Bundesliga: 1. FSV Mainz 05 vs. RB Leipzig 3:3

32. Spieltag der Bundesliga. Für RB Leipzig stand der Ausflug nach Mainz an. Eigentlich ging es um nicht mehr viel, außer der Wahrung der theoretischen Chancen auf den Meistertitel. Dafür war dann das leistungsgerechte 3:3 allerdings zu wenig.

Ralf Rangnick änderte seine Startformation im Vergleich zum Freiburg-Spiel zweimal. Forsberg und Klostermann kamen in die Partie. Sabitzer und Haidara blieben dafür draußen. Sabitzer war gleich ganz zu Hause geblieben und hatte entsprechend mehr Zeit für den frischen Nachwuchs. Organisiert war RB Leipzig erneut in einem System mit Dreierkette. 5-3-2 oder 3-3-2-2, wie auch immer man das notieren möchte. Laimer startete diesmal auf der rechten Acht vor und neben Kampl.

Mainz wechselte auf der anderen Seite dreimal. Brosinski, Latza und Baku ersetzten Donati, Maxim und überraschend auch Toptorjäger Mateta. An der Formation änderte sich nichts. Die 05er in ihrem 4-4-2 mit Raute aka 4-3-3.

Mainz startete in die Partie wie man es erwarten konnte. Ohne große Schnörkel ging es nach vorn. Die Gastgeber waren von Anfang an das aktivere Team mit mehr Ballbesitz und blieben das bis zum Ende. Die RB-Abwehr in ihrer Fünferformation war darauf aber gut vorbereitet und verteidigte sehr breit und in der Zentrale trotzdem sehr dicht, sodass die Mainzer Bemühungen meist am RB-Strafraum verebbten bzw. an Mukiele, Konaté, Orban und Co zerschellten.

Offensiv war von RB in der ersten Halbzeit nicht viel zu sehen. Vor alllem weil man ins gegnerische Drittel viel zu ungenau spielte. Gerade nach Ballgewinnen leistete man sich viel zu viele unbedrängte Fehlpässe. Auch Poulsen konnte vorn kaum einen Ball festmachen. Gulacsis Abschläge waren über die ganze Partie sehr ungenau und gingen immer wieder in Räume, in denen kein RB-Spieler war. Eine Passquote von unter 40% ist für den Keeper ein ungewöhnlich schwacher Wert.

Es war in der ersten Halbzeit eine sehr zerfahrene Partie. Mainz war aktiv und bemüht, aber ohne Durchschlagskraft. Bei RB endeten die fußballerischen Bemühungen meist schon noch ein, zwei Pässen im Nichts. Umso erstaunlicher, dass  daraus eine 2:0-Führung resultierte. Es waren in der ersten halben Stunde überhaupt nur zwei gut ausgespielte Angriffe von RB gewesen. Zweimal überraschte man den Gegner nach Ballgewinnen mit Geschwindigkeit. Zweimal bediente Werner überlegt Klostermann. Zweimal vollendete der Rechtsverteidiger.

Zwei Schüsse aufs Tor in er ersten Halbzeit, beide waren drin. Es war nicht schön, was die RasenBallsportler fußballerisch auf den Rasen brachten, aber es war enorm effizient. ‚Im Stile einer Spitzenmannschaft‘ hätte man wohl zur Pause getitelt, wenn nicht der Anschlusstreffer kurz vor dem Halbzeitpfiff gewesen wäre. In einer der wenigen Situationen, in denen RB im Raum vor der Dreierkette zu passiv war, konnte Mainz den Ball unbedrängt auf Onisiwo spielen, der Klostermann alt aussehen ließ und den Ball schön im kurzen Eck versenkte.

Zufriedenheit sieht anders aus. RB Leipzig nach dem 3:3 in Manz. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

25 Minuten lang hatte die RB-Defensive vor dem Gegentreffer keinen Torschuss zugelassen, weil man gut und aufmerksam verteidigte und vor allem im Gegenpressing immer wieder die Räume eng machte und so Mainz vom Tor weghielt. So überschaubar die fußballerischen Bemühungen bei selbst für RB-Verhältnisse und vertikales Spiel sehr schwacher Passquote war, so gut arbeite eigentlich die Defensive im Verbund. Entsprechend war der Anschlusstreffer ärgerlich, auch wenn er aufgrund der aktiven Spielweise der Gastgeber auch absolut nicht unverdient war.

In der zweiten Halbzeit ging es ertmal so weiter wie in der ersten. RB Leipzig mit gnadenloser Effizienz und mit dem dritten Treffer beim dritten Schuss aufs Tor. Diesmal hatte Emil Forsberg das Tor sehr gut vorbereitett und Timo Werner mit seiner dritten Torbeteiligung überlegt abgeschlossen.

Das Tor schien ein Wirkungstreffer zu sein, denn bis auf einen Freistoß, bei dem Gulacsi nur hinterhergucken kann und Glück hat, dass die Kugel nicht in der Torwartecke einschlägt, kommt von den Gastgebern in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit kein einziger Torabschluss mehr. Von RB allerdings auch nicht und so tickte die Uhr langsam herunter, ohne das auf dem Feld viel passierte. Erstaunlich, dass in dieser Partie zweier Mannschaften, deren Aktionen meist zu ungenau waren, überhaupt schon vier Tore gefallen waren.

Der Stillstand in der Partie, in der man sich zwischen den Strafräumen mit recht hoher Intensität bekämpfte, wurde mit einem Standard beendet. Niakhate hatte nach einer Ecke zu viel Platz im RB-Strafraum und schoss zum erneuten Anschlusstreffer ein.

Mainz war weiter das aktivere Team, während RB versuchte die Dinge runterzuverteidigen und einen weiteren Konter zu setzen. Die Ungenauigkeit im RB-Spiel blieb aber. Mit zunehmender Spielzeit wurde die Partie allerdings mit immer offenerem Visier geführt. Gerade in der letzten Viertelstunde gab es auf beiden Seiten des Spielfelds viel Raum, um mal einen Ball durchzustecken oder mit Geschwindigkeit auf die gegnerische Abwehr zuzulaufen. Der RB-Verbund verlor da zeitweise ein wenig seine Souveränität, die er über 75 Minuten gehabt hatte und lief den schnellen Mainzer Angriffen desöfteren hinterher. Eigentlich erstaunlich, dass man da aus einer Führung heraus manchmal zu sehr die Ordnung verlor.

Auch beim 3:3 nach 83 Minuten stimmte die Ordnung nicht. Haidara hatte viel zu hoch gestanden und damit den Achterraum aufgemacht, in den Mainz hineinspielte. Kampl versuchte, den Raum noch zu schließen, machte aber dafür den Sechserraum auf. Von da aus legt dann Boetius für Mateta auf und der Mainzer Stürmer lässt sich die Chance nicht nehmen. Spekulativ sicher, aber wenn Laimer noch auf dem Platz gestanden hätte, wäre dieser Treffer so vielleicht nicht gefallen. Haidaras taktisches Verhalten und Positionsspiel in der Situation nicht so richtig gut.

In den letzten zehn Minuten wird die Partie dann das Offensivspektakel, nach dem das Ergebnis des Spiels klingt, aber das es 75 Minuten lang überhaupt nicht war. Hoch und runter ging es nun. Beide Teams mit den Möglichkeiten, die Partie noch für sich zu entscheiden. Quaison scheitert dabei an Gulacsi. Klostermann schießt aus guter Position am langen Pfosten vorbei. Die größte Chance hat allerdings Orban in der Nachspielzeit als er aus Nahdistanz frei vor dem Tor an Florian Müller scheitert.

Das Unentschieden war das gerechte Ergebnis dieser Partie, in der Mainz aktiver war, aber RB die wenigen guten Angriffe, die man in der ersten Stunde hatte, mit mehr Zielstrebigkeit und überragender Effizienz ausspielte. Es fühlte sich trotzdem eher nach zwei verlorenen Punkten an, weil die RasenBallsportler 75 Minuten lang zwar nicht gut spielten, aber die Angriffe aus dem Spiel heraus mit einer sehr gut passenden Formation verteidigten. Mit Passivität beim 1:2 und Unaufmerksamkeit bei einem Standard beim 2:3 brachte man die Gastgeber allerdings unnötigerweise ins Spiel zurück. Als dann die Ordnung in der RB-Defensive verloren ging, kassierte man schließlich sogar noch den Ausgleich.

Fazit: Ein seltsames Spiel, das lange wenig fußballerisch erbauliches, aber trotzdem einige (schöne) Tore zu bieten hatte. Beide Mannschaften in ihren Offensivbemühungen zu ungenau. Mainz war über die komplette Spielzeit das aktivere Team und steckte in den Bemühungen nie zurück. RB war lange das effizientere und besser verteidigende Team, verlor am Ende aber zu sehr die Ordnung. In einer wilden Schlussviertelstunde fiel dann nur noch ein Tor, das den Gastgebern den insgesamt verdienten Punkt brachte und RB zwei Punkte kostete, was angesichts einer 3:1-Führung völlig überflüssig war.
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Randbemerkung 1: Nach 32 Spielen RB Leipzig mit 18(!) Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher 16 Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt) (verglichen werden jeweils die Heimspiele der Vorsaison mit den Heimspielen in dieser Saison gegen die jeweiligen Gegner und analog die Auswärtsspiele). Gegenüber der Hinrunde (Ziel ist es ja in der Rückrunde noch mal 31 Punkte zu holen) hat Leipzig nach 15 Spielen seit der Winterpause sechs Punkte mehr auf dem Konto und damit schon jetzt drei mehr als in der Vorrunde insgesamt.

Randbemerkung 2: Platz 3 dürfte nach dem Remis in Mainz nun die endgültige Endplatzierung für RB Leipzig in der Bundesliga sein. Hängt natürlich auch noch ein bisschen davon ab, wie sich der BVB in Bremen anstellt. Platz 1 ist rechnerisch weg, wenn die Bayern gegen Hannover mindestens einen Punkt holen (praktisch ist er wegen des Torverhältnisses schon weg). Bleibt zu hoffen, dass nicht Bayern und Dortmund beide ihre Spiele am heutigen Samstag nicht gewinnen. Denn dann darf sich RB noch mal richtig ärgern. Für den Fall hätte man mit einem Sieg in Mainz die Situation gehabt, dass man es selbst in der Hand gehabt hätte, sich mit einem Sieg gegen die Bayern nächste Woche für den letzten Spieltag noch eine Meisterchance zu erarbeiten. Wenn also sowohl Bayern als auch Dortmund ihre Spiele gegen Hannover und in Bremen nicht gewinnen, dann täte dieses Unentschieden in Mainz noch mal richtig weh.

Randbemerkung 3: Rund 800 RB-Fans mit in Mainz an einem Freitagabend. Genausoviele wie letzte Saison auch am 32. Spieltag als es (glaube an einem Sonntag) noch um die Champions League ging. Die übliche Mainz-Auswärtsfahrerzahl also. Insgesamt fuhren in dieser Saison damit bisher rund 23.800 Fans mit zu den 16 Auswärtsspielen, rund 13.000 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen. 5.000 fehlten dabei allein bei der Auswärtsfahrt nach Berlin, 4.000 in München.

Randbemerkung 4: Drittletzter Spieltag. Wahlweise und je nach Geschmacksrichtung hast du dein Saisonziel schon erreicht und es geht um nichts mehr oder du schielst tatsächlich noch nach oben und brauchst dringend die drei Punkte. Für beide Varianten ein wenig seltsam, dass Ralf Rangnick nur zweimal wechselte und einer der beiden Wechsel erst in der 90. Minute kam. Gerade in so einem Spiel mit viel Laufaufwand und mit vielen Sprints und in dieser Phase der Saison nicht früher in dem Spiel noch mal Frische auf den Platz zu bringen, mutete merkwürdig an. Klar, so richtig überzeugend im Sinne einer Veränderung der Spielstatik war jetzt auch keine der Optionen auf der Bank. Aber einen Bruma für 20 Minuten, der im relativ offenen Schlagabtausch vielleicht noch ein wenig Räume für sein Spiel gekriegt hätte, wäre zumindest denkbar gewesen. Demme saß auch mal wieder komplett auf der Bank rum. Ihn zu bringen, wäre aber wohl auch mit einer nicht ganz sinnvollen Systemumstellung verbunden gewesen.

Randbemerkung 5: Ralf Rangnick vor dem Spiel mit einem angriffslustigen ‚Gehen das Spiel an, als würde es noch um die Champions League gehen‘. Keine Ahnung, wie es den Spielern ging, aber so richtig stellte sich dieses Gefühl vor dem Spiel nicht ein. Nachvollziehbar die Idee des Trainers, die Anspannung hochhalten zu wollen, um nicht in ein Loch zu fallen, aus dem man bis zum Pokalfinale nicht mehr rauskommt. Auf mich wirkt es allerdings etwas bemüht künstlich, dieses Druck hochhalten. Persönlich hätte ich mir auch mal zwei Wochen vorstellen können, in denen man in ein bisschen runterfährt und Druck rausnimmt, um dann mit frischem Kopf in die letzten zwei Wochen vor dem Finale zu gehen. Gerade wirkt es so ein bisschen wie ein Weg, bei dem nichts Halbes und nichts Ganzes rauskommt. Weil natürlich die Anspannung ein bisschen raus ist, aber man sich das nicht zugesteht, sondern sich dann im ‚Mist, wir wollten doch gewinnen‘ selbst geißelt (natürlich darf man sich aber über Niederlagen ärgern). Bin von dem Weg rein von der Psychologie her noch nicht ganz überzeugt. Mal sehen, wie das weitergeht.

Randbemerkung 6: Und dann ist da noch die Sache mit den eigenen Erwartungen. Völlig entspannt nach Mainz gefahren, wo es in den letzten beiden Auswärtspartien hübsch heiß herging. Man kann über Stadion und Lage sagen, was man will, aber das Stadion kann im besten Fall schon hübsch brodeln. Persönlich fahre ich da sehr gern hin (auch weil die Sicht aus dem Gästeblock sehr prima ist). Diesmal war es im Stadion angesichts der Tabellensituation recht leer und sehr zurückhaltend (auf beiden Seiten). Hatte lange eher was von einem Europa-League-Spiel in Leipzig (was aber völlig ok und gut war). Jedenfalls ein Spiel, in das du reingehst und denkst ‚alles gut, egal was heute passiert‘. Und dann beginnt das Spiel und mit jeder Minute wird dein Kopfschütteln doller. Dann wirst du durch die Führungen in falscher Sicherheit gewiegt, um dann doch noch (verdient) wieder auf den Boden geholt zu werden. Und dann bist du am Ende sackig wegen des Auftritts und des Spielverlaufs, obwohl du doch eigentlich keine Erwartungshaltung hattest. Fußball, ey.

Randbemerkung 7: Drei Gegentore. Gab es zuletzt in Freiburg in der Hinrunde. Der defensive Trend ist eher negativ. Schon in den letzten Spielen hat man teilweise sehr viel zugelassen, aber dank Gulacsi und ein bisschen Glück schlug das noch nicht durch. In Mainz nun gab es quasi nachholend gleich drei Gegentreffer. Muss man sich ein wenig Sorgen machen, um die defensive Kompaktheit? Vielleicht. So richtig mag ich da aber nocht nicht den Stab brechen.

Randbemerkung 8: Sechs Tore hätte RB schießen können, meinte Ralf Rangnick nach der Partie und hatte eine sehr gute Offensivleistung seines Teams gesehen. Wenn er damit meinte, dass das in den ersten 60 Minuten extrem effizient war, dann hat er mit der guten Offensivleistung recht. Jenseits der drei Tore hatte man allerdings praktisch fast keinen gut ausgespielten Angriff. Und klar hätten sechs Tore fallen können. So wie in jedem Spiel mit mindestens sechs Torschüssen theoretisch sechs Tore fallen können oder Bayern theoretisch in drei Spielen 15 Tore Vorsprung auf RB verspielen könnte. Ist halt nur nicht sehr wahrscheinlich. Erwartbar waren statistisch aufgrund der RB-Chance irgendwas zwischen zwei und drei Toren (je nach statistischer Berechnung). Genau in dem Korridor lag RB mit drei Treffern, weil man anfangs übereffizient war und sich das am Ende bei ein paar ausgelassenen Chancen auf Normalmaß einpendelte.

Randbemerkung 9: In der Bundesliga zum ersten Mal seit dem ersten Spieltag wieder eine Führung verspielt. Eine Führung, die gleich zweimal zwei Tore betrug. Auch bemerkenswert, dass du ewig lange unbezwingbar bist nach Führung und dann in Mainz zwei Tore herschenkst.

Randbemerkung 10: Einige Rekorde, die RB in Mainz verspielt hat. Der Pacult-Rekord von acht gewonnenen Ligaspielen in Folge in der Fremde hat Ralf Rangnick nun verpasst (wenn man den Pokal mitzählt waren es neun Pflichtspiele mit Siegen in der Fremde, das stellt die Pacult-Bestmarke zumindest ein). Und man verpasste es den Punkterekord für die ersten 100 Bundesligaspiele aufzustellen. Einen Punkt weniger als Köln in deren ersten 100 Spielen hat Leipzig durch das Unentschieden in Mainz. Naja, verkraftbar. „Nice to have“, aber mehr nicht, hatte Ralf Rangnick vor dem Spiel in Mainz zum Thema Rekorde gesagt. Hat er ja auch recht damit.

Randbemerkung 11: Timo Werner mit einer guten Partie, in der er vor allem als Vorlagengeber die Übersicht behielt. Das Tor nach der Pause rundete seine Leistung ab. In der Bundesliga steht Werner diese Saison nun bei 104 Torschüssen, aus denen 16 Tore resultierten (15% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 59 Schüssen 15 Tore (25%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für zwei Tore 31 Schüsse (6%). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 27 gewonnenen Dribblings in 85 Versuchen (32% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 24 von 63 (38%), Augustin bei acht von 19 (42%) und Cunha bei 15 von 27 (56%!).

Randbemerkung 12: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 32 Bundesligaspielen: 121:96 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 9:5 Tore gefallen (Elfmeter zählen statistisch nicht als Standard, direkte Freistöße schon). Mal wieder ein Standardgegentor, mit dem sich die defensive Statistik langsam wieder verschlechtert, auch wenn man immer noch zu den besten Teams der Liga gehört. Waren halt ganz schön viele Standards und Abschlüsse, die RB in Mainz zuließ (was auch eine Folge des geringen Ballbesitzes ist). Offensiv sprang wie so oft in den letzten Wochen mal wieder nichts aus einigen Versuchen heraus.

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Lichtblicke:

  • Timo Werner: Wenn du an allen drei Toren beteiligt gewesen bist, musst du was richtig gemacht haben. In der ersten Halbzeit hat Werner der Gastgebern mit seiner Geschwindigkeit und seinem Blick für Klostermann zweimal richtig wehgetan. Nach der Pause schloss der Stürmer sehr überlegt zum 3:1 ab. Hatte noch zwei, drei Situationen, die besser hätten laufen können, aber Werner machte schon relativ viel richtig und passte sich auch taktisch gut in die Formation ein.
  • Lukas Klostermann: Starke Partie. Rechts vor der Dreierkette ist für ihn auch eine gute Gelegenheit, mal mit in den gegnerischen Strafraum zu ziehen. Wenn er erstmal dort ist, ist er ja tatsächlich sehr gefährlich. Dass er gleich bei zwei Umschaltsituationen vorn als zweiter Stürmer auftaucht, überraschte dann aber doch. Hatte auf der rechten Seite eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive, sah aber beim Anschlusstreffer zum 1:2 auch nicht gut aus.
  • Nordi Mukiele: Lange eine sehr stabile und aufmerksame Partie rechts in der Dreierkette. Auch immer mal mit guter Dynamik in die Offensive gezogen. Einige Angriffe gut abgefangen. Richtung Ende dann auch mit ein, zwei Fehlern im Stellungsspiel. Wirkt manchmal so, als würde ihm die Physis fehlen, um 90 Minuten voll durchzuziehen. Aber das ist nur so ein Gefühl und spielt zumindest auf der Position in der Dreierkette nicht die ganz entscheidende Rolle.

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Tore: 0:1 Klostermann (20.), 0:2 Klostermann (32.), 1:2 Onisiwo (43.), 1:3 Werner (49.), 2:3 Niakhate (67.), 3:3 Mateta (83.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Mukiele, Konaté, Orban – Klostermann, Kampl, Halstenberg – Laimer (70. Haidara), Forsberg – Poulsen (90. Cunha), Werner; Bank: Müller, Saracchi, Bruma, Demme, Ilsanker; Nicht im Kader: Upamecano, Mvogo, Adams (alle verletzt), Sabitzer (Belastungssteuerung), Nukan, Augustin, Smith Rowe

Aufstellung Mainz 05: Müller – Brosinski, Niakhate, Hack, Aaron – Baku (68. Kunde), Gbamin (79. Maxim), Latza – Onisiwo (46. Mateta), Boetius, Quaison

Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Wie erwartet mit einer eher kleinlichen Linie, was insbesondere die Gastgeber phasenweise ein wenig aus der Fasssung brachte. Aus Stadionsicht gab es bis auf ein, zwei Szenen aber nichts auszusetzen, wenn man sich mit der Linie grundsätzlich angefreundet hatte. Gelbe Karten waren in den richtigen Momenten gesetzt. Eigentlich eine souveräne Spielleitung, angesichts derer die Aufregung auf Mainzer Seite (und der direkt nach dem Spiel auf Steinhaus zustürmende Sandro Schwarz) etwas seltsam wirkte. Vielleicht habe ich da aber auch zu sehr durch die RB-Brille geguckt. Diskussionen gab es um das 2:0, weil die Mainzer der Ansicht waren, dass Orban bei der Balleroberung vor dem Tor foult. Aus Stadionsicht kann ich es nicht beurteilen. Der Ablauf mit dem Videoassistenten sieht so aus, dass der nur eingreift, wenn Steinhaus die Orban-Aktion nicht wahrgenommen oder eine klare Fehlentscheidung getroffen hat. Wir können davon ausgehen, dass Steinhaus den Zweikampf gesehen und (als nicht strafbar) bewertet hat. Bleibt dann nur noch, dass der Videoassistent nicht fand, dass das eine so klare Fehlentscheidung war, dass er dafür der Schiedsrichterin den Gang an den Monitor hätte empfehlen müssen. Ob der Videoassistent damit richtig lag, lässt sich wie gesagt aus Stadionperspektive nicht bewerten.)

Gelbe Karten: Brosinski | Kampl (5.)

Zuschauer: 23.805 (davon 800 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, M05-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 14 : 14
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 9 : 10
  • Schüsse auf das Tor: 6 : 5
  • gewonnene Zweikämpfe: 53,3% : 46,7%
  • Ballbesitz: 55,6% : 44,4%
  • Passquote: 77,2% : 72,6%
  • Laufstrecke: 119,4 km : 118,1 km
  • Sprints: 269 : 262
  • Intensive Läufe: 786 : 712
  • Fouls: 14 : 12
  • Ecken: 6 : 4
  • Abseits: 9 : 1
  • Meiste Torschüsse: Boetius, Quaison: je 3 – Forsberg, Klostermann: je 3
  • Meiste Key-Pässe: Boetius, Aaron: je 2 – Halstenberg, Werner: je 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Gbamin: 67,9% – Orban, Klostermann: je 60,0%
  • Meiste Ballkontakte: Hack: 103 – Halstenberg: 66
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Niakhate: 88,5% – Orban: 86,2%
  • Größte Laufstrecke: Latza: 12,6 km – Klostermann: 11,7 km
  • Meiste Sprints: Quaison: 32 – Werner: 32

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com, sport.de

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Saisontorschützen: Werner – 16; Poulsen – 15; Klostermann – 5; Sabitzer, Orban, Forsberg – je 4; Augustin, Halstenberg – je 3; Kampl, Cunha – je 2; Bruma, Laimer, Konaté, Haidara – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 11; Forsberg – 9; Halstenberg – 8; Poulsen – 7; Kampl – 6; Sabitzer – 5; Demme – 3; Orban, Laimer, Klostermann, Adams – je 2; Bruma, Cunha, Konaté, Mukiele – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Halstenberg, Sabitzer – je 14; Kampl – 13; Orban – 11; Poulsen – 9; Forsberg, Konaté – je 8; Klostermann – 7; Mukiele, Adams, Upamecano – je 6; Demme, Gulacsi – je 5; Laimer, Werner – je 4; Saracchi – 3; Cunha, Ilsanker, Bruma, Haidara – je 2

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

2 Gedanken zu „Bundesliga: 1. FSV Mainz 05 vs. RB Leipzig 3:3“

  1. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber man muss sich doch langsam fragen ob die 3er (bzw. 5er-)Reihe wirklich eine gute Alternative ist. Matthias Sammer war sich nicht im klaren ob es nun an der Abwehr oder am Mittelfeld lag, dass RB hinten so schwächelte. Aber irgend etwas stimmte da jedenfalls nicht (wie auch schon gegen Freiburg).

    Die Aktion von Orban vor dem 2:0 war wohl wirklich ein Foul – das erschloss sich mir aber erst in der gefühlt 5. Zeitlupe, wirklich schwer zu erkennen. Grundsätzlich freut es mich aber, wenn Schiedsrichter nicht grundsätzlich pfeifen, wenn jemand auffällig/theatralisch fällt.

    Die Lichtblicke habe ich genauso gesehen, enttäuschend fand Ich Haidara, da lief irgendwie gar nichts rund, Poulsen und Laimer haben mich auch nicht wirklich überzeugt.

  2. Ich habe ein gutes Spiel gesehen auch durch die Mainzer. Es war falsch, nochmal über die Meisterschaft zu fabulieren. Sind wir doch zufrieden, was diese Mannschaft erreicht hat.
    Ich bin froh, dass die Meisterschaft de facto nun entschieden und der Druck gegen Bayern im Punktspiel von der Mannschaft genommen ist. Fußball bleibt unberechenbar, siehe Dortmund in Bremen nach einer 2:0 Führung. Trotzdem glaube ich nicht daran, dass Bayern beide Spiele verliert und den 4 Punkte Vorsprung vergeigt.
    RB sollte den Fokus lieber auf das Spiel in Berlin legen, egal wie das Punktspiel ausgeht.

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