Spieler der Rückrunde: Diego Demme

War schon mal einfacher, den Spieler einer Hin- und Rückrunde bei RB Leipzig zu bestimmen. Dreimal war es bisher hier im Blog Dominik Kaiser, zweimal Marcel Sabitzer und je einmal Timo Röttger, Daniel Frahn, Fabian Franke, Bastian Schulz, Tim Sebastian, Diego Demme, Emil Forsberg und Timo Werner. Eine bunte Mischung aus defensiven und offensiven Spielern.

Nach dieser Rückrunde darf man ein bisschen ratlos sein. Durch das Grundkriterium (mindestens die Hälfte der Zeit gespielt) fallen schon mal Spieler wie Halstenberg, Forsberg (!), Poulsen oder Lookman raus.

Bernardo knackte die Zeitmarke knapp, spielte aber vor allem eine ergänzende Rolle im Kader. Bruma war zu ineffizient, Augustin nur phasenweise genial. Sabitzer spielte eine prima Hin- und eine leistungstechnisch spiegelverkehrte Rückrunde. Willi Orban war in vielen Phasen der Unordnung auch unauffällig. Lukas Klostermann ist immer noch in einem Modus, in dem er mit seinem Körper die letzten zwei Prozent Risiko zu scheuen scheint. Timo Werner hat in der Rückrunde wenig getroffen und viel gehadert.

Peter Gulacsi mag eine gute Saison gespielt haben, aber für Spieler der Rückrunde war sein Spiel dann doch zu sehr auf Fehlervermeidung ausgerichtet. Das gilt für Kevin Kampl in etwas ähnlicher Form, auch wenn es sicherlich bemerkenswert war, wie wenig man das Gefühl hatte, dass Kampl tatsächlich neu im Team ist. Dayot Upamecano spielte über weite Teile der Saison gut bis sehr gut, hatte gerade in der Rückrunde aber auch einen Durchhänger, bei dem er etwas kraftlos wirkte. Konrad Laimer machte seine Sache als Rechtsverteidiger gemessen an dem, was man erwarten durfte, mehr als gut, war aber aufgrund einer Verletzung nur Teilzeitkraft.

Bleiben mit Naby Keita und Diego Demme schon nur noch zwei übrig. Wobei halt bei Keita bei aller Klasse der Fakt bleibt, dass er in Relation zu seinem Potenzial nur eine durchschnittliche Runde spielte. Damit sieht er immer noch gut aus, ist aber weniger als man von ihm erwartet. Keita als Opfer der Erwartunghaltung also.

Bleibt nach Ausschlussverfahren ja dann nur noch Diego Demme übrig. Der kleinste (nein, kein Witz über die Körpergröße) gemeinsame Nenner im Team, auf den man sich immer irgendwie einigen kann. Weil es wohl kaum einen konstanteren Spieler als Demme gibt. Man kriegt keine genialen Auftritte, in denen Demme drei Tore vorbereitet und einen Ball in den Winkel haut (höchstens einen Zahn^^), aber man kriegt auch keine Partien, in denen Demme das Spiel mehr oder weniger selbst verliert oder dem Geschehen hinterherläuft.

Das klingt erstmal nach Durchschnitt, ist es aber nur in Bezug auf das Spektakelpotenzial von Demmes Spiel. Denn seine Stabilität und Konstanz machen ihn auf so einer zentralen Position wie der Sechs zu einem extrem wichtigen Puzzlestein. Ganz vorn dabei zu nennen der Laufaufwand, den Diegoe Demme betreibt. Wieder mal war er der Spieler mit den meisten Kilometern. Über 12 km waren es pro 90 Minuten in der Bundesliga, deutlich mehr als bei jedem anderen RB-Spieler.

Damit verbunden ist dann schon mal ein großer Raum, den Diego Demme mit seinem Spiel bearbeitet. Das ist auch nötig, weil Demmes Aufgaben so vielseitig sind. Einerseits spielt er häufig den Ballverteiler aus einer Position zwischen den Innenverteidigern heraus, hat also eine sehr tiefe Rolle. Andererseits spielt er eine ähnliche Rolle auf der anderen Seite des Spielfelds, wo er quasi so etwas wie den Libero hinter den Offensivakteuren gibt und entsprechend permanent darum bemüht ist, in Ballnähe als Anspielstation und erster Gegenpresser präsent zu sein.

Entsprechend dieser Rolle ist Demme naturgemäß der RB-Spieler mit den meisten Ballkontakten und gleichzeitig einer mit einer hohen Anzahl an zu führenden Zweikämpfen. 22 sind es pro 90 Minuten. Das sind deutlich weniger als bei Keita, aber eben noch mal deutlich mehr als bei Kampl, an dem das Spiel diesbezüglich manchmal ein wenig vorbeizulaufen scheint. Von diesen Zweikämpfen gewinnt er mehr als 52%, was für seine Position ein sehr guter Wert ist.

Ein Wert, der sich allerdings eben auch daraus begründet, dass Diego Demme in seinem Spiel kaum mal unüberschaubare Risiken eingeht. Nur ein Dribbling pro 90 Minuten in der Rückrunde. Wenn man beispielsweise nicht viel Risko in seinen Offensivzweikämpfen nimmt, dann verliert man natürlich auch nicht so viele.

Fakt ist, dass Diego Demme in seinem Spielverhalten recht schlau und fast immer mit Übersicht agiert. Das zeigt sich auch darin, dass er fast doppelt so viele Fouls einsteckte wie er selber begangen hat. Nur eine gelbe Karte hat Demme seit dem Winter kassiert. Im Vergleich zur Anzahl der Fouls und deren oft auch ein Stück taktischer Note nur wenige gelbe Karten zu kassieren, das hat Diego Demme schon seit eh und je drauf.

Ein Torschütze wird Diego Demme in seiner Fußballerkarriere wohl nicht mehr. Dafür bleibt er bei der Entstehung von Toren wichtig. Gar nicht so sehr als direkter Vorlagengeber, auch wenn er auch dort in dieser Saison in der Bundesliga vier Vorlagen beisteuern konnte. Mit sieben vorletzten Pässen ist Diego Demme der Spieler bei RB Leipzig, der in der Vorvorbereitung von Toren am aktivsten ist. An insgesamt 18 Toren war er durch Beteiligung am Angriff, der zum Tor führte oder durch eine direkte Vorbereitung beteiligt. Nur vier RB-Spieler waren an mehr Toren beteiligt.

Insgesamt sind es aber bei Demme wie immer nicht die spektakulären Zahlen vor dem gegnerischen Tor oder die Tempodribblings eines Keita, die ihn zum wertvollen Spieler und zum wertvollsten Spieler der Rückrunde machen. Vielmehr ist es das Komplettpaket Demme aus Wadenbeißer und nüchternem Spielgestalter und Verbindungsglied zwischen Offensive und Defensive, das in seiner Gesamtheit so wichtig ist. Damit geht man auch mal schnell unter, wenn die Mitspieler neben einem anfangen zu zaubern und die Gesamtpaketsspieler naturgemäß überstrahlen. Damit kann man auch mal ganz schlecht aussehen, wenn die kreativen Spieler neben einem nicht kreativ spielen und man selbst plötzlich anfang muss, den Ball an den gegnerischen Strafraum zu tragen. Aber in einer halbwegs funktionierenden Mannschaft ist Demme der Akteur, der die Einzelteile miteinander verbinden und ihnen Rahmen und Halt geben kann.

Auch in einer phasenweise schweren Rückrunde war Diege Demme ein sehr konstanter und stabiler Akteur. Und damit so etwas wie der Spieler der Rückrunde. Klar ist Demme nicht derjenige, der drei Spieler umdribbelt, wenn es mal nicht läuft. Aber das würde auch komplett der Art des Mittelfeldmannes widersprechen. Und genau wegen dieser unaufgeregt-nüchternen, aber überall auf dem Spielfeld präsententen Art findet Demme immer wieder zu seinem Stammplatz und war er in den letzten Monaten der wichtigste und beste RB-Spieler.

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Wer will, kann hier seinen Spieler der Rückunde ankreuzen. Maximal drei Kreuze (falls man sich nicht entscheiden kann). Es stehen nur Spieler zur Wahl, die mindestens 50% der gesamten Einsatzzeit in allen drei Wettbewerben mitgemacht haben.

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Bisher so:

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Diego Demme. | GEPA Pictures - Thomas Bachun
GEPA Pictures – Thomas Bachun

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3 Gedanken zu „Spieler der Rückrunde: Diego Demme“

  1. Ja, gute Wahl.
    Bin gespannt, wen man Demme nächste Saison vor die Füße stellt und man wieder denkt: „Na, da wird DD nun weniger Spielzeit bekommen!“
    Und zack, ist er trotzdem gesetzt.

    Nur, was ist mit Konny Laimer?
    (Ich kann in ja nicht mal auswählen unten?!)
    Für mich ist er der Spieler der Rückrunde.
    Er wurde in das kalte RV Wasser geworfen und hat dies mit mehr als Bravur bestanden.

    1. Huch, der Laimer. Der muss mir durch die Lappen gegangen sein. Ich hatte mich irgendwann mal verheddert, weil ich das Kriterium der Einsatzzeit (mindestens 50%) zuerst für die ganze Saison gerechnet hatte und das erst später merkte und dann noch mal die Liste veränderte. Da muss mir der Konrad Laimer durch die Lappen gerutscht sein. Ich habe ihn mal nachträglich reingeschmissen..

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