Europa League: RB Leipzig vs. Zenit St. Petersburg 2:1

Hinspiel im Achtelfinale der Europa League. RB Leipzig empfing den russischen Vertreter Zenit St. Petersburg, der in den letzten Jahren international ein durchaus erfolgreicher (wenn man das Überwintern als Erfolg wahrnimmt) Dauergast war. Nach schwierigen 15 Minuten zu Beginn war RB für den Rest des Spiels das deutlich dominantere Team, das verdient gewann, sich aber eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel durch einen Gegentreffer kurz vor Schluss verbaute.

In das Spiel gegangen war RB Leipzig mit der sportlich bestmöglichen Elf. Der angeschlagene Kevin Kampl rutschte komplett aus dem Kader. Der zuletzt etwas überspielt wirkende Marcel Sabitzer saß nur auf der Bank. Dafür rückten erwartungsgemäß Diego Demme und Bruma in die Startelf. Organisiert war man dabei im gewohnten 4-2-2-2. Yussuf Poulsen blieb derweil hinter Jean-Kevin Augustin nur die Bank.

Zenit St. Petersburg startete auf der anderen Seite in Abwesenheit des gesperrten Leandro Paredes mit der bestmöglichen Elf. Sprich, gegenüber dem Ligaspiel gegen Perm rutschten Smolnikov, Ozdoev und Driussi neben Paredes aus der Startelf. Mevlja kam in die Innenverteidigung zurück. Kranevitter spielte in der Mittelfeldzentrale. Der technisch starke Rigoni spielte rechts. Und Zabolotny begann im Sturm neben Goalgetter Kokorin. Auch hier war es irgendwas bei einem 4-2-2-2, wobei es stärker als 4-4-2 interpretiert wurde als auf RB-Seite.

Zu Beginn der Partie tat sich RB Leipzig noch schwer mit den russischen Gäste. Die wurden aufgrund ihrer vielen Tore in der Europa League als offensivstark ausgemacht. Was ein bisschen seltsam ist für ein Team, das in Europa eher selten den Ball hat und eher auf Umschalten und Standards setzt. Spielkulturell ist es nicht das allerhöchste Level, was St. Petersburg zu bieten hat. Allerdings haben sie im schnellen Umschalten gute Optionen, wenn sie Rigoni oder ihre Stürmer ins Spiel bringen. Und vor allem hatten sie gegen RB gerade zu Beginn deutliche Vorteile im Luftzweikampf, sodass vieles auch über Kopfballverlängerungen lief.

Entsprechend dieser Mittel wurde es in der ersten Viertelstunde am RB-Strafraum immer mal gefährlich. Eine gute Abschlusschance bereits in der ersten Minute. Später eine Rettung von Orban in höchster Not. Und dazu einige Situationen, in denen der Diagonalpass nicht ankam oder beim Spiel in den Strafraum nicht genau genug gespielt wurde. Das war im Ansatz durchaus nicht ungefährlich, auch bei Ecken, bei denen viel Betrieb um Gulacsi herum war. Aber so richtig ins Schwitzen geriet die Hintermannschaft von RB Leipzig dabei auch nicht.

Wichtiger für die Spielorganisation von Zenit St. Petersburg war die Defensive. Über das gesamte Spiel erwischte RB den Gast eigentlich nie in einer Situation, in der der nicht mit mindestens sechs, meistens acht Mann den eigenen Strafraum verteidigte. Entsprechend gestaltete sich das Spiel als eines, in dem RB Leipzig auf das Tor von Zenit St. Petersburg anlief und die Lücke suchte.

Und das machte man mit zunehmender Spielzeit immer besser, weil man aus dem Ballbesitz heraus auch wenig Umschaltsituationen für den Gegner zuließ. Bei Ballverlusten funktionierte das Gegenpressing sehr gut, sodass die Russen meist nicht weiter als bis zur Mittellinie kamen. RB spielte derweil ruhig und geduldig und wurde auch immer wieder zielstrebig, wenn sich die Gelegenheit ergab. Unheimlich wichtig dabei Diego Demme, der wieder mal der Akteur war, der überal zu finden war und den anderen Spielern die Möglichkeit gab unter den Druck, den Ball zum Mitspieler passen zu können. Generell kam RB entgegen, dass der Druck auf die Innenverteidiger nicht allzu hoch war, sodass man auch immer mal hinten rum spielen und neu aufbauen konnte.

Bis dahin lief alles perfekt für RB Leipzig. Timo Werner macht das 2:0 gegen Zenit St. Petersburg. | GEPA Pictures - Sven Sonntag

Das war kein Hochgeschwindigkeitsspiel, das RB Leipzig da in den ersten 45 Minuten ablieferte, aber es war im zu erwartenden Geduldsspiel ein passender Vortrag, der immer wieder auch zielführende Aktionen mit sich brachte. Bruma mit abgefälschtem Schuss. Werner mit einer Direktabnahme nach Eckball. Upamecano mit Drehschuss nach Eckball. Erneut Werner aus bester Position eher deutlich über das Tor. Am nächsten an ein Tor kam allerdings Emil Forsberg, der einen direkten Freistoß an den Innenpfosten setzte, von wo aus er dann die Linie entlang ins Toraus rollte.

Es war ein gutes Spiel von RB Leipzig in der ersten Halbzeit, dem das Tor und vielleicht ein kleines Stück die letzte Durchschlagskraft fehlte. Es bleibt weiterhin ein RB-Problem, dass Bälle vom Flügel in Form von Flanken oder flachen Hereingaben zu wenig Torgefahr ergeben. Einerseits wegen den Anspielen, andererseits weil die Besetzung im Strafraum oft nicht optimal ist. Zumal wenn Werner und Augustin noch selbst auf die Außenpositionen ausweichen.

Zur zweiten Hälfte ersetzte Bernardo den offenbar angeschlagenen Laimer. Am Spiel änderte sich nichts. Eher wurde RB noch dominanter und Zenit begann in der Defensive deutlicher zu wackeln als noch in der ersten Hälfte. Forsberg scheiter früh aus spitzem Winkel an Lunev nach einer eigentlich sinnlos schnell ausgeführten Ecke, weil in der Mitte nur Augustin auf einen möglichen Forsberg-Pass wartete und von fünf gegnerischen Spielern umringt war. Augustin versucht es kurz danach auf Werner-Zuspiel aus nicht ganz so spitzem, aber imnmer noch zu spitzem Winkel, während Werner selbst nach einer Freistoß-Variation der Ball über den Fuß rutscht.

Nach 56 Minuten dann das verdiente und fällige 1:0. Bruma hatte im Mittelfeld eine zu kurze Abwehr der Russen aufgenommen und Werner am Strafraum bedient. Der kann den Ball unter Gegnerdruck behaupten und legt die Kugel per Hacke für den durchlaufenden Bruma auf. Und der Portugiese mit dem Torabschluss, den er wohl am besten kann, nämlich von halblinks den Ball in die rechte Ecke schlenzen. Was er dann aus irgendeinem Grund vor dem Block der Gästefans feierte.

Nach knapp 60 Minuten hat dann Werner die große Chance gegen nicht mehr durchgängig komplett kompakte Russen die Führung auszubauen. Doch nach perfektem Pass von Naby scheitert er mit schwachem Abschluss an Lunev, in einer Situation, in der man den Eindruck hatte, dass Werner durchaus noch drei, vier Meter hätte gehen können, um eine bessere Abschlusssituation zu haben.

Ab der 60. Minute wurde dann Zenit St. Petersburg deutlich aktiver und spielte sich phasenweise in der RB-Hälfte fest, weil die RasenBallsportler nun zu viele Fehler einbauten und den Ball immer wieder zu schnell herschenkten. So richtig gefährlich wurde es aber nicht. Upamecano musste einmal einen Schuss per Kopf zur Ecke klären. Eine Faustabwehr von Gulacsi bei einem Standard war sehr wichtig (dass RB mehrmals gegen zwei Zenit-Akteure beim Eckball nur mit Forsberg verteidigte, war nicht so richtig klug, weil das zu Flanken aus guten Positionen führte).

Das nächste Tor schoss aber wieder RB eine Viertelstunde vor dem Ende. Der eingewechselte Sabitzer mit einer typischen Aktion, wegen der er so wichtig ist, unterbindet mit dem langen Bein in der eigenen Hälfte einen Gegenstoß von Zenit. Orban spielt den Ball direkt weiter zu Keita der kurz hinter der Mittellinie in unnachahmlicher Art zum Dribbling ansetzt und durch die Zenit-Ketten schneidet, um dann im richtigen Moment, als die Abwehrspieler ihn ins Visier nehmen, den Ball nach links und in den Lauf von Werner spielt (auffällig, dass Keitas letzte Pässe in der jüngeren Vergangenheit präziser geworden sind). Und diesmal lässt sich der Stürmer die Chance nicht entgehen und lässt den Ball über Lunev hinweg ins Tor tropfen. In seiner Gesamtheit von Ballgewinn über direkte Weiterleitung, Dribbling und Abschluss ein extrem schöner Treffer.

2:0. Ein bis dahin von der Strategie und Umsetzung her ein, vielleicht abgesehen von der vergebenen Werner-Chance, ein perfektes, geduldiges und abgeklärtes Spiel. Und eine perfekte Ausgangslage für das Rückspiel in Russland. Bis zur 85. Minute. Upamecano hatte in Strafraumnähe Kokorin gefoult (wobei man streiten kann, wie viel Foul im Kontakt wirklich drin steckte), weil er zuvor beim langen Ball zu weit vom russischen Stürmer entfernt war und ihn deswegen nicht schon bei der Ballannahme stören konnte. Zenit-Kapitän Domenico Criscito, der wahrscheinlich beste Akteur bei den Gästen, nahm sich den Ball und schoss ihn nicht wie Forsberg aus 20 Metern an den Innenpfosten, sondern ein Stück höher und vor allem ein Stück weiter rechts in den linken Winkel. Den Treffer selbst kann man wohl nicht mehr verhindern, das Foulspiel zuvor war allerdings unnötig und Folge eines Stellungsfehlers in der Abwehr.

In den inklusive Nachspielzeit knapp zehn Minuten bis zum Ende passierte nicht mehr so viel. Das allerletzte Risiko wollte RB Leipzig nun nicht mehr gehen, war aber trotzdem um einen weiteren Treffer bemüht. Man versuchte es nun vor allem über lange Bälle auf den Kopf des eingewechselten Poulsen. Was für ihn gegen robuste Gäste durchaus auch eine Herausforderung war. Einmal wurde es vor dem Zenit-Kasten noch gefährlich, als Sabitzer von rechts in den Strafraum schnitt und mit links nur knapp den linken Winkel verfehlte.

Fazit: Es war ein verdienter Sieg von RB Leipzig nach einem guten Spiel und einem sehr geduldigen und ballsicheren Auftritt. Bis zur 85. Minute lief es nahezu perfekt für die Gastgeber, bis man mit dem ersten richtigen Zenit-Schuss in der zweiten Hälfte doch noch den Anschlusstreffer hinnehmen musste. Das ändert nichts am guten Spiel und in einem Ligaspiel würde man darüber hinweggehen und lächeln. Aber es ist halt Europapokal und ein Hinspiel statt mit 2:0 oder 3:0 nur 2:1 zu gewinnen, kann halt in der Endabrechnung doch ordentlich schmerzen. Von daher bleibt die Freude über einen guten Fußballabend, aber der Wermutstropfen Gegentor schmeckt deutlich bitter (sonst wäre es ja auch kein Wermutstropfen).

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Randbemerkung 1: Wichtigstes Thema vor dem Spiel schien ja die zu erwartende Zuschauerzahl zu sein, wenn man die sich überschlagenden Berichte dazu ansieht. Am Ende wurden es knapp 20.000 und damit noch einmal ein paar weniger als vom Verein erwartet. Weniger Zuschauer kamen zuletzt im Dezember 2015 in der zweiten Liga zum Spiel gegen den FSV Frankfurt und damals schon zeigte sich Ralf Rangnick, damals noch als Trainer, enttäuscht über den geringen Besuch. Selbst die Regionalliga-Elf RB Leipzig besuchten einst zu einem Sachsenpokal-Finale fast so viele Zuschauer wie diesmal gegen St. Petersburg kamen. Ja, damals waren die Ticketpreise noch andere, aber auch diesmal gab es bis zum Spieltag Tickets für 15 Euro, also zum Bundesligapreis, für den Fanblock, der immerhin am Ende voll wurde. Klar, man kann sich die Zuschauerzahl erklären, weil sich da Effekte überlagern. Generell sinkende Auslastung bei den Bundesligavereinen, das Ende des erstens Hypes um RB (was sich ja auch schon in der Zuschauerzahl gegen Köln manifestierte), das geringe Interesse an der Europa Leage (was ja auch andere Vereine spüren, wenn man mal von Köln absieht; selbst die Partie in Dortmund gegen Salzburg war sehr deutlich nicht ausverkauft). Dazu das vierte RB-Heimspiel am Stück, die Anstoßzeit, die Free-TV-Übertragung und ein (gerade im Vergleich mit Neapel) nicht ganz so attraktiver, weil nicht so namhafter Gegner. Es gibt vielerlei Gründe für die Zuschauerzahl, aber bei allem Schönrechnen bleibt auch, dass ein K.o.-Spiel im ersten Europapokal-Jahr so schlecht besucht war wie einst ein Spiel gegen den FSV Frankfurt. Das ist völlig wertfrei gemeint, weil mir die pathetische Selbstanklage, warum wir das Stadion nicht vollkriegen, völlig fremd ist. Persönlich hat es mich einfach nur verwundert, dass die Tickets so schlecht weggingen, weil ich die Europa League für nicht so uninteressant halte, wie es andere offenbar tun. Thesenhaft würde ich vermuten, dass dasselbe Spiel einen Tag und eine Viertelstunde früher und in der Champions League angepfiffen locker 10.000 Zuschauer mehr gehabt hätte. Und das finde ich dann doch irgendwie seltsam. Und es bleibt natürlich dabei, dass die Zuschauerentwicklung auch Fragen Richtung Ausbau der Arena aufwirft, die ich ungern beantworten würde wollen, die der Verein aber kurzfristig beantworten muss (wenn er im Sommer den Umbau anfangen will).

Randbemerkung 2: Wie schon so oft in der Vergangenheit bedeuten 40.000 Zuschauer genausowenig automatisch gute Stimmung wie 20.000 automatisch schlechte Stimmung mit sich bringen. Ganz im Gegenteil sind 20.000, die Bock auf ein Spiel haben, stimmungstechnisch meist sinniger als 40.000, von denen 10.000 nur mal so gucken kommen (was als Motiv völlig in Ordnung ist; wer wäre ich denn auch, darüber zu urteilen). Zumal einem dann nicht schon 10 Minuten vor dem Ende Leute auf der Treppe in der Sicht stehen. Auch gegen St. Petersburg war es dann am Ende so, dass es viel Spaß gemacht hat im Stadion während des Spiels, auch mit ’nur‘ 20.000 Leuten. Da muss man sich in seinem gehetzten Blick auf ausverkaufte Stadien und Zuschauerzahlen auch immer mal ein bisschen einnorden und sich besinnen, dass es auch früher schon mit 20.000 Leuten (oder sogar mit weniger als 3.000 Leuten) oft viel Spaß gemacht hat in der Red Bull Arena. Und da ich nicht der Kassenwart des Vereins bin und mir die Außenwirkung leerer Sitzplätze völlig egal ist, bleibt das wohl das Wichtigste an Spieltagen. Und weil es so leer war auf der Haupttribüne fanden die Leute aus den ersten Reihen beim einsetzenden Regen auch noch hübsche Plätze in den oberen Reihen. So hatten am Ende alle was von der geringen Auslastung. Bis halt auf das RB-Konto, dem eine eine mittlere sechsstellige Summe entgangen sein dürfte.

Randbemerkung 3: Interessant bleibt die Herangehensweise von RB Leipzig an den europäischen Wettbewerb. Selbst in einer Situation, in der jeder Verständnis hätte, wenn der Fokus auf der Liga liegt, weil man im Kampf um einen Champions-League-Platz in Stuttgart Punkte dringend benötigen würde, bleibt sich Ralph Hasenhüttl dahingehend treu, dass er in Europa sein bestmögliches Team auf den Platz bringt (und dafür stattdessen vermutlich in Stuttgart wieder auf drei, vier Positionen rotieren wird). Klar, Sabitzer, der zuletzt nicht mehr ganz so frisch wirkte, wie in der Hinrunde, saß mal draußen. Aber das war rein sportlich durchaus nachvollziehbar. Es bleibt angenehm, dass Hasenhüttl den europäischen Wettbewerb nicht als Zubrot begreift, das sich allem anderen unterzuordnen hat, sondern er in der Europa League alles mitnehmen will. Ob das dann am Ende auch zu den gewünschten Ergebnissen führt oder man sowohl in der Europa League als auch in der Bundesliga auf halber Strecke stehenbleibt, wird man am Ende der Saison beurteilen können. Pragmatisch mögen andere Herangehensweisen als die von Hasenhüttl sinniger sein, aber ich mag den sportlichen Ehrgeiz in Bezug auf Europa mehr, als die Europa League zum Wettbewerb, der der Belastungssteuerung dient, zu machen.

Randbemerkung 4: Da erwartest du mit Zenit St. Petersburg einen robusten Gegner und viele Nickligkeiten und ein Spiel, das weh tut und am Ende passiert gar nichts. Die Fouls, die die Gäste zogen, waren eher taktischer und leichter Natur. Da war nichts böses dabei, auch wenn man natürlich durchaus körperbetont spielte. Keine einzige gelbe Karte von Zenit (und das völlig zurecht) belegt das ganz gut.

Randbemerkung 5: Ohne Gegentor kann es RB Leipzig in Europa einfach nicht. Auch im neunten Anlauf stand die Null nicht. Das Spiel gegen St. Petersburg erinnerte diesbezüglich ein wenig an die Partie gegen Porto, als man komplett überlegen war und trotzdem zwei Gegentore kassierte, die am Ende mitentscheidend für das Aus in der Champions League waren.

Randbemerkung 6: Etwas ähnliches droht natürlich diesmal auch wieder, denn ein 2:1 im Heimspiel ist als Hinspielresultat ist ziemlich undankbar und lässt St. Petersburg alle Chancen, die bei einem 2:0 oder 3:0 wesentlich reduzierter gewesen wären. Kann man natürlich hin und her philosophieren, was das Resultat für das Rückspiel bedeutet. Aber letztlich ist es wohl weiter ein 50:50-Spiel und die Dominanz aus dem Hinspiel spielt in einer Woche in Russland überhaupt keine Rolle mehr. Es geht in dem Spiel bei Null los und ein 1:0 oder jeder Sieg mit zwei Toren bringt St. Petersburg ins Viertelfinale. Ein Tor wird RB also auswärts vermutlich mindestens schießen müssen. Dürfte eine spannende Angelegenheit werden.

Randbemerkung 7: War mir schon beim Heimspiel von St. Petersburg gegen Glasgow aufgefallen, dass die russischen Fans in großer Zahl zeitweise mit freiem Oberkörper das Spiel verfolgten. Ich schob es darauf, dass man dort ja ein Dach und (so berichtet man) sehr deutliche und gemütliche Plusgrade im Stadion hat, während draußen der russische Winter noch zweistellige Minusgrade produzierte. Bis man sich gestern im Gästeblock kurz vor Schluss wieder obenrum nackig machte und gut Spaß hatte. Bei Temperaturen nicht extrem weit über Null und einsetzendem Regen. Hat halt jeder so seine Rituale beim Fußball.. (Ich hätte schon allein fünf Minuten gebraucht, um meine zehn Schichten obenrum loszuwerden und dann immer noch nicht gewusst, wo ich mit dem ganzen Klamottenzeug eigentlich hin soll.)

Randbemerkung 8: Wahnsinns-Polizeiaufgebot gestern rund um das Spiel. Zwei Wasserwerfer und soviel Polizeiautos auf der Seite des Gästeblocks, wie ich sie da in der Zahl glaube noch nie gesehen habe. Da ich das tatsächliche Gefährdungspotenzial überhaupt nicht einschätzen kann, kann ich auch das Polizeiaufgebot nicht bewerten. Von Spielen deutscher Teams in St. Petersburg gibt es ja eher schlechtere Vor-Ort-Berichte. Zuletzt prügelten sich russische Fans im Rahmen der Europa League in Spanien. Vermutlich gab es verschiedene Dinge, die zur Einschätzung einer deutlich erhöhten Sicherheitsgefährdung, selbst bei nur einer mittleren dreistelligen Zahl an Gästefans beitrugen. Von Problemen ist mir bis dato allerdings nichts bekannt und das größte Problem für die Wasserwerfer schienen passende Parkplätze zu sein. Ist halt immer das Problem bei Polizeieinsätzen, dass du dich auf das schlimmstmögliche Szenario einstellst und entsprechend Personal planst. Im dümmsten Fall steht das halt einen Abend lang rum, aber aus einsatztaktischer Sicht immer noch besser, als wenn du plötzlich mit zu wenigen Leuten in einer unbeherrschbaren Situation steckst. Und da man hierzulande (also in Leipzig und Sachsen) über nicht allzu viel Erfahrung bei der Absicherung von internationalen Fußballspielen verfügt, geht man die Dinge offenbar lieber mit etwas mehr Aufwand an.

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Lichtblicke:

  • Naby Keita: Der Mittelfeldmann wirkt in seinem Spiel oft aufreizend lax. Weswegen manch einer mit seinem Abgang im Sommer nicht hadert. Vermutlich wird manch einer erst nächste Saison so richtig sehen, welche Lücke er hinterlässt. Denn was Keita auch gegen St. Petersburg gerade im aggressiven Verteidigen nach vorn abriss und damit immer wieder den Gegner zustellte und Bälle eroberte, war enorm. Dazu gut getimte Dribblings, die herausragende Vorarbeit zum 2:0 und diesmal auch nur wenige Ballverluste. Das war eine enorm gute Vorstellung. In der Verfassung wird er auch in der Premier League für viel Aufsehen sorgen.
  • Emil Forsberg: Erstes Spiel über 90 Minuten nach seiner Verletzung. Und es war in vielerlei Hinsicht ein sehr gutes. Weil es kaum jemanden bei RB gibt, der zwischen den Ketten so ballsicher agieren und durch Körpertäuschungen immer wieder Räume bespielen und Bälle sichern kann. Es ist so wichtig einen Spieler zu haben, der aus dem Ballbesitz heraus, den Ball im vorderen Spieldrittel hält und in der Lage ist, ihn so zu verarbeiten, dass er mit dem Gesicht zum Tor nach der nächsten Lösung suchen kann. Beim letzten Pass fehlt es noch, bei einem Freistoß war es im Abschluss einfach nur Pech (über die Ecken reden wir heute mal nicht). Aber in diesem Spiel steckte viel vom alten Forsberg drin, der für RB Leipzig so wichtig war.
  • Timo Werner: Eigentlich ein Spiel, in dem er lange der Pechvogel war. Bälle, die ihm in guten Situationen vom Fuß rutschten, die Riesenchance kurz nach dem 1:0, die er relativ kläglich vergibt. So richtig viel war das nicht. Und dann diese beiden Torbeteiligungen, mit denen er doch noch seine Klasse zeigte. Die Hacke vor dem 1:0 war die einzige und kunstvollste Möglichkeit, die Situation aufzulösen. Beim 2:0 war er dann wieder der eiskalte Torschütze, der er in dieser Saison nicht immer war. Eigentlich standen in diesem Spiel lange andere Spieler vor ihm (der umtriebige Demme zum Beispiel, der für das Ballbesitzspiel so wichtig war), aber allein die beiden Aktionen bei den Toren waren so herausragend, dass man an Werner nicht vorbeikommt.

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Tore: 1:0 Bruma (56.), 2:0 Werner (77.), 2:1 Criscito (86.)

Aufstellung RB Leipzig: Gulacsi – Laimer (46. Bernardo), Orban, Upamecano, Klostermann – Demme, Keita – Forsberg, Bruma (75. Sabitzer) – Augustin (79. Poulsen), Werner; Bank: Mvogo, Konaté, Ilsanker, Kaiser; Nicht im Kader: Halstenberg, Kampl (beide verletzt), Lookman (nicht spielberechtigt), Köhn, Coltorti, Schmitz

Aufstellung Zenit St. Petersburg: Lunev – Ivanovic, Mevlja, Mammana, Criscito – Erokhin, Kranevitter – Rigoni (80. Poloz), Kuzyaev – Kokorin, Zabolotny (57. Driussi)

Schiedsrichter: Ovidiu Hategan (Insgesamt eine gute Linie. Körperbetonte Zweikämpfe ließ er meist laufen. Alles, wo dann mit Beinen und Armen gearbeitet wurde, nicht mehr. Aus Stadionperspektive wie immer zwei, drei Zweikampfentscheidungen, bei denen Zweifel blieben, aber auch das war im Rahmen. Insgesamt eine souveräne Partie des Unparteiischen. So viel war in dem Spiel, das keine schwerwiegenden oder gar brutalen Fouls sah, aber auch nicht los, dass es einen Top-Schiedsrichter vor größere Probleme stellen müsste.)

Gelbe Karten: Upamecano | –

Zuschauer: 19.877 (davon 600 Gästefans)

Links: RBL-Bericht, MDR-Bericht, Zenit-Bericht, Kicker-Bericht

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  • Torschüsse: 16 : 8
  • Torschüsse innerhalb des Strafraums: 12 : 5
  • Schüsse auf das Tor: 5 : 2
  • gewonnene Zweikämpfe: 53,5% : 46,5%
  • Ballbesitz: 63,7% : 36,3%
  • Passquote: 85,0% : 73,0%
  • Fouls: 11 : 15
  • Ecken: 8 : 5
  • Abseits: 3 : 4
  • Meiste Torschüsse: Werner: 6 – Criscito: 3
  • Meiste Torschussvorlagen: Forsberg: 5 – Kokorin: 3
  • Meiste Ballkontakte: Demme: 119 – Criscito: 68

Statistiken von kicker.de, whoscored.com, uefa.com

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Saisontorschützen Europa: Werner – 6; Keita, Forsberg, Bruma – je 2; Augustin, Orban – je 1; Eigentore – 1 (Jemerson/ Monaco)

Saisonvorlagengeber: Sabitzer – 3; Poulsen, Forsberg, Kampl – je 2; Bruma, Orban, Halstenberg, Werner, Keita – je 1

Saisontorbeteiligungen (Entstehung des Tors jenseits der direkten Vorlage): Sabitzer – 5; Forsberg, Halstenberg – je 4; Keita – 3; Upamecano, Klostermann, Demme, Kampl, Orban – je 2; Gulacsi, Werner, Bernardo – je 1

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Bild: © GEPA pictures/ Sven Sonntag

2 Gedanken zu „Europa League: RB Leipzig vs. Zenit St. Petersburg 2:1“

  1. Sehr guter Bericht – wie immer muss man mit der Torausbeute hadern, da war mehr drinnen gewesen. Übrigens die Aufstellung des Gegnerischen Teams würd ich nochmal Anschauen…da steht nicht Zenit St. Petersburg

  2. Ach, was war das für ein schöner Europapokalabend.
    Die die nicht wollten (also nicht die, die nicht konnnte) sollen sich in den allerwertesten Beissen ;-)

    Wenn nicht diese doofe 86. Minute gewesen wäre, dann wäre es in der Tat eine perfekte Ausgangssituation.

    Willi Orban hat es auf den Punkt gebracht. Sprich, die Buli kennt uns nun spielen. Aber Neapel, Monaco und nun Petersburg können Videos sehen, wie sie wollen, auf dem Platz ist es anderes und die Gegner tappen in die Rasenballerfalle.

    Am erfreundlichsten ist in der Tat, das Emil Forsberg nicht nur mittlerweile durchspielen kann, sondern an seine alte Stärke anknüpft.
    Tja und Keita macht halt Keita Dinge.
    Ach was werden wir ihn vermissen ab dem Sommer.

    Eine kleine Randbemerkung fehlt.
    Ich glaube in keinen anderen Stadion hätte es Applaus gegeben als der Endstand von #BVBRBS durchgesagt wurde. ;-)

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