Bundesliga: VfB Stuttgart vs. RB Leipzig 1:3

22. Spieltag. RB Leipzig reist zum VfB Stuttgart. Die Gastgeber nach dem Wechsel des Sportvorstands im gefühlten Stimmungsaufwind. Entsprechend war ein wenig unklar, wie die Mannschaft auftreten würde. In den 90 Minuten gegen RB präsentierte man sich deutlich verbessert und grätschte vor allem nach Herzenslust. Gebracht hat es wenig, weil man sich effizienteren Gästen unglücklich geschlagen geben musste.

Ralf Rangnick tauschte auf Leipziger Seite gleich dreimal. Konrad Laimer war gelbgesperrt nicht im Team. Mukiele und Ilsanker rutschten auch aus der Startelf. Forsberg, Adams und Konaté standen dafür auf dem Platz. Es war die erwartete Formation für ein 4-2-2-2, auf das der RB-Coach nach dem Ausflug zur Dreierkette letzte Woche wieder setzte.

Stuttgart auf der anderen Seite wechselte auch dreimal durch, nachdem man in Düsseldorf eine desaströse Partie gespielt hatte. Der gesperrte Gonzalez, Didavi und überraschend auch Kapitän Gentner blieben draußen. Beck, Castro und Gomez kamen dafür in die Mannschaft. Damit spielte man ein sehr defensiv besetztes 5-3-2 oder 5-4-1, je nachdem, ob Esswein neben Gomez gegen den Ball spielte oder nicht.

Die ersten Minuten gehörten komplett RB. Schon früh spielte man sich einige Male auf den Außenbahnen durch, verpasste dann aber die richtigen Entscheidungen auf dem Weg in die Mitte. Das änderte sich schon nach sechs Minuten, als sich Werner mit etwas Glück erneut auf der linken Seite durchsetzt, den Ball nach innen spielt, wo Poulsen eine VfB-Defensive ausnutzt, die nicht energisch zupackt und zum 1:0 einschießt.

In den Folgeminuten hatte man das Gefühl, dass es nur einer zweiten solchen Aktion braucht, um die Gastgeber komplett zu brechen. Aber schon in dieser Phase spielten die RasenBallsportler nicht konsequent und direkt genug, sondern verhaspelten sich zunehmend in kleinteiligem Spiel ohne Durchschlagskraft. Der VfB brachte sich mit einigen Grätschen und guten Defensivaktionen vor allem emotional so langsam und trotz des erneuten Rückschlags des frühen Rückstands zurück ins Spiel.

So richtig zurück ins Spiel fand der Gastgeber dann nach einer Viertelstunde, als Felix Zwayer zum Entsetzen von Willi Orban nach Konsultation des Monitors auf Hand-Elfmeter entschied, weil Orban nach einem ungefährlichen Gomez-Kopfball in der Mitte der Ball strafbar an die Hand gesprungen sein soll. Zuber machte sich nichts daraus, ob das nun eine umstrittene oder weniger umstrittene Entscheidung ist und verwandelte den Elfer.

Mit diesem Treffer war die Partie dann endgültig auf Augenhöhe angekommen. Wobei Augenhöhe besser klingt als das Spiel letztlich war, denn dominierend waren vor allem die Defensivreihen und Fehlabspiele auf beiden Seiten in der Offensive. Auffällig dabei, dass bei RB die in den letzten Wochen überragende Griffigkeit im Spiel gegen den Ball fehlte. Da hatten es die Stuttgarter einige Male zu einfach, sich immer wieder freizuspielen und dann mit Verlagerungen das Spiel zu öffnen. Im vorderen Spielfelddrittel fiel den Gastgebern dann allerdings auch nicht mehr allzu viel ein, sodass der VfB aus den vorhandenen Freiheiten nicht wirklich viel machte.

Marcel Sabitzer durfte endlich mal wieder jubeln und erzielte einen extrem wichtigen Treffer in Stuttgart. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Entsprechend gab es zwischen 20. und 40. Minute gleich mal 20 Minuten ohne Torschuss auf beiden Seiten. Es war durchaus erstaunlich, wie kopflos sich RB teilweise in pomadigen Aktionen oder Klein-Klein auf engstem Raum versuchte und wie ziellos der VfB seine Umschaltsituationen ausspielte. So richtig gefährlich wurde es erst wieder in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als Sabitzer noch gerade eben einen Kabak-Kopfball abwehrte, der ansonsten ins Tor gegangen wäre.

Eine Führung für die Gastgeber wäre in diesem Spiel aber auch etwas zu viel des Guten gewesen. Das 1:1 passte (Handelfer hin oder her) durchaus ganz gut zu einer Begegnung, die RB nach guten ersten Minuten zu leichtfertig aus der Hand gegeben hatte und in der vor allem die Arbeit gegen den Ball nicht so gut funktionierte wie zuletzt.

Zur zweiten Halbzeit stellte Ralf Rangnick die Formation um und setzte nun auf ein 4-3-3 mit einem Forsberg auf der zentralen Zehn. Damit konnte man nun die Dreierkette der Stuttgarter besser anlaufen und man nahm den Schweden vor allem von der linken Zehn, wo ihm im Spiel gegen den Ball jene Dynamik fehlte, die Laimer zuletzt noch auf so großartige Weise hatte. Durch die Umstellung war RB nun wieder etwas besser im Spiel (richtig besser wurde es allerdings erst nach einer Stunde, als Bruma für Forsberg auf die Zehn kam und dort mehr Ballsicherungen und ein dynamischeres Spiel einbrachte).

Insgesamt blieb es aber meist ein Spiel wie in der ersten Halbzeit. Der VfB arbeite vor allem defensiv gut und mit vielen Grätschen und viel Einsatz. RB tat sich schwer, dagegen irgendein Mittel zu finden und wenn man mal die Möglichkeit hatte, schnell in die VfB-Hälfte zu marschieren, klappten die entscheidenden Pässe und/ oder die Laufwege nicht oder fand Werner in aussichtsreicher Position nicht den Abschluss.

Der VfB tat sich mit der neuen RB-Formation schwer und kam offensiv auch kaum zur Entfaltung. Eine Großchance verzeichnete man aber (im Gegensatz zu RB) noch bis zur 64. Minute. Ascacibar war es, der am Ende einer Kombination mit seinem Abschluss am wenig beschäftigten, dann aber sicheren Gulacsi scheiterte.

Vielleicht passte es ganz gut zu dieser Partie, dass die nächste Richtungsänderung wie schon beim 1:1 ein wenig aus dem Nichts kam. Poulsen hatte sich nach 67 Minuten einen Freistoß halblinks an der Strafraumkante erarbeitet. Sabitzer nutzte die Gelegenheit und schoss die Kugel humorlos und auf beeindruckende Art und Weise in den linken Winkel.

Ein sehr schönes Tor, das das Patt auf dem Feld auflöste. Stuttgart musste nun mehr investieren, um nicht mit leeren Händen vom Platz zu gehen. RB konnte auf den entscheidenden Konter lauern. Und der kam nur sechs Minuten nach dem Führungstreffer. Adams mit dem perfekten Pass in die Tiefe auf Poulsen. Der Stürmer mit der perfekten Ballbehauptung und dem souveränen Abschluss. 3:1. Wenn man mal von Schüsschen von Forsberg und Demme aus der Distanz zu Beginn der zweiten Halbzeit absieht, hatte RB einen Freistoß in guter Position und einen Konter und beide waren drin. Das nennt man dann wohl effizient..

Der VfB Stuttgart gab sich trotz des 1:3 auch in den letzten 15 Minuten nicht auf und wechselte und spielte noch mal offensiv. Man sah aber auch recht deutlich, warum das Team auf Platz 16 steht, weil man trotz guter Ansätze kaum gefährliche Situationen kreierte. Esswein noch mal mit einem semigefährlichen Schuss. Gomez mit einem Treffer aus dem Abseits heraus. Das war es auch schon.

Dass es das war, passte zum Tabellenplatz. Aber es erstaunte umso mehr, weil RB Leipzig eigentlich über die komplette Spielzeit, aber vor allem in der ersten Halbzeit, in der Rückwärtsbewegung einige Räume öffnete. Diverse Male, dass der VfB sich an der aggressiven Sechserbesetzung schon vorbeigespielt hatte und dann alle Möglichkeiten hatte die Räume zu bespielen. Dass aus all dem mit vielen Fehlpässen nur acht Torschüsse entstanden, darf dann bei den Gastgebern trotz verbessertem kämpferischen Aufteten durchaus als Enttäuschung durchgehen. Bei RB auf der anderen Seite kann man einmal durchpusten, dass dieses Spiel mit vielen nicht gut abgesicherten Ballverlusten, wenig Ballsicherungen in der Offensive und vielen Lücken in der Rückwärtsbewegung nicht Unentschieden ausging, sondern sogar noch drei Punkte dabei raussprangen.

Fazit: Eigentlich ein klassisches Unentschieden zwischen zwei Teams, die sich auf Augenhöhe und damit an diesem Tag mit vielen Ungenauigkeiten in der Offensive begegneten. RB Leipzig diesmal nicht so aggressiv und zupackend im Spiel gegen den Ball und entsprechend desöfteren in Situationen, in denen man hinterherlaufen musste. Eine gute Defensivkette und eine schwache VfB-Offensive führten dazu, dass das unbestraft blieb. Am Ende machte dann die Effizienz den Unterschied zugunsten der Gäste, die sich dadurch jene zwei Punkte zurückholten, die sie gegen Frankfurt noch liegenließen. Ist doch nach den letzten beiden Spielen auch mal schön, schreiben zu können, dass RB die Effizienz auf seiner Seite hatte.
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Randbemerkung 1: Nach 22 Spielen RB Leipzig mit drei Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher acht Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt) (verglichen werden jeweils die Heimspiele der Vorsaison mit den Heimspielen in dieser Saison gegen die jeweiligen Gegner und analog die Auswärtsspiele). Gegenüber der Hinrunde (Ziel ist es ja in der Rückrunde noch mal 31 Punkte zu holen) hat Leipzig nach fünf Spielen seit der Winterpause zwei Punkte mehr auf dem Konto. Wichtige drei Punkte, die RB in Stuttgart holte, auch weil Wolfsburg und Hoffenheim gewannen. Mönchengladbach und Frankfurt klauen sich heute noch gegenseitig Punkte. Je nach Ausgang hat RB danach bis zu sechs Punkte Vorsprung auf Rang 5 oder nur noch einen Punkt Rückstand auf Rang 3. Man träume nur mal davon, was wäre, wenn Leipzig aus den Spielen gegen Dortmund und Frankfurt auch noch die drei Punkte mehr geholt hätte, die man sich da verdient gehabt hätte…

Randbemerkung 2: Rund 1.000 RB-Fans mit in Stuttgart am Samstagnachmittag bei bestem Wetter. Rund 400 Fans weniger als letzte Saison. Insgesamt fuhren in dieser Saison damit bisher rund 17.400 Fans mit zu den elf Auswärtsspielen, rund 12.300 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen. 5.000 fehlten dabei allein bei der Auswärtsfahrt nach Berlin, 4.000 in München.

Randbemerkung 3: Erstes Pflichtspiel von Emil Forsberg von Beginn an seit Anfang Oktober. Eine ewige Zeit. Ich mag den Schweden und seine Spielweise sehr und habe mich eigentlich sehr gefreut, ihn endlich mal wieder über längere Zeit auf dem Platz zu sehen. Leider löste sich das im Spiel nicht ein. Viele nicht gute Entscheidungen im vorderen Drittel, auch wenig Dynamik (was sich vor allem gegen den Ball deutlich bemerkbar machte) und immer ein bisschen neben dem Spiel her. Leider noch nicht der Forsberg, wie man ihn mal in Leipzig kannte und der sich Anfang der Saison schon wieder in einigen Spielen zeigte. Formulieren wir es hoffnungsvoll: Forsberg braucht sicher noch Spielzeit, um wieder zu alter Form zu finden. Dass er sich offenbar gleich wieder leicht verletzt hat, hilft da nicht sonderlich weiter.

Randbemerkung 4: Mal wieder ein Mittelfeldtor. Das fünfte des Quartetts Demme, Kampl, Sabitzer, Laimer, also der vier meisteingesetzten Mittelfeldspieler, in dieser Saison in der Bundesliga. Das erste richtig wichtige mit dem Führungstreffer zum 2:1 Die Treffer zuvor fielen beim 6:0 gegen Nürnberg (drei) und zum 3:0 in Hannover. Wichtig in Richung Saisonziele, auch von den Spielern hinter Poulsen und Werner ein paar Treffer zu kriegen, die Punkte bringen.

Randbemerkung 5: Im vierten Spiel gegeneinander schoss Stuttgart das erste Tor gegen RB. Hat ne Weile gedauert. Und es brauchte schon einen umstrittenen Handelfmeter dafür. 19. Gegentor der Saison für RB. Zweites Gegentor im sechsten Pflichtspiel seit der Winterpause. Aus dem Spiel heraus wurde RB im Jahr 2019 noch nicht bezwungen. Ein Gegentor nach Ecke, eins nach Strafstoß. Das sah in Stuttgart defensiv nicht immer hübsch aus, aber abseits des Strafstoß ließ sich Gulacsi (bzw. einmal Sabitzer) dann doch wieder nicht bezwingen und ließ man faktisch auch nicht viel zu.

Randbemerkung 6: Schon immer ein bisschen verrückt der Fußball. Da hat RB gegen Wolfsburg und Frankfurt gute Chancen im Dutzend und daraus resultiert ein Tor und dann fahren sie nach Stuttgart und machen aus insgesamt nur acht Schüssen drei Tore. Gleicht sich halt über eine Saison dann doch irgendwie immer alles ein wenig aus.

Randbemerkung 7: Wenn du nicht richtig gegen den Ball arbeitest, läufst du am Ende mehr als wenn du gleich richtig ansprintest. Das Spiel in Stuttgart war da ein schöner Beleg dafür. Über 120 Kilometer musste RB abreißen (und dabei viel hinterherlaufen), wesentlich mehr als in den Spielen gegen Frankfurt oder in Hannover und Düsseloddorf, wo das Spiel gegen den Ball so gut klappte und man so letztlich viel Laufarbeit vermied. Die gute Nachricht ist, dass RB auch so ein Spiel mit deutlich höherem Laufaufwand als normalerweise bestreiten und dabei den Gegner dominieren kann. Ob man das in der Form auch hingekriegt hätte, wenn unter der Woche ein Spiel in der Europa League angestanden hätte, darüber ließe sich trefflich spekulieren.

Randbemerkung 8: Irgendwie schon mit schlechter Laune und Kopfschmerzen in Stuttgart aufgeschlagen. Dann musst du dann erstmal, wenn du quasi schon im Gästeblock stehst, noch mal einen halben Kilometer laufen (ja, ich übertreibe), um auch wirklich reinzukommen (wahrscheinlich ist die Besucherführung für Gästefans nur in Leipzig schlimmer).  Dann wirst du im Stadion mit der Lautstärke eines Düsenjets bespielt, kriegst die Hymne in der Karaoke-Version und auf der Videowand 90 Minuten lang Werbung für Konzerte und anderen Quatsch. Dann kriegst du einen blöden Hand-Elfmeter und RB spielt als hätte man sie unter der Woche ausgetauscht. Dazu dann noch so Szenen wie die von Esswein, der da gegen Konaté in einem Theatralikanfall zu Boden geht. Es lässt sich nur schwer in Worte fassen, wie so gar keinen Bock ich hatte, dieses Spiel dort zu verlieren. Also generell natürlich nicht, aber gestern hätte mich das richtig sackig gemacht (bzw. bleiben lassen). Bloß gut gab es noch Marcel Sabitzers Geniestreich, der tat mal richtig gut..

Randbemerkung 9: Timo Werner an alter Wirkungsstätte ohne Wirkung. Das Bemühen konnte man ihm nicht absprechen, gelingen wollte ihm aber nichts. Ein schöner Schuss am langen Pfosten vorbei in der ersten Halbzeit, viel mehr kam von ihm nicht. Wirkte in Stuttgart schon letzte Saison gehemmt und übermotiviert gleichzeitig (ja, das klingt nicht logisch, ist aber die am besten passende Beschreibung). Diesmal sah es ähnlich aus. Einen Torschuss gab er ab. In der Bundesliga steht Werner diese Saison nun bei 72 Torschüssen, aus denen elf Tore resultierten (15% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 49 Schüssen zwölf Tore (24%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für ein Tor 19 Schüsse (5%). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 20 gewonnenen Dribblings in 65 Versuchen (31% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 15 von 43 (35%), Augustin bei sieben von 17 (41%) und Cunha bei acht von 15 (53%).

Randbemerkung 10: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 22 Bundesligaspielen: 81:64 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 7:2 Tore gefallen (Elfmeter zählen statistisch nicht als Standard, direkte Freistöße schon). Defensiv ist RB eines der besten Teams der Liga, offensiv inzwischen ein gutes Team. Auch die Effizienz passt, wenn man die Anzahl der Torabschlüsse mit der Anzahl der Tore vergleicht. Wobei da gegen Stuttgart auch wieder ein bisschen Wahnsinn dabei war, wenn man an die Situation in der zweiten Halbzeit denkt, als Bruma nach einem Missvertändnis den Ball von der Ecke direkt zum acht Meter entfernt stehenden Stuttgarter spielt..

Randbemerkung 10: Danke an die DFL für die Terminierung der Spieltage 22 und 23. Samstag in Stuttgart, danach erst wieder Montag gegen Hoffenheim. Lässt Raum, die erste Woche der sächsischen Winterferien komplett auszunutzen. In diesem Sinne lesen wir uns erst zum Hoffenheim-Spiel wieder.

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Lichtblicke:

  • Ibrahima Konaté: Locker, souverän, zweikampfstark, nicht unter Druck zu setzen, schnell, immer den Kopf oben und mit klaren Aktionen. Mal wieder ein sehr guter Auftritt des Franzosen, der da hinten auch dann alles im Griff hatte, wenn es eigentlich schien, dass er im Nachteil gegenüber seinem Gegenspieler ist.
  • Marcel Sabitzer: Schon in den letzten Wochen wieder das laufstarke Kampfschwein, das er in seinen besten Zeiten bei RB früher schon war. Extrem viel unterwegs mit und ohne Ball, offensiv und defensiv. Und dann zaubert er dazu als Sahnehäubchen noch den Freistoß zum 2:1 in den Winkel (und verhindert kurz vor der Pause den Rückstand). Hat man dem Österreicher, dessen Torabschluss in dieser Saison bisher eher überschaubar war, sehr gegönnt. Sein Torjubel nach dem Treffer sagte auch alles, wie gut ihm das tat.
  • Yussuf Poulsen: In einigen Dingen wie der Ballsicherung oder dem Ausspielen von Angriffen gar nicht so gut, wie man es von ihm in dieser Saison schon gesehen hat. Aber er hat sich auch in Stuttgart wieder in vielen Zweikämpfen aufgeopfert. Und vor allem hat er gleich zwei Tore gemacht. Gerade beim 3:1 stellt er sehr gut den Körper zwischen Gegenspieler und Ball und behält dann die Übersicht und versenkt die Kugel souverän. Poulsen hat diese Saison schon 3,5 Tore mehr geschossen, als man von ihm und seinen Abschlusssituationen statistisch erwarten würde. Er trifft also erstmals in seiner Bundesligakarriere besser als ein durchschnittlicher Bundesligaspieler es mit denselben Torabschlüssen tun würde. Poulsen selbst hat ja mal erklärt, dass es vor allem daran liegt, dass er jetzt in bessere Positionen läuft. Dass er sehr viel zentraler und tornäher zum Torabschluss kommt als in der Vergangenheit, ist sicherlich ein nicht unwichtiger Punkt. Dass er inzwischen auch wesentlich mehr aus seinen Chancen macht, sich also seine Torabschlussqualitäten selbst deutlich verbessert haben, sollte man dabei trotzdem nicht unter den Tisch fallen lassen, selbst wenn Poulsen das als Eigenlob nicht selber formulieren würde.

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Tore: 0:1 Poulsen (6.), 1:1 Zuber (16./HE), 1:2 Sabitzer (68.), 1:3 Poulsen (74.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Orban, Halstenberg – Demme, Adams – Sabitzer, Forsberg (59. Bruma) – Poulsen (90. Cunha), Werner (78. Ilsanker); Bank: Mvogo, Saracchi, Mukiele, Augustin; Nicht im Kader: Laimer (gesperrt), Smith Rowe, Haidara, Upamecano, Kampl (alle verletzt), Nukan, Müller

Aufstellung VfB Stuttgart: Zieler – Beck (80. Donis), Kabak, Pavard, Kempf, Insua (86. Sosa) – Castro (75. Didavi), Ascacibar, Zuber – Esswein, Gomez

Schiedsrichter: Felix Zayer (Zwayers Ruf in Leipzig war vor dem Spiel schon nicht gut. Die Entscheidung auf Elfmeter wegen Handspiel nach Videobeweis nach einer Viertelstunde dürfte da keine positive Verbesserung mit sich bringen. Versuchen wir es mal und erklären wir uns, wie es zu dieser Entscheidung kommen konnte. War es eine klare Fehlentscheidung, auf Ecke statt auf Handspiel im Strafraum zu entscheiden, wie es Zwayer in erster Instanz tat? Eher nicht. Bleibt nur, dass er die Berührung des Balls mit dem Arm durch Orban nicht direkt gesehen hatte und der Videoassistent ihn darauf aufmerksam machte, dass da etwas passiert ist, was Zwayer entgangen war. Das ist nicht unwesentlich, weil es bei Zwayers Gang zum Monitor entsprechend dann nicht mehr darum ging, eine klare Fehlentscheidung zu korrigieren, sondern darum, eine Szene, die er nicht gesehen hatte, überhaupt erstmal zu bewerten. Und da kam Zwayer dann zur Erkenntnis, dass Orban den Ball strafbar mit der Hand spielt. Aus Stadionsicht (mit ganz gutem Blick auf die Szene) sah es aufgrund der Nähe, aus der Orban getroffen wurde und einem nicht irgendwo in der Luft rumschwirrenden Arm, nicht nach strafbarem Hand aus. Zwayer hat es trotzdem als strafbare Vergrößerung der Körperfläche gesehen. Das hatte er allerdings (wenn man die Reaktionen nach dem Spiel zusammenzählt) relativ exklusiv (habe mir bisher keine TV-Bilder angesehen, deswegen kann ich es nicht abschließend beurteilen) (die Schiedsrichterexperten von Collinas Erben erklären bei Twitter, dass der Strafstoßpfiff der aktuellen Regelauslegung folgt) (jetzt doch noch mal die TV-Bilder kurz gesehen: sorry, aber das ist für mich kein Elfer, wenn der Ball hinter Orbans Kopf und Körper dann auf den einfach hinter ihm herfliegenden Arm klatscht). Warum das für Zwayer strafwürdig war, müsste er selbst erklären (dürfte halt auf irgendwas mit Vergrößerung der Körperfläche und zu weit abstehenden Arm hinauslaufen). Abgesehen davon wirkte Zwayer wie schon bei den letzten Spielleitungen bei RB bei Zweikampfbewertungen zeitweise seltsam unsicher. Mal pfiff er kleinlicher, mal ließ er Dinge laufen, die man im Stadion als klareres Foul gesehen hätte. Dazu kam dann noch der Freistoßpfiff vor dem 2:1, der bei freundlicher Interpretation (aus Stadionsicht) bei zwei sich ordentlich beharkenden Spielern als Kann-Pfiff durchgeht. Da war abseits des Handelfmeters nichts ganz grobes und schlimmes dabei, aber irgendwie bleibt bei Zwayer immer das Gefühl, dass ihm die Souveränität in seinen Entscheidungen und die Akzeptanz durch die Spieler fehlen. Mal völlig unabhängig davon, wie er in Leipzig gesehen oder nicht gesehen wird.)

Gelbe Karten: Castro | Sabitzer (7.)

Zuschauer: 46.072 (davon 1.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, VfB-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 8 : 8
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 6 : 3
  • Schüsse auf das Tor: 3 : 4
  • gewonnene Zweikämpfe: 48,7% : 51,3%
  • Ballbesitz: 48,7% : 51,3%
  • Passquote: 74,8% : 75,5%
  • Laufstrecke: 117,7 km : 121,4 km
  • Sprints: 218 : 261
  • Intensive Läufe: 659 : 731
  • Fouls: 18 : 11
  • Ecken: 5 : 4
  • Abseits: 7 : 4
  • Meiste Torschüsse: Zuber, Kempf: je 2 – Poulsen: 3
  • Meiste Torschussvorlagen: Kempf, Insua, Castro, Gomez: je 1 – Klostermann, Adams, Halstenberg, Sabitzer: je 1
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Kempf, Kabak: je 66,7% – Halstenberg: 92,3%
  • Meiste Ballkontakte: Insua: 94 – Demme: 98
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Kabak – 90,0% – Demme: 84,0%
  • Größte Laufstrecke: Ascacibar: 12,9 km – Demme: 13,1 km
  • Meiste Sprints: Esswein: 39 – Adams: 39

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com, sport.de

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Saisontorschützen: Poulsen – 12; Werner – 11; Sabitzer, Augustin, Orban – je 3; Klostermann – 2; Forsberg, Kampl, Cunha, Bruma, Laimer, Konaté, Halstenberg – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 6; Kampl, Halstenberg, Poulsen – je 5; Forsberg, Sabitzer – je 4; Demme – 3; Laimer, Klostermann – je 2; Orban, Bruma, Cunha, Adams – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Halstenberg – 11; Sabitzer – 10; Kampl – 7; Upamecano, Konaté, Orban – je 6; Forsberg, Demme, Poulsen, Klostermann – je 5; Saracchi, Mukiele, Adams – je 3; Werner, Ilsanker, Gulacsi, Bruma – je 2; Laimer, Cunha – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

4 Gedanken zu „Bundesliga: VfB Stuttgart vs. RB Leipzig 1:3“

  1. Zwayer hat so lange wie möglich versucht das Spiel Richtung Stuttgart zu drehen aber selbst er konnte wohl irgendwann die Schauspielerei, Jammerei und das Gewinsel der Stuttgarter Hanseln nicht mehr ertragen und hat dem Team den wohlverdienten Sabitzer Gnadenschuß verpassen lassen. Gomez immer noch Gomez und Esswein gehört eher zum Boxen als zum Fußball. Zum Spiel bleibt zu sagen dass Red Bull Leipzig arrogant auftrat weil man meinte das Fallobst mal eben locker flockig wegfideln zu können. Forsberg Standards sind aktuell furchtbar anzusehen und sein Spiel noch nicht besonders überzeugend, man kann nur auf Besserung hoffen Zum Videobeweis im Kölner Tipico Keller bleibt zu sagen dass man den Videobeweis in Deutschland einfach nicht kann. Er war, ist und bleibt ein grauenhaftes Schlachthandwerkszeug in den Händen von Amateuren die damit nichts anfangen können. Wo ein Profi einen sauberen Schnitt machen würde stoßen und reißen und fetzen die Flachpfeifen wieder und wieder im bereits vollständig zerkleinerten Kadaver. Einfach nur gruselig. Gruselig auch die beidseitigen hohen Ballstaffetten sowie das bestehende Mittelfeldgeflipper das diesmal in erträglichem Maße blieb weil Red Bull nicht so konsequent angelaufen und gepresst hat wie in den letzten Spielen. Das positivste an dem Spiel ist das Ergebnis, Sabitzer und Poulsen. Werner inzwischen gefühlt ein halbes Jahr lang ohne jegliche Torchance allerdings auch nur noch halb so oft im Abseits wie vor einem Jahr (was immer noch deutlich zu viel ist!). Abhaken, nächstes Spiel.

    1. Dass man Zwayer als RB Fan nicht mag, kann man verstehen. Aber die Leistung gestern war auf beiden Seiten eine Katastrophe. Felix Zwayer hat schlicht und ergreifend einfach nicht das Niveau für Bundesliga Fußball.

      Seine Zweikampfbewertung ist Spiel für Spiel sehr zufällig und äußerst kleinlich – Was ihm nicht unbedingt hilft. Dazu wirkt er stets angreifbar und nicht konsequent genug um sich Respekt vor seinen Entscheidungen zu verschaffen.

  2. etwas verspätet, aber gut.
    Solche dreckigen Arbeitssiege sind einfach mittlerweile drin und das ist gut so, denn mit Nürnberg, FCA und S04 stehen noch schwere Aufgaben bevor. Es geht halt nicht immer mit der RB-DNA und da muss auch mal ein ruhender Ball helfen.
    Abwehr mache ich mir keine Sorgen, die steht fest wie eine Wand.
    MF passt auch.
    Nur OMF und Sturm ist so eine kleine Baustelle.
    Sprich, RBL kann es sich nicht erlauben Forsberg und! Werner durch zu schleppen. Forsberg braucht Minuten, um in den Rythmuss zu kommen, aber TW ist überhaupt nicht auf dem Platz.
    Vor einem Jahr hätte Poulsen zu 100% beim 3:1 quergelegt, aber er macht lieber den schwierigen Abschluss.

    Egal, zum Schiri schreibe ich nix, ebenso zu den Lichtblicken, denn Du hast alles richtig erklärt.

    Ein Leckerli aus dem Spiel noch:

    https://twitter.com/r055_k/status/1098267654903812100

    #Kontaesk

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