Bundesliga: RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg 2:0

29. Spieltag in der Bundesliga. Es geht in die entscheidende Phase. Im drittletzten Heimspiel war der VfL Wolfsburg zu Besuch. Eine gut besetzte Mannschaft mit einem intensiven Spielstil. Gegen die RB Leipzig mit einer guten Leistung einen verdienten 2:0-Sieg einfuhr.

Ralf Rangnick überraschte mit einer unerwarteten Formation. Dass RB Leipzig mit einer Dreierkette auf die Sperre von Willi Orban reagieren könnte, war durchaus zu erwarten. Dass in dieser Lukas Klostermann den linken Part neben Konaté und Mukiele übernimmt, konnte allerdings niemand ahnen. Cunha kam zudem für Haidara in die Partie und es entstand ein 5-3-2 bzw. ein 3-3-2-2. Eine Formation mit Klostermann und Halstenberg auf derselben Seite hatte es zuvor noch nie gegeben. Die beiden ergaben ein starkes Duo.

Der VfL Wolfsburg ersetzte den verletzten William durch Marcel Tisserand auf der rechten Abwehrseite. Zudem kehrte Maximilian Arnold in die Mannschaft zurück, sodass Josip Brekalo auf die Bank musste.  Organisiert war die Mannschaft in einer Art 4-3-3 mit Guilavogui als Sechser und Arnold und Rexhbecaj davor. Weghorst spielte in der Sturmmitte, war in seinem Positionsspiel allerdings recht flexibel. Steffen und Mehmedi unterstützen ihn in der Offensive.

Die Partie begann eher abwartend. Wobei das vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist. Denn dass sich die Partie vor allem zwischen den Strafräumen abspielte, lag daran, dass beide Mannschaften im Spiel gegen den Ball mit viel Intensität vorgingen und entsprechend wenig Luft blieb, sich mal entscheidend durchzuspielen. Dass RB mit einer Dreierkette vor allem erstmal für Ordnung hinter dem Ball sorgen wollte, trug dann eben zu dem Eindruck bei, dass beide Teams dem anderen nicht ins offene Messer aka Umschaltspiel laufen wollten.

RB Leipzig erspielte sich in dieser frühen Phase langsam ein kleines Übergewicht. Durch die drei Spieler hinten hatte man immer wieder eine Anspielstation, wenn Wolfsburg vorn anlief, sodass man sich spielerisch recht gut befreien und freie Räume bespielen konnte. Bis auf einen Forsberg-Abschluss passierte aber in der ersten Viertelstunde offensiv nicht viel.

Entsprechend kam das 1:0 aufgrund nur weniger Chancen ein wenig aus dem Nichts bzw. auch wieder nicht, weil sich das Spielgeschehen von Minute zu Minute stärker an den VfL-Strafraum verlagerte. Nordi Mukiele war rechts in ein eher ungünstiges Dribbling gegen drei Gegenspieler gegangen, konnte aber den Ball behaupten und den Ball zurück zu Kampl spielen, der dadurch an der Strafraumgrenze plötzlich Platz bekam, ein Stück querlief und den Ball dann mit links im langen Eck versenkte. Sah nicht komplett unhaltbar aus, aber Pervan, der Casteels (in der zweiten Hälfte auch sehr gut ) vertrat,  sah den Schuss vermutlich zu spät, um noch in die Ecke zu kommen.

Kevin Kampl lässt sich für das 1:0 feiern. | Foto: Dirk Hofmeister

Mit dem 1:0 kippte das Spiel erstmal komplett in Richtung von RB.  Mit sehr gutem Gegenpressing nahm man vor allem das Umschaltspiel der Wolfsburg komplett aus dem Spiel und holte sich die Kugel immer wieder recht schnell zurück. Offensiv ließ man den Ball teilweise sehr gut laufen.

Wolfsburg in dieser Phase komplett chancenlos und noch vor Ablauf der ersten halben Stunde steht es 2:0. Laimer treibt nach Ballgewinn die Kugel schnell nach vorn. Sabitzer spielt dann eine Flanke aus dem Halbfeld, die im Normalfall wenig Chancen auf Erfolg hat, aber perfekt getimt auf den einzigen Punkt im Strafraum fällt, wo sie gefährlich werden kann, nämlich genau auf den Kopf vom einlaufenden Werner. Gegen die Laufrichtung des Keepers. 2:0.

Mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken wurde das Spiel offener. Vielleicht auch weil Leipzig etwas passiver verteidigte. Der Dreierkette merkte man in dieser Phase auch an, dass sie in dieser Form noch nie zusammengespielt hat. Da fehlte manchmal das Gespür, wer wann raustritt aus der Kette und wer sich lieber fallenlässt. Mehmedi steht nach Arnold-Zuspiel (bei dem Kampl am Rande einer Notbremse wandelt) frei vor Gulacsi, kann den Ball aber nur so an Gulacsi vorbeispitzeln, dass er ins Aus rollt.

Von RB Leipzig kommt offensiv bis zur Pause nichts mehr. Dafür ist im RB-Strafraum vor der Pause noch ein-, zweimal richtig Alarm. Aber entweder kann die Abwehr den Ball im letzten Moment wegspitzeln oder Gulacsi faustet Weghorst den Ball vom Kopf.

Die Führung zur Pause für RB Leipzig war verdient, aber vielleicht ein Tor zu hoch. Fast perfekt funktionierte das Verhalten der Mannschaft nach Ballverlust im Gegenpressing, durch das man den Wolfsburgern die Chance nahm, den Ball schnell tief zu spielen. Wenn sich der VfL aber mal durchspielen konnte, wurde es zwei-, dreimal richtig gefährlich. Aber im Strafraum fehlte den Gästen dann trotz Weghorst die Durchschlagskraft, um zum Erfolg zu kommen.

Es blieb nach dieser ersten Halbzeit aber auch das Gefühl, dass es nur einer guten Strafraumaktion der Wolfsburger braucht, um in die Partie zurückzukommen. Das Gefühl hatte auch Bruno Labbadia, der zur Pause deswegen offensiv wechselte und mit Ginczek einen zweiten Stürmer mit viel Physis in die Partie warf. Der hatte nach 52 Minuten auch die beste echte Abschlusschance der Gäste, scheiterte aber an einem Gulacsi, der schnell unten war.

RB Leipzig in den ersten 15 Minuten nach der Pause im Ballbesitz etwas zu fahrig und pomadig, sodass man oft den Ball verlor und die Gäste optisch am Drücker waren. Die Wolfsburger mit einem für sie typischen, breit angelegten Spiel. Vor allem Roussillon machte links viel Betrieb. Das war auch die Seite, auf der der VfL immer mal wieder in den Raum hinter Laimer und neben die Dreierkette kam. Aber genau da zahlte sich dann auch die Dreierkette aus, weil man dann mit Mukiele immer auch nachschieben konnte und in der Mitte mit Konaté, Klostermann und einem einrückenden Halstenberg immer noch dicht genug besetzt war, um nichts zuzulassen.

Bei allem, was der VfL optisch gut machte und sich teilweise gut an den Strafraum spielte, hielt RB die Gäste über 90 Minuten dann eben doch auch bei nur sechs Torschüssen und das war in letzter Konsequenz ein Verdienst einer Formation, die dem VfL die Stärken einerseits (durch Gegenpressing) im Umschalten und andererseits (durch die Dreierkette) im Erspielen von Möglichkeiten über die Außenbahnen nahm.

Ein Tor wollte in Hälfte 2 einfach nicht mehr fallen. | Foto: Dirk Hofmeister

Vor allem mit Balleroberungen und aggressivem Anlaufen kippte das Spiel nach schwierigen 20 Minuten nach der Pause wieder zugunsten von RB Leipzig. Eine Rolle spielte dabei auch die immer offensiver werdende Formation der Gäste. In der letzten halben Stunde liefen so diverse Gleichzahl-Konter auf das Gästetor zu. 14 der 21 Torschüsse gab RB in den letzten 25 Minuten des Spiels ab. Allein Timo Werner hatte fünf Torabschlüsse, scheitert aber mit allen. So auch, nachdem er Knoche und Guilavogui grandios stehenlässt und Pervan den starken Abschluss mindestens genauso stark noch mit einem Reflex an die Latte lenkt.

Den RasenBallsportlern bieten sich nun gegen alles riskierende Gäste große Konterräume. Teilweise spielt man sie aber schlecht aus. Teilweise ist der Torabschluss nicht gut. Teilweise hält Gäste-Keeper Pervan (acht(!) Paraden am Ende) auch einfach sehr gut.

Es fehlt halt einfach das dritte Tor, um den Deckel endgültig auf die Partie zu machen. Und so bleibt lange der Eindruck, dass es nur einer Wolfsburg-Aktion braucht, um das Spiel noch mal richtig scharf zu machen. Aber im erfolgreichen Ausspielen von Angriffen aus guten Feldpositionen tut sich auch der VfL an diesem Tag sehr schwer. Was man da am RB-Strafraum teilweise versucht, ist zu umständlich und zu wenig durchschlagskräftig. Sodass am Ende dann doch die Null steht.

Fazit: Ein verdienter Sieg, weil RB Leipzig das aktivere und in der Balleroberung einfach bessere Team war, das in der ersten Hälfte auch die nötige Effizienz hatte. Seltsam war das Spiel aber, weil lange das Gefühl blieb, dass die Wolfsburger mit guter Qualität nur eine gelungene Offensivaktion brauchen, um in das Spiel zurückzufinden. Seltsam deswegen, weil RB ja auch in der zweiten Hälfte gut auf 3:0 oder 4:0 hätte erhöhen können, aber ein gefühltes Dutzend an guten Konterchancen nicht in ein Tor ummünzen konnte (was auch ein wenig an das Pokalspiel gegen Wolfsburg erinnerte). So blieb es schließlich bei einem 2:0, das die 90 Minuten insgesamt fast perfekt abbildete.
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Randbemerkung 1: Nach 29 Spielen RB Leipzig mit zwölf(!) Punkten mehr als in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt. Gegen dieselben Gegner wie im Vorjahr holte man bisher 15 Punkte mehr (wenn man den HSV durch Düsseldorf und Köln durch Nürnberg ersetzt) (verglichen werden jeweils die Heimspiele der Vorsaison mit den Heimspielen in dieser Saison gegen die jeweiligen Gegner und analog die Auswärtsspiele). Gegenüber der Hinrunde (Ziel ist es ja in der Rückrunde noch mal 31 Punkte zu holen) hat Leipzig nach elf Spielen seit der Winterpause fünf Punkte mehr auf dem Konto. Wolfsburg ist nun auch endgültig abgeschüttelt bei 13 Punkten Vorsprung und nur noch 15 zu vergebenen Punkten. Mindestens elf Punkte Vorsprung auf Platz 6 (wenn Hoffenheim gegen Hertha gewinnt) bedeuten auch, dass die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League im Sack sein sollte. Sieben Punkte Vorsprung sind es weiter auf Rang 5 und Mönchengladbach. In einer Woche dann der Matchball Richtung Champions League in Mönchengladbach. Mit einem Sieg könnte man den Vorsprung auf Rang 5 auf zehn Punkte vergrößern. Das wäre dann wohl mehr als eine Vorentscheidung in Sachen Bundesliga-Saisonziel.

Randbemerkung 2: Eine perfekte englische Woche mit Spielen in Gladbach und Hamburg und gegen Freiburg trennt RB Leipzig noch vom Erreichen der Champions League und vom DFB-Pokalfinale. Noch mal acht Tage #allesraushauen und dann kann man sich in Ruhe auf Berlin vorbereiten. Träumen wird ja wohl erlaubt sein..

Randbemerkung 3: Mit 58 Punkten, die RB Leipzig jetzt schon hat, wäre man letzte Saison übrigens nach 34 Spielen mit drei Punkten Vorsprung auf Platz 4 Dritter geworden. Nach 29 Spielen hatte der Zweite (Schalke) letzte Saison gerade mal 52 Punkte. Nur um mal die aktuelle Spielzeit einzuordnen. Für die 67 Punkte, die es in der ersten Bundesliga-Saison waren, braucht es aber trotzdem noch drei Siege aus den letzten fünf Spielen.

Randbemerkung 4: Ralf Rangnick gegen Wolfsburg mal wieder mit den schon gewohnten sehr späten Wechseln. Offenbar hatte auch der RB-Coach den Eindruck, dass das Spiel sehr lange trotz vieler guter RB-Konterchancen und 2:0-Führung nicht komplett entschieden war. Nur Haidara kam zu einem Zeitpunkt in die Partie, wo man sich als Einwechselspieler noch sinnig zeigen kann. Demme und Smith Rowe waren dann eher Zeit-von-der-Uhr-nehmen-Auswechslungen.

Randbemerkung 5: Ach ja, Emile Smith Rowe. Der Leihspieler, der jetzt sehr lange verletzt war mit seinen ersten Minuten in der Bundesliga. Erst in der Nachspielzeit eingewechselt und nur noch dreimal am Ball. Aber immerhin seine ersten Minuten. Und dann fast noch sein erstes Tor, als er eine Hereingabe nur knapp verpasst (und Halstenberg dadurch dahinter fast noch ein Tor gemacht hätte). Dass Smith Rowe einem Bruma vorgezogen wird, der ja eigentlich in Leipzig noch länger unter Vertrag steht, wird dem Portugiesen vermutlich auch zu denken geben.

Emile Smith Rowe. | Foto: Dirk Hofmeister

Randbemerkung 6: Zehn Siege und drei Unentschieden seit der Niederlage gegen Dortmund zu Rückrundenbeginn. Diese Serie darf einem langsam ein wenig unheimlich vorkommen. Fünf Spiele am Stück hat RB gewonnen, vier davon in der Bundesliga. Acht Bundesliga-Siege am Stück sind bisheriger RB-Rekord. Da fehlt also noch ein bisschen was. Aber sind ja noch fünf Spiele bis zum Saisonende..

Randbemerkung 7: Fünf Gegentore in der Bundesliga in zwölf Rückrundenspielen. Zwei Elfmeter und zwei Tore nach ruhenden Bällen. Nur ein einziges Gegentor aus dem Spiel heraus (gegen Hoffenheim). Letzteres ist eine schlicht irre Bilanz. Klar, auch ein bisschen Glück dabei (wenn man bspw. an Selkes Chance letztens denkt). Aber wie man immer wieder und in fast allen Spielen Lösungen findet, den Gegner vom Tor wegzuhalten oder in der letzten Kette zu stoppen, ist bisher ganz großes Kino.

Randbemerkung 8: In 18 Spielen lag RB diese Saison in der Bundesliga in Führung. 17 Spiele hat man gewonnen. Beste Bilanz der Liga. Nur in Dortmund verlor man zu Saisonbeginn noch. Auch diese Bilanz ist die Folge einer sehr guten Arbeit in der Defensive und gegen den Ball.

Randbemerkung 9: Mit Wolfsburg kam eines der laufstärksten Teams der Liga nach Leipzig. Gerade zu Beginn der Partie zeigte der VfL, dass es sehr unangenehm ist, gegen ihn zu spielen, wenn die Spieler noch frisch und mit voller Aggressivität anlaufen. Es zeigte sich aber auch, dass sie diese Intensität nicht über 90 Minuten spielen können und sie nur noch ein durchschnittlich verteidigendes Team sind, wenn sie passiver werden (müssen). Am Ende der Partie war der VfL den Gastgebern in allen Laufdaten teilweise recht deutlich überlegen. Die entscheidenden Läufe machten aber die RasenBallsportler, die sich einige defensive Sprints auch dadurch sparten, dass sie im Gegenpressing den Gegner so gut zustellten.

Randbemerkung 10: 23 Bundesligaspiele am Stück stand Diego Demme von Saisonbeginn an in der Startelf. Dann war er krank und hatte eine Weisheitszahn-OP und fiel vier Spiele aus. Und seitdem saß er zweimal in der Liga nur auf der Bank und kam nur für Kurzeinsätze am Ende in die Partie. Ja, die knapp 70 Minuten in Augsburg waren auch nicht von der Art, dass sich Demme für mehr Einsätze in der Startelf aufdrängte. Aber etwas plötzlich kommt der Umschwung von unersetzlich hin zu Bank dann doch. Zumal Tyler Adams jetzt zweimal verletzt ausfiel. Ein Diego Demme kam in den letzten Jahren immer wieder zurück, wenn es Fragezeichen hinsichtlich seiner Rolle gab. Mal sehen, wie es diesmal weitergeht angesichts dessen, dass Haidara oder Adams gegen Wolfsburg auch noch nicht mal in der Startelf standen.

Randbemerkung 11: Gegen Hertha zuletzt war die Stimmung in der Red Bull Arena sehr gut. Gegen Wolfsburg nun wieder eine teilweise schon extreme No-Show-Rate. Da waren manche Blöcke eines offiziell ausverkauften Stadions mal ordentlich leer. Und auch stimmungstechnisch war es eher so angezogene Handbremse. Manchmal auch seltsam, wie sich sowas entwickelt und bei welchen Spielen man schon vor dem Spiel das Gefühl hat, dass das Stadion geschlossen Bock hat und bei welchen nicht.

Randbemerkung 12: Seltsam auch mal wieder die Videobeweis-Geschichte. Bzw. das, wozu das führt. Vor dem 2:0 gab es im Mittelfeld eine Szene, in der Arnold in einem Duell mit Cunha zu Boden geht. Im Anschluss dann Sabitzer mit seiner Flanke und Werner mit dem Tor. Und ich denk noch so ‚lass jetzt kein Tor fallen, weil das vom Videoassistenten kassiert wird‘. Und zack Tor und ich so im Semi-Jubel-Modus nur mit Blick für den Schiedsrichter und ob sein Finger den Ohrhörer fest andrückt, um besser Ansagen aus Köln lauschen zu können. Was am Fernseher bei Spielen, bei denen man emotional wenig beteiligt ist, gut funktioniert, ist im Stadion als Beteiligter immer ein wenig schwierig, weil es die Spontaneität nimmt und man immer das mögliche Revidieren der Situation mitdenkt. Bin mir immer noch unschlüssig, ob ich mich daran gewöhnen kann (und das sage ich weiterhin als jemand, der den Videoassistenten rein rational gut und sinnig und meist auch vernünftig eingesetzt findet).

Randbemerkung 13: Schon im Vorfeld waren die Aussagen von Rangnick und Labbadia durchaus von viel gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Vielleicht führte das nach dem Spiel auch dazu, dass beide Trainer das Spiel des anderen jeweils besonderes überschwänglich lobten. Ralf Rangnick hatte von beiden Teams ein „Topspiel“ gesehen. Bruno Labbadia akzeptierte es, gegen eine so starke Mannschaft wie RB zu verlieren. Nun ja, für ein beidseitiges Topspiel wurden gute Angriffssituationen gerade in der zweiten Hälfte im vorderen Drittel nicht gut genug ausgespielt. Und klar war RB stark, aber an diesem Tag in einigen Situationen auch nicht unverwundbar.

Randbemerkung 14: Timo Werner mit sehr guter Partie. Sehr engagiert, sehr spritzig, was ihm im Dribbling sehr hilft. Die Formkurve geht weiter deutlich nach oben. In der Bundesliga steht Werner diese Saison nun bei 96 Torschüssen, aus denen 14 Tore resultierten (15% Erfolgsquote). Poulsen machte aus 55 Schüssen 15 Tore (27%). Augustin brauchte für drei Tore nur 13 Schüsse (23%). Cunha brauchte für zwei Tore 30 Schüsse (7%). In Eins-gegen-Eins-Situationen steht Werner bei 26 gewonnenen Dribblings in 78 Versuchen (33% Erfolgsquote). Poulsen steht bei 20 von 57 (35%), Augustin bei acht von 19 (42%) und Cunha bei 15 von 27 (56%!).

Randbemerkung 15: Aktueller Stand bei RB Leipzig in Sachen Standards nach 29 Bundesligaspielen: 111:82 Torabschlüsse nach ruhenden Bällen. Statistikoffiziell sind daraus 9:3 Tore gefallen (Elfmeter zählen statistisch nicht als Standard, direkte Freistöße schon). Defensiv ist RB neben den Bayern das beste Team der Liga, offensiv seit der Winterpause sehr gut. Die Effizienz passt, wenn man die Anzahl der Torabschlüsse mit der Anzahl der Tore vergleicht. Gegen Wolfsburg war die Ausführung der vielen Standards aber teilweise etwas mau.

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Lichtblicke:

  • Timo Werner: Wird langsam wieder der altbekannte Werner, der mit seiner Dynamik und Geschwindigkeit nicht zu stoppen ist. Viele gute Wege in die Tiefe. Auch gute Dribblings dabei. 40 Sprints sind ein sehr hoher Wert und waren auch im Spiel gegen den Ball wichtig. Der eine Pass in der ersten Hälfte von der Seitenlinie in die Tiefe hatte forsbergeske Ausmaße. Scheint körperlich wieder bei 100% zu sein und das ist für sein Spiel einfach essenziell. Hätte noch ein Tor mehr machen können oder noch ein Tor auflegen, aber das hat er sich vielleicht einfach für die nächste Woche aufgehoben. Oliver Mintzlaff ließ in der Pause des Spiels durchblicken, dass Werner seinen Vertrag in Leipzig nicht verlängern wird. Wenn er zum Abschied noch mal ein paar Wochen in Topform absolviert, wird man ihn hierzulande in jedem Fall in guter Erinnerung behalten.
  • Kevin Kampl: Alleiniger Sechser, der von dort das Team zusammenhielt und defensiv wie offensiv der Kopf des Teams war. Sehr gut als Vorbereiter und dazu noch der wichtige Treffer zum 1:0. Starke Partie.
  • Marcel Sabitzer: Wieder mal das Kampfschwein im RB-Mittelfeld. Keiner auf dem Platz lief mehr als er. Nur Werner hatte mehr Sprints. Bereitete das 2:0 mit perfekter Flanke vor. Fing viele Bälle ab. Trieb viele Angriffe voran. War überall zu finden. Manchmal fehlt so die allerletzte spielerische Klasse, aber für das Gesamtgefüge RB Leipzig ist Sabitzer extrem wichtig.

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Tore: 1:0 Kampl (16.), 2:0 Werner (28.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Mukiele, Konaté, Klostermann – Laimer, Kampl (89. Demme), Halstenberg – Sabitzer, Forsberg (90. +1 Smith Rowe) – Werner, Cunha (69. Haidara), Bank: Müller, Bruma, Ilsanker, Augustin; Nicht im Kader: Upamecano, Poulsen, Adams, Mvogo, Nukan (alle verletzt oder krank), Orban (gesperrt), Saracchi

Aufstellung VfL Wolfsburg: Pervan – Tisserand, Knoche, Brooks, Roussillon – Rexhbecaj (69. Klaus), Guilavogui, Arnold (86. Malli) – Steffen (46. Ginczek), Weghorst, Mehmedi

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Insgesamt keine Probleme mit der Partie. Pfiff recht kleinlich, was ein paar zweifelhafte Pfiffe zur Folge hatte, die in der Tendenz eher zugunsten von RB Leipzig ausfielen. Am Anfang mühte sich RB um eine gelbe Karte. Zu Sieberts Glück dann Guilavogui mit einer Grätsche, mit der man völlig ohne Diskussionen in das Zeigen von gelben Karten einsteigen konnte, nachdem das bei den RB-Spielern noch so Kann- und nicht Muss-Gelb gewesen war. Alle wichtigen Entscheidungen gingen aus Stadionsicht in Ordnung. Im fünften Anlauf die ersten RB-Tore bei einer Spielleitung von Siebert und entsprechend auch der erste Sieg. Ganz souverän empfand ich Siebert aufgrund seiner kleinlichen Spielleitung und den damit verbundenen Diskussionen nicht, aber es spielte bei zwei Mannschaften, die keine heftigen Foulspiele einstreuten, auch keine Rolle.)

Gelbe Karten: Laimer (6.) | Guilavogui

Zuschauer: 41.212 (davon 1.700 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, VfL-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 21 : 6
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 13 : 4
  • Schüsse auf das Tor: 10 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 50,0% : 50,0%
  • Ballbesitz: 52,5% : 47,5%
  • Passquote: 81,6% : 73,6%
  • Laufstrecke: 112,1 km : 115,0 km
  • Sprints: 261 : 257
  • Intensive Läufe: 671 : 737
  • Fouls: 19 : 12
  • Ecken: 9 : 3
  • Abseits: 5 : 4
  • Meiste Torschüsse: Werner: 6 – Ginczek: 2
  • Meiste Key-Pässe: Kampl: 4 – Roussillon: 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Konaté: 88,2% – Brooks: 66,7%
  • Meiste Ballkontakte: Halstenberg: 88 – Knoche: 83
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Kampl: 92,9% – Guilavogui: 87,5%
  • Größte Laufstrecke: Sabitzer: 11,7 km – Mehmedi: 11,5 km
  • Meiste Sprints: Werner: 40 – Tisserand: 36

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com, sport.de

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Saisontorschützen: Poulsen – 15; Werner – 14; Sabitzer, Orban – je 4; Augustin, Klostermann, Forsberg – je 3; Kampl, Cunha – je 2; Bruma, Laimer, Konaté, Halstenberg, Haidara – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 9; Halstenberg, Forsberg – je 7; Poulsen, Kampl – je 6; Sabitzer – 5; Demme – 3; Laimer, Klostermann, Adams – je 2; Orban, Bruma, Cunha, Konaté, Mukiele – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Sabitzer – 14; Halstenberg – 13; Kampl – 12; Orban – 9; Konaté – 8; Forsberg, Klostermann – je 7; Adams, Upamecano, Poulsen – je 6; Mukiele, Demme – je 5; Laimer, Gulacsi – je 4; Saracchi, Werner – je 3; Ilsanker, Bruma – je 2; Cunha, Haidara – je 1

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Bilder: Dirk Hofmeister

3 Gedanken zu „Bundesliga: RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg 2:0“

  1. Obwohl ich Sabitzer oft eher kritisch sehe war er auch für mich ein echter Lichtblick! Diesmal war nicht nur sein Einsatz beeindruckend sondern auch seine Abspiele wesentlich überlegter und präziser.
    Als weitere Lichtblicke hätte ich auch noch Mukiele und Klostermann gesehen. Vielleicht sollte RR auch mal Konaté eine (kurze) Pause gönnen, da er manchmal doch fahrig und vielleicht etwas überspielt wirkt. Eine Innenverteidigung Orban/Mukiele kann ich mir durchaus vorstellen.
    Und Halstenberg und Gulasci haben natürlich auch noch hervorragend gespielt…

    Erwähnenswert vielleicht noch das Handspiel im Wolfsburger Strafraum in der 1. Halbzeit. Ich persönlich finde, man sollte so ein Handspiel aus kürzester Entfernung nicht ahnden. Ein konsequenter Videobeweis hätte hier aber auf Elfmeter entscheiden müssen, denn die Hand lag nicht eng am Körper an und das Handspiel war eindeutiger als das von Orban vor einiger Zeit oder zuletzt von Weiser beim Leverkusen-Spiel. Ich persönlich finde, in allen 3 Fällen sollte es keinen Strafstoß geben, aber die ersten 2 zu geben und den 3. nicht macht erst recht keinen Sinn.

  2. Du hattest es ja einem erst mal Bange gemacht mit Siebert, aber er hat eine gute Spielleitung gehabt und richtiger Weise die erste gelbe schnell und konsequent gezeigt.

    Zu RB 12 habe ich ja schon auf Twitter geantwortet und CE es ja auch bestätigt.

    Was online gestern und auch heute völlig untergeht war die taktische Ausrichtung bzw Meisterleistung von Rangnick (du hast das natürlich richtig erkannt)
    Klostermann als linker IV und Halstenberg davor, dazu Konate als Libero und Mukiele in der IV und davor Wadenbeißer Laimer.
    Das war so genial und damit hat man den VfL vor eine Aufgabe gestellt und Labbadia hat zu spät reagiert, da stand es schon 2:0.

    Schaut man auf das 1:0, dann bereitet ein IV (Mukiele) das Tor vor und wenn man genau hinschaut, steht der 2. IV (Konate) auf Höhe Kampl!
    Da muss man sich auf Laufwege/Absicherung 100% verlassen.
    Ebenso bei einem Konter in der 2. Hz.
    Werner zieht davon und Konate geht Richtung Elfmeterpunkt.
    Wahnsinn.
    Das wird sich Julian N. schon sehr genau angesehen haben.

    RB 7
    Kein! Gegentor in der Rückrunde in der 2. Halbzeit kommt dazu.

    RB 10
    Bin ich auch etwas traurig, aber da ich letzten Sonntag und auch heute beim Training war nach den Spielen, konnte man gut sehen, das Diego Demme alle Ersatzspieler bei Laune hielt. Gut, das will er bestimmt auch nicht, aber diese Aufgabe ist auch nicht zu unterschätzen.

    Der Rest steht ja wie immer gut im Blog.
    Lichtblicke gehen ok, auch wenn ich da Mukiele gerne gesehen hätte.

    Die Idee von @PeterM mit einer Pause von Konate (Überspieltheit) und dafür Mukiele gefällt mir.

    PS :Weiß nicht, ob Du oder Deine RB-Live Kollegen mein Trainingsbericht auf Twitter gelesen haben.
    Sonst schau unter #RBLTraining
    u.a. mit Clips und Adams und Upa

  3. Die tolle Serie hielt auch am vergangenem Wochenende! Dabei erfüllte der im Mittelfeld abwechselnd auf den Positionen „Sechs“und „Fünf“ (die man allerdings komischerweise nie erwähnt!) auffällig rackernde Kampl, erneut die Wünsche seines Trainers, nämlich häufiger aus der Entfernung zu schießen, mit Bravour!

    Wie schon von mir früher an dieser Stelle vermutet, hat scheinbar der unter „Lichtblicke“ zuerst genannte Sausewind, Timo Werner, trotz der ihm großzügig gewährten übermäßig langen Zeit zum Nachdenken, bezüglich seiner Vertragsverlängerung, scheinbar daran kein größeres Interesse. Das ist deshalb besonders sehr schade, weil sich seine derzeitige Mannschaft vermutlich in der nächsten Saison auch in dem Lostopf befinden wird, wo Werner seine sportliche Zukunft sieht und das finanzielle „Zubrot“ so oder so auch bereits schon sicher wäre. Ob er allerdings dann dort auch die gleichen Einsatzzeiten bekommt, steht in den Sternen….. Aus Leipziger Sicht sollte allerdings zuvor die gewollte und wohl dann auch schon bezahlte hohen Ablösesumme für ihn bereits in Sack und Tüten sein, die allerdings die getätigten Transfermaßnahmen der Neuzugänge kaum ersetzen kann.

    Auch in nationaler Hinsicht wäre es bei diesem derzeitig gefühlten Zusammenhalt in der Leipziger Truppe eventuell sogar möglich gewesen, den heimlichen und auch machbaren Wunsch des fast 75- jährigen „Übervaters“ aus der Ferne und am See hinter den Bergen, sogar die Meisterschaft zu schenken!

    Die Variante, dass T. Werner allerdings seinen Vertrag lediglich erfüllen möchte, wäre auch interessant, doch kaum vorstellbar……..

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