Auswärtsspiel in Mainz mal ohne Abstiegskampf

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig beim 1.FSV Mainz 05 (03.05.2019, 20.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralf Rangnick.]

Drittletzter Spieltag in der Bundesliga. Und für RB Leipzig geht es praktisch um nichts mehr. Das hatte man so in der Bundesliga auch noch nicht. Wobei rechnerisch die Plätze 2 und 1 noch drin sind. Aber das sind schon arg theoretische Szenarien (zumindest in Richtung Rang 1). Fakt ist, dass RB Leipzig in dieser Saison nichts mehr verlieren kann, weil der dritte Platz schon sicher ist.

Zum dritten Mal fährt RB Leipzig in der Endphase der Saison nach Mainz. Zweimal in Folge traf RB in der Vergangenheit auf einen Gegner, der im Abstiegskampf noch mal alles und jeden Zuschauer mobilisierte. Einmal ging das für RB mit einem Sieg in einem extrem hitzig-überdrehten Spiel gut, das andere Mal verlor man vor einem Jahr sehr deutlich in Mainz (was gleichzeitig der negative Höhepunkt der Talfahrt in der Schlussphase der Saison war).

In dieser Saison ist der 1. FSV Mainz 05 am 32. Spieltag der Bundesliga bereits gerettet. Nach oben und nach unten geht nicht mehr viel. Zwischen Platz 10 und Platz 15 kann es am Ende werden. Ziel ist naturgemäß Platz 10. Wobei das dann halt auch immer so eine Sache ist, wenn das ganz große Kribbeln aus einer Saison raus ist. Von der Aussicht, dass der Verein ein paar Euro mehr TV-Gelder einnimmt, wächst bei Profis im Normalfall nicht die intrinsische Motivation.

Dass Mainz trotz geschafftem Klassenerhalt noch genug Motivation hat, zeigte paradoxerweise die 0:1-Niederlage in Hannover.  Eine Partie, in der Mainz das deutlich bessere Team war, guten Fußball spielte und nur an der Chancenverwertung scheiterte bzw. sich defensiv das Gegentor quasi derart selbst ins eigene Netz legte, dass H96-Torschütze Weydandt irgendwas zwischen belustigt und fassungslos war. Trainer Sandro Schwarz wies aber zurecht darauf hin, dass das Einzige, was man besser machen muss, das Nutzen von Torchance ist.

Dass Mainz in dieser Saison relativ problemlos und früh den Klassenerhalt schafft, konnte man so vor der Saison nicht so richtig prognostizieren. Die Mannschaft hat einen ordentlichen Umbruch hinter sich. Ein Umbruch, bei dem sich auch zeigt, dass die Transferpolitik des Vereins funktioniert. Fünf der sechs Zugänge, für die Mainz (für die 05er-Verhältnisse sehr viel) Ablöse bezahlte, stehen unter den elf meisteingesetzten Spielern der Saison und wurden zu absoluten Leistungsträgern und teilweise zu Spielern, die schon wieder bei größeren Klubs auf dem Radar sind. Letzten Sommer nahm Mainz fast 50 Millionen Euro mit Diallo, Muto und Serdar ein. Die nächsten Millioneneinnahmen stehen bei Namen wie Gbamin oder Aaron bereits vor der Tür. Dass Mainz die Spieler recht jung verpflichtet, zahlt sich wirtschaftlich auch aus.

Sportlich wie gesagt auch, denn man ist auf einem klaren Kurs, Punktzahl und Platzierungen der letzten beiden Spielzeiten zu verbessern. Und das mit der im Schnitt der eingesetzten Spieler zweitjüngsten Mannschaft der Bundesliga hinter RB Leipzig. Mainz stellte sogar die drei jüngsten Startformationen überhaupt (am 4., 7. und 8. Spieltag). Nicht selbstverständlich mit einer so jungen Mannschaft nach einem durchaus ordentlichem Umbruch so souverän zum Klassenerhalt zu cruisen. Die Frage ist halt, ob man mit den Spielern im Alter bis 23 Jahre eine Basis zusammen hat, auf der man in den kommenden Spielzeiten aufbauen kann oder daraus vor allem wirtschaftlicher Gewinn entsteht und man weiter permanent umbauen muss.

Das ist aber eine Frage für den Sommer. Vorerst geht es um das Spiel gegen RB Leipzig. Und da kann man ein Mainzer Team erwarten, das so wie in der ganzen Saison (und gerade zu Hause) relativ unbekümmert und intensiv-geradlinig den Weg nach vorn sucht. Eine Mannschaft mit wenig Ballbesitz, aber guten fußballerischen Qualitäten. Eine Mannschaft, die keine lange Ballzirkulation pflegt, sondern relativ direkt und gern auch durch die Mitte ins vordere Drittel will. Und wenn das auf fußballerischem Wege nicht geht, dann tut es auch der lange Ball auf Mateta.

Wie Leipzig pflegt Mainz läuferisch einen intensiven Stil. Keine Mannschaft, die insgesamt überdurchschnittlich viel läuft, aber eine, die viele intensive Läufe und Sprints einstreut und damit dem Laufverhalten von RB ähnelt (was auf relativ aggressives Anlaufen und gutes Umschalten hinweist).

Mainz ist in dieser Saison vor allem gut darin, Spiele eng zu halten. Nur gegen Leverkusen kassierte man eine hohe Heimniederlage. Gegen Bayern und Dortmund verlor man jeweils nur knapp. Gegen Schalke, Freiburg und Düsseldorf gewann man zuletzt in der Rückrunde sogar jeweils deutlich zu Hause und mit insgesamt 11:1 Toren.

Basis dafür ist in heimischer Umgebung die Stärke in der Defensive. 17 Gegentore in 15 Heimspielen sind der drittbeste Wert in der Liga. Allerdings lässt Mainz in der Rückrunde insgesamt deutlich mehr Großchancen zu als in der Hinrunde. Dafür spielt man zwar auch mehr Großchancen heraus, aber defensiv ist es nicht immer so stabil, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Über die Saison gesehen kassiert Mainz vor allem nach Standards und Kontern zu viele Gegentore.

Interessant, dass Mainz genauso viele Torabschlüsse hat wie RB Leipzig, was gut den zappeligen Charakter des Offensivspiels charakterisiert. Allerdings geht nur jeder vierte Schuss auch auf das Tor, so wenige wie bei keinem anderen Team der Bundesliga (zum Vergleich: Bei RB Leipzig gehen 37% der Torschüsse auch auf den Kasten). Daraus erklärt sich dann auch, dass Mainz im Bundesligavergleich mit die meisten Torschüsse aus dem normalen Spiel heraus hat, aber in Sachen Toren aus dem Spiel heraus ein unterdurchschnittliches Bundesligateam ist.

Insgesamt symbolisiert Mainz 05 ziemlich perfekt den diesjährigen Bundesligadurchschnitt. Was nach zwei Jahren im Abstiegskampf sicherlich eine positive Beschreibung ist. Mainz steht auch prototypisch für den Trend in der Bundesliga, wieder mehr mit dem Ball anfangen zu wollen, auch wenn es dabei nicht um Ballgeschiebe und eine Passmaschinerie geht. Es geht alles recht schnell und recht direkt und vor allem nach vorn. Und wenn man den Ball mal verliert, dann soll schnell verdichtet werden.

Interessant, dass in Mainz die Zuschauerzahlen trotz wachsender Erfolge und eigentlich erfrischender Spielweise weiter gesunken sind. Seit 2011/2012 ist der Schnitt um rund 7.000 Zuschauer pro Spiel gefallen. Das ist auch wirtschaftlich für einen kleinen Klub irgendwann ein durchaus relevanter Faktor. In dieser Saison begrüßte Mainz gegen Wolfsburg keine 20.000 Zuschauer. In der letzten Saison lag die Minuskulisse noch bei knapp 23.500 im Spiel gegen Hoffenheim. Erstaunlich, aber im Groben ja durchaus auch ein allgemeiner Ligatrend.

Das Spiel gegen Leipzig wird in Mainz am drittletzten Spieltag sicherlich auch nicht der absolute Zuschauerknüller. Dazu geht es in der Partie um zu wenig. Auf Seiten von RB Leipzig hat Ralf Rangnick derweil schon klargemacht, dass man in den letzten Spielen keinen Gang rausnehmen möchte, weil es dann so schwer ist, den Schalter vor dem Pokalfinale wieder umzulegen. Man wird in den verbleibenden Spielen sicherlich den einen oder anderen Wechsel sehen, um den einen oder anderen Spieler noch mal zu schonen, aber insgesamt wird man die Saison vermutlich ungefähr in der Kernbesetzung zu Ende bringen.

Die Frage wäre, welche Ziele man sich setzt, um im höchsten Gang zu bleiben. Beste Rückrundenmannschaft wäre noch ein Ziel (ein Punkt liegt man in der Statistik aktuell hinter Bayern). Nicht mehr als 25 Gegentore vielleicht. Alle Auswärtsspiele in 2019 gewinnen ginge auch. Und natürlich jene 67 Punkte aus der ersten Bundesliga-Saison knacken (bisher hat man 64).

Vermutlich wird es auf irgendwas in der Art hinauslaufen, verbunden mit der Verlockung von einer um zwei Tage verlängerten Sommerpause. Vielleicht gibt es aber auch irgendeine Art mannschaftsinternen Wettbewerb (so wie man es bei Testspielen manchmal hatte, wenn das Team der zweiten Hälfte mehr Tore erzielen sollte als das der ersten Hälfte).

Egal welche psychologischen Aktionen man ins Feld führt, die allerletzte Ernsthaftigkeit werden die letzten drei Spiele aus RB-Sicht vielleicht trotzdem nicht haben. Da auch Mainz in diesem vorletzten Heimspiel frei aufspielen kann, könnte das auch auf ein hübsch abwechslungsreiches Spektakel-Spiel hinauslaufen. Auf beiden Seiten gibt es jedenfalls relativ viel Qualität, schnell in die Spitze zu spielen und ungenaues Defensivverhalten zu bestrafen.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg – Sabitzer, Demme, Haidara (Kampl) – Poulsen, Forsberg, Werner
  • 1.FSV Mainz 05: Müller – Donati (Brosinski), Hack, Niakhate, Aaron – Boetius, Gbamin, Latza – Öztunali (Onisiwo), Quaison, Mateta

Fazit: RB Leipzig beim 1. FSV Mainz 05. Während es rechnerisch für RB noch um den Meistertitel geht, bleibt praktisch das Ziel eines guten Saisonabschlusses. 15 Pflichtspielen am Stück ohne Niederlage schenkt man vermutlich auch nicht allzu gerne einfach so her. Entsprechend wird RB bei schon geretteten Mainzern auch auf Sieg spielen. Ob man das dann mit demselben Engagement im Spiel gegen den Ball angeht, wie andere Partien in dieser Rückrunde auch, wird sich zeigen. Wenn nicht, dann wird Mainz durchaus in der Lage sein, die entstehenden Räume gut zu nutzen.

[Wer das Spiel von RB Leipzig beim 1.FSV Mainz 05 nicht vor Ort verfolgen kann und am 03.05.2019, ab 20.30 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live im Eurosport Player.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. 1.FSV Mainz 05

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Ralf Rangnick. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig beim 1.FSV Mainz 05. Mit Ralf Rangnick.

11.43

So, 32. Spieltag in der Bundesliga. So viel Entspanntheit war selten. Ein paar Fans wird es schon noch geben, die den Tabellenrechner bis zum Umfallen malträtieren, damit der eine RB-Meisterschaft ausspuckt. Peter Gulacsi schielt zumindest noch auf Platz 2. Letztlich geht es wohl in den letzten drei Spiele noch darum, die Punktzahl aus der ersten Bundesligasaison zu übertreffen und vielleicht ein paar Vereinsrekorde mitzunehmen. Mit einem Sieg in Mainz wäre RB zumindest schon mal das Team mit der besten Punktzahl ever nach 100 Bundesligaspielen. Na wenn das kein Ziel für den Freitagabend ist.

11.47

Mal sehen, wie Ralf Rangnick diese letzten drei Spiele in der Bundesliga aka Pokalfinalvorbereitung angehen wird und wie sehr es tatsächlich als „Qualifiying“ für Berlin genutzt wird. Gut vorstellbar, dass der eine oder andere noch mal die Chance kriegt, sich zu zeigen und für das große Endspiel zu empfehlen. Und ein Emile Smith Rowe steht ja auch erst bei einer Einsatzminute, war aber zuletzt auch wieder angeschlagen.

11.49

Abschenken wird RB das Spiel in Mainz sicherlich nicht. Da steht schon der Ehrgeiz von Rangnick dagegen. Und solange zumindest die theoretische Chane besteht, noch Zweiter oder Erster zu werden, wird man sicherlich bemüht sein, die entsprechenden Punkte auch einzufahren. Wäre ja nichts bitterer, als in Mainz Punkte zu lassen und dann verliert Bayern einen Tag später gegen Hannover. Wie unrealistisch (gegen Hannover, hihi) das auch immer sein mag.

12.03

Ralf Rangnick: Mvogo fällt weiter aus. Nächste Woche wahrscheinlcih dabei. Upamecano noch nicht bereit. Macht erst Teile des Trainings mit. Adams auch weiter nicht dabei. Ansonsten alle im Training und alle prinzipiell einsatzbereit.

„Wüsste nicht, warum wir viel wechseln sollten.“ Leistungsstärkste Spieler aufstellen. Sind noch drei Bundesligaspiele.“Können noch neun Punkte holen und das werden wir auch versuchen.“

12.05

Rangnick: „Spieler können auch die Tabelle lesen. Solange wir rechnerisch Zweiter oder Erster werden können, müssen wir die Spieler nicht motivieren. Wollen alle vier Spiele, die wir noch haben, gewinnen. Gegen Mainz haben wir im Vergleich zur Vorsaison noch was gutzumachen. Werden in Sachen Aufstellung und Einstellung alles tun, dass wir das Spiel gewinnen.“

„Mainz verteidigt nicht mit Mann und Maus. Treffen auf eine aktive Mannschaft, die nach vorn spielt. Darauf werden wir unsere Mannschaft vorbereiten. Neun Pflichtspiele am Stück auswärts gewonnen. Wollen den zehnten hinzufügen.“

12.08

Rangnick: „Nur wichtig für uns, Spiele zu gewinnen. Wahrscheinlichkeit mit breiter Brust nach Berlin zu fahren, erhöht sich durch Siege. Rekorde sind nice to have, aber spielen in der Vorbereitung auf Spiele keine Rolle.“

Irgendwas mit Wettquoten.

„Meistertitel ist relativ unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Dafür müssen wir in Mainz gewinnen. Brauchen eine Topleistung. Keiner kann sagen, was es bedeueten würde, wenn wir die letzten drei Spiele gewinnen. Dann hätten wir 73 Punkte. Das wäre nicht schlecht. Aber erstmal kommt Mainz, dann sehen wir weiter.“

12.12

Rangnick:“Gehen von einer Mainzer Raute aus.“ Gegenpressing, hoch anlaufen als Mainzer Charakteristika. „Haben Mittel und Möglichkeiten, das zu überspielen. Unser Spiel steht und fällt damit, dass der erste Sprint vorn zum richtigen Zeitpunkt sitzen muss.“ Synchrones Anlaufen.

„Beschäftigen uns nur mit dem Spiel in Mainz. Dann gibt es eine neue Tabellenkonstellation. Dann beschäftigen wir uns mit dem Bayern-Spiel.“

Mögliche Gelbsperren? Spielen keine Rolle für die Mainz-Aufstellung, weil man sonst das Spiel in Mainz niedriger gewichten würde. „Das werden wir nicht tun. Wir gehen das Spiel an, als bräuchten wir noch Punkte für die Champions League.“

12.16

Rangnick: Will keine Fazits oder ähnliches ziehen, weil dafür noch nicht die Zeit ist. „Dass wir im dritten Jahr Bundesliga schon einen Titel holen können, ist etwas ganz besonderes. Natürlich wollen wir die Chance nutzen.“ (In Bezug auf Pokalfinale)

Zuletzt Besuch von Arsenal gehabt. „Endgültige Gespräche nach Ende der Saison.“ Hoffnung auf Einsatzzeit bei Smith Rowe, der wieder im Training steht. „Wir können uns eine Verlängerung der Leihe vorstellen.“ Das hat man auch Arsenal mitgeteilt.

Zu Upamecano: „Konnte maximal den Aufwärmblock und körperlose Übungen mitmachen. Skeptisch, was die restlichen Spiele angeht. Die Pause war zu lang. Solange das Knie nicht reizfrei ist, werden wir kein Risiko eingehen.“ Muss man abwarten und von Tag zu Tag gucken. U21-EM kommt nur in Frage, wenn er vorher auch bei RB gespielt hat. „Weil wir ansonsten mit der Gesundheit des Spielers spielen würden.“

12.18

Das war es von hier. Ralf Rangnick sieht etwas müde aus, wirkt sehr bissig und blockt alle Fragen ab, die sich um fehlende Motivation und Co für den Rest der Saison gehen. Wenn es nach Rangnick geht, dann wird in den letzten Spielen noch die Champions League bzw. der Meistertitel ausgespielt. Also von der Motivation her. Na gucken wir mal, wie sich das dann in Mainz auswirkt. Viel Spaß am Freitagabend mit dem Spiel. Bis dahin.

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