Gekühlter Kopf

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig bei Celtic Glasgow (08.11.2018, 21.00 Uhr) befindet sich eine Zusammenfassung von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Die wichtigsten Aussagen der Veranstaltung mit Ralf Rangnick und Marcel Halstenberg.]

Zweiter Teil der Europapokal-Duelle mit Celtic Glasgow. Die beiden Schlüsselspiele im Kampf um einen Platz in der K.o.-Phase. Mit einem Sieg kann RB Leipzig das Überwinteren in der Europa League bereits praktisch klarmachen. Wenn Salzburg parallel in Trondheim nicht verliert, wäre das Weiterkommen auch rechnerisch perfekt.

Wenn allerdings Celtic die Partie gewinnt, dann wäre der Kampf um Platz 2 in der Gruppe B wieder völlig offen. Mindestziel müsste für RB Leipzig entsprechend sein, dass man zumindest die direkten Duelle mit Celtic in der Gesamtrechnung für sich entscheidet, um bei Punktgleichheit am Ende vor den Schotten zu stehen. Sprich, nach dem 2:0 im Hinspiel wäre man mit jeder Niederlage mit nur einem Tor oder bei Niederlagen mit zwei Toren Differenz ab einem eigenen geschossenen Tor das im direkten Vergleich bessere Team.

Das wäre dann also das Minimalziel für die Reise nach Glasgow. Mit einem Ergebnis zurückzukehren, mit dem man wenigstens im direkten Vergleich das bessere Team ist. Das Maximalziel wäre der Einzug in die K.o.-Phase, sodass die letzten beiden Spiele in der Gruppenphase nur noch rein statistischen Wert hätten und sich RB bis zur Winterpause komplett auf die Bundesliga konzentrieren könnte.

Vor diesem Maximalziel steht allerdings der Berg namens Celtic Park. Ganz ausverkauft wird der wohl in der Europa League nicht sein (schon weil der Gästeblock nicht ganz ausverkauft ist). Aber gut füllen dürfte sich die 60.000-Leute-Arena für das zweite Heimspiel der Schotten in der Europa-League-Gruppenphase. Entsprechend geht es vor der Partie in vielen Wortmeldungen um die Atmosphäre, die es zu genießen gelte. Weswegen wohl auch so viele RB-Fans mitreisen wie noch nie zuvor zu einem europäischen Auswärtsspiel.

Nun, um touristisches Stadiongucken und Belauschen der Gesänge geht es für die Mannschaft von RB Leipzig nur am Rande. Im Mittelpunkt steht die Aufgabe, dem schottischen Meister auch in deren Stadion den Zahn zu ziehen. Dass das keine ganz einfache Aufgabe wird, ergibt sich schon daraus, dass Celtic bisher in dieser Saison in Europa League, Europa-League-Quali, Champions-League-Quali und Meisterschaft  in Heimspielen zehn Siege eingefahren hat und nur einmal (gegen AEK Athen in der CL-Quali) Unentschieden spielte.

Celitc zu Hause und Celtic auswärts, das sind durchaus auch noch mal unterschiedliche Mannschaften, weil die Wucht, mit der man spielen kann, mit dem heimischen Publikum im Rücken eine andere Wirkung und Dynamik entfaltet. Schon in Leipzig konnte man sehen, dass Celtic in guten Phasen des Spiels viel Druck auf die letzte Kette des Gegners ausüben kann und bspw. dann mit einem Edouard auch eine physisch starke Waffe hat, die im Zentrum Dinge veredelt.

Die letzten Ergebnisse gaben Trainer Brendan Rodgers und seinem Weg der spielerischen Lösungen auch recht. Nach dem etwas mühseligen Saisonstart gewann man die letzten drei Spiele seit der Niederlage in Leipzig allesamt und schoss dabei 13:0 Tore. Besonders beeindruckend dabei, dass man Tabellenführer Heart of Midlothian in zwei Spielen 8:0 besiegte. In der Meisterschaft schoss man sie zu Hause mit 5:0 ab (und liegt nur noch deswegen auf Platz 2, weil man ein Spiel weniger absolviert hat). Eine Woche zuvor zog Celtic mit einem 3:0-Auswärtserfolg ins Halbfinale des Ligapokals ein.

Von Vorteil für Celtic im Vergleich zum Hinspiel in Leipzig ist die Rückkehr von James Forrest und Tom Rogic nach Sperre bzw. Verletzung. Das gibt dem Klub vor allem in den Offensivabläufen noch mal andere Optionen. Kapitän Scott Brown fällt dagegen weiterhin mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit aus.

Letztlich wird für Celtic die Frage sein, welche Antworten sie auf Leipzigs Spiel gegen den Ball finden. Im Spiel bei RB reichte eine einfache taktische Umstellung, um die Schotten komplett aus dem Spiel zu nehmen. Eine Antwort darauf fand Trainer Brendan Rodgers nicht. Nun hatte er zwei Wochen Zeit darüber nachzudenken und hat ein, zwei Optionen für die Mannschaft mehr. Da sollte man entsprechend davon ausgehen, dass RB zumindest zu Beginn des Spiels auch taktisch eine neue Aufgabe vorgesetzt bekommt. Ob das dann als Fünfer- oder als Viererkette daher kommt, spielt dabei keine ganz große Rolle.

Im Hinspiel war Celtic abgesehen von 20 Minuten am Anfang komplett chancenlos und hatte Glück, dass man nur mit einer 0:2-Niederlage nach Hause gefahren ist. Auf der anderen Seite gingen beiden Gegentoren keine mannschaftstaktischen Fehler voraus, sondern waren individuelle Fehler letztliche Ursache. Diesbezüglich muss man sich in jedem Fall verbessern, wenn man nun im Heimspiel gegen RB drei Punkte einfahren will. Viele Bälle frei vor dem gegnerischen Tor braucht RB vermutlich nicht, um daraus ein Tor zu machen.

Von der Philosophie des geordneten Spielaufbaus und Passspiels wird Celtic für das eine Spiel gegen RB nicht abweichen. Ist halt bisher in der Europa League nicht sonderlich durchschlagskräftig gewesen. Zwei Tore in drei Spielen sind wenig. Lediglich acht Torabschlüsse hatte man bisher pro Spiel in drei Partien (RB Leipzig: 18!). Jenseits dessen, dass die Schotten immer mal Wucht und Physis mit ihren spielerischen Qualitäten verbinden können, fehlt ihnen bisher auch oft das Überraschungsmoment. Wobei da ja in den letzten zwei Wochen auch Verbesserungen passiert sein können.

Einstellen muss sich RB Leipzig in jedem Fall darauf, dass Celtic im heimischen Stadion noch mal extrem viel Power auf den Platz bringt und schon allein individuell sehr viel besser aufgestellt ist als noch vor zwei Wochen, auch wenn mit Kouassie einer fehlt, der in Leipzig im zentralen Mittelfeld durchaus zu überzeugen wusste (aber ab der 20. Minute zu sehr allein auf weiter Flur stand).

Ausfalltechnisch sieht es auch auf Leipziger Seite danach aus, als würde der eine oder andere Akteur nur zuschauen. Emil Forsberg ist sicher weiter raus. Timo Werner und Jean-Kevin Augustin sind angeschlagen und fraglich. Wären schon mal drei Spieler mit sehr viel Qualität. Aber auch vor zwei Wochen war es ja auf vielen Positionen nicht unbedingt jene A-Elf, die auch in der Bundesliga aufläuft, die die Schotten schlug. Von daher sollte es auch keine ganz entscheidende Rolle spielen, ob ein Augustin mitfliegt oder nicht. Könnte sein, dass wieder einer der Nachwuchsspieler aus der U19 einen Platz auf der Bank findet. Wenn mit Werner und Augustin tatsächlich zwei Stürmer ausfallen, wäre ja vielleicht ein Fabrice Hartmann eine Option. [Update: Mit Werner und Poulsen fallen zwei Stürmer defnitiv aus. Augustin. ist aber mit in Glasgow. Wird offensiv ein ganz hübsches Gepuzzel werden..]

Mögliche Aufstellungen:

  • Celtic: Gordon – Lustig, Boyata, Benkovic – Christie, Rogic, McGregor, Tierney – Forrest, Morgan – Edouard
  • RB Leipzig: Mvogo – Klostermann, Upamecano, Orban, Halstenberg – Laimer, Ilsanker, Kampl – Cunha, Bruma, Augustin

Fazit: Ausflug in den Celtic Park. Für manch einen das erste und vielleicht ja sogar einzige Mal, dorthin zu kommen. Für RB Leipzig aber geht es vor allem um drei Punkte und eine Vorentscheidung in der Europa League. Das wird gegen einen wuchtigen Gastgeber und vermutlich mindestens 50.000 Celtic-Fans eine ordentliche Aufgabe. Rein von den sportlichen Kräfteverhältnissen, die sich unter anderem im Hinspiel andeuteten, muss man (bei allem Respekt) vor den Gastgebern keine Angst haben. Kühlen Kopf bewahren und dann bei den Chancen, die man kriegen wird, zuschlagen. Dann könnte das mit den drei Punkten für RB auch klappen.

[Wer das Spiel von RB Leipzig bei Celtic Glasgow nicht vor Ort verfolgen kann und am 08.11.2018, ab 21.00 Uhr trotzdem dabei sein will, findet Live-Bilder bei DAZN und bei RTL Nitro. Bullenfunk und RB-Fans-Liveticker gibt es zu der Partie nicht.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. Celtic Glasgow

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Ralf Rangnick darf mit guter Laune in eine neue Saison gehen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig bei Celtic Glasgow. Mit Ralf Rangnick und Marcel Halstenberg.

Ralf Rangnick: Timo Werner und Yussuf Poulsen nicht dabei. Großer Zeh bei Werner. Rückenprobleme bei Poulsen. „Haben einen guten Kader. Aus den zur Verfügung stehenden Spielern werden wir die bestmögliche Aufstellung aufbieten.“

Rangnick: „Atmosphäre so besonderes, weil Fans ihre Mannschaft leidenschschaftlich unterstützen. Haben schon in Leipzig einen Vorgeschmack bekommen. Da waren es aber nur 6.000, diesmal sind es 60.000. Finde es sensationell für ein Spiel am Donnerstagabend, dass 2.000 Leipziger mitfahren. Die müssen alles geben, um auf sich aufmerksam zu machen. Atmosphäre hier wird sehr motivierend für beide Mannschaften.“

Halstenberg: „Haben einige Spieler, die hier schon gespielt haben. Man redet natürlich über die grandiose Stimmung. Freue mich riesig auf die Kulisse. Fans hier stehen zu 100% 90 Minuten lang hinter ihrem Team.“

Rangnick: „Ein paar Spieler kommen bei Celtic zurück. An der grundsätzlichen Ausrichtung von Celtic und uns wird sich aber wohl nichts ändern. Müssen so verteidigen wie in den letzten Wochen, dann haben wir eine gute Chance zu gewinnen.

Halstenberg: „Hinten links ist meine Stammposition und da möchte ich spielen. Ob das auch bei Celtic der Fall ist, wird man sehen.“ (Ablehnung zwischen den Zeilen für die Frage, ob er auch mit Saracchi zusammen auf dem Platz stehen und eine andere Position als links hinten bekleiden könnte.)

Rangnick: „Celtic wird uns nichts schenken. Anspruchsvolle Aufgabe. Wir haben auch in Berlin gesehen, dass wir in so einer Atmosphäre sehr gut spielen können. Wenn wir an die Leistung anknüpfen können, ist mir nicht bange.“ (Verweis auf Salzburg, die vor vier Jahren auch in Glasgow gewonnen haben.)

Rangnick: Stadionbesuch mit den Spielern hält man eigentlich immer so am Abend vor dem Spiel. Diesmal aber kompliziert, weil man im Stau stand und eine Stunde brauchte vom Flughafen zum Stadion. Dass man nach dem Spiel direkt zurück fliegt, macht Sinn, weil man Sonntag schon wieder gegen Leverkusen spielt und die Spieler nach so einem Spiel eh nicht gut einschlafen können. Freitag dann Training um 15 Uhr. Ankunft in Leipzig zwischen drei und vier Uhr früh.

Rangnick: „Stadtrundfahrt ist nicht vorgesehen. War es auch bei den letzten Spielen nicht. Hotel ist etwas weiter draußen, von daher werden die Spieler nicht viel sehen. Ob die Geschichte von Celtic die Spieler interessiert, weiß ich nicht. Ich kenne die Geschichte natürlich, aber einen Einfluss auf den Ausgang des Spiels hat das auch nicht.“

Rangnick: Irgendwas mit Guinness und das das für ihn als deutschem Biertrinker wie „Arznei“ schmeckt. Ein Glas Rotwein ist für die Spieler an Abenden vor den Spielen erlaubt. „Besser als Fanta, Cola oder Spezi.“

Ein Gedanke zu „Gekühlter Kopf“

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