dribblings pro 90 Minuten
  • Jean-Kevin Augustin: 5,04 Dribblings pro 90 Minuten
  • Ademola Lookman: 4,86 Dribblings pro 90 Minuten
  • Emil Forsberg: 4,61 Dribblings pro 90 Minuten

Top5 erfolgreiche Dribblings (mindestens 600 Einsatzminuten, mindestens 40 Dribblings)

  • Emil Forsberg: 54,3% gewonnene Dribblings
  • Kevin Kampl: 48,8% gewonnene Dribblings
  • Naby Keita: 48,1% gewonnene Dribblings
  • Bruma: 42,2% gewonnene Dribblings
  • Yussuf Poulsen: 38,5% gewonnene Dribblings

Ballverluststatistiken sind meist nur bedingt aussagekräftig und geben eher über die Position denn über die konkreten Fähigkeiten Auskunft. Entsprechend sammeln sich da unter den Top5 jene Spieler, die in der Offensive aktiv sind und viele Dribblings nehmen (was generell die Gefahr erhöht, den Ball auch zu verlieren). Grundsätzlich aber vielleicht trotzdem der Bereich, in dem beispielsweise Augustin am ehesten Verbesserungspotenzial in Sachen Entscheidungsmanagment hat, um nicht sechs Ballverluste pro 90 Minuten zu produzieren.

Top5 Ballverluste pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Yussuf Poulsen: 5,90
  • Jean-Kevin Augustin: 5,89
  • Naby Keita: 4,28
  • Emil Forsberg: 4,28
  • Bruma: 4,03

In Sachen Tackling, also im Trennen des Gegenspielers vom Ball, ist überraschend Lukas Klostermann der beste RB-Spieler. Der Außenverteidiger ist in 89% seiner Tacklingversuche erfolgreich, was für seine wiedergewonnene defensive Stabilität spricht. Ansonsten ist es nachvollziehbar, dass in der Statistik die Abwehrspieler vorn sind. Dass Upamecano gegenüber der Hinrunde recht deutlich zurückgefallen ist, ist bemerkenswert, korrespondiert aber mit dem müden Eindruck, den er zwischenzeitlich in der Rückrunde machte.

Top 5 erfolgreiche Tacklings in % (mindestens 600 Einsatzminuten, mindestens 40 Tacklings)

  • Lukas Klostermann: 89,2% – 2,67 Tacklings pro 90 Minuten
  • Ibrahima Konate: 86,1% – 2,64 Tacklings pro 90 Minuten
  • Bernardo: 82,7% – 3,47 Tacklings pro 90 Minuten
  • Willi Orban: 80,3% – 2,80 Tacklings pro 90 Minuten
  • Dayot Upamecano: 80,0% – 2,78 Tacklings pro 90 Minuten

Klärungen, also Aktionen, bei denen ein gefährlicher Angriff des Gegners beendet wird, hat Willi Orban die meisten im Team von RB Leipzig. Was auch noch mal zeigt, dass seine Qualitäten insbesondere in einem guten Stellungsspiel und gutem Blick für die Situationen liegt. Auch hier wenig überraschend, dass sich in der Statistik vor allem Abwehrspieler austoben. Dass Bernardo ganz vorn dabei ist, verweist vielleicht auch darauf, dass das eben ein Spieler mit Innenverteidigerfokus ist.

Top5 Clearances pro 90 Minuten (mindestens 600 Einsatzminuten)

  • Willi Orban: 6,27
  • Dayot Upamecano: 5,52
  • Bernardo: 5,07
  • Ibrahima Konate: 4,69
  • Stefan Ilsanker: 3,70

Bliebe zum Abschluss noch die Plus-Minus-Tabellenspielerei. Hier wird für jeden Spieler ausgewiesen, wie das Torverhältnis aussah, wenn man nur die jeweiligen Zeiten betrachtet, in denen er auf dem Platz stand und wie viele Punkte er kassierte, wenn man den Stand zum Zeitpunkt des jeweiligen, individuellen Verlassens des Spielfelds nimmt. Im Schnitt holte RB Leipzig 1,56 Punkte und +0,12 Tore. Wer also über diesen Werten liegt, hatte überdurchschnittlich viel Freude an den Spielen. Auch könnte man interpretieren, dass jene mit besseren Werten mehr positiven Einfluss auf das Spiel und die Mannschaft hatten. Was aber auch eine etwas eindimensionale Erklärung sein kann.

Peter Gulacsi ist nah am Durchschnitt dran, weil er in 33 von 34 Spielen auf dem Platz stand und nur die 0:1-Niederlage in Augsburg verpasste. Nach oben heraus stechen ungefähr fünf Spieler. Jean-Kevin Augustin ist vor allem mit seinen +1,13 Toren imposant. Das resultiert zu Teilen noch aus seiner guten Anfangsphase bei RB und Spielen wie dem gegen Freiburg ganz zu Beginn der Spielzeit. Aber auch in der Rückrunde lief es für RB oft besonders positiv, wenn Augustin auf dem Platz war. Rechnet man Augustins Bilanz auf 34 Spiele a 90 Minuten hoch (was natürlich nur eine theoretische Rechnung ist), dann hätte RB Leipzig ein Torverhältnis von +38 gehabt. Real waren es gerade mal +4 Tore..

Neben Augustin haben auch noch Ademola Lookman (der mit nur knapp 600 Minuten Einsatzzeit hier mit reingenommen wurde, bei dem die Zahlen aber deswegen auch mit Vorsicht zu genießen sind und purer Zufall sein können) Konrad Laimer, Dayot Upamecano und Diego Demme überdurchschnittlich gut Zahlen. Lediglich Upamecano war neben Augustin schon in der Hinrunde in der Plus-Minus-Statistik vorn dabei.

Viele Offensivspieler finden sich nicht in der Statistik. Die findet man dafür weiter unten. Denn mit Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Bruma sind abgesehen von Stefan Ilsanker gleich drei Akteure mit offensivem Fokus mit schlechten Plus-Minus-Werten unterwegs. Wenn Yussuf Poulsen auf dem Platz steht, schoss der Gegner insgesamt sieben Tore mehr als RB. Da Poulsen auch oft auf dem Platz stand, wenn RB führte und helfen sollte, den Vorsprung zu sichern, ist das auch ein Puzzlestein für die schwächeren Leistungen von RB in diesem Jahr. Schon auch bitter für den Spieler, der letzte Saison noch ein Bollwerk im Spiel gegen den Ball war. Aber als Alleinunterhalter taugt ein Poulsen beim Anlaufen der Gegner eben auch nicht.

Am offensivstärksten war RB Leipzig in dieser Saison, wenn Jean-Kevin Augustin auf dem Platz stand. 2,48 Tore pro 90 Minuten mit ihm sind ein irrer Wert. 35 Tore fielen, wenn Augustin auf dem Platz stand, also in nur knapp 1.300 Minuten. In den restlichen knapp 1.800 Minuten ohne ihn fielen nur 18 weitere Tore, also gerade mal 0,90 pro 90 Minuten.

Großen offensiven Impact hatte in seiner geringen Einsatzzeit auch noch Ademola Lookman. Wobei das wie gesagt mit Vorsicht zu genießen ist, weil bei so wenig Spielzeit auch immer eine ordentliche Zufallskomponente in den Zahlen steckt. Aber man konnte durchaus sehen, welchen positiven Einfluss der Engländer auf das RB-Spiel nehmen kann.

Ganz am unteren Ende der Tabelle stehen Yussuf Poulsen und Bruma. Für Poulsen war es eine sehr gebrauchte Saison, weil das kompakte Spiel gegen den Ball, das er so gut kann, vom Rest nicht allzu häufig mitpraktiziert wurde. Und weil der Däne offensiv halt doch auch (gerade im Vergleich mit Augustin) von seinem Qualitätsumfang her ein Stück limitiert ist.

Interessant die schwache Zahl von Bruma, die im kompletten Kontrast zu seinen vielen Dribblings steht. Sprich, wenn der Portugiese auf dem Platz steht, dann ist er sehr aktiv und versucht sich in vielen Offensivaktionen. Nur effizient ist das selten, sodass für RB Leipzig sogar noch weniger an Toren herausspringt als ohne ihn. Wenn man das dann noch in Relation zur Effizienz eines Lookman setzt, dann wird es relativ bitter..

Wenn man sich ein Team zusammenstellen wollte, in dem die Spieler mit dem positivsten offensiven Impact stehen, dann sähe das ungefähr so aus

  • Gulacsi – Laimer, Upamecano, Konate, Bernardo – Kampl, Demme – Keita, Lookman – Augustin, Werner.

In Sachen Einfluss auf die Defensive steht Konrad Laimer ganz oben, der davon profitierte, dass er die defensiven Kompletteinbrüche (Hoffenheim, Leverkusen, Mainz) in der Rückrunde verletzungsbedingt verpasste. Auch Augustin steht hier wieder ganz oben. Was noch mal der Hinweis auf die Analyse ist, dass sich mit dem Franzosen auf dem Platz die Statik des RB-Spiels verschiebt und damit auch Ballbesitz und Spielverlagerung weg vom eigenen Tor möglich ist. Entsprechend hat das auch einen positiven Einfluss auf die Defensivleistungen.

Im negativen Sinne viel Einfluss auf die Defensive haben Stefan Ilsanker, Bernardo und Emil Forsberg. Bei Forsberg, der das aggressive Spiel gegen den Ball nicht erfunden hat, ist das noch nachvollziehbar. Bei Bernardo und Ilsanker soll sich jeder selbst eine Interpretation ausdenken.

Wenn man sich ein Team zusammenstellen wollte, in dem die Spieler mit dem positivsten defensiven Impact stehen, dann würden gegenüber dem offensiven Team Bernardo, Konate, Kampl, Keita und Werner rausfallen. Dafür kämen Orban, Klostermann, Halstenberg, Sabitzer und überraschend auch Bruma(!) in die Elf. Das sähe dann ungefähr so aus:

  • Gulacsi – Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg – Laimer, Demme – Bruma, Sabitzer – Lookman, Augustin

Will man seine Stammelf nicht nach Offensive oder Defensive aufstellen, sondern nach ihrem generellen Einfluss auf die Spielresultate, dann verändert sich die Mannschaft im Vergleich zur Mannschaft, die die meiste Spielzeit kriegte, leicht. Willi Orban, Bruma, Timo Werner und Yussuf Poulsen würden dann aus dem Team fliegen und durch Konrad Laimer, Ibrahima Konate, Ademola Lookman und Jean-Kevin Augustin ersetzt werden. Aber wie immer ist ja auch nicht alles Statistik beim Finden von passenden Formationen:

  • Gulacsi – Laimer, Upamecano, Konaté, Klostermann – Demme, Kampl – Sabitzer, Keita – Lookman, Augustin

[Plus/Minus: Torverhältnis für jeden Spieler und seine Spielzeit; Plus/Minus/90: Torverhältnis für jeden Spieler und seine Spielzeit, wenn man es auf 90 Minuten hochrechnet (Bsp: Marcel Sabitzer hatte in 1790 Einsatzminuten ein Torverhältnis von +1, macht für 90 Sabitzer-Spielminuten ein Verhältnis von 0,05); Punkte: Gesamtzahl Punkte, die jeder Spieler sammelte, wenn er das Feld verließ; Punkte/Spiel: Punkte, die jeder Spieler im Schnitt pro Einsatz sammelte, zum Zeitpunkt des Verlassen des Feldes; Off = Geschossene Tore pro 90 Minuten, wenn der entsprechende Spieler auf dem Feld stand; Def = Zugelassene Tore pro 90 Minuten, wenn der entsprechende Spieler auf dem Feld stand; Berücksichtigt sind nur Spieler, die mindestens 600 Minuten auf dem Spielfeld standen]

Spieler +/-+/-/90PktPkt/SpOffDef
Jean-Kevin Augustin161,13471,882,481,35
Ademola Lookman50,78171,552,351,57
Konrad Laimer80,54431,951,821,28
Dayot Upamecano90,36471,681,791,43
Diego Demme70,28491,631,811,53
Naby Keita40,18431,591,791,61
Peter Gulacsi50,15281,611,731,58
Ibrahima Konate20,15251,561,831,69
Kevin Kampl30,13431,651,781,65
Lukas Klostermann20,08391,501,641,56
Bernardo10,07301,671,801,73
Marcel Sabitzer10,05351,591,461,41
Timo Werner10,04471,471,701,66
Willi Orban00,00391,501,441,44
Marcel Halstenberg00,00241,601,601,60
Bruma-3-0,17361,291,291,46
Emil Forsberg-4-0,26301,431,511,78
Stefan Ilsanker-4-0,28311,481,471,75
Yussuf Poulsen-7-0,38461,531,241,62

Fazit: Beim Gang durch die Zahlen stechen Jean-Kevin Augustin und Ademola Lookman (again, Vorsicht wegen seiner geringen Einsatzzeit) auf recht imposante Art heraus. Bei anderen wie Marcel Sabitzer merkt man, dass sie gegenüber der Hinrunde aus unterschiedlichen Gründen deutlich abbauten. Bruma ist ein interessantes Phänomen, weil man ihn für offensiv stark hält, er aber offensiv viel weniger positiven Impact hatte als defensiv. Bemerkenswert, wie sehr auch ein Yussuf Poulsen zumindest auf Zahlenebene nach unten durchrutscht. Am Ende gilt aber auch hier wie immer: Es sind nur Zahlen und diese bieten viel Spielraum für Interpretationen und sind wenig wert, wenn man die Spiele nicht auch dazu gesehen hat.

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Datengrundlage: Bunte Mischung aus aufgearbeiteten Zahlen aus eigener Sammlung, bundesliga.de, transfermarkt.de, whoscored.com und sport.de.

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Alte Zahlenrundumleuchten:

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Jean-Kevin Augustin ist die statistische Überraschung der Saison. | GEPA Pictures - Sven Sonntag
GEPA Pictures – Sven Sonntag

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Ein Gedanke zu „Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2017/2018 – Teil 2“

  1. Die Plus/Minus Zahlen sind immer wieder sehr beeindruckend.
    Danke dafür.

    Und bestätigen mich vor allen im Fall von Bruma und Jika.
    Im Stadion habe ich so oft mit dem Kopf geschüttelt, warum er nicht den Blick für den freien Mann hat. Diese Dribblings von ihm sind sensationel gut, keine Frage, aber will mMn den Robben zu oft kopieren und zum Abschluß kommen. Wenn Bernado oder Klostermann ihn überlaufen haben, brannte es dann hinten lichterloh.

    Was soll man zu Jika noch sagen/schreiben?
    Diese Werte sind einfach überragend.
    Ich denke mal, der gute Ralf R. wird diese Zahlen auch vor sich liegen haben (oder er liest hier ggf. noch mal nach) und fühlt sich mit dem „Ar***tritt Satz bestätigt. ;-)

    Das Laimer da auch auftaucht überrascht mich dann doch, weil er in der Hinrunde ja nicht so oft zum Einsatz kam. Bei dem Hinweis, das er bei den 3 Spielen (Lev, Hoffe und Mainz) nicht dabei war, habe ich mir ausgemalt, wie ggf. da die Ergebnisse zu Stande gekommen wären.
    Aber gut, hätte Fahrradkette und so.

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