Premierensieg in Augsburg als Ziel

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht zur Partie von RB Leipzig beim FC Augsburg (02.04.2019, 20.45 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralf Rangnick.]

RB Leipzig mit der Chance, in das Halbfinale des DFB-Pokal einzuziehen. So fingen in der Vergangenheit vielleicht höchstens April-Scherze an. Diesmal nicht, denn tatsächlich ist RB Leipzig nur noch zwei Spiele von Berlin entfernt. In diesem Wettbewerb wird ja von der ersten Runde an eigentlich auch immer über das Finale geredet, aber so richtig anfühlen tut sich das zu Beginn des Pokals noch nicht. Jetzt bekommt man langsam durchaus ein Gefühl dafür, dass da eine große Chance auf ein Endspiel wartet bzw. man als Team, das es unter die letzten Acht geschafft hat, relativ nah dran ist. Sprich, dieses Berlin-Dingens wird langsam von einem abstrakten Begriff zu einem Traum, der ganz real in den Alltag einzieht.

Die Pokalhistorie von RB Leipzig hatte bisher durchaus auch Highlights zu bieten. Nur weit ging es im DFB-Pokal nie so richtig. Das 3:2 gegen Wolfsburg im ersten DFB-Pokalspiel überhaupt hat natürlich seinen ganz eigenen Platz in der Vereinsgeschichte. Auch das Ausscheiden gegen die Bayern unter Hasenhüttl nach Elfmeterschießen gehört zu den Spielen, die länger im Gedächtnis bleiben. Weiter als ins Achtelfinale ging es aber bis diese Saison nie. Nur im Sachsenpokal stehen zwei Endspiele mit zwei Siegen gegen den Chemnitzer FC in den Geschichtsbüchern. Auch zwei Spiele, mit denen für viele Menschen im RB-Umfeld einige Erinnerungen verbunden sein dürften. Vor allem das 4:2 2013 unter Zorniger gehörte zu den spekakulärsten Spielen, die man in der Red Bull Arena bisher bestaunen durfte.

Die bisherige RB-Pokalsaison war geprägt von Erfolg, aber auch nicht von übermäßiger Euphorie. Das 3:1 bei Viktoria Köln war verdient, hinterließ aber auch nicht den Eindruck, dass da ein Pokalfavorit spielen würde. Das 2:0 gegen Hoffenheim war souverän und sportlich hübsch, aber geprägt von einem mehr als mäßigen Publikumsinteresse. Auch der viel zu niedrig ausgefallene 1:0-Sieg im Achtelfinale gegen Wolfsburg wurde von einem sehr mäßigen Zuschauerinteresse begleitet. So richtig viel Euphorie war entsprechend im RB-Umfeld in Sachen Pokal nicht zu spüren.

Im Viertelfinale des DFB-Pokals geht es nun an einem Dienstagabend nach Augsburg. Auch nicht gerade die populärste Auswärtsfahrt für RB-Anhänger. Zumal es beim FCA in der Vergangenheit nicht viel zu holen gab. Gegen keine Mannschaft außer den Bayern, gegen die RB Leipzig schon mehr als viermal gespielt hat, hat man so wenig Siege eingefahren wie gegen Augsburg.

Von acht Aufeinandertreffen konnte RB nur zwei gewinnen. Dazu stehen drei Unentschieden und drei Niederlagen in der Bilanz. Zwei der Niederlagen kassierte man allerdings als unterklassiger Verein (Viert- bzw. Drittligist) im Pokal gegen den jeweiligen Bundesligisten Augsburg (2011 und 2013). In der Bundesliga ist die Bilanz mit zwei Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage bisher also leicht positiv für RB Leipzig. In Augsburg gab es bisher bei zwei Unentschieden und einer Niederlage noch nicht wirklich was zu holen. Für das DFB-Pokal-Halbfinale braucht es also einen Premierensieg in Augsburg.

In der aktuellen Spielzeit waren die RBL-FCA-Spiele nicht wirklich was für Fußball-Feinschmecker. 180 Minuten, noch gar keine Tore, das ist die überschaubare Bilanz, die im Pokal spätestens im Elfmeterschießen ein Ende haben wird. Es waren zwei Spiele mit demselben Ergebnis, aber sehr unterschiedlichem Verlauf. Partie 1 in Augsburg war ein intensives Zweikampfgemetzel, bei dem selbst die Spieler froh waren, als der anstrengende Kick dann abgepfiffen wurde. In Partie 2 verteidigte Augsburg dann auch aufgrund der Personalsituation wesentlich tiefer und nicht mit der gewohnten Aggressivität schon rund um die Mittellinie und profitierte davon, dass RB die wenigen, aber guten Chancen vergab.

Wie nun das dritte Aufeinandertreffen zwischen den beiden Vereinen in dieser Saison läuft, wird man am Dienstagabend sehen. Zu vermuten ist, dass die Augsburger vor heimischem Publikum wieder wesentlich aktiver nach vorn verteidigen als noch in Leipzig, also von der Intensität her eher eine Partie entsteht wie in der Hinrunde in der Bundesliga in Augsburg. Es dürfte für die RasenBallsportler also durchaus eine Partie werden, die weh tut. Im Gegensatz zum Spiel gegen Hertha, das mit nur je sieben Fouls sehr soft über die Bühne ging.

Wo Augsburg aktuell steht, ist schwer einzuschätzen. Als nach der 1:5-Niederlage in Freiburg, dem Hinteregger-Theater und anderen Geschichten alles auf Krise stand, holte das Baum-Team aus den Partien gegen Dortmund, Leipzig und Hannover mal eben sieben Punkte. In Nürnberg gab es nun aber eine 0:3-Klatsche und damit wieder einen Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten. Allerdings täuscht das Ergebnis auch darüber hinweg, dass es lange ein 0:0-Spiel war, das durch einen Nürnberger Standard aufgelöst wurde und das 3:0 erst durch zwei sehr späte Konter herausgespielt wurde. Fakt bleibt aber, dass Augsburg mit dieser Niederlage eine ganz große Chance verspielt hat, sich deutlich von den Abstiegsplätzen in der Bundesliga abzusetzen. Bei nur fünf Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16 ist das Team von Intensiv-Coach Manuel Baum im Abstiegskampf noch lange nicht durch.

Das wird für das DFB-Pokalspiel aber nicht allzu viel heißen. Gab in der Vergangenheit ja genug Klubs, die in der Liga schwächelten, aber in Pokalwettbewerben gut aufspielten. Augsburg hat die Fähigkeiten, mit einem sehr kompakten Auftreten, Spiele auch gegen favorisierte Teams sehr eng zu halten. Immerhin zehn Bundesligateams haben mehr Niederlagen mit mindestens zwei Toren Differenz kassiert als Augsburg. Mit dieser Fähigkeit kann man sich in so ein Pokalspiel jedenfalls schon mal gut hineinkämpfen.

Ausfalltechnisch hat sich die Lage beim FC Augsburg deutlich beruhigt. Mit Gouweleeuw ist in die Abwehr wieder ein wichtiger Kopf zurückgekehrt. Finnbogason ist im Sturm auch wieder eine Option. Immer noch kein extrem breit besetzter Kader, aber Manuel Baum hat einige Optionen. Zuletzt spielte er mit einer Art asymmetrischen Dreierkette mit Khedira, Gouweleeuw und Danso, die nach rechts verschoben war, sodass Hahn rechts sehr viel offensiver agierte als Max links und Danso eher Rechtsverteidiger als rechter Innenverteidiger war. Taktisch bleibt die Mannschaft eine, die unheimlich gut die Systeme ausfüllt, die der Trainer so vorgibt. Da kann die Vorgabe mal nicht hinhauen, aber die Spieler sind erstaunlich gut in der Lage, immer wieder die jeweiligen Vorgaben präzise umzusetzen.

Trotzdem lässt Augsburg nach Bremen und Hannover die meisten Großchancen aller Bundesligisten zu, ist also auch nicht so defensiv stabil, wie man annehmen könnte. Interessant auch, dass gerade im Sprintbereich die Laufwerte des FC Augsburg in den letzten Wochen ein wenig zurückgegangen sind. In den letzten sieben Spielen sprintete man im Schnitt nur noch 3,8 Kilometer pro Spiel. Nur einmal erreichte man den Saisonschnitt von aktuell 4,4 Kilometern. Auch in zurückgehender Intensität könnte eine Ursache für den einen oder anderen Spielverlauf seit der Winterpause zu finden sein. Worin auch immer die Gründe (Kondition, Psyche, Teamgeschichten) für den Rückgang liegen.

Nun, man muss Augsburg insgesamt nicht zu einem Übergegner machen, aber es ist ein unangenehmer Gegner, der sein Tor mit sehr viel mehr Einsatz und Aufwand verteidigen wird, als das Hertha am Wochenende tat. Und auch ein Gegner, der über die Außenbahnen ein gutes Offensivspiel initiieren kannn, das der FCA dann vor allem über Standards veredelt. 13 Tore nach Standards sind Bestwert in der Bundesliga. 13 Gegentore nach Standards sind allerdings auch Minusrekord in der Bundesliga.

Aus Sicht von RB Leipzig ist die Frage, wie man das Spiel personell angeht. Gegen Hertha war es die spielstärkste Formation. Ob das in Augsburg in einem vermutlich intensiven, zweikampflastigen Spiel so sinnig wäre, ist die entscheidende Frage. Ralf Rangnick hatte in Richtung Sabitzer ja schon angedeutet, dass der im Pokal gebraucht wird. Ob es ratsam ist, einen Emil Forsberg in einer englischen Woche dreimal starten zu lassen, wäre auch noch die Frage. Diego Demme sollte zumindest für die Bank langsam wieder eine Option werden. Bei Ibrahima Konaté wirkt es weiter so, als ob er auch mal eine Pause brauchen könnte (mit Abstand schwächste Laufleistung aller RB-Spieler gegen Hertha), um wieder etwas frischer zu sein. Aber in der Innenverteidigung hat man wegen der Upamecano-Verletzung und dem zusätzlichen Klostermann-Ausfall eigentlich keinen Spielraum mehr, falls nicht Stefan Ilsanker dort zu einer Option wird.

Viel Vorbereitung auf Augsburg ist angesichts der englischen Woche nicht. Vor dem Hertha-Spiel hatte RB drei Trainingstage, um sich auf die Partie einzustellen. Vor dem Augsburg-Spiel hat man genaugenommen keinen richtigen Trainignstag. Der Sonntag war der Tag zum Auslaufen. Am Montag wird man auch eher ein dosiertes Training machen, weil der zweite Tag nach einem Spiel eigentlich als jener gilt, an dem die Verletzungsgefahr am größten ist. Und am Dienstag ist dann schon wieder Spiel. Das trifft Augsburg aber natürlich gleichermaßen.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Gulacsi – Mukiele, Konaté, Orban, Halstenberg – Adams, Kampl – Sabitzer, Laimer (Forsberg) – Poulsen, Werner
  • FC Augsburg: Kobel – Danso, Gouweleeuw, Khedira – Hahn (Schmid), Baier, Max – Koo, Ji – Gregoritsch, Finnbogason (Richter)

Fazit: DFB-Pokal. Gibt es ja nicht viel rumzuquatschen. Es geht letzlich nur darum weiterzukommen. Egal ob in 90 Minuten, 120 Minuten oder im Elfmeterschießen. Und egal wie aggressiv, intensiv und unangenehm der Gegner mit der Unterstützung des eigenen Publikums agieren wird.

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[Wer das Spiel von RB Leipzig beim FC Augsburg nicht vor Ort verfolgen kann und am 02.04.2019, ab 20.45 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live in der ARD und bei Sky.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. FC Augsburg

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Ralf Rangnick. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig beim FC Augsburg. Mit Ralf Rangnick.

11.47

Mal wieder eine englische Woche. Schöner Anlass ist der DFB-Pokal. Ist man bei RB ja eigentlich gar nicht gewöhnt, sich um diese Zeit des Jahres noch mit dem DFB-Pokal beschäftigen zu dürfen. Drei souveräne Spiele bei Viktoria Köln, gegen Hoffenheim und gegen Wolfsburg machen es möglich. Es kribbelt ein wenig und tatsächlich ist die Reise nach Berlin zum Saisonabschluss nun langsam im Hinterkopf. Dafür muss man aber nun erstmal die Hürde Augsburg nehmen.

11.49

Die Hürde Augsburg mag rein nach der Bundesliga-Tabelle nicht ganz so hoch sein. Für RB war der FCA auswärts aber bisher immer eine zu hohe Hürde. Auch im Pokal ist man schon zweimal gegen Augsburg ausgeschieden. Die Historie spielt für das kommende Spiel aber nur eine geringe Rolle. Fakt ist, dass man mit einem sehr intensiven Spiel und mit einer sehr aggressiven Gastgeber-Mannschaft rechnen darf, die natürlich genauso den Traum von Berlin langsam im Hinterkopf hat.

11.51

Zwei, drei Veränderungen darf man im RB-Team sicherlich erwarten. Schon um die physische Herausforderung in Augsburg zu meistern. Erwarten würde ich ein 4-2-2-2 mit einer auf Arbeit gegen den Ball und Intensität eingestellten Mannschaft, die man dann im Laufe des Spiels noch um kreativere Köpfe ergänzen kann. Im Pokal kann man in einer möglichen Verlängerung auch noch einen vierten Wechsel vornehmen. Auch das wird bei den taktischen Überlegungen sicherlich eine Rolle spielen.

12.06

Ralf Rangnick: Keiner hat sich zusätzlich verletzt. „Jungs trudeln jetzt aber erst ein. 14 Uhr ist Training. Letzte Entscheidung, wer zur Verfügung steht, erst nach dem Training. Müssen die Jungs erst sehen.“

„Wird keine Rotation im großen Stil geben.“ Veränderungen nur, wenn jemand noch nicht wieder bei 100% Frische ist und um Verletzungen vorzubeugen. „Hängt vom Eindruck im Training ab.“ Leverkusen-Spiel am Samstag spielt auch eine Rolle. „Geht darum, in beiden Spielen erfolgreich abzuschneiden.“

12.09

Rangnick: „Spiel hat den Vorteil, dass es nicht 0:0 ausgehen wird. Augsburg wird sicher eine Vorgehensweise wählen wie im Hinspiel in der Liga oder im Rückspiel. Wir haben in beiden Spielen kein Tor kassiert und keins geschossen.“ Defensive gefragt und Torchancen, die man auch nutzt. Richtige Grundordnung und Vorgehensweise wählen.

„Wollen das Spiel in der regulären Spielzeit entscheiden. Auch weil wir Samstag schon wieder spielen. Wenn wir dann doch Verlängerung spielen, müssen wir es dort entscheiden oder eben im Elfmeterschießen. Werden aber nicht eine halbe Stunde lang Elfmeterschießen üben.“ Um der Mannschaft nicht zu suggerieren, dass man es darauf ankommen lassen will.

12.12

Rangnick zu Klostermann: „Augsburg kommt zu früh. Guter Dinge, dass es für Samstag reichen kann. Dafür müsste er Donnerstag wieder mittrainieren.“

Demme letzte drei, vier Wochen nicht regelmäßig mit der Mannschaft trainiert. Deswegen gegen Hertha nicht im Kader. Augustin aufgrund der vielen Alternativen nicht im Kader. „Bin froh, dass wir Luxusprobleme lösen müssen. Besser als wenn sich die 16 Feldspieler selbst aufstellen.“

Zu Haidara statt Sabitzer gegen Hertha: „War eine Bauchentscheidung. Hatte das Gefühl, dass uns das gut tut.“ Sabitzer auch zweimal 90 Minuten in der Länderspielpause im Einsatz. „In Augsburg müssen wir sehen. Sabitzer ist ausgeruht und eine Option.“ Erneut: Training abwarten.

12.16

Rangnick: „Augsburg wird sicher ein Spiel, das mit Abnutzung zu tun hat. Wenn wir in Führung gehen, dann sieht es schon besser aus. Gehe nicht davon aus, dass Augsburg und plötzlich ein offenes Spiel bietet. Wenn es doch so ist, ist es auch in Ordnung. Müssen aber davon ausgehen, dass der Gegner zuerst das eigene Tor verteidigt. Dann geht es darum, die richtigen Lösungen zu finden. Tiefgang und Spielwitz. Mit Standardsituationen haben wir auch schon Spiele entschieden. Wird ein richtiger Pokalfight. Habe den Jungs schon erzählt, wie es sich anfühlt in Berlin zu spielen. Gehe davon aus, dass jeder Spieler auch das Ziel Finale hat.“

„Wenn man in Berlin ist, kann man einen Titel gewinnen. Wäre für uns die erste Chance. In den Tagen davor lebt die Stadt den Flair eines Finales. Sind jeweils 30.000 Fans beider Vereine in der Stadt. Ist was besonderes. Hat was von einem Derby, egal wer da spielt. Ist eine besondere Atmosphäre.“

12.17

Kurze, schmerzlose Pressekonferenz. RB will ins Finale des DFB-Pokal. Dazu muss man vorher erstmal ins Halbfinale. In diesem Sinne, auf gutes Gelingen in Augsburg. Schöne Reise allen, die sich auf den Weg machen.

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