Bundesliga: SV Werder Bremen vs. RB Leipzig 2:1

Letzter Spieltag der Bundesliga. Für Werder ging es noch um Platz 7. Für RB ging es um nichts mehr. Irgendwann früh in der ersten Hälfte war klar, dass es auch für Werder um nichts mehr gehen würde. Eine Zeitlang waren die Zwischenstände im Meisterkampf dann das, was am emotionalsten verfolgt wurde.

Ralf Rangnick hatte schon vor der Partie die Frage nach einer Rotation nicht vehement verneit wie noch vor den letzten Spielen, sodass man von einigen Wechseln ausgehen konnte. Dass er sein Team gleich mal komplett durchrotieren würde, hätte man aber so auch nicht geahnt. Da blieb in der Startformation kein Stein auf dem anderen. Zehn neue Spieler, aber „keine B-Elf“, wie Rangnick selbst erklärte. Naja. Da standen einige Kandidaten in der Startelf, die in der Rückrunde gar nicht oder nur extrem sporadisch auf dem Platz standen. Schön, dass Adams und Upamecano nach langen Verletzungen dabei waren. Dass hatte Rangnick ja als Voraussetzung bezeichnet, dass sie überhaupt eine Option für den Kader fürs Pokalfinale sind. Organisiert war RB in einem 4-2-2-2 Mit Adams und Laimer als Doppelsechs und Ilsanker und Upamecano als Innenverteidigung.

Werder Bremen wechselte auf der anderen Seite zweimal. Der verletzte Gebre Selassie wurde durch Friedl ersetzt. Der von einer Gelbsperre zurückkehrende Klaassen ersetzte Johannes Eggestein.  Es war eine sehr zurückhaltende Formation, die Kohfeldt da auf den Platz stellte und in der sich mit Osako und Rashica nur zwei echte Offensivspieler fanden. Sahin fiel immer wieder zwischen die Innenverteidiger. Maxi Eggestein, Klaassen und Möhwald bildeten ein sehr dichtes Zentrum.

Ein vorsichtiges Werder-Team und ein bunt zusammengewürfeltes RB-Team. So sah das Spiel dann in der ersten Halbzeit auch aus. Kein einziger Torschuss in mehr als 30 Minuten zu Beginn. Man neutralisierte sich gegenseitig komplett. Werder sehr bemüht, bloß keine Fehler zu machen und in Umschaltsituationen zu laufen (für die RB aber eh Werner auf dem Platz fehlte). RB spielte teilweise ganz gefällig hinten rum von der einen auf die andere Seite, um dann nach vorn keine Ideen zu haben, zu oft den Ball zu schleppen, statt zu spielen und sich entweder festzurennen oder lange Bälle ins Nirvana zu spielen. Da merkte man sehr oft im Anlaufen und in den Spielabläufen, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die so noch nicht zusammengespielt hat und in der einige Spieler stehen, die lange nicht gespielt haben und vielleicht nicht allzu zufrieden mit ihrer Situation sind. Auf der anderen Seite hatte Werder mit Rashica auf der Außenbahn mal ein, zwei Situationen mit viel Platz, aber ungenauen Pässen in den Strafraum.

Vermutlich hätte man sich so bis in die Halbzeitpause weiter gegenseitig gelangweilt, wenn denn nicht der VAR seinen Auftritt gehabt hätte und Schiedsrichter Brych empfahl, sich eine Aktion von Upamecano gegen Osako im Strafraum noch mal anzuschauen. Die Entscheidung hieß Elfmeter, den Rashica mit dem allerersten(!) Torschuss des Spiels nach 35 Minuten zur Führung versenkte.

Osako hatte in einem nun etwas offener wirkenden, aber noch lange nicht offenen Spiel noch eine Chance, die halt in typischer Osako-Gefährlichkeit am Tor vorbeistrich (wenn Osako Tore schießen würde, wäre es ein phantastisches Offensiv-Gesamtpaket). RB auf der anderen Seite durch einen guten Bruma-Schuss und einen Cunha-Nachschuss kurz vor der Pause mit der Ausgleichschance. Sollte nicht sein, sodass ein 0:0-Spiel mit einem 1:0 für Werder in die Kabine ging.

Seltsames Spiel, eher gedämpfte Stimmung danach. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

In der Pause wechselte Kohfeldt und nahm Sahin vom Platz und brachte mit Johannes Eggestein einen Stürmer. Vielleicht die Einsicht, dass das an diesem Tag gegen dieses RB doch ein wenig zu vorsichtig war mit der Startformation. Änderte aber am Spiel, in dem nur wenig mehr los war als vor der Pause, nur marginal etwas.

Bruma hatte dann nach 54 Minuten im Elfmeterduell die Chance, zum 1:1 auszugleichen. Doch es passte zum Spiel, dass er den Handelfmeter mit voller Wucht mittig über den Kasten schoss.

Werder tat offensiv weiter wenig und hatte in der ganzen zweiten Halbzeit bis kurz vor Schluss durch Rashica und Osako vielleicht zwei annehmbare Möglichkeiten. RB auf der anderen Seite blieb bei allem Bemühen um den Ausgleich ungenau und ungefährlich. Nach 64 Minuten stellt Ralf Rangnick mit der Einwechslung von Smith Rowe auf Dreierkette mit einem Bruma als Rechstverteidiger(!) davor um. Forsberg und Poulsen machen nach 70 Minuten die Offensive komplett.

Die Bemühungen der RasenBallsportler werden intensiver, aber bis zur 80. Minute passiert auf dem Feld weiter fast nichts. Das Spiel tickte dem Ende entgegen. Bis es doch noch mal aufregend wurde. Emil Forsberg mit einem schönen Schuss von der Strafraumgrenze. Maximilian Eggestein mit dem knapp misslingenden Versuch, den Ball aus größerer Entfernung ins eigene Tor zu schießen. Und dann ist da doch noch der Ausgleich, als Nordi Mukiele eine Saracchi-Hereingabe im Tor unterbringt.

1:1. Das geht für dieses Spiel insgesamt völlig in Ordnung (wenn auch vielleicht um zwei Tore zu hoch). Aber nun, es ist schließllich letzter Spieltag, da braucht es vielleicht auch noch mal eine Extra-Geschichte. Und die liefert Pizarro, nachdem Saracchi einen Ball von hinten heraus direkt in das Bremer Mittelfeld klärt. Pizarro darf im Anschluss am Strafraum einmal querlaufen. Und wenn man ihn aus guter Position schießen lässt, dann trifft er halt auch mit 40 noch das Tor.

Viele Minuten hat das Spiel nun nicht mehr. Poulsen taucht noch mal vor Pavlenka auf, steht dabei aber im Abseits. Und dann ist auch schon Schluss in einem Spiel, das 80 Minuten lang eigentlich ein schönes 0:0 war, bei dem nur der VAR-Eingriff und Mukiele die Ruhe störten.

Fazit: Bremen trotz erstaunlich zurückhaltender Spielweise und nur sechs Torschüssen mit zwei Toren. RB Leipzig mit lange sehr ordentlicher Defensive, aber wenig Eingespieltheit, überschaubarem Offensivspiel und Pech bei Pfostentreffer und Elfmeter mit nur einem Tor. Eigentlich war dieses Spiel ein klassisches Unentschieden-Spiel. Dass Pizarro am Tag seiner bekanntgegebenen Vertragsverlängerung noch das letzte Wort haben wollte, störte dann auf RB-Seite aber kaum noch jemanden wirklich.

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Randbemerkung 1: Nach 34 Spielen RB Leipzig mit 13 Punkten mehr als in der Vorsaison. Gegenüber der Hinrunde (Ziel war es in der Rückrunde noch mal 31 Punkte zu holen) hat Leipzig seit der Winterpause vier Punkte mehr geholt. Sehr gute Saison. Sehr gute Rückrunde. Aber eben auch keine überragende. Nach ganz oben fehlt noch ein ganzes Stück. Und das Ziel, die Punktzahl aus der ersten Hasenhüttl-Saison (67) noch mal zu erreichen, hat man mit deutlich besserem Kader auch knapp verpasst. Nur mal so wegen der Relationen. Nein, keine Krittelei, nur eine Einordnung (wobei diese erste Saison auch ein schwerer Vergleichsmaßstab ist).

Randbemerkung 2: Rund 3.600 RB-Fans mit in Bremen am letzten Spieltag der Saison. Rund 2.800 mehr als letzte Saison, damals an einem Sonntagabend. Überraschend große Auswärtsfahrergruppe und ein ausverkaufter Gästeblock. Letztes Saisonspiel halt, attraktives Ziel und ein Sonderzug. Dazu kommt natürlich auch, dass zum Zeitpunkt der Terminierung dieses Spiel tatsächlich das letzte Saisonspiel war und manch einer die Reise vielleicht nicht gebucht hätte, wenn er gewusst hätte, dass eine Woche später noch Berlin wartet. War insgesamt ganz hübsch, auch wenn der Stehplatzblock in Bremen einer der unangenehmsten der Liga. Glücklicherweise hatte ich in weiser Voraussicht einen Sitzplatz gebucht (für wahnsinnige 45 Euro, direkt hinter einem Zauneck..). Insgesamt fuhren in dieser Saison damit rund 27.400 Fans mit zu den 17 Auswärtsspielen, rund 10.200 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen. 5.000 fehlten dabei allein bei der Auswärtsfahrt nach Berlin, 4.000 in München. Die großen Auswärtsfahrerspitzen sind in dieser Saison weggefallen. Die Gruppe derer, die zu jeder Zeit zu jedem Ort fährt, hat sich auf dem Niveau des Vorjahrs ungefähr stabilisiert.

Randbemerkung 3: Sehr untypisches RB-Spiel in Bremen. Eigentlich ist Leipzig eines der schwächsten Teams der Liga in Sachen Passquote, weil man halt mit viel Risiko direkt nach vorn spielt. In Bremen nun auch mal wieder viel hinten rum und Spielaufbaustrukturen. Entsprechend stieg die Passquote auch auf Bayern-verdächtige 86%. War halt dummerweise auch viel brotloses Ballbewegen dabei. Bzw. merkte man dann doch einige Male, dass das nicht die spielerische Variante ist, die die Spieler gut beherrschen. Bzw. war die Art des Spiels vermutlich auch einfach die Folge einer Formation, die in ihren Abläufen beim Spiel in die Tiefe nicht sonderlich eingespielt war.

Randbemerkung 4: RB Leipzig in dieser Saison und vor allem in der Rückrunde defensiv eigentlich sehr stabil. Das bröckelt aber in der jüngeren Vergangenheit etwas. In den letzten sechs Auswärtsspielen in Liga und Pokal kassierte RB immer mindestens ein Tor. Zehn Gegentore waren es insgesamt in Augsburg, Leverkusen, Mönchengladbach, Hamburg, Mainz und Bremen. Glücklicherweise steht nächste Woche ein Heimspiel an.

Randbemerkung 5: Das Spiel in Bremen war eins, bei denen sich viele Spieler zeigen durften, die dazu in der Rückrunde wenig Gelegenheit hatten. Augustin, Mvogo, Saracchi, Bruma in erster Linie. War jetzt nicht so, dass sich einer davon vehement aufgedrängt hätte. Mvogo war ordentlich und hielt die wenigen Sachen, die zu halten waren. Saracchi mit tadellosem Einsatz, aber auch der für ihn oft typischen (nicht nur taktischen) Wildheit. Bruma in vielen Situationen mit dem viel zu häufigen Abbrechen von Spielzügen und einige unglücklichen Entscheidungen (aber auch einem schönen Pfostenschuss) Und Augustin. Nun ja, kein Torschuss, viele verlorene Bälle, kaum ins Spiel eingebunden (leider).

Randbemerkung 6: Ralf Rangnick nach den häufigen ‚ich wechsel erst nach der 80. Minute‘-Spielen nun mit dem kompletten Gegenteil. Smith Rowe kam sehr früh (was Sinn machte, wenn man ihn noch mal im Livebetrieb sehen wollte). Laimer nach 70 Minuten runterzunehmen, war schon ok. Der läuft ja auch immer viel. Da kann man auch mal die Belastung steuern. Warum Augustin nach 70 Minuten runter musste, erschloss sich mir nicht. Ja, der Franzose war nicht wirklich im Spiel, aber wenn ich in so einem Spiel schon mal den sonstigen Bank- und Tribünenakteuren eine Chance gebe, dann hätte ich zumindest vermutet, dass man sich die betreffenden Spieler auch dann durch die kompletten 90 Minuten kämpfen lässt, wenn sie nicht wirklich gut sind. Naja, so bekam Poulsen auch noch ein bisschen Rhythmus, das tat ihm nach nicht ganz optimalen letzten Spielen sicherlich auch gut.

Randbemerkung 7: In der ersten Halbzeit eine schöne Situation, in der Ralf Rangnick gestenreich Teammanager Babacar N’Diaye zu sich an die Seitenlinie ‚bat‘ und ihm mit Verweis Richtung Spielfeld immer wieder irgendwas bedeutete, was da schief läuft. Schien so, als suchte Rangnick nach einem Weg, über N’Diaye und dessen Kompetenzen als Dolmetscher etwas an einen seiner Spieler weiterzugeben. Das Gestikulieren schien dabei in Richtung Jean-Kevin Augustin gerichtet gewesen zu sein. Aber das kann natürlich auch überinterpretiert gewesen sein. Zumindest hätte es angesichts des manchmal etwas planlos wirkenden Anlaufens Augustins gepasst, dass die Gestik dem Stürmer gilt.

Randbemerkung 8: „Ihr seid scheiße wie der HSV“ irgendwann aus dem Gästeblock in der zweiten Halbzeit. Habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Wurde in meiner Wahrnehmung auch im Block mit vereinzelten, aber vernehmbaren Pfiffen quittiert. Hab jetzt keinen Grund gesehen, warum der Spruch kam. Gab ein paar liebevollere und weniger liebevolle Banner im Werder-Block, die sich mit RB auseinandersetzten (mein Liebling ein großes „Für immer herzlich Willkommen, Bullenschweine“ vor dem Spiel). Nichts dramatisches (aus meiner Sicht) (vergesst das mit dem Banner, da stand in Wirklichkeit „Herzlich Unwillkommen“; da muss mir mein Unterbewusstsein einen Streich gespielt haben; dabei hatte ich sogar extra ein Foto von dem Banner gemacht und mir das Foto sogar später noch mal angeschaut..), von daher fand ich den wenig einfallsreichen Diss unpassend, aber vielleicht habe ich den Anlass auch verpasst.

Randbemerkung 9: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ kam in Bremen angesichts des eigenen Scheiterns im Halbfinale nicht bei allen Werder-Anhängern gut an. Vor dem Spiel kam ein locker flockiges „Wir scheißen auf Berlin“ als Antwort. Im Stadion gab es dann ein paar Pfiffe. Aber es gab auch jene, die den Bayern aufgrund des Weiterkommens in Bremen im Halbfinale eine Niederlage gegen RB am kommenden Samstag intensiv an den Hals wünschen.

Randbemerkung 10: Werder in der ganzen Saison mit nur einem einzigen Pflichtspiel, in dem man kein Tor schoss. Das ist durchaus beeindruckend und auch ein Zeichen, dass das Team für jeden Gegner eine Idee hat. Wenn man so will, dann hat der Plan auch gegen RB bei zwei Treffern funktioniert. Mich erstaunte trotzdem, dass Werder in diesem Spiel mit so wenig Wucht und so viel Vorsicht agierte. Das hätte ich ganz anders erwartet, auch wenn Kohfeldt vor dem Spiel schon angekündigt hatte, dass es andere Mittel als Spielkontrolle braucht, um die Partie zu gewinnen. Am Ende hatte er mit dem 2:1 recht. Ich fand es aber trotzdem vom Auftreten her eher mau.

Randbemerkung 11: Letztes Spiel der Saison in Bremen. Wurde genutzt, um mit Max Kruse und Aron Johannsson zwei Spieler zu verabschieden. Immer ganz schön sowas am Saisonende bei einem Heimspiel zu machen (wer erinnert sich nicht an die tränenreiche Frahn-und-Co-Verabschiedung einst in der zweiten Liga oder gar das Kaiser-Abschiedsspiel letzte Saison). Ist halt nicht immer möglich, weil man nicht immer schon vor dem letzten Spiel weiß, wer alles geht und/ oder das letzte Spiel halt auch mal ein Pokalfinale sein kann. War trotzdem hübsch und ein bisschen sentimental die Atmosphäre in Bremen. Auch im Gästeblock vergleichsweise viel Beifall bei der Kruse-Verabschiedung. Als emotionalen Höhepunkt für die Fans des Gastgebers gab es dann kurz vor Anpfiff noch die Vertragsverlängerung von Pizarro als eingespieltes Video.

Randbemerkung 12: Ich mag Bremen (mal abgesehen vom Gästeblock) eigentlich ganz gerne (zusammen mit Mainz vielleicht mein Lieblingsstadion in der Bundesliga rein von dem, wie das Heimpublikum an guten Tagen tickt). Das Stadion kann eine extreme Wucht entwickeln. Gegen RB waren die Dinge aber abgesehen von der Schlussphase doch sehr gebremst. Erstaunlich für so ein Spiel, das doch als End- und ‚Alles raushauen‘-Spiel ausgegben war (dennoch auch passend zum Spielverlauf). Aber die Sonne schien, das Stadion liegt schön und die Zuschauer kriegten als Sahnehäubchen ihre Pizarro-Tor. Hat schon alles so gepasst. Zumindest an einem Tag, an dem es für den geneigten Anhänger des Gastteams um nichts mehr ging.

Randbemerkung 13: (Egal, wie unwichtig das Spiel ist, ein klein bisschen sackig geht man dann aber doch aus so einer Niederlage. Aber das verfliegt dann bei so einer Partie auch relativ schnell wieder.)

Randbemerkung 14: In all den letzten Jahren, in denen ich fast immer mit dem Zug zum Auswärtsspiel gefahren bin, gab es nur einmal eine Situation, in der es eng wurde, als die Strecke aufgrund eines „Personenschadens“ gesperrt war, der Zug zurückfahren und dann der nächste Zug einen langen, zeitaufwändigen Umweg fahren musste. Damals war es ein Taxi von Frankfurt nach Darmstadt, das zumindest dazu führte, dass ich nur ein paar Minuten des Spiels verpasste (und das auch nur, weil man in Darmstadt noch mal gefühlte drei Kilometer ums Stadion rennen muss, wenn man in den Gästeblock will (also so ungefähr wie es in Leipzig inzwischen leider ist, wenn man von der falschen Seite kommt)). Diesmal noch mal ein gutes Bahn-Extra-Abenteuerprogamm mit einem mitten auf freier Strecke zwischen Köthen und Magdeburg stehenbleibendem Zug (defekte Lok) und einem folgenden IC, der auf dem Nachbargleis hielt und dann mit Leitern die Fahrgäste einzeln vom einen in den nächsten Zug umstiegen. Also Leiter auf der einen Seite runter in den Gleisschotter und andere Seite wieder rauf. Wie in Deutschland üblich gibt es für solche Situationen exakte Vorschriften und Warnwesten, Notfallmanager und genauste Instruktionen, wie die Leitern anzubauen sind. Entsprechend aufgeregte Zugbegleiterinnen inklusive, für die das auch nicht zum Standardprogramm gehörte. Da eine Evakuierung (ja, ein bisschen dramatisch muss das schon klingen) aus dem Zug nur durch eine einzige Tür erfolgen darf, dauerte es naturgemäß eine halbe Ewigkeit, bis ein kompletter IC entladen und in den anderen IC eingeladen war. Lustiges Abenteuer. Angesichts eines Lokschadens mitten im Nichts (und der möglichen Alternative, ewig auf eine Lok aus Leipzig warten zu müssen) war das Krisenmanagment der Bahn schon ok und die zwei Stunden Verspätung am Ende auch erträglich (und in der Reiseplanung eh immer eingeplant).

Randbemerkung 15: Timo Werner mal zur Abwechslung gar nicht dabei und entsprechend in seiner Statistik unverändert. In der Bundesliga steht Werner diese Saison insgesamt bei 107 Torschüssen, aus denen 16 Tore resultierten (15% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 62 Schüssen 15 Tore (24%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für zwei Tore 34 Schüsse (6%). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 29 gewonnenen Dribblings in 90 Versuchen (32% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 24 von 66 (36%), Augustin bei neun von 21 (43%) und Cunha bei 15 von 27 (56%!).

Randbemerkung 15: Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 34 Bundesligaspielen: 123:99 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 10:5 Tore gefallen (Elfmeter zählen statistisch nicht als Standard, direkte Freistöße schon). In Bremen war das lange zum Haareraufen, was da vor allem Bruma an Flanken direkt in Pavlenkas Hände schoss. Am Ende schoss Mukiele den Ausgleich dann aber doch in Folge eines Standards. Wahnsinn eigentlich nach einem Spiel mit so vielen schwachen Standards den einzigen Treffer doch in Folge eines ruhenden Balls zu schießen.

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Lichtblicke:

  • Dayot Upamecano: So lange raus und dann doch schon wieder so spielfit, dass er 90 Minuten lang viel richtig machte, viele Zweikämpfe gewann, viele Bälle ablief und auch ein paar Mal gut nach vorn mit anschob. Schön, dass Upamecano wieder auf dem Platz steht. Schön, dass er auch so weit zu sein scheint, dass er eine Notfall-Option für das Pokalfinale sein kann. Über den Elfmeter-Gegentreffer bzw. das Foul zuvor schauen wir an dieser Stelle mal hinweg.
  • Amadou Haidara: Spielte einen sehr agilen, aggressiven Part im Mittelfeld. Vor allem gegen den Ball sehr wertvoll. Offensiv fehlte ihm manchmal der letzte Mut, auch mal in eine offfene Zone zu ziehen, aber für die Balance des Teams war er durchaus sehr wichtig und hat vor allem gezeigt, dass er sich in das taktische Gerüst des Teams einpassen kann.
  • Emile Smith Rowe: Schon allein deswegen, weil man ihn mal mehr als zwei, drei Minuten sehen konnte. Ich mag seine Bewegungen mit dem Ball. Das sieht sehr gut und geschmeidig aus. Klar, diese Leihe mit drei Kurzeinsätzen wirkt nicht so richtig glücklich, aber man hat eine Idee bekommen, warum RB ihn im Winter geholt hat. Und falls man es schafft, ihn ein weiteres Jahr zu leihen, dann passt das schon so und kann man sich auf einen sehr guten Kaderspieler freuen, der durchaus Spaß machen kann, wenn er mal ein paar Monate am Stück verletzungsfrei ist.

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Tore: 1:0 Rashica (35./FE), 1:1 Mukiele (86.), 2:1 Pizarro (88.)

Aufstellung RB Leipzig: Mvogo – Mukiele, Ilsanker, Upamecano, Saracchi – Adams (64. Smith Rowe), Laimer (70. Forsberg) – Haidara, Bruma – Augustin (70. Poulsen), Cunha; Bank: Müller, Klostermann, Orban, Sabitzer; Nicht im Kader:Demme (verletzt),  Gulacsi, Nukan, Werner, Kampl, Konaté, Halstenberg

Aufstellung Werder Bremen: Pavlenka – Friedl, Veljkovic, Moisander, Augustinsson – M. Eggestein, Sahin (46. J. Eggestein), Klaassen – Möhwald (87. Johannsson), Osako  (74. Pizarro) – Rashica

Schiedsrichter: Felix Brych (Leitete die Partie mit vertretbarer Linie. Werder bei ein, zwei Fouls in Umschaltsituationen in der ersten Halbzeit ohne Gelb davonkommen zu lassen, fand ich etwas großzügig. Ansonsten mit klarer Linie und entsprechend konsistenten Entscheidungen. Elfmeter für RB fand ich mit sehr guter Sicht von hinter dem Tor völlig richtig. Beim Elfmeter für Werder habe ich mich im Stadion (und völlig ohne TV-Bilder) sehr gefragt, warum der Videoassistent da Brych an den Monitor schickt. Brych hat freie Sicht auf den Zweikampf und bewertet ihn nicht als Foulspiel. Eine klare Fehlentscheidung war es (aus Stadionsicht) nicht. Entsprechend merkwürdig empfand ich es, dass Brych da an den Monitor geschickt wurde. Dass er dann dort auf Elfer entscheidet, ist geschenkt. Da geht es dann ja nicht mehr darum, ob eine klare Fehlentscheidung vorlag, sondern ob der Schiedsrichter die Bilder eher als Foul bewertet oder nicht. Beim 2:1 will der eine oder andere eine aktive Abseitsstellung von Johannsson gesehen haben, der beim Schuss von Pizarro in der Schussbahn gestanden haben soll. Hab ich konkret nichts zu beizutragen, weil ich es nicht noch mal gesehen habe. Generell gilt, dass in solchen Situationen heutzutage sehr viel seltener Abseits gepfiffen wird als früher noch und meist nur, wenn der Stürmer tatsächlich direkt vor dem Torwart steht oder aktiv zum Ball geht (auch wenn er ihn dann nicht berührt).)

Gelbe Karten: Augustinsson, Friedl | Ilsanker (5.), Saracchi (2.)

Zuschauer: 42.100 (davon 3.600 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, SVW-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 6 : 10
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 4 : 7
  • Schüsse auf das Tor: 3 : 3
  • gewonnene Zweikämpfe: 50,0% : 50,0%
  • Ballbesitz: 50,0% : 50,0%
  • Passquote: 85,9% : 86,2%
  • Laufstrecke: 111,9 km : 110,2 km
  • Sprints: 166 : 218
  • Intensive Läufe: 530 : 616
  • Fouls: 16 : 12
  • Ecken: 3 : 9
  • Abseits: 1 : 5
  • Meiste Torschüsse: Rashica: 3 – Bruma, Cunha: je 3
  • Meiste Key-Pässe: M. Eggestein, Klaassen, Sahin, Osako: je 1 – Augustin, Saracchi, Upamecano: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): M. Eggestein: 80,0% – Upamecano: 76,2%
  • Meiste Ballkontakte: Möhwald: 64 – Saracchi: 89
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Sahin, Möhwald: je 92,9% – Laimer: 91,7%
  • Größte Laufstrecke: Augustinsson: 11,4 km – Haidara: 11,5 km
  • Meiste Sprints: Rashica: 26 – Saracchi: 32

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com, sport.de

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Saisontorschützen: Werner – 16; Poulsen – 15; Klostermann – 5; Sabitzer, Orban, Forsberg – je 4; Augustin, Halstenberg – je 3; Kampl, Cunha – je 2; Bruma, Laimer, Konaté, Haidara, Mukiele – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 11; Forsberg – 9; Halstenberg – 8; Poulsen – 7; Kampl – 6; Sabitzer – 5; Demme – 3; Orban, Laimer, Klostermann, Adams – je 2; Bruma, Cunha, Konaté, Mukiele, Saracchi – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Halstenberg, Sabitzer – je 14; Kampl – 13; Orban – 11; Forsberg, Poulsen – 9; Konaté – je 8; Klostermann – 7; Mukiele, Adams, Upamecano – je 6; Demme, Gulacsi – je 5; Laimer, Werner – je 4; Saracchi, Bruma – je 3; Cunha, Ilsanker, Haidara – je 2

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

3 Gedanken zu „Bundesliga: SV Werder Bremen vs. RB Leipzig 2:1“

  1. War das ein Foul von Upa? Osako holzt doch volle Lotte gegen Upas Bein! Verstehe ich nicht. VAR und Schiri gucken es sich an und entscheiden dann auf Foul. Hä? Keine Ahnung. Null.

    1. Nie im Leben ein Elfer. Upa hält sein Bein hoch und Osako tritt dagegen. Keine Bewegung auf den Angreifer zu. Weder darf der VAR eingreifen noch können die Bilder (Sportschau) ein Foul belegen.
      Gut das die 2. Reihe diese Chance erhalten hat. Haben es sich verdient. Allerdings hat mich keiner wirklich beeindruckt. Haidara habe ich mit mehreren Fehlpässen bzw. verlorenen Zweikämpfen in Erinnerung behalten. Mein Lichtblick war Ilse, der defensiv sehr souverän wirkte.

  2. Dafür dass es nur die 2. Garde war haben sie sich ja ganz ordentlich geschlagen. Allerdings war Werder wie beschrieben auch überraschend schwach.
    Beim Elfmeter für Bremen hätte der VAR nicht eingreifen dürfen, da keine klare Fehlentscheidung (aus Sky und Sportschau-Sicht). Der Handelfmeter war hingegen klare Sache, beim Tor von Pizarro war die Entscheidung es gelten zu lassen schon ok.
    Trotz seiner Fehler hat mir Saracchi eigentlich recht gut gefallen, vielleicht bräuchte der auch einfach mehr Spielpraxis. Auch nicht so schlecht (unabhängig vom Tor) war Mukiele. Auf Smith-Rowe habe ich nicht speziell geachtet, kann mich aber auch an gar keine auffällige Aktion erinnern.
    Ansonsten war das Spiel aber auch am TV keine große Freude und ich habe mich ganz ungewohnterweise gerne mal vom Fußball ablenken lassen…

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