Serienbrecher gefragt

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig bei Red Bull Salzburg (29.11.2018, 18.55 Uhr) befindet sich diesmal ein Ticker von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralf Rangnick und Stefan Ilsanker.]

Vorletzter Teil der Europa-League-Gruppenphase. Mit einem Unentschieden in Glasgow hätte sich RB Leipzig ein Freispiel erkämpfen können. Durch die Niederlage ist man gezwungen in Salzburg einen Sieg zu holen. Zumindest wenn man davon ausgeht, dass Celtic parallel in Trondheim gewinnt. Nur mit einem Dreier hat RB Leipzig dann das Überwintern in Europa selbst in der Hand.

Dass das mal eine ordentliche Herausforderung wird, ergibt sich nicht nur aus der 2:3-Niederlage im Hinspiel, bei der Salzburg eine klasse Partie spielte, sich aber am Ende fast noch um den Lohn gebracht hätte. Es ergibt sich vor allem daraus, dass Salzburg jetzt seit zwei Jahren(!) in wettbewerbsübergreifend 52(!) Heimspielen unbesiegt ist. Eine irrsinnige Serie, die RB Leipzig da zu brechen hat. Und da spielte Salzburg nicht nur in der heimischen Liga (was auch schon eine Leistung wäre), sondern auch gegen internationale Größen wie Borussia Dortmund, Lazio Rom oder Olympique Marseille.

Unter Marco Rose, der ja erst vor einem reichlichen Jahr nach Salzburg kam, kennt man also das Gefühl einer Heimniederlage bisher gar nicht. Rose ist bei den Profis von Red Bull Salzburg den Weg, den er schon beim Gewinn des Youth-League-Titels gegangen ist, erfolgreich weitergegangen. Was dann dazu führt, dass ein Spieler wie Hannes Wolf inzwischen offen vom Titel in der Europa League spricht. Das mag nicht komplett realistisch sein, aber solche Aussagen führen auch nicht spontan zu Gelächter, wie sie das vielleicht noch vor zwei Jahren getan hätten.

Es bleibt, daran hat sich seit dem Hinspiel nichts geändert, eher ist diese Einschätzung noch stärker geworden, enorm beeindruckend, wie stark die Salzburger trotz des bitteren und selbstverschuldeten Champions-League-Ausscheidens gegen Belgrad auch in dieser Saison, in der man noch gar keine Pflichtspielniederlage hinnehmen musste (gegen Belgrad war man mit zwei Unentschieden ausgeschieden), wieder auftreten. Es spricht extrem für die Mannschaft und deren internen Zusammenhalt, wenn man an solch einem Erlebnis wie dem gegen Belgrad, bei dem man das zentrale Ziel der Saison früh verpasst, nicht zerbricht, sondern noch stärker als zuvor wiederkommt.

Zumal vor dem Hintergrund der hohen Belastungen, die der Kader ja auch zu verkraften hat. Das Spiel gegen Leipzig wird bereits das 27. der Saison sein. Damit hat man noch mal zwei mehr bestritten als der Red-Bull-Bruder (egal ob jetzt groß oder klein oder eher so mittel) aus Leipzig. Mit Ulmer, Ramalho, Samassekou, Dabbur und Lainer haben gleich fünf Feldspieler der Salzburger schon mehr Spielzeit abgerissen als RB Leizpigs meist eingesetzter Spieler. Das ist Diego Demme und der liegt selbst noch 200 Minuten vor dem Leipziger Rest. Auch hier gilt, dass es durchaus beeindruckend ist, wie der Kader die Belastungen scheinbar unbeeindruckt wegsteckt (und auch letzte Saison schon weggesteckt hat).

Ralf Rangnick und manch anderer würde jetzt einwenden, dass sie es aber auch einfacher haben, weil sie es ja in der eigenen Liga so leicht hätten und ruhiger angehen können. Das ist etwas schlicht gedacht und wurde von Marco Rose als Argument schon nach dem Hinspiel süffisant vom Tisch gewischt (zumal die Misserfolge der Salzburger vor Rose einst in Europa teilweise mit fehlender Konkurrenz in der Liga begründet wurden). Fakt ist, dass die Salzburger auch in der heimischen Liga für ihre Siege (immerhin 13 in 15 Spielen) hart arbeiten müssen, weil die meisten Teams zu sehr defensiven Aufstellungen greifen, an denen sich der Favorit dann abarbeiten muss.

Das sind dann auch Aufstellungen, gegen die man in den entscheidenden Zonen Geschwindigkeit braucht und den Gegner eben nicht mal nebenbei abschießen kann. Und genau in diesem Punkt ist es auch immer wieder erstaunlich, wie überlegen die Salzburger da manchem Konkurrenten sind. Wenn die Spieler Fahrt aufnehmen, dann sehen die Spiele gern auch mal so aus, als würde ein deutscher Erstligist einen Regionalligisten bespielen. Also rein von der Geschwindigkeit der Akteure her liegen da teilweise Welten dazwischen. Was die jeweiligen Gegner oft durch einen robusten Spielstil wettzumachen versuchen.

Durch die vielen auf Defensive setzenden Teams ist es aber Red Bull Salzburg auch gewöhnt, dass man aus dem Spiel mit dem Ball heraus agieren muss. Entsprechend hat man in diesem Bereich auch ausgeprägtere Spielstrukturen als dies bei RB Leipzig mit ihrem stärkeren Umschaltfokus der Fall ist. Hoch schiebende Außenverteidiger spielen da genauso eine Rolle wie sich immer wieder in die Offensive einschaltende und im Strafraum torgefährlich auftauchende Achter. Flanken, flache Hereingaben, Rücklagen an die Strafraumgrenze, diagonale Bälle aus dem Halbraum an den Strafraum. Man hat da durchaus ein gewisses Repertoire, um auch gut gestaffelte Defensiven zu bespielen.

Pech hat Red Bull Salzburg mit dem langfristigen Ausfall von Amadou Haidara, der auf der rechten Acht ein wichtiges Puzzlestück mit einer guten Balance zwischen Defensive und Offensive war. Das wird zu mehr Spielzeit für Junuzovic führen, der nun auch kein ganz schlechter ist. Aber es ist auf Dauer für die Mannschaft auch ein kleiner Substanzverlust, zumal ein möglicher Nachfolger bzw. eine weitere Option wie Enock Mwepu noch nicht auf dem Niveau ist, Salzburg auch über längere Spielphasen zu helfen.

Relevant ist auch der Ausfall von Reinhold Yabo. Der war vor allem für das Spiel gegen den Ball eine wichtige Waffe, fehlt derzeit aber verletzt. Dafür ist Stürmer Smail Prevljak wieder zurück im Team. Im Hinspiel fehlte der Ex-RBLer noch. Nun ist der etwas ungelenk wirkende, aber physisch starke und mit Spielübersicht ausgestattete Offensivmann aber eine Option. Genau wie Gulbrandsen. Oder ein Minamino, der vor der Länderspielpause diverse (schöne) Tore schoss, zuletzt in Hartberg aber nur auf der Bank saß.

Gespielt wurde in Salzburg zuletzt eigentlich wie bei RB Leipzig immer im 4-3-3, das eher als 4-4-2 mit Raute interpretiert wird. Mit einem starken, Lücken schließenden (und zuletzt sogar ein Tor schießenden) Samassekou auf der Sechs und einem Wolf mit einigen Freiheiten auf der Position zwischen/ hinter den Spitzen.

Fragen dürfte es bezüglich der Aufstellung bei Red Bull Salzburg nur wenige geben. Die eine betrifft die Position neben Ramalho in der Innenverteidigung, wo Pongracic die Mehrzahl der Spiele machte, zuletzt aber der erst 20-jährige Onguene spielte. Die andere dürfte die Position neben Dabbur im Sturm betreffen, wo es mit Prevljak, Minamino und Gulbrandsen gleich drei Optionen gibt. Der Rest des Teams sollte eigentlich mehr oder weniger gesetzt sein (im Tor wird in der Europa League wohl wie üblich rotiert werden).

Es ist schon sehr stark, was Red Bull Salzburg auch diese Saison wieder aus sich herausholt und vor allem an konstanten Leistungen auf den Platz bringt. In der dichten Folge an Spielen kaum Ausreißer nach unten drin zu haben (bzw. nicht so krasse Ausreißer, dass man Niederlagen kassieren würde), ist eine phänomenale Leistung. Auf der anderen Seite muss man den österreichischen Meister auch nicht überhöhen. Von der Besetzung her ist es halt weder Dortmund noch Bayern und noch nicht mal Leverkusen, sondern im Vergleich mit Deutschland ungefähr ein normales Bundesligateam. Aber eben eins, bei dem die Puzzlestücke sehr gut ineinander klicken.

Und auch in der Europa League sehr gut ineinander klicken. Durch die Gruppenphase rennt man bisher mit beeindruckender Überlegenheit. 21 Torabschlüsse pro Spiel sind der zweitbeste Wert hinter Chelsea. Salzburg ist dabei nicht nur ein Umschaltteam, sondern eins, das mit 55% Ballbesitz und 82% Passquote eher die Werte eines normalen Ballbesitzteams hat. Man löst wenig über Dribblings (nur Platz 34 in gewonnenen Dribblings), sondern über geradliniges Passspiel, Geschwindigkeit und klare Abläufe und auch mal Überladungen in der Offensive. Salzburg hat mit Abstand von allen Europa-League-Teams die meisten Abschlüsse aus dem normalen Spiel heraus. Das sagt über die spielerischen Qualitäten der Salzburger alles.

Defensiv hat der Meister Österreichs bisher acht Schüsse pro Spiel zugelassen. Auf Augenhöhe mit Leipzig der viertbeste Wert aller Europa-League-Teilnehmer. Eine kleine Schwäche hat man dabei vielleicht in der Luft. Was man auch gut beim Tor von Yussuf Poulsen im Hinspiel sehen konnte. Generell ist die Defensivzentrale von ihrer Physis her nicht unangreifbar. Dazu muss man aber auch in die Situation kommen die letzte Reihe überhaupt erstmal unter Druck zu setzen. Bis dahin kommen die wenigsten Teams und kam auch RB Leipzig im Hinspiel viel zu spät.

Das nun im Rückspiel zu bewerkstelligen, ist halt auch mit viel Energieaufwand verbunden. Inwieweit die RasenBallsportler diese Energieleistung noch mal aufbringen, ist eine der Fragen, die sich vor dem Spiel in Salzburg stellen. Ist ja auch immer eine Frage des Kopfes und nicht nur der Beine. Vielleicht kann da die Hinspielniederlage auch hilfreich sein, noch mal ein paar Prozent mehr als sonst aus sich herauszukitzeln.

Zum Problem könnte erneut die Verletztenliste werden. Emil Forsberg fehlt natürlich weiterhin, das ist schon nicht günstig. Dass aber zuletzt auch Kevin Kampl und Marcel Sabitzer dazu kamen, verkomplizierte die Dinge unnötig, weil dann in der Offensive treibende Kräfte und Verbindungsspieler fehlen. Dass Kampl gegen Salzburg zurückkehrt, klingt eher unwahrscheinlich. Bei Sabitzer wäre es schon wahrscheinlicher. Trotzdem läuft es auf eine Formation heraus, die ihre Stärken eher im Spiel gegen den Ball und weniger mit dem Ball hat.

[Update: Die Ausfälle von Kevin Kampl und Marcel Sabitzer sind jetzt fix. Dazu kommt auch noch Diego Demme. Ich würde ja sagen, dass sich das zentrale Mittelfeld dadurch von selbst aufstellt, aber genaugenommen gibt es keinen mehr, der im zentralen Mittelfeld spielen kann.^^]

Mögliche Aufstellungen:

  • Red Bull Salzburg: Walke – Lainer, Ramalho, Pongracic (Onguene), Ulmer – Schlager, Samassekou, Junuzovic – Minamino (Gulbrandsen), Wolf, Dabbur
  • RB Leipzig: Mvogo –  Mukiele, Orban, Konaté – Klostermann, Laimer, Ilsanker, Halstenberg – Poulsen (Augustin), Cunha (Bruma), Werner (Bruma)

Gute Atmosphäre wird es am Donnerstagabend in Salzburg auch haben. Ausverkauft ist das Stadion schon seit längerem. Dass die Partie in Österreich solchen Anklang findet, verweist auch auf ein paar Befindlichkeiten im Verhältnis mit RB Leipzig. Es dem anderen Red-Bull-Klub mal zu zeigen, dass man nicht so klein ist, wie man immer gemacht wird, war schon im Hinspiel ein Motiv. Und ist es im Rückspiel für Spieler und Fans wieder. Dürfte (mal abgesehen vom Geräusch der Klatschpappen) recht hübsch werden dieses doch recht aufgeladene Spiel.

Fazit: Eine Art Pokalfight zwischen zwei Vereinen, die sich in ihrer Entstehung sehr nah sind, aber in ihrer gemeinsamen Geschichte auch ein paar Dinge und Befindlichkeiten angehäuft haben, die nun mit auf dem grünen Rasen ausgefochten werden. Eine klasse Salzburger Mannschaft, die seit zwei Jahren zu Hause nicht verloren hat und über sehr gute Spielstrukturen verfügt gegen einen individuell besser besetzten, aber von Verletzungen gebeutelten Gast, der im Kreativbereich zu kämpfen hat, aber einen Sieg braucht. Dürfte von Anfang an eine heißer Kampf werden, auf den man sich freuen darf.

[Wer das Spiel von RB Leipzig bei Red Bull Salzburg nicht vor Ort verfolgen kann und am 29.11.2018, ab 18.55 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze das Vereinsradio.. Bilder gibt es live bei DAZN und bei RTL Nitro.]

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Randbemerkung: Die Konstellation in Europa-League-Gruppe B ist in mancher Hinsicht einfach und in mancher nicht. Es gibt keine Konstellation, bei der Leipzig schon nach dem fünften Gruppenspieltag keine Chance mehr auf die K.o.-Runde hat. Bei jedem Ergebnis, mit dem man in Salzburg weniger Punkte holt als Celtic parallel in Trondheim hätte man die Dinge aber nicht mehr in der eigenen Hand, sondern wäre davon abhängig, dass Celtic am letzten Spieltag gegen Salzburg (für die es dann um nichts mehr gehen würde) etwas liegenlässt. Wenn RB in Salzburg gewinnt und Celtic verliert, wäre man (neben Salzburg) vorzeitig für die K.o.-Runde qualifiziert. Wenn Celtic und RB ihre Spiele gleichzeitig Unentschieden bestreiten oder gleichzeitig verlieren oder RB nur einen Punkt oder zwei Punkte mehr holt als Celtic, dann wäre Salzburg in jedem Fall weiter und RB könnte am letzten Spieltag durch einen Sieg gegen Trondheim alles aus eigener Kraft klarmachen. Salzburg ist nur dann noch nicht sicher in der K.o.-Runde, wenn man gegen Leipzig verliert und Celtic parallel in Trondheim gewinnt. Dann könnte man am letzten Spieltag bei einer Niederlage in Glasgow noch auf Platz 3 zurückfallen, falls Leipzig gegen Trondheim gewinnt. Interessant in dem Zusammenhang, dass es aus Salzburger Sicht gar keinen Unterschied macht, ob man gegen Leipzig 0:1 verliert oder 0:2 (falls Glasgow in Trondheim gewinnt). Weil bei beiden Ergebnissen dann eine Drei-Tore-Niederlage in Glasgow (bei RB-Sieg gegen Trondheim) ein Ausscheiden bedeuten würde. Erst bei einer Drei-Tore-Niederlage gegen Leipzig, würde Glasgow am letzten Spieltag ein Sieg mit zwei Toren reichen. Das führt zu der strategisch interessanten Tatsache, dass Salzburg bei einem knappen Rückstand kurz vor Schluss tatsächlich noch mal bis hin zum Torwart in den Strafraum schicken alles probieren könnte, weil es keinen Unterschied macht, ob man mit einem oder mit zwei Toren verliert (Hintergrund ist die Tatsache, dass bei Punktgleichheit zwischen drei Teams (die einzige Chance, dass Salzburg noch auf Platz 3 rutschen könnte) eine Tabelle mit den sechs Spielen zwischen den drei Mannschaften zur Vergabe der Plätze gebildet wird). Das sollte im Funktionsteam des Klubs jemand im Hinterkopf behalten (gilt für Leipzig natürlich ebenso). Auch bei RB spielt die Höhe einer eventuellen Niederlage für die Endabrechnung überhaupt keine Rolle mehr, sodass auch hier bei einem knappen Rückstand jedes Risiko genommen werden kann. Alle Rechnungen vergessen kann man aus Leipziger Sicht, wenn man einfach in Salzburg und gegen Trondheim gewinnt. Dann gibt es keine Konstellation, bei der man nicht in die K.o.-Runde einziehen würde und könnte man in Ruhe beobachten, wie sich Celtic und Salzburg um den zweiten Platz in der K.o.-Runde balgen. Alles verstanden? Nein? Macht auch nichts. Nach dem Abpfiff des Spiels in Salzburg wird klar sein, welche Optionen für den letzten Spieltag bleiben und ob schon irgendjemand jubeln darf..

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. Red Bull Salzburg

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Ralf Rangnick darf mit guter Laune in eine neue Saison gehen. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig bei Red Bull Salzburg. Mit Ralf Rangnick und Stefan Ilsanker.

Ralf Rangnick: Diego Demme, Marcel Sabitzer und Kevin Kampl fallen neben Emil Forsberg aus. Demme mit muskulären Problemen kommt zu den bisherigen Ausfällen dazu (verhärtete Waden). Marius Müller ist auch nicht fit, dafür Peter Gulacsi mit im Kader. „Müssen ein bisschen improvisieren.“

Stefan Ilsanker: „Freue mich auf das Spiel, weil ausverkauft ist. War immer sensationelle Stimmung hier bei internationalen Partien, wenn das Stadion gefüllt ist. Spannendes, packendes Spiel.“

Rangnick: „Haben eine Idee, wie wir die Ausfälle auffangen.“

Rangnick zur veränderten Hierarchie zwischen Salzburg und Leipzig, falls Salzburg gewinnt: „Weiß ich nicht. Wir sind immer noch in der Bundesliga vorn mit dabei. Selbst wenn Salzburg gewinnt, heißt das nicht, dass wir in der Bundesliga nicht mehr dabei sind. Vielleicht trifft man sich ja in der nächsten Saison in der Champions League wieder.“

„Wir haben hier 2012 alles auf den Kopf gestellt. Man muss sich ja nur mal die Mannschaft von 2012 anschauen, die gegen Düdelingen gespielt hat und die mit heute vergleichen.“

„Würde Red Bull Salzburg unter den ersten acht der deutschen Bundesliga sehen. Aber das ist hypthetisch. Aber dass sie eine Spitzenmannschaft sind, hat man ja schon letzte Saison gesehen. Hat sich in den letzten Jahren viel entwickelt.“

Ilsanker: „Bin heiß auf die Partie. Das Hinspiel ist nicht gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Verliere ungern und wenn es gegen meinen Papa und ehemalige Mitspieler passiert, dann noch mehr. Von daher werde ich morgen alles dran setzen, glücklich aus dem Stadion zu gehen.“ Gibt noch Kontakte zur Salzburger Mannschaft. „Richtig engen Kontakt habe ich aber zu keinem mehr. Ist eher sporadisch. Ist im Fußball so, dass es schwer ist, im Kontakt zu bleiben, wenn man bei einem anderen Verein spielt.“

Rangnick: „Habe 2012 gesagt, dass es so nicht weitergeht und wir auf junge Spieler setzen müssen. Dieser Weg wird seitdem verfolgt und die Kurve geht seitdem nach oben. Was noch fehlt, ist die Qualifikation für die Champions League und die wird wohl in dieser Saison gelingen, weil man sich direkt qualifizieren kann über die Meisterschaft. In den letzten zwei Jahren hat es Salzburg geschafft, Spieler auch mal länger zu behalten. Vor allem ist auch der Trainer geblieben. Deswegen ist Kontinuität eingekehrt und das sieht man. Solange es den FC Liefering als Unterbau gibt, sehe ich auch nicht, warum sich das ändern sollte. Liefering gab es 2012 übrigens auch noch nicht.“

Rangnick zu Wechseln nach Leipzig: „Die Spieler würden, wenn sie nicht in Leipzig spielen würden, auch nicht in Salzburg spielen.“ Verweist auch auf Spieler, die nicht nach Leipzig gewechselt sind. „Da sind wir wieder beim Thema der Liga. Salzburg spielt halt nicht in der deutschen Bundesliga sondern in Österreich. Wenn ein Spieler sich auf Topniveau entwickelt, wird er keine fünf Jahre in Österreich spielen. Der wird dann woanders spielen wollen. Dass wir dann unseren Hut mit in den Ring werfen, ist doch logisch. Sonst müsste mich Mateschitz entlassen, wenn wir nicht sagen würden, da sind Spieler dabei, die für uns in Frage kommen. Da würde ich meinen Job verfehlt haben.“

Rangnick: Mukiele wird spielen. Aufstellung will er aber nicht verraten. „Es wird eine überraschende Aufstellung sein. Die hätte ich vor einer Woche noch nicht für möglich gehalten. Aufgrund der Einfälle mussten wir uns was einfallen lassen.“

Macht sich ein bisschen lustig darüber, dass er gefragt wird, ob es Zufall ist, dass ausgerechnet vor diesem Spiel aus Hoffenheim Störfeuer in Bezug auf Marco Rose kommen (ist dort  angeblich Trainerkandidat). („Bin nicht auch noch für Hoffenheim zuständig.“)

„Für mich eine neue Perspektive hier. Habe früher immer auf der Tribüne gesessen. Auf der Gästebank noch nie. Ist ungewohnt. Für diejenigen unter uns, die hier eine Vergangenheit haben, ist es ein besonderes Spiel. Am Ende geht es aber darum, ein gutes Spiel zu machen und ein gutes Ergebnis zu erzielen. Hochinteressantes Spiel. Müssen schauen, auch mit den Ausfällen ein gutes Spiel zu machen.“

Pfeifkonzert gegen ihn von Salzburger Fans? „Die Frage müssen sie Christoph Freund (Sportdirektor in Salzburg) stellen. Wir sind hier nur zu Gast. Er war vom ersten Arbeitstag an an meiner Seite. Falls es ein Pfeifkonzert gibt, kann ich nur mit den Schulter zucken und innerlich mit dem Kopf schütteln, weil es darauf hindeuten wurde, dass hier in den Jahren nicht gut kommuniziert worden ist. Anders kann ich mir es nicht erklären. In aller Bescheidenheit, wenn ich hier 2012 abgelehnt hätte, halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir hier in dieser Konstellation sitzen würden. Zu 100% kann ich ihnen aber sagen, dass dann Christoph Freund hier nicht Sportdirektor wäre seit 2015 und Marco Rose wäre hier nicht Cheftrainer.“

Rangnick über Marco Rose: „Überrascht mich gar nich sein Erfolg. Habe ihn damals hier zur U16 geholt, da kannte ihn hier gar keiner. Habe ihm dann die U18 gegeben und dann hat er ein Jahr später die Youth League gewonnen. Das wird so schnell auch nicht wieder passieren. Dass er Cheftrainer geworden ist, war die beste Entscheidung, die man treffen konnte. Bin mir sicher, dass er vor einer großen Karriere steht und irgendwann in einer größeren Liga coachen wird. Die Entscheidung wird er aber selber treffen.“

Ilsanker zur Orban-Aussage im Mittelfeld fehle es an Qualität: „Wenn man nach dem Wolfsburg-Spiel so eine Aussage tätigt, ist das legitim. Zwei Stammspieler verletzt ausgefallen und wir verlieren. Dann hat die Aussage ihre Richtigkeit. Ist bei anderen Mannschaften aber dasselbe, dass der Ausfall zweier Stammspieler weh tut. Wir versuchen, die Jungs so gut wie möglich zu ersetzen. Jetzt sollten wir über Spieler reden, die dabei sind und nicht über die die fehlen.“

Rangnick auch zur Orban-Aussage: „Gegenüber der Vorsaison fehlen uns mit Keita, Lookman, Sabitzer und Kampl unser komplettes Mittelfeld.“ (Lob für Ilsanker nebenbei und „herausragende Spiele“ in der Abwehr.) „Jede Mannschaft der Welt spürt solche Ausfälle. Nicht nur bei Ballbesitz, sondern auch gegen den Ball. Sabitzer und Kampl gehören zu den vier besten Balleroberern im Team. Wenn der Kapitän den Qualitätsverlust anspricht, ist das sein gutes Recht. Wir gehen mal davon aus, dass Kampl, Sabitzer und Demme in den nächsten Tagen zurückkommen. Wenn ich mir anschaue, wie die Mannschaft spielt, wenn die Spieler zur Verfügung stehen, dann haben wir sogar den Ausfall von Forsberg kompensiert. Und zwar so, dass man es kaum gemerkt hat. Wenn wir die alle an Bord haben, mache ich mir keine Sorgen. Aber morgen müssen wir es erstmal mit den vorhandenen Spielern lösen.“ Wintertransfers möglich, aber immer schwierig auf Topniveau. „Müssen wir sehen, ob wir da noch was machen.“ (Also da geht es um zusätzliche Transfers zu den zwei sowieso geplanten.)

Irgendwas zur Zeit mit Marco Rose in Hannover, der dort unter Rangnick spielte. Wechselte damals nach Mainz, weil ihm Rangnick gesagt hatte, dass er in Hannover nicht mehr so viel spielen werde. „Außergewöhnlicher Trainer und Typ und Mensch. Wird hier keiner ein negatives Wort über ihn sagen. War auch ein Grund, warum ich ihn 2013 nach seiner Zeit bei Lok angerufen habe.“

Ilsanker zu Unterschieden zwischen Leipzig und Salzburg: „Zwischen den Klubs eigentlich nicht. Wird in beiden Vereinen professionell gearbeitet. Der größte Unterschied ist, dass Leipzig in Deutschland liegt und Salzburg in Österreich. Ich habe dadurch das Vergnügen Woche für Woche vor 50.000 Zuschauern zu spielen. In Österreich spielt man vor 4.000 oder 5.000. Die Gegner sind in Deutschland auch entsprechend besser. Das ist auch der Grund, warum ich Salzburg verlassen habe. Ich habe mich dort unheimlich wohl gefühlt. Die Mannschaft war super. Aber irgendwann willst du auch Woche für Woche auf hohem Niveau spielen und nicht nur bei internationalen Spielen.“

Rangnick: Bei Red Bull „meine längste Station in der Karriere. Schon fast sieben Jahre. Im ersten Jahr mussten wir einige kleinere oder größere Kriege ausfechten intern. Das war extrem schwierig. Da wurden die wichtigsten Bausteine oder meinetwegen auch Pflastersteine gelegt für die Straße, auf der man jetzt noch fahren kann. Das war nicht so einfach, auch weil ich ein paar Tage immer noch in Leipzig war. Das ist mir alles natürlich ans Herz gewachsen. Mein jüngerer Sohn wohnt immer noch in Salzburg. Ich finde die Stadt traumhaft. Wenn Salzburg zehn Kilometer auf der anderen Seite der Grenze liegen würde, hätte ich bei aller Schönheit von Leipzig auch keinen Grund gesehen wegzugehen. Salzburg hat schon unheimlich viel an Lebensqualität zu bieten. War aber notwendig im Zuge der Entflechtung, nur noch in Leipzig tätig zu sein. Wenn ich bei beiden Vereinen Sportdirektor gewesen wäre, hätte man bei der UEFA niemandem erzählen können, dass die beiden Vereine dabei sind, sich zu entflechten Deswegen gibt es auch morgen dieses Spiel.

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