Schlagwort-Archive: Christian Streich

Was von Spieltag 32 bleibt

Von Formel 1 zu Schneckenrennen in nur ein paar Wochen. Der Aufstiegskampf war zwischenzeitlich eine echte Hatz. RB Leipzig mit 16 Siegen in 20 Spielen. Der 1.FC Nürnberg mit 18 Spielen ohne Niederlage. Zuletzt ging es dagegen tempomäßig steil bergab. Zwei Punkte aus drei Spielen für Leipzig, drei Punkte aus vier Spielen für Nürnberg.

Da versuchen zwei Mannschaften offenbar eindrucksvoll zu demonstrieren, dass es eine nicht unwesentliche, psychologische Dimension jenseits von Taktik, Kader und sportlicher Spieltagsvorbereitung gibt. Sag Hallo zum Wackelfuß im Aufstiegskampf.

65 bis 66 Punkte, so hatte Leipzigs Innenverteidiger Marvin Compper Mitte März vorgerechnet, würden diese Saison für den Direktaufstieg reichen. Und war dafür leicht belächelt worden, weil im aufgehitzten Hochgeschwindigkeitsrennen das Szenario denkbar schien, dass alle drei Topteams mit 70 Punkten plus x aus der Saison gehen würden. Am Ende hat Compper Recht behalten und man braucht aktuell tatsächlich nicht mehr als 66 Punkte, um sicher aufzusteigen.

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22.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

„Bundesliga“, „ganz großes Kino“, „etwas Besseres habe ich hier in den letzten zwei Jahren nicht gesehen“. Fast schon elogenhaft ging es nach dem 1:0 von St. Pauli gegen RB Leipzig am letzten Wochenende aus den Mündern von Lienen und Meggle zu. Und wenn man dem im neuen Job zu Hause angekommenen Lienen vor der Partie beim Runterrattern des RB-Kaders zuhörte, dann konnte man glauben, dass er sich selbst gegen die Leipziger U19-Spieler noch als krasser Außenseiter gesehen hätte.

Macht aus Sicht eines Coaches durchaus Sinn, wenn man den Gegner als herausragend stilisiert und die eigene Mannschaft dadurch in die drucklose Underdog-Position schiebt. Dirk Schuster hat es ja letzte (und vorletzte) Saison ähnlich gehalten und bis runter zu Aalen praktisch jeden Gegner zu einem fast schon übermächtigen gemacht, gegen den nur einen Punkt zu holen, schon ein Erfolg wäre im Kampf gegen den Abstieg, in dem man sich ungefähr bis kurz vor dem 34.Spieltag befand. Jeder Sieg muss dann entsprechend eine überragende Leistung gewesen sein.

Ist halt alles irgendwie auch eine Frage von Psychologie und es lebt sich leichter, wenn man jeden Sieg nicht nur als Selbstverständlichkeit abhaken, sondern als besonderes Ereignis ausschlachten und fürs eigene Selbstvertrauen nutzen kann. Erstaunlich bleibt es trotzdem, welche Potenz man gerade RB Leipzig (um zum RasenBallsport zurückzukommen) immer wieder zuschreibt. Erinnert ein bisschen an antisemitische Projektionen, bei denen den Juden ein übermenschliches Maß an Leistungskraft und Einfluss auf den Lauf der Dinge der Welt zugeschrieben wurde und wird (siehe dazu die Anmerkung in den Kommentaren).

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Potenzielle Lerneffekte

Kaum ein Begriff ist ein so konstanter Begleiter des RasenBallsports wie der vom Druck. In sämtlichen Variationen hat man in den letzten Jahren versucht, ihn von sich wegzuschieben oder ihn den Konkurrenten zuzuschanzen. Oft mit überschaubarem Erfolg, wenn man an die Regionalliga-Jahre (aber nicht nur an die) und das Mantra denkt, dass die Konkurrenten bald auch Druck verspüren werden, wenn es auf die Zielgerade der Saison geht und man den Aufstieg vor Augen hat. Komischerweise hat das damals weder Chemnitz noch Halle viel ausgemacht, die Druck Druck sein ließen und einfach aufstiegen.

Bei Darmstadt hat man das Spiel letzte Saison auch versucht, als man denen vor ihrem Spiel in Leipzig im April den Druck zuschieben wollte, weil sie „etwas zu verlieren haben“. Nun ja, wenn jemand in den letzten zwei Jahren komplett druckresistent war, dann Darmstadt, wie sie in einigen Situationen nachwiesen. Auch im letztjährigen Saisonendspurt, in dem ihnen selbst die bittere Pleite in Leipzig in letzter Minuten durch ein Torwart-Tor nichts anhaben konnte.

Aktuell versucht man sich bei RB Leipzig darin, Druck auf sich und das Team nicht nur wegzuschieben, sondern einfach mal zu negieren, wie man zuletzt auch dem Kicker mit Verweis auf Vorstandschef Oliver Mintzlaff entnehmen konnte. Auch Ralf Rangnick versuchte sich in den letzten Wochen und Monaten darin, einen Aufstieg nicht als Pflicht verstanden wissen zu wollen. Was zumindest dahingehend überraschen durfte, dass es Rangnick letzte Saison noch selbst war, der sich über Zornigers Aussage, dass ein weiteres Zweitligajahr für die Vereinsentwicklung vielleicht gut sei, mit der Bemerkung wunderte, dass der Aufstiegsdruck doch in der kommenden (also der aktuellen) Saison noch mal sehr viel größer sein wird.

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5.Spieltag – 2.Bundesliga 2015/2016

Vier Spieltage sind vergangen. Nur noch einer fehlt bis zur Länderspielpause. Eine Pause, in der sich die Vereine sicherlich noch mal Zeit nehmen werden, genauer unter die Lupe zu nehmen, was bis dahin gut funktionierte und was bis dahin gar nicht funktionierte. Kommt man drauf, dass Dinge fundamental schief laufen, dürfte eine zweiwöchige Pause sehr gut dazu auserkoren sein, noch mal den Trainer zu wechseln. Letzte Saison erwischte es in der Länderspielpause, die damals schon nach dem vierten Spieltag kam, Aues Falko Götz, dessen null Punkte aus vier Spielen letztlich erheblich mit zum Auer Abstieg betrugen und St. Paulis Roland Vrabec.

In die aktuelle Saison sind mit Leipzig, Paderborn, Düsseldorf und Fürth vier Teams mit einem neuen Trainer gestartet. Wenn man so will, ist auch Tomas Oral in Frankfurt ein Neuling, da er in der vergangenen Saison erst vor dem letzten Spieltag verpflichtet wurde. Interessanterweise sind alle fünf Vereine auf unterschiedliche Art und Weise spielerisch und oder punktetechnisch durchwachsen in die Saison gestartet.

Insgesamt neun Trainer sind noch nicht länger als ein Jahr bei ihrem Team. Dieser Wert ist identisch mit dem Wert der Erstligakollegen. Und zeigt relativ deutlich, dass das Traineramt ein ganz schöner Durchlauferhitzer ist. Im Schnitt sind die 18 Trainer der zweiten Liga 22,4 Monate, also knapp zwei Jahre bei ihren Vereinen. Zieht man allerdings die beiden dienstältesten Trainer der obersten beiden Spielklassen Deutschlands, also Heidenheims Frank Schmidt und Braunschweigs Torsten Lieberknecht ab (jeweils mehr als sieben Jahre bei ihren Vereinen), dann sind die verbleibenden 16 Trainer im Schnitt nur noch seit knapp 14 Monaten im Amt. So richtig langfristiges Arbeiten sieht anders aus.

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Was von Spieltag 3 bleibt

Christian Streich ist ja inzwischen auch einigermaßen bekannt, was seinen Umgang mit Schiedsrichtern und deren Entscheidungen angeht. Kaum ein Spieltag, an dem der Freiburger Coach nicht irgendwas und irgendwen anprangert. So erstaunte es auch nicht, dass Streich nach der Niederlage gegen Bochum direkt den Schiedsrichter unter anderem für seine (von allen Beteiligten als spielentscheidende angesehene) gelb-rote Karte gegen Außenverteidiger Mensur Mujdza geißelte.

So weit, so normal. Dass er sich nur einen Tag später beim Kicker meldet und eigeninitiativ (so zumindest die Behauptung des Blattes) für seine Äußerungen entschuldigte, weil er beim Betrachten der umstrittenen Szenen gemerkt habe, dass er und nicht der Schiedsrichter falsch liege, ist dagegen eine deutliche Abkehr vom üblichen Muster. Eine Abkehr, für die man durchaus Respekt haben kann. Eine Abkehr, die aber auch nur Sinn macht, wenn daraus auch Konsequenzen für zukünftiges Verhalten resultiert.

Es darf für Streichs Verhalten an der Seitenauslinie nämlich letztlich keine große Rolle spielen, ob er meint, dass eine Entscheidung falsch oder richtig war. Mal abgesehen davon, dass in Streichs Aufregung immer auch ein ‚die haben was gegen unseren schönen Underdog-Verein‘ drinsteckt (bzw. zumindest in der Bundesliga drinsteckte), machen Schiedsrichter im Spielverlauf schlicht Fehler und das Coaching kann sich nicht darauf beziehen, die Schiedsricherfehler zu zählen, sondern die eigenen Mannschaft hinsichtlich der Bedingungen des Spiels einzustellen und im Spielverlauf auch mal zu verändern. Und da lag Streich nach dem Platzverweis gegen Bochum offenbar ziemlich daneben, denn ansonsten hätten die Gäste nicht binnen zehn Minuten drei Tore erzielen können.

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Unüberraschende Vereinspräferenzen

Als ich kürzlich in Leipzig in einem Restaurant war, lief ein kleiner Bub mit einem Freiburg-Trikot herum. Ich wollte wissen, ob er hier zu Besuch ist. Nein, war er nicht. Er hatte auch keinen Onkel aus Freiburg, der ihm das Trikot geschenkt hat. Das hat mich sehr gefreut. Stellen Sie sich das nur vor: Ein Leipziger Bub mit einem Freiburg-Trikot. Nicht mit einem von Dortmund oder Bayern. Es gibt einen Grund, warum er das Trikot anhat. Und es ist bestimmt kein negativer. (Christian Streich, Freiburg-Coach gegenüber der Sportbild vom 07.08.2013)

Sicherlich hat es einen guten Grund, dass der Bub mit einem Freiburg-Trikot herumläuft. Und sicherlich liegt der auch darin begründet, wie Streich in dem Interview weiter ausführt, dass Freiburg sich in den letzten Jahren so gut entwickelt hat und inzwischen sogar europäisch spielt. Nur interessanterweise würde sich in Leipzig über so ein Trikot wohl kaum einer so wundern, wie das der Freiburger Coach tut.

Ohne auf eine repräsentative Beobachtung der Verhältnisse auf Leipziger Straßen zurückgreifen zu können, kann man vom subjektiven Eindruck her mit einiger Sicherheit behaupten, dass Devotionalien von Nicht-Leipziger Bundesliga-Clubs verschiedenster Couleur in Form von Trikots, Autowimpeln oder Basecaps in der Überzahl gegenüber Fanartikeln hiesiger Vereine sind. Vergleichsweise regelmäßig sieht man im Alltag abseits von Spieltagen auch noch hier und da das Lok-Emblem. Und gelegentlich auch mal ein RB-Basecap.

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