Bundesliga: RB Leipzig vs. FC Bayern München 0:0

33. Spieltag der Bundesliga. RB Leipzig empfängt den FC Bayern München. Für die einen geht es um die Meisterschaft, für die anderen nur darum, vor dem DFB-Pokalfinale ein gutes Gefühl und ein paar Erkenntnisse mitzunehmen. Vielleicht ganz folgerichtig, dass die Partie, in der die Gäste insgesamt etwas im Vorteil sind, 0:0 ausgeht.

Ralf Rangnick stellte für die Partie gegen Bayern auf zwei Positionen um. Nordi Mukiele und Kevin Kampl (gesperrt) blieben draußen. Dafür standen Diego Demme und Marcel Sabitzer in der Startelf. Organisiert war RB wieder mal in einem 4-3-3 alias 4-4-2 mit Raute statt mit einer Dreierkette. Besetzt war die Mannschaft in letzter Konsequenz mit den Spielern, die die größte taktische Disziplin versprachen. Entsprechend saßen Spieler wie Haidara und Mukiele auch erstmal auf der Bank.

Der FC Bayern wechselte durchaus erwartungsgemäß genau einmal. Mats Hummels durfte mitmachen. Jerome Boateng saß dafür draußen. Taktisch änderte sich bei den Bayern nichts, sodass es irgendwas bei einem 4-2-3-1 blieb, wobei gerade Müller da ein freies Radikal spielt.

Die erste Halbzeit zwischen Leipzig und München war eine recht intensive Angelegenheit. Da war durchaus viel Feuer in der Partie, inklusive einigen ‚Gesprächen‘ zwischen dem einen oder anderen Pärchen (Müller und Orban zum Beispiel). Fußballerisch war es dagegen überschaubar. Was sich auch in den Offensivleistungen widerspiegelte. 3:3 Torschüsse zeugen davon. Vielleicht zwei davon (beide von den Bayern) waren auch gefährlich.

Die ersten zehn Minuten war der Respekt bei RB Leipzig scheinbar noch recht groß. Man lief viel hinterher und war bei Ballgewinnen oder im Ballbesitz zu überhastet, um einmal klare Aktionen zu haben. Genaugenommen war das aber auch (auf höherem Niveau) das Muster der gesamten 90 Minuten, dass RB mit dem Ball viel zu überhastet war.

Die grundsätzliche Spielanlage war klar. Bayern hat den Ball und versucht ihn nach vorn zu bewegen, indem man von links nach rechts und zurück nach der Lücke sucht. Die Ballsicherheit des FCB ist da schon noch mal im Ligavergleich auch unter Druck eine andere Nummer als bei allen anderen Klubs. Trotzdem verteidigte das RB meist recht gut, weil man im Spiel gegen den Ball viel investierte und Laimer und Sabitzer aus der Mittelfeldreihe immer wieder gut mit nach außen arbeiteten, um die dortigen Bayern-Duos zuzustellen.

Glück gehabt. Der Ball trudelt nicht ins Tor, sondern kann geklärt werden. | Foto: Dirk Hofmeister

Ein Team, das den Ball hat und kaum Lücken findet. Das andere Team, das versucht den Ball zu erobern, aber nach Ballgewinnen kaum Präzision hat. Entsprechend wenige Chancen kamen dabei heraus. Gnabry hat eine sehr große Chance, als Lewandowski sich rechts mal durchtanken kann, scheitert aber aus Nahdistanz an Gulacsi und am Pech. Noch mal Gnabry nach fast 40 Minuten aus halblinker Position mit einer nicht ganz so großen Chance, die Gulacsi sicher pariert. Auf der anderen Seite gibt es ein paar halbe Chancen und einen abgeblockten Poulsen-Schuss. Ein überhasteter Werner-Abschluss nach nicht gut ausgespieltem Konter kurz vor der Pause ist letztlich der einzige RB-Schuss auf das Bayern-Tor in den ersten 45 Minuten.

Das ist aus RB-Sicht durchaus wenig, was offensiv lief. Aber auch eine Folge einer guten Bayern-Organisation. Niko Kovac steht nun mal dafür, immer möglichst viele Spieler hinter dem Ball zu haben. Und so sammelten sich selbst bei RB-Ballgewinnen meist fünf, sechs FCB-Akteure am eigenen Strafraum, sodass es dort mehr gebraucht hätte, als Geschwindigkeit in der Tiefe. Und im Notfall sprintete eben auch mal ein Coman (gegen Laimer) mit zurück und entschärfte eine potenziell gefährliche Situation.

Zur zweiten Halbzeit stellte Ralf Rangnick vom Rauten-4-4-2 aka 4-3-3 um auf ein 4-2-2-2 oder 4-2-3-1 mit Poulsen auf der linken Seite(!) und mit Forsberg zentral zwischen Zehn und gegen den Ball neben Werner agierend. Interessante Formation, die vor allem dem Problem begegnen sollte, dass Sabitzer und Laimer in der ersten Halbzeit viele Sprints ziehen mussten, um die Außenbahnen mit abzudecken. Durch die neue Formation, waren die Außenbahnen besser mit abgedeckt.

Problem an der neuen Formation, dass man damit nun phasenweise noch tiefer nach hinten fiel, weil man in der vordersten Linie kaum noch Druck aufbauen konnte. Entsprechend konnten die Bayern mit ihrer Passsicherheit noch mal etwas besser den Ball von der einen Seite auf die andere oder auch einfach mal zentral in eine Lücke spielen. Das Spiel wurde dadurch etwas offener, weil es sich stärker in die FCB-Hälfte verlagerte und gleichzeitig mehr Räume für RB in die Tiefe entstanden.

Am ungenauen RB-Spiel änderte sich in vielen Situationen nichts, sodass die Konter, die man hatte, meist irgendwo versandeten. Bis auf zwei Halstenberg-Abschlüsse passierte offensiv auch in dieser Halbzeit bei RB nicht viel. Frappierend auch, dass man selber viel zu viele Bälle schnell und auch in gefährlichen, zentralen Zonen (Sabitzer zum Beispiel) verlor. Einige Male, dass die Bayern-Spieler nach solchen Ballgewinnen mit viel Raum Richtung RB-Strafraum ziehen konnten. Einige Male, dass die Viererkette hintendrin in brenzligen Situationen klären oder auf das Abseits vertrauen musste.

Goretzkas Tor zählt nach 50 Minuten entsprechend nicht, weil zuvor Lewandowski im Abseits an den Ball kam. Gnabry schießt ebenfalls aus dem Abseits an die Latte. Ribery scheitert dann schon spät (mal ohne Abseits) an Gulacsi. Und Lewandowski zirkelt einen Freistoß knapp rechts am Tor vorbei, als der RB-Keeper schon geschlagen ist.

Insgesamt war Bayern nicht nur das spielbestimmende, sondern auch das gefährlichere Team. Mit einem sehr hohen Anlaufen ließ man den RasenBallsportlern kaum Raum für eine eigene Spielentwicklung (für die es aber auch sichtlich keinen Plan gab, außer den Ball lang links  auf Poulsen zu schlagen). Auch dahinter machte das Kovac-Team, den Raum gut dicht (auch in Umschaltmomenten von RB stellte man die Spieler schnell und gut zu), sodass man damit auch Forsberg trotz einiger guter Bewegungen wirkungsvoll aus dem Spiel nahm. Und wenn RB doch mal mit Raum ins Umschalten kam, dann zog der FCB das taktische Foul, um den Konter zu verhindern. Das war von wenigen Ausnahmen abgesehen schon sehr gut verteidigt von den Bayern. Inklusive vieler Ballgewinne in für RB untypischen Zonen.

Die Offensivbemühungen von RB Leipzig wirkten gegen die Bayern gelegentlich etwas ungelenk. | Foto: Dirk Hofmeister

Einen Vorwurf muss sich der FC Bayern nur hinsichtlich der eigenen Torausbeute machen. Zwar war man über 90 Minuten das deutlich gefährlichere Team, aber nur vier Abschlüsse von innerhalb des Strafraums sind für dieses dominante Spiel und für eine fast durchgängig gute Restfeldverteidigung absolut zu wenig. Es ist aber auch ein Kompliment für die Defensivarbeit von RB Leipzig. Denn mit viel Aufwand und Engagement verengte man immer und immer wieder auch nach Ballverlusten die Räume in der eigenen Hälfte oder räumte dann im Strafraum alles weg, was wegzuräumen war, profitierte aber auch von vielen halbherzigen Bayern-Flanken oder ungenauen Zuspielen der Gäste, wenn es darum ging eine Situation auszuspielen.

Fazit: Ein 0:0, das sich RB Leipzig mit viel Aufwand in der Defensivarbeit verdiente, bei dem aber mit dem Ball vieles überhastet und ungenau war, sodass kaum eine klare Torchance raussprang. Bayern war über 90 Minuten das gefährlichere Team, verpasste es aber aus drei, vier sehr guten Chancen den entscheidenden Treffer zu machen und scheiterte zudem am Abseits. Es war ein sehr intensives Spiel zweier Mannschaften, die defensiv wenig zuließen, aber offensiv in unterschiedlichem Ausmaß ihre Mängel hatten.

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Randbemerkung 1: Nach 33 Spielen RB Leipzig mit 16(!) Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher 14 Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt) (verglichen werden jeweils die Heimspiele der Vorsaison mit den Heimspielen in dieser Saison gegen die jeweiligen Gegner und analog die Auswärtsspiele). Gegenüber der Hinrunde (Ziel war es in der Rückrunde noch mal 31 Punkte zu holen) hat Leipzig nach 16 Spielen seit der Winterpause sieben Punkte mehr auf dem Konto und damit schon jetzt vier mehr als in der Vorrunde insgesamt.

Randbemerkung 2: Nun ist es endgültig Platz 3 in der Bundesliga für RB Leipzig (es gibt nur zwei Plätze, die vor dem letzten Spieltag feststehen, das ist Platz 3 für RB und Platz 16 für den VfB). Die letzte, theoretische Chance auf Platz 2 ist dahin. Aber das ist jetzt auch nichts, weswegen man sich emotional den Felsen hinunterstürzen müsste. Bestes Rückrundenteam kann RB auch nicht mehr werden. Zweitbestes Rückrundenteam ist man bereits. Letzte Ziele für die Saison sind das beste Defensivteam der Liga zu bleiben und mehr Punkte zu holen als in der ersten Bundesligasaison. Aktuell sind es 66, unter Hasenhüttl waren es 2016/2017 67 Punkte. Wird in Bremen am letzten Spieltag nicht ganz einfach, da es für die im Kampf um einen Platz in Europa (oder zumindest einen Platz in der Europa-League-Qualifikation) noch um was geht.

Randbemerkung 3: Nur ein Tor und ein Punkt in vier Spielen gegen Bayern und Dortmund. Auch das eine der Wahrheiten der Saison. Eine entscheidende Wahrheit, wenn es um heimliche Träume Richtung ganz oben geht. Die Saison war eine sehr gute, aber es fehlte halt auch in den entscheidenden Momenten ein Stück in Richtung der beiden Topteams.

Randbemerkung 4: Die Ungeschlagen-Serie hielt. 18 Pflichtspiele ohne Niederlage seit der Niederlage zum Rückrundenauftakt gegen Dortmund sind es nun für RB Leipzig nach dem 0:0 gegen den FC Bayern. Fehlen nur noch zwei Spiele diese Saison..

Randbemerkung 5: Letztlich aus RB-Sicht ja die Frage, was man aus so einem Spiel im Hinblick auf den Pokal mitnehmen kann. Positiv diesbezüglich sicher, dass man defensiv und im Spiel gegen den Ball über fast die komplette Spielzeit viel richtig machte. Dass man allerdings nur sehr wenig produktiven Ballbesitz hatte, viele Bälle früh verlor und weder Umschaltsituationen gut ausspielte, noch den Gegner mal laufen ließ, waren allerdings keine guten Nachrichten. Genau das brauchts du gegen die Bayern aber auch mal, um nicht 90 Minuten lang nur hinterherzulaufen. Im Heimspiel sah man spätestens nach 70 Minuten, dass das den RB-Spielern an die Substanz ging und sie sich (schon vom Kopf her) schwer taten, jede Ballverlagerung mit dem selben Engagement mitzugehen wie in der 25. Minute. Heißt letztlich nur, dass es im Pokalfinale besseren Ballbesitz braucht, um den Gegner auch mal in dessen Defensive zu beschäftigen und den Kopf vom permanenten Hinterherlaufen freizukriegen. Letztlich muss man nach diesem Spiel nicht allzu pessimistisch sein (man darf auch nicht vergessen, dass das ein FCB-Meisterschafts-Matchballspiel war, in dem RB einen Punkt holte). Allerdings bleibt angesichts der Mängel im Ballbesitz auch ein gewisses Magen-Grummeln. Aber vielleicht ja auch ganz gut, dass man in diesem Spiel ein paar Dinge gezeigt bekommen hat, an denen man in den kommenden zwei Wochen bis zum großen Finale noch arbeiten kann und muss.

Randbemerkung 6: Mal wieder sehr späte Wechsel. Verstehe ich weiterhin nicht. In der Phase der Saison und ohne Tabellendruck erst nach der 80. Minute zu wechseln, kommt mir verschenkt vor. Da kann man Haidara, Mukiele oder Smith Rowe (oder wem auch immer) auch mal ein paar Minuten mehr geben. Man hat ja letztlich nichts zu verlieren, sondern eher die Möglichkeit, Spielern mal die Chance zu geben, sich stärker zu zeigen oder auch in Sachen Belastungssteuerung stärker einzugreifen. Klar, in so einem engen, intensiven Spiel ist jeder Wechsel auch immer ein Eingriff in die Spielbalance. Aber wie gesagt, wann wenn nicht in einem Spiel, in dem es um nichts mehr geht und in dem man schon nach 70 Minuten genug Erkenntnisse in Richtung Pokalfinale gesammelt hatte.

Randbemerkung 7: Diego Demme durfte in Abwesenheit von Kevin Kampl nach zehn(!) Ligaspielen erstmals wieder in der Startformation stehen. Für denjenigen, der zuvor unverzichtbarer Stammspieler war, eine ewige Zeit. So etwas gab es in seinen RB-Tagen noch nie. Dass er so lange draußen saß, merkte man seinem Spiel ein wenig an. Dass er der Erste war, der ausgewechselt wurde, düfte ihm auch nicht sonderlich gefallen habe (zumindest sah er bei seiner Auswechslung nicht sehr glücklich aus). Richtung DFB-Pokalfinale sicherlich kein sonderlich gutes Zeichen, in diesem Spiel, das ein Bewerbungsspiel gewesen sein dürfte, weder den ganz großen Fußabdruck hinterlassen zu haben, noch bis zum Ende durchspielen zu dürfen. Ich schrieb es vor ein paar Wochen schon mal, dass ich ein DFB-Pokalfinale ohne Demme sehr schade finden würde. Allerdings muss man auch zugeben, dass die Variante mit Kampl auf der Sechs in den letzten zwei Monaten meist deutlich besser funktionierte.

Randbemerkung 8: Wie schwer sich RB tat, den Gegner zu beschäftigen, zeigte sich auch in der Zweikampfbilanz von Niklas Süle (der eine gute Partie machte). Gerade mal sechs Zweikämpfe führte er in 90 Minuten (Konaté führte 24). Man könnte auch sagen, dass Süle weitgehend beschäftigungslos war. Ein bisschen mehr fordern hätte man die Innenverteidigung der Bayern dann doch dürfen..

Randbemerkung 9: Niko Kovac hatte ein Spiel gesehen, in dem alles drin war, „was ein Topspiel beinhaltet“. Hmm. Mir persönlich war es dafür auf RB-Seite mit dem Ball bei weitem nicht gut genug. Und auch auf FCB-Seite fehlte dafür dann im vordersten Drittel die entscheidende Qualität.

Randbemerkung 10: Vor der Partie durfte MotoGP-Weltmeister Marc Marquez einmal durch die Red Bull Arena knattern und ein bisschen für Qualm sorgen. Seltsamer Auftritt. Klar, Promo für den Sachsenring-GP, schon auch ok (ich mein, es gibt die Trallala-Challenge in der Halbzeitpause, dagegen ist das Rumknattern mit einem Moped vor dem Spiel extrem harmlos), aber irgendwie wirkte es auch so völlig zusammenhanglos in den Ablauf vor Spielbeginn eingebaut, dass sich (mir) die Sinnfrage stellte. Aber von Seiten des Publikums schien es insgesamt positiv angenommen worden zu sein (subjektiver Eindruck).

Randbemerkung 11: Im RB-Block ein Banner, das sich gegen die MotoGP-Promo im „Zentralstadion“ wendete. Aus ganz ferner Sicht schien das Banner auch nicht jeder gern hochzuhalten. Später gab es dann ein Banner, in dem Rangnick dafür angekackt wurde, dass er letztens im Sportstudio einem Bayern-Fan eine Einladung in den RB-Block beim Pokalfinale ausgesprochen hatte. Im Bayern-Trikot. Nun ja, in der Sache nachvollziehbar, im Ton vielleicht etwas doll, Rangnick (bzw. vermutlich eher der Idee der Marketingabteilung des Vereins) diesbezüglich auf die Füße zu treten.

Irgendwas mit Mopeds und Zentralstadion. | Foto: Dirk Hofmeister

Randbemerkung 12: Große Choreo im ganzen Stadion zum zehnjährigen Geburtstag von RB Leipzig. Bin jetzt generell nicht der große Choreo-Jubler und -Experte, aber es sah durchaus gelungen aus, auch wenn der Galaxie-Verweis irgendwie überstrapaiert wirkte. Für Furore sorgte, dass der Astronauten-Teil der Choreo vorher bei Twitter geleakt wurde. Eine ungeschriebene Regel besagt, dass es nichts schlimmeres gibt als eine vorher geleakte Choreo (auch das ein Teil dessen, warum ich da eher distanziert draufschaue), weswegen der Leak mit einem gewissen Unmut verbunden war. Dass RBlive dem dann auch noch zusätzliche Reichweite gab, sorgte noch mal für Extra-Empörung. Angesichts dessen, dass es den Machern einer solchen Choreo wichtig ist, dass es geheim bleibt, emotional sicher nachvollziehbar. Am Ende war es aber auch ein bisschen viel Aufregung für etwas, was vermutlich ein paar Tausend Menschen vor allem aus dem RB-Universum mitbekommen haben und nur einen kleinen Ausschnitt aus einer Stadionchoreo zeigte. Oliver Mintzlaff knipste jedenfalls vor Anpfiff zufrieden Handy-Bilder von der Choreo. Und Dietrich Mateschitz hielt gleich daneben eine Choreo-Folie in die Luft. Also Ende gut, alles gut..

Randbemerkung 13: Irgendwas mit Fanmarsch im Regen vor dem Spiel gegen Bayern. Da zur Mittagszeit durch das grauverregnete Leipzig zu latschen, war vermutlich auch nicht gerade etwas, das sich mit dem Wort Hedonismus zusammenfassen lässt.

Randbemerkung 14: Irgendwas mit „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ gab es auf dem Fanmarsch auch. Lustig in dem Zusammenhang auch jene Bayern-Fans, die zu Beginn der zweiten Hälfte eine Rakte in den Himmel schossen (kein Vergleich mit dem Silvester-Arsenal, was beim Spiel in Nürnberg gezündet wurde) und ein ‚Wir schießen RB auf den Mond‘-Banner dazu präsentierten. Wohl wegen dem geleakten Astronauten in der Choreo, auf den man sich beziehen konnte. Ja, naja. Da ist man dann manchmal auch einfach sprachlos angesichts dieser Spielchen und der verwendeten Symboliken.

Randbemerkung 15: Letztes Heimspiel der Saison. Nicht so die feierliche Stimmung, die ein solches Spiel sonst oft hat. Weil im Hinterkopf halt das Pokalfinale steckt als Highlight der Saison und entsprechend noch lange kein Gefühl von Saisonende aufkommt. Überrraschend vielleicht, dass die Gelegenheit nicht genutzt wurde, Nachwuchschef Frieder Schrof zu verabschieden, der im Sommer aufhört. Hätte ich zumindest damit gerechnet, dass man das tun würde. Vielleicht ist es einfach nur auf den Supercup Anfang August verschoben (der wird doch immer im Stadion des Pokalsiegers ausgetragen, oder?)..

Randbemerkung 16: Timo Werner mit einer überschaubaren Partie. Ein paar gute Situationen, in denen er in guter Position an den Ball kommt. Aber auch einige falsche Entscheidungen und der stärker werdende Spleen, sich tief fallen zu lassen, um auch mal den Ball zu kriegen. Was dann aber mit unsauberen Pässen durchaus schiefgehen kann. In der Bundesliga steht Werner diese Saison nun bei 107 Torschüssen, aus denen 16 Tore resultierten (15% Erfolgsquote). Poulsen (dessen Formkurve eher nach unten weist) machte aus 62 Schüssen 15 Tore (24%). Augustin (der völlig auf dem Abstellgleis steht) brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für zwei Tore 31 Schüsse (6%). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 29 gewonnenen Dribblings in 90 Versuchen (32% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 24 von 65 (37%), Augustin bei acht von 19 (42%) und Cunha bei 15 von 27 (56%!).

Randbemerkung 17: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 33 Bundesligaspielen: 121:98 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 9:5 Tore gefallen (Elfmeter zählen statistisch nicht als Standard, direkte Freistöße schon). Gegen Bayern, die eigentlich ein gutes Standardteam sind, hat RB zu viele ruhende Bälle zugelassen, aber diese meist sehr gut verteidigt. Offensiv passierte nach Standards aber praktisch gar nichts (gab auch nicht viel). Das ist dann leider typisch für die letzten Wochen.

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Lichtblicke:

  • Ibrahima Konaté: Die Maschine. Uli Hoeneß fragt mal freundlich bei Salihamidzic nach, ob sie mit Werner nicht den falschen Spieler auf dem Zettel haben, aber der Sportirgendwas winkt mit Verweis auf das für Konaté nicht ausreichende Festgeldkonto nur entnervt ab. Wie der 19-Jährige da in der Defensive Lewandowski und Co abgekocht hat, war teilweise ganz großes Kino (bis auf eine Szene tief in der zweiten Halbzeit, als ihn ein Freistoßpfiff vor einem vertändelten Ball rettet). Es fehlt manchmal noch die Abgeklärtheit und Qualität im Passspiel. Aber hey: 19 Jahre. Bei der Entwicklung stehen Konaté karrieretechnisch alle Türen offen. Nächste Saison dann theoretisch eine Dreierkette mit Upamecano, Konaté und Mukiele. In Sachen Physis wird das ein ganz großer Spaß..
  • Peter Gulacsi: Ja, so einige (taktisch gewollte) Abschläge auf die linke Seite auf Poulsen, wo der dann per Kopf verlängern sollte, nervten, weil daraus meist nicht mehr als ein Ballverlust entstand. Aber in seiner eigentlichen Rolle als Keeper war Gulacsi wieder sehr gut. Sowohl wenn es darum ging, Torschüsse abzuwehren, aber auch wenn es um das Verteidigen von Flanken ging. Fehlerlos im eigenen Strafraum und wichtiger Rückhalt. (Kleine Randbemerkung: Wie schon in Mainz bewegt sich Gulacsi bei einem Freistoß sehr schnell aus der Torwartecke heraus auf die andere Seite und kann dem in die Torwartecke geschossenen Ball nur hinterherschauen. Beide Male wird es nur deswegen kein Tor, weil die Schützen den Ball jeweils knapp vorbeischießen. Als gegnerischer Trainer würde ich jetzt wohl meinem Schützen empfehlen, in jedem Fall auf die Torwartecke zu schießen..)
  • Lukas Klostermann/ Marcel Halstenberg: Nicht ganz einfach, gegen ein flügellastiges Bayern mit Gnabry und Coman (und später Robben und Ribery) zu verteidigen, aber beide auf ihren Seiten mit sehr guten Leistungen. Klostermann mit dem taktisch saubereren und defensivstärkeren Auftritt. Halstenberg klassisch stärker als spielmachender Außenverteidiger gefragt und mit einer guten Abschlusschance in der zweiten Halbzeit. Beiden wird auch im Pokalfinale eine entscheidende Rolle zukommen.

Konaté steht, Lewandowski liegt am Boden. So ging das Duell zumeist aus. | Foto: Dirk Hofmeister

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Tore: keine

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg – Sabitzer, Demme (82. Haidara), Laimer (86. Mukiele) – Poulsen, Forsberg (90. Smith Rowe), Werner; Bank: Müller, Saracchi, Bruma, Cunha; Nicht im Kader: Upamecano, Adams, Mvogo (alle Trainingsrückstand), Kampl (gesperrt), Ilsanker, Augustin, Nukan

Aufstellung Bayern München: Ulreich – Kimmich, Süle, Hummels, Alaba – Goretzka, Thiago (81. Rafinha) – Gnabry (78. Ribery), Müller, Coman (89. Robben) – Lewandowski

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Sehr souveränes Auftreten mit guter Spieleransprache. Bleibt aber auch dabei, dass Gräfe versucht, Dinge über Ansprache und Körpersprache zu lösen und nicht über gelbe Karten. Kimmichs Einsatz gegen Laimer in der ersten Halbzeit hätte ich für sehr gelbwürdig gehalten. Auch RB kam ein-, zweimal ohne gelbe Karte sehr gut weg. Bei zwei Situationen im Umkehrspiel in der zweiten Hälfte zog Gräfe dann aber auch konsequent in Situationen gelb, in denen keine andere Wahl mehr blieb und damit seiner Linie treu. Das Tor nahm der Videoassistent zurück, weil er ein knappes Abseits per Linien nachgewiesen hatte. Dann soll es so sein (nein, keine Lust über Hoeneß und seine Interpretation der Szene zu reden, weil es in Bezug auf die Regularien des Videobeweises einfach Quatsch ist). Fünf Minuten Nachspielzeit nach einer zweiten Hälfte, in der bis auf den Videobeweis keine größeren Unterbrechungen passierten und keine Tore fielen, war für deutsche Verhältnisse arg viel. So arg viel, dass selbst Tim Thoelke beim Ansagen fassungslos wirkte. Schöne Situation mit seltenen (zumindest innnerhalb eines Spiels seltenen) Emotionen seitens des Stadionsprechers.)

Gelbe Karten: – | Goretzka, Coman

Zuschauer: 41.939 (davon 5.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, FCB-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 10 : 11
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 8 : 4
  • Schüsse auf das Tor: 3 : 5
  • gewonnene Zweikämpfe: 50,2% : 49,8%
  • Ballbesitz: 38,7% : 61,3%
  • Passquote: 77,2% : 72,6%
  • Laufstrecke: 115,7 km : 115,0 km
  • Sprints: 242 : 212
  • Intensive Läufe: 667 : 648
  • Fouls: 11 : 9
  • Ecken: 1 : 6
  • Abseits: 2 : 7
  • Meiste Torschüsse: Werner, Poulsen: je 3 – Gnabry: 3
  • Meiste Key-Pässe: Halstenberg: 3 – Müller, Lewandowski: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Konaté: 79,2% – Hummels: 66,7%
  • Meiste Ballkontakte: Halstenberg: 65 – Süle: 117
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Klostermann: 91,3% – Hummels: 97,4%
  • Größte Laufstrecke: Sabitzer: 11,8 km – Müller: 12,2 km
  • Meiste Sprints: Laimer: 35 – Gnabry: 31

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com, sport.de

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Saisontorschützen: Werner – 16; Poulsen – 15; Klostermann – 5; Sabitzer, Orban, Forsberg – je 4; Augustin, Halstenberg – je 3; Kampl, Cunha – je 2; Bruma, Laimer, Konaté, Haidara – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 11; Forsberg – 9; Halstenberg – 8; Poulsen – 7; Kampl – 6; Sabitzer – 5; Demme – 3; Orban, Laimer, Klostermann, Adams – je 2; Bruma, Cunha, Konaté, Mukiele – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Halstenberg, Sabitzer – je 14; Kampl – 13; Orban – 11; Poulsen – 9; Forsberg, Konaté – je 8; Klostermann – 7; Mukiele, Adams, Upamecano – je 6; Demme, Gulacsi – je 5; Laimer, Werner – je 4; Saracchi – 3; Cunha, Ilsanker, Bruma, Haidara – je 2

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Bild: © Dirk Hofmeister

5 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. FC Bayern München 0:0“

  1. Vielen Dank für den Spielbericht. Besonders gut waren wieder die Randbemerkungen. Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit, dass es hier weitergeht.

  2. Ich denke weniger, dass RB relativ schwach war, sondern die Bayern haben sehr gut gespielt. Gegen Bayern die gut in Schuss sind und voll motiviert antreten zu bestehen ist schon eine starke Leistung von RB.
    Neben den genannten Spielern hätte ich übrigens noch Laimer sehr stark gesehen (hoffentlich hat er sich am Knie nichts ernsthaft getan). Mit ganz geringen Abstrichen auch Orban.
    Sehr gut gefallen hat mir die verbesserte Defensive speziell im Vergleich zu den letzten beiden Spielen. Ich bin zu wenig Experte, habe aber aber schon das Gefühl, dass das diese Saison mit Viererkette besser funktioniert als mit Dreier-/Fünfer. Ein bisschen Zusatzmotivation wenn es gegen die Bayern geht mag natürlich auch eine Rolle gespielt haben.
    Ansonsten sind hier mal wieder alle Punkte (und noch mehr) genannt, die mir selbst eingefallen wären, mann, werde ich diese Berichte vermissen…

  3. Gibt es eventuell die Möglichkeit, dass der Podcast regelmäßig weitergeht? Er war immer sehr informativ und da er nur 1-2 Mal pro Saison aufgenommen wird, wäre der Aufwand auch nicht sooo groß.

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