Bundesliga: Borussia Dortmund vs. RB Leipzig 4:1

Erstes Spiel in der Bundesliga für RB Leipzig. Bereits das siebte Pflichtspiel der Saison. Man merkte RB Leipzig im Spiel bei Borussia Dortmund durchaus an, dass ihre Saison bereits ein paar Wochen lang läuft und man in einigen Sachen der Abstimmung innerhalb des Teams schon weiter ist als normalerweise zu diesem frühen Saisonzeitpunkt. Am Ende verlor man ein mindestens ausgeglichenes Spiel trotzdem mit 1:4.

RB Leipzig in Dortmund mit der zu erwartenden Komplettrotation.  Gleich acht Spieler kamen gegenüber dem Luhansk-Spiel neu in die Mannschaft und bildeten das, was man (bei aller Gleichwertigkeit zwischen den Spielern bis runter zur Nummer 18) als aktuelle 1A-Elf ansehen könnte. Wobei Werner natürlich das Potenzial hat in Bestform auch zu dieser Elf zu gehören. Dass es Upamecano auch in die Startelf schaffte, überraschte ein wenig angesichts seines Auftritts im Pokal in Köln, als er lange nicht fit wirkte. Insgesamt machte er seine Sache in Dortmund aber ordentlich. Mit seiner Schnelligkeit war er offenbar auch mit nicht 100%iger Fitness wertvoller als ein Orban, der nur auf der Bank saß. Mukiele bekam derweil nicht mal einen Platz im Kader.

Organisiert war RB Leipzig in einem 4-3-3, das ein bisschen auf den aktuellen Kader zugeschnitten scheint. Forsberg dabei in einer neuen Rolle als zentraler Spieler zwischen den Stürmern Poulsen und Augustin, der im Spiel gegen den Ball in vorderster Reihe mit anläuft und im Spiel mit dem Ball in tieferer Rolle Spielmacher ist. Das ist durchaus eine Rolle, die gut zu Forsberg passt. Vielleicht sogar besser passt als die linke Zehn im 4-2-2-2, die mehr und tiefere Defensivarbeit erfordert. Darf man gespannt sein, ob sich dies auch künftig als Forsberg-Position etabliert.

Borussia Dortmund auf der anderen Seite mit dem erwarteten 4-3-3. Überraschend mit Witsel auf der Sechs, nachdem Favre vor dem Spiel noch erklärt hatte, dass der Belgier noch keine 90 Minuten im Tank hat. Am Ende spielte er durch und deutete seine Wichtigkeit für den BVB an. Zusammen mit Dahoud und Delaney ist das ein sehr ordentliches zentrales Mittelfeld. Und da sitzt ein Götze dann sogar nur auf der Bank. Vorn hatte sich Favre für Pulisic, Philipp, Reus und entsprechend gegen Wolf entschieden. Aber das sind dann auch nur Unterschiede im Detail, ob du mit Philipp oder mit Wolf spielst.

Die Partie begann mit einem krassen Paukenschlag. Halbe Minute gespielt und es stand 1:0 für die RasenBallsportler. Kampl hatte einen Querschläger aus der BVB-Abwehr an den Strafraum der Dortmunder geköpft. Poulsen verlängerte mit der Hacke. Augustin ließ mal eben Diallo stehen und vollendete überlegt und locker zur 1:0-Führung.

Viel perfekter hätte das Spiel gar nicht beginnen können für eine Mannschaft, die sich in der neuen Saison noch mal stärker über das Spiel gegen den Ball definieren will als noch in der vergangenen Saison. Und so hatte man das Spiel in der kommenden halben Stunde auch meist komplett in der Hand. Mit gutem Anlaufen hielt man die Gastgeber gut vom eigenen Strafraum weg und holte sich immer wieder den Ball zurück gegen ein BVB-Team, das den Ballbesitz in dieser Saison wieder kultivieren will. Nur mit dem Durchspielen an den RB-Strafraum klappte es halt nicht so richtig.

Entsprechend kam der Ausgleich für die Gastgeber dann auch ein wenig aus dem Nichts, auch wenn der BVB zuvor schon ein, zwei gute Kombinationen am RB-Strafraum hatte. Nach 21 Minuten gab es dann mal in der Spielfeldzentrale ein bisschen zu viel Platz. Der BVB nutzt das Zusammenziehen der RB-Defensive zu einem Pass auf den Flügel, wo Schmelzer eine perfekte Flanke schlägt. Dahoud darf in der Mitte dann alleinstehend und mit artistischer Einlage per Kopf den Ausgleich erzielen.

Gut gespielt und trotzdem 1:4 verloren. Man sieht den RB-Akteuren den Frust deutlich an. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

RB lileß sich davon wenig schocken und zog das Spiel einfach weiter so durch wie zuvor. Augustin kurz nach dem Ausgleich mit der Riesenchance zur erneuten Führung, bei der er an Bürki scheitert. Forsberg etwas später mit guter Schussposition, aber etwas zu schwachem Abschluss.

Die letzten fünf Minuten vor der Pause stellen dann den Spielverlauf noch krasser auf den Kopf. Zwei Standardtreffer musste RB noch hinnehmen. Einen zweifelhaften Freistoß verlängerte Sabitzer gekonnt, aber unglücklich ins lange Eck. Kurz darauf durfte Delaney nach Ecke freistehend köpfen. Gulacsi mit einem großartigen Reflex. Allerdings landet der Ball dann bei Witsel, der ihn artistisch über die Linie drückt.

3:1 für die Gastgeber zur Pause. Eigentlich ein schlechter Witz angesichts einer Halbzeit, in der RB Leipzig lange das bessere und gefährlichere Team war. Man muss sich halt vorwerfen lassen, dass man bei Eingaben und Standards sehr schwach verteidigte und so das Spiel wegwarf. Zudem schenkte man ein paar Bälle nach Gewinn zu schnell wieder her und spielte die entsprechenden Situationen etwas zu ungenau aus.

1:3 in Dortmund zurückliegen, nachdem man in Sachen Spielanlage eigentlich sehr viel richtig gemacht hatte, das ist als Ausgangssituation natürlich denkbar ungünstig. Trotzdem versuchte es RB nach der Pause nochmal, den Rückstand zu verkürzen und das Spiel offen zu gestalten. Werner kam für Sabitzer (der wie schon mal von Rangnick angekündigt auf der Acht spielte) und machte die Formation noch offensiver. Eine Dreier-Sturmkette mit Werner, Poulsen und Augustin. Dahinter Forsberg auf der Zehn und dahinter ein offensiver Kampl auf der Sechs mit Demme als Absicherung. Viel offensiver kann man es von der Formation her nicht angehen, zumal auch die Außenverteidiger sich immer wieder ganz vorn in das Angriffsspiel einschalteten.

Dortmund zeigte in der zweiten Halbzeit das pragmatische Favre-Gesicht und verteidigte mit zehn Feldspielern und teilweise sehr tief in der eigenen Hälfte und lauerte auf den entscheidenden Konter. Zeitweise spielten alle zwanzig Feldspieler in der Hälfte des BVB. Was naturgemäß die Räume für die RasenBallsportler arg beschränkte. Entsprechend schwer war es, sich mal in den Strafraum der Hausherren hereinzuspielen. Aber insgesamt löste das RB Leipzig trotzdem gut. Immer wieder machte man das Spiel breit und bezog Saracchi und Klostermann auf den Außenbahnen mit ins Spiel ein.

Klostermann hatte auch nach 50 Minuten den Anschluss auf dem Fuß, als er eine lange Flanke perfekt volley nahm, aber am großartig reagierenden Bürki scheiterte. Vielleicht wäre noch was gegangen, wenn der Ball im Netz gelandet wäre oder eine der vielen, vielen Standardsituationen einen Treffer hervorgebracht hätten. Da das nicht passierte, wurde das Anspielen gegen die BVB-Abwehr mit der Zeit immer verzweifelter. Zumal auch immer die Gefahr eines entscheidenden Konterns bestand. Dahoud verpasste bei einer solchen Situation früh in der zweiten Halbzeit die Entscheidung.

Im weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit spielte eigentlich nur noch RB Leipzig. Über 60% Ballbesitz. Die Ballbesitzmannschaft BVB bei nur noch 70% Passquote nur noch im Kontermodus. Es war ein einseitiges Spiel, bei dem RB aber nur selten durchkam. Und wenn man mal zum Abschluss kam, dann war da Bürki, der sein Team an diesem Abend den Sieg sicherte.

In der Nachspielzeit dann noch der Treffer, der RB Leipzig auf den letzten Tabellenplatz rutschen ließ. Klassischer Konter, der dir in so einem Spiel, in dem du sehr offensiv spielst, immer passieren kann. Zumal gegen ein qualitativ so gut besetztes Team wie den BVB. Reus schloss den schönen Spielzug letztlich ab. Spielte zu dem Zeitpunkt keine ganz große Rolle mehr. Wird aber trotzdem interessant sein zu beobachten, wie konteranfällig RB Leipzig in dieser Saison so sein wird.

Fazit: Ein 2:2-Spiel, das die Dortmunder 4:1 für sich entschieden. RB Leipzig erlebte einen Abend mit einem guten Spiel, aber mit einem bitteren Endergebnis. Weil man wieder mal Standardgegentore kassierte, ohne selbst eins zu schießen. Weil Roman Bürki zwei, drei spektakuläre Paraden beisteuerte und so einen entscheidenden Anteil am Sieg hatte. Weil der BVB sehr effizient war. Und weil RB zu wenig aus einer sehr guten ersten halben Stunde machte und anschließend durch den Rückstand in eine mehr als ungünstige Spielkonstellation kam. In Dortmund einen Zweitore-Rückstand aufzuholen, dazu braucht es schon ganz spezielle Tage. Den erwischte RB Leipzig trotz eines eigentlich guten Spiels dann doch nicht.

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Randbemerkung 1: Auch im dritten Auftaktspiel in die Bundesliga wurde es für RB Leipzig nichts mit einem Sieg. Wie letzte Saison auf Schalke setzte es eine Niederlage. Im Vergleich mit dem letzten Auswärtsspiel in Dortmund in der Vorsaison stehen schon mal drei Punkte weniger.

Randbemerkung 2: Rund 3.000 RB-Fans waren letzte Saison in Dortmund. Diesmal waren es am Sonntagabend nur noch 2.000. Die 8.000 aus der ersten Saison mal eben auf 25% reduziert. Das erklärt sich zu vielen Teilen natürlich aus den Ausschreitungen vor dem ersten Aufeinandertreffen in Dortmund, die die Lust auf Auswärtsfahrten nach Dortmund bei großen Teilen der RB-Fans deutlich reduziert haben. Aber der alleinige Grund dürfte das auch nicht sein. Wird zuschauertechnisch eine interessante Saison, in der sich so ein bisschen die Frage stellt, ob sich RB in seinem Zuspruch auf hohem Niveau stabilisiert oder ob der erste Hype um den Klub durch ist und die Zahlen noch weiter zurückgehen als letzte Saison. Wird natürlich auch ein Stückweit an den Ergebnissen hängen..

Randbemerkung 3: Apropos Ergebnisse. Durch die Niederlage in Dortmund entsteht schon mal ein bisschen Druck für RB. Die nächsten beiden Heimspiele gegen Düsseldorf und Hannover werden nun noch mal umso bedeutsamer. Es gibt ja die nachvollziehbare Rasenfunk-These, dass ein guter Saisonstart die Dinge vereinfacht, weil man einfach nicht in die Situation kommt, auf Teufel komm raus selbst das Spiel machen und Punkte holen zu müssen. Entsprechend wäre es gut, wenn man vor allem das Spiel gegen Düsseldorf zieht, um nicht zu früh in eine spieltaktische Situation zu geraten, die den RasenBallsportlern vielleicht nicht allzu gut liegt.

Randbemerkung 4: Tabellenletzter. Dürfte RB Leipzig bisher in der Geschichte des Vereins noch nie gewesen sein. Yeah. Feld von hinten. Aufrollen und so. Oder so.

Randbemerkung 5: Standards bleiben ein Thema bei RB Leipzig. Gegen Dortmund war das mal wieder überschaubar. Zwei Treffer kassierte man nach Standards, während man offensiv nach ruhenden Bällen ungefährlich blieb und im Fall der Fälle eher in einen Konter lief, als selbst Gefahr zu erzeugen. Tja, viel gearbeitet in der Vorbereitung an diesem Thema. In der Liga bisher noch mit wenig Ertrag..

Randbemerkung 6: Interessant auch die Sache mit den Dribblings. Letzte Saison wurden Eins-gegen-Eins-Situationen ja extrem forciert und waren jenes Element, das den Ballbesitz zu einem produktiven machen sollte. Sprich, in Dribblings gehen und bei Ballverlusten dann durch gutes Positionsspiel sofort ins Gegenpressing gehen können. Im ersten Spiel in der Bundesliga unter Rangnick waren es leglich acht gewonnene Dribblings. Kein niedriger Wert, aber doch ein ganzes Stück unter dem Schnitt der letzten Saison. Bei wieder größerem Fokus auf Balleroberungen und Umkehrspiel wäre anzunehmen, dass auch die Zahl der Dribblings zurückgehen wird, aber natürlich muss man da noch die nächsten Wochen abwarten, um da etwas genauere Aussagen machen zu können.

Randbemerkung 7: Beste Szene des Spiels war jene, in der Timo Werner einen Bierbecher dem Dortmunder Publikum ‚zurückbrachte‘. Vorausgegangen war ein Becherwurf aus dem Publikum wegen einer Freistoßentscheidung von Aytekin, der neben Kampl landete. Während der Schiedsrichter noch das Publikum abscannte, um dem Übeltäter zu verstehen zu geben, dass er sowas nicht dulden wird, gab Werner den Pragmatiker und warf den Becher (mit sehr viel Vorsicht und eher im Sinne eines Zurückgebens) zurück ins Publikum. Was dann selbst Aytekin kurz aus der Fassung zu bringen schien. Ja, das hatte durchaus viel Situationskomik.

Randbemerkung 8: Die Südtribüne in Dortmund mit immerhin konsequentem Auftreten und entsprechend zwei peinlichen „RB verleiht Flügel. Auch Steinen.“- und „Frauen und Kinder zuerst“- Bannern. Man kann aus diesen Geschichten vom ersten RB-Spiel in Dortmund und den Angriffen auf RB-Fans damals mitnehmen, was man will, aber eine Fankultur, die sich über jeden Grindel- oder DFL-Furz zutiefst empören und deswegen beleidigt zurückziehen kann, aber der bei gewalttätigen Angriffen auf Gästefans nichts als Ironie/ Zynismus und ‚hat doch mit uns nichts zu tun‘ einfällt, ist sinnlos und kann auch genausogut weg.

Randbemerkung 9: Beginne deinen Tag mit einer guten Tat, sollte ja immer ein Lebensmotto sein. Entsprechend begann der Tag des BVB-Spiels eigentlich gut, da ich bei einem klassischen Anfänger-Fehler, die (vier Sitzplatz-!)Tickets zu Hause zu vergessen, quasi per personalisierter Zugexpresslieferung mit Übergabe am Stadion aushelfen konnte. Auf der anderen Seite begann der Tag mit der Sichtung von Dynamo-Fans am Leipziger Hauptbahnhof und brachte in der Folge eine klassische DB-Trollerei (Anschlusszug nicht zwei Minuten warten lassen, um dann 90 Minuten lang auf einen um eine halbe Stunde verspäteten Folgezug zu warten; aber als schlauer Reisender plant man das ein und hat einen entsprechenden Puffer bei der Anreise zu Auswärtsspielen), sodass die Bilanz in Sachen Spieltags-Omen eher ausgeglichen war..

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Lichtblicke:

  • Lukas Klostermann: Schien in der Vorbereitung an die Leistungen der letzten Saison anzuknüpfen. Zurückhaltend, nicht frei in seinem Spiel, offensiv in den entscheidenden Zonen immer zurückziehend. In Dortmund nun mit einer überraschend guten Partie. Stellungsspiel vor dem 1:1 kann ich nicht beurteilen. Meiner bescheidenen Sicht nach muss er da einrücken und den Flügel offen lassen, aber das ist auch pure Laiensicht. War defensiv sonst sehr sicher und hatte offensiv immer wieder gute Laufwege und war damit auch eine gute Anspielstation für die Mitspieler. War ein sehr reifer Auftritt, der Hoffnung macht, dass Klostermann doch wieder an das Potenzial anknüpft, das er vor zwei Jahren bei Olympia und drumherum auch bei RB andeutete.
  • Kevin Kampl: Neigte in der letzten Saison manchmal etwas sehr zum Querspielen. In Dortmund machte Kampl zuerst auf der Acht, später auf der Sechs eine sehr gute Partie und knüpfte damit an die Vorbereitungszeit an. Immer anspielbereit, immer auch eine dynamische, spielöffnende Lösung. Immer auch auf die Außenbahn ausweichend und dort die Seite überladend. Sehr gut Partie. Kampl ist angesichts des Keita-Abgangs und des fehlenden Ersatzes aktuell vielleicht der unersetzbarste Spieler im RB-Team..
  • Marcelo Saracchi: Wirbelte wieder die linke Außenbahn hoch und runter und machte viel Betrieb. Im Passspiel und in der Zweikampfführung ist er noch etwas ungeschliffen, aber das überspielt er mit seiner Dynamik und mit Engagement. War früh gelb-rot-gefährdet und agierte mit dieser Gefahr im Hinterkopf etwas cleverer und geschickter.

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Tore: 0:1 Augustin (1.), 1:1 Dahoud (21.), 2:1 Reus bzw. Sabitzer (ET) (40.), 3:1 Witsel (43.), 4:1 Reus (90. + 1)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Konaté, Upamecano, Saracchi – Sabitzer (46. Werner), Demme (85. Bruma), Kampl – Poulsen, Forsberg, Augustin (72. Cunha); Bank: Müller, Laimer, Ilsanker; Nicht im Kader: Halstenberg (verletzt), Mvogo, Mukiele, Bruno

Aufstellung Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Akanji, Diallo, Schmelzer (87. Guerreiro) – Dahoud, Witsel, Delaney – Pulisic (77. Sancho), Philipp (69. Wolf), Reus

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Bei Aytekin-Spielleitungen hat man immer so ein Wow-Gefühl. Die Souveränität, mit der er Partien über die Runden bringt, ist schon beeindruckend. Klar, da kann auch mal eine falsch bewertete Szene dabei sein (wie vor dem 2:1, dem offenbar eine Schwalbe vorausging (hab ich mir aber nicht noch mal angeschaut), aber die Art und Weise, wie Aytekin empathisch mit den Spielern, aber klar in seinen Entscheidungen ist, ist in der Bundesliga einzigartig. Die Karten an den richtigen Stellen gezeigt, ohne zu übertreiben. Immer wieder Spieler eingefangen, die dabei waren, ihr Zweikampfverhalten zu überdrehen. Das war insgesamt eine Top-Leistung in der Art und Weise, wie man ein Fußballspiel leiten sollte, ohne sich in den Mittelpunkt zu pfeifen und gleichzeitig ohne die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Hut ab.)

Gelbe Karten: Diallo, Dahoud | Upamecano (1.), Saracchi (1.)

Zuschauer: 80.000 (davon 2.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, BVB-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 10 : 12
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 8 : 8
  • Schüsse auf das Tor: 5 : 7
  • gewonnene Zweikämpfe:  43,1% : 56,9%
  • Ballbesitz: 46,1% : 53,9%
  • Passquote: 77,0% : 83,0%
  • Laufstrecke: 118,8 km : 115,1 km
  • Sprints: 232 : 249
  • Intensive Läufe: 718 : 701
  • Fouls: 9 : 11
  • Ecken: 7 : 9
  • Abseits: 4 : 4
  • Meiste Torschüsse: Dahoud: 4 – Forsberg: 3
  • Meiste Torschussvorlagen: Reus: 3 – Forsberg – 2
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Schmelzer: 61,5% – Konaté: 71,4%
  • Meiste Ballkontakte: Witsel: 68 – Kampl: 88
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Diallo: 94,7% – Gulacsi: 91,7%
  • Größte Laufstrecke: Dahoud: 12,9 km – Forsberg: 11,5 km
  • Meiste Sprints: Piszczek: 29 – Saracchi: 33

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com (die Bundesliga-Seite hat offenbar noch Probleme mit dem Saisonstart und weigert sich, Statistiken für die Partie auszuspucken)

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Saisontorschützen: Augustin

Saisonvorlagengeber: Poulsen

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Kampl

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

13 Gedanken zu „Bundesliga: Borussia Dortmund vs. RB Leipzig 4:1“

  1. Das erste Spiel von RB dass ich nicht Live verfolgt habe, der VAR sowie die Splitterung auf mehrere Anbieter haben mir inzwischen den Bundesligafußball komplett verleidet. Eine Sky Verlängerung ist fraglich, ein DAZN Abo, ich bin bereits Prime und Netflix Kunde, kommt für mich derzeit nicht in Frage. Die Zusatzkosten für den Eurosportplayer scheue ich ebenfalls. Nach etlichen Jahren hats der Fußball dann endlich geschafft und mich zur Strecke gebracht. Nach Formel 1, Basketball und Eishockey die nächste und letzte Sportart die mich erfolgreich vergrault hat.

    Die Nationalmannschaft werde ich wohl noch weiter verfolgen wobei auch da diese merkwürdige Qualiliga bereits abstoßend auf mich wirkt.

    Darum hier jetzt zum letzten Mal

    „Der VAR muss weg!“

    Bye

  2. Sehr schön, das kann ich tatsächlich alles unterschreiben. Die Lichtblicke sind auch meine Lichtblicke. Ich finde sowieso, dass Klostermann von vielen unter Wert gesehen wird. Saracchi hebt das AV-Niveau auf eine neue Stufe und Kampl wird diese Saison der Fixpunkt sein, wenn nicht noch etwas Außergewöhnliches auf dem Transfermarkt passiert.

    Auch bzgl. Aytekin genau die richtigen Worte. Selbstredend macht der auch mal Fehler, aber er hat eine klare Linie, eine natürliche Autorität und einen extrem souveränen Umgang mit den Spielern. Auch jemand, bei dem das „Bayern-Rudel“ nicht in seiner unnachahmlichen Art auftritt.

    In der Schiedsrichterdiskussion wäre uns sehr viel geholfen, wenn jeder Schiedsrichter sich an Aytekin im Hinblick auf die Spielleitung, sprich Linie und Art des Auftretens, etwas abgucken würde.

    Kurz zum VAR, da der gute Herr Grinch es anschnitt: Alexander Rosen hat zu 100 % recht. Wendet man ihn wie bei der WM an (d.h. recht einheitliche Linie, klare Kommunikation), dann ist er eine Bereicherung. Schiedsrichter aus allen Teilen der Welt, zum Teil ohne Profiliga daheim, haben es hinbekommen. Man sollte daher nicht fragen, ob der VAR richtig ist, sondern warum es Schiedsrichter aus Simbabwe und Saudi-Arabien hinbekommen, aber in Deutschland nur so wenige.

    1. Man muss bei Aytekin aber auch beachten, dass er früher sehr umstritten war und eher arrogant als souverän wirkte. Die Entwicklung zu einem Topschiedsrichter, auf den man sich jedes Mal freuen darf, kam auch erst mit Alter und Erfahrung. Klar können sich andere Schiedsrichter von ihm was abgucken, aber man muss gerade jungen Schiedsrichtern auch die Möglichkeit geben, sich entsprechend zu entwickeln und ihnen zugestehen, dass sie (noch) nicht so souverän auftreten können.

  3. Starkes Spiel von RB. Alle Spieldaten positiv. Hatte ich gar nicht erwartet nach den ideenlosen EL-Spielen.
    Spielentscheidend aus meiner Sicht der Freistosspfiff bei klarer Schwalbe von Pulisic. Wird gar nicht berührt, schreit und schmeisst sich hin. Sah in der einen Zeitlupe, die ich gesehen habe, definitiv so aus. Warum sagt da eigentlich der VAR nix? Ist doch richtig unsportlich, gelbwürdig und torgefährlich aus dieser Freistossposition!
    Die Schwalben ausserhalb des Strafraums werden häufiger werden, denke ich. Schon komisch, dass der VAR bei der WM so gelobt wird und in der BL gleich wieder so schwachsinnige Ergebnisse erbringt. Schade, dass sich der Grinch1969 verabschiedet hat.

    1. Der VAR darf bei Freistoßentscheidungen nicht eingreifen. Hatte ich in der Sommerpause in einem VAR-Artikel auch vorgeschlagen, die Kompetenzen generell auf Schwalben und Unsportlichkeiten wie Schauspielereien auszudehnen, sodass man auch dieses ‚wird am Arm getroffen und hält sich eine Minute lang den Kopf‘-Zeug wegkriegt.

    2. Wo es nach einem Foul dann genau weh tut, ist sicher auch von der augenblicklichen Belastung, dem Sturz usw. abhängig. Das kann der VAR auch mittels Zeitlupe schwer sagen. Schreien und fallenlassen, ohne berührt zu werden, ist aber schon unsportlich.
      Was mir nicht einleuchtet ist, dass afrikanische oder asiatische Schiris und deren VAR besser sein sollen als hiesige. Das macht doch gar keinen Sinn. Kann das vielleicht auch mit dem Spielstil in der Buli, höherer Schnelligkeit oder so zu tun haben? Oder muss man gar noch skeptischer sein in der Bewertung der VAR Geschichte und dann es frustriert dem Grinch gleich tun?

  4. Da sieht man ja leider wo es diese Saison wieder hingehen wird.

    Auch mir ist die Bundesliga ordentlich verhagelt – der aktuelle DFB macht an allen Fronten alles falsch. Alles seitdem ein gewisser CDU Politiker an der Macht ist. Ob das jetzt direkt damit zu tun hat kann jeder selbst entscheiden, aber es ist alles den Bach runtergegangen in den letzten Jahren. So wie der VAR jetzt ist, muss er weg, definitiv.

  5. Randbemerkung 3 ist mir nicht ganz klar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich andere Teams an der Tabellensituation von RB orientieren. Mit Ausnahme der CL-Anwärter wird jede Mannschaft gegen RB auf Konter spielen bzw. RB das Spiel überlassen.

    1. Klar, nicht zwingend. Aber ein schlechter Saisonstart erhöht den Ergebnis-Druck und führt eher dazu, dass man ein Spiel aktiver angeht oder angehen muss, um Punkte einzusammeln. So zumindest die These. Zumindest für RB würde ich das nicht für so abwegig halten. Augsburg letzte Saison wäre auch ein Beispiel, die durch einen guten Start ihrem auf Defensive und Umschalten ausgelegtem Spiel treu bleiben konnten und nicht in krassem Druck standen, Spiele zwingend gewinnen zu müssen.

  6. Auch ich gehe voll konform mit den Lichtblicken! Klostermann mit dem besten Spiel, das ich je von ihm gesehen habe obwohl er mich in der Vorbereitung enttäuschte. Als Saracchi um die gelbe Karte bettelte dachte ich: „Oh nein, nicht schon wieder wie bei Keita.“ Aber der Trainer hat ihn drin gelassen und er hat fair gespielt und trotzdem seine Zweikämpfe gewonnen, beeindruckend für so einen jungen Spieler. An dem werden wir noch viel Freude haben, wenn auch leider nicht nächsten Donnerstag (Wer da im Prinzip Zeit hat und nicht hingeht ist selbst schuld. Wo bekommt man so viel Live-Unterhaltung schon für 10 Euro geboten?).
    Zu erwähnen ist noch, dass das Spiel eben ohne Videobeweis auskam, wie eben oft bei Herrn Aytekin, soweit ich mich erinnere.
    Und noch zu den Standards: Zwar hat Ralf Rangnick angekündigt, mehr Standards trainieren zu wollen aber wann hätte er das denn in Ruhe tun sollen mit den vielen Pflichtspielen in der Vorbereitung? Da ist dann eben ein Team wie Dortmund im Vorteil, das nicht mal Super-Cup spielen durfte.

  7. Kurz zum Thema VAR:
    Schaut Euch das an:

    https://twitter.com/CollinasErben/status/1031467268880957440

    Mit Axel Feuerherdt (Collinas Erben) und Buli-Schiri Ittrich.
    Da wird alles erklärt.
    Das Beste, was ich je über das Thema gesehen habe.
    (Vielleicht ändert Grinch seine Meinung)

    Was soll man bei einer wie gewohnt guten Analyse noch schreiben?

    Ich finde es erstaunlich, das das Spiel quer Beet im Internetz durchweg positiv bewertet wurde, immer mit den Hinweisen auf die Statistik.
    Da Bürki heute überall in der Topf-11 auftaucht, wissen wir auch warum wir u.a. keine Punkte geholt haben.

    Lichtblicke und Aytekin 100%ige Übereinstimmung

    Nebenbei, das mit den täglichen Presseupdates hast Du ja erklärt und ist nachvollziehbar. Aber wäre es denn nicht eine Idee, wenn Du hier im Analyseblog, die Artikel von RB-live über Stimmen, Nebenschauplätzen rund um das Spiel etc. hier einfach verlinkst? Da schlägst Du doch mMn 2 Fliegen mit einer Klappe.

    1. Ich kenne das Video bereits und bin da eher weniger begeistert da mir da nur erklärt wird warum wir viele gute Dinge der WM angeblich bei uns nicht umsetzen können?! Dazu kommt dass die Sendung noch vor BuLi start aufgezeichnet wurde und die Schulung der VAR und AVA erst noch anstand. Der Einwand dass die WM emotional eher unter ferner liefen war und die Kapazitäten der FIFA ganz andere sind darf man zumindest anzweifeln.

      Es ist inzwischen auch egal, der Fußball verliert durch den Hokuspokus, der teilweise auch völlig willkürlich eingesetzt wird, ganz einfach soviel an Transparenz dass es schlußendlich nur noch zu schlechtem Theater mit fürchterlichen Laiendarstellern verkommt. Wer auf dem Niveau wirklich gute Sachen sehen will den verweise ich an Schlefaz mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten, dazu brauchts kein Fußballspiel.

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