Testspiel: RB Leipzig vs. Wolfsberger AC 1:0

Zweites und letztes Testspiel dieser Winterpause. Einen Tag nach dem Spiel gegen Galatasaray diesmal in der kleineren und kostenlosen Variante am huscheligen Cottaweg gegen den Wolfsberger AC aus Österreich.

Nachdem gegen Galatasaray die mögliche Besetzung für das BVB-Spiel am Samstag getestet wurde, war ein Tag später erwartungsgemäß der Rest dran. Aufgepeppt durch ein paar Nachwuchsspieler. Quasi anstelle eines Spielersatztrainings.

Wenn man es aus dieser Perspektive sieht, also aus der Perspektive, dass sich die gegen Galatasaray nicht eingesetzten Akteure eh hätten bewegen müssen, war es ein gutes Testspiel. Wenn man das Wort Testspiel wörtlich nimmt, man also eigentlich was für die Profielf testen will, dann war es ein weniger sinniges Testspiel, weil die Abläufe in so einer bunt zusammengewürftelten Mannschaft naturgemäß nicht so richtig gut funktionieren und entsprechend der Lern- oder Testeffekt für alle Beteiligten nicht ganz so hoch ist (zumal diverse Beteiligte keine Perspektive bei den RB-Profis haben).

Man sah das im Spiel gegen den Wolfsberger AC 90 Minuten lang recht gut, dass Basissachen wie das Absichern für den Nebenmann oder das Nachrücken in dessen Position nicht so richtig gut klappte, weswegen die Ordnung im Spiel wesentlich schlechter war als noch gegen Galatasaray (mit einem 4-2-2-2 testete man allerdings dieselbe Formation). Da stand RB in der letzten Linie einige Male sehr offen, was aber angesichts der Gegners folgenlos blieb.

Bemerkenswert in dem Zusammenhang, dass Profis wie Saracchi oder Nukan angesichts ihrer Nachwuchsnebenleute erstaunlich viel haderten. Saracchi, der wieder viel unterwegs war, aber dabei auch wenig effizient agierte, hatte da einige Armbewegungen in Petto. Und Nukan, der bisher nicht gerade für das perfekte Stellungsspiel bekannt war, gab Stierlin wiederholt Hinweise, wo er zu stehen habe, um sich einmal kopfschüttelnd abzuwenden, als eine Aktion von Stierlin misslang.

In der ersten Halbzeit war es eine um Stierlin und Majetschak erweiterte B-Elf, die gegen Wolfsberg auflief. Wobei die beiden U19-Spieler ja im Profitraining immer mal dabei, also vergleichsweise nah an den Profis dran sind. Majetschak mit einer ordentlichen Partie und der Vorbereitung des Siegtreffers, den Orban nach Ecke(!) erzielte. Stierlin mit gewohnt gutem Überblick, aber auch zu viel Vorsicht. Da trat Tom Krauß in der letzten halben Stunde auf selber Position wesentlich selbstbewusster und mutiger auf. Wobei Krauß als 2001er-Jahrgang sogar noch ein Jahr U19 spielen kann im Gegensatz zu Stierlin.

Dass einer der eingesetzten Nachwuchsspieler demnächst bei den Profis durchstartet, ist aber weiter nicht zu erwarten. Hartmann ist als Spielertyp mit seiner Geschwindigkeit immer noch interessant, braucht aber sicher noch. Majetschak ist vielleicht am nähesten am Profiteam, weil er körperlich mithalten kann und sowohl guten Schuss, als auch gute Standards hat. Krauß überzeugte derweil wie gesagt mit forschem Auftreten.

Mads Bidstrup war gegen Wolfsberg der 39. Spieler, der in dieser Saison in einem RB-Testspiel eingesetzt wurde. Der Däne wird demnächst 18 und ist körperlich noch sehr schmächtig. Gegen Wolfsberg zeigte er in zwei, drei Szenen aber auch, dass er einen feinen Fuß hat und gute Schnittstellenpässe spielen kann.

Viel Kampf, wenig Klasse beim Test zwischen RB Leipzig und dem Wolfsberger AC. | GEPA Pictures - Gabor Krieg

Tyler Adams durfte bei eher üblem Wetter und sehr rutschigem, unangenehmen Untergrund erneut für 45 Minuten ran. Diesmal allerdings in der ersten Halbzeit. Dabei spielte er auf der rechten Zehn. Eher überraschend, dass er auf einer Position spielte, auf der man ihn nicht so wirklich sehen muss. Wirkte da gerade in kreativen Situationen eher fremdelnd. Was aber natürlich auch damit zusammenhing, dass er auf der Position zum ersten Mal mit seinen neuen Kollegen spielte. Aber, Stichwort Testspiel, die Frage, warum er nicht ein zweites Mal auf der Sechs spielt, um dort spezielle Leipziger Abläufe zu lernen, blieb.

Auch blieb die Frage, was eigentlich mit Jean-Kevin Augustin los ist. Der Franzose schon in den letzten Wochen der Hinrunde eine Enttäuschung. Auch im Testspiel machte er nicht viel Werbung für sich und scheint weiter komplett neben der Spur. Man kann ihm nicht mal den Einsatz absprechen, wenn er in der 87. Minuten den Sprint über den ganzen Platz in die eigene Hälfte macht, um einen Konter zu unterbinden, aber der Einsatz erinnert auch an einen Oliver Burke, der einst grundsätzlich eine halbe Sekunde zu spät anlief und entsprechend meist zu spät kam. Mit der Art des Spielens war Burke regelmäßig einer der sprintstärksten Spieler, ohne dass das einen positiven Effekt gehabt hätte.

Von außen nicht zu beurteilen, was mit Augustin gerade ist. Er wirkt einfach komplett nicht frei (wobei er nie ein Testspiel-Weltmeister war) und trifft oft falsche Entscheidungen, wann er schießen und wann er abspielen sollte. Und wenn er in eine gute Abschlussgelegenheit kommt, dann scheitert der einst effizienteste RB-Spieler am gegnerischen Keeper. Wenn man sich an die guten Augustin-Spiele im RB-Dress erinnert und weiß, was der Franzose eigentlich kann, tut es richtiggehend weh, wenn man dem eigentlich leichtfüßigen Stürmer jetzt bei seinen harten Arbeitstagen zuguckt.

So richtig weiß man nicht, wie sich der Knoten auflösen kann. Augustin steht in Leipzig sicherlich vor einer sehr entscheidenden Rückrunde, in der er seine Form zurückfinden muss. Bei Lukas Klostermann war das letzten Sommer ähnlich, dass beim geneigten Beobachter grundsätzliche Zweifel aufkamen, wie es weitergeht. Zweifel, die der Rechtsverteidiger durch eine gute Entwicklung im Lauf der Hinrunde zerstreute. Vielleicht kriegt Augustin ja auch so eine Cinderella-Story hin. Die Qualitäten hat er in jedem Fall. Was in seinem Kopf gerade so vorgeht, weiß man allerdings nicht.

Ansonsten bekam auch Nukan zum zweiten Mal binnen zwei Tagen Spielzeit. Ein bisschen zitterte man mit ihm, als er in der ersten Halbzeit einmal verletzt liegen blieb. Bloß nicht schon wieder eine Verletzung, so die Gedanken. Nach fast zwei Jahren ohne Pflichtspiel und einem Kreuzbandriss kann Nukan sowas überhaupt nicht gebrauchen. Der Innenverteidiger machte das, was er schon früher bei RB machte, nämlich nach jedem Kopfball jagen, der nur halbwegs für ihn erreichbar ist. Ein bisschen wartet man immer darauf, dass er im Spiel mal den Ball mit dem Fuß hochnimmt, um ihn mit dem Kopf spielen zu können. Einfach so.

Marius Müller ist auch noch da und durfte 70 Minuten halten. Und sorgte mit einem in die Hand genommenen Rückpass für einen indirekten Freistoß sechs Meter vor dem RB-Tor. Sieht man auf dem Niveau auch eher selten, dass ein Torhüter (unbedrängt) einen Rückpass aufnimmt. Ansonsten hielt Müller sicher die Sachen, die auf sein Tor kamen. Nordi Mukiele machte rechts viel Betrieb, spielte aber auch ungenau und zeigte einmal mehr taktische Schwächen, als er gleich zweimal an der Mittellinie Bälle in den Fuß des Gegners statt ins Seitenaus klärt und daraus zwei sehr gute Kontersituationen für die Wolfsberger entstanden.

Stefan Ilsanker versuchte in der Zentrale den Laden zusammenzuhalten, was er ganz gut machte. Kreativ war es teilweise allerdings ungenau. Die beste Ilsanker-Position scheint weiterhin in der Mitte einer Dreierkette zu sein. Willi Orban spielte nüchtern und fehlerlos und zeigte beim Tor, dass sein Kopfballspiel bei Standards durchaus eine Waffe ist. Und Matheus Cunha war bemüht, aber mit seinen Pässen und Schüssen glücklos.

Letztlich war es ein Testspiel, das vor allem in Bezug auf taktische Abläufe deutlich hinter das Spiel am Vortag zurückfiel. Die Partie bot viel Kampf und die lustige Szenerie, dass die Profis aufgrund fehlender Balljungs ihre Bälle selbst holen mussten (woran sich der eine oder andere erst mal gewöhnen musste, nachdem er sich wie sonst üblich an die Linie gestellt und auf den Ball gewartet hatte). Und sie bot einen RB-Sieg durch einen Standardtreffer, was nun auch nicht gerade alltäglich ist. Aber ansonsten boten die 90 Minuten aufgrund fehlender Eingespieltheit wenig erbauliches.

Fazit: Ein Spielersatztraining in Testspiel-Form. Als Bewegungseinheit und aufgrund einer in Sachen Zweikampf intensiv geführten Partie sicherlich gut. Aufgrund des bunt zusammengewürfelten Teams aber auch wenig aussagekräftig.

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Tor: 1:0 Orban (40.)

Aufstellung RB Leipzig: Müller – Mukiele, Orban, Nukan, Saracchi – Stierlin, Ilsanker – Adams (45. Bidstrup), Majetschak – Augustin, Cunha

Aufstellung ab der 61. Minute: Müller (70. Krahl) – Mukiele, Orban, Jäkel, Saracchi – Krauß, Ilsanker – Bidstrup, Majetschak (77. Winter) – Augustin, Hartmann

Zuschauer: 710

Links: RBL-Bericht

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Bisherige Testspiele (die Europa-League-Quali-Runden 2 und 3 wurden als internationale Testspiele amgesehen)

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Testspieltorschützen (inklusive Europa-League-Quali-Runden 2 und 3)

Augustin – 4; Bruno – 3; Bruma, Cunha, Poulsen – je 2; Saracchi, Hartmann, Kampl, Konaté, Sabitzer, Orban, Majetschak – je 1; Eigentor: Maruhn (Grimma)

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Testspieleinsatzzeiten (inklusive Europa-League-Quali-Runden 2 und 3)

  • Willi Orban – 584 Minuten
  • Marcelo Saracchi – 576 Minuten
  • Ibrahima Konaté – 573 Minuten
  • Jean-Kevin Augustin – 533 Minuten
  • Diego Demme – 476 Minuten
  • Matheus Cunha – 450 Minuten
  • Stefan Ilsanker – 445 Minuten
  • Kevin Kampl – 435 Minuten
  • Lukas Klostermann – 421 Minuten
  • Bruma – 404 Minuten
  • Nordi Mukiele – 397 Minuten
  • Yussuf Poulsen – 339 Minuten
  • Marius Müller – 339 Minuten
  • Erik Majetschak – 323 Minuten
  • Naod Mekonnen – 285 Minuten
  • Yvon Mvogo – 270 Minuten
  • Niclas Stierlin – 261 Minuten
  • Marcel Sabitzer – 243 Minuten
  • Max Winter – 237 Minuten
  • Oliver Bias – 226 Minuten
  • Peter Gulacsi – 225 Minuten
  • Massimo Bruno – 194 Minuten
  • Fabrice Hartmann – 194 Minuten
  • Emil Forsberg – 181 Minuten
  • Konrad Laimer – 162 Minuten
  • Timo Werner – 137 Minuten
  • Dayot Upamecano – 121 Minuten
  • Marcel Halstenberg – 106 Minuten
  • Lukas Krüger – 96 Minuten
  • Tom Krauß – 92 Minuten
  • Tyler Adams – 90 Minuten
  • Noah Holm – 89 Minuten
  • Julian Krahl – 76 Minuten
  • Atinc Nukan – 76 Minuten
  • Malik Talabidi – 60 Minuten
  • Marcel Hoppe – 60 Minuten
  • Frederik Jäkel – 48 Minuten
  • Mads Bidstrup – 45 Minuten
  • Nicolas Fontaine – 45 Minuten

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Bilder: © GEPA pictures/ Gabor Krieg

2 Gedanken zu „Testspiel: RB Leipzig vs. Wolfsberger AC 1:0“

  1. Danke für den Überblick zum Spiel. Das Wetter hat mich diesmal ferngehalten, obwohl es kostenlos war. :)

    Nebenbei: Das Wort „Spielersatztraining“ gehört zu den Wörtern, die man irgenwie lieber mit Bindestrich schreiben sollte. Ic habe am Anfang des Textes eine Weile gebraucht, was eine Spieler-Satztraining sein soll. (liegt möglicherweise auch an meiner Badminton-Bubble, aus der ich gerade komme)
    Erst als es am Ende des Textes nochmal kam, erkannte ich, dass es ein Spiel-Ersatztraining ist. ^^

    LG
    Kati

    1. Ich bin in Bezug auf Bindestriche auch kein Experte und habe nie verstanden, wann es einen braucht und wann nicht. Bei Spielersatztraining wäre ich mir aber relativ sicher, dass es ohne Bindestrich richtiger ist als mit. ;-)

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