Testspiel: RB Leipzig vs. Galatasaray Istanbul 1:1

Erstes Testspiel des Winters. Mal wieder ein internationaler Gegner in der Red Bull Arena zu dieser Jahreszeit. Nach den Rangers aus Glasgow vor zwei Jahren und Dukla Prag im Vorjahr in diesem Jahr Galatasaray Istanbul. Ein Testspiel, das noch aus der Transfervereinbarung in Bezug auf den Bruma-Wechsel 2017 resultiert. Das Spiel war damals mit einer Million Euro dotiert.

Falls RB dieses Geld für das Spiel wirklich bezahlen musste, dann hat die Partie das natürlich nicht refinanziert. Nur reichlich 11.000 Zuschauer. Immerhin wurde die Zuschauerzahl noch dadurch aufgebessert, dass locker die Hälfte der Zuschauer wegen der Gäste da war. Der Gästesektor sehr gut gefüllt und auch die Haupttribüne war mit einem hohen Prozentsatz an Gästefans durchsetzt. War insgesamt ein Auswärtsspiel für RB im eigenen Stadion. Wie froh RB war, dieses Testspiel gegen Galatasaray mit einem sehr hohen Ordner-Aufkommen zu diesem Zeitpunkt organisieren zu müssen, bleibt unbekannt..

Sportlich gesehen war es ein gutes Testspiel, weil RB Leipzig einen Gegner hatte, der nicht das allerhöchste Regal darstellt, aber vom Niveau her auf einem herausfordernden Level spielt. Auch ein Gegner, der den Ball haben will, sodass RB sich in die aus der Bundesliga gewohnte Rolle des Balljägers zurückziehen konnte.

So lief dann auch die erste Halbzeit dieses Testspiels. Galatasaray mit ein paar hübsch anzusehenden Aktionen im Spiel mit dem Ball. Die aber vornehmlich in einer ungefährlichen Zone zwischen RB-Strafraum und Mittellinie. Richtung RB-Tor fehlte den Gästen einerseits die Durchschlagskraft. Andererseits verteidigte RB das im 4-2-2-2 dann spätestens am eigenen Sechszehner sehr gut und dicht.

Aber auch schon weiter vorn zeigten die Gastgeber jene Qualitäten, die man sich in dieser Saison wieder erarbeitet hat. In einem guten Verbund machte man das Spiel ab kurz vor der Mittellinie dicht. Räume zum Durchkombinieren gab es selten. Und wenn RB dann irgendwo mal den Ball gewann, versuchte man sich schnell nach vorn durchzuspielen. Auf diese Art und Weise erspielte man sich einige gute Möglichkeiten bzw. Ansätze von Möglichkeiten. Vor dem Tor traf man allerdings viele falsche Entscheidungen. Gerade Werner tat sich da in einigen aussichtsreichen Situationen hervor.

Den von den Chancenverhältnissen her völlig verdienten Führungstreffer erzielte dann kurz vor der Pause doch noch Yussuf Poulsen. Ein Tor, das so in der Bundesliga wohl auch nicht fällt. Eine einfache Spielverlagerung in einer eigentlich recht statischen Situation führt dazu, dass Sabitzer und Klostermann auf der rechten Seite eine 2-gegen-1-Situation kriegen, in der Sabitzer den Rechtsverteidiger gut freispielt und Klostermann vor dem Tor die Ruhe nicht verliert, sondern den Ball unter dem gegnerischen Torwart hindurch zu Poulsen bringt, der ihn dann in den Kasten schießt.

Es war ein Testspiel, das so lief wie so viele Bundesligaspiele in dieser Saison, in denen RB dem Gegner den Ball überließ und den Erfolg über das direkte und schnelle Umschaltspiel suchte. Der Gegner wirkte fußballerisch gefälliger, RB wirkte wesentlich gefährlicher und war damit am Ende erfolgreicher.

Yussuf Poulsen mit einem typischen Testspiel-Torjubel. | GEPA Pictures - Kerstin Dölitzsch

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild dann ein wenig. Fußballerisch war die Partie nun schwächer und RB kam im Umschaltspiel kaum noch mal gefährlich durch. Dafür wurde die Auseinandersetzung, die in der ersten Halbzeit auch immer mal vor sich hin plätscherte, nun lebhafter und intensiver. Weswegen sie sich auch bei nasskaltem Wetter besser ansehen ließ (wenn man denn nicht wegen fußballerischer Leckerbissen da war).

Trotz nur weniger Torraumszenen kam Galatasaray in dieser zweiten Halbzeit noch zum Ausgleich. Weil Klostermann bei einem Angriff der Gäste einen Stellungsfehler beging und einen Schritt nach vorn machte, wo es angeraten gewesen wäre, nach hinten zu verteidigen. Der Norweger Martin Linnes durfte deswegen in Klostermanns Rücken durchlaufen und frei vor Mvogo überlegt einschießen.

Aber Resultate sind ja bei solchen Testspielen auch immer ein wenig zweitrangig, weswegen man sich an dem 1:1 nicht unbedingt aufhängen muss. Letztlich sah man bei dieser Partie auch nicht viel interessantes im Sinne von neuen Ansätzen, weil RB Leipzig einfach dort weitermachte, wo man in der Hinrunde angefangen hatte, nämlich sich über das Spiel gegen den Ball zu definieren.

Wer für die Rückrunde erwartet, dass Ralf Rangnick Ballbesitz als zusätzliches Thema auf den Zettel der zu erarbeitenden Dinge setzt, der dürfte damit eher falsch liegen. Wie man auch gegen Galatasaray gesehen hat, reicht das Setzen auf das Spiel gegen den Ball ja auch oft, um sich in den Spielen ein Chancenplus zu erarbeiten. Wobei für die Rückrunde halt die große Unbekannte bleibt, wie viele Mannschaften es dann doch eher so wie Augsburg oder Schalke machen und sich dem Ball bzw. dem geordneten Spiel aus dem Ballbesitz heraus verweigern.

Interessant am Testspiel gegen Galatasaray das Debüt von Tyler Adams, der in der Pause für Konrad Laimer kam. Man sieht durchaus schon, dass der 19-Jährige taktisch ganz gut geschult ist, aber für das Positionsspiel bei RB Leipzig auch noch ein paar Wochen Lernzeit braucht. Im Test gegen Galatasaray spielte Adams neben Demme den zweiten Sechser und besetzte die Position mit Ruhe im Ballbesitz und mit guter Aggressivität im Spiel gegen den Ball. Hätte sich vielleicht in einigen Situationen, in denen er sehr viel Raum vor sich hatte, noch mehr trauen können und nahm da erstmal noch die Sicherheitsvarianten. Aber das ist nach einer Woche beim neuen Klub in dem Alter wohl auch sehr normal.

Man konnte trotzdem schon sehen, dass er auch einen guten Fuß für den einen oder anderen Pass hat. Auch gut sehen konnte man, dass Adams mit seinen erst 19 Jahren schon auch (vor allem im Nationaldress) ein paar Spiele auf höchstem Niveau bestritten hat und somit auch eine gewisse Spielruhe mitbringt, auch wenn er von Galatasaray noch nicht wirklich unter Druck gesetzt wurde.

Bemerkenswert der eine oder andere verteilende Chipball, der an Diego Demme erinnerte (vom Spielertyp her ähnelt Adams am ehesten Demme, hat aber wohl das etwas größere Offensivpotenzial). Ein wenig lustig, dass der Amerikaner dieselben Zwischenhopser in seinen Bewegungen hat, wie sie auch ein Joshua Kimmich einst immer machte. Wenn man schon Haidara immer mit Keita vergleicht, sollte man bei Adams doch auch gleich den ganz großen Vergleich aufmachen.^^

Nicht so schön am Test gegen Galatasaray war die Verletzung von Bruma. Der musste Mitte der zweiten Halbzeit nach einem Foul vom Platz getragen werden. Ein Foul, das gar nicht so spektakulär aussah. Wie Bruma vom Platz getragen wurde, sah dann allerdings überhaupt nicht gut aus und ließ das Schlimmste befürchten. Ralf Rangnick gab nach dem Spiel allerdings ein wenig Entwarnung und sprach davon, dass er sogar hoffe, dass Bruma bereits am Dienstag wieder mittrainieren kann. Da standen angesichts der Bilder auch ganz andere Optionen mit mehrwöchiger Pause im Raum.

Das wäre auf dieser Offensivposition natürlich ein mittleres Drama (gewesen). Haidara (der dort auch spielen könnte) noch lange nicht fit. Forsberg noch nicht mal im Mannschaftstraining und noch unabsehbar, wann er wieder in einem Pflichtspiel aufläuft. Kampl noch angeschlagen. Da würden bei RB auf der linken Zehn langsam komplett die Optionen ausgehen, wenn auch noch Bruma auf der Verletztenliste landet. Eine längerfristige Verletzung hätte dann wohl die Transferbemühungen noch mal deutlich angekurbelt. Mal sehen, wie verletzt Bruma am Ende wirklich ist.

Auch auf dem Platz stand zumindest für eine Viertelstunde Atinc Nukan. Das tat er zuletzt in der Vorbereitung auf die Saison 2016/2017 in Testspielen für RB. Zwei Leihjahre und zwei Kreuzbandrisse später geht es für den 25-Jährigen darum, seine Karriere wieder anzukurbeln. Dass er dazu in Leipzig hinter Upamecano, Konaté, Orban und potenziell Mukiele Spielzeit bekommt, ist unwahrscheinlich. Für Nukan wäre weiterhin ein Wechsel zu einem Verein, der auf ihn setzt, sinnig, auch wenn der Innenverteidiger selbst die Dringlichkeit in Bezug auf einen Wechsel offenbar nicht ganz so hoch sieht.

Ansonsten bleiben von dem Testspiel nicht allzu viele Dinge, die man in Erinnerung behalten muss. Konaté/ Upamecano verteidigten wie immer souverän. Sabitzer mit der normalen Testspielmischung aus Einsatz hier und auch mal ein bisschen weniger Schritte dort. Bruma mit guter Ballsicherheit, aber wenig durchschlagkräftigen Aktionen, dafür aber mit einer willigen Körpersprache und auch mal mit Unzufriedenheit, als Poulsen ihn nicht mitnahm (sowas hat man von Bruma wohl noch nie gesehen). Werner im Angriff mit vielen falschen Entscheidungen und trotz teilweise viel Platz keinen guten Hereingaben. Klostermann beim 1:0 mal wieder mit einem guten Offensivweg, beim 1:1 und auch in ein, zwei anderen Situationen aber defensiv ein wenig neben der Spur. Alles nicht superaufregend und auch nicht sonderlich aussagekräftig.

Fazit: Insgesamt ein gutes ‚Auswärts’testspiel für RB Leipzig, weil der Gegner für den aktuellen Stand der Vorbereitung das perfekte Niveau (nicht zu hoch, aber auch nicht zu schwach) mitbrachte. Im Spiel gegen den Ball sah das bei RB über große Teile des Spiels sehr souverän aus. Im Umschaltspiel waren allerdings allerlei Ungenauigkeiten und schlechte Entscheidungen am und im gegnerischen Strafraum dabei, durch die die Gastgeber einen Sieg in diesem Test vergaben.

Randbemerkung 1: Zuschauerdebatten begleiten schon die ganze Saison. Da sollte man nach Testspielen nicht aufhören damit. 11.000 Zuschauer klingt für so einen Januar-Test durchaus ordentlich. Wenn davon aber locker die Hälfte wegen der Gäste da waren, dann relativiert sich die Zahl schon erheblich. Vor einem Jahr waren gegen Dukla Prag reichlich 4.000 RB-Fans im Stadion. Dieses Jahr waren es gegen einen namhafteren Gegner nicht wesentlich mehr. Kein Vergleich jedenfalls zu rund 14.000 Leipzigern (plus knapp 5.000 Schotten), die vor zwei Jahren im Winter noch die Rangers aus Glasgow sehen wollten. Wo vor ein paar Jahren noch eher der Punkt war, dass der geneigte RB-Fan auch jedes Testspiel mitnahm, reicht es inzwischen nicht mehr, einfach das Stadion aufzusperren und schon sind die Zuschauer drin. Erst recht nicht, wenn es kalt ist und regnet und man das Spiel auch gemütlich zu Hause auf der Couch sehen kann. Bei einem Spiel gegen Galatasaray dürfte man bei RB jedenfalls angesichts der vielen Gästefans mit mehr Zuschauern gerechnet haben. Aber dass weniger Zuschauer kommen, als man erhofft, ist ja jetzt schon seit einiger Zeit ein verlässlicher Begleiter bei RB-Spielen.

Randbemerkung 2: Galatasaray-Fans mit „Timo Werner ist ein H….sohn“-Gesängen. Das war dann eine Mischung aus überraschend und belustigend. Dafür gab es wesentlich weniger (dafür mit vielen Pfiffen bedachte) Pyro im Gästeblock als gedacht. Nun ja.

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Tore: 1:0 Poulsen (34.), 1:1 Linnes (56.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi (46. Mvogo) – Klostermann, Konaté, Upamecano, Halstenberg – Laimer (46. Adams), Demme – Sabitzer, Bruma (68. Cunha) – Poulsen, Werner

Aufstellung RB Leipzig ab der 77. Minute: Mvogo – Mukiele, Orban, Nukan, Saracchi – Demme, Adams – Cunha, Sabitzer – Augustin, Poulsen (83. Majetschak)

Zuschauer: 11.120 (davon 5.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht

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Bisherige Testspiele (die Europa-League-Quali-Runden 2 und 3 wurden als internationale Testspiele amgesehen)

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Testspieltorschützen (inklusive Europa-League-Quali-Runden 2 und 3)

Augustin – 4; Bruno – 3; Bruma, Cunha, Poulsen – je 2; Saracchi, Hartmann, Kampl, Konaté, Sabitzer – je 1; Eigentor: Maruhn (Grimma)

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Testspieleinsatzzeiten (inklusive Europa-League-Quali-Runden 2 und 3)

  • Ibrahima Konaté – 483 Minuten
  • Diego Demme – 476 Minuten
  • Kevin Kampl – 435 Minuten
  • Marcelo Saracchi – 426 Minuten
  • Willi Orban – 422 Minuten
  • Lukas Klostermann – 421 Minuten
  • Bruma – 404 Minuten
  • Matheus Cunha – 390 Minuten
  • Jean-Kevin Augustin – 388 Minuten
  • Stefan Ilsanker – 355 Minuten
  • Yvon Mvogo – 270 Minuten
  • Yussuf Poulsen – 249 Minuten
  • Marcel Sabitzer – 243 Minuten
  • Peter Gulacsi – 225 Minuten
  • Nordi Mukiele – 217 Minuten
  • Oliver Bias – 208 Minuten
  • Niclas Stierlin – 201 Minuten
  • Naod Mekonnen – 195 Minuten
  • Max Winter – 195 Minuten
  • Massimo Bruno – 194 Minuten
  • Erik Majetschak – 185 Minuten
  • Emil Forsberg – 181 Minuten
  • Marius Müller – 180 Minuten
  • Timo Werner – 137 Minuten
  • Fabrice Hartmann – 136 Minuten
  • Dayot Upamecano – 121 Minuten
  • Lukas Krüger – 96 Minuten
  • Konrad Laimer – 90 Minuten
  • Noah Holm – 89 Minuten
  • Marcel Halstenberg – 76 Minuten
  • Malik Talabidi – 60 Minuten
  • Marcel Hoppe – 60 Minuten
  • Julian Krahl – 45 Minuten
  • Tyler Adams – 45 Minuten
  • Atinc Nukan – 16 Minuten

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Bilder: © GEPA pictures/ Kerstin Dölitzsch

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