Bundesliga: RB Leipzig vs. Bayer Leverkusen 3:0

Elfter Spieltag in der Bundesliga. RB Leipzig empfing Bayer Leverkusen, die bisher eine schwache Saison spielen, aber über viel Qualität im Kader und vor allem in der Offensive verfügen. Davon war im Spiel bei RB aber herzlich wenig zu sehen, sodass der 3:0-Sieg der Gastgeber vollauf in Ordnung ging.

Ralf Rangnick für das Spiel gegen Bayer mit der Komplettrotation zurück. Acht Wechsel gab es gegenüber dem Celtic-Spiel. Lediglich Upamecano, Sabitzer und Ilsanker verblieben in der Startelf. Letzterer besetzte in einem 5-3-2 die mittlere Position in der Abwehrkette, die wesentlich besser auf ihn zugeschnitten ist als die alleinige Sechserposition.

Bei Bayer standen im Vergleich zum Europa-League-Spiel am Donnerstag fünf neue Akteure in der Startelf. In Abwesenheit des verletzten Bellarabi startete man mit einem 5-2-3 aka 3-4-3, stellte aber schon bald in der Partie auf eine Viererkette und ein 4-2-2-2 um. Da neben Bellarabi auch Bailey nicht in der Startelf stand, war Leverkusen mit wesentlich weniger Geschwindigkeit auf dem Feld, als man von dem Team im Optimalfall kriegen kann.

Die Strategie von RB Leipzig ging insgesamt auf. Wie nun schon häufiger, wenn es gegen Mannschaften mit Geschwindigkeit im Umschalten geht, setzte man in der letzten Reihe auf eine Dreierkette mit viel Geschwindigkeit (und damit nicht auf Orban) und spielte ein defensives, eher auf Abwarten setzendes System. Man ließ den Gegner in der Innenverteidigung spielen und setzte darauf, die Räume dann vor allem beim Spielen Richtung Sechser und Außenbahnen dicht zu machen und dort Balleroberungen zu forcieren.

Bayer konnte wenig damit anfangen, dass man von hinten heraus aufbauen durfte. Im Gegensatz zu einer Mannschaft wie Schalke versuchte man auch nicht, den Riegel mit langen Bällen zu überspielen, sondern versuchte sich im Spielaufbau. Aber das blieb fast über die komplette Spielzeit ungefährlich, weil die RasenBallsportler aufmerksam verteidigten und immer wieder gut in Ballnähe verschoben und dort Überzahl herstellten.

Aus der defensiven Formation heraus wartete RB geduldig auf Chancen zum Umschalten. Zu Beginn der Partie war das noch etwas schwierig, weil Poulsen und Werner gegen viele Bayer-Defensivspieler oft allein auf weiter Flur waren. Gefährlich wurde es für die Gäste vor allem durch die Überladung der linken RB-Seite. Halstenberg war dort im Ballbesitz sehr hoch positioniert, sodass er ein guter Spielpartner für Kampl war. Wenn Werner dann auch noch auf diese Seite kam, wurde es für Bayer schwer, dort zu verteidigen. Entsprechend wurden die ersten Chancen (ein Querpass von Werner, den Sabitzer knapp verpasst und ein Werner-Schuss von der Strafraumgrenze) von der linken Seite aus eingeleitet. Genau deswegen stellte Herrlich dann auch auf ein 4-2-2-2 um, um diese Seite besser in den Griff zu bekommen.

Das Tor kassierten die Gäste dann aber trotzdem. Nach einem Einwurf von der linken Seite kommt der Ball zu Demme, der vor dem Sechzehner zu viel Platz hat und den Ball in die Mitte zu Poulsen legt, der ihn überlegt über Hradecky in die Maschen hebt. Ein verdienter Führungstreffer, weil RB als Team deutlich besser agierte und ohne größere Schnitzer in gefährlichen Spielfeldzonen recht geduldig auf die eigenen Chancen wartete.

RB Leipzig bildet eine völlig berechtigte Jubeltraube angesichts eines ungefährdeten 3:0 gegen Bayer Leverkusen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Nachdem Kevin Kampl das 2:0 nach erneuter Werner-Hereingabe (nachdem der Tah mal eben hatte stehen lassen) verpasste, war dann auch mal Leverkusen an der Reihe. Kai Havertz hatte Stefan Ilsanker stehenlassen und dann aus guter Position mit Außenrist knapp über das Tor geschossen. Es war Bayers einziger gefährlicher Torabschluss in der ersten Halbzeit. Nur bei einer Rettungsaktion von Ilsanker per Kopf, die knapp am RB-Tor vorbeizischte, lag auch noch ein Tor in der Luft.

Es war in den ersten 45 Minuten von der taktischen Herangehensweise und von der Umsetzung her ein nüchtern-sachliches, aber fast perfektes Spiel von RB Leipzig. Weil man mit dem tiefen Verteidigen und dem geduldigen Setzen auf Umschaltsituationen und auf Angriffspositionen, aus denen heraus man Richtung Tor ziehen kann, den Gästen deutlich den Nerv zog und sie überhaupt nicht zur Entfaltung kommen ließ.

In der zweiten Halbzeit brachte dann Herrlich mit Bailey die eigentlich schon von Beginn an erwartete Offensivoption. Mit Weiser und Bailey hatte man nun eine (nominell) offensivstarke rechte Seite und mit Wendell und Brandt eine ebensolche linke. Nur am Resultat der Bemühungen änderte sich wenig. Zwar hatte Bayer in der zweiten Halbzeit Unmengen an Ballbesitz (Rund 66% nach ungefähr 50:50 in der ersten Halbzeit), aber bis zur 76. Minute auch keinen einzigen(!) Torabschluss.

Leverkusen spielte so ein bisschen um den gegnerischen Strafraum herum und hatte ein paar gute Seitenverlagerungen, mit denen man sich etwas Platz verschaffte, aber RB verschob weiter gut und Bayer hatte dazu wenig Ideen, was sie mit dem Platz anstellen sollten. Bezeichnend für die Abläufe in der Mannschaft, dass man gegen die tiefe RB-Verteidigung gleich siebenmal ins Abseits lief und immer wieder die Pässe nicht mit den Wegen der Mitspieler zusammenpassten. Was Bayer mit einer individuell hervorragend besetzten Offensive und eigentlich guten Außenverteidigern dahinter offensiv anstellte, war durchaus beeindruckend wenig.

RB Leipzig verlor auf der anderen Seite ein bisschen die Klarheit in den eigenen Aktionen. Im Gegensatz zur ersten Halbzeit schenkte man viele Bälle durch unkontrollierte Schläge nach vorn schnell wieder her. In ein kontrolliertes Spiel mit dem Ball wie in der ersten Hälfte kam man nun gar nicht mehr. Entsprechend hatte Bayer gefühlt mehr vom Spiel, weil der Gast immer wieder aufs Neue anlief. Nur blieb es halt brotlos, weil die Gastgeber die Bemühungen einfach humorlos wegverteidigten.

Auf Seiten von RB Leipzig passierte offensiv aufgrund der Spielanlage auch herzlich wenig. Man wartete auf die entscheidende Möglichkeit, dieses Spiel mit einem zweiten Tor endgültig in die richtige Richtung zu lenken. Und diese Chance kam nach 68 Minuten wieder nach einem Halstenberg-Einwurf von links. Poulsen mit der perfekten Ballverarbeitung zu Sabitzer. Der ganz schnell rechts rüber zum einlaufenden Klostermann, der souverän ins lange Eck einschob.

In der letzten Viertelstunde wurde das Spiel noch mal offener. Timo Werner verpasste nach 75 Minuten die große Chance zum 3:0, als er von Poulsen perfekt bedient wird, aber frei vor dem Bayer-Tor Gäste-Keeper Hradecky anschießt.

Es folgen die fünf Minuten, in denen die Partie noch mal hätte kippen können. Es waren fünf Minuten, in denen Bayer vier von über 90 Minuten nur sechs Torschüssen abgab. Und es waren die fünf Minuten, in denen Peter Gulacsi nach völliger Beschäftigungslosigkeit doch noch zeigen durfte, warum er einer der besten Keeper der Bundesliga ist. Denn in der 77. Minute fischt er einen eigentlich sehr guten Freistoß von Leon Bailey aus der linken Ecke, um dann später auch noch einen scharfen Brandt-Schuss aus der Distanz sicher festzuhalten. Ein weiterer Volland-Schuss von der Strafraum-Grenze und ein knapp am Tor vorbeistreichender Alario-Kopfball. Binnen fünf Minuten deutete Bayer an, welche Offensivkraft man haben kann. Zu diesem Zeitpunkt standen mit Volland, Brandt, Havertz, Bailey und Alario gleich fünf Offensivkräfte mit hoher individueller Qualität auf dem Platz.

Ralf Rangnick reagierte auf diese offensive Phase der Gäste und brachte Konrad Laimer und stellte auf ein noch defensiveres 5-4-1 um. Womit die Gastgeber die Partie dann wieder im Griff hatten. Und sogar noch das 3:0 nachlegten. Der eingewechselte Kohr versucht an der eigenen Torauslinie den Befreiungsschlag, trifft aber nur den dazwischenspritzenden Klostermann. Der Ball springt etwas glücklich zu Poulsen, der zentral frei vor Hradecky steht und mühelos einschiebt.

3:0. Die Entscheidung. Und der Endstand. Weil Kampl bei einer guten Konterchance zu eigensinnig abschließt (was bei dem Spielstand gegen den Ex-Klub und drei Fehlschüssen aus guten Positionen in den letzten beiden Spielen vielleicht nachvollziehbar ist, lieber den Torabschluss zu suchen, als einen der mitgelaufenen Mitspieler zu bedienen) und weil RB in anderen Kontersituationen nicht mehr mit voller Energie durchläuft. Verständlich angesichts des Spielstands kurz vor dem Schluss.

Fazit: Ein sehr überzeugender und sehr souveräner Sieg von RB Leipzig. Kein Offensivfeuerwerk, sondern das Ergebnis einer sehr gut passenden, auf tiefes Verteidigen und Umschalten setzenden Spieltaktik, die man in der ersten Halbzeit nahezu perfekt umsetzte und mit sachlich-zielführendem Ballbesitz veredelte. In der zweiten Halbzeit schenkte RB die Bälle zwar zu schnell her, verteidigte bis auf fünf Minuten zwischen 75. und 80. Minute aber sicher und nutzte von den drei, vier Möglichkeiten, auf die man geduldig wartete, noch zwei weitere. Letztlich ein Sieg der besser eingestellten und mit mehr Engagement spielenden/ verteidigenden Mannschaft, veredelt durch starke individuelle Auftritte.
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Randbemerkung 1: Nach elf Spielen RB Leipzig mit genauso vielen Punkten wie in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher sechs Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt). RB geht damit auf Rang 3 in die Länderspielpause. Letzte Saison war man nach elf Spielen sogar Zweiter. Damals war man Best of the Rest hinter den Bayern. Diesmal liegt man vor den Bayern, aber hinter Dortmund und Mönchengladbach. Letzte Saison begann der Einbruch erst Anfang Dezember und ab Spieltag 14. Bis dahin war man mit Zwei-Punkte-Schnitt unterwegs. Jetzt steht man wieder bei einem Schnitt von zwei Punkten. Wird interessant, wie RB sich bis Weihnachten schlägt und ob man bis dahin noch den nun schon 23 Pflichtspielen Tribut zollen muss. Dass wegen der Niederlage in Glasgow auch in der Europa League noch zwei Endspiele warten, macht die Aufgabe nicht einfacher. Acht Spiele sind es dann noch bis zur Winterpause ab dem 24. November.

Randbemerkung 2: Die Tabelle der Bundesliga ist diese Saison durchaus interessant. Schalke und Leverkusen im letzten Drittel mit nur zwei bzw. drei Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz. Bayern nur Fünfter und damit aktuell nicht mal auf einem Champions-League-Platz (irgendwo gibt es bestimmt lustige Statistiken, wann Bayern das letzte Mal nach einem zehnten Spieltag nicht unter den ersten Vier stand).  Fünf Punkte Vorsprung sind es für RB schon auf Platz 7, wobei der interne Vergleichsplatz wohl eher Platz 5 sein dürfte. Letztlich ist es in Sachen Kampf um einen Champions-League-Platz durchaus positiv, dass RB schon elf bzw. zwölf Punkte Vorsprung auf Leverkusen und Schalke hat (die man eigentlich für die ersten Vier auf der Rechnung hatte). Diesen Rückstand können beide Mannschaften aus eigener Kraft eigentlich nicht mehr wirklich aufholen. Bleibt halt die Frage, welches der Teams aus dem obersten Drittel in den kommenden Monaten am konstantesten spielt.

Randbemerkung 3: Ralf Rangnick vor der Partie mit der recht deutlichen Aussage, dass er Leverkusen im Umschaltspiel erwischen will, weil die Bayer-Offensivakteure im Rücklaufverhalten nicht gerade übermäßiges Engagement zeigen. Erstaunlich, dass man das dann tatsächlich im Spiel in Leipzig gut beobachten konnte, wie Bayer im defensiven Umschalten immer wieder mal auseinanderfiel und große Lücken entstanden. Wenn einen der gegnerische Trainer vor einem Spiel schon so deutlich abwatscht, hätte man doch erwarten können, dass man es dem dann wenigstens im direkten Duell zeigen will. Doch davon war wenig zu spüren. Prototypisch eine Szene von Julian Brandt, als der einem im Umschaltspiel ins Aus gehenden Ball noch hinterhertrabte, statt gedanklich umzuschalten und wieder in die Formation zurückzukehren und damit auf Höhe des RB-Einwurfs zu agieren, der entsprechend hinter ihm bereits ausgeführt wurde, bevor Brandt sich dann auch dorthin bewegte und natürlich zu spät kam, um den Einwurf mit zuzustellen. Von diesen gedanklichen Langsamkeiten beim defensiven Umschalten gab es einige und die sollte man sich gegen RB eher nicht leisten. Zumal nicht, wenn der gegnerische Trainer einem vorher schon ankündigt, dass man genau das gedenkt auszunützen.

Randbemerkung 4: Bayer Leverkusen mit der bereits sechsten Niederlage im elften Spiel in der Bundesliga mit mehr als einem Tor Unterschied. Nur der VfB Stuttgart brachte es auf genauso viele klare Niederlagen. 24 Gegentore sind so viele wie Nürnberg und Stuttgart auf dem Konto haben. Nur Düsseldorf steht mit 25 Gegentoren noch schlechter da. Man hat beim Spiel in Leipzig eine ungefähre Idee gekriegt, warum die Statistiken der Leverkusener sind wie sie sind, selbst wenn da zuletzt die furiosen Siege (6:2 und 5:0) in Bremen und Mönchengladbach standen.

Randbemerkung 5: Zweikampfstatistiken sind immer ein wenig mit Vorsicht zu genießen und nicht immer zu 100% aussagekräftig (wahrscheinlich würden sich schon über die Frage, was ein gewonnener Zweikampf ist, die verschiedenen Statistikanbieter nachhaltig verstreiten). Über 55% gewonnene Zweikämpfe laut Bundesliga-Statistik in diesem Spiel für RB sind dann aber durchaus ein deutliches Zeichen, wer in dieses Spiel mehr an Intensität investierte. Heiko Herrlich fand das nach der Partie nicht so richtig lustig, weil er extra in der Europa League Spieler geschont hatte, um in Leipzig im Bereich der Zweikämpfe die nötige Frische zu haben. Davon war wenig zu sehen. Auch das erstaunlich (zumal da RB ja aus dem nicht gerade wenig intensiven Spiel in Glasgow kam).

Randbemerkung 6: Ähnlich erstaunlich die Laufdaten. Leverkusen ist bisher abgesehen von Sprints das laufstärkste Team der Liga gewesen. RB Leipzig war auch abgesehen von Sprints nur ein Durchschnittsteam in Sachen Laufaufwand. Im direkten Duell nun war RB in allen Laufstatistiken das Team mit dem höheren Aufwand. Klar, auch hier muss man vorsichtig sein mit den Interpretationen. Fast zwei Drittel Ballbesitz in der zweiten Halbzeit für Bayer führen automatisch dazu, dass RB mehr Laufaufwand betreiben musste.

Randbemerkung 7: 12:3 Torschüsse im Strafraum hieß es für RB Leipzig nach 90 Minuten. Bei 43:57% Ballbesitz. Zeigt auch recht deutlich, wer den zielstrebigeren Fußball spielte und es verstand, den Ball in gefährliche Abschlusssituationen zu befördern. Und zwar vor allem in Hälfte 1 nicht nur aus dem Umschaltspiel heraus.

Randbemerkung 8: In Glasgow ist die zu-Null-Serie von RB Leipzig in Pflichtspielen gerissen. In der Liga hält sie noch. Fünf Spiele ohne Gegentor sind es nun für RB im nationalen Fußball. Zwei Gegentore sind es in den letzten acht Spielen (nach sieben in den ersten drei Spielen). Insgesamt nur neun Gegentreffer sind absoluter Topwert in der Bundesliga. Dass man mit dem variablen Verschieben von Pressing- bzw. Verteidigungslinien und den variablen Defensivformationen mit unterschiedlichem Anlaufen vorn und unterschiedlicher Höhe des Verteidigens seit acht Spielen so extrem gut fährt (nur ein Gegentreffer aus dem Spiel heraus!), ist schon richtiggehend beängstigend. Ligarekord bei RB sind sechs Spiele ohne Gegentreffer (letztmals unter Zorniger in der 3. Liga). Kann das Rangnick-Team in Wolfsburg nach der Länderspielpause einstellen, diesen Rekord.

Randbemerkung 9: Timo Werner mit sehr viel Aufwand und entsprechend nicht mal einer schlechten Partie. Aber vor dem Tor auch wieder mal nicht ganz glücklich. Gerade die Großchance zum 3:0 muss er nach 75 Minuten fast schon zwingend machen. An keinem Tor war er direkt oder in der Vorbereitung beteiligt. Ungewöhnlich für Werner bei einem 3:0 (wobei er ja auch nur bis zum 2:0 auf dem Platz stand).  Drei Schüsse sammelte er diesmal. Insgesamt steht Werner diese Saison schon bei 47 Torschüssen, aus denen sechs Tore resultierten. Poulsen machte aus 24 Schüssen ebenfalls sechs Tore. Augustin brauchte für drei Tore auch nur 13 Schüsse. Cunha brauchte für ein Tor zehn Schüsse (bei nur einem Tor ist die Statistik aber noch nicht so recht aussagekräftig). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei sechs gewonnenen Dribblings in 32(!) Versuchen. Augustin und Poulsen stehen jeweils bei sechs von 16, Cunha bei vier von acht.

Randbemerkung 10: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach elf Bundesligaspielen: 39:29 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 2:1 Tore gefallen. Defensiv steht RB seit dem Hannover-Spiel sehr sicher. Nach 3:13 Torschüssen nach Standard in den ersten drei Spielen stehen seitdem 36:16 Torschüsse in der Bundesliga nach ruhenden Bällen für RB.

Randbemerkung 11: 36 Zuschauer vermeldete die Anzeigetafel. Hübscher Fauxpas, der natürlich als Bild gern genommen wird. Nach dem „Auserkauft“ einst beim St.-Pauli-Spiel der zweite nicht unwitzige Anzeigetafel-Patzer im Zusammenhang mit Zuschauerzahlen. Die Reaktion aus dem Fanblock: ein „36 Leipziger, schalalala“-Gesang.

Randbemerkung 12: Vor dem Spiel hatten die Rasenballisten erneut zu einer Kleiderspende aufgerufen. Eine Aktion, die inzwischen schon eine gewisse Tradition hat und auch jedesmal gut angenommen wird. Auch diesmal kamen, den Bildern nach zu urteilen, wieder viele, viele Säcke mit Spenden zusammen.

Randbemerkung 13: In der ewigen Tabelle der Bundesliga ist RB Leipzig nun an Dynamo Dresden vorbeigezogen und auf Rang 37 vorgerückt. 79 Spiele brauchte man dafür nur. Dynamo hat insgesamt 140 Bundesligaspiele gesammelt.

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Lichtblicke:

  • Yussuf Poulsen: Fleißperle. Sowieso. Immer. Gegen Leverkusen wieder unheimlich viele Zweikämpfe genommen (und sehr viele gewonnen). Viel gelaufen, die meisten Sprints aller Spieler absolviert. Sehr viele Wege gegangen, gut die Mitspieler eingesetzt und dazu auch noch selber Tore geschossen. Das 1:0 macht er als Lupfer perfekt. Beim 3:0 hat er Glück, dass ihm der Ball vor die Füße fällt, verarbeitet die Kugel aber auch reaktionsschnell.
  • Lukas Klostermann: Sehr stabil in der Defensive und auf seiner Seite (wenn er nicht im Eins gegen Zwei verteidigen musste) kaum zu überlisten (auch dank seiner Schnelligkeit, die ihm in einigen Situationen einen Vorteil verschafft). In der ersten Halbzeit wurde er offensiv noch ein wenig übersehen, als er rechts schon einiges an Platz hatte, der Ball aber trotzdem lieber über links bewegt wurde. In der zweiten Halbzeit dann durfte er in seinem 100. Spiel für RB das 2:0 erzielen und das 3:0 durch guten Einsatz vorbereiten.
  • Kevin Kampl: Vor allem in der ersten Halbzeit extrem präsent und auf der linken Seite immer wieder der Ankurbler des RB-Spiels mit vielen guten Ideen und raumöffnenden Bewegungen. Wichtig aber vor allem auch im Spiel gegen den Ball, in dem Kampl aufgrund der Dreierkette im Mittelfeld sehr viel Raum zu beackern hatte und links den Bayer-Rechtsverteidiger mit zustellen musste. Das war extrem viel Raum, den Kampl da zu bearbeiten hatte. Eine Aufgabe, die er sehr gut löste.

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Tore: 1:0 Poulsen (27.), 2:0 Klostermann (68.), 3:0 Poulsen (85.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Ilsanker, Upamecano, Halstenberg – Sabitzer (88. Augustin), Demme, Kampl (88. Bruma) – Werner (82. Laimer), Poulsen; Bank: Müller, Mukiele, Orban, Cunha; Nicht im Kader: Forsberg, Saracchi (beide verletzt), Mvogo

Aufstellung Bayer Leverkusen: Hradecky – Tah, S. Bender, Jedvaj (46. Bailey) – Weiser (72. Alario), L. Bender, Aranguiz (66. Kohr), Wendell – Volland, Havertz, Brandt

Schiedsrichter: Martin Petersen (Wenig Probleme mit der meist fairen Partie. Zwei, drei Zweikampfbewertungen kann man anders sehen, aber Petersen blieb da in seiner Beurteilung konsistent. Nur bei den gelben Karten verfolgte er eine ungleiche Linie. Demme für ein eher unabsichtliches taktisches Foul in sehr guter Bayer-Feldposition kein Gelb zu geben, war aus Stadionsicht sehr gewagt. Volland für ein ähnlich unabsichtliches, aber nicht mal taktisches Foul Gelb zu geben, wirkte dann im direkten Vergleich einfach unpassend (zumal die gelbe Karte sehr spät kam, was dann den Eindruck vermittelte, dass sie kam, weil der gefoulte Spieler so lange am Boden lag). Dass Ilsanker bei einem Foul am eigenen Strafraum auch ohne Gelb wegkam, war dann das Gewagtheits-Triple. Beim 1:0 Pech, dass der Assistent an der Linie die Fahne hob, obwohl es (aus Stadionsicht) eher deutlich kein Abseits war. Aber diesen Fehler korrigierte dann der Videoassistent sehr schnell. Was wieder mal ein Anwendungsgebiet demonstrierte, in dem der VAR sehr gut passt und funktioniert. Insgesamt war die Spielleitung von Martin Petersen ok, aber die Verteilung der gelben Karten war eher gewagt.)

Gelbe Karten: – | Volland

Zuschauer: 36.155 (davon 900 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, B04-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 14 : 6
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 12 : 3
  • Schüsse auf das Tor: 7 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 55,4% : 44,6%
  • Ballbesitz: 43,8% : 56,2%
  • Passquote: 79,6% : 83,8%
  • Laufstrecke: 118,0 km : 116,0 km
  • Sprints: 230 : 205
  • Intensive Läufe: 684 : 652
  • Fouls: 12 : 12
  • Ecken: 4 : 3
  • Abseits: 2 : 7
  • Meiste Torschüsse: Poulsen: 4 – mehrere mit je 1
  • Meiste Torschussvorlagen: Halstenberg: 5 – mehrere mit je 1
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Konaté: 73,3% – Tah: 75,0%
  • Meiste Ballkontakte: Kampl: 79 – S. Bender: 108
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Klostermann: 90,5% – S.Bender: 92,8%
  • Größte Laufstrecke: Demme: 13,1 km – L.Bender: 12,1 km
  • Meiste Sprints: Poulsen: 32 – Havertz: 25

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Werner, Poulsen – je 6; Augustin – 3; Sabitzer – 2; Forsberg, Orban, Kampl, Cunha, Klostermann – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 4; Kampl, Forsberg – je 3; Sabitzer, Poulsen, Halstenberg, Demme – je 2; Laimer, Orban, Klostermann – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Sabitzer – 6; Forsberg – 5; Kampl, Halstenberg – je 4; Saracchi, Mukiele, Upamecano, Konaté, Poulsen – je 3; Ilsanker, Gulacsi – je 2; Demme, Werner, Laimer, Klostermann, Cunha – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

Ein Gedanke zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. Bayer Leverkusen 3:0“

  1. Wie jetzt, keine RB zum Doppeltorjubel nach VAR? ;-)
    Ich sitze ja drüben in A auf Höhe Eckfahne und da war mir klar, das Tor musste zählen. (Die Anweisung erstmal laufen lassen finde ich gut.)

    Wie man es wieder geschafft hat, die 0 zu halten, war sehr beeindruckend. Irgendwie hat es das Trainerteam geschafft, den Jungs die Freude am verteidigen zu vermitteln inkl. Zweikämpfe.
    (Nebenbei, gehört eigentlich in den Glasgow-Blog: Als RBL mit 2:1 zurück lag, gab es die Szene, das man hinten den Ball hatte, schnell nach vorne spielen wollte über die Mitte, Demme oder Kampl verlieren den Ball und Jika in der Vorwärtsbewegung geht zurück in den Zweikampf, gewinnt ihn und steht auf einmal mit Ball als letzter am Strafraum. Als Mittelstürmer! )

    Und wenn das alles passt, dann fällt es dem Team leichter hinten zu 0 zu spielen.
    Dazu Gulacsi – unfassbar, wie gut er auf der Linie ist, zur Zeit der Beste in der Liga. Als es in der 75 Minute den Freistoss gab, wusste ich, jetzt kommt die Entscheidung um Sieg oder Niederlage.
    Und dann kratzt er dieses Ding aus der Ecke und das Stadion explodiert wie beim 1:0 gegen den BVB vor 2 Jahren.
    Grandios.

    RB 3:
    Im Stadion gar nicht so genau mitbekommen, aber ja, alle 3 Tore fielen über einen Einwurf, war heute im Rasenfunk auch Thema. Das ist Kopf und Einstellungssache. (Letzte Woch hiess es da, Nagelsmann hätte Nelson gesagt, die Lev-Spieler schalten vor ruhenden Bällen wie Ecke oder Einwurf ab, also schnell spielen.)

    Lichtblicke gehen voll in Ordnung.
    Bei Kampl nur der Hinweis / Idee von mir, das er vieles richtig stark macht, aber er kann eben nicht die genauen Steckpässe von Forsberg auf Werner. Dazu ist sein Torabschluss sehr ausbaufähig, in 180 Minuten 4 100%ige zu verballern ist suboptimal.

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