Immer wieder samstags. Oder auch nicht.

Wieder mal steht am nächsten Spieltag für RB Leipzig eine Partie an, die nicht am Samstag, 15.30 Uhr ausgetragen wird. Wieder mal ein Freitag. Schon zum dritten Mal in dieser Saison. Zum zweiten Mal in Folge auswärts. Ins geschmeidige 650 km entfernte Freiburg.

Generell wird RB Leipzig in dieser Saison nur selten zur ’normalen‘ Bundesliga-Spielzeit am Samstag Nachmittag angesetzt. Bis zum 20. Spieltag wurden die Partien bisher von der DFL terminiert. 18 Spieltage davon fallen aufs Wochenende, zwei Spieltage in englischen Wochen auf Dienstag und Mittwoch. An den 18 Wochenendsspieltagen spielt RB Leipzig gerade mal sechsmal am Samstag Nachmittag.

Entsprechend spielt man gleich zwölfmal zu anderen Terminen. Wobei man bis zum 20. Spieltag nirgendwo die Spitze hält. Freitags spielt Bayern, Freiburg und Frankfurt häufiger als RB. Samstag Abend spielen Leverkusen und Dortmund häufiger als RB. Und Sonntags spielen Mainz, Schalke, Hertha und Hoffenheim häufiger als RB.

Und trotzdem ist man zusammen mit Schalke und Mainz und mit Abstand das Team mit den wenigsten Spielterminen am Samstag Nachmittag. Wobei das bei Schalke und Mainz wenig erstaunt, da die beiden Teams als Europa-League-Starter überdurchschnittlich häufig auf den Sonntag geschoben werden müssen.

Insgesamt korrelieren die Teams, die besonders häufig am Samstag Nachmittag spielen, stark mit den schwächeren Teams in der Einschaltquotentabelle, die meedia.de regelmäßig erstellt. Wenn man denn mal von Hamburg und vor allem Köln absieht, dann sind Ingolstadt, Darmstadt, Wolfsburg, Augsburg und Freiburg jene Teams, die auch bei Sky eher geringe Einschaltquoten absahnen.

Wobei man da die Henne-und-Ei-Frage stellen könnte. Sind die Einschaltquoten so schwach, weil die Vereine nur selten als Einzelspiele ohne parallele Konkurrenz laufen? Oder laufen die Vereine häufig im Rahmen der Konferenz, um das geringere Interesse an ihnen durch die Einbettung in andere Spiele aufzufangen? (Wobei die Frage dadurch etwas abgeschwächt wird, dass man bei der Meedia-Berechnung auf die Samstags-Einzelspiele noch anteilig Zuschauer aus der Konferenz zugeschuster bekommt.)

Nun, die Frage mag interessant sein, ist im Grunde aber nicht endgültig zu beantworten. Fakt ist, dass RB Leipzig in den drei Spielen am Samstagnachmittag pro Spiel in der Einzeloption ungefähr 25.000 Zuschauer gehabt haben soll. Nach üblicher Quotenrechnung mit ihrer Fehleranfälligkeit. Selbst wenn man nun noch anteilig Konferenzzuschauer dazuschlägt, kommt man durchschnittlich nur auf knapp 50.000 Zuschauer für die drei Spiele in Hamburg, in Darmstadt und gegen Mönchengladbach, bei denen parallel noch andere Spiele liefen. Auf der anderen Seite stehen reichlich 500.000 Zuschauer im Schnitt bei den Spielen zu exklusiven Spielterminen.

Wird nicht uninteressant, wie die Einschaltquoten bei den kommenden Samstagspielen um 15.30 Uhr sein werden. Bis zum 20. Spieltag folgen noch drei solcher Spiele. Darunter die Partie in Ingolstadt. Oder jene gegen den HSV. Oder jene gegen Hoffenheim. Werden vermutlich auch nicht unbedingt Straßenfeger bzw. Sky-Konferenz-Leerfeger, die Begegnungen.

Sowieso ist die ganze Quotenaufrechnung eine schwierige. Schon deswegen, weil gar nicht klar ist, wie die Sky-Verbreitung in den einzelnen Gebieten ist. Im Osten hatte Sky gerade in Bezug auf die Bundesliga in den letzten Jahren nicht gerade sein Stammgebiet. Ob das in den letzten Jahren seit dem Aufstieg von RB Leipzig in die zweite und nun in die erste Liga anders geworden ist, ist unklar. Das gilt für andere Regionen in der Republik natürlich auch. Letztlich ist es aber eben auch der Punkt, dass 25.000 Zuschauer bei einem Einzelspiel eines Vereins aus einem Gebiet mit wenig Sky-Verbreitung etwas anderes sind als 25.000 Zuschauer bei einem Einzelspiel eines Vereins aus einem Gebiet mit hoher Sky-Verbreitung.

These aus den Einschalquoten könnte sein, dass RB Leipzig als bundesdeutsches, polarisierendes Phänomen funktioniert. Das legt zumindest der Blick auf die Einschaltquoten bei Spielen an exklusiven Spielterminen nahe. Auf der anderen Seite scheint es nicht so, dass der Verein bereits eine eigene, umfassende (Sky-)Basis hätte, die auch zu nichtexklusiven Spielterminen explizit nach dessen Spielen sucht und sich für diese und gegen die Konferenz entscheidet. Ob diese nicht so große Basis an einer eher kleinen Fanschar oder an einer geringen Sky-Verbreitung liegt, wird dann wohl jeder nach eigener Präferenz und eigenem Standpunkt in der RB-Debatte beantworten.

Gute Frage, warum dann RB Leipzig so häufig nicht am Samstagnachmittag angesetzt wird. Wobei die Spielplanerstellung auch ein komplexes Ding ist. Dass das RB-Mainz-Spiel nur an einem Sonntag stattfinden konnte, ist klar, weil der FSV unter der Woche am Donnerstag Europa League spielte. Auch Reiserouten von Fans spielen eine Rolle, weil die DFL versucht so zu planen, dass Fangruppen nicht unbedingt auf ihren Wegen direkt aufeinanderprallen. Auch polizeiliche Erwägungen spielen in Regionen mit mehreren Vereinen eine Rolle, wo man nicht unbedingt mehrere Spiele parallel absichern will.

Man muss also nicht unbedingt in die Kiste der Verschwörungstheorien greifen, wenn man sich die RB-Spieltermine erklären will. Die verschwörungstheoretische Theorie würde lauten, dass die DFL RB Leipzig mit Spielterminen und ergo mit Aufmerksamkeit protegiert, weil man ja sowieso RB-hörig ist und es gut findet, dass es den Verein gibt und man dies eben durch Ansetzungspolitik unterstützt.

Letztlich bleibt neben Sachargumenten (also Polizei, Anreiserouten, Europa League und Co) bei der Ansetzung aber auch die Tatsache, dass RB Leipzig aus bundesdeutscher Sicht ein interessantes Phänomen ist, das per se eine hohe Aufmerksamkeit mit sich bringt. Nicht immer aus sportlichen Erwägungen. Aber das ist der Einschaltquote und den TV-Sendern (bzw. den Online-Portalen mit ihren klickträchtigen Überschriften, wo RB-Content immer geht) egal.

Die Aufmerksamkteit war schon vor der Saison hoch und wird angesichts eines Tabellenführers RB Leipzig (Achtung, Untergang des Fußballs! Oder wahlweise auch Rettung dees Fußballs. Da ist man medialerseits flexibel.) nicht geringer. Von daher kommt die Ansetzungspolitik gegenüber RB Leipzig bei Einzelspielen dem Abofernsehen Sky zumindest entgegen.

Insgesamt sind die Verzerrungen zwischen den Klubs bei den Ansetzungen sowieso nicht so groß. Ein paar Sachen stechen trotzdem heraus. Zuvorderst erstmal Ingolstadt, die bei 18 Wochenendterminen 17mal den Samstag 15.30 Uhr gekriegt haben. Ledigliche eine Ansetzung ist am Sonntag um 17.30 Uhr. Zum Vergleich: Darmstadt, Wolfsburg und Hamburg folgen den Ingolstädtern am Samstag um 15.30 Uhr mit großem Abstand und jeweils 13 Partien zu diesem Zeitpunkt. Ingolstadt außerhalb der Sky-Konferenz, das kann sich offenbar kaum jemand vorstellen.

Am Freitag sind die Dinge relativ normal verteilt. Darmstadt, Ingolstadt und Wolfsburg spielen bis zum 20. Spieltag nie zu diesem Termin. Der Rest spielt zwischen einmal und viermal zum Auftakt eines Spieltags. Bayern, Aufsteiger Freiburg, Frankfurt, Dortmund und Leipzig sind hier mit drei- bis viermal die Topteams.

Am Sonntag sind alle Teams mal dran. Am wenigsten Ingolstadt, Dortmund und Bayern mit jeweils einem Sonntagstermin. Bei letzteren beiden hat es wohl vornehmlich mit der Champions League zu tun, dass man sie eher wenig am Sonntag einsetzt. Wobei Leverkusen und Mönchengladbach auch zwei- bzw. dreimal am Sonntag ranmüssen.

Absoluter Sonntagskrösus ist Mainz 05 mit 10 von 18 Spielen an diesem Tag. Das ist nicht allein mit der Europa League zu erklären, wenn man sich Schalke anguckt. Die spielen nämlich auch nur siebenmal sonntags. Hertha und Hoffenheim folgen mit sechs Sonntagsspielen.

Am meisten wird am Samstag Abend um 18.30 Uhr selektiert. Bzw. gibt es dort die meisten Teams, die nie einen solchen Termin abbekommen. Bis zum 20.Spieltag werden sieben Teams bleiben, die nie das Topspiel des Spieltags spielen. Freiburg, Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg, Mainz und Hoffenheim sind allesamt Teams, die aktuell in der unteren Hälfte der Einschaltquotentabelle stehen. Dazu kommt der Hamburger SV, der noch über mehr TV-Fans verfügt, aber offenbar sportlich nicht für ein Spitzenspiel in Frage kommt.

Aus der unteren Tabellenhälfte der Einschaltquoten wurden bisher nur Leverkusen, Wolfsburg und Frankfurt für einen Topspiel am Samstag ausgewählt. Leverkusen und Wolfsburg als sportlich (potenziell und aus Sicht vom Saisonbeginn) interessante und gute Teams sind da wohl nachvollziehbar. Und Frankfurt ist eben auch ein Team mit besonders großer Fanbasis, auch wenn sich das in den Sky-Quoten bisher noch nicht so richtig durchschlägt. Allerdings spielte man zu Saisonbeginn auch fast ausschließlich am Samstagnachmittag in der Konferenz, sodass die Quoten sich in den nächsten Wochen wohl eher noch ein Stück nach oben anpassen werden.

Leverkusen, Dortmund, Mönchengladbach, Bremen und Leipzig sind mit fünf bzw. vier Spielen bisher die am meisten am Samstag Abend angesetzten Teams. Also eine bunte Mischung aus sportlichen Erwägungen und Zuschauerinteresse. Wobei Bremen da wohl perspektivisch ein Stück zurückrutschen dürfte, wenn der sportliche Weg so weitergeht wie bisher.

Generell hängen die Spieltagsansetzungen der Bundesliga ein ganzes Stück mit dem TV-Interesse an Teams zusammen. Wobei sich das 1:1 nicht übertragen lässt. Bayern und Dortmund beispielsweise spielen bisher überraschend selten zu exklusiven Spielterminen. Was auch damit zusammenhängen könnte, dass man sich die beiden Teams eher für das Saisonende aufhebt. Und was auch daran liegt, dass sie fast gar nicht am Sonntag antreten.

Auf der anderen Seite spielen Mannschaften wie Ingolstadt, Darmstadt, Freiburg, Wolfsburg oder Augsburg nur vergleichsweise selten jenseits des Samstags, 15.30 Uhr. Was einen relativ klaren TV-Hintergrund zu haben scheint. Lediglich Köln mit nur sechs Terminen jenseits des Samstagnachmittags (wenn man von den englischen Wochen absieht) erstaunt da ein bisschen. Sowohl Anzahl der Fans, als auch Tabellenstand prädestinieren eigentlich für mehr exklusive Spieltermine. Kommt vielleicht noch mit Verzögerung.

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Sky-Top-Quoten RB Leipzig (nach meedia.de)

  • Auswärts Köln (Soinntag, 17.30 Uhr): 780.000 Zuschauer
  • Zu Hause Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr): 580.000 Zuschauer
  • Auswärts Leverkusen (Freitag, 20.30 Uhr): 530.000 Zuschauer

Sky-Minus-Quoten RB Leipzig (alle Samstag, 15.30 Uhr)

  • Auswärts HSV: 50.000 Zuschauer (plus 50.000 aus der Konferenz)
  • Zu Hause Mönchengladbach: 20.000 Zuschauer (plus 15.000 aus der Konferenz)
  • Auswärts Darmstadt: weniger als 5.000 (nicht messbarer Bereich)

Auszug Quoten-Gesamttabelle Sky-Einzelspiele

  • Bayern München: 820.000 Zuschauer pro Spiel
  • Borussia Dortmund: 640.000 Zuschauer pro Spiel
  • RB Leipzig: 390.000 Zuschauer pro Spiel
  • FC Ingolstadt: 190.000 Zuschauer pro Spiel
  • SV Darmstadt 98: 100.000 Zuschauer pro Spiel

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Spielansetzungen Bundesliga

Freitag 20.30 Uhr

  • Bayern, Freiburg, Frankfurt – je 4
  • Dortmund, Leipzig – je 3
  • Hertha, Mönchengladbach, Hoffenheim, Schalke, Hamburg, Leverkusen, Augsburg, Mainz – je 2
  • Bremen, Köln – je 1
  • Darmstadt, Ingolstadt, Wolfsburg – je 0

Samstag 15.30 Uhr

  • Ingolstadt – 17
  • Darmstadt, Wolfsburg, Hamburg – je 13
  • Augsburg, Köln – je 12
  • Freiburg – je 11
  • Mönchengladbach, Bayern, Hoffenheim – je 10
  •  Dortmund – 9
  • Bremen, Leverkusen, Frankfurt, Hertha – je 8
  • Leipzig,  Schalke, Mainz – je 6

Samstag 18.30 Uhr

  • Leverkusen, Dortmund – je 5
  • Mönchengladbach, Bremen, Leipzig – je 4
  • Bayern, Frankfurt, Schalke – je 3
  • Wolfsburg, Hertha – je 2
  • Köln – 1
  • Freiburg, Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg, Mainz, Hoffenheim, Hamburg – je 0

Sonntag 15.30 Uhr

  • Mainz – 5
  • Hoffenheim, Hertha, Darmstadt – je 4
  • Augsburg, Bremen – je 3
  • Wolfsburg, Freiburg, Leipzig, Schalke, Hamburg – je 2
  • Mönchengladbach, Bayern, Leverkusen – je 1
  • Dortmund, Ingolstadt, Frankfurt, Köln – je 0

Sonntag 17.30 Uhr

  • Mainz, Schalke – 5
  • Köln – 4
  • Leipzig, Frankfurt – je 3
  • Hertha, Hoffenheim, Bremen, Leverkusen – je 2
  • Mönchengladbach, Wolfsburg, Hamburg, Augsburg, Ingolstadt, Dortmund, Darmstadt, Freiburg – je 1
  • Bayern – 0

Sonntags

  • Mainz – 10
  • Schalke – 7
  • Hertha, Hoffenheim – je 6
  • Bremen, Leipzig, Darmstadt – je 5
  • Köln, Augsburg – je 4
  • Hamburg, Leverkusen, Frankfurt, Wolfsburg, Freiburg – je 3
  • Mönchengladbach – je 2
  • Ingolstadt, Dortmund, Bayern – je 1

Nichtexklusiver Spieltermin

  • Ingolstadt – 19
  • Darmstadt, Wolfsburg, Hamburg – je 15
  • Augsburg, Köln – je 14
  • Freiburg – je 13
  • Mönchengladbach, Bayern, Hoffenheim – je 12
  •  Dortmund – je 11
  • Bremen, Leverkusen, Frankfurt, Hertha – je 10
  • Leipzig,  Schalke, Mainz – je 8

Exklusiver Spieltermin

  • Leipzig, Schalke, Mainz – je 12
  • Bremen, Leverkusen, Frankfurt, Hertha – je 10
  • Dortmund – 9
  • Mönchengladbach, Bayern, Hoffenheim – je 8
  • Freiburg – 7
  • Augsburg, Köln – je 6
  • Darmstadt, Wolfsburg, Hamburg – je 5
  • Ingolstadt – 1

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Nur am Rande interessant die Verteilung in den englischen Wochen, da hier jeder in gleichem Maße von einem nichtexklusiven Spieltermin betroffen ist.

Dienstag 20 Uhr

  • Frankfurt, Hamburg, Wolfsburg, Dortmund – 2
  • Mainz, Freiburg, Darmstadt, Hoffenheim, Ingolstadt, Mönchengladbach, Schalke, Augsburg – je 1

Mittwoch 20 Uhr

  • Bremen, Köln, Leverkusen, Hertha, Bayern, Leipzig – 2
  • Mönchengladbach, Mainz, Schalke, Augsburg, Hoffenheim, Ingolstadt, Freiburg, Darmstadt – je 1

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Volles Stadion in Leipzig. Meist gut gefüllte Sky-Einzelspiele im TV. | GEPA Pictures - Sven Sonntag
GEPA Pictures – Sven Sonntag

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