Kommse heute nicht, kommse morgen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Die Null waberte in dieser Woche durch die Online-Welt. Die Null, die hinter den Einsatzminuten von bei RB Leipzig ausgebildeten Spielern steht. Hinter den Einsatzminuten sogenannter Local Player, von denen jedes Team mindestens vier in den eigenen Reihen haben muss und die zwischen 15 und 21 für mindestens drei Jahre im Verein gemeldet gewesen sein müssen.

Die Null ist natürlich nur ein Indiz für die Qualität der Nachwuchsausbildung. Zumal es dabei nur um die Betrachtung der aktuellen Spielzeit geht und das auch verschiedene Ursachen haben kann, dass da eine hohe oder niedrige Zahl steht. Bei RB Leipzig bleibt die Zahl aber auch gering, wenn man in der Historie zurückschaut.

Benjamin Bellot darf als einer der wenigen gelten, der die Local-Player-Regel durch seine Zeit bei RB zwischen 2009 und 2012 erfüllte und der vor allem in der dritten und zweiten Liga zwischen 2013 und 2015 einige Einsätze bekam. Allerdings spielte Bellot nie im RB-Nachwuchs, sondern kam aus dem Nachwuchs des FC Sachsen 2009 direkt zu den RB-Profis.

Tom Nattermann war der erste RB-Nachwuchsspieler, der (noch von Pacult) auch einen Profivertrag bei RB kriegte. Einsatzzeiten bekam er 2012/2013 unter Zorniger nur in Spielen ohne Wert am Saisonende, bevor er in die U23 zurückgestuft wurde (inzwischen kickt er in Halberstadt in der vierten Liga).

Fabian Bredlow, Alexander Siebeck, Rene Legien, Smail Prevljak und Idrissa Toure bekamen als RB-Nachwuchsakteure vereinzelte Einsätze, waren allerdings zu den jeweiligen Zeitpunkten noch nicht lange genug im Verein, um als Local Player zu gelten. Mal davon abgesehen, dass keiner von ihnen überhaupt noch bei RB spielt. Prevljak kickt inzwischen immerhin in Österreichs Bundesliga. Bredlow hat sich derweil im Tor des 1.FC Nürnberg durchgesetzt und könnte nächste Saison ein Erstliga-Keeper sein.

Bei Federico Palacios, Yussuf Poulsen und Lukas Klostermann könnte man streiten, ob sie als Local Player gelten dürfen. Wenn man die strengen Maßgaben der UEFA nimmt, dann ist dies nicht der Fall. Zudem haben auch sie allesamt nicht im RB-Nachwuchs gekickt, sondern wurden direkt für das Profiteam verpflichtet.

Worin sich gleich ein wundersames Paradoxon zeigt. Denn auch wenn es RB Leipzig in nun knapp neun Jahren Existenz noch nicht gelungen ist, auch nur ein Talent aus dem Nachwuchsbereich bei den Profis zu integrieren, gelingt es ihnen doch relativ regelmäßig, junge Kicker im Profiteam unterzubringen und sie dort auch zu vollwertigen Spielern zu machen. Nicht unbedingt bei Palacios, aber bei Klostermann, Poulsen oder Kimmich, wenn man an frühere Jahre denkt. Oder bei Upamecano oder Konaté, die in der Bundesliga bereits im U19-Alter integriert wurden.

Auch andere junge Spieler haben sich bei RB als vollwertige Bundesliga-Spieler festgesetzt. Man hat mit Abstand das jüngste Team der Liga, auch das ein Indiz dafür, dass das Entwickeln von Spielern gut gelingt. Nur halt nicht, wenn es um Spieler aus dem eigenen Nachwuchs geht. Das ist für einen Verein, der regelmäßig mit seiner Nachwuchsarbeit glänzen will, dort viel Geld investiert und diesbezüglich immer wieder gelobt wird, durchaus ein bisschen peinlich und muss entsprechend ja auch Gründe haben.

Ein Argument ist, dass man ja noch nicht allzu lange professionelle Nachwuchsarbeit betreibt, sodass man ja noch gar nicht die Erfolge der Arbeit ernten könne. Das Argument schiebt man jetzt schon ein paar Jahre vor sich her, wenn man bedenkt, dass Frieder Schrof schon 2013 davon sprach, dass man einige vielversprechende Talente im Verein habe und Rangnick im selben Jahr von zwei, drei Jahren sprach, bis man anfangen könne, die Früchte der Arbeit zu ernten. Dabei tut man manchmal so, als hätte die Nachwuchsarbeit erst im Jahre 2012 begonnen. Das ist allerdings nur zu Teilen richtig (wenn man bspw. sieht, wie lange man brauchte, die U19 in die Bundesliga zu bringen, was erst 2014 gelang). Denn die U17 stieg bereits 2011 in die Bundesliga auf und stand 2014 mit einer Mannschaft aus Talenten, die weitgehend vor Rangnick in den Verein kamen, im Finale um die deutsche Meisterschaft.

Interessant vielleicht, dass aus diesem Team, das schließlich Dortmund unterlag, kein Talent bisher im höherklassigen Fußball unterkommen konnte. Keeper Ron-Thorben Hoffmann ist immerhin noch in Bayerns Nachwuchs aktiv. Ansonsten stehen da Fridolin Wagner und Anthony Barylla als Zwickauer Drittligaspieler. Ein Dominik Franke hofft in Wolfsburgs U23 noch auf den Durchbruch. Ein Ex-Nationalspieler wie Marcel Becher hat quasi seine Karriere beendet und kickt unterklassig nur noch nebenbei. Ein Felix Beiersdorf ist (leihweise) beim SC Wiener Neustand in der zweiten Liga Österreichs verschwunden und spielt teilweise für deren zweite Mannschaft gegen Obergänserndorf und Co, während er vermutlich weiterhin glaubt, dass seine Karriere ganz weit nach oben führen wird. Und ein Patrick Dzalto ist gerade für einen Wechsel von Regensburg nach Lotte im Gespräch.

2015 stand die U17 noch mal im Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Mit nun schon sehr viel stärkerer Rangnick-Handschrift. Auch die U19 stand in jenem Jahr als Aufsteiger in die Bundesliga im Halbfinale der deutschen Meisterschaft. Es waren die letzten mannschaftlichen Erfolge von RB-Nachwuchsteams trotz vieler Investitionen in Steine und Beine. Neben den oben schon genannten Spielern gab es in den beiden Teams einige Namen mit Talent.

Ein Julian Chabot kickt inzwischen (selten) bei Sparta Rotterdam in der ersten Liga der Niederlande. Ermedin Demirovic feierte vor kurzem sein Debüt bei Spaniens Erstligisten Deportivo Alaves mit zwei Toren im Pokal. Ein Vitaliy Janelt ist in der zweiten Liga beim VfL Bochum angekommen und dürfte durchaus eine ordentliche Karriere vor sich haben. Ein Renat Dadashov hat bei Eintracht Frankfurt einen Profivertrag unterschrieben und kämpft nun dort mit Disziplinlosigkeiten und nicht mehr bei RB. Patrick Strauß ist in Aue Ergänzungsspieler. Sören Reddemann ist etwas mehr in der dritten Liga in Wiesbaden. Timo Mauer ist in Jena eher sehr weit hinten dran.

Gar nicht mal allzu wenig Talent, das da in den RB-Nachwuchsmannschaften kickte, aber auch noch keins, von dem man sagen könnte, dass einem da bisher der große Erstligaspieler durch die Lappen gegangen ist. Wenn man die BVB-U17 von 2015 nimmt, dann sind da außer Dzenis Burnic, Christian Pulisic oder Felix Passlack aber auch bisher nicht die ganz großen Talente entwachsen. Wobei man da vorsichtig sein sollte, denn manch Akteur von damals ist inzwischen auch noch nicht älter als 19.

Will sagen, die Talente aus den damaligen RB-Teams waren, noch junger Verein hin oder her, nicht kleiner (wenn man mal über das Ausnahmetalent Pulisic hinwegsieht) oder weniger als anderswo. Und dass man bei RB sehr früh mit den Nachwuchsteams größere Erfolge feierte, aber in den letzten beiden Spielzeiten gar nicht mehr (und auch in der aktuellen Saison ist die U19 wieder weit hinter der Tabellenspitze hinterher), erklärt sich auch nicht daraus, dass man noch nicht so lange professionelle Nachwuchsarbeit leistet.

Dass man den Übergang zu den Profis für die vorhandenen Talente nicht so gut hinbekommt, erklärt sich seit dieser Saison auch ein wenig durch das Wegbrechen der U23. Talente mit Entwicklungspotenzial wie Demirovic, Fechner (Kaiserslautern), Chabot, Wojtkowski (Wisla Krakau) oder Franke gingen deshalb im Sommer komplett verloren. Beiersdorf dümpelt wie erwähnt in Österreich herum.  Lediglich ein Agyemang Diawusie erscheint mit seiner Leihe nach Wiesbaden, wo er zunehmend Einsatzzeit sammelt und positiv auf sich aufmerksam macht, als ein Talent, das man nach seiner Leihe (die bis 2019 läuft, aber 2018 beendet werden kann) eventuell noch mal in Leipzig wiedersehen wird.

Das Fehlen der U23 bedeutet aber eben auch, dass es zwischen Verleihen und Abgeben nach der U19 wenig Spielraum gibt, wenn man denn nicht gerade ein körperlich früh entwickeltes Supertalent wie Dayot Upamecano erwischen sollte. Ein Naby Keita war bereits 21, als er nach Leipzig kam. Ein Neu-Nationalspieler wie Halstenberg kam mit 23 und das zu einem Zweitligisten. Den Sprung vom Nachwuchs zu den Profis zu moderieren, wird ohne U23, in der man die Spieler wenn nötig oder erfolgsversprechend mit 19 oder 20 noch mal ein, zwei Runden im Männerbereich drehen lässt, definitiv in der Breite der Ausbildung nicht einfacher und wird ohne Leihen mit der damit verbundenen Ungewissheit und Unkalkulierbarkeit in Bezug auf Einsatzzeit und Ausbildungsart nicht auskommen.

Dass die Moderation des Übergangs schwierig ist, zeigt sich schon diese Saison beim derzeitigen U19-Jahrgang. Anfang des Jahres hatte man den Plan vier Talente permanent mit den Profis trainieren und dann hauptsächlich im Nachwuchs spielen zu lassen. Aus den vier Plätzen wurden am Ende zwei, die Abouchabaka und Kühn bekamen. Den Plan, diese regelmäßig mittrainieren zu lassen, gab man aber irgendwann auf, weil man in den englischen Wochen bei den Profis sowieso kaum ernsthafte Trainingseinheiten absolvierte und man so zur Erkenntnis kam, dass beide besser im permanenten Training bei der U19 aufgehoben wären. Zudem dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben, dass sich beide (auch teilweise durch Verletzungen) leistungsmäßig nicht unbedingt aufdrängten.

Nun in der Vorbereitung auf die Rückrunde versucht man es wieder mit U19-Akteuren bei den Profis. Kilian Ludewig und Niclas Stierlin sind nun die Kandidaten, auf die sich die Hoffnungen beziehen, dass da Talente für die Profis heranwachsen. Kühn, Stierlin, Abouchabak und Ludewig sind allesamt Jahrgang 2000, haben also noch nicht den Druck, schon diese Saison bei den Profis ankommen zu müssen, da ihnen noch ein weiteres Jahr bei der U19 bleibt. Interessant vielleicht aber, dass man vom 1999er-Jahrgang, also jenen Akteuren, die im Sommer aus dem Nachwuchs ausscheiden, keinen so wirklich auf der Rechnung haben muss für den direkten Weg in die Bundesliga. Auch ein Kilian Senkbeil nicht, der bereits seit 2010, also weit vor Rangnick, bei RB spielt und zwischenzeitlich mal als vielversprechendes Talent galt.

Wenig motivierend dabei, dass Ralf Rangnick kürzlich im Kicker der U19 die Qualität absprach, um sich als Profis in der Bundesliga bei RB durchzusetzen und sein Hauptaugenmerk auf U17 und U15 richtete. Auch dies ein Markenzeichen der jüngeren Jahre, dass man den ältesten Jahrgang gern mal aufgab, um auf die folgenden zu hoffen. Passt halt nicht so recht zur Rangnickschen Hoffnung von vor einem Jahr, dass 2017 ein Jugendspieler den Durchbruch bei den Profis schaffen sollte.

Erschwert wird die Hoffnung natürlich dadurch, das RB Leipzig inzwischen Spieler braucht, die bei einem Team mitspielen können, das permanent zur Top 6 in Deutschland gehören will. Das ist als Niveauvorgabe schon sehr hoch und wird noch höher, wenn man eine Profimannschaft mit vielen Transfermillionen hat, die sich auch irgendwie refinanzieren sollen. Oder anders gesagt: einen Bruma setze ich nicht für einen gleichwertigen oder knapp schlechteren Nachwuchsspieler auf die Bank, wenn ich für ihn 15 Millionen Euro ausgegeben habe und hoffe, dass daraus vielleicht in ein paar Jahren ein paar Euro mehr werden.

Wenn man zudem in Betracht zieht, dass RB Leipzig derzeit über einen Kader von rund 17 Feldspielern verfügt, mit denen man relativ regelmäßig rotiert und auch Verletzungen und Ausfälle kompensiert, dann wird es noch schwieriger für Talente mal einen Tag zu erwischen, an dem man plötzlich in der Bundesliga zu einem Einsatz gespült wird. Im besten Fall reicht es mal für die Bank, aber auch das ist schon der absolute Ausnahmefall.

Neben diesen Gründen könnte man aber auch in der Ausbildung selbst nach Möglichkeiten suchen, die das Entwickeln von Talenten auf ein sehr gutes Niveau verhindern. Inwieweit dabei ein langjähriger Kopf bei der Ausbildung fehlt, wäre eine Frage. Frank Leicht prägte auch über die Teilnahme am Finale der U17-Meisterschaft (und ein Jahr später des U19-Halbfinales) die Nachwuchsarbeit eine Zeitlang, ging dann aber in eine Art Sabbatical-Jahr, nach dem er eigentlich wieder bei RB einsteigen sollte, aber dann doch bei Eintracht Frankfurt landete. Beierlorzer war als Chef der höherjahrgängigen Ausbildung nicht lang genug da. Robert Klauß pendelt nun schon seit Jahren zwischen den Nachwuchsteams, scheint aber auch noch nicht so ganz angekommen und macht nebenbei die Ausbildung zum Fußballlehrer.

Es fehlt unterhalb von Frieder Schrof vielleicht ein wenig eine Figur wie ein Norbert Elgert auf Schalke oder ein Hermann Gerland bei den Bayern, die immer wieder Talente formen und ein Gespür für deren Bedürfnisse haben. Bei RB Leipzig versucht man da viel über eine gutväterliche Pädagogik mit Achten auf die richtigen Computerspiele und harter Hand bei Verfehlungen (Trennung von Dadashov, Janelt, Touré). Ob das unbedingt den Nerv von Jugendlichen trifft, bleibt eine offene Frage. Zumal es sich um Jugendliche handelt, die beim sowieso schon schwierigen Prozess des Erwachsenwerdens teilweise weg von zu Hause sind und vergleichsweise viel Geld, vielleicht auch manchmal zu viel Geld in die Hand kriegen und deshalb in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nicht immer den richtigen Abzweig nehmen.

Neben Fragen der Persönlichkeitsentwicklung, die man ja auch bei RB erkannt hat, weswegen Rangnick verstärkt beim Verpflichten von Jugendlichen auf die Mentalität achten will (wobei das von der irrigen Annahme ausgeht, dass der Charakter von  Jungen in der Pubertät feststeht und sich nicht gerade auch durch das finanziell aufgepumpte Umfeld eines Fußballklubs prägen würde), stellt sich auch die Frage nach der sportlichen Ausbildung selbst. Schon desöfteren haben verschiedene Experten und Trainer die Ausbildung bei RB Leipzig mit ihrem Fokus auf Pressing, Umschaltsituationen und Geschwindigkeit als zu eindimensional kritisiert.

Thesenhaft könnte man zumindest festhalten, dass der frühe Fokus auf Physis und Geschwindigkeit den Spielern im frühen Nachwuchsbereich Vorteile gibt, wegen derer man sich auch in den Nachwuchsnationalmannschaften noch gut durchsetzen kann, dass aber diese Vorteile von der schlechteren fußballerischen Ausbildung im Laufe der Zeit aufgefressen werden und in das Gegenteil verkehrt werden, wenn andere Talente beim Übergang in den Männerbereich die physischen Nachteile aufholen. Das ist natürlich nur eine sehr grobe These, die außer acht lässt, dass permanentes Trainieren von flexiblem Entscheidungsmanagement bei hohen Geschwindigkeiten natürlich im kognitiven Bereich auch Vorteile  mit sich bringt, die auch noch in den Erwachsenenbereich reichen.

Insgesamt bleibt diesbezüglich aber die Frage, inwieweit die Ausbildung von Jugendlichen in der Form bei RB Leipzig auf Dauer zielführend ist. Die Joshua Kimmichs, Naby Keitas, Emil Forsbergs und Brumas wird man so vermutlich eher nicht ausbilden, sondern halt eher die Laimers, Ilsankers, Poulsens oder Demmes dieser Welt. Wobei das ja auch nicht grundsätzlich schlecht ist, wenn man zumindest bei diesem Spielertyp Erfolge bei der Ausbildung feiern würde.

Bisher war man aber noch gar nicht erfolgreich und das liegt nicht ganz zuvorderst daran, dass die bisherigen Nachwuchsjahrgänge komplett talentfrei waren oder bei RB Leipzig erst seit 2012 professionell ausgebildet werden würde (realistisch tut man das ungefähr seit 2010 in stetig steigender Qualität). Vielmehr liegt es am problematischen Übergang in ein Profiteam, das schon immer auf allen Positionen sehr gut und meist doppelt besetzt war und das nun auch noch permanent um Champions-League-Plätze mitspielen will. Ein Übergang, der durch die fehlende U23 und damit fehlende Möglichkeiten, sich im Männerbereich schon mal zu probieren und oberhalb der U19 dauerhaft Spielzeit zu kriegen (gern auch schon im letzten U19-Jahr), noch schwerer geworden ist. Fraglich ist daneben, inwieweit die Rahmenbedingungen der Ausbildung  bei RB in Sachen Persönlichkeitsentwicklung und sportlichen Grundsätzen der Ausbildung von Talenten überhaupt förderlich ist.

Bisher hatte man nicht den Eindruck, dass im Nachwuchsbereich von RB ein roter Faden über mehrere Jahre durchgehalten wird. Mal wurden mit der Gießkanne eingekaufte Talente auf die Nachwuchsteams geschüttet. Zuletzt ging man wieder einen Schritt zurück zum Fokus auf ein paar wenige Talente, um gleichzeitig einen ganzen Talentjahrgang durch die Abschaffung der U23 zu killen. Im nächsten Schritt stellt man nun die Qualität der aktuellen U19 in Frage und vertröstet beim Finden von Talenten auf die Zukunft.

Generell bleibt bei der neuen Nachwuchsphilosophie der Fokussierung auf absolute Toptalente auch die Frage nach den Wahrscheinlichkeiten. Also wie wahrscheinlich ist es, einen kommenden Superstar (wie einen Pulisic) mit sagen wir 15 zu entdecken und ihn dann im eigenen Verein weiterzuentwickeln, damit er mit 18 den Sprung zu den Profis schaffen kann? Diese Art Spieler gibt es nur sehr selten und meist holt man sie dann wie einen Upamecano mit 18 oder 19 direkt für das Profiteam. Interessanter dürfte Talentausbildung immer noch in der Breite des Kaders sein. Also Spieler, die auch auf den Kaderpositionen 14 bis 18 spielen können und bei denen vielleicht mal einer dabei ist, der es permanent auch unter die ersten zehn Feldspieler schafft. Diese Spieler findet man mit 15 vermutlich schon etwas einfacher. Diese Spieler müsste man aber im Schnitt wohl auch länger ausbilden als bis 18, wo wir dann wieder bei der fehlenden U23 und dem unsicheren Spiel mit Ausleihen wären.

Heißt letztlich, dass man mit dem neuen Fokus auf Supertalente, die mit 18 schon im groben das Niveau für die Bundesliga haben sollen, ein klein wenig in das Lotteriegeschäft eingestiegen ist, statt weiter in der Breite auszubilden und immer mal auch wieder Spieler abzufischen, die erst mit 21 reif für die Bundesliga sind. Wobei denen wohl jährlich neue Konkurrenten bei den Profis vor die Nase gesetzt werden würden, sodass die Erfolge da auch dauerhaft eventuell eher gering ausfallen und eher andere Mannschaften stärken würden.

Letztlich dürfte die Frage, warum bei RB Leipzig bei der Integration von eigenen Talenten im Profiteam bisher in Sachen Einsatzzeiten die Null steht, wo man doch das jüngste Team der Liga ist und durchaus gute Erfahrungen beim Einbau von Talenten bei den Profis gemacht hat, nicht eindimensional und monokausal zu beantworten sein. Dabei führen die externalisierenden Antworten (man bildet noch nicht lang genug aus, die Qualität der Talente war nicht hoch genug) wohl genauso wenig zum Kern wie rein interne Antworten (nicht zielführende Ausbildung, kein guter Übergang zum Profiteam, Fehler bei der Abmeldung der U23). Vermutlich dürfte es eine Mischung aus Gründen sein, die sich dann auch bei einzelnen Talenten noch mal ganz unterschiedlich ausprägt. Antworten wird man aber trotzdem finden müssen, wenn man die Null nicht auch noch in ein, zwei Jahren vor sich her schieben will. Denn Fakt ist, dass bisher Aufwand und Nutzen bzw. Behauptung und Realität bei der Nachwuchsarbeit in keinerlei sinnvollem Verhältnis stehen.

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Viele Talente bei RB Leipzig, doch wie sieht ihre Perspektive aus? | GEPA Pictures - Sven Sonntag
GEPA Pictures – Sven Sonntag

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5 Gedanken zu „Kommse heute nicht, kommse morgen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“

  1. Ein Dominik Franke, ein Naby Keita, ein Julian Chabot… das ist ein Vergehen an einer deutschen Sprache! Denn hier geht es um konkrete Spieler und deren Karriereverlauf, da ist ein unbestimmter Artikel völlig fehl an einem Platz. Ein Rotebrauseblogger, der ansonsten doch so eloquent schreibt, sollte darauf mal achten.

  2. Warum hat bei „RaBa“ der eigene Nachwuchs immer mehr weniger Bedeutung?

    RBB, das ist ja wirklich ein guter journalistischer Einstieg in das Jahr 2018, RBB, den sich besonders die „Delegierten“ Rangnick und Mintzlaff ordentlich durchlesen sollten! Warum grasten sie denn überhaupt in den fremden Talentzentren des gesamten Landes, um die erfolgreichsten Ausbilder und jugendliche Spieler abzufischen, deren Laufbahn mit 19 Jahren bei dem selbstgenannten Vorzeigeclub aber wegen der fehlenden Perspektive (abgemeldeter U-23 Nachwuchs) fast immer dort unbemerkt verkümmert.

    Die Seifenblasen nach Hoffnungen auf evtl. Einsatzzeiten in der Profiliga des gleichen Vereines platzten meistens sehr schnell, da der Sprung nach oben durch den gewählten Vorrang der parallel für viel Geld angeheuerten „fertigen Talente“ anderer Vereine kaum möglich ist. Auf diese Weise verlor man u.a. solche wichtigen Personen, wie z. B. den ehrwürdigen letzten Mitarbeiter und ersten Trainer des übernommenen Vereines, T. Vogel und zuletzt Chefscout, Spors! Auch der ehemalige Co-Trainer A. Beierlorzer wird rechtzeitig gewusst haben, warum er Leipzig wieder vorzeitig verließ, um nach Regensburg zu wechseln…..

    Neben den gut eingeschlagenen „Fremdkörpern“ , wie u.a. Keita, Werner, Orban, Sabitzer usw. hatte Ranglick aber auch bei seinem Wühlen in fremden Nestern genügend „Fehlgriffe“ getan, die viel Geld kosteten und hier fairerweise nicht nochmals aufgezählt werden. Mit seinem Umdenken, lieber in ganz Europa „Toptalente“ für ein paar Scheine mehr als die eigene Ausbildung im perfekten Trainingszentrum kostet, an Land zu holen, wurde der Spielbetrieb der Nachwuchstruppe vor dem unmittelbar bevorstehenden Profieinsatz einfach eingestellt. Andere Vereine, die den gleichen Schritt vollzogen, taten das lediglich aus fehlenden Finanzen! Klappt es nicht gleich, werden durch geschickte Leihverträge die noch zur Zeit schwachen Flammen der Akteure aber noch erhalten, die sich in der Fremde möglichst wieder als kostengünstige und damit gewinnbringende größere Feuerstätten weiterentwickeln sollen!

    Wenn wirklich Sportdirektor Rangnick, der Dank seines fernen und unauffälligen „Mäzen“, am Liebsten auch noch die U- 19 einstampfen möchte, könnte er doch diesem demnächst vorschlagen, das hochmoderne Leistungszentrum wieder zu veräußern!

  3. Das ist schon ein hartes Urteil, aber es stimmt ja alles, was Du geschrieben hast.
    Ich bleibe dabei, ein Interview von Dir mit Schroff wäre mehr als spannend 😉
    Auch musste ich beim Lesen an die legendäre Sky-Doku denken, inkl. Dadashov.

    Aber das ist schon ein komplexes Thema und eine Königslösung gibt es eh nicht. Und der Faktor Glück ist auch ein sehr großer.
    Dazu kommt, wenn wie eben in der Hinrunde alle gesund sind, wer soll da rein rotieren? Ein Friedl oder Arp sind ja genau deswegen in ihre Teams gespült worden.
    Ich bin ja auch gerne am Cottaweg und stehe mit so manchen Scout auf der Tribüne. Wo ich optimistisch bin ist die derzeitige U17. Da sind schon ein paar gute Jungs dabei, die es mal schaffen könnten, wie Holm, Talibidi oder Hartmann.

    Aber richtig, Rangnick muss sich an seine Worte messen lassen.
    Bin gespannt.

  4. starker Auftakt für 2018!

    Gesundes Neues und erfolgreiches Jahr natürlich noch!

    Generell glaube ich persönlich, das es niemals ein Talent schaffen wird, welches über den Weg U15/16/17/19 gehen muss oder soll….

    Ist mMn wie in einer Firma >> der Lehrling bleibt immer der „Stift“, egal wie gross sein Fachwissen auch mittlerweile ist.

    Da du über die Zauberdatenbank schlechthin verfügst – wieviele aktuelle Spieler sind denn in Ihrem Verein aus der U15 zu den eigenen Profis „durchgelaufen“?? Mein Tipp: keine 5%….

    1. Es gab dazu mal einen Artikel, den ich nicht mehr finde. Der drehte sich darum, wie viele Prozent der Spieler aus dem eigenen Verein bei den Profis ankommen. Da ging es aber um den Weg von weiter unten (U10 oder so). Der Prozentsatz lag, wenn ich mich recht erinnere, bei (deutlich) unter einem Prozent, die im selben Verein alle Altersklassen durchlaufen und dann in der Profimannschaft landen. Aber das ist wirklich nur sehr vage erinnert.

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