Bundesliga: FC Bayern München vs. RB Leipzig 1:0

16. Spieltag in der Bundesliga. Mal wieder die Fahrt nach München. Mal wieder ein Platzverweis für RB Leipzig, wenn auch diesmal sehr spät. Mal wieder eine (insgesamt verdiente) Niederlage trotz guter Defensivleistung. Nichts neues im Süden..

Ralf Rangnick schickte in Abwesenheit von Marcel Sabitzer die erwartete Elf ins Rennen. Seine Top-Elf. Orban musste deshalb auf die Bank, weil in einer Viererkette für ihn derzeit bei Bestbesetzung kein Platz ist. Bruma und Laimer rückten in die Mannschaft. Gespielt wurde ein 4-2-2-2, mit dem man defensiv auch in der Breite des Spielfelds gut aufgestellt sein wollte (ewas was im 4-3-3 nicht ganz so gut möglich ist).

Bayern spielte auf der anderen Seite zu Beginn erwartungsgemäß mit der Elf, die in Hannover bei 33 Torschüssen einen neuen Bundesliga-Saisonrekord aufgestellt hatte. Allerdings musste man nach einer knappen halben Stunde den bis dahin starken Serge Gnabry verletzungsbedingt ersetzen. Franck Ribery kam dadurch dann doch noch zu einem längeren Einsaatz.

Die erste Halbzeit war für den neutralen Beobachter ein ziemlicher Langweiler. 2:1 Torschüsse von innerhalb des Strafraums. 1:1 Chancen, die jeweils am Aluminium landeten. So richtig viel Offensivgeist war nicht.

Dabei hatte man am Anfang das Gefühl, dass die Bayern durchaus ein Statement setzen wollten. Aber die erste Phase mit guten Seitenverlagerungen und ein paar verheißungsvollen Ansätzen ging relativ schnell vorbei, weil die Gäste sich schnell in die Partie und in ihre Defensivformation fanden und nach fünf Minuten den Rangnick-Plan, die Bayern-Offensivspieler von ihrer Zufuhr abzuscheiden, ganz gut umsetzten.

Dabei musste RB relativ viel Aufwand gehen. Das 4-2-2-2 passte relativ gut, um vorn den Spielaufbau über die Außenverteidiger anlaufen zu können und gleichzeitig auf den Außenbahnen nicht in Unterzahl zu geraten. Gerade aber im Bayern-Sechserraum musste man unheimlich viel arbeiten, um dort vor allem Thiago nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Entsprechend musste sich entweder ein Stürmer nach hinten orientieren oder ein Sechser (meist Demme) nach vorn orientieren, weil nicht automatisch jemand auf Thiagos Füßen stand, da ja in RBs Zehnerraum nominell niemand spielte.

Immer wenn es Thiago mal schaffte, sich in der Zentrale mit Blick Richtung RB-Tor zu lösen und Poulsen abzuschütteln, ohne dass ein Demme schon da war (was mit zunehmender Spielzeit immer öfter mal funktionierte), wurde es dann gleich gefährlich, weil Thiago dann mit gutem Auge die Bälle verteilte und die Mitspieler einband, ohne das Tempo aus den Angriffen zu nehmen. Durchaus eindrucksvolle Vorstellung des Mittelfeldmanns in einem Spiel, in dem es ansonsten vornehmlich um Defensive ging. Vielleicht der entscheidende Unterschied zwischen RB und FCB an diesem Abend.

RB machte in dieser ersten Halbzeit in München viel richtig. Nach anfänglichen Problemen von Halstenberg stand die Defensive sicher. Mit Bruma und Laimer hatte man auf den Außenbahnen zwei Spieler, die fleißig mithalfen, die Räume zuzulaufen. Demme und Kampl machten ihren Job in der Zentrale mit gewohnter Aggressivität. Und Poulsen und Werner ließen vorn wenig an geordnetem Aufbau zu. Entsprechend fahrig wirkte dann das Bayern-Spiel auch, die kaum einmal funktionierende Angriffe vortrugen und vor allem auf inidividuelle Klasse auf den Außenbahnen setzten.

Offensiv passierte derweil auf RB-Seite auch wenig. Vieles was man an Ballgewinnen oder Angriffssituationen hatte, wurde zu hektisch oder zu ungenau ausgespielt. Hauptangriffsidee war, Bälle in Richtung Poulsen zu spielen, der sie sichern oder in den Lauf von Werner verlängern sollte. Damit war der Bayern-Defensive aber kaum beizukommen. Gerade Süle machte gegen die RB-Angreifer ein sehr gutes Spiel.

Auch das Nachrücken von RB Leipzig war nicht immer konsequent, wenn der lange Ball auf Poulsen kam, sodass es wenig Chancen gab, die zweiten Bälle zu holen. Klostermann ging ein, zwei Mal in den Bayern-Strafraum, wobei die rechte Seite mit Laimer/ Klostermann per se nicht so offensivstark aufgestellt war. Links kam Bruma immer mal in guten Positionen an den Ball, konnte daraus aber keine Gefahr kreieren, weil er die Geschwindigkeit nicht mitnahm oder er an einem Gegenspieler hängen blieb. Und die ein, zwei Mal, in denen Halstenberg offensiv mithalf, blieb auch der hängen.

Letztlich reduzierte sich die erste Halbzeit chancentechnisch auf zwei Situationen. In der einen stand Lewandowski wie aus dem Nichts nach Gnabry-Zuspiel allein vor Gulacsi, der den Abschluss aber mit Glück und sehr viel Geschick noch an den Pfosten lenkte, von wo der Ball parallel zur Torlinie entlangtrudelte und dann ins Toraus rollte.

Auf der anderen Seite war es ein Standard, der bei den Offensivbemühungen helfen musste. Dayot Upamecano köpfte eine Kampl-Ecke an die Latte.

0:0 zur Pause. Das war im Vergleich zu den bisherigen Spielen in München schon mal eine deutliche Verbesserung. Während die Spiele in den letzten beiden Jahren mit Platzverweisen und vielen Bayern-Toren vor der Pause viel Action zu bieten hatten, war das Spiel diesmal aus Gästescht fast schon angenehm langweilig.

Einmal konnte sich Ribery gegen RB Leipzig durchsetzen. Reichte zum 1:0-Sieg. | GEPA Pictures - Thomas Bachun

Die zweite Halbzeit wurde nur dezent abwechslungsreicher und ging mit zunehmender Spielzeit vor allem immer stärker in Richtung Bayern. In den ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit änderte sich am Spiel aber wenig. RB ließ die einfallslosen Bayern überhaupt nicht zur Geltung kommen. Die FCB-Defensive räumte derweil in letzter Linie alles weg, was an langen Bällen oder an Eins-gegen-Eins-Versuchen so auf sie zukam. Und wenn RB mal aus der zweiten Reihe zum Abschluss kam, dann kamen da wie schon vor der Pause nur harmlose Schüsschen heraus.

Je länger das Spiel dauerte, desto schwerer wurde es für RB den Sechserraum der Bayern auch konstant zu bearbeiten. Da merkte man einem Poulsen auch mal an, dass er nicht zwei Sprints hintereinander anziehen kann. Manchmal wurde der Raum zwischen Stürmern und RB-Sechsern zudem zu groß, sodass Bayern die Bälle in diesen Zwischenraum spielen konnten. Generell rückte die RB-Formation immer weiter nach hinten, sodass die Bayern mehr Aktionen in Strafraumnähe starten konnten oder auch mal einen Standard am Gästestrafraum rausholten.

Es war kein Sturmlauf der Bayern. Dafür verteidigten die Gäste weiter zu konzentriert und waren die FCB-Bemühungen nicht genau genug. Aber der Druck auf den RB-Strafraum erhöhte sich gerade in den letzten 20 Minuten eben auch spürbar. Müller nach einer Alaba-Flanke am langen Pfosten vorbei. Süle nach Gulacsi-Fehler bei einer Flanke über das Tor. Kimmich nach Durcheinander per Kopfball aus Nahdistanz an Gulacsi scheiternd. Zwischen 70. und 80. Minute war vor dem RB-Tor mehr los als im gesamten Spiel zuvor. Drei von insgesamt nur sieben Abschlüssen von innerhalb des Strafraums hatten die Bayern in dieser Zeit.

Die Partie stand in dieser Phase trotz Bayern-Chancenüberlegenheit gefühlt auf der Kippe. Weil sich der FCB auch einige Ballverluste in gefährlichen Zonen leistete. Und weil RB gelegentlich gut am Bayern-Pressing vorbei in die Tiefe spielte. Aber das was man an diesem Tag in die Tiefe machte, war entweder schon in der Entstehung zu ungenau und seltsam hektisch oder scheiterte an Eins-gegen-Eins-Situationen am Bayern-Strafraum. Es war erstaunlich, wie wenig die Gäste aus durchaus vorhandenen Räumen machten und wie wenig Durchschlagskraft das Offensivspiel hatte. Aber es ist auch ein Kompliment für die letzte Bayern-Kette, dass sie da gegen Poulsen, Werner, Laimer oder Bruma alles konsequent abräumten und einfach gar nichts zuließen.

Entsprechend der Chancenverteilung war es fast schon logisch, dass die Bayern noch ein spätes Tor schossen. Gegen Sanches konnte Gulacsi noch retten. Aber Upamecano klärte anschließend im Gewühl zu kurz und genau zu Ribery. Und der Franzose in einer Situation, in der er nicht wegen fehlendem Tempo an Klostermann scheitert, sondern in Ruhe den Ball annehmen und einen Schuss antäuschen und zwei RB-Verteidiger vorbeifliegen lassen kann, bevor er den Ball im Tor versenkt. Großartige Übersicht. Leider sehr gut gemacht.

Nach 83 Minuten viel Arbeit gegen den Ball und wenig Durchschlagskraft in der Offensive wartete nun die Aufgabe, auch noch einen Rückstand aufholen zu müssen. Es gab trotz aller (oft auch brotloser) Bemühungen noch genau eine Chance auf den Ausgleich. Und die hatte Poulsen erneut nach einer Ecke. Aus Nahdistanz kam er vergleichsweise frei zum Kopfball, verfehlte das Tor aber knapp. Worüber sich Poulsen auch nach seiner Auswechslung noch intensiv ärgerte.

Der Rest des Spiels war dann fußballerisch wenig aufregend. Ilsanker senste in der Nachspielzeit im Mittelfeld noch Thiago um, was Schiedsrichter Fritz aufgrund der Intensität des Einsteigens zur roten Karte greifen ließ. Sanches beendete seinen Kurzeinsatz auch mit einem Platzverweis (gelb-rot), weil er Ilsanker umschubste. Ribery kam derweil ohne Karte davon. Und dann war auch schon Schluss.

Fazit: Wieder ein Platzverweis gegen RB, wieder eine Niederlage. Nichts Neues für die RasenBallsportler in München. 70 Minuten lang hatte man die Bayern bis auf eine Lewandowski-Chance allerdings durch gutes Defensivverhalten komplett im Griff. Offensiv war es allerdings bei vielen guten Feldpositionen und Umschaltsituationen zu harmlos und auf seltsame Art hektisch, was man in Richtung Neuer produzierte. Da fehlten Power, Genauigkeit und manchmal auch der letzte Mut, um sich gegen eine gute FCB-Defensive mal entscheidend in Szene zu setzen. Schade, dass RB sich für einen aufwändigen und guten Auftritt nicht belohnte. Aber alles in allem war der Bayern-Sieg trotz sichtbarer Probleme in den Offensivabläufen und Spielstrukturen letztlich aufgrund der größeren Anzahl an guten Chancen auch verdient.
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Randbemerkung 1: Nach 16 Spielen RB Leipzig mit genauso vielen Punkten wie in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher neun(!) Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt). Da die Verfolger aus Frankfurt und Hoffenheim nur Unentschieden spielten, ist tabellarisch nicht viel passiert. Hängt jetzt halt am Bremen-Spiel, ob man den Dezember als gelungen oder weniger gelungen interpretiert.. Immerhin kein Auswärtsspiel..

Randbemerkung 2: Fünfte Auswärtsniederlage am Stück. Gab es in der RB-Historie auch noch nicht. Dazu die vierte Auswärtsniederlage hintereinander ohne eigenes Tor. Aber das 0:1 in München war nicht ganz so ärgerlich wie die Niederlagen in Salzburg, Wolfsburg und Freiburg, weil dort das Auftreten der RasenBallsportler schlimm war, während man in München lange viel richtig machte.

Randbemerkung 3: Rund 3.500 RB-Fans mit in München. Rund 4.000 weniger als in der Vorsaison. Insgesamt fuhren in dieser Saison bisher rund 14.500 Fans mit zu den acht Auswärtsspielen, rund 9.500 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen. 5.000 fehlten dabei allein bei der Auswärtsfahrt nach Berlin, 4.000 nun in München.

Randbemerkung 4: Wobei das diesmal die erste realistische Zahl an RB-Auswärtsfahrern in München war. In den letzten beiden Jahren führte der freie Ticketverkauf dazu, dass gerade der Mittelrang eher ein Bayern- denn ein RB-Block war (weswegen die offiziell 7.500 Gästefans schon immer geschönt waren). Diesmal gab es die Tickets für den Gästeblock nicht im freien Verkauf, sodass RB nur den Oberrang füllte, dort aber zu großen Teilen auch RB-Fans waren. Wobei der Anteil derer, die beim Tor für die Bayern aufsprangen und Fäuste ballend in alle Richtungen posierten, doch immer noch erschreckend hoch war. Ich neige sonst nicht zur Radikalität, aber da bewahrte nur meine notorische Catering-Abstinenz den einen oder anderen vor einer eventuellen Bierdusche..

Randbemerkung 5: Immer wieder eher unerfreulich die Fahrt in die Allianz Arena. Wenigsten war ich diesmal vor der weihnachtlichen Lichtshow aus dem Stadion raus. Ob uns in Leipzig auch wieder sowas blüht nach dem Bremen-Spiel?

Randbemerkung 6: Apropos Bremen-Spiel. Das wird noch mal eine ordentliche Herausforderung für den Kopf. Das Spiel bei den Bayern war durchaus überdurchschnittlich laufintensiv. Das in Verbindung mit der Niederlage muss man nun auch erstmal aus den Knochen schütteln. Demme wieder mit 13 gelaufenen Kilometern am Rande des Machbaren unterwegs. Dazu ein ziepender und zippernder Körper. Wird spannend, wer da am Samstag gegen Bremen aufläuft und zu welchem Kraftakt man sich noch mal aufraffen kann. Klappte ja in den Heimspielen in den letzten Wochen aber ganz gut.

Randbemerkung 7: Gerade mal acht Torschüsse von RB Leipzig in 90 Minuten (Bayern auch nur mit zehn). Bemerkenswert aber vor allem, dass von den acht Torschüssen gerade mal zwei von innerhalb des Strafraums abgeben wurden (sieben bei den Bayern). Beide waren Kopfbälle nach Ecken. Aus dem Spiel heraus konnte sich RB kein einziges Mal(!) so in den Strafraum kombinieren, dass dort ein Torschuss abgegeben wurde. Das ist gerade für ein Umschaltteam, bei dem der Anteil an Schüssen von innerhalb des Sechszehners eigentlich immer eher hoch ist, bemerkenswert. Und letztlich zu wenig, um bei den Bayern was mitzunehmen.

Randbemerkung 8: Im Passspiel funktionierte offensiv wenig. Viel sollte über Einzelaktionen von Bruma oder Werner auf den Flügeln gelöst werden. 15 gewonnene Dribblings (von 25) sind in dieser Saison ein ungewöhnlich hoher Wert. Der auch zeigt, dass man mit dem direkten Weg per Pass in die Spitze nicht wie sonst durchkam. Solange die Kraft hielt und man das Spiel vom eigenen Strafraum weghielt, funktionierte das mit den Dribblings auch noch halbwegs. In der letzten halben Stunde kam da allerdings auch kaum noch was.

Randbemerkung 9: Interessant vielleicht, dass RB über 90 Minuten mehr Pässe in das Angriffsdrittel (egal ob angekommen oder nicht) spielte als die Bayern. Der FCB mit viel Gepasse im eigenen Drittel und Mitteldrittel und RB mit ganz guten Mitteln die Gastgeber vom eigenen Tor wegzuhalten. Leipzig mit vielen direkten Bällen in die Tiefe, die den Eindruck belegen, dass die Gäste prinzipiell immer wieder in Situationen kamen, in denen sie umschalten oder im FCB-Defensivdrittel agieren konnten (was es umso erstaunlicher macht, dass daraus kein einziger Torschuss entstand). 124:87 Pässe in das Angriffsdrittel standen bis zur 70. Minute für RB auf dem Zettel. Allein in den letzten 20 Minuten spielten die Bayern dann aber 44 Pässe im/ ins Angriffsdrittel, während es bei den Gästen nur 29 waren. Oder anders: während sich bei RB offensiv nicht viel änderte, hielt man den Gastgeber auf der anderen Seite nicht mehr so gut vom eigenen Strafraum weg. Das geht dann gegen die Bayern halt auch irgendwann mal schief..

Randbemerkung 10: Die Auswechslung von Poulsen erschloss sich mir nicht. Den kopfballstärksten Stürmer vom Platz zu nehmen in einer Situation, in der bis auf lange Bälle nicht mehr viel ging, schien etwas gewagt. Ilsanker für Bruma zu bringen, machte Sinn, wenn man die Passstatistik in der letzten Randbemerkung sieht und der Plan war, die Bayern wieder etwas weiter vom eigenen Strafraum wegzuschieben. Nahm halt die Option über die Geschwindigkeit von Bruma noch mal einen Lucky Punch zu setzen. Und nach dem Rückstand war das dann mit der Doppelsechs Demme/ Ilsanker auch eher schwierig.

Randbemerkung 11: Vierte rote Karte im sechsten Spiel gegen die Bayern. Stefan Ilsanker sorgte in der Nachspielzeit dafür, dass die Bilanz weiter ausgebaut wurde. Erinnerte ein wenig an das Gbamin-Foul in der Rückrunde der Saison 2016/2017 in Mainz. Angesichts der Intensität, mit der Ilsanker da einsteigt, durchaus nachvollziehbar, auch wenn es wohl letztlich schlimmer aussah als es war. Nun ja,  spielentscheidend war die rote Karte im Gegensatz zu den bisherigen drei Platzverweisen nicht mehr.

Randbemerkung 12: Konrad Laimer mal wieder auf der rechten Zehn. Als aggressiven Anläufer und Arbeiter finde ich ihn da eigentlich ganz gut aufgehoben. Ackerte extrem viel und hatte dabei einige gute Aktionen. Meiste Sprints aller Spieler auf dem Feld. Noch vor Yussuf Poulsen bestritt er die meisten Zweikämpfe, hatte aber auch die schlechteste Zweikampfquote (was nicht ungewöhnlich für Konrad Laimer ist und wobei ich mich immer frage, woran das liegt und ob das einfach daran liegt, wie die Zweikampfquote erhoben wird oder ob man es tatsächlich als Zweikampfschwäche interpretieren kann; also sowas wie ‚geht immer aggressiv in die Duelle, gewinnt sie aber selten‘; da fehlt mir noch eine schlüssige Interpretation der Zahlen). Man hat aber auch die Limitierungen von Laimer auf der Position gesehen, wenn es darum geht, mit dem Ball auf relativ engem Raum etwas anzufangen. Für alles was mit Ballverarbeitung zu tun hat, braucht er einfach oft zu viel Platz. Persönlich sähe ich ihn deswegen immer noch rechts hinten am besten aufgehoben, wo der Gegner einem vielleicht nicht immer sofort auf den Füßen steht. Aber mit Klostermann und Mukiele sieht Rangnick dort ja andere Spieler (was vermutlich angesichts deren Qualitäten auch Sinn macht). Ich persönlich sehe Laimer gern auf einem Fußballplatz, weil man immer 100% kriegt. Eigentlich müsste er mit seiner Aggressivität gegen den Ball auch gut in ein Rangnick-System passen (wie ja auch das Spiel in München gezeigt hat). Wäre vielleicht mal gut, wenn man eine feste Position für Laimer finden würde, der von rechts hinten über Sechs, Acht, Zehn bis hin zum Anläufer im Sturm (in Trondheim) diese Saison schon alles gespielt hat. Durch das Europa-League-Ausscheiden ist es aber leider eher wahrscheinlich, dass Laimers Spielzeit in der Rückrunde deutlich zurückgehen wird.

Randbemerkung 13: Timo Werner mit einem ordentlichen, aber in den entscheidenden Zonen auch wenig durchschlagskräftigem Auftritt (nur ein Torschuss von außerhalb des Strafraums deutlich über das Tor). Wenigstens konnte er seine Quote gewonnener Dribblings deutlich verbessern.. Zwölf Tore hat Werner bisher in dieser Saison erzielt. Dabei erzielte er alle Tore per Doppelpack, traf also entsprechend auch ’nur‘ in sechs von 20 Pflichtspielen. Alle diese Spiele gewann RB Leipzig. Insgesamt steht Werner diese Saison in der Bundesliga schon bei 61 Torschüssen, aus denen zehn Tore resultierten (16% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 35 Schüssen acht Tore (23%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für ein Tor 13 Schüsse (8%) (bei nur einem Tor ist die Statistik aber noch nicht so recht aussagekräftig). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 17 gewonnenen Dribblings in 52 Versuchen (sechs von zehn gegen München; 10 von 15 in den letzten beiden Spielen) (33% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 13 von 29 (45%), Augustin bei sieben von 17 (41%) und Cunha bei vier von neun (44%). Die Daten von Timo Werner nähern sich langsam immer mehr den Daten von Yussuf Poulsen an, nachdem er lange eher ineffizient agierte.

Randbemerkung 14: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 16 Bundesligaspielen: 61:42 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 3:1 Tore gefallen. Standards waren in München die einzige realistische Chance auf Tore. Upamecano an die Latte, Poulsen knapp vorbei. Bleibt dabei, dass RB-Spiele auf beiden Seiten des Spielfelds kein großes Fest für Freunde von Standardtoren sind..

Randbemerkung 15: RB Leipzig mit der zweiten Niederlage mit einem Tor Differenz in dieser Saison. In knappen Spielen mit maximal einem Tor Differenz gewann man zudem zweimal und spielte viermal Unentschieden. Mit 1,25 Punkten im Schnitt in knappen Spielen liegt man leicht unter Bundesligaschnitt. War eigentlich in der Vergangenheit und gerade auch unter Rangnick in der zweiten Liga eine Qualität von RB, gerade in knappen Spielen überdurchschnittlich zu punkten. Damals holte RB unter Rangnick genauso viele knappe Siege wie Siege mit mindestens zwei Toren Differenz. Diese Saison hat RB schon sechsmal mit mindestens zwei Toren Differenz gewonnen (nur Bayern und Mönchengladbach gelang das öfters), nur zweimal mit einem Tor Unterschied. Spricht dafür, dass man bei Führung durch Umschaltfokus eher noch das Ergebnis ausbaut, als die knappe Führung zu Ende zu verwalten.

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Lichtblicke:

  • Peter Gulacsi: Hielt sein Team bei den wenigen, aber guten Bayern-Chancen im Spiel. Bei einer Freistoß-Flanke unsicher, dafür bei Lewandowskis und Kimmichs Großchancen überragend.
  • Kevin Kampl: Brachte von der Sechs aus gute Strukturen ins Spiel und hatte immer mal auch ein gutes Auge für Spieleröffnungen. Musste viel arbeiten, um gleichzeitig vor der Abwehr da zu sein und immer wieder auch den Sechserraum der Bayern anzulaufen.
  • Dayot Upamecano/ Ibrahima Konaté: Machten das, was man von ihnen inzwischen schon erwartet. Mit guter Mischung aus Physis und Geschwindigkeit den Gegner kaum Räume zur Entfaltung geben. Große Wallung im Gästeblock, als Upamecano in Hälfte 1 ein Laufduell im eigenen Strafraum gegen den nicht gerade langsamen Coman für sich entscheidet und eine gefährliche Situation klärt. Viele gewonnene Zweikämpfe (Konaté), viele geklärte Situationen (Upamecano). Wenn da nicht dieses Gegentor gewesen wäre, bei dem Upamecano unglücklich Richtung Ribery klärt.

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Tor: Ribery (83.)

Rote Karte: Ilsanker (90.+1/ grobes Foulspiel)

Gelb-rot: Sanches (90.+2/ Foulspiel + Unsportlichkeit)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Upamecano, Halstenberg – Kampl, Demme – Laimer (87. Cunha), Bruma (81. Ilsanker) – Poulsen (88. Augustin), Werner; Bank: Müller, Mukiele, Orban, Majetschak; Nicht im Kader: Forsberg (verletzt), Sabitzer (gesperrt), Mvogo, Saracchi

Aufstellung Bayern München: Neuer – Kimmich, Süle, Hummels, Alaba – Goretzka, Thiago – Gnabry (28. Ribery), Müller (90. Martinez), Coman (61. Sanches) – Ribery

Schiedsrichter: Marco Fritz (Erstes RB-Auswärtsspiel unter Fritz, erste Niederlage. Je nach Position auf dem Spielfeld manchmal etwas kleinlich, an anderen Stellen etwas großzügiger (wie bei einem Körpereinsatz gegen Bruma in aussichtsreicher Position am Bayern-Strafraum). Die Karten verdienten sich die RasenBallsportler alle redlich. Die gelben Karten waren auch in richtigen Situationen klug gezogen. Die rote Karte eher nicht. Ribery kam mal wieder ohne Karte davon. Ansonsten hatte Fritz eigentlich eine recht klare und nachvollziehbare Linie. Hat schon, jenseits von Details, gepasst. (Randbemerkung: Ja, ich verstehe die Logik, dass man wegen des Videobeweises bei knappen Abseitsstellungen erst mal die Fahne unten lässt. Aber es ist auch etwas nervig, wenn die Situation ewig weiterläuft, eine Menge Aufregung im Kampf um Bälle (und mögliche Foulspiele) entsteht und dann plötzlich doch noch die Fahne hochgeht. Da tut man sich manchmal keinen Gefallen und es ist im Stadion einigermaßen gewöhnungsbedürftig.))

Gelbe Karten: – | Demme (4.), Laimer (2.)

Zuschauer: 75.000 (davon 3.500 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, FCB-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 10 : 8
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 7 : 2
  • Schüsse auf das Tor: 4 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 51,3% : 48,7%
  • Ballbesitz: 58,2% : 41,8%
  • Passquote: 81,0% : 71,9%
  • Laufstrecke: 117,6 km : 119,6 km
  • Sprints: 192 : 232
  • Intensive Läufe: 679 : 748
  • Fouls: 10 : 21
  • Ecken: 5 : 5
  • Abseits: 2 : 3
  • Meiste Torschüsse: Hummels, Lewandowski, Sanches: je 2 – Bruma: 3
  • Meiste Torschussvorlagen: Gnabry: 3 – Kampl: 3
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Thiago – 78,8% – Konaté – 81,8%
  • Meiste Ballkontakte: Thiago: 121 – Demme: 68
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Süle – 93,2% – Kampl: 88,9%
  • Größte Laufstrecke: Müller: 11,8 km – Demme: 13,0 km
  • Meiste Sprints: Lewandowski: 26 – Laimer: 34

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Werner – 10; Poulsen – 8; Augustin – 3; Sabitzer – 2; Forsberg, Orban, Kampl, Cunha, Klostermann – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 5; Poulsen, Kampl – je 4; Sabitzer, Forsberg, Demme – je 3; Halstenberg – 2; Laimer, Orban, Klostermann, Bruma – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Kampl – 7; Sabitzer, Halstenberg – je 6; Poulsen, Upamecano – je 5; Forsberg, Konaté – je 4; Demme, Saracchi, Mukiele – je 3; Ilsanker, Gulacsi, Klostermann – je 2; Werner, Laimer, Cunha, Bruma, Orban – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Thomas Bachun

3 Gedanken zu „Bundesliga: FC Bayern München vs. RB Leipzig 1:0“

  1. In der Summe fand ich den Bayern-Sieg nicht verdient sondern eher ein Unentschieden gerecht. In der ersten Halbzeit sah ich RB etwas stärker, in der 2., wo die Kräfte und die Konzentration nachließen, die Bayern. Das Chancenplus der Gastgeber relativiert sich auch etwas, wenn man bedenkt, dass die ein oder andere Aktion den Videobeweis wegen Abseits vermutlich nicht überstanden hätte (wie der Pfostentreffer von Lewandowski).
    Vor allem in der ersten Hälfte eine Weltklasseleistung von unseren Innenverteidigern, aber auch von Sühle (Hummels fiel da merklich ab). Kein Wunder, dass es kaum zu guten Torszenen kam.
    Insgesamt bin ich vom Spiel von RB nicht enttäuscht, die Bayern hatten aber mal wieder Dusel.

  2. „Die Auswechslung von Poulsen erschloss sich mir nicht. “
    Man hatte Poulsen kurz zuvor eingeblendet als er sich an den linken Oberschenkel fasste.
    Hoffen wir mal, das da nix ernsteres passiert ist.

    Defensiv und gegen den Ball war das hervoragend, (Hasenhüttl hätte vom stressen gesprochen) sind die Bayern in der Saison schonmal knapp 118km gelaufen?
    Und nach vorne ging eben nicht so viel, verstehe nicht, warum RR Bruma nicht von der Leine lässt?! Da wäre von seiner Seite wesentlich mehr möglich gewesen.

    Aber dann der Knacks im Spiel mMn die Auswechslung bzw. Tausch Bruma-Ilsanker.
    Auch hier verstehe ich RR nicht, sagte er doch auf der PK , „wenn man Punkte in München will, dann muss man wollen.“ Also dann hätte doch Cunha kommen müssen (vor allen vor der 81. Minute) , auch eben im Hinblick als Zeichen für das Team.
    Ilse in der 90. wäre voll ok gewesen, wenn es da noch 0:0 gestanden hätte.

    Die rote am Ende war dann das i-Tüpfelchen, vor allen hat dies soviel Zeit von der Uhr genommen, das RBL gar nicht mehr an den Ball kam. Warum da Fritz nicht die volle Unterbrechung nachspielen lies verstehe ich auch nicht.

    Lichtblicke sind voll berechtigt.

  3. Auch ich empfand die gezeigte Leistung als die eindeutig Beste der bisherigen Begegnungen. Taktisch äußerst diszipliniert und konzentriert ließ man die Bayern lange Zeit nicht ins Spiel kommen. Die erste Halbzeit ging für mich klar an RB. Die Konter wurden im Ansatz präziser gefahren, nur leider fehlte diese Präzision dann beim letzten Pass. Eine riesen Chance kurz vor dem Lattenkopfball von Upamecano hatte ja noch Klostermann, als er frei im Strafraum nach innen flanken kann und den Ball statt auf den einschußbereiten Poulsen direkt in die Füße von Süle spielt :-(. Die beiden besten Bayern-Chancen (Lewandowski und Müller) hätte der VAR (so er denn mal einheitlich agiert) wegen Abseits kassiert – sah sogar der Sky-Kommentator auch so. Bei Timo Werner konnte man gut sehen, dass gegen schnelle Top-Innenverteidiger das technische Repertoire doch deutlich begrenzt ist. Das sollte er sich immer wieder bewusst machen, wenn er von Weltklassevereinen träumt oder Bayern-affinen Reportern ins Mikrofon plaudert.

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