Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2017/2018 – Teil 1

So, Rückblickzeit ist wieder mal angesagt. Ist ja bisher in dieser Sommerpause noch gar nicht so richtig viel Zeit für gewesen. Wenn man wollte, könnte man auch den ganzen Tag nur Gerüchtenamen hinterhergoogeln. Aber das ist auch ein relativ witzloses Spiel..

Zu Beginn der Rückblicke geht es erstmal mit den Zahlen rund um die Saison von RB Leipzig los. Im ersten Teil geht es um Einsatzzeiten, Torbeteiligungen, Zweikämpfe und Co. Betrachtet wird aus Gründen der Vergleichbarkeit nur die Bundesliga mit ihren insgesamt 34 Spielen. Teil 2 folgt dann demnächst.

Insgesamt 23 Spieler hat Ralph Hasenhüttl in dieser Saison eingesetzt, wenn man Oliver Burke mal weglässt, der ja schon sehr früh in der Saison den Verein verließ. Das ist im Vergleich zur Hinrunde mit Ademola Lookman einer mehr. Im Vergleich zur Vorsaison kamen zwei Spieler mehr zum Einsatz. Im Kern setzte Hasenhüttl allerdings auf 18 Spieler. Wenn man Lookman mit seinen fast 600 Minuten in der Rückrunde dazunimmt, dann kommt man auf 19. Dominik Kaiser, Marvin Compper, Benno Schmitz und Yvon Mvogo spielten in unterschiedlichem Ausmaß nur Randrollen.

Aus dem Profikader kamen lediglich Philipp Köhn und Fabio Coltorti gar nicht zum Einsatz. Auch Federico Palacios verließ den Klub im Winter ohne Einsatzminute. Niclas Stierlin war der einzige Spieler aus dem Nachwuchs, der es immerhin mal zu einer Kadernominierung brachte.

Kein Spieler stand in allen 34 Spielen auf dem Platz. Peter Gulacsi war mit 33 Bundesliga-Spielen und knapp 3.000 Spielminuten die klare Nummer 1 . Er war zusammen mit Yvon Mvogo auch der einzige, der in allen 34 Spielen zumindest im Kader stand. Timo Werner, Yussuf Poulsen und Bruma schafften immerhin jeweils 33 Kadernominierungen.

Auffällig, dass es nur wenige Spieler gab, die in mindestens 30 Spielen auf dem Platz standen. Das waren gerade mal vier (letzte Saison: acht) und darunter ist mit Yussuf Poulsen noch einer, der unter 60 Minuten pro Spiel machte und vor allem nach der Winterpause immer mehr in die Rolle des Einwechselstürmers rutschte.

Das lag einerseits natürlich an Verletzungen, dass es nicht viele Spieler gab, die über die ganze Saison hinweg viel spielten. Aber es lag auch an einer größeren Rotation. Die sich auch daran bemerkbar machte, dass nur sechs Spieler pro Spiel mindestens 80 Minuten absolvierten. Wenn man davon Mvogo mit nur einem Spiel abzieht, dann bleiben noch fünf. Letzte Saison waren es noch acht Spieler mit mindestens 80 Minuten pro Spiel gewesen.

Im Vergleich zur Hinrunde vor allem auffällig, dass Kevin Kampl eine deutliche prägendere Rolle spielte (rein von den Einsatzzeiten her). Auch Bernardo profitierte sehr von den Ausfällen von Marcel Halstenberg und Konrad Laimer. Laimer wiederum wurde in der Durchschnittsspielzeit, die er bekam, von einem Ergänzungs- zu einem Startelfspieler. Yussuf Poulsen und Stefan Ilsanker, die verlässlichen Arbeiter der Vorsaison rutschten in der Rückrunde in Sachen Einsatzzeit jeweils ab und kamen verstärkt von der Bank.

Rein nach Einsatzzeiten war das Team der Saison Gulacsi – Klostermann, Orban, Upamecano – Kampl, Demme, Keita, Bruma – Sabitzer, Werner, Poulsen. Seltsame Formation aufgrund dessen, dass kein zweiter Außenverteidiger dauerhaft im Team war.

In der Hinrunde hieß das Team noch: Gulacsi – Klostermann, Orban, Upamecano, Halstenberg – Demme, Kampl – Sabitzer, Keita – Poulsen, Werner. Hier war also Halstenberg für Bruma in der Mannschaft.

In der Rückrunde hieß die Mannschaft derweil Gulacsi – Laimer, Orban, Upamecano, Klostermann – Demme, Keita – Kampl, Bruma – Werner, Sabitzer. Überraschend vielleicht, dass da immer noch Sabitzer steht. Vom Gefühl her hätte man das vielleicht anders gesehen. Im Gegensatz zur Hinrunde haben Laimer und Bruma nun Halstenberg und Poulsen verdrängt. Forsberg spielte wegen Verletzungen weder vor noch nach der Winterpause eine Rolle in Sachen Einsatzzeit. Genauso wie ein Augustin trotz seiner famosen Anlagen. Beides durchaus bemerkenswert.

[Sp = Anzahl der Spiele; Min = Einsatzminuten; Min/Sp = Einsatzminuten pro Spiel; Min HR = Einsatzminuten bis zur Winterpause; Min/Sp HR = Einsatzminuten pro Spiel bis zur Winterpause]

Spieler SpMinMin/SpMin HRMin/Sp HR
Peter Gulacsi33297090144090
Timo Werner32249378122782
Diego Demme30228676117674
Dayot Upamecano28226481105781
Lukas Klostermann26219284111079
Willi Orban2621278289475
Kevin Kampl2620197888968
Naby Keita2719667399276
Marcel Sabitzer2217918194085
Yussuf Poulsen30165955100567
Bruma2816065774253
Emil Forsberg2113716585371
Bernardo1813487556262
Konrad Laimer2213316141438
Stefan Ilsanker2112826173073
Jean-Kevin Augustin2512705151046
Ibrahima Konate1612257759474
Marcel Halstenberg15117778117778
Ademola Lookman1157452----
Dominik Kaiser102702713122
Yvon Mvogo190909090
Marvin Compper289458945
Benno Schmitz282418080
Fabio Coltorti00000
Federico Palacios00000

Toretechnisch ist Timo Werner wieder die Nummer 1 bei RB Leipzig gewesen.  Interessant daran aber vor allem, dass er wesentlich seltener trifft als noch letzte Saison und mehr Torschüsse braucht. Letzte Saison nutzte er mehr als jeden vierten Torschuss zu einem Treffer und traf alle 130 Minuten. Jetzt trifft er nur noch mit jedem siebten Schuss und alle 190 Minuten. Das verweist auch darauf, dass Werner inzwischen eine wesentlich andere Rolle spielt und gegen tief stehende Gegner nicht mehr in so viele Situationen kommt, in denen er aus dem Umschaltspiel heraus frei vor dem gegnerischen Keeper auftaucht.

Torquotentechnisch haben ihm mit Jean-Kevin Augustin und Ademola Lookman gleich zwei Spieler den Rang abgelaufen. Augustin mag sich immer wieder Auszeiten genommen haben, aber seine Trefferquote von 24% und seine Torerfolge alle 141 Minuten sind gut bis sehr gut. Vor allem die Trefferquote kann sich sehen lassen und verweist auf das Potenzial des Franzosen. Bei einer konstanten Saison kann Augustin zu einem 20-Tore-Stürmer werden.

Ähnliches Potenzial deutete Ademola Lookman an, der unheimlich gut in der Ballverarbeitung ist und einen sehr guten Zug zum Tor hat (ohne seine Mitspieler zu vergessen). 38,5% Trefferquote sind überirdisch. Alle 115 Minuten ein Treffer ist die Quote von Werner aus der Vorsaison. Man muss dabei bedenken, dass Lookman nur knapp 600 Minuten spielte und erst noch beweisen muss, dass er auch über einen langen Zeitraum konstant treffen kann, wenn ihn die gegnerischen Abwehrreihen im Visier haben. Aber insgesamt hat Lookman einen sehr guten Eindruck in Leipzig hinterlassen und man kann nur hoffen, dass er wiederkommt.

Yussuf Poulsen ist in Sachen Torquote im Vergleich zur Hinrunde noch mal ein Stück abgerutscht, während Bruma im Gegensatz zu Lookman zwar dribbelstark, aber ineffizient war. Marcel Sabitzer und Emil Forsberg sind gleich komplett aus der Statistik der Spieler mit mindestens vier Treffern gerutscht. Auch das ein deutlicher Hinweise darauf, dass in dieser Saison bei RB Leipzig nicht alles sehr gut lief. In dieselbe Richtung verweist die Tatsache, dass auch die Defensivspieler im Vergleich zur Hinrunde komplett aus dieser Statistik rutschten.

[Tore = Anzahl der Tore der Saison; Min/Tor = Minuten pro Tor gesamte Saison; Chance = Chancenverwertung (Tore/Torschüsse) Tore HR = Tore bis zur Winterpause; Min/Tor HR = Minuten pro Tor bis zur Winterpause]

Spieler ToreMin/TorChanceTore HRMin/Tor HR
Timo Werner1319113,58153
Jean-Kevin Augustin914124,33170
Naby Keita632614,32496
Ademola Lookman511538,5----
Yussuf Poulsen441610,53335
Bruma44029,8----

Insgesamt sieben Spieler bereiteten mindestens vier Treffer vor. Das ist eine etwas breitere Mannschaftsleistung als noch in der Vorsaison. Dafür ist Emil Forsberg als Vorbereiter komplett weggebrochen (auch  wenn seine drei Vorbereitungen aufgrund geringer Spielzeit immer noch eine Vorlage alle 456 Minuten bedeutet, also besser ist als der Demme-Wert beispielsweise).

Ganz nach vorn geschoben hat sich in der Statistik Timo Werner, der damit zeigt, dass sein Fahigkeitenspektrum deutlich breiter geworden ist. Er hat gerade in der Rückrunde gezeigt, dass er nicht mehr nur der Torschütze ist, sondern auch mal dem Mitspieler den Ball auflegen kann, wenn er über die Seite mit Geschwindigkeit in Räume stößt.

Auch in dieser Statistik ist Jean-Kevin Augustin der zweiteffizienteste Spieler, weswegen seine sieben Torvorbereitungen auch wertvoller sind als die von Marcel Sabitzer. Überragend auch hier Ademola Lookman, der mal eben fünf Treffer vorbereitete und mit einer Vorbereitung alle 115 Minuten ungefähr auf dem Wert von Forsberg letzte Saison liegt.

[Vorl = Anzahl der Vorlagen der Saison; Min/Vorl = Minuten pro Vorlage gesamte Saison; Vorl HR = Vorlagen bis zur Winterpause; Min/Vorl HR = Minuten pro Vorlage bis zur Winterpause]

Spieler VorlMin/VorlVorl HRMin/Vorl HR
Timo Werner102493409
Jean-Kevin Augustin71814128
Marcel Sabitzer72565188
Ademola Lookman5115----
Kevin Kampl54042445
Naby Keita53911992
Diego Demme45723392

Bei den vorletzten Pässen vor einem Tor hat sich Diego Demme in der Rückrunde noch an Kevin Kampl vorbei auf Platz 1 geschoben und damit auch noch mal seine Wichtigkeit als tiefer Spielmacher verdeutlicht. Kevin Kampl ist im Vergleich zur Hinrunde diesbezüglich schwächer geworden, aber über die Saison gesehen immer noch ein wichtiger Spieler.

Für Emil Forsberg ist das die Statistik, in der er sich im Vergleich zur Vorsaison nicht verschlechtert hat. Sprich, in einer torfernen Rolle ist der Schwede immr noch wichtig gewesen für RB Leipzig. Nur am und im Strafraum ist es für ihn schwerer geworden, wenn man Vorlagen und Tore dafür als Maßstab nimmt.

Auch hier interessant, dass Augustin wieder vorn dabei ist. Alle 317 Minuten eine Vorvorlage ist ein sehr guter Wert und verweist auch darauf, dass der Franzose eben nicht nur ein Strafraumstürmer, sondern in seinen Qualitäten extrem vielseitig und damit umso wertvoller ist.

[Vorvorl = Anzahl der vorletzten Pässe vor einem Tor in dieser Saison; Min/Vovorl = Minuten pro vorletztem Pass vor einem Tor in dieser Saison; Vorvorl HR = Anzahl der vorletzten Pässe vor einem Tor bis zur Winterpause; Min/Vorvorl HR = Minuten pro vorletztem Pass vor einem Tor bis zur Winterpause]

Spieler VorvorlMin/VorvorlVorvorl HRMin/Vorvorl HR
Diego Demme73273392
Kevin Kampl63374222
Emil Forsberg52743284
Naby Keita53912496
Marcel Sabitzer44482470
Timo Werner462211227
Jean-Kevin Augustin43170--

Wenn man alle Beteiligungen an Toren zusammenrechnet (also Tore, Vorlagen, Vorvorlagen und sonstige Beteiligungen zuvor an einem zu einem Tor führenden Angriff), dann ist in absoluten Zahlen Timo Werner der beste Offensivakteur. An 26 Toren war er auf die eine oder andere Art, meist direkt, beteiligt.

Jean-Kevin Augustin und vor allem Ademola Lookman weisen extrem gute Zahlen auf. Lookmans Zahlen sind einfach aberwitzig (auch hier wieder: knapp 600 Einsatzminuten sind noch eine sehr geringe Datenbasis) und sogar noch deutlich besser als Forsbergs Zahlen in dessen unfassbarer Vorsaison.

Forsberg selbst ist diese Saison komplett eingebrochen. Statt einer Beteiligung an einem Tor alle 60 Minuten, ist er nun alle 124 Minuten bei einem Tor beteiligt. Naby Keita konnte in der Rückrunde wieder stärker in den Offensivbetrieb eingreifen als noch in der Hinrunde. Marcel Sabitzer rutschte mit seinen Daten etwas ab, während Demme und Kampl ein gutes, tiefes Sechser-Duo geben.

[TB = Anzahl der Beteiligung am Torerfolg (Tore plus Assists plus Beteiligung an Torentstehung); Min/TB = Minuten pro Beteiligung an der Torentstehung; TB HR = Anzahl der Beteiligung am Torerfolg vor der Winterpause; Min/TB HR = Minuten pro Beteiligung an der Torentstehung vor der Winterpause]

Spieler TBMin/TBTB HRMin/TB HR
Timo Werner269611112
Jean-Kevin Augustin2064773
Naby Keita20987142
Kevin Kampl191068111
Diego Demme1812710118
Marcel Sabitzer171051186
Ademola Lookman1248----
Emil Forsberg111248107
Bruma111465148
Dayot Upamecano112064264

Größter Sünder bei RB Leipzig war in der abgelaufenen Saison Naby Keita mit neun gelben Karten (gelb-rote Karten zählen als zwei gelbe Karten). Dazu noch eine rote Karte und je ein Platzverweis im Pokal und in der Nationalelf. Will Keita wirklich ein Großer werden, dann muss er an seinem Zweikampfverhalten und an seinem Verhalten in Stresssituationen arbeiten. Da ist er bisher in vielerlei Hinsicht noch zu unüberlegt.

Insgesamt ist die Gelb-Bilanz bei RB Leipzig eigentlich ganz ok. Orban mit nur fünf gelben Karten als zweitgrößter Sünder hinter Keita. Ist nicht gerade eine Holzertruppe das Team. Insgesamt sechs Platzverweise allein in der Bundesliga sind dagegen aber sehr deutlich zu viel.

[Gelb = Anzahl der gelben Karten der Saison (gelb-rote Karten zählen als zwei gelbe Karten); Min/Gelb = Minuten pro gelber Karte gesamte Saison; Gelb HR = gelbe Karten bis zur Winterpause; Min/Gelb HR = Minuten pro gelber Karte bis zur Winterpause]

Spieler GelbMin/GelbGelb HRMin/Gelb HR
Naby Keita92174248
Willi Orban54252447
Stefan Ilsanker43224183
Marcel Sabitzer44481940
Dayot Upamecano45673352
Diego Demme45723392

In der Foulstatistik liegt weiter Naby Keita ganz vorn. Alle 38 Minuten ein Foul. Damit hat er seinen Wert aus der Hinrunde noch mal gesteigert. Auf der anderen Seite wird er allerdings auch alle 33 Minuten gefoult, was darauf verweist, wie verschleißend das Spiel von Keita ist und wie sehr er in Zweikämpfe involivert wird.

Eine ‚klügere‘ Bilanz hat Diego Demme, der weiterhin der meistgefoulte Spieler ist und alle 32 Minuten einen Freistoß kriegt. Auf der anderen Seite ist er mit einem Foul alle 51 Minuten durch die Saison gekommen.

Interessant vielleicht der Unterschied zwischen Timo Werner und Jean-Kevin Augustin. Während Werner nur alle 104 Minuten ein Foul zieht, also den direkten Auseinandersetzungen eher aus dem Weg geht, hat Augustin mit einem Foul alle 30 Minuten gegen sich den Spitzenwert bei RB inne. Auch das ein weiterer Verweis darauf, wie schwer der Franzose an guten Tagen zu stoppen ist und wie sehr er zusätzlich zu Torbeteiligungen auch noch Freistöße zieht.

Ein statistisches Phänomen ist Lukas Klostermann, der trotz seiner Rolle als Defensivspieler in die wenigsten Fouls aller RB-Spieler involivert ist. Dass er wenig gefoult wird, erklärt sich noch damit, dass er offensiv zu selten mal durchzog und zu oft Angriffe abbracht. Dass er defensiv nur alle 183 Minuten zum Foul griff, kann man positiv als Vermeidung von Freistößen interpretieren. Man könnte aber auch negative Aspekte von zu wenig physischem Zweikampfverhalten hineinlesen. Tendenziell wäre ich eher bei ersterem, da Klostermann defensiv viele Dinge über seine Schnelligkeit gut löst.

[Fouls pro Spieler bzw. Anzahl der Fouls gegen die Spieler. Mindestens 20 Fouls/ 20mal gefoult worden oder mindestens 1000 Einsatzminuten (außer Lookman, weil der erst zur Winterpause kam).]

Spieler FMin/FGefMin/Gef
Naby Keita52386033
Diego Demme45517232
Yussuf Poulsen33503745
Stefan Ilsanker314212107
Kevin Kampl31652196
Dayot Upamceano317311206
Timo Werner308324104
Bernardo28481875
Willi Orban27793159
Jean-Kevin Augustin21604230
Emil Forsberg16892359
Marcel Sabitzer141283453
Ademola Lookman12481441
Ibrahima Konate1210210123
Bruma121343152
Lukas Klostermann1218314156
Marcel Halstenberg1011810118

Der Topzweikämpfer bleibt auch in dieser Saison Yussuf Poulsen. 37 Zweikämpfe pro 90 Minuten bei für einen Stürmer ganz guter Quote gewonnener Zweikämpfe von knapp 50% sind wahnsinnig viel. Dass seine Foulquote trotzdem deutlich gesunken ist, ist dann in diesem Zusammenhang noch mal besonders bemerkenswert.

Hinter Poulsen folgt gleich Keita, für den Zweikämpfe zu seiner Rolle als Balleroberer gehören. Danach folgen mit Konrad Laimer, Jean-Kevin Augustin und Bruma drei Neuzugänge, bei denen man vermuten könnte, dass die hohen Zahlen damit zu tun haben, dass sie in nicht ganz so hoher Spielzeit pro Spiel noch mal alles reinschmeißen. Laimer beispielsweise wurde besonders in der Hinrunde sehr häufig eingewechselt und war dadurch automatisch in einer Rolle, in der Endphase einer Partie noch mal besonders gegenhalten zu müssen.

Generell ist die Anzahl der Zweikämfpe bei den Spitzenleuten von RB Leipzig im Vergleich zur Hinrunde teils deutlich gesunken. Kann man natürlich auch hinsichtlich eines generell weniger intensiven Spielstils interpretieren. Negativ oder postiv interpretieren. Je nachdem, wie man den Entwicklungen in der Spielweise gegenüber steht.

Top 5 Anzahl der Zweikämpfe pro 90 Minuten (mindestens 600 Minuten Einsatzzeit)

  • Yussuf Poulsen: 37
  • Naby Keita: 29
  • Jean-Kevin Augustin: 27
  • Konrad Laimer: 25
  • Bruma: 24

Bester Zweikämpfer im Team ist über die Saison gesehen Willi Orban, von dem man das vielleicht angesichts einer eher stagnierenden Entwicklung eher nicht erwartet. Aber wenn der Innenverteidiger am Mann ist, dann hat er weiter sehr gute Qualitäten, vor allem auch in der Luft. Manchmal ist er halt, auch wegen seiner fehlenden Geschwindigkeit, nicht am Mann.

Dayot Upamecano ist in der Statistik von Platz 1 auf Platz 3 abgerutscht, was auch seine durchwachsene Rückrunde reflektiert, in der er zwischenzeitlich deutlich müde wirkte. Konaté zeigte derweil, dass er Orban und Upamecano in Sachen Zweikampfverhalten nicht nachsteht.

Interessant, dass Lukas Klostermann eine sehr gute Zweikampfquote hat (und eine bessere als Bernardo). Zusammen mit seiner Geschwindigkeit und seiner geringen Foulanfälligkeit ergibt das eigentlich zumindest defensiv für einen Außenverteidiger ein gutes Gesamtpaket.

Top 5 gewonnene Zweikämpfe (mindestens 600 Minuten Einsatzzeit)

  • Willi Orban: 64,0%
  • Ibrahima Konate: 63,6%
  • Dayot Upamecano: 61,9%
  • Marcel Halstenberg: 59,0%
  • Lukas Klostermann: 57,2%
  • Jean-Kevin Augustin: 37,4%

Aus den Zahlen lassen sich wie immer schön die unterschiedlichen Rollen herauslesen. Werner bleibt der zentrale Offensivspieler, aber Augustin und Lookman haben angedeutet, dass sie mindestens dieselbe Qualitäte haben bzw. Augustin sogar der deutlich komplettere Stürmer ist. Demme ist weiter der Balancegeber, der offensiv deutlich mehr Einfluss hat, als man denken könnte. Bemerkenswert die sehr schlechten Zahlen der Offensivmaschine der Vorsaison Emil Forsberg, der eine Lücke hinterlassen hat, die keiner konstant ausfüllen konnte. Generell gibt es keinen Spieler, der über 30+ Spiele konstant auf hohem Niveau agiert hätte. Das ist vermutlich eine der wichtigsten Geschichten der Saison, dass es keine zwei, drei Spieler wie in der Vorsaison gab, die das Team dauerhaft getragen haben.

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Datengrundlage: Bunte Mischung aus aufgearbeiteten Zahlen aus eigener Sammlung, bundesliga.de, transfermarkt.de und whoscored.com.

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Alte Zahlenrundumleuchten:

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Eine Saison mit Höhen und Tiefen und Jubel am Ende. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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4 Gedanken zu „Individuelle Zahlenrundumleuchte RB Leipzig 2017/2018 – Teil 1“

  1. Sensationelle Analyse!
    Auch bin ich bei Euch mit der Ademola Lookman-Bewertung u. drücke ebenso die Daumen, das RR es genau so sieht (vielleicht mal Eueren Bericht zusenden ;) u. alles reinhaut u. ihn von UK loszueisen ! Er schien ja durchaus interessiert… Die „Achse“ N.Keita/E.Forsberg/T.Werner u. ihre Rolle fand ich auch klasse beschrieben, wobei ich immer noch nicht verstehen kann, weswegen EF u. NK gegenüber der Vorsaison eine(aus meiner Stadion-Sicht) defensivere Position eingenommen hatten. Sehr offt hatte ich NK(vor allem nach den „Bayernkrachern) hinter der Mittellinie im Spielaufbau beobachtet, wo er eine Saison zuvor, noch unentwegt vor der Mittellinie agierte u. Emil hatte ich das Gefühl, das seine Entwicklung aus der 1. Saison ihm etwas zu Kopf gestiegen waren u. das ganze Theater mit seinem Berater ihn negativ beeinflusst haben könnten. Aber ich liege vielleicht auch völlig falsch….!?
    Euer Bericht ist jedenfalls aus meiner sicht, sehr wissenswert u. aufschlussreich, so dass man die Dinge im Zusammenhang besser versteht!

  2. Wie immer finde ich dieses Zahlenspiel von Dir hoch interessant.
    Es wäre aber noch spannender, wenn die CL/EL mit dabei gewesen wäre, im Hinblick auf Rotationen.
    Dahingehend verfälscht es doch ein wenig.

    Am Beispiel Upa glaube ich mich zu erinnern, daß er international eine höhere Zweikampfquote haben müsste, wenn ich an die Spiele so denke.

    Und Jika ist wirklich ein Phänomen. Da hat RR völlig Recht, das er eben nicht immer zeigte, was ihn im steckt.
    Na mal schauen, was der neue Trainer mehr aus ihm raus holt.
    Dann wäre er mMn sogar die Nummer eins vor Timo Werner.

    1. Das Problem ist (neben dem Aufwand des Sammelns), dass die Zahlen teilweise extrem unterschiedlich sind, weil jeweils andere Dienstleister die Datenerhebung übernehmen (bei Passquoten und Ballbesitz beispielsweise sind die Unterschiede teilweise exorbitant). Zudem gibt es detaillierte Laufdaten beispielsweise aus der Europa League nicht (zumindest nicht dass ich wüsste). Letztlich habe ich mich entschieden, lieber saubere, miteinander vergleichbare Daten zu haben, die aus jeweils der gleichen Quelle kommen, als da am Ende etwas durcheinanderzumixen, was unterschiedlich erhoben wurde und was die Ergebnisse noch viel stärker verfälschen und uninterpretierbar machen würde.

  3. Stimmt, Du hattest das mal erwähnt, das bei den internationalen Spielen keine vergleichbaren Daten vorhanden sind.
    Das ist schade, weil ich wirklich denke, das es sich leicht verschieben würde, denn international hat ja RH immer das aktuelle 1A Team auf das Feld geschickt und am WE drauf in der Buli rotiert.

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