Fehlende Konkurrenz

Wir suchen noch einen Torwart, der Sven Neuhaus Druck macht, damit er seine Topleistungen bestätigt. (Tomas Oral in der BILD vom 21.07.2010)

Man sollte sowas ja nicht immer allzu hoch hängen, aber hier scheint mir die sportliche Leitung doch einen Sinneswandel vollzogen zu haben. Bisher hieß es immer, dass man noch einen Torwart für die Position 2 oder 3 sucht, möglichst Marke jung, talentiert und entwicklungsfähig. Franco Flückiger war ein Kandidat, dessen Verpflichtung an den zu hohen Ablöseforderungen der Magdeburger scheiterte. Nun sucht RasenBallsport Leipzig also doch eher einen Kandidaten, der bereits jetzt auf dem Niveau von Neuhaus spielt. Warum? Fehlende Konkurrenz weiterlesen

Red Bull Juniors Salzburg vs. RasenBallsport Leipzig 1:2

Während es sich Huub Stevens große Salzburger Bullen auf den Faröer Inseln bei einer bedeutungslosen 0-1-Niederlage in der Champions-League-Quali gemütlich machten, durfte der Salzburger U23-Nachwuchs – gerade in die dritthöchste, österreichische Spielklasse zwangsabgestiegen – gegen RasenBallsport Leipzig testen. Für RB Leipzig bereits das 6.Testspiel, das mit einem bedeutungslosen Sieg endete. Auch in diesem Spiel zeigte sich, dass das Verschieben Daniel Frahns auf den (linken?) Flügel Methode hat. Immerhin durfte Frahn dann in der 2.Hälfte für 20 Minuten in den Sturm wechseln.

Aufstellung 1.Halbzeit: Hammel – Ismaili, Hertzsch, Sebastian, Müller – Lewerenz, Rost, Geißler, Frahn – Kammlott, Frommer

Aufstellung 2.Halbzeit: Hammel – Albert, Kläsener, Sebastian (74. Buszkowiak), Franke – Watzka, Bick, Baier, Laas – Frahn (66. van den Bosch), Kutschke

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBS-Bericht [broken Link]

Kult vs. Tradition

Die Ansprüche der Leipziger Kultklubs sind im Schatten von RB halt nicht mehr so hoch. (BILD vom 19.07.2010)

Kult statt Tradition? Ist das etwa die neue Sprachregelung der BILD-Zeitung? Quasi als moderner, popkultureller Ersatz für den ideologisch angehauchten, leicht verstaubten Begriff der Tradition? Man kann schon erahnen, wie das dann zukünftig in der Berichterstattung aussehen könnte. RasenBallsport Leipzig als warenförmig wahrgenommener Verein, der bei Siegesserien den Helden geben darf und gefeiert wird und ganz analog zu Bayern München bei einer Niederlage den Deppen der (Leipziger) Nation geben muss, auf den man nach Belieben mit dem Knüppel draufhauen kann. Und dahinter stehen mit Lok und dem FC Sachsen zwei Clubs in Stellung, von denen man als ‚Kultclubs‘ mit Herz nicht viel erwartet, außer eben Kult zu sein und in gelegentlichen Derbys zu beweisen, dass man noch Zuschauer zieht. Was potenzielle Berichte a la ‚Chaos beim Kult-Club – Steffens wirft hin‘ einschließt. Langsam manifestiert sich die neue Situation mit drei Leipziger Clubs und ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Aspekte der Manifestation leiden können muss..

RasenBallsport Leipzig vs. Ferencvaros Budapest 1:1

Testspiel Nummer 5, diesmal gegen Ferencvaros Budapest, ungarischer Erstligist mit klangvollem Namen. Zwei Verletzte (Knöchelverletzung und Nasenbeinbruch!) und ein Spielabbruch wegen Hagels waren die spektakulären Begleiterscheinungen des Unentschiedens. RB Leipzig (diesmal wieder mit Timo Rost) begann wie schon im letzten Test gegen Cluj mit drei Spitzen, deren taktische Ausrichtung auf dem Feld mir immer noch unklar ist (Frahn vermutlich im rechten Mittelfeld). Mit Frommers Verletzung nach einer halben Stunde war das Experiment aber wieder beendet, da mit Geißler ein gelernter Mittelfeldspieler das 4-4-2 komplettierte. In der zweiten Hälfte testete Trainer Oral dann Benjamin Bellot, derzeit Torhüter Nummer 2, notgedrungen auf der Position des rechten Verteidigers. Interessante taktische Variante, die die defensiven Gegner in der Regionalliga zusätzlich unter Druck setzen könnte..

Aufstellung 1.Halbzeit: Neuhaus – Ismaili, Kläsener, Sebastian, Müller – Lewerenz, Rost, Laas, Frahn – Kammlott, Frommer (29. Geißler)

Aufstellung 2.Halbzeit: Neuhaus – Rosin (70. Bellot), Hertzsch, Buszkowiak, Franke – Watzka, Bick, Baier, Geißler – van den Bosch, Kutschke

Links: RBL-Bericht [broken Link], Ferencvaros-Bericht [broken Link]

Fußballalltag

Es ist ja auch ein bisschen Sommerloch, deswegen sei mir an dieser Stelle gestattet, Ihnen ach lieber Guido Schäfer auf diesem Wege mitzuteilen, dass ich sehr froh bin, dass Sie nun nicht mehr über verlorengegangene Bafana-Bafana-Trikots schreiben müssen, sondern sich wieder in den spannenden Niederungen des aktuellen Leipziger RasenBallsports suhlen dürfen. Die letzten Wochen, in denen man in ihrem Stammblatt Leipziger Volkszeitung ‚dank‘ ihrer Abwesenheit nur Artikel über RB Leipzig lesen durfte, deren Inhalt man schon von der Vereins-Homepage kannte, waren sehr hart. Zumal die Homepage auch in dieser Zeit in ihrer fast schon traditionellen Art eher spärlich bestückt war.. Willkommen zurück im großartigen Fußballalltag.

RasenBallsport Leipzig vs. CFR 1907 Cluj 1:2

Das 4. Testspiel, die erste Niederlage und mit dem rumänischen Meister der erste hochklassige Gegner, der allerdings über weite Teile des Spiels hauptsächlich mit Spielern aus der 2.Reihe auflief. Nicht eingesetzt wurden von Trainer Oral Timo Rost, der offenbar immer noch verletzt ist und Sebastian Albert, der sich vermutlich eine Blessur abgeholt hat. Aufgrund des Ausfalls von Albert durfte Ismaili 90 Minuten spielen, während alle anderen Feldspieler jeweils nur eine Halbzeit lang auf dem Platz standen. RasenBallsport Leipzig vs. CFR 1907 Cluj 1:2 weiterlesen

Fußball und Retorte

Sie sprechen häufig von „Unser Projekt“ oder „Unsere Vision“. Aber hatten Sie keine Skrupel, dass Sie als Kind eines Traditionsvereins wie dem FSV zu einem Retortenklub gehen?
Überhaupt keine Skrupel! Tradition ist etwas Schönes – aber sie darf im Fußball nicht zum Totschlag-Argument verkommen. Es gibt so viele Traditionsvereine, die sich nicht mehr erholen, weil sie von der Tradition erdrückt werden. Ungeduldige Fans, die noch immer von der goldenen Vergangenheit träumen. Eingefahrene Strukturen. Selbstdarsteller, die ins Rampenlicht wollen. Dann ist mir ein Projekt wie RB Leipzig lieber, bei der in einer Stadt, die nach Fußball lechzt, etwas mit Substanz geschaffen wird. (Tomas Oral gegenüber spox.com)

Womit Tomas Oral in dieselbe Kerbe schlägt wie vorher schon Huub Stevens und Dietmar Beiersdorfer. Gelebte Fußballkultur ist das Zauberwort, das Substanz, professionelles Arbeiten und Erfolgsorientierung impliziert.

games (endlich) over

Aus, aus, aus, Spanien ist Weltmeister. Naja, ganz so spannend war das diesjährige Turnier der besten Fußballnationalmannschaften dann doch nicht, dass man in große Euphorie verfallen müsste. Dass Spanien völlig verdient Weltmeister geworden ist, passt da irgendwie ins Bild. Nicht dass ich ihre spielerische Qualität anzweifeln wollen würde, aber mit dem formschwachen und zudem durch diverse Auswechslungen leicht demontierten Torres fehlte selbst den Spaniern das Puzzleteil, das aus ihrem ansehnlichen Gekicke ein torgefährliches Gekicke macht. David Villa, lange Zeit auf dem Weg zum besten Spieler des Turniers verblasste in dem Moment, als er die Rolle von Fernando Torres in der Sturmzentrale spielen sollte. Und trotzdem wäre alles andere als der Titel ungerecht gewesen, auch wenn es die Niederländer überraschend gut verstanden, lange Ballstafetten der Spanier zu unterbinden und sogar selbst einige große Chancen kreierten. Dass die Spanier im Angesicht der rustikalen Spielweise der Niederländer in alte Muster des Lamentierens und lange Bälle Schlagens verfielen, zeigte relativ eindrücklich, dass auch dieses Team nicht unschlagbar ist.

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Ungeziefer

Bisher wurden in dieser brachialrhetorischen Rubrik eher Leichtgewichte behandelt. Bei allem subjektiven Kopfschütteln über die Inhalte und Denkfiguren, die sich hinter den grenzdebilen Figuren und den korrumpierten Opportunisten verstecken, werden darin nicht die Grenzen des fußballbezogenen, tolerierbaren Geschmacks überschritten, was sich auch darin begründet, dass sich in den Begrifflichkeiten eine rhetorische Kreativität ausdrückt, die jenseits des Inhalts noch Spaß macht und aus der man zumindest ablesen könnte, dass hier diejenigen, die (ab)qualifiziert werden sollen als (wenn auch uniforme) Menschen wahrgenommen werden.

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