Bundesliga: TSG 1899 Hoffenheim vs. RB Leipzig 1:2

Sechster Spieltag. Das durchaus mit Spannung erwartete Spiel zwischen Hoffenheim und RB Leipzig. Klar, auch Nagelsmann gegen Rangnick. Aber eben auch das Duell zwischen zwei sportlich interessanten Vereinen mit ähnlichen Saisonzielen. Am Ende setzte sich RB Leipzig in einem Spiel, das weitgehend auf Augenhöhe verlief, mit 2:1 durch.

Ralf Rangnick dann doch mit vier Wechseln gegenüber dem Sieg gegen Stuttgart. Neben dem verletzten Forsberg mussten auch Orban, Mukiele und Halstenberg (der nicht überlastet werden soll) weichen. Laimer, Konaté, Ilsanker und Saracchi kamen in die Partie.

Ein bisschen Rätselraten vor dem Anpfiff, was das denn für eine Formation ergeben könnte. Dass man gegen das Hoffenheimer Gegenpressing Ilsanker auf die Sechs stellen würde, war schwer vorstellbar. Tatsächlich tat man bis zum Anpfiff noch so, als würde Ilsanker einen Sechser spielen. Aber in dem Moment, wo der Ball gespielt wurde, fiel Ilsanker dann sofort zwischen Upamecano und Konaté in die Abwehrkette (wo seine stärkste Position ist). Es entstand dann gegen den Ball ein 5-3-2, in dem Kampl und Sabitzer mit dem Ball dann vor Demme spielten, was dann aus dem System eine Art 3-3-2-2 machte (etwas was Hoffenheim im Normalfall auch gern spielt).

Nagelsmann musste auf der anderen Seite sechsmal wechseln. Vor allem die Umstellungen in der Abwehr wogen schwer. Dort musste der Chef der Dreierkette Kevin Vogt kurzfristig passen. Hoogma ersetzte ihn. Und auch Bicakcic fiel aus. Posch für ihn auf dem Feld. Akpoguma musste deswegen auch spielen, obwohl er eigentlich eine Pause kriegen sollte. Letzterer war in der Kette dann auch der unsicherste Akteur.

Organisiert war Hoffenheim eher in einem 5-2-3 mit Grillitsch und Bittencourt auf der Sechserposition. Wobei Kramaric so ein bisschen eine Zwitterrolle spielte zwischen einem Akteur, der eher auf Höhe der anderen beiden Angreifer agiert, aber auch immer mal zurück auf Höhe der Sechser fiel. Mit dem Ball wurde das entsprechend ungefähr ein 3-4-3 mit sehr viel Akteuren, die die RB-Dreierkette beschäftigten.

Der Fokus von RB Leipzig war von Anfang an klar. Mit dem eher tief angelegten 5-3-2 versuchte man kompakt und dicht zu verteidigen und vor allem erstmal gegen den Ball zu arbeiten. Hinten hatte man einge gute Mischung aus Körpergröße und Schnelligkeit, worin sich auch der Respekt vor dem Hoffenheimer Umschaltspiel und deren Geschwindigkeit in der Tiefe ausdrückte.

Nachdem die Anfangsphase ohne größere Torgefahr RB Leipzig gehörte, fand die TSG nach etwa zehn Minuten auch in die Partie. Vor allem gegen Mitte der ersten Halbzeit waren sie das gefährlichere Team. Wenn es gefährlich wurde, dann über die Außenbahnen. Weil Hoffenheim in der Mitte alle drei Innenverteidiger mit ihren drei Stürmern beschäftigte, konnten die offensiven Außenverteidiger immer mal wieder in Eins-gegen-Eins-Situationen gehen. Saracchi und Laimer da durchaus mit ein paar Problemen gegen Schulz und Kaderabek. In drei, vier Situationen sahen sie da nicht gut aus. Wenn die TSG dort die Zweikämpfe gewann, wurde es in der Mitte aufgrund der Besetzung mit vielen Spielern (auch Bittencourt war ja zusätzlich noch offensiv orientiert) immer gleich gefährlich. Bei der größten der Chancen rettete die Latte für Gulacsi. Von der Unterkante des Querbalkens prallte der Ball auf die Linie, aber mit viel Glück nicht hinter die Linie.

Man kann nach so einer Partie immer das ‚Was wäre wenn‘-Spiel spielen. Der Lattenkopfball von Belfodil war diesbezüglich in diesem Spiel wohl das wichtigste Ereignis. Denn in einer sehr ausgeglichenen Partie, in der sich beide Mannschaften lange vor allem zwischen den Strafräumen aneinander abarbeiteten, hatte man das Gefühl, dass derjenige, der das erste Tor schießt, einen enormen Vorteil hat, weil er dann die Partie aus seiner Lieblingsposition und aus dem Umschalten heraus spielen kann. Entsprechend war es ein mitentscheidendes Ereignis, dass der Ball nicht ins Tor ging.

Yussuf Poulsen als Matchwinner bedankt sich für die Vorarbeit zum 1:0 bei Timo Werner. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Während Hoffenheim im Strafraum bis zur 40. Minute gegen gut arbeitende und verteidigende Gäste in einem sonst auf Augenhöhe geführten Spiel das gefährlichere Team war, kippte die Lage kurz vor der Pause ein wenig. Immer wieder tauchte RB Leipzig nun am TSG-Strafraum auf. Kampl auf die Latte. Sabitzer mit einer komplizierten Direktabnahme in aussichtsreicher Position. Werner umringt von drei Hoffenheimern an den Pfosten. 5:1 Torschüsse sammelte RB in den Minuten vor der Pause und war der Führung bereits sehr, sehr nah.

Zählbares sprang dabei nicht heraus, aber es gab den Takt für den Beginn der zweiten Halbzeit vor. Denn auch da RB erstmal das dominantere Team und mit vier Torabschlüssen in den acht Minuten nach Wiederanpfiff. Der letzte davon war drin. Konaté läuft am eigenen Strafraum auf unglaubllich gute und saubere Art einen Konter der Hoffenheimer ab und dreht das Spiel sofort in die andere Richtung. Sabitzer, Laimer, Sabitzer und dann tief auf Werner. Der mit einem mindestens grenzwertigen Körpereinsatz plötzlich allein an der Grundlinie im Strafraum. Rückpass auf Poulsen. Abgefälschter Schuss. Tor. Viele Proteste wegen der Werner-Aktion, aber das Tor zählte.

RB Leipzig nun in der wesentlich besseren Ausgangsposition. Und Hoffenheim zunehmend mit der Methode Brechstange. Auf ein dichtes zentrales Mittelfeld hatte man zugunsten der Besetzung der Sturmreihe ja von vornherein verzichtet. Ab einer Stunde Spielzeit machte man diese Zone noch dünner, denn nach der Einwechslung von Grifo trieben sich oft gleich vier Spieler auf einer Linie mit den RB-Abwehrspielern herum. Plus dazu noch offensive Außenverteidiger. Entsprechend hieß das Mittel der Wahl Richtung Schlussphase und schon sehr früh immer stärker, auf hohe, lange Bälle zu setzen und dann in vorderster Linie mit der Überladung dieses Raums zum Erfolg zu kommen. So richtig Erfolg hatte man damit allerdings nicht, weil die robuste Dreierkette von RB gerade an den hohen Bällen Gefallen fand und die meisten ganz gut und souverän klärte.

Trotzdem hätte die Partie noch mal kippen können, als Szalai nach einer reichlichen Stunde im Strafraum frei zum Schuss kommt, aber zu zentral abschließt und Gulacsi klären kann. Es war nach dem Latten-Kopfball in der ersten Halbzeit der zweite entscheidende Moment, der zugunsten von RB ausging.

Poulsen hätte bereits kurz nach der Szalai-Chance bei einem fulminanten Pfosten-Treffer eine kleine Vorentscheidung herstellen können. Ein paar Minuten später machte er es besser, als Mukiele eine zu kurze Abwehr nach Ecke abfängt und Kampl auf der rechten Seite bedient. Flanke in die Mitte, wo Augustin den Ball verpasst und Poulsen den Ball mit dem (neutral gesagt) Unterleib über die Linie drückt.

Es war letztlich die Entscheidung in der Partie, auch wenn sich die Gäste in der Schlussphase unnötig schwer taten. In der Ballsicherung war RB in der Schlussviertelstunde sehr schlecht. Konterchancen wurden schlampig zu Ende gespielt. Bälle, die man hinten gewann, gab man viel zu schnell wieder her, weil keiner in der Lage war, den Ball mal im Mittelfeld zu sichern, sodass das Spiel bis zum Ende unruhig blieb und immer das Gefühl blieb, dass es auch jederzeit kippen könnte.

Wäre es vielleicht auch, wenn der Anschlusstreffer der Gastgeber früher gekommen wäre und nicht erst tief in der Nachspielzeit. Eigentlich eine Situation, in der gar nichts passieren darf, weil Ilsanker zwischen Ball und Belfodil steht. Allerdings zögert der Defensivmann kurz, wohl auch weil Gulacsi zuerst Anstalten machte, herauszukommen und sich den Ball zu holen, dann aber wieder zurückwich. Diesen Moment nutzte Belfodil um sich an Ilsanker vorbeizuschummeln. Der Österreicher mit dem Ziehen oben und wohl auch dem unsauberen Tackling unten. Elfmeter. Kramaric. 1:2.

Aber der Terffer viel zu spät, um aus dieser Partie noch mal einen Punkt mitzunehmen. Denn Aytekin pfiff kurze Zeit später ab. Letztendlich verdiente sich RB den Sieg durch eine sehr gute Phase rund um die Pause, hatte allerdings auch in mindestens zwei Situationen Glück, in denen das Spiel auch in die andere Richtung hätte kippen können. In der ersten Halbzeit war es beiderseits lange ein sehr kontrolliertes Spiel, in dem Hoffenheim die Außenbahnen bearbeitete und RB in der Offensive viel improvisierte. In der zweiten Halbzeit wurde es ein zunehmend wildes Spiel. Weil die TSG sich viel zu früh fast ausschließlich auf lange Bälle fokussierte und RB auf der anderen Seite viel zu wenig Ruhe am Ball hatte, um die Partie noch deutlicher für sich zu entscheiden oder zumindest mit mehr Ruhe zu Ende zu spielen.

Fazit: Kein unverdienter Sieg für RB Leipzig in einem Spiel, in dem sich die Teams über weiter Strecken auf Augenhöhe begegneten, den man aber auch mit etwas Glück in den entscheidenden Situationen errang. Vor allem die Arbeit als Team in der Defensive war mit absolut passender Fünferkette wieder vorbildlich, während manch Ablauf in der Offensive ausbaufähig blieb. Letztlich gewann das effizientere Team, denn während die TSG aus einer guten Phase Mitte der ersten Halbzeit nichts machte, nutzte RB eine gute Phase rund um die Halbzeitpause für die Führung. In diesem Spiel und angesichts der Spielanlagen beider Teams in Führung zu gehen, war tatsächlich ein entscheidender Faktor, um am Ende glücklich mit drei Punkten nach Hause zu fahren.

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Randbemerkung 1: Nach sechs Spielen RB Leipzig mit einem Punkt mehr als in der Vorsaison. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher auch einen Punkt mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf ersetzt). Durch den Sieg in Hoffenheim hat man auch die zwei verlorenen Punkte aus dem Heimspiel gegen Düsseldorf wieder zurückgeholt. Vier Punkte vor Hoffenheim, fünf vor Leverkusen, acht vor Schalke. Drei Punkte hinter Platz 1. Fünf Spiele ohne Niederlage in der Liga am Stück. Abgesehen vom Salzburg-Desaster darf der Saisonstart punktetechnisch nun als gelungen gelten (zumal einige Teams, von denen man dachte, dass sie die härtesten Konkurrenten um einen Platz unter den ersten Vier werden, deutlich schwächer punkteten), auch wenn man leicht hinter der magischen Zwei-Punkte-pro-Spiel-Grenze zurückliegt. Die könnte man mit einem Sieg gegen Nürnberg knacken. Dann würde man mit einem nahezu perfekten Bundesliga-Start in die Länderspielpause gehen.

Randbemerkung 2: Rund 800 RB-Fans mit in Hoffenheim. Nochmal rund 400 weniger als letztes Saison. Am eigentlich guten Samstagtermin. Der Stamm der Auswärtsfahrer ist diese Saison bisher ein wenig zusammengeschrumpft. Insgesamt fuhren in dieser Saison bisher rund 3.400 Fans mit zu den drei Auswärtsspielen, rund 1.400 weniger als noch in der Vorsaison zu den selben Auswärtsspielen.

Randbemerkung 3: Erst diese Gegentorschwemme quer durch die Wettbewerbe und nun steht man plötzlich relativ sicher. Nur zwei Gegentore in drei Spielen (davon ein unbedeutender Elfer in der Nachspielzeit in Hoffenheim) in der englischen Woche waren die Basis für sieben Punkte. Und Ergebnis der etwas veränderten Herangehensweise. Tieferes Verteidigen. Eher Hasenhüttlsches Mitteldpressing statt wildem Anlaufen tief in der gegnerischen Hälfte. Aber wenn es dann Richtung Mittellinie und in bestimmte Zonen geht, wird umso intensiver angesprintet. Das funktionierte jetzt drei Spiele lang recht gut. Ist halt nicht unbedingt die Dominanz eines Spitzenteams, aber ein pragmatischer Ansatz, mit dem die Mannschaft ganz gut zurecht kommt und sich die Gegner recht schwer tun.

Randbemerkung 4: Hoffenheims Stefan Posch nach dem Spiel sinngemäß mit der Aussage, dass man in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt und sich Leipzig angepasst habe. Vielleicht ja die neue RB-Superkraft. Spiele, auf ein gleichmachendes Niveau runterzuziehen und dann mit viel Arbeit die inviduelle Klasse ausspielen und gewinnen. Quasi wie einst Darmstadt, halt nur mit mehr individueller Klasse.

Randbemerkung 5: Vor dem Spiel hatten beide Trainer wechselseitig vom jeweils anderen Team behauptet, dass es in den letzten 20 Minuten eines Spiels einbrechen würde und man sich in der Phase Chancen ausrechnet. Was ein wenig lustig war, dass es so unterschiedliche Ansichten über den eigenen Fitnesszustand im Vergleich zu dem des Gegners gab. Am Ende spielte es auf dem Platz gar keine Rolle und beide Teams blieben rein körperlich bis zum Ende auf ähnlichem Niveau, wobei RB (so wie es diese Saison bereits typisch ist) im hohen Geschwindigkeitsbereich ein wenig mehr investierte.

Randbemerkung 6: Auch wenn die beiden Trainer Rangnick und Nagelsmann das jeweils nicht zu hoch hängen wollten, ein bisschen Prestige dürfte in dem Duell zwischen den beiden schon dringesteckt haben. Mit drei Niederlagen gegen Rangnick wird Nagelsmann jedenfalls nicht unbedingt nach Leipzig kommen wollen. Werden noch zwei lustige Duelle. Das nächste dann am 31.10. im Pokal in Leipzig.

Randbemerkung 7: Rangnick fand den RB-Sieg vedient. Nagelsmann hätte ein Unentschieden gerecht gefunden, weil seine TSG die klareren Chancen gehabt hätte und war sich sicher, dass man gewonnen hätte, wenn man vor der Pause in Führung gegangen wäre. Nun ja, immer alles eine Frage der Wahrnehmung und wie man Spielverlauf und Co mit einrechnet. Fakt ist, dass RB den höheren Expected-Goals-Wert hatte (wenn man den Elfmeter rausnimmt), also aus dem Spiel heraus die besseren Abschlüsse hatte (im Sinne von erfolgsversprechenderen Abschlüssen). Aber da sind natürlich auch noch keine schlecht ausgespielten, vielversprechenden Angriffe drin (von denen aber auch RB einige hatte). Letztlich gibt es für die Positionen beider Trainer Argumente. Aber so ist das nun mal in einem Spiel, in dem halt im Schnitt nur wenige Tore fallen und deshalb der Zufall oder das Glück eine nicht unwesentliche Rolle für den Ausgang von Partien spielen.

Randbemerkung 8: Jean-Kevin Augustin in den letzten 20 Minuten in der Partie.  In einer perfekten Situation mit viel Platz auf dem Feld. Wie gemalt für den Franzosen, der so treffsicher ist und technisch sauber spielen kann. Zuletzt gegen Stuttgart mit zwei unfassbar guten Aktionen vor dem Tor, wovon eine im Netz landete. Und dann dieses Spiel in Hoffenheim, wo Augustin oft zu spät in seine taktische Position zurückkehrt, halbherzig in den Zweikämpfen wirkt und eine Riesen-Konterchance fast schon pomadig verspielt. Das wirkte wie ein Rebic-Gedächtnis-Auftritt und war extrem seltsam zu beobachten. Vielleicht scheiterte Augustin bei mir aber auch nur an den hohen Erwartungen, dass er Hoffenheim mit ein, zwei genialen Aktionen den Todesstoß versetzen würde.

Randbemerkung 9: Interessant ist dabei ja vor allem der Vergleich mit Timo Werner. Der hat derzeit vor dem Tor keine einfache Zeit. Und ist mit seiner Arbeit gegen den Ball und seinem unermüdlichen Einsatz dann für das Gesamtsystem RB trotzdem wertvoller als ein Augustin, der vor dem Tor der wesentlich effizientere und spektakulärere Spieler ist. Werner in Hoffenheim mal wieder mit sechs Torschüssen ohne Erfolg. Drei davon wurden gleich abgeblockt, einer ging mit Pech an den Pfosten. Wobei das Abgeblocktwerden zeigt, dass Werner da manchmal zu sehr mit dem Kopf durch die Wand will, wenn er in die Gegenspieler quasi hineinrennt und hineinschießt. Insgesamt steht Werner diese Saison nun schon bei 27 Torschüssen, aus denen nur zwei Tore resultierten. Poulsen machte aus 13 Schüssen drei Tore. Augustin brauchte dafür gar nur acht Schüsse. In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei zwei gewonnenen Dribblings in 23(!) Versuchen. Augustin steht bei vier von vier, Poulsen bei drei von neun. Wie gesagt, in Sachen Stürmerqualitäten hat Werner diese Saison bisher eine kleine Durststrecke, aber er arbeitet viel (so wie vor dem 1:0), reißt Lücken und läuft gegen den Ball gut an, sodass er als Gesamtpaket trotzdem (gerade bei dem aktuellen Spielideefokus von Rangnick) vor Augustin steht. Das sollte dem Franzosen, der ja eigentlich alles mitbringt, um ein überragender Stürmer zu sein, durchaus zu denken geben, dass er hinter einem Werner steht, der bei weitem nicht in der glücklichsten Phase seiner Karriere steckt.

Randbemerkung 10: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach sechs Bundesligaspielen: 12:16 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. 2:1 Tore (oder 2:2 wenn man den von Sabitzer ins eigene Tor abgefälschten Freistoß in Dortmund mitzählen will). Gegen Hoffenheim waren es nur 1:0 Torabschlüsse für RB. Defensiv machte man das gegen ein schwaches Standardteam gut. Offensiv ist nur ein Torabschluss nach einem ruhenden Ball bei allein acht Ecken eine unbefriedigende Bilanz. Dass dieser eine Abschluss dann ein Tor wurde (das Poulsen-Tor im direkten Zusammenhang mit einer Ecke zählt in der Statistik als Standardtreffer, auch wenn er aus einer Balleroberung direkt nach dem Standard resultiert) wertet die Statistik allerdings etwas auf.

Randbemerkung 11: Nach dem 1:0 für RB aus dem TSG-Fanblock deutlich vernehmbare „Timo Werner ist ein H….sohn“-Gesänge. Nach den Debatten gerade der letzten Woche rund um Dietmar Hopp und die praktisch gleichlautenden Schmähungen gegen ihn eine durchaus sehr skurrile Situation, das ausgerechnet in Hoffenheim zu hören..

Randbemerkung 12: Stell dir vor, du reist zum Auswärtsspiel nach Hoffenheim in einen Gästeblock, der nicht mal zu einem Drittel gefüllt ist und die Tageskasse bleibt zu. Einige RB-Fans, die dies erst einen Tag vor dem Spiel checkten und entsprechend leer ausgingen bzw. die Reise nicht antraten. Normalerweise ist das Schließen der Tageskasse im Gästeblock ein beliebtes Mittel, wenn der Heimbereich ausverkauft ist und es gewisse Animositäten zwischen den beteiligten Vereinen gibt und man so verhindern will, dass Heimfans in größerer Zahl in den Gästebereich gelangen. Der Heimbereich in Hoffenheim war (wie letzte Saison) tatsächlich ausverkauft. Aber Animositäten mit Hoffenheim? Angst davor, dass ein paar Leute Tickets für den Gästeblock kaufen, die gar keine RB-Fans sind (wie es in Köln bspw. in den letzten zwei Jahren üblich war)? Ergibt wenig Sinn, weil es zwischen Leipzig und Hoffenheim keine negative Vorgeschichte gibt. Wer diese Entscheidung getroffen hat, lässt sich nicht rekonstruieren. Mir schrieb jemand, der auf der Suche nach Tickets war, dass ihm in Hoffenheim gesagt wurde, das sei der Wunsch von RB gewesen. Bei RB und der TSG wollte man auf verschiedene, öffentliche Online-Anfragen nicht eingehen (war vermutlich nicht GIF-contentig genug). Entsprechend bleibt offen, warum diese Entscheidung getroffen wurde (zumal letztens sogar in Dortmund bei viel größeren Animositäten noch Karten für den Gästeblock an der Tageskasse verkauft wurden; vom bunt gemischten FCB-RBL-‚Gäste’block in München ganz zu schweigen). Fakt ist, dass es unschön ist, wenn man einen Tag vor dem Spiel merkt, dass es keine Tageskasse gibt, weil es einfach nicht dem normalen Vorgehen entspricht. Angesichts der geringen Zahl an Auswärtsfahrern geht man derzeit als Auswärtsfahrer eigentlich davon aus, dass man sich Tickets nicht im Vorverkauf sichern muss, sondern auch vor Ort kaufen kann. Wenn das nicht der Fall ist (was seltsam genug ist), dann muss man das zumindest in der Vorverkaufsphase laut und klar artikulieren. Ist mir zumindest nicht begegnet, dass dort intensiv kommuniziert wurde, dass man ohne TSG-Ticket im Vorverkauf keine Chance auf das Spiel hat. Mich traf es nicht, weil ich mein Ticket eh schon hatte. Aber angesichts dieser Geschichte sichere ich mir jetzt mein Augsburg-Ticket wohl doch besser im Vorverkauf (für den man immerhin fünf zusätzliche Euro für den Versand hinlegt), obwohl ich eigentlich dachte, darauf verzichten zu können. Man weiß ja (aus was für einem Grund auch immer) nie.

Randbemerkung 13: Premiere in einem RB-Fanblock in nun über neun Jahren Vereinsgeschichte. Es zündelte. In der zweiten Halbzeit wurde (glaube nach dem 2:0) ein Rauchtopf gezündet (keine Ahnung von wem, war nicht in meiner Ecke), sodass ein wenig roter Qualm durch das Stadion zog. Endlich haben wir auch Pyro!^^ (Wirkte genauso albern, wie einst so eine Geschichte im Kieler Fanblock in der Red Bull Arena, die so einen Rauchtopf irgendwo unter einem Sitz herumqualmen ließen. Aber hey, Freude über ein Tor und ‚Emotionen respektieren, Pyrotechnik legalisieren‘ und so. Und ab jetzt auch ‚Gegen alle Stadionverbote!‘)

Randbemerkung 14: Und mal wieder ein VAR bzw. eben keiner, der meinen Umgang mit einem Tor störte. Vor dem 1:0 war ich mir (quer über den ganzen Platz) sicher, dass die Szene von Werner noch mal überprüft und kassiert werden würde. Entsprechend war mein Jubel eher so ‚Ich freue mich erst, wenn der Anstoß ausgeführt worden ist‘ (weil der Treffer dann nicht mehr zurückgenommen werden kann). So richtig spontan war die Freude dann allerdings nicht mehr.^^ (Seltsam. Letzte Saison war mir das gar nicht so aufgefallen, dass der Umgang mit Toren sich so verändert. Da kann ich mich an vielleicht eine Situation erinnern, wo das so war. Diese Saison waren es schon drei Situationen, in denen ich entweder (fälschlicherweise) nicht jubelte, weil ich dachte, dass der Treffer eh zurückgenommen wird und einmal (fälschlicherweise) jubelte und der Treffer dann zurückgenommen wurde. So richtig weiß ich immer noch nicht, wie ich das im Stadion finden soll. Im TV stört es mich naturgemäßg bei anderen Teams wenig.)

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Lichtblicke:

  • Yussuf Poulsen: War in den letzten Wochen vermehrt als Leader zu vernehmen. Neben und auf dem Platz. Kämpferisch und als Ballsicherer in erster Reihe immer top. Und nun auch endlich mal der Lohn in Form von zwei Toren, egal welche Körperteile da nun genau beteiligt waren und egal, ob der eine Treffer abgefälscht war (genaugenommen passte das zu Poulsens Spiel, dass die Treffer eher so über die Linie gekämpft waren und der klarste Abschluss an den Pfosten ging und nicht ins Tor). Wenn man vor der Saison gesagt hätte, dass Poulsen in diesem Team unverzichtbar ist, dann hätte sich der eine oder andere wohl an der Stirn gekratzt. Aber genau das ist aktuell der Fall.
  • Kevin Kampl: Wahnsinn, was der Mittelfeldmann in den letzten Wochen für ein Pensum abspult und zur treibenden Kraft bei RB geworden ist. Ist in der gesamten Bundesliga derjenige, der an den meisten Torschüssen beteiligt ist. Dazu ist er unheimlich ballsicher. In Hoffenheim wurde er wieder und wieder gesucht und fand auch unter Druck wieder und wieder eine Lösung. Fast perfekte Passquote. 2:0 vorbereitet. Problem halt nur, dass es im Kader tatsächlich keinen Ersatz für den Spielertypen Kampl gibt. Wird sich irgendwann durch die Saison durchbeißen müssen.
  • Dayot Upamecano: Endlich wieder auf dem Niveau des Vorjahrs. Kleine Wackler im Detail, aber wieder mit bekannter Zweikampfstärke. Dazu auch im Passspiel sehr sicher. In der ersten Hälfte ein paar schöne Spieleröffnungen mit präzisen Pässen in die Tiefe. Gut dass er langsam wieder in Form ist, nachdem er zu Saisonbeginn wegen Trainingsrückstand teilweise sehr behäbig wirkte.

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Tore: 0:1 Poulsen (53.), 0:2 Poulsen (73.), 1:2 Kramaric (90.+3/ FE)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Konaté, Ilsanker, Upamecano – Laimer (68. Mukiele), Demme, Saracchi – Sabitzer, Kampl – Poulsen (81. Cunha), Werner (68. Augustin); Bank: Mvogo, Halstenberg, Orban, Bruma; Nicht im Kader: Forsberg, Klostermann (beide verletzt), Müller

Aufstellung TSG 1899 Hoffenheim: Baumann – Akpoguma, Hoogma, Posch – Kaderabek, Bittencourt (57. Demirbay), Grillitsch (62. Grifo), Schulz – Belfodil, Szalai (69. Joelinton), Kramaric

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Wie immer souverän im Auftreten. Zog die gelben Karten genau dann, wenn sie nötig wurden (wobei Szalai mit seiner sehr unzufrieden war; vermutlich nicht ganz zu Unrecht, aber das ist wohl eine Frage der Perspektive gewesen bei dem Handspiel). Nordete die Spieler ein bzw. holte sie runter, wenn er das Gefühl hatte, sie würden sich zu sehr reinsteigern. Vor dem 0:1 nicht auf Foul von Werner zu entscheiden, war grenzwertig, aber wohl gerade noch im Rahmen (wobei ich aufgrund der restlichen Spiel- und Schiedsrichterlogik sagen würde, dass sich ein Foulpfiff richtiger angefühlt hätte). Die Elfersituation kann ich nicht beurteilen. Aus Stadionsicht war der Pfiff folgerichtig.)

Gelbe Karten: Szalai | Sabitzer (2.), Ilsanker (2.), Konaté (1.)

Zuschauer: 28.115 (davon 800 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, TSG-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 13 : 18
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 9 : 14
  • Schüsse auf das Tor: 6 : 7
  • gewonnene Zweikämpfe: 57,2% : 42,8%
  • Ballbesitz: 54,3% : 45,8%
  • Passquote: 82,3% : 85,7%
  • Laufstrecke: 120,7 km : 120,2 km
  • Sprints: 215 : 251
  • Intensive Läufe: 682 : 669
  • Fouls: 3 : 13
  • Ecken: 4 : 8
  • Abseits: 3 : 2
  • Meiste Torschüsse: Grillitsch, Szalai, Kramaric, Belfodil, Demirbay: je 2 – Werner: 6
  • Meiste Torschussvorlagen: Kaderabek: 3 – Kampl, Poulsen – je 4
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Posch: 71,4% – Upamecano: 69,2%
  • Meiste Ballkontakte: Hoogma: 103 – Kampl: 72
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Posch: 95,8% – Upamecano: 97,2%
  • Größte Laufstrecke: Kramaric: 12,2 km – Demme: 13,2 km
  • Meiste Sprints: Kramaric: 29 – Saracchi: 35

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Augustin, Poulsen – je 3; Werner – 2; Forsberg, Orban – je 1

Saisonvorlagengeber: Forsberg, Kampl – je 2; Poulsen, Sabitzer, Demme, Laimer, Halstenberg, Werner – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Kampl, Forsberg, Mukiele – je 3; Saracchi, Ilsanker, Gulacsi, Poulsen, Sabitzer – je 2; Demme, Werner, Upamecano, Halstenberg, Konaté, Laimer – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

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