Zunehmende Spannung

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig gegen Universitatea Craiova (09.08.2018, 18.30 Uhr) befinden sich die Aussagen von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralf Rangnick.]

Weiter geht es mit den donnerstäglichen Spielen in der Vorbereitung auf die kommende Saison. Nach dem Weiterkommen in der Europa-League-Qualifikation gegen BK Häcken wird es nun in Runde 3 des Wettbewerbs langsam spannender, bevor es in zwei Wochen in den Playoffs endgültig spannend werden könnte und um den Einzug in die Gruppenphase gehen würde.

Voraussetzung dafür ist allerdings ein Weiterkommen gegen den rumänischen Vertreter Universitatea Craiova, die in der letzten Spielzeit mit Platz 3 in der Liga und dem Pokalsieg eine gute Saison hinlegten und mit der erneuten Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation belohnt wurden. Dort schied man vor einem Jahr mit einem Gesamtergebnis von 0:3 gegen den AC Mailand aus. Dieses Jahr will man gegen RB Leipzig nun die Überraschung schaffen und in die Playoffs einziehen, wo man auf Luhansk oder Braga treffen würde.

Ganz chancenlos ist Craiova in den Duellen mit RB Leipzig sicherlich nicht, auch wenn der Saisonstart bisher sehr schleppend verlief. Nach einer 0:1-Niederlage im Supercup gegen Meister Cluj blieb man in den ersten drei Ligaspielen ohne Sieg. Zuletzt konnte man beim 2:2 gegen den FC Botosani immerhin die ersten Tore der Spielzeit erzielen.

In den bisherigen Ergebnissen deutet sich auch eines der Probleme des rumänsichen Teams an. Denn das drittbeste Offensivteam der letztjährigen rumänischen Liga hat vor allem im vordersten Drittel bisher noch größere Probleme, sich Chancen zu erspielen und diese vor allem auch zu verwerten. Mitverantwortlich dafür ist nicht unwesentlich, dass man mit Alexandru Baluta und Gustavo zwei von drei Topscorern der Vorsaison verloren hat und (bisher) nicht adäquat ersetzen konnte.

Übrig geblieben ist von dem Trio nur noch Alexandru Mitrita, der wahrscheinlich interessanteste Spieler auf Seiten von Universitatea Craiova. Der 23-Jährige ist mit 1,67 m sehr klein, aber dribbelstark, mit gutem Zug zum Tor und auch ein Spieler, den man immer wieder mit Pässen in die Gasse füttern kann. Dazu ist er ein sehr guter Standardschütze. Die Partien gegen Leipzig könnten für den rumänischen Nationalspieler auch eine Chance sein, sich bei internationalen Scouts ins Gedächtnis zu spielen. Vom Niveau her würde er auch kleineren Bundesligisten gut zu Gesicht stehen. Mitrita wird RB aus dem Spiel nehmen müssen, wenn man defensiv nicht in Probleme kommen will.

Abhilfe bei den Offensivproblemen könnte auch Neuzugang Cesar Mesa Colli bringen. Der wurde allerdings erst Anfang der Woche verpflichtet, sodass fraglich ist, ob er überhaupt schon Wirkung entfalten kann. Da er bereits für den FK Keshla in der Europa-League-Qualifikation eingesetzt wurde, ist er zudem (so wie das Reglement zu verstehen ist), in den Spielen gegen RB nicht einsatzberechtigt (erst für eine eventuelle Gruppenphase könnte er gemeldet werden). Auch Neuzugang Matteo Fedele stand noch nicht auf der ersten, der UEFA gemeldeten Kaderliste für die Spiele gegen Leipzig, da er erst nach der Meldefrist verpflichtet wurden. Bis Mittwoch Nacht, um 24 Uhr konnten die Vereine allerdings noch bis zu zwei Spieler nachnominieren.

Ganz entscheidend wird das für die Duelle gegen RB Leipzig nicht. Interessanter da schon, wie sich Craiova für die Spiele taktisch aufstellen wird. Gewöhnlich ist die Mannschaft in einem 3-4-3 unterwegs und sehr offensiv ausgerichtet. Vor allem die sehr offensiven Außenbahnspieler, die man deswegen eher sehr schlecht als Außenverteidiger bezeichnen kann, sind bemerkenswert. Die bedeuten aber auch, dass Craiova im Umschalten auf die Defensive eher langsam in eine Fünferkette in der Abwehr findet. Da die Dreierkette oft sehr eng zusammensteht, gibt es entsprechend zwangsläufig gute Räume auf den Außenbahnen. Wenn man über diese mit Geschwindigkeit kommt, kann man die Dreierkette der Rumänen ganz gut in Bewegung bringen und in Verlegenheit stürzen.

Zumindest in der heimischen Liga ist das so zu beobachten. Inwieweit Craiova das allerdings auch gegen Leipzig so risikobehaftet spielt, wird man abwarten müssen. Gut möglich, dass man es mit den Außenbahnspielern etwas defensiver angeht und entsprechend die Lücken nicht ganz so groß sind. Zumal man über Mirita, den sehr jungen und viel versprechenden Mihaila oder Barbut auch gute Optionen hätte, aus einer eher defensiveren Formation ins schnelle Umschaltspiel zu kommen  Auch wenn Craiova gewöhnlicherweise durchaus dafür steht, selber Fußball spielen zu wollen, wofür sich selbst Spieler der Dreierkette immer wieder tief in die gegnerische Hälfte schieben. Macht man das gegen Leipzig auch so, könnte man aber relativ schnell in Konter und dem Geschehen hinterherlaufen.

Vielleicht besteht der entscheidende Unterschied zwischen Craiova und Häcken darin, dass die Rumänen mit einer höheren Intensität und Dynamik spielen. Diesbezüglich waren die Schweden doch einigermaßen chancenlos und bieder. Da ist Craiova durchaus ein anderes Kaliber. In der rumänischen Liga wird zudem generell auch gerne mal recht rustikal zugelangt (was beim BK Häcken kein Mittel der Wahl war). Auch wenn dort bei Foulspielen eine noch mal höhere Theatralik bei den gefoulten Spielern zu beobachten ist als in Deutschland. Als Beobachter hat man da manchmal angesichts der Reaktionen der gefoulten Spieler Angst, dass das Bein ab ist und am Ende stellt es sich bei erneuter Betrachtung als relativ normales Foul heraus.

Dass Craiova mit einer recht hohen Intensität und Dynamik auftreten wird, wird auch dadurch unterstützt, dass man bereits seit Mitte Juli (also ungefähr seit dem Trainingsstart in Leipzig) im Pflichtspielbetrieb steht. In den bisherigen Ergebnissen schlägt sich das zwar noch nicht nieder, aber in Sachen Abstimmung und Physis sollten die Rumänen deutlich weiter sein als RB. Auch wenn die RasenBallsportler diesbezüglich im Trainingslager in Seefeld aufgeholt haben müssten.

Wobei weiter die Frage bleibt, wie weit RB Leipzig in Sachen Vorbereitung schon ist. Personaltechnisch lief man in den letzten zwei Wochen ein wenig auf der letzten Rille. Diesbezüglich hat sich die Situation inzwischen ein wenig verbessert. Timo Werner, Yussuf Poulsen und Marcel Sabitzer könnten langsam wieder zu Optionen werden. Für den Spieltagskader sowieso, aber vielleicht ja auch schon wieder für die Startelf. Für Nordi Mukiele kommt die Partie nach leichteren Verletzungen in Sachen Startelf noch zu früh. Mit Emil Forsberg ist in der Startelf trotz Rückkehr nach Leipzig nach der Geburt seiner Tochter auch nicht zu rechnen, da er bisher nur wenig mit der Mannschaft trainiert hat.

Konrad Laimer trainierte bis gestern nur individuell und ist somit auch keine Option für das Craiova-Spiel. Upamecano ist derweil verletzungsbedingt weiter raus. Massimo Bruno wurde aufgrund der Kaderbestimmungen der UEFA gar nicht erst für die beiden Quali-Spiele gegen Craiova nominiert. Genausowenig wie Marcel Halstenberg, der nach Kreuzbandriss wohl frühestens im September zu einer Option wird.

Insgesamt verfügt Ralf Rangnick für das Hinspiel gegen Craiova schon wieder über bis zu 15 Profi-Feldspieler, wobei mit Forsberg, Sabitzer, Poulsen, Werner und Mukiele allerdings fünf für die Bank vorgesehen sind. Die Luft für die bisher so dringend gebrauchten Nachwuchskräfte wird somit dünner. Maximal ein bis zwei werden es in den Spieltagskader schaffen. Aufgrund seiner defensiven Vielseitigkeit wäre Niclas Stierlin sicherlich die naheliegende Option.

Egal wer dann letztlich auch auf dem Platz steht. Die Gruppe, die Ralf Rangnick zusammenhat, sollte stark genug sein, um das Hinspiel gegen Craiova für sich zu entscheiden. Zumal die Kerngruppe, in die nun die wieder zur Verfügung stehenden Spieler integriert werden müssen, in den bisherigen Europa-League-Quali- und den Testspielen bereits gut ein paar Spielminuten zusammen absolviert hat. Vor allem im Vergleich der RB-Offensive mit der Craiova-Defensive gibt es ein paar Vorteile für die Heimelf, die man auf dem Rasen und später auf der Anzeigetafel sehen sollte.

Fraglich auf der anderen Seite, wie gut die RB-Defensive in Sachen Abstimmung und Umschalten schon funktioniert. In Häcken gab es da wie auch gegen Huddersfield einige Lücken und Konterchancen für den Gegner. Beide Spiele waren aus unterschiedlichen Gründen aber wenig aussagekräftig, sodass unklar, ob die Konteranfälligkeit einfach den speziellen Spielumständen geschuldet war oder ob da eine grundsätzlichere Problematik besteht. Im Training hat man bei RB Leipzig verstärkt Pressing- und Gegenpressingsituationen in den Blick genommen. Ob Restfeldverteidigung auch ein wichtiger Bestandteil war, wird man sehen.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann , Konaté, Orban Saracchi – Demme, Ilsanker – Kampl, Bruma – Augustin, Cunha
  • Universitatea Craiova: Pigliacelli – Ferreira, Gardos, Popa – Borta, Mateiu, Cicaldau, Bancu – Mihaila (Barbut), Burlacu (Meza Colli), Mitrita

Fazit: Wie gegen Häcken wird auch gegen Craivoa für die RasenBallsportler die Aufgabe sein, sich für das Rückspiel eine Ausgangsposition zu verschaffen, mit der man rein von den Kaderplanungen drei Tage vor dem dann anstehenden DFB-Pokalspiel in Köln die Reise nach Rumänien etwas entspannter umgehen und angeschlagenen Akteuren eine Pause geben kann. Wie beim BK Häcken dürfte auch bei den rumänischen Gästen aus Craiova eine Problemzone in der Defensive und hier vor allem in der Abstimmung innerhalb der Dreierkette liegen (wenn man das System nicht viel defensiver spielt als gewohnt). RB Leipzig ist natürlich auch in diesem Duell wie schon gegen Häcken der Favorit, aber Craiova dürfte mit ganz anderer Intensität und Dynamik in die Spiele gehen als die Schweden, sodass auf RB auch eine ganz andere Herausforderung warten könnte.

[Wer das Spiel von RB Leipzig gegen Universitatea Craiova nicht vor Ort verfolgen kann und am 09.08.2018, ab 18.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze den Liveticker der RB-Fans. Bilder gibt es live bei DAZN und bei Sport1.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. Universitatea Craiova

  • keine

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Ralf Rangnick darf mit guter Laune in eine neue Saison gehen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig gegen Universitatea Craiova. Mit Ralf Rangnick.

Ralf Rangnick: Nordi Mukiele traniert ohne Probleme. Ist im Kader, spielt aber nicht von Beginn an. Forsberg ist nach der Geburt seines Kindes wieder im Kader, spielt aber nicht von Beginn an. Ist noch nicht in der körperlichen Verfassung dafür. Kann aber eingewechselt werden. Halstenberg fällt weiter aus. Konrad Laimer soll kommenden Montag wieder ins Training einsteigen, genau wie Dayot Upamecano.

Zu Forsberg: „Mannschaft hat applaudiert zu Forsbergs Nachwuchs. Gut und wichtig, dass er bei der Geburt dabei sein konnte. Besser, dass es jetzt war als mitten in der Saison. Das haben sie gut hingekriegt.“

Zur Hitze: „Montag am Abend trainiert, da war es angenehm. Gestern war es schwüler. Heute morgen auch. Halb elf war es schon sehr schwül. Aber das geht auch dem Gegner so. Wie es dann am Donnerstag Abend aussieht werden wir sehen. War ja aber gegen Häcken auch nicht viel anders. Haben von der Formation her ein paar Möglichkeiten mehr und eine gut besetzte Bank.“ Das heißt, man kann ohne Substanzverlust wechseln. Ob es Trinkpausen gibt, entscheidet der Schiedsrichter eine halbe Stunde vor dem Spiel.

„Gern wieder so ein Ergebnis wie gegen Häcken. Gegner ist aber technisch stärker einzuschätzen. Sehr spielerischer Ansatz. Spielen oft im 3-4-3. Immer auf der Suche nach spielerischen Lösungen. Darauf haben wir die Mannschaft eingestellt.“

Zu Mukiele: „Doch keine strukturelle Verletzung ,sondern ein neuronaler Ausfall. Keine Zerrung, kein Faserriss. Ging schneller als gedacht. Gut für ihn. Wenn er noch eine Woche ausgefallen wäre, hätte er noch mehr aufholen müssen. Können jetzt körperlich und taktisch wieder mit ihm arbeiten.“

„Spiel gegen Craiova stört in der Vorbereitung nicht. Passt genau rein. Hätten sowieso ein Testspiel gehabt. Bin froh über diesen ‚Test‘, den wir morgen haben und das Rückspiel nächsten Donnerstag. Keine Störfaktoren für die Vorbereitung. Generalprobe machen wir nicht, weil wir wieder nur einen halbvollen Kader gehabt hätten und die U19 am Freitag auf St. Pauli spielt. Fans sollen das Spiel gegen Craiova als Saisoneröffnung nehmen und dann kommen statt 15.000 vielleicht auch 20.000 oder 25.000.“

Werner und Poulsen noch nicht auf dem Stand der anderen. Machen regelmäßig zusätzliche Läufe. „Sie führen wir jetzt an die Mannschaft heran. Wenn es was gutes am frühen deutschen Ausscheiden gibt, dann dass Werner früh wieder einsteigen konnte. Dass Poulsen und Werner in der Startelf stehen, ist nicht ausgschlossen“, aber von der Bank kommen ist wahrscheinlicher.

Zu Sabitzer: „Könnte von Beginn an spielen. Aber es ist ein Pflichspiel und wir wollen mit der bestmöglichen Elf auflaufen. Deswegen kann es sein, dass er erst später reinkommt. Geht bei ihm noch um Automatismen und Abläufe und Sicherheit, auch um Luftduelle und Körperkontakt. Haben noch zweieinhalb Wochen bis zum Dortmund-Spiel. Da hoffen wir, dass noch ein paar Fortschritte dazu kommen.“

„Wäre schön, wenn wir gegen Craiova wie gegen Häcken einen Vorsprung herauszuschießen und eine Vorentscheidung herbeiführen. Wenn nicht, dann gibt es auch noch ein Rückspiel. Je nach Hinspiel-Ergebnis könnten dann auch Spieler mit Rückstand im Rückspiel auflaufen.“

Könnte in Richtung Bundesliga ein Vorteil sein, dass man schon Pflichtspiele bestritten hat. „Wir müssen aber erstmal sehen, dass wir die nächste Runde überstehen. Dann wird es anspruchsvoller, drei Tage vor Dortmund in der Ukraine oder in Portugal zu spielen. Auch deswegen hoffe ich, dass die Verletzten zurückkommen und die Nationalspieler und Sabitzer weiter aufholen. Dann können wir frische Spieler bringen, ohne Qualität zu verlieren.“

Noch kein Kontakt mit Craiova gehabt, aber schon mal gegen Cluj gespielt. „Craiova eine größere Stadt in der Region Wallachei. Knapp 300.000 Einwohner. Modernes Stadion. Eventuell wird es für das Rückspiel auch voll.“

Zum Einlauf gegenüber Augustin, Mukiele, Upamecano: „Ansage ist glaube angekommen und wenn nicht, werde ich sie auch wiederholen. Richten den Blick nach vorn. Jungs wissen, dass bestimmte Dinge nicht gehen. Wir haben hohe Ziele und da ist Voraussetzung, dass jeder seinen 100%igen Beitrag leistet.“

Zu Neuzugängen: „Positive Nachrichten gibt es, wenn ein Spieler hier ist. Wir arbeiten im Hintergrund dran. Wir wissen, was wir wollen. Ob wir es auch hinkriegen, kann ich noch nicht sagen. Ich werde mich aber nicht so schnell mit einem Nein zufrieden geben. Wenn ich vom Ja überzeugt bin, bin ich hartnäckig. Wurden auch in den letzten Jahren erst Transfers am 30.08. erledigt. Wenn das diesmal auch so ist, könnte ich damit auch gut leben.“

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