Frage der Investitionsbereitschaft

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig gegen den SSC Neapel (22.02.2018, 19.00 Uhr) befindet sich der Ticker von der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel. Mit Ralph Hasenhüttl und Konrad Laimer.]

Große Pausen sind diese Woche nicht vorgesehen. Nach der Niederlage bei Eintracht Frankfurt tritt RB Leipzig bereits am Donnerstag wieder in der Europa League an. Das  Rückspiel gegen den SSC Neapel wartet. 3:1 gewann RB Leipzig letzte Woche in Neapel und man darf sich sicher sein, dass man bei RB in den nächsten Stunden vor dem Spiel darauf bestehen wird, dass das ein gefährliches Ergebnis und noch nichts gewonnen ist.

Dass man mit einem Hinspiel-Sieg noch nicht ins Achtelfinale einzieht, ist sicherlich richtig. Allerdings ist ein 3:1-Auswärtssieg durchaus ein recht gutes Polster. Denn der SSC wird im Rückspiel nun auch mindestens drei Tore schießen müssen, wenn er nocht weiterkommen will. Ganz unmöglich ist das sicherlich nicht, denn im Saisonverlauf schoss Neapel schon einige Male drei Tore oder mehr. Mit dem Setzen auf Ballbesitz, Aktivität und Gegenpressing hat man zumindest das zum Schießen von mehreren Toren passende Offensivkonzept.

Die Frage vor dem Rückspiel zwischen Leipzig und Neapel wird halt erneut sein, was der SSC und Maurizio Sarri eigentlich noch von der Europa League wollen und bereit sind zu investieren. Das Hinspiel vermittelte auf und abseits des Platzes mit jeder Faser, dass dieser Wettbewerb dem Verein und seinen Fans schlicht egal ist (auch wenn Sarri insbesondere über den Gegentreffer zum 1:3 nicht sonderlich amüsiert war). Warum das im Rückspiel nun anders werden sollte, erschließt sich nicht wirklich. Denn auch weiterhin zählt in Neapel diese Saison ausschließlich die Meisterschaft. Und die liegt nach neun Siegen in Folge in der Serie A weiter drin.

Dass man auch weiterhin auf die Meisterschaft setzt und nicht plötzlich in der Europa League personell und vom fußballerischen Aufwand her all in geht, dafür spricht auch, dass man am Wochenende in der Liga beim 1:0 gegen SPAL Ferrara wieder mit der absoluten A-Elf auflief. Gleich auf sechs Positionen veränderte Sarri das Team gegenüber dem Leipzig-Spiel und setzte jene Spieler ein, die bisher im Saisonverlauf die mit Abstand meisten Einsatzzeiten hatten.

Das zeigt auch noch mal ganz gut, dass da schon letzte Woche gegen Leipzig eine ordentliche Mannschaft, aber eben auch deutlich nicht die Stamm-Elf des SSC Neapel auf dem Platz stand. Entgegen kommt Neapel für das Rückspiel allerdings, dass man erst am Montag wieder in der Liga zum Auswärtsspiel bei Cagliari Calcio antreten muss, man also einen Tag mehr für die Regeneration hätte. Angesichts dessen, dass Juventus in der Meisterschaft dem SSC im Nacken sitzt, wird auch die kommende Partie im Titelkampf wieder sehr wichtig. Ein Tag mehr Pause könnte Sarri vielleicht dazu motivieren, für das Spiel in Leipzig mehr personelles Risiko zu gehen.

Wen Maurizio Sarri in Leipzig auflaufen lässt, ist aktuell noch unklar, wobei anzunehmen ist, dass da wieder ein paar Spieler auflaufen, die in der Meisterschaft nicht allzu viel Einsatzzeit kriegen. Neuzugang Zinedine Machach (früher mal vage mit RB Leipzig in Verbindung gebracht) böte sich für ein Debüt beim SSC an, ist aber in der Europa League noch nicht spielberechtigt. Auch für Arkadiusz Milik wäre das Spiel in Leipzig nach langer Verletzung eigentlich eine gute Partie, um das Comeback zu feiern. Aber vermutlich ist er im allerbesten Fall eine Option für die Bank und nicht für die Startelf. Zuletzt fühlte er sich jedenfalls noch nicht bereit für das Comeback.

Entsprechend wird es für Sarri auf die Wahl aus den üblichen Verdächtigen hinauslaufen. Egal, wer da letztlich auf das Feld läuft, wird der Coach des SSC Neapel in jedem Fall eine im Vergleich zum Hinspiel bessere und vor allem im Passspiel nicht mehr so fehlerhafte Vorstellung seiner Schäfchen sehen wollen. Wie der SSC im Heimspiel gerade in der letzten halben Stunde und bei eigener Führung in die Fallen von RB gelaufen ist, war durchaus eindrucksvoll.

Vermutlich wird ihnen das im Rückspiel in der Form nicht noch mal passieren. Auch wenn der Fokus auf Ballbesitz und Bespielen des Gegners auch durch die gefährlichen Ballverlustzonen hindurch natürlich dem RB-Spiel per se entgegen kommt. An dieser Spielidee wird Sarri aber nichts änders. Das ist es, wie der SSC Neapel auftritt und vor allem in der heimischen Liga ist die Fähigkeit des Vereins, den Ball immer wieder gezielt zwischen die Ketten zu spielen und von dort mit dem Offensiv-Trio Insigne, Mertens und Callejon die Gegner zu demontieren, durchaus beeindruckend. Vor allem weil es auch gut mit einem aggressiven Spiel gegen den Ball nach Ballverlust vermischt ist. Nur wenn man Neapel ins Rückwärtslaufen bekommt, dann kann man sie sehr gut auf dem falschen Fuß erwischen. So wie eben im Hinspiel.

Aus RB-Sicht erstaunlich, dass Ralph Hasenhüttl auch in der Europa League wieder auf die Top 11 setzt. Schon in der Hinrunde war RB Leipzig (völlig antizyklisch zum Auftreten anderer deutscher Vereine in Europa) in der Champions League mit einer Stammelf und geringer Rotation aufgetreten, während man in der Bundesliga immer mal gut durchwechselte. Nach der Winterpause, in der Verantwortliche bei RB immer wieder die Bundesliga und die erneute Qualifikation für Europa und am besten die Champions League als wichtigeres Ziel ausgaben, hatte man eigentlich vermutet, dass RB Leipzig eher in der Europa League rotieren und in der Liga eine Stammelf entwickeln wird.

Doch bisher war es wieder genau andersherum. In Neapel spielte die bestmögliche Elf. Gegen Frankfurt ersetzte man angeschlagene Spieler und griff belastungssteuern in die Mannschaftsbesetzung ein und ließ einen Werner beispielsweise auf der Bank. Vor dem Rückspiel hat Ralph Hasenhüttl nun ein paar Personalprobleme, wird aber eher wieder bemüht sein, seine Kernelf aufzustellen. Vor allem die Ausfälle von Keita und Orban tun da weh und erfordern Abweichungen von der Topelf. Kampl dürfte wieder zurückkommen und auf der linken Zehn könnten Forsberg oder Bruma spielen.

Letztlich wird Ralph Hasenhüttl gegen Neapel wohl eine ähnliche Herangehensweise wie im Hinspiel wählen. Gute Arbeit gegen den Ball, Fokus auf defensive Kompaktheit und Ballgewinne und dann schnelles Umschalten. Das 3:1 aus dem Hinspiel hilft diesbezüglich natürlich. Wenn RB bei diesem Ergebnis im Rückspiel in Rückstand gerät, könnte es aber dann doch noch mal kribblig werden.

Mögliche Aufstellungen:

  • RB Leipzig: Gulacsi – Laimer (Bernardo), Ilsanker (Konate), Upamecano, Klostermann (Bernardo) – Demme, Kampl – Sabitzer, Forsberg (Bruma) – Augustin (Poulsen), Werner
  • SSC Neapel: Reina – Maggio, Tonelli, Koulibaly (Albiol), Hysai (Rui) – Allan (Hamsik), Diawara, Rog – Zielinski (Insigne), Callejon (Mertens), Ounas

Fazit: Sehr wahrscheinlich ist es nicht, dass da in das Duell zwischen RB Leipzig und dem SSC Neapel noch mal ein erheblicher Spannungsgrad hineinkommt. Dazu war der Zugang des SSC Neapel zur Europa League bisher zu verdornt. Von der Qualität und der Spielidee her hat es der Tabellenführer der Serie A absolut im Repertoire, auch in Leipzig mal drei Tore zu schießen. Dass man aber den Aufwand betreibt, der dafür nötig wäre und der trotzdem keinen Erfolg garantieren würde, ist unwahrscheinlich.

[Wer das Spiel von RB Leipzig gegen den SSC Neapel nicht vor Ort verfolgen kann und am 22.02.2018, ab 19.00 Uhr trotzdem dabei sein will, nutze die üblichen Kanäle, also Liveticker und Vereinsradio. Bilder gibt es live bei Sky. Zusammenfassung später am Abend nach dem Dortmund-Spiel bei Sport1.]

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Bisherige Duelle RB Leipzig vs. SSC Neapel

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Wieder Anzugzeit für Ralph Hasenhüttl. | GEPA Pictures - Sven Sonntag
GEPA Pictures – Sven Sonntag

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Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel von RB Leipzig gegen den SSC Neapel. Mit Ralph Hasenhüttl und Konrad Laimer.

17.18

So, streichen wir das Montagsspiel einfach aus dem Gedächtnis und widmen uns wieder der Europa League. Rückspiel gegen den SSC Neapel. Es gilt einen 3:1-Vorsprung durchzubringen. Kein Selbstläufer, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Hängt ein bisschen daran, wie Neapel in Leipzig auftreten wird. Hängt aber vor allem daran, wie die RasenBallsportler drauf sein werden.

17.21

19 Uhr geht es morgen los, das heißt dann auch, dass es diesmal in Europa nicht bis tief in die Nacht geht. Es sei denn es gibt noch Verlängerung und Elfmeterschießen. Ausverkauft wird die Partie wohl eher nicht werden. Da müssten noch ordentlich Tickets bis morgen Abend über den Tisch gehen. Gerade im Oberrang gibt es noch viele freie Plätze.

17.27

Auf RB-Seite dürften Orban und Keita ausfallen. Ilsanker und Rückkehrer Kampl dürften das aber recht vernünftig auffangen können. Spannender da schon was vorn links passiert und ob da Bruma oder Forsberg aufläuft. Der bisherigen Logik, Forsberg langsam aufzubauen, wäre er eigentlich noch keine Option. Aber für unmöglich würde ich den Schweden in der Startelf nicht halten.

17.31

Ralph Hasenhüttl: „Freue mich, dass wir einen interessanten Gegner zu Gast haben. Neapel kommt mit voller Kapelle. Wird bestimmt ein interessantes Spiel morgen.“

17.32

Hasenhüttl: Heute haben Keita und Orban nicht trainiert. Beide morgen nicht dabei. Lookman nicht spielberechtigt. Bruma und Kampl kommen zurück ins Team, nachdem sie in Frankfurt ausgefallen waren.

17.35

Hasenhüttl: „Ich erwarte viel Gegenwehr. Neapel wird sich mit der besten Formation präsentieren. Da wird nichts weggeschenkt. Wir haben eine gute Ausgangsposition, aber nicht mehr. Man weiß, wie schnell es im Fußball geht. Wäre gut, wenn wir von Anfang an Gas geben morgen. Erhöht die Wahrscheinlichkeit, als Sieger über die Linie zu gehen.“

Laimer: „In Neapel war die erste Halbzeit. Morgen ist die zweite Halbzeit. Müssen von der ersten Sekunde alles geben und topkonzentriert ins Spiel gehen.“

17.39

Hasenhüttl: „Sehr gute Ausgangsposition. Vor allem das dritte Tor im Hinspiel war wichtig. Haben aber auch die Qualität des Gegners gesehen. Morgen kommt Mertens noch dazu. Wenn wir so wie in Neapel auftreten, haben wir eine gute Chance weiterzukommen.“

Hasenhüttl: „Stadion in Neapel war nicht mehr das neueste. Italienischer Fußball aber besser als er international gesehen wird. Haben nicht nur Juve, sondern auch Neapel, die international mithalten können. Einblick in den italienischen Fußball fehlt mir ein bisschen.“ Kann nicht so richtig einschätzen, wo Italiens Fußball gerade strukturell steht.

17.40

Hasenhüttl: „Tank war in Frankfurt nicht voll genug, um das Spiel zu drehen. Hätten 120% sein müssen. War durch die Rahmenbedingungen ein besonderes Spiel. Haben kein schlechtes Spiel gemacht. War intensiv. Morgen wird es nicht einfacher werden. Gegner mit viel Qualität auf dem Platz. Wird wichtig sein, dass wir frisch sind. Nicht selbstverständlich nach zwei Tagen. Erstes Europa-League-Spiel zu Hause wird noch mal ein paar Prozentpunkte bringen und dann hoffen wir, dass das reicht.“

17.44

Hasenhüttl: Konate oder Ilsanker als Orban-Ersatz. „Keita kann den Unterschied machen und hat in Neapel ein sehr gutes Spiel gemacht. Reicht halt einfach nicht für morgen. Deswegen gehen wir kein Risiko ein.“ „Neapel wird sicherlich aus dem letzten Spiel gelernt haben und ein bisschen anders verteidigen. Müssen auf neue Abläufe vorbereitet sein.“ Darauf habe man heute im Training hingearbeitet.

17.47

Hasenhüttl: „Jungs spielen sehr gern in der Europa League. Haben uns viel vorgenommen für den Wettbewerb. Spielen mit der besten Mannschaft und wollen Deutschland gut vertreten. Interessante und starke Gegner. Für mich ein wichtiger Wettbewerb.“

„Man hat im Hinspiel gesehen, dass Neapel mit etwas anderer Herangehensweise noch gefährlicher hätte sein können. Bis zum 1:0 ein sehr ausgeglichenes Spiel. Wir waren dann etwas besser.“

17.51

Hasenhüttl: „Hatte im Hinspiel nicht das Gefühl, dass Neapel keinen Willen hatte zu gewinnen. Hat man beim Torjubel des SSC gesehen. Wird morgen kein Spaziergang für uns. Erwarte das schwerstmögliche Spiel, aber wir sind vorbereitet und werden uns dem stellen.“

„Spielt keine Rolle, dass Sonntag wieder Bundesliga ist. Wollen in beiden Wettbewerben was reißen.“ Spielplan zehrt natürlich, aber nach Köln kann man sich wieder ein bisschen erholen. Erstmal Neapel und dann gucken, was gegen Köln geht. „Jungs sind heiß und wollen spielen und deswegen gibt es auch nicht so viel Rotation im Moment.“

17.55

Hasenhüttl: „Wäre wichtig, dass Forsberg mehr als eine Halbzeit spielen kann, damit er von Anfang an spielt.“ Man will ihn weiter langsam aufbauen. Klingt erstmal nicht nach Startelf morgen. Sonntag gegen Köln schon eher.

„Schon lange kein zweiter Verein mehr in Italien, der um die Meisterschaft mitspielt. Juve schwächelt nicht, sondern Neapel macht das sehr gut. Tut einer Meisterschaft gut, wenn noch ein zweiter Verein da ist, der um den Titel mitspielt.“

17.58

Hasenhüttl: Kann sich nicht erinnern, ob er mal einen Trainer hatte, der geraucht hat. Wenn es in Sachen Gastfreundschaft beim Bau einer Raucherkabine für Sarri bleibt, dann „habe ich kein Problem“ und alle sind zufrieden.

36.000 Tickets im Vorverkauf weg. „Wird eine gute Stimmung sein. Positiver Support. Wird ein schöner und interessanter Fußballabend.“

18.01

Laimer: Was Salzburg morgen macht, „interessiert mich wenig. Wenn wir fertig sind mit unserem Spiel, gucke ich mir das vielleicht mal an.“

„Werde mein bestmögliches gegen Insigne geben. Großartiger Spieler mit sehr guten Anlagen. Müssen als Team versuchen, die große individuelle Qualität von Neapel zu verteidigen.“

18.03

Das war es von hier. Ralph Hasenhüttl betont natürlich, dass die Sache noch nicht gegessen ist und dass man eine schwerstmögliche Aufgabe vor sich hat. Und wie nun schon tausendmal gesagt, wenn Neapel in Bestbesetzung und Bestform kommt, dann ist das auch mit 3:1-Führung eine harte Nuss. Wenn das Team aber eher im Light-Modus wie im Hinspiel auftritt, werden sie kaum Chancen auf drei Tore haben, die sie ja in Leipzig in jedem Fall schießen müssen, um weiterzukommen.

18.05

Nun ja wir werden sehen, was morgen raus kommt. Hasenhüttl hat auf jeden Fall Bock aufs Achtelfinale. Immer noch erstaunlich, dass die Europa League den selben hohen Stellenwert genießt wie die Champions League in der Hinrunde. Aber auch irgendwie schön, dass man den Wettbewerb nicht zum rotieren nutzt. In diesem Sinne viel Spaß morgen mit dem Spiel und hoffentlich auf ins Achtelfinale.

Ein Gedanke zu „Frage der Investitionsbereitschaft“

  1. Und morgen spielt hoffentlich das beste Team auch, ich finde das super, noch nie waren wir einem großen Titel näher, den kann auch ein „Wettpate“ Zwayer nicht verhindern!!!
    Der DFB sollte sich schämen, dass dieser noch solche Spiele wie am Montag „leiden“ darf…

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