Zeit für Kekse

„Im Idealfall“ sei man „in vier Wochen“ mit der Kaderplanung für die kommende Spielzeit durch, ließ Sportdirektor Ralf Rangnick vor knapp vier Wochen verlauten. Vielleicht sprach damals noch mehr der hoffnungsvolle Trainer als der wissende Sportdirektor aus ihm, denn bekanntgegeben wurde in er Zwischenzeit noch kein Transfer.

Wobei, wer an die vier Wochen tatsächlich geglaubt hat, reist nächste Saison mit RB Leipzig auch als größte Auswärtsfahrtgruppe hinter Schalke und Dortmund durch die Republik und ihre Gästeblöcke, sah im Umkreis von 250 km um Leipzig vor vier Jahren nur Dresden im Profifußball und findet, dass 90% der eigenen Leistungsfähigkeit bei einem Auswärtsspiel in Düsseldorf im Normalfall reichen sollten. Sprich, mit Zahlen sollte man es bei den Äußerungen des Sportdirektors nicht immer ganz so genau nehmen, selbst wenn man die Idee dahinter (im diesmaligen Fall die Hoffnung auf eine schnelle Kaderplanung) vielleicht erkennen kann.

Letztlich war die eigene Zielvorgabe sowieso irgendwas zwischen sportlich und völlig utopisch. Was nicht nur damit zu tun hat, dass man offensichtlich Spitzentalente zu einem normalen Bundesligagehalt verpflichten will, sondern auch damit, dass die Sommerpause sehr lang ist und große Turniere wie die Europameisterschaft oder die Copa America noch anstehen oder gerade erst angelaufen sind.

Sprich, der Transfermarkt ist noch nicht mal ansatzweise in einer heißen Phase. Gerade begehrte und talentierte Spieler und ihre Berater haben noch mehr als ausreichend Zeit, um sich dem richtigen oder vermeintlich richtigen Bewerber an den Hals zu werfen. Und die potenziell abgebenden Vereine haben noch mehr als genug Zeit und Ruhe, um von hohen Ablöseforderungen nicht abzuweichen. Warum sollte der VfB Stuttgart bspw. für einen wechselwilligen Timo Werner jetzt schon weniger als eine zweistellige Millionensumme zu verlangen, wo es doch scheinbar mehrere Interessenten gibt und es für den Verein um den optimalen Erlös geht.

Dazu kommt ja auch, dass selbst bei RB Leipzig der Druck (noch) relativ gering ist. Noch ziemlich genau einen Monat hat man, bis man die ersten Leistungstest als Start in die Vorbereitung auf die Bundesliga durchführen will. Kein Grund in Panik zu verfallen und in die ersten Forderungen mit Red-Bull-Aufpreis einzuschlagen.

Namen sind inzwischen schon mehr gefallen als man sich merken kann. Viel Unsinn ist da dabei, mehr noch als in den letzten Transferperioden. Gesichtet wurde Ralf Rangnick bereits in der Schweiz (Embolo), in Österreich (Dragovic) und in Brasilien (Jesus; nein, nicht der der übers Wasser ging). Von den 50 Millionen, die der Kicker mal als Rahmen für Ablösezahlungen genannt hatte, sind (wenn man die Gerüchte heranzieht) schon ungefähr 150 Millionen ausgegeben worden.

Eingeschossen hat man sich derzeit in den verschiedensten Medienberichten im Offensivbereich ein wenig auf Timo Werner und Breel Embolo, bei denen RB Leipzig zumindest nicht aussichtslos zu sein scheint, die aber zusammen wohl auch nicht unter 30 Millionen weggehen. Und bei denen man sich fragen darf, ob Ralf Rangnick wirklich beide verpflichten will oder es entweder oder heißt. Im Anforderungsprofil sind sie sich jedenfalls ganz schön ähnlich. Beide können im Sturm (vor allem als 2. Stürmer) oder auf den Außen spielen. Gewissermaßen direkte Konkurrenz zu Marcel Sabitzer.

Eingeschossen hatte man sich zwischenzeitlich auch auf einen neuen Torhüter. Nachdem die gehandelten Namen Leno, Horn und Zieler als große Lösungen nicht mehr möglich sind, bliebe noch eine kleine Lösung, die das Niveau der aktuellen beiden Topleute nicht automatisch toppt, sondern eher ergänzt, aber aufgrund des Alters noch ordentliches Entwicklungspotenzial mitbringt. Marius Müller vom 1.FC Kaiserslautern wurde immer wieder genauso genannt wie eine Handvoll ausländische Keeper.

Eher ruhig ist es abgesehen von einigen eher vagen Gerüchten im Innenverteidigerbereich und auf der Sechs bis Acht. Der österreichische Nationalspieler Aleksandar Dragovic klingt interessant, wäre für seine 25 Jahre aber auch ordentlich zu teuer (also nach ursprünglichen Rangnick-Maßstäben eigentlich sowieso zu alt, um Ablöse für den Spieler zu zahlen). Naby Keita wäre immer noch die Optimallösung auf der Acht, allerdings macht Salzburg öffentlich aus irgendeinem Grund weiter auf rhetorische Härte.

Gar nichts hört man bisher in Bezug auf die Außenverteidigerposition, die nach Teigls Abgang gen Augsburg unterbesetzt ist. Diese Lücke ist aus dem eigenen Nachwuchs nicht sinnvoll zu besetzen. Allerdings ist der Markt für Außenverteidiger auch keiner, auf dem mal eben zwanzig geeignete Kandidaten rumrennen.

Will sagen, der Rahmen dessen, was gesucht wird, ist klar und wurde ja hier bereits dargelegt. Vermutlich wird die erste Bestätigung eines Transfers sogar relativ zeitnah eintrudeln. Dass man mit Neuzugängen bis zum Wochenende oder auch nur bis zum Trainingsauftakt durch ist, konnte man allerdings nur glauben, wenn man Rangnicks Aussage von den vier Wochen allzu ernst nahm.

Die Transferperiode dauert bis zum 31.08.2016, also noch fast drei Monate. Das erste Pflichtspiel ist um den 20.08.2016 herum. Der erste Bundesligaspieltag läuft eine Woche später, also kurz vor Transferschluss. Nehmt euch entsprechend noch einen Keks, atmet tief durch, springt irgendwo in einen See und nach ein paar Portionen Geduld steht dann auch der Kader für die kommende Saison. Selbst wenn aus den vier Wochen dann 14 geworden sind.

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Ein Gedanke zu „Zeit für Kekse“

  1. ok, der Prof. Ralf R. ist nicht das Krümmelmoster (oder doch?) und bei Zahlen und seinen Prognosen, muss ich mich auch teilweise verstecken. Auch habe ich mich bei der 4-Wochen-Frist gewundert.
    Soweit so gut.
    Nur denke ich, sollte der Kader bis zum 11.7. stehen, egal wie weit das Transferfenster noch offen hat. (Gut, mit Halste hatte man einen Glückstreffer gehabt) Neuer Trainer, neue Liga – da sollte RBL nicht bis zum Ende warten.
    Was mich (auch) am meisten wundert, daß von den vielen Gerüchten im Netz kein Spieler dabei ist, für die wahren Baustellen im Kader.
    Ich bin auch tiefenentspannt und habe vollstes Vertrauen in die sportliche Führung, dennoch hätte ich gerne 1-2 Kekse 😉

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