Bundesliga: Hertha BSC vs. RB Leipzig 2:6

Letzter Spieltag der Saison. Für RB Leipzig ging es beim Gastspiel bei Hertha BSC noch mal um alles. Für die Gastgeber ging es um nichts mehr. Das 6:2 für RB spiegelte dieses Verhältnis zwischen den beiden Teams gut wieder. Es war auch das Ergebnis einer effizienten Vorstellung von RB.

Ralph Hasenhüttl wechselte sein Team auf zwei Positionen. Konrad Laimer und Naby Keita kamen nach Verletzung bzw. Sperre zurück in die Mannschaft. Bernardo und Dominik Kaiser rückten dafür auf die Bank, wo sie auch Kapitän Willi Orban Gesellschaft leisteten, der nach Sperre keinen Einsatz mehr bekam. Organisiert war man in einem 4-2-2-2.

Hertha auf der anderen Seite wechselte auch zweimal. Der verletzte Valentino Lazaro fehlte komplett. Per Skjelbred saß nur auf der Bank. Vedad Ibisevic und der zuletzt in Ungnade gefallene Jordan Torunarigha kamen dafür in die Partie. Auch hier war man in einem 4-2-2-2 organisiert, nachdem sich Pal Dardai für das letzte Saisonspiel für eine Doppelspitze entschieden hatte.

Pal Dardai hatte vor dem Spiel ob seiner offensiven Aufstellung gewitztelt, dass das ganze ja auch auf ein 3:3 hinauslaufen könnte. Dass binnen der ersten sieben Minuten gleich drei Treffer fallen würden, hätte der Ungar aber wohl auch nicht vermutet.

Dayot Upamecano eröffnete den Torreigen schon in der zweiten Minute per überragendem Kopfball aus zwölf Metern nach Kampl-Ecke. Ob Leckie in der Situation der richtige Spieler in der Zuordnung bei Standard war, darf man leise anzweifeln. Zwei Minuten später war der Vorsprung aber schon wieder dahin, weil Ibisevic knapp über der Grasnarbe einen Eckball von Plattenhardt per Kopf über die Linie drückte. Upamecano hatte im Vorlauf einen Rückpass auf Gulacsi gespielt, in den Ibisevic spritzte. Kampl hatte die Situation in höchster Not zu einem Eckball geklärt.

Drei Minuten später dann schon wieder die Führung von RB Leipzig. Diesmal aus dem Spiel heraus. Demme sichert in der Mitte den Ball. Augustin, Keita und Werner spielen für die Gastgeber zu schnell und bringen Lookman in eine Eins-gegen-Eins-Situation gegen Pekarik. Schneller erster Schritt von links in die Mitte, Schuss aufs kurze Eck. Und 2:1. Ein Treffer, bei dem Jarstein schlecht aussieht, weil der Ball in der Ecke einschlägt, die als einziges nicht von Hertha-Abwehrspielern abgesichert ist.

Reichlich 20 Minuten sind gespielt, als das Spiel schon fast vorentschieden ist. Wieder geht es für Hertha im Mittelfeld zu schnell, weil Lookman mit einer schnellen Drehung das Spiel vor sich hat und den Raum nutzt, um Augustin einzusetzen. Der Franzose zieht an Torunarigha vorbei aus 18 Metern ab. Und wieder sieht Jarstein nicht gut aus, weil ihm der nicht sonderlich gefährliche Ball durch die Hände rutscht.

Gefährlich wird es vor der Pause noch mal (natürlich) nach einem Standard. Ibisevic trifft dabei nur den Pfosten. Torunarigha schafft es im Anschluss den Ball aus Nahdistand über das Tor zu jagen.

Jubel, Trubel, Heiterkeit. Wird für RB Leipzig bei Spielen bei Hertha BSC ja schon zur Tradition. | GEPA Pictures - Roger Petzsche

Es war eine seltsam offene erste Halbzeit, in der RB Leipzig das deutlich bessere Team war, weil man im Mittelfeld immer wieder schnelle Aktionen hatte und immer wieder auch mit Geschwindigkeit von außen in den Strafraum zog, ohne dass daraus weitere Treffer entstanden. Gegen den Ball arbeitete man aufmerksam und stellte die Gastgeber gut zu, sodass ihnen oft nur der Ball hintenrum blieb. Die Spieleröffnung von dort gelang nur selten, sodass sich vor Gulacsi aus dem Spiel heraus nicht allzu viel abspielte.

Dass RB Leipzig 3:1 führte lag aber vor allem auch daran, dass Jarstein einen schlechten Tag erwischte und bei eineinhalb Treffern entscheidend beteiligt war. Glück hatten die Gäste, dass sie nur ein Standardgegentor kassierten. Zwei wären in jedem Fall dringewesen. Wäre das Matchglück auf Seiten der Gastgeber gewesen, dann hätte auch eine 2:1-Führung für Hertha dringelgen. Selbst wenn RB das bessere Team war.

Nach der Pause dauerte es nicht lange, bis auch die letzten Zweifel am Auswärtssieg von RB Leipzig beseitigt wurden. Timo Werner erkämpft sich nach 48 Minuten tief in der eigenen Hälfte mit hohem, aber ungeahndeten Foulanteil den Ball. Wieder läuft der Ball über Lookman und Augustin in die gegenerische Hälfte, wo der Franzose dann Werner in der Tiefe bedient. Werner im Tänzchen mit Darida ganz locker und dem Ball in die lange Ecke.

Die endgültige Entscheidung dann nur ein paar Minuten später. Wieder sehr schön herausgespielt. Vom ballsichernden Lookman in der Mitte über Demme zu Klostermann, der das Spiel schnell macht. Doppelpass Augustin mit Lookman. Und dann der Franzose aus der halblinken Position vom Werner-4:1 mit dem perfekten Abschluss ins lange Eck. In Entstehung und Abschluss vielleicht das schönste Tor des Tages.

Nach einer knappen Stunde war die Partie durch und ging es nur noch darum, das Spiel über die 90 Minuten zu bringen. Leckie rüttelte mit einem Lattenkracher aus 18 Metern noch mal alle wach. Kalou holte den Treffer auf Plattenhardt-Flanke keine Minute später nach. Eine dieser Flanken, die durch den Torraum segeln, ohne dass Gulacsi Anstalten macht rauszukommen. Allerdings ist es eine sehr scharfe und sich vom Tor wegdrehende Flanke, von daher ist es auch nicht komplett zwangsläufig ein Torwartball.

Machte aber alles sowieso nichts mehr. Werner hat nach 72 Minuten auf Augustin-Vorarbeit noch mal eine sehr gute Abschlussgelegenheit, bei der er zu ungenau bleibt. Bruma macht es zehn Minuten später besser, als er eine abgewehrte Kampl-Ecke aufnimmt. Schneller erster Schritt nach innen. Abschluss von der Strafraumkante aus (natürlich) halblinker Position. Und wieder schlägt es im langen Eck ein. Unhaltbar für Jarstein. Ein typisches Bruma-Tor. Wenn man ihn von dort schießen lässt, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines Treffers recht hoch.

Der Rest ist dann Feiern und Warten auf den Schlusspiff, der relativ pünktlich kommt. Ein Spiel, in das RB Leipzig im Spiel gegen den Ball mehr investierte und insgesamt das deutlich bessere und dank Lookman, Augustin und Werner das deutlich zielstrebigere Team war. Es war ein Spiel, in dem RB viel richtig machte und ein bisschen vom Fußball des letzten Jahres spielte. Es war aber auch ein Spiel, das aufgrund der klaren Torverteilung zwischenzeitlich dann doch unerwartet ein bisschen zu einem Sommerkick mutierte. Die Gastgeber steckten zwar auch nie komplett auf, aber die letzte Bereitschaft, an diesem für sie unwichtigen Spieltag noch mal die allerletzten Reserven zu mobilisieren, gab es auch nicht.

Fazit: Ein völlig verdienter Sieg, weil RB Leipzig zielstrebiger, schneller und effizienter als Hertha spielte. Dass die Partie schon früh deutlich zugunsten der Gäste abbog, lag aber auch daran, dass Keeper Rune Jarstein bei zwei Treffern mithalf und auf der anderen Seite einmal der Pfosten rettete. Trotzdem passte der Mix aus spielerischer Dominanz und Bereitschaft zum Spiel gegen den Ball bei RB an diesem Tag sehr gut. Von daher war es vor allem ein Sieg, den man sich in diesem wichtigen Spiel um einen Europapokal-Platz selber erarbeitete und nicht einer, den man primär durch Fehler des Gegners geschenkt bekam.

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Randbemerkung 1: Im Vergleich zur Vorsaison RB Leipzig nach 34 Spielen mit 14 Punkten weniger. Macht dann am Ende der Saison Platz 6. Das ist insgesamt als Saisonergebnis mindestens gut in der ersten Spielzeit mit Doppelbelastung. Es bleibt aber auch das leichte Bauchgrummeln, weil RB Leipzig mit den Spielen gegen Mainz, Köln, den HSV und in Freiburg die Chancen auf Platz 4 oder 3 kaputt gemacht hat. Vier Spiele gegen Abstiegskandidaten oder Absteiger, in denen man führte, die man aber nicht gewinnen konnte und sogar zweimal noch verlor. Sechs statt der geholten zwei Punkte in diesen Spielen und diese Saison wäre perfekt gelaufen.

Randbemerkung 2: Ein bissschen seltsam fühlte sich dieses letzte Spiel in Berlin an. Zwischen Platz 4 und 9 war theoretisch alles möglich und verschiedene Szenarien für den Spieltagsverlauf denkbar (wer träumt da nicht vom Torwarttor in der 91., das die Europapokalteilnahme sicher?). Am Ende wurde es extrem unspektakulär, weil Platz 6 nie in Gefahr war und Platz 4 nie im Bereich des Möglichen lag. Selbst Richtung Platz 5 keimte nur kurz beim Dortmunder Ausgleich in Hoffenheim Hoffnung auf. Das große Mitfiebern brach beim Spiel in Berlin nie aus, weil es die Spieltagslogik nicht hergab. Ganz schlimm war es aber auch nicht, dass der Spieltag so erstaunlich entspannt zu Ende ging.

Randbemerkung 3: Seltsam fühlt sich vor allem auch an, dass die Saison zu Ende ist und man immer noch nicht weiß, was Platz 6 bedeutet. Nun muss man auf das Pokalfinale zwischen Bayern und Frankfurt warten. Gewinnt Bayern, zieht RB direkt in die Gruppenphase der Europa League ein. Gewinnt Frankfurt, dann muss RB ab Ende Juli in die Quali-Runden und würde (Erfolg vorausgesetzt) bereits bis Ende August sechs Donnerstage am Stück Europa League spielen und bis zur Winterpause mit Gruppenphase dann zwölf zusätzliche Pflichtspiele in Europa bestritten haben. Das kann als Zusatzbelastung eigentlich nach den Erfahrungen der aktuellen Spielzeit niemand wollen. Also heißt es: Daumendrücken für die Bayern im Pokalfinale. Puh, auch nicht schön..

Randbemerkung 4: Letztes Spiel. Auch immer das Ende einer gemeinsamen Reise. Das Gefühl, dass da gerade was zu Ende geht, kam über mich, als die Mannschaft sich vor dem Block bedanken kam. Und man denkt automatisch zurück an das erste Spiel in Aalen gegen Dorfmerkingen. Eine lange, sehr wechselhafte Saison, die einem irgendwie dann doch ans Herz gewachsen war, auch wenn es zuletzt diese Tage wie in Mainz gab, an denen man gar nicht so weit laufen konnte, wie es gebraucht hätte, um von seinem Missmut runterzukommen. Vielleicht liegt das am Alter, dass ich mit dem letzten Pfiff der Saison dann doch irgendwie sentimental werde. Befürchte in Sachen Tränendrüse für das heutige Kaiser-Abschiedsspiel schlimmes angesichts dieser emotionalen Voraussetzungen..

Randbemerkung 5: Offiziell rund 9.000 RB-Fans mit in Berlin. Im Vergleich zur Vorsaison waren das noch mal 1.000 mehr. Insgesamt waren es damit in dieser Saison rund 6.200 Fans weniger bei 17 Auswärtsspielen als im Vorjahr. Was im Kern an den 5.000 Fans, die diese Saison in Dortmund und den knapp 2.000, die am Montagabend in Frankfurt fehlten, liegt. Die Zahl der Auswärtsfahrer hat sich konsolidiert. Mit den herausstechenden Spitzen in Berlin und München. Irgendwas zwischen 1.000 und 2.000 bleibt halt derweil die normale Reisegruppe, wenn es zu einem erträglichen Spieltermin beispielsweise auf die weite Reise nach Mönchengladbach geht.

Randbemerkung 6: Hertha mit weniger als 100 km Laufleistung laut Tracking. RB brachte es auch nur auf etwas über 100 km. Bundesligaschnitt sind über die Saison gesehen irgendwas um die 116 km. Am Ende war es dann doch ein wenig Sommerfußball zwischen Hertha und RB, weil das Spiel früh entschieden war und sich keiner mehr so richtig weh tun wollte. Nur Darida und Demme, die Dauerläufer in beiden Teams hatten noch nicht genug und spulten ihre üblichen knapp 12 km ab. Kein anderer Spieler auf dem Feld knackte auch nur die 10-km-Marke. Vermutlich sind Darida und Demme im Anschluss an das Spiel noch zusätzlich nach Hause gejoggt, um sich richtig auszupowern.^^

Randbemerkung 7: Sechs Tore von RB Leipzig in einem Spiel. Gab es auswärts in einem Ligaspiel noch nie in neun Jahren Vereinsgeschichte. Fünf Tore gab es immer mal wieder. Nur zweimal schoss man aber überhaupt mindestens sechs Tore. Einst beim 8:2 gegen Wilhemshaven Anfang 2012 in der Regionalliga noch unter Pacult mit dem großen Roman Wallner. Und dann 2010 noch in der Oberliga unter Tino Vogel beim 7:1 gegen Pößneck. Lang, lang ist es her. Und nun steht Hertha in einer Reihe mit Wilhelmshaven und Pößneck. Ist doch auch hübsch. Könnte man bestimmt eine gute Plakatkampagne in Leipzig draus machen.

Randbemerkung 8: Ja, Davie Selkes Torjubel in Leipzig Richtung Publikum war nicht sonderlich schlau. Ja, meinetwegen kann man deswegen sauer sein und auch mal pfeifen und Selke es wissen lassen, dass es nicht schlau war. Warum man sich fünf Monate später daran immer noch abarbeitet, zumal sich Selke inzwischen doch einigermaßen versönlich geäußert hat und zumindest seine Freude über einen Verein, bei dem er spielen und Tore schießen darf, verständlich ist, erschließt sich mir nicht. Da könnte man eigentlich auch mal den Deckel drauf machen. Können viele RB-Anhänger offenbar nicht. Selke ging die Reaktion des RB-Anhangs sichtlich auf den Sack, wie man seiner Reaktion bei seiner Auswechslung entnehmen konnte. Heute sollte er ja beim Kaiser-Abschiedsspiel auflaufen. Könnte mir eine spontane Absage Selkes vorstellen. Falls nicht, dann bleibt zu hoffen, dass das Publikum wenigstens heute ein bisschen Fingerspitzengefühl beweist. Müssen ja zum Empfang nicht gleicht Jubelstürme sein..

Randbemerkung 9: Tore hat Davie Selke diesmal gegen RB nicht geschossen. Dafür durfte Vedad Ibisevic das 1:1 erzielen. Leipzig war bis gestern der letzte der 18 Bundesligisten, gegen den er noch nicht getroffen hatte. Auch keine schlechte Bilanz.

Randbemerkung 10: Kommt auch nicht oft vor, dass RB- und gegnerische Fans gemeinsam singen. Der HSV machte es möglich, dass man sich in Heim- und Gästekurve gleichermaßen deren Abstiegs erfreute. Dass dann nach dem Schlusspfiff auf RB-Seite auch noch die Hertha-Hymne lauthals mitgesungen wurde, rundete die feindliche Übernahme der Hertha-Gesänge durch den RB-Anhang ab.

Randbemerkung 11: Ähnliche Gefühle wie der HSV rief bei den Hertha-Anhängern nur Timo Werner hervor, dessen Herkunft mütterlicherseits bis in die Weiten der verschiedensten Berliner Bahnhöfe lauthals thematisiert wurde (immer im Wechsel mit der Freude über den HSV-Abstieg). Wer es albern findet, dass sich Leute immer noch an Timo Werner abarbeiten, sollte es auch albern finden, dass man sich bei RB immer noch an Davie Selke abarbeitet..

Randbemerkung 12: Letztes Spiel von Naby Keita im Dress von RB Leipzig. Eher unspektakulär, weil ihm Lookman, Augustin und Werner die Show stahlen. Was für RB ja eigentlich gute Nachrichten sind, dass Spieler die Partie dominierten, die nächste Saison auch noch in Leipzig spielen oder bei denen zumindest noch die Hoffnung besteht, dass man sie fest holen oder noch mal leihen kann. Vielleicht ganz passend zu einer durchwachsenen Keita-Saison mit ein paar großartigen, aber auch einigen schwachen Auftritten und drei Platzverweisen im RB-Trikot, dass er verletzt vom Platz musste und sein Abgang entsprechend ein wenig unterging. Bekam dann noch ein paar Sprechchöre aus dem Gästeblock. Und heute ja vielleicht noch eine Verabschiedung mit großem Applaus. War schon geil, Keita die letzten zwei Jahre (und vor allem in der Vorsaison) bei der Arbeit zugucken zu dürfen. Einen Spieler mit diesen Fähigkeiten hatte man vorher noch nicht in Leipzig gesehen und wird man auch künftig nur selten in Leipzig sehen. Man darf gespannt sein, wie er sich in Liverpool an der Seite von Weltklassespieler so schlägt und ob da seine Fähigkeiten noch besser zur Geldung kommen oder ob er da ein bisschen untergeht.

Randbemerkung 13: Die Bilder von letzte Saison, als Hasenhüttl und Rangnick einander in den Armen liegend vor der RB-Kurve feierten, sind legendär. Gerade deswegen fiel auch die Abwesenheit dieser Bilder diesmal auf. Während Hasenhüttl sichtbar freudig und emotional vor der Gästekurve rumtobte und wie seine Spieler den sechsten Platz als Erfolg feierte, war Rangnick weniger sichtbar und blieb wie Mintzlaff eher im Hintergrund. Kann man natürlich auch viel hineininterpretieren, dass nach dem 6:2 in Berlin die Vereinsspitze nicht sehr gesprächig war. Auf heute Nachmittag nach dem Kaiser-Spiel hat Rangnick Gesprächkeit mit der Presse terminiert. Mal schauen, was dabei herauskommt und wie es in den nächsten Tagen weitergeht. Solange er noch nicht verkündet hat, dass es doch „geisteskrank“ wäre, sich vom Trainer zu trennen, muss sich Hasenhüttl keine Sorgen machen. Wobei es natürlich auch einen gewissen Witz hätte, wenn Alexander Zorniger und Ralph Hasenhüttl bei einem Kaiser-Abschiedsspiel zusammenkommen, während die Weichen bei Hasenhüttl eventuell (wobei ich das alles immer noch für extrem spekulativ halte) auf Abschied gestellt werden. Hätten die beiden ja gleich ein gemeinsames Thema.^^

Randbemerkung 14: So, Leute. Und jetzt noch mal aufhübschen und auf zum Saisonabschluss aka Kaiser-Abschied aka Eintauchen in die Vereinshistorie aka Mischung aus Spaß und Tränendrüse gehen. Tickets gibt es auch an der Tageskasse noch reichlich.

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Lichtblicke:

  • Ademola Lookman/ Jean-Kevin Augustin/ Timo Werner: Was ein krasses Trio. Vier Tore und vier Torvorbereitungen versammelten sie auch diesmal wieder, nachdem sie schon gegen Wolfsburg groß auftrumpften. Lookman mit seinen Bewegungen mit dem Ball ist ein Wahnsinn, der im Sommer extrem viel Geld kosten würde, wenn man ihn fest verpflichten wollte. In der ersten Halbzeit gab es vor dem 3:1 eine prototypische Szene, in der er den Ball mit dem Rücken zum Tor in zentraler Position kriegt, den Ball verarbeitet und sich dreht und eine halbe Sekunde später das Spiel vor sich hat. Großartig. Dazu Blick für den Mitspieler und Zug zum Tor. Alles drin, alles dran. Genau wie bei Augustin, bei dem man sich gar nicht vorstellen kann, wie das aussehen soll, wenn Rangnick mit dem Stürmer auch konstant zufrieden ist. Dann wäre er wahrscheinlich ein 20-Tore-Mann. Auch irre gute Ballverarbeitung, gute Geschwindigkeit und guten Torabschluss. Dazu gegen Hertha auch in der Rückwärtsbewegung in wichtigen Situationen immer wieder präsent und wieder mal sprintstärkster Spieler. Da geht ein Timo Werner fast ein bisschen unter. Aber auch ihm tut es sichtlich gut, dass ihm Lookman und Augustin die Alleinunterhalter-Rolle in den letzten beiden Spielen abgenommen haben und für ihn dadurch wieder Räume entstehen, die er in den letzten Monaten so nicht allzu oft hatte. Mit welcher Souveränität er das 4:1 macht, war dann schon fast wieder der Werner der Vorsaison.
  • Dayot Upamecano/ Ibrahima Konaté: Zum Ende der Saison dann wieder mit der nötigen Frische und abgesehen von einem krassen Rückpassfehler zu Beginn mit einer zweikampfstarken und ballsicheren Vorstellung. Wenn da ein eigentlich robuster Stürmer wie Schieber wie eine kleine Fliege von Konaté abprallt, dann bekommt man eine Idee davon, mit was man es bei dem Innenverteidiger-Duo zu tun hat (in Sachen Physis nehmen sich die beiden ja wenig bis nichts). Spektakuläres Pärchen, dem die Zukunft gehört (schlechte Nachrichten für Orban). Dass Upamecano inzwischen sogar regelmäßig Tore schießt, kommt als Sahnehäubchen noch obendrauf.
  • Konrad Laimer: Erstes Spiel von Beginn an nach seiner Verletzung. Wie schon gewohnt sehr agil auf der rechten Außenbahn und dadurch auch defensiv immer wieder zur Stelle, wo es nötig wurde. Die Außenverteidigerposition gilt bei RB ja immer ein bisschen als Baustelle, aber mit Laimer hat man eigentlich in dieser Saison eine Lösung dazugewonnen, die man zu einer dauerhaften machen sollte, weil der Österreicher alles mitbringt, was man auf dieser Position braucht und seine leichten Probleme mit der Ballverarbeitung auf engem Raum dort nicht so ins Gewicht fallen wie auf der Sechs.

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Tore: 0:1 Upamecano (2.), 1:1 Ibisevic (4.), 1:2 Lookman (8.), 1:3 Augustin (22.), 1:4 Werner (49.), 1:5 Augustin (54.), 2:5 Kalou (64.), 2:6 Bruma (82.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Laimer, Konaté, Upamecano, Klostermann – Demme, Kampl – Keita (76. Ilsanker), Lookman (62. Bruma) – Augustin, Werner (79. Poulsen); Bank: Mvogo, Kaiser, Bernardo, Orban; Nicht im Kader: Halstenberg, Sabitzer (beide verletzt), Forsberg (gesperrt), Köhn, Coltorti, Schmitz

Aufstellung Hertha BSC: Jarstein – Pekarik (58. Schieber), Rekik, Torunarigha, Plattenhardt – Lustenberger (67. Skjelbred), Darida – Leckie, Kalou – Ibisevic, Selke (83. Mittelstädt)

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Insgesamt eine Spielleitung ohne große Probleme. Im Detail zwei, drei Entscheidungen, die aus Stadionsicht eher nicht nachvollziehbar waren. Recht schnell gezogene gelbe Karte gegen Lookman, gerade wenn man es damit vergleicht, dass das Foulspiel, nach dem Keita verletzt runter musste, ohne gelbe Karte wegkam. Für den Schieber-Faller in der zweiten Halbzeit keinen Elfmeter zu geben, war völlig richtig (hatte ich perfekte Sicht drauf). Insgesamt wenig knifflige Situationen für das Schiedsrichter-Team, dazu war das Spiel letztlich auch zu früh entschieden. Diskussionsbedarf gibt es in Sachen Videobeweis zum 4:1. Der Ausgangspunkt war ein Foul von Werner in der eigenen Hälfte. Der Endpunkt des schnellen Angriffs der Abschluss von Werner. Genau so eine Szene wurde vor der Saison vom DFB als Beispiel genannt, wo der Videoassistent eingreifen muss, weil das Foul praktisch zur Torentstehung gehört (auch wenn es am anderen Ende des Spielfelds stattfindet). Entweder an dieser Linie hat sich etwas verändert oder der Videoassistent hat Mist gebaut.)

Gelbe Karten: Lustenberger | Lookman (1.)

Zuschauer: 60.502 (davon 9.000 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, RB-Fans-Liveticker, BSC-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 8 : 17
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 5 : 10
  • Schüsse auf das Tor: 4 : 10
  • gewonnene Zweikämpfe: 49,0% : 51,0%
  • Ballbesitz: 48,4% : 51,6%
  • Passquote: 87,1% : 88,7%
  • Laufstrecke: 99,0 km : 102,4 km
  • Sprints: 179 : 212
  • Intensive Läufe: 485 : 518
  • Fouls: 12 : 11
  • Ecken: 3 : 6
  • Abseits: 1 : 1
  • Meiste Torschüsse: Ibisevic: 2 – Augustin: 5
  • Meiste Torschussvorlagen: Plattenhardt: 3 – Lookman – 4
  • Beste Zweikampfquote (mindestens 10 Zweikämpfe): Torunarigha: 69,2% – Upamecano: 84,6%
  • Meiste Ballkontakte: Darida: 75 – Laimer: 81
  • Beste Passquote (mindestens 20 Pässe): Leckie: 100,0% – Konaté: 95,7%
  • Größte Laufstrecke: Darida: 11,8 km – Demme: 11,3 km
  • Meiste Sprints: Leckie: 26 – Augustin: 34

Statistiken von bundesliga.de, whoscored.com

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Saisontorschützen: Werner – 13; Augustin – 9; Keita – 6; Lookman – 5; Poulsen, Bruma – je 4; Sabitzer, Orban, Upamecano – je 3; Halstenberg, Forsberg – je 2; Klostermann, Bernardo; Kampl – je 1

Saisonvorlagengeber: Werner – 10; Sabitzer, Augustin – je 7; Keita, Lookman, Kampl – je 5; Demme – 4; Forsberg, Poulsen – je 3; Halstenberg, Bruma, Laimer – je 2; Bernardo, Ilsanker – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Demme – 14; Kampl – 13; Keita – 9; Upamecano – 8; Sabitzer, Klostermann – je 7; Forsberg, Laimer, Bernardo – je 6; Ilsanker, Bruma – je 5; Halstenberg, Augustin – je 4; Werner – 3; Poulsen, Gulasci, Lookman – je 2; Orban, Konaté – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Roger Petzsche

6 Gedanken zu „Bundesliga: Hertha BSC vs. RB Leipzig 2:6“

  1. Nach Sicht der TV Bilder (die ARD hat ein Foul gesehen) denke ich, kein Foul geht in Ordnung. Das Bein von Werner ist zwar ziemlich hoch, aber er spielt den Ball, sein Gegner nicht. Keine klare Fehlentscheidung, also nichts für den VAR

  2. Ja das tat gut gestern in Berlin…bestes Wetter – super Spiel mit dem Glück des tüchtigen in der Anfangsphase…ich hoffe das die Mannschaft zusammengehalten wird, denn das sah gestern schon wieder sehr gut aus – wenn man da noch mehr Konstanz rein bekommt, können wir uns auf nächste Saison sehr freuen. Schade das wir jetzt den Bayern noch die Daumen drücken müssen, damit wir nicht in die EL Quali müssen, aber irgendwas ist ja immer…

  3. Das ist ja mal richtig stark mit den Lichtblicken!
    Wüsste auch nicht, wen man da raus nehmen sollte.
    Vorne fehlte Forsberg, Sabitzer, Bruma und Poulsen und doch haben sich die 3 sowas von eingespielt. Schade, daß man Lookman nicht behalten kann.
    Die Abwehr war vom Alter 21-18-19-20 – unfassbar wie sich die Jungs entwickelt haben. Klar da sind auch mal ein paar Fehler dabei, aber die Richtung passt. Und Konny macht als RV genau das, wie man ein RV sehen will. Schon verrückt, wenn man bedenkt, das er als DMF kam und nun hinten rechts spielt.

    Danke für den Lacher bei RB 6

    RB 8
    ich verstehe es auch nicht, wie man sich da so abarbeiten kann. Vielleicht war es gestern noch das rausschinden für den Elfer, wer weiß.
    Was bei der Auswechslung rund um mich da abging, lässt mich schlechte Dinge ahnen für den #KaiseRBall heute. An Selkes Stelle, hätte ich aua. ;-)

    RB 10
    war ein sehr schönes Erlebnis im Stadion und dann draussen als die Herthafans entgegenkamen und „Endlich 2. Liga“ gemeinsam gesungen wurde. (Wenn Du willst, kannst Du für RB-live, meinen Clip bei Twitter nehmen)

    RB 12
    schon lustig, wie Domme und Naby die Ufta anstimmen, aber Kaiser ihn immer sagen musste, was kommt, sprich sein deutsch ist nach Salzburg und Leipzig in 3/4 Jahren nicht so dolle ;-)

    RB 13
    stimmt nicht so ganz. Bei Sky sieht man, wie Hasenhüttl und der Staff sowie Rangnick ein Gruppenfoto machen. Und Lachen.
    Fand den Artikel bei RB-live sehr grenzwertig, was man da verspekulierte.

    RB 14
    100% auf den Punkt gebracht

    Jablonski hat schon gut geleitet und darf wieder kommen. Die Werner-Szene war schon seltsam. MMn hätte Timo den Ball ins Aus spielen sollen. Aber was weiterspielen war schon regulär.
    Beim 1:1 hätte ich eher gedacht, das der VAR zum Einsatz kommt bzw Jablonski sich die Szene nochmals anschaut. Das war schon grenzwertig wie sich Ibisevic da den Vorteil holt gegen Konate.

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