Historischer Tabellenzweiter auf dem Weg nach Europa

Famos sind die 39 Punkte, die RB Leipzig in den 17 Spielen der Hinrunde sammelte. Das erkennt man auch daran, dass seit Einführung der Dreipunktregel 1995 alle Teams, die 39 Punkte oder mehr hatten, auch Tabellenführer waren. RB Leipzig ist entsprechend der allererste Club, der mit 39 Punkten nach 17 Spielen nur Platz 2 belegt. Es gab also noch nie gleichzeitig zwei Teams mit einer solchen Punktausbeute nach der Hinrunde.

Zwölfmal kam es bis zur letzten Saison in 21 Spielzeiten vor, dass eine Mannschaft mindestens 39 Punkte hatte. Elfmal wurde das entsprechende Team Meister. Nur Leverkusen kam 2001/2002 noch als Zweiter hinter Dortmund ein, hatte nach der Hinrunde aber auch nur einen Punkt Vorsprung vor dem BVB. Sprich, in dieser Saison wird erst das zweite Mal in dann 22 Spielzeiten der Fall eintreten, dass ein Team, das nach der Hinrunde mindestens 39 Punkte hatte, nicht deutscher Meister wird. Nur um mal die historische Dimension zu verdeutlichen, die die Saison von RB Leipzig bisher hat.

Nach dieser überragenden Hinrunde wird natürlich häufig auf die TSG Hoffenheim verwiesen. Der Vorzeigeeinbruch eines Überraschungsteams. Und dann damals noch traininert von Ralf Rangnick. Das ergibt in jedem Fall eine gute Geschichte.

Tatsächlich gibt es seit 1995 nur zwei Mannschaften, die nach Platz 1 oder 2 zur Saisonhalbzeit am Ende noch schlechter waren als Platz 4. Eben Hoffenheim 2008/2009. Und Mainz 05 in der Saison 2010/2011. Dazu kommen drei Teams, die von Platz 1 oder 2 noch auf Platz 4 zurückfielen. Insgesamt bleiben also in 21 Spielzeiten fünf von 42 Teams, die Platz 1 oder 2 noch gegen Platz 4 oder schlechter eintauschten.

Wobei der Vorsprung von Hoffenheim damals bei weitem nicht so groß war wie jener von RB Leipzig jetzt. Acht Punkte Vorsprung hatte die TSG damals als Spitzenreiter nach 17 Spielen auf Platz 7. RB Leipzig hat als Zweiter schon neun Punkte Vorsprung auf Platz 4. Auf Platz 7 sind es bereits 13 Punkte Rückstand.

Noch enger war es in Mainz 2010/2011. Gerade mal vier Punkte hatte man zur Pause als Zweiter Vorsprung auf Platz 5, den man dann am Ende belegte. Bei Leverkusen waren es zur Halbserie 2013/2014 fünf Punkte Vorsprung auf den finalen Platz 4, 2009/2010 vier Punkte und 2000/2001 gar nur ein Punkt.

Hoffenheim ist aber nicht ganz das einzige Team in den letzten 21 Spielzeiten, das nach einer famosen Hinrunde noch abstürzte. Kaiserslautern hatte 2001/2002 genauso viele Punkte (nämlich 35) wie Hoffenheim 2008/2009 nach 17 Spielen. Damit war man allerdings nur Dritter. Am Ende stand auch für die Pfälzer Rang 7, auf den sie zur Hälfte der Saison mal eben schlappe neun Punkte Vorsprung geholt hatten.

Vergleichsweise große Vorsprünge verspielten auch Stuttgart, Bremen und 1860. Die Münchener stürzten 1998/1998 noch von 4 auf 9 ab. Zwischen diesen beiden Plätzen lagen nach 17 Spielen immerhin zehn Punkte. Stuttgart büßte beim Fall von 3 auf 10 1995/1996 immerhin noch acht Punkte ein. Genauso wie Bremen 2002/2003 beim Fall von 3 auf 6.

Insgesamt lediglich 16 von 84 Teams, die nach der Hinrunde die ersten vier Plätze belegten, fielen am Ende noch aus dem Topquartett. Also lediglich jedes fünfte Team. Nicht mal jede Saison eins. In gleich neun der letzten 21 Spielzeiten war das Spitzenquartett zur Hälfte genau dasselbe wie jenes am Ende. Zweimal änderte sich nicht mal was an der Reihenfolge.

Soll alles zusammen heißen, dass die Teams, die zur Pause oben stehen, im Normalfall auch am Ende ganz oben stehen. Der HSV (dreimal), Kaiserslautern (2mal) und Stuttgart (2mal) sind Teams, die gleich mehrmals noch aus den Toprängen herausfielen im Laufe der Rückrunde. Stuttgart ist zudem das Team, mit dem tabellarisch größten Absturz in der Rückrunde. 1995/1996 ging es mal eben von Rang 3 auf Rang 10 runter.

Auf der anderen Seite ist Schalke der absolute Spezialist darin, sich im Laufe der Rückrunde noch in die Top4 zu schieben. Gleich viermal gelang das noch in den letzten 21 Spielzeiten. Bei neun Punkten Rückstand auf Rang 4 könnte das diese Saison ein etwas arg ambitioniertes Ziel sein. Auch Hertha (3mal), Bremen und Stuttgart (je 2mal) konnten seit 1995 mehrmals über eine gelungene Rückrunde jubeln.

Auch hier gehört Stuttgart zu den Teams mit einer der bemerkenswertesten, tabellarischen Aufholjagden. Von 10 auf 3 schoss man 2008/2009 noch, als Hoffenheim in der Gegenrichtung unterwegs war. Getoppt wurde das in derselben Saison nur von Wolfsburg, die nach Platz 9 zur Halbzeit der Saison noch die Meisterschaft abstaubten. Neun Punkte Rückstand hatte der VfL damals nach 17 Spielen auf den Spitzenreiter TSG Hoffenheim.

Statistisch gesehen spricht bei RB Leipzig anhand der obigen Daten alles für die Teilnahme an einem europäischen Wettbwerb in der kommenden Saison. Für Platz 3 (was derzeit direkte Qualifikation für die Champions League bedeutet)  waren in den letzten 21 Spielzeiten zwischen 55 und 68 Punkte nötig. In den letzten elf Spielzeiten brauchte man immer mindestens 60 Punkte. Meist pendelte sich Platz 3 so irgendwo um die 65 Punkte ein. Ds wären noch etwa 27 Punkte, die RB Leipzig holen müsste.

Für Platz 6 und den sicheren Einzug in die Europa League reichten in den letzten 21 Spielzeiten zwischen 47 und 59 Punkten. Wobei die Zahlen in der jüngeren Vergangenheit relativ stark hin- und herschwankten. Man sollte nicht vermuten, dass man den Europa-League-Platz in dieser Spielzeit für wesentlich weniger als 55 Punkte kriegt. Spricht, aus RB-Sicht wären das noch 16 Punkte bis Europa.

Interessant vielleicht, dass man mit einer Verdopplung der aktuellen RB-Punktzahl zwischen 1995 und 2011 immer deutscher Meister geworden wäre. 72 Punkte brauchte man in 16 Spielzeiten im Schnitt für den Titel. Seitdem ist die Anforderung extrem nach oben geschnellt. Im Schnitt ging der Meister in den letzten fünf Spielzeiten mit fast 86 Punkten aus der Saison. Da fehlen RB Leipzig dann nur noch lockere 47 bis zu dieser Marke. Also 15 Siege und zwei Unentschieden aus 17 Spielen. Klingt machbar.^^ Wobei die Meisterschaft diese Saison sicher für drei, vier Punkte weniger als 86 zu haben sein wird. Zumindest wäre es dann doch leicht überraschend, sollten die Bayern ihre Punkte noch mal mehr als verdoppeln.

Wie immer gilt, dass das natürlich alles nur Statistik ist. Aber wieder einmal eine, die zeigt, dass Teams, die 17 Spiele lang oben mitspielten, auch auf Sicht der Saison oben mitspielen. 68 von 84 Teams, die zur Halbzeit Vierter oder besser waren, lagen auch am Ende unter den ersten Vier.

Gerade mal zwei richtige Gegenbeispiele zur Beständigkeit in der absoluten Spitze gibt es mit Hoffenheim und Kaiserslautern (wenn man von 1860, Stuttgart, Bremen absieht, die zur Halbserie teils deutlich weniger Punkte hatten). Aber wenn RB Leipzig ähnlich viele Punkte verspielen würde wie diese beiden Teams (also 8 bis 9 Punkte), dann würde am Ende immer noch Platz 3 bis  4 herauskommen.

Statistisch gesehen ist das die Untergrenze dessen, um was es in dieser Saison für RB Leipzig geht. Noch niemand, der nach 17 Spielen mindestens 39 Punkte oder mehr geholt hat, landete am Ende unterhalb von Platz 2. Nur 2 von 42 Teams, die nach 17 Spielen unter den Top2 waren rutschten überhaupt noch aus den Top4. Alle zehn Jahre ein Team.  Zwischen 2008 und 2011 passierte es gleich zweimal, von daher sollte diese Quote erstmal übererfüllt sein. Statistisch gesehen wohlgemerkt. Mal sehen, was die Kicker dann daraus auf dem Fußballplatz machen.

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Teams mit mindestens 39 Punkten nach 17 Spielen und ihre Abschlussplatzierung:

  • Bayern: sieben Mal Meister
  • Dortmund: zweimal Meister
  • Kaiserslautern: einmal Meister
  • Bremen: einmal Meister
  • Leverkusen: einmal Zweiter

Bilanzen der Bundesligisten nach 17 Spielen und nach 34 Spielen. Jeweils vorn die Platzierung nach 17 Spielen, nach dem Bindestrich folgt die Platzierung nach 34 Spielen.

  • 2015/2016: 1-1, 2-2, 3-7, 4-4
  • 2014/2015: 1-1, 2-2, 3-4, 4-3
  • 2013/2014: 1-1, 2-4, 3-6, 4-2
  • 2012/2013: 1-1, 2-3, 3-2, 4-6
  • 2011/2012: 1-2, 2-1, 3-3, 4-4
  • 2010/2011: 1-1, 2-5, 3-2, 4-4
  • 2009/2010: 1-4, 2-2, 3-1, 4-7
  • 2008/2009: 1-7, 2-2, 3-4, 4-5
  • 2007/2008: 1-1, 2-2, 3-4, 4-7
  • 2006/2007: 1-3, 2-2, 3-4, 4-1
  • 2005/2006: 1-1, 2-3, 3-2, 4-4
  • 2004/2005: 1-1, 2-2, 3-5, 4-9
  • 2003/2004: 1-1, 2-2, 3-3, 4-4
  • 2002/2003: 1-1, 2-3, 3-6, 4-7
  • 2001/2002: 1-2, 2-1, 3-7, 4-3
  • 2000/2001: 1-2, 2-4, 3-1, 4-3
  • 1999/2000: 1-1, 2-2, 3-3, 4-4
  • 1998/1999: 1-1, 2-2, 3-5, 4-9
  • 1997/1998: 1-1, 2-2, 3-4, 4-3
  • 1996/1997: 1-1, 2-3, 3-2, 4-4
  • 1995/1996: 1-1, 2-2, 3-10, 4-4

Teams zwischen 1995 und 2016, die sich von unterhalb der Top4 der Bundesliga nach 17 Spielen noch in die Top4 nach 34 Spielen kämpften:

  • Schalke – 4
  • Hertha – 3
  • Bremen, Stuttgart – je 2
  • Leverkusen, Bayern, Wolfsburg, HSV, Dortmund – je 1

Teams, die nach einem Platz unter den Top4 nach 17 Spielen am Ende noch aus den Top4 flogen

  • HSV – 3
  • Kaiserslautern, Stuttgart –  je 2
  • Hertha, Mönchengladbach, Frankfurt, Mainz, Hoffenheim, Wolfsburg, Bremen, Schalke, 1860 – je 1

Mannschaften, die in der zweiten Saisonhälfte noch aus den Top4 rutschten und ihre jeweiligen Abstürze und ihr Vorsprung auf den Endplatz in der Tabelle zum Zeitpunkt des 17.Spieltags. Sprich Hertha wurde 2015/2016 am Ende 7. und lag nach 17 Spielen mit sechs Punkten Vorsprung auf Platz 7 auf dem dritten Rang.

  • Hertha 2015/2016: von Platz 3 auf Platz 7, 6 Punkte Vorsprung
  • Mönchengladbach 2013/2014: von Platz 3 auf Platz 6; 5 Punkte Vorsprung
  • Frankfurt 2012/2013: von Platz 4 auf Platz 6; 4 Punkte Vorsprung
  • Mainz 2010/20112: von Platz 2 auf Platz 5; 4 Punkte Vorsprung
  • HSV 2009/2010: von Platz 4 auf Platz 7; 6 Punkte Vorsprung
  • Hoffenheim 2008/2009: von Platz 1 auf Platz 7; 8 Punkte Vorsprung
  • HSV 2008/2009: von Platz 4 auf Platz 5, 1 Punkt Vorsprung
  • HSV 2007/2008: von Platz 4 auf Platz 7; 3 Punkte Vorsprung
  • Stuttgart 2004/2005: von Platz 3 auf Platz 5; 3 Punkte Vorsprung
  • Wolfsburg 2004/2005: von Platz 4 auf Platz 9; 5 Punkte Vorsprung
  • Bremen 2002/2003: von Platz 3 auf Platz 6; 8 Punkte Vorsprung
  • Schalke 2002/2003: von Platz 4 auf Platz 7; 3 Punkte Vorsprung
  • Kaiserslautern 2001/2002: von Platz 3 auf Platz 7; 9 Punkte Vorsprung
  • Kaiserslautern 1998/1999: von Platz 3 auf Platz 5; 4 Punkte Vorsprung
  • 1860 1998/1999: von Platz 4 auf Platz 9; 10 Punkte Vorsprung
  • Stuttgart 1995/1996: von Platz 3 auf Platz 10; 8 Punkte Vorsprung

Punkte, die man in 21 Spielzeiten seit 1995 in der Bundesliga für die Meisterschaft benötigte:

  • 88, 79, 90, 91, 81, 75, 70, 69, 76, 70, 75, 77, 74, 75, 70, 63, 73, 78, 68, 71, 68 = 1581 = 75,29 im Schnitt; seit 2011 = 85,8 im Schnitt; bis 2011 = 72,0 im Schnitt

Punkte, die man in 21 Spielzeiten seit 1995 in der Bundesliga für Platz 3 benötigte:

  • 56, 63, 55, 62, 59, 58, 68, 58, 65, 59, 68, 66, 64, 64, 61, 65, 64, 65, 64, 66, 60 = 1310 = 62,38 im Schnitt

Punkte, die man in 21 Spielzeiten seit 1995 in der Bundesliga für Platz 6 benötigte:

  • 49, 49, 51, 55, 50, 55, 56, 52, 55, 57, 48, 48, 52, 59, 55, 47, 53, 51, 55, 48, 50 = 1095 = 52.14 im Schnitt

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Gegen die Rangers absolvierte RB Leipzig schon mal einen europäischen Stresstest. Ab dem Sommer dürfte es dann ernst werden. | GEPA Pictures - Roger Petzsche
GEPA Pictures – Roger Petzsche

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4 Gedanken zu „Historischer Tabellenzweiter auf dem Weg nach Europa“

  1. Ich liebe Statistiken 🙂 ! Eine sehr schöne Übersicht, die die überragende Leistung der RB-Truppe in der bisherigen Saison unterstreicht.
    Danke!

  2. Na hoffentlich lesen das keine Rasenballer, Druck und so 😉

    Das sind in der Tat wirklich schöne Statistiken und bei ein paar denkt man gern zurück.
    Was noch hinzukommt, wir haben noch 9!! Heimspiele.
    Im Grunde ist es wirklich nur die Frage: Qabala oder Madrid?

  3. Aber die einzig wirklich bedeutende Statistik ist ja nunmal die „Ewige Bundesligatabelle“. Und da liegt RB jetzt auf Platz 46. Weit vor Tasmania Berlin und VfB Leipzig, aber immer noch einige Punkte hinter FC Homburg und Borussia Neunkirchen. 😉

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