DFB-Pokal: RB Leipzig vs. TSG 1899 Hoffenheim 2:0

Zweite Runde im DFB-Pokal. Jene Runde, in der RB Leipzig in der Vergangenheit am liebsten ausschied. Nicht so diese Saison, denn gegen die TSG Hoffenheim setzte man sich völlig verdient mit 2:0 durch.

Wie erwartet und wie schon im Bundesligaspiel in Hoffenheim hatte Ralf Rangnick auf eine Dreier- bzw. Fünferkette in der Abwehr gesetzt. Mit vier neuen Spielern in der Startelf (Konaté, Kampl, Klostermann und Augustin) spielte RB ein vergleichsweise tiefes 5-3-2. Klar konnte man das auch, wie es manch einer tat, als 3-5-2 (aka 3-3-2-2) interpretieren, aber faktisch war das gegen den Ball eine klare Fünferkette, mit der man die Stärken der Hoffenheimer auf den Außenbahnen aus dem Spiel nehmen wollte und erfolgreich aus dem Spiel nahm.

Die TSG auf der anderen Seite spielte ebenfalls in einem 5-3-2, das sogar noch tiefer und in der ersten Linie weniger aggressiv angelegt war als das 5-3-2 von RB. Nagelsmann hatte gleich sechs neue Spieler in die Startelf gesteckt (Kobel, Adams, Demirbay, Schulz, Bittencourt und Szalai) und darauf gesetzt, dass man nicht in Konter der Gastgeber läuft.

Wenn zwei Mannschaften mit Formationen auflaufen, die vor allem auf tiefes Verteidigen und auf das Vermeiden von Kontern und darauf setzen, erstmal zu gucken, was der jeweils andere macht, dann kommt am Ende das heraus, was man in der ersten Hälfte des Spiels bekam. Eine Partie weitgehend ohne Höhepunkte, die sich zwischen den Strafräumen und oft auch einfach in neutralen Spielfeldzonen abspielt. Wenn es danach geht, inwieweit man die Offensive des Gegners (bzw. vor allem deren Umschaltspiel) nicht in die Partie kommen lässt, dann machten beide Trainer in der ersten Halbzeit alles richtig. Wenn es danach geht, dass man ein Spiel gewinnen und nicht nur nicht verlieren will, dann war es schon eine beiderseits etwas arg zurückhaltende Herangehensweise.

Die Offensivbemühungen der ersten Halbzeit im Spiel zwischen RB Leipzig und der TSG Hoffenheim in einem symbolischen Bild. | Foto: Dirk Hofmeister

Zu Beginn schienen die Gäste etwas reifer und zielstrebiger aufzutreten. Bis auf eine Hereingabe von Demirbay nach schlecht verteidigter kurzer TSG-Ecke und einem (gut abgedeckten) Bittencourt-Schuss von der Strafraumkante kam dabei aber auch nichts heraus, weil die RB-Defensive sicher stand.

Auf der anderen Seite zog RB das Spiel in der ersten Hälfte mit zunehmender Spielzeit immer stärker aus dem Ballbesitz heraus auf die eigene Seite und hatte rund um den Strafraum ein paar gute Aktionen, weil man recht geduldig hin und her spielte und dann immer mal jemanden am Strafraum fand, der doch eine gute Bewegung machte (Kampl). Konkrete Torgefahr entstand aber nur einmal, als Augustin nach 35 Minuten die große Chance auf die Führung hat, aber Bicakcic kurz vor der Linie rettet.

Der Rest der ersten Halbzeit war vor allem ein Fest der Arbeit gegen den Ball. Diebezüglich RB mit einer hervorragenden Leistung, weil man viele Hoffenheimer Aktionen schon im Ansatz durch gutes Umschalten auf Defensive und Gegenpressing zunichte machte.

Dieses Spielchen beider Mannschaften auf den ersten Fehler des jeweils anderen zu lauern, konnte nur durch ein Tor durchbrochen werden, das die Statik des Spiels sofort verändert. Ansonsten hätte man sich in den 5-3-2-Formationen einfach bis zum Elfmeterschießen zu Tode gelangweilt neutralisiert. Das Tor fiel glücklicherweise direkt nach der Pause. Der eingewechselte Werner brachte gleich mal ganz viel Schwung in die Partie und war nach 48 Minuten der Schütze des 1:0. Upamecano mit der Balleroberung noch in der eigenen Hälfte und der sauberen Spieleröffnung Richtung Poulsen in die gegnerische Hälfte. Über Kampl und Werner läuft der Ball auf den Flügel auf Sabitzer. Dessen Flanke verpasst in der Mitte Poulsen noch. Aber Halstenberg sichert die Kugel links im Strafraum und kratzt sie dann noch von der Torlinie, um per Flanke für Werner aufzulegen, der den Ball dann nur noch in die Maschen zu drücken braucht. Sehr sauberer Konter. Quasi die erste sauber ausgespielte Offensivaktion der ganzen Partie (wobei Konter relativ ist, da zum Zeitpunkt des Abschlusses die TSG-Defensive eigentlich schon wieder komplett im Strafraum versammelt war).

Durch die Führung war die Zeit des Abwartens vorbei und es wurde ein offeneres Fußballspiel. Weil die TSG nun etwas tun musste und RB mehr Platz hatte für die auf Abwarten und Umschalten setzende Taktik. Und mit Werner hatte man inzwischen auch einen besser passenden Mann für die Wege in die Tiefe im Team. Der Stürmer bewegte sich gut und fand immer wieder gute Positionen um zu starten.

So wie in der 55. Minute als er tief geschickt wurde und bereits auf dem Weg zum 2:0 schien, aber beim letzten Schlenker vor dem Torschuss noch gestoppt wurde. Machte aber nichts, dass er dort an der Stelle des Misserfolgs erst mal ein bisschen verweilte, während das Spiel weiterlief. Denn Demme eroberte noch in der eigenen Hälfte kurz darauf den Ball, den erneut Upamecano schnell nach vorn zu Kampl spielt. Der nimmt in der Tiefe Poulsen mit, der in der Mitte den nun nicht mehr Abseits stehenden Werner bedient. Vogt austanzen, Kobel den Ball durch die Beine schieben, jubeln. Binnen elf Minuten hatte RB Leipzig dank zweier Konter und zweier Werner-Tore die Partie auf die eigene Seite gezogen.

Timo Werner mit dem Ausdruck der Genugtuung auf seinem Gesicht nach gleich zwei Toren. | Foto: Dirk Hofmeister

In den folgenden Minuten hätte RB Leipzig das Spiel bereits mit einem dritten Treffer vorentscheiden können. Poulsen und Kampl verzogen in guten Positionen, aber etwas spitzen Winkeln jeweils knapp. Dazu ließ Poulsen in einer Situation, in der er allein auf das Tor zulaufen kann, den Ball auf den im Abseits stehenden Werner durch, weil er wohl dachte, er stünde selbst im Abseits (was er aus Stadionsicht nicht tat).

Hoffenheim spielt in diesen ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit gar keine Rolle, weil man gegen die gute Arbeit gegen den Ball der Gastgeber, die mit ihrem 5-3-2 defensiv alles in der Hand haben, keine Mittel findet, sich selbst Chancen zu erarbeiten, sondern durch die veränderte Spielstatik nach Balleroberungen der Gastgeber immer wieder hinterherläuft.

Das wird nach 67 Minuten etwas besser, als die TSG die Fünferkette auflöst und mit offensiver Formation und Viererkette den letzten Versuch startet, in das Spiel zurückzufinden (darauf reagiert RB später, indem Poulsen etwas zurückrutscht und man quasi ein 5-4-1 spielt). In Ansätzen sieht das manchmal gar nicht schlecht aus, auch weil Demirbay in der Zentrale phasenweise zu viel Platz kriegt. Aber was auch immer Hoffenheim versucht, spätestens  bei der starken Dreierkette von RB Leipzig in der Abwehr ist Endstation. Konaté (manchmal mit etwas arg viel Arm-Einsatz), Upamecano und Ilsanker sind ein physisch starkes und vor allem auch schnelles Trio, sodass sie auf beeindruckende Art alles abräumen, was in Richtung Gulacsi-Tor kommt.

Letztlich wäre wohl die einzige Chance für die Hoffenheimer noch mal in die Partie zu finden, ein Standard gewesen. Gleich acht Ecken verbuchte man in 90 Minuten. Aber bis auf die eine gefährliche früh in der ersten Halbzeit hatte man bei diesen Situationen lange nichts zu bieten. Womit die TSG im Saisontrend liegt, denn der ruhende Ball gehört nicht gerade zu den Stärken des Nagelsmann-Teams.

Die einzig wirklich gefährliche Situation, die Hoffenheim noch hatte, verbuchte man dann auch bereits in der Nachspielzeit der Partie, als Kramaric völlig frei aus Nahdistanz köpfen durfte. Gulacsi war aber bei der Flanke einfach auf der Linie stehengeblieben und empfing den Ball dann mit der ihm eigenen stoischen Ruhe. Es war der einzige Ball in 90 Minuten, den Gulacsi halten musste.

Allein das verdeutlicht, dass RB Leipzig in diesem Spiel insgesamt das wesentlich gefährlichere zweier lange gar nicht gefährlichen Teams war. Nach wenig unterhaltsamer erster Hälfte spielte die frühe Führung den RasenBallsportlern in der zweiten Hälfte sehr in die Karten, sodass sie ihren Umschaltfußball noch stärker umsetzen konnten. Aber auch mit dem Ball leisteten sie sich gegen nicht sehr aggressive Gäste wenig Fehler. Immer wieder auch hatte man da gute Abläufe und Positionierungen, wenn man beispielsweise von außen den Ball Richtung Mitte spielte und dort jemand den Ball durchließ, weil dahinter jemand stand, der dann entsprechend die Kugel weiterverarbeitete. Da ließ RB die TSG auch immer wieder mal gut laufen, sodass man nicht ausschließlich tief verteidigte und dann konterte, sondern der eigenen Abwehr auch immer wieder mal Phasen der Ruhe gab.

Julian Nagelsmann musste seinem zukünftigen Vorgesetzten schon wieder bei der Analyse eines RB-Sieges zuhören. | Foto: Dirk Hofmeister.

Fazit: Insgesamt ein völlig verdienter Sieg für RB Leipzig, der dadurch begünstigt wurde, dass man das ‚Wer macht den ersten Fehler‘-Spiel mit dem 1:0 direkt nach der Pause auflöste. Danach hatte man die Partie, in der man schon vor der Pause etwas besser war, komplett im Griff. Weil man über 90 Minuten als Mannschaft gegen den Ball und in der letzten Reihe sehr gut arbeitete und die eigentlich sehr gute Hoffenheimer Offensive komplett aus dem Spiel nahm. Und weil man nach dem 1:0 die entstehenden Räume für Umschaltsituationen dankend annahm und zwischendurch auch immer mal Passagen des Verwaltens im Ballbesitz einstreute. Ein Sieg der effizienteren und im Umschalten erfolgreicheren Mannschaft nach einer in Sachen Gesamtorganisation sehr guten Teamleistung.

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Randbemerkung 1: Mal wieder eine dritte Runde im DFB-Pokal für RB Leipzig. Zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte. 2014/2015 scheiterte man dann im Achtelfinale an Wolfsburg. Ansonsten war spätestens in der zweiten Runde immer Schluss. Augsburg, Unterhaching und Bayern waren da Endstation. Nun überwintert RB mal wieder im Pokal (weil das Achtelfinale diese Saison erst Anfang Februar und nicht Mitte Dezember gespielt wird). Im Wettbewerb sind nur noch Erst- und Zweitligisten. Ein Ostduell ist auch nicht mehr möglich, da alle entsprechenden Klubs ausgeschieden sind (wenn man da Hertha als NOFV-Team mal nicht mitzählt). So ein Heimspiel gegen Heidenheim hätte doch was, wenn man auf Debatten über Zuschauerzahlen steht. Ansonsten war doch die Fahrt nach Kiel immer ganz nett (oder so ähnlich).

Randbemerkung 2: Mögliche Gegner im Achtelfinale. Bundesliga: Düsseldorf, Hertha, Wolfsburg, Bayern, Augsburg, Nürnberg, Bremen, Schalke, Dortmund, Leverkusen. Zweite Liga: Paderborn, HSV, Heidenheim, Kiel, Duisburg. Gelost wird am Sonntag ab 18 Uhr in der Sportschau.

Randbemerkung 3: Hoffenheim in den letzten beiden Spielen in der Bundesliga mit 32(!) Torchancen (Schnitt ist in der Liga irgendwas über sechs pro Team pro Spiel). Wenn sie in dieser Spielzeit für etwas standen, dann für eine unheimliche Wucht in der Offensive und für viele Chancen (aber auch eine nicht ganz so gute Chancenverwertung). Und dann fahren sie nach Leipzig und stellen sich 60 Minuten lang mit einem 5-3-2 in die eigene Hälfte, weil sie Angst vor den RB-Kontern haben. So richtig musste man das nicht verstehen, dass man sich der derzeit größten Stärke (Offensive plus sehr gutes Gegenpressing) berauben, um sich mit Leipzig 45 Minuten lang zu belauern und die Fehlervermeidung in den Vordergrund zu rücken. Freiwillig die Offensivmaschinerie abzustellen, um sich auf ein Abwartespiel einzulassen, das von Zufällen abhängt, erschloss sich nicht so richtig. Zumal man dann doch zwei Treffer aus dem Leipziger Umkehrspiel kassierte. Nur dass man selbst bis dahin bis auf einen Demirbay-Abschluss gar nichts an eigenen Offensivaktionen kreiert hatte. Das war durchaus etwas enttäuschend, dass Hoffenheim sich in einer Art Sicherheitsfußball verschanzte, wo das Team sonst für extrem spaßigen und wuchtigen Offensivfußball steht.

Randbemerkung 4: Letztlich verweisen die Daten darauf (Spielanteile, Passquoten, Zweikämpfe, dass da zwei Mannschaften aufeinandertrafen, die sich in vielerlei Hinsicht von Spielanlage und Spielablauf nicht viel nahmen. Die Torschussbilanz ging mit 7:11 sogar an die Gäste. Entscheidend aber, dass RB Leipzig bei den eigenen Torschussversuchen in den Strafraum kam (nämlich fünfmal) und Hoffenheim nicht (nur zweimal). 3:1 Großchancen standen am Ende auf dem Zettel. Eine Wertung, die letztlich das Ergebnis erklärt. Und eine Wertung, die auch darauf verweist, dass Leipzig das ‚Verteidigen und Abwarten, bis man die Umschaltchance kriegt‘-Spielchen etwas besser beherrschte (oder das Glück hatte, es als erstes zu den eigenen Gunsten aufzulösen) als die Gäste.

Randbemerkung 5: Drei Gegentore in den letzten neun Pflichtspielen. Gar kein Gegentor in den letzten fünf Pflichtspielen. Was RB Leipzig in den letzten Spielen defensiv so anstellt, ist durchaus beeindruckend. Das Verteidigen als Team funktioniert. Wenn man mal Probleme hat, dann findet man wie gegen Celtic schnell die richtige Lösung, um durch eine taktische Umstellung wieder Zugriff zu finden. In der letzten Reihe hat man eine sehr gute Mischung aus Physis und Geschwindigkeit. Davor hat man einige Spieler, die für eine sehr gute Balance zwischen Defensive und Offensive stehen. Passt sehr viel zusammen gerade.

Randbemerkung 6: Trotzdem fehlt auch ein Emil Forsberg ein wenig. Bis zum Spiel gegen Augsburg war RB auch offensiv durchaus ein Spektakelteam. Seitdem ist es da gegen Teams, die verstärkt darauf setzten, die Balleroberungszonen von RB zu umspielen bzw. auf Konterabsicherung setzen, sehr viel schwieriger geworden. Vier Tore in vier Spielen sind halt ok, wenn man gleichzeitig gar keins kassiert. Abgesehen davon ist der Ertrag in Form erspielter Torabschlüsse aber überschaubar. Gab da durchaus einige Situationen, in denen Forsberg mit seinen Qualitäten, auch mal einen Pass zu spielen, bei dem der Mitspieler seine Geschwindigkeit mitnehmen kann, gut getan hätte. Gegen Hoffenheim spielte Kampl ein paar dieser Pässe. Aber eine baldige Rückkehr von Forsberg wäre in Sachen Offensivoptionen durchaus begrüßenswert. Abzusehen ist die Rückkehr noch nicht. Für wahrscheinlich hält man derzeit die Zeit nach der nächsten Länderspielpause (also in dreieinhalb Wochen).

Randbemerkung 7: In der 60. Minute Solidaritätsbanner für die RainbowBulls. Die berichteten nach dem Schalke-Spiel davon, dass sie aus der Gästekurve homophob beleidigt wurden. Auf den Bannern, die ich gesehen habe, wurde die Solidarität mit den RainbowBulls ausgedrückt, sich gegen Homophobie ausgesprochen und erklärt, dass es egal ist, wer wen liebt. Dazu ein paar Regenbogenfahnen im Sektor B. Kleine, aber vernünftige Aktion. Der Verein hatte zuvor auf Twitter schon erklärt, dass man an der Seite der RainbowBulls stehe. „Wir unterstreichen nochmals, dass wir für Toleranz & Vielfalt stehen – im & außerhalb des Stadions. Wir stehen an eurer Seite! #UnserBallistBunt“. Vom Gefühl her hat RB aus der zuletzt stärkeren, medialen Kritik, sich diesbezüglich nicht deutlich genug zu äußern, zumindest dahingehend gelernt, dass man solche Sachen dazu nutzt, offensiver auf die eigenen Wertevorstellungen hinzuweisen.

Spruchband der RBL-Fans in Solidarität zum schwuil-lesbischen Fanclub "Rainbow Bulls" : "Rainbow Bulls - Wir stehen zusammen. Kein Platz für Homophobie"

Randbemerkung 8: (Ganz nebenbei gesagt, hätte man sich die Banner jetzt beim Hoffenheim-Spiel schon einst im RB-Block gewünscht, als Peter Pacult meinte nach dem Spiel beim FC St. Pauli II einen Zuschauer als „schwule Sau“ bezeichnen zu müssen.)

Randbemerkung 9: Nur 21.000 Zuschauer in der zweiten Runde des DFB-Pokal. Die zweite Pokalrunde ist nicht gerade die attraktivste, die das Fußballjahr so bietet (in Augsburg waren gegen Mainz auch nur 15.000 Zuschauer), aber ein halbleeres Stadion beim eigentlich interessanten Rangnick-Nagelsmann-Duell (oder Platz 6 gegen 3 der Vorsaison), da muss man dann schon kurz schlucken. Ralf Rangnick hatte den Zuspruch vor dem Spiel mit dem Gegner erklärt. Das spielt natürlich auch eine Rolle, wenn man bedenkt, dass das Spiel gegen Bayern in der selben Pokalrunde vor ziemlich genau einem Jahr zur selben Uhrzeit bei ebenfalls gleichzeitiger Free-TV-Übertragung ausverkauft war (und ein Bayern-Spiel wohl auch diese Saison ausverkauft gewesen wäre). Aber es ist auch etwas arg billig, es damit abzutun. Fakt ist, dass auch ein Spiel gegen Wolfsburg vor vier Spielzeiten im Achtelfinale des DFB-Pokal ausverkauft war (damals hatte Rangnick witzigerweise noch gestichelt, dass so ein Spiel in Leipzig halt ausverkauft ist und in Wolfsburg eher nicht gewesen wäre; zudem legte er den legendären Satz nach, dass die Red Bull Arena in der Bundesliga wohl 17mal ausverkauft wäre) und jetzt nur noch 21.000 Zuschauer im Stadion sind. Klar kann man da immer Erklärungen von Anzahl der Spiele über Anstoßzeit über Gegner über Fußballalltag (als unterklassiger Verein ist der Pokal noch was anderes) bis hin zu einem schief stehenden Mond finden. Fakt bleibt, dass du bei einem DFB-Pokalspiel gegen einen Bundesligisten dein Stadion trotz vergleichsweise billiger Tickets und kurzfristiger Zusatzaktionen gerade mal zur Hälfte füllst und das eine deutliche Veränderung zu früheren Jahren ist und im Einklang mit einem generellen Rückgang der Zuschauerzahlen bei RB in den letzten zwei Spielzeiten einhergeht. Hoffenheim hatte nach dem Aufstieg ein ähnliches Phänomen, dass man in der Aufstiegssaison meist ein volles Stadion hatte, um dann in den nächsten Spielzeiten immer weiter im Zuschauerschnitt zu sinken. Zuletzt konsolidierte man sich in den letzten zwei Jahren aber wieder und kann steigende Besucherzahlen verzeichnen. Was darauf verweisen könnte, dass sich ein konstantes Bundesliga-Publikum da erst einmal herausbilden musste.  Eine ähnliche These könnte man ja auch für Leipzig aufstellen, nur halt auf höherem Niveau (weil Großstadt und großer Einzugsbereich). Letztlich hängt von der Richtigkeit der These auch ab, inwieweit ein Stadionausbau nötig ist bzw. in welcher Größenordnung er nötig ist.

Randbemerkung 10: Dass man kommunikativ vereinsseits dem öffentlichen Gerede über die RB-Zuschauerzahlen gern was entgegensetzen möchte, nimmt dann manchmal etwas alberne Züge an. So zum Beispiel, wenn man die 21.000 Zuschauer gegen Hoffenheim nicht einfach stehen lassen kann, sondern daraus ein ‚über 100.000 Zuschauer in drei Heimspielen in einer Woche‘ stricken muss. Diese allgemeine Zwanghaftigkeit, Zuschauerzahlen nicht einfach nüchtern zu nehmen und zu interpretieren, sondern sie sich gegenseitig in Schwanzvergleichen oder Häme oder Selbstbeweihräucherung oder wonach einem gerade so ist um die Ohren zu hauen, ist schon sehr seltsam. Man kann mit Zuschauerzahlen viel machen, weil sie dir natürlich einiges über Entwicklungen, Potenziale, Interesse und Zugang zum Fußball erzählen. Aber darüber hinaus sind die Rechtfertigungen, warum es nur 21.000 sind oder die Selbstbeweihräucherungen, wenn es mal ausverkauft ist (oder man bis 100.000 zählen kann) oder die Witzchen über Plastikklubs oder was auch immer ziemlich langweilig.

Randbemerkung 11: Irgendwie langweilig war es auch bei der Anreise zum Stadion. Man hatte sowieso schon (vermutlich dank des Feiertages) das Gefühl, dass der Anpfiff erst um Mitternacht ist. Als ich dann so seltsam allein durch die sehr dunkle Nacht radelte, beschlich micht das Gefühl, dass ich vielleicht hätte noch mal im Netz gucken sollen, ob wirklich noch ein Fußballspiel angepfiffen wird. Als sich die erleuchtete Arena dann im Elsterbecken spiegelte, zerstob das Gefühl. Aber ein bisschen weird war es schon, wie allein man bis in unmittelbare Stadinnähe auf der Straße unterwegs war.

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Lichtblicke:

  • Timo Werner: Kommt zur Halbzeit und bringt in der Offensive die Geschwindigkeit und die Überraschungsmomente ins Spiel, die es da brauchte. Zwei Tore gemacht, immer wieder Lücken gerissen, später vornehmlich gegen den Ball gearbeitet. Perfekter Halbtagsjob des Stürmers.
  • Die Dreierkette: Man könnte einen aus dem Abwehrverbund herausnehmen, aber das wäre wohl unfair. Was Ilsanker, Konaté und Upamecano da zusammen wegverteidigten, war schon richtig gut. Ilsanker weiterhin die perfekte Besetzung in der Mitte einer Dreierkette und gutem Timing im Tackling. Upamecano mit der schnellen Spieleröffnung bei beiden Toren. Konaté weiter mit beeindruckender Abgeklärtheit und diesmal zwischenzeitlich sogar als Flügelläufer unterwegs. Extrem gut funktionierende Kette, die alles an sich abprallen ließ, was auf sie zukam.
  • Yussuf Poulsen: Fleißbienchen für den Dänen. Viel gearbeitet. Beim 2:0 wie gewohnt uneigennützig für Werner aufgelegt. War irgendwie immer überall zu finden und rückte später sogar noch eine Position tiefer, um den Defensivverbund weiter zu stärken. Im wieder deutlich stärker auf das Spiel gegen den Ball setzenden Rangnick-System ist Poulsen ein perfektes Gesamtpaket. Im Pokal nun an vier der bisher fünf Treffer beteiligt.

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Tore: 1:0 Werner (48.), 2:0 Werner (56.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Ilsanker, Upamecano, Halstenberg – Kampl (79. Laimer), Demme, Sabitzer (90. Mukiele) – Poulsen, Augustin (46. Werner); Bank: Müller, Orban, Bruma, Cunha; Nicht im Kader: Saracchi (gesperrt), Forsberg (verletzt), Mvogo

Aufstellung TSG Hoffenheim: Kobel – Brenet, Adams, Vogt, Bicakcic (67. Grifo), Schulz – Kramaric, Demirbay, Bittencourt (58. Nelson) – Szalai (36. Joelinton), Belfodil

Schiedsrichter: Marco Fritz (Wenig Mühe mit einem sehr fairen Spiel. Ein paar Probleme mit der Einheitlichkeit bei der Zweikampfbewertung. Das aber beidseitig gleichmäßig verteilt. Konaté hätte eigentlich zwingend für ein taktisches Foul gelb sehen müssen. Einmal eine aussichtsreiche Kontersituation durch Abpfeifen des Vorteils unterbunden. Im Detail an manchen Stellen nicht ganz glücklich, aber insgesamt eine solide, souveräne Schiedsrichterleistung.)

Gelbe Karten: – | Bicakcic

Zuschauer: 21.042 (davon 500 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, TSG-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 7 : 11
  • Schüsse auf das Tor: 3 : 1
  • Schüsse innerhalb des Strafraums: 5:2
  • Ballbesitz: 49% : 51%
  • Zweikampfquote: 52% : 48 %
  • Passquote: 79% : 77%
  • Fouls: 9 :10
  • Ecken: 3 : 8
  • Abseits: 8 : 2

Statistiken von kicker.de, sofascore.com

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Saisontorschützen DFB-Pokal: Werner – 2; Poulsen, Forsberg, Augustin – je 1

Saisonvorlagengeber DFB-Pokal: Poulsen – 2; Klostermann, Kampl, Halstenberg – je 1

Saisontorbeteiligungen DFB-Pokal (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Upamecano – 3; Demme, Kampl – je 2; Forsberg, Bruma, Mukiele, Konaté, Poulsen, Sabitzer – je 1

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Bilder: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

4 Gedanken zu „DFB-Pokal: RB Leipzig vs. TSG 1899 Hoffenheim 2:0“

  1. Neben der makellosen Verteidigung gefiel mir vor allem die deutlich verbesserte Spieleröffnung: Schon Gulasci schlug die Bälle nicht sinnlos hoch nach vorne und bei Upamecano sah das auch sehr gut aus (in der Vergangenheit musste man doch oft zittern wenn er den Ball hatte), Ilsanker verbessert und Konaté da ohnehin schon immer besser als die Anderen. Aber auch sonst in der Spielgestaltung deutlich verbessert.
    Mit den Lichtblicken bin ich somit mal wieder völlig konform!

    Unverständlich für mich das Gemaule und Gemeckere über die schlimme 1. Hälfte in der ARD (wurde mit solchen Kommentaren nicht sogar schon die Würde des Menschen angetastet? ;-) ). Mit gefiel auch schon die 1. Halbzeit gut und es waren gefühlt auch deutlich weniger Fehlpässe als zuletzt, auch wenn das sicher noch ausbaubar ist…

  2. Ich würde mir das Spiel auch nochmals anschauen, aber dann eher mit Tobi Escher,

    RB 3+4
    Das hätte ich nie erwartet, das Nagelsmann so auf Sicherheit macht (Hallo 2019!), klar war da auch viel Respekt von Beiden dabei, aber gegen City, Lyon und Co haben sie auch keine Scheu gehabt offensiver zu spielen.
    (Passt ggf. mit der Aussage von Heidel, der heute meinte: „wenn Du in Leipzig mitspielen willst, bekommst 4-5 Stück“)

    zu RB 5 kann man in der Tat nur staunen. Da stimmt hinten sehr viel und man macht da sehr viel richtig im Training.
    Völlig richtig, das Du die 3erKette gemeinsam in den Lichtblicken hast.
    Was ich spannend fand, dadurch das Ilse quasi Libero war, konnte Konate / Upa auch mal nach vorne und hinten war alles gesichert. Das sah gut aus.
    Gut, drüben bei TM wollen wir ja Upa auf der 6 mal sehen ;-)
    Diese Grätsche von Ilse am Ende und wie die 3 IV‘ nach Abpfiff einen gemeinsamen Kreis bildeten, hach, das war echt schön.

    RB 11
    Ging mir genauso

    1. ach ja, mir ist es schon seit ein paar Wochen aufgefallen, man kann seinen Kommentar nicht mehr editieren?!
      Ich Dösel habe des öfteren Rechtschreibfehler drin und muss jetzt mehr aufpassen ;-)

    2. Hatte ich im Zuge der Aufräumarbeiten rund um die DSGVO rausgeschmissen. Naja, gibt schlimmeres als Rechtschreibfehler. ;-)

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