Streitobjekt Zweitligalizenz

Zu Beginn der Saison war nach einem Interview mit den DFL- Leuten Rauball und Seifert bereits klar, dass die Frage, inwieweit die Vereinskonstruktion von RB Leipzig mit den Anforderungen der DFL als lizenzierendem Verband für das Fußballspiel in 1. und 2. Bundesliga zusammenpasst, im Zuge des Lizenzverfahrens, das offiziell ab März beginnt, als öffentliches Thema Fahrt aufnehmen wird. Mitte Januar erreichen die Debatten darum in den Weiten der Online-Welt einen ersten Peak unter dem sinngemäßen Titel ‚RB Leipzig mit Problemen bei der Zweitligalizenz‘.

Verantwortlich ist dafür DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig, der am vergangenen Wochenende den Fankongress [broken Link] in Berlin besuchte, an dem insgesamt 700 Fußballanhänger aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Und im Rahmen einer Diskussion im Panel „Der Verein & seine Mitglieder“ laut Kicker verlauten ließ, dass „wir klar für die 50+1-Regel stehen“. Diesbezüglich habe „die DFL mit den Fans keinen Dissens“. Geldgeber aller Art würde man begrüßen, „sofern sie sich an die Spielregeln halten“.

Die Passage kam ohne Nennung von Vereinsnamen aus. Der Bezug zu RB Leipzig, die in diesem Jahr erstmals eine Lizenz bei der DFL beantragen werden, wurde implizit hergestellt. Und ist aber in Bezug auf die 50+1-Regel, die besagt, dass die Vereine mehr als 50% der Stimmen an ausgegliederten Kapitalgesellschaften halten, sprich sie letztlich mehr Stimmen haben müssen als beteiligte Geldgeber, falsch hergestellt. Denn RB Leipzig ist formal ein e.V. ohne Ausgliederung der Lizenzmannschaft. Sodass alleinig der Verein die Entscheidungen trifft.

(Dass der DFL-Geschäftsführer Rettig „klar für die 50+1Regel“ steht, ist nebenbei gesagt ziemlich skurril, wurde doch die 50+1-Regel in einem Kompromiss mit Hannover-Präsident Kind Ende 2011 erst praktisch gekippt, weil nun jede ausgegliederte Kapitalgesellschaft, in die ein Geldgeber seit mehr als 20 Jahren erheblich investiert, von eben diesem Finanzier mehrheitlich übernommen werden darf. Zuvor war die 20 Jahres-Regel auf die Zeit vor 1999 beschränkt, sodass Leverkusen und Wolfsburg als historische Gegebenheiten in Sachen Werksmannschaft unangetastet bleiben konnten.)

Bliebe noch so etwas wie der Geist von 50+1, der ja nach landläufiger Interpretation darauf hinauslaufen soll, dass Vereine mitgliedergeführt über ihr Wohl und Wehe entscheiden. Mal ganz davon abgesehen, dass dies im Profifußball eine sehr naive Annahme ist, die nur im Ausnahmefall zutrifft, bleibt natürlich der Fakt, dass RB Leipzig irgendwas zwischen sieben (die Gründungsanzahl) und neun (woher diese häufig genannte Zahl eigentlich kommt, lässt sich nicht nachvollziehen) Mitgliedern hat, die alle im Sinne des Geldgebers Red Bull agieren. Mehr stimmberechtigte Mitglieder hat RB Leipzig  noch nicht augenommen und will das offenbar auch nicht (der Vorstand kann Anträge ohne Begründung ablehnen). Was den Lizenzhütern ein Dorn im Auge zu sein scheint.

Genau darauf zielt dann auch Andreas Rettig (wieder ohne selbst den Bezug zu RB herzustellen) ab, wenn er noch einmal laut Kicker weiter ausführt:

Die Mitwirkungsmöglichkeit des Mitgliedes darf nicht eingeschränkt werden. Wenn Eintrittsbarrieren für Mitglieder bestehen, schauen wir ganz genau hin.

Das klingt natürlich hübsch, allerdings muss sich Andreas Rettig dann auch fragen lassen, auf welcher Basis er ganz genau hinschauen will. Denn die entsprechende Bestimmungen der DFL machen zur Mitwirkungsmöglichkeit und zu Eintrittsbarrieren von Mitgliedern gar keine konkreten Aussagen.

Maßgeblich sind die Lizenzierungsordnung [broken Link] (und hier insbesondere §4, Absatz 9) und vor allem Anhang III zur Lizenzierungsordnung [broken Link]. Die einzigen in Bezug auf die Mitgliederbeteiligung relevanten Passagen drehen sich hier darum, dass die Mitgliederversammlung „das oberste Organ des Lizenzvereins“ ist. Und das ist sie formal laut Satzung auch bei RB Leipzig. Nur dass hier eben nur sieben bis neun Mitglieder stimmberechtigt sind (insgesamt verfügt RB Leipzig über irgendwas über 200 nicht stimmberechtigte Mitglieder – Sportler, Mitarbeiter, Schiedsrichter z.B.). Und das wiederum widerspricht nicht den schriftlichen Bestimmungen der DFL, auf denen die Lizenzentscheidung beruht und in denen keine Forderung hinsichtlich der Anzahl an Mitgliedern zu finden ist.

De facto hat sich am Stand rund um RB Leipzig in Bezug auf die Satzung und 50+1 in den knapp fünf Jahren des Bestehens nichts geändert. 50+1 ist als Regel schlicht nicht anwendbar auf einen e.V., wie es RB einer ist. Und ansonsten gibt es aktuell nur noch zwei Fallstricke.

Einerseits die Gemeinnützigkeit (diese ist Voraussetzung dafür, dass ein Verein im Landessportbund Mitglied werden kann, was wiederum Voraussetzung für den Spielbetrieb in den verschiedenen regionalen oder nationalen Fußballverbänden ist) . Die Gemeinnützigkeit prüft das Finanzamt und setzt dabei die Mitgliederoffenheit als Kriterium voraus. Hierbei ist die Frage, ob es reicht, dass ein Verein per Satzung theoretisch Mitglieder aufnimmt (was RB tut) oder ob ein Verein tatsächlich auch in der Praxis Mitglieder aufnehmen muss (was RB nicht tut). Wäre im Fall der Fälle eine hübsche Frage für einen (langwierigen) Rechtsstreit zwischen RB und Finanzamt. Eine Frage, an der die DFL überhaupt nicht beteiligt ist.

Zum zweiten gibt es kleinere Satzungsunklarheiten, die sich darauf beziehen, dass der Ehrenrat, ein Vereinsgremium von RB Leipzig, zusätzlich zur Mitgliederversammlung vorzeitig Vorstandsmitglieder abberufen darf, eine Aufgabe, die laut DFL alleinig der Mitgliederversammlung zusteht. Da RB Leipzig mit diesem Passus aber durch die Lizenzierung beim DFB für die dritte Liga gekommen ist und sich die entsprechenden Vorgaben beim Übergang zur DFL nicht verändern und sich auch die Satzung (Stand das, was bis gestern am Amtsgericht einsehbar war) von RB Leipzig diesbezüglich nicht geändert hat, kann man davon ausgehen, dass hierin auch kein Stolperstein besteht (und wenn, wäre er durch eine Satzungsänderung leicht und folgenlos veränderbar).

(Beide hier kurz angesprochenen Punkte wurden bereits 2011 ausführlich unter dem Titel RB Leipzig: die Satzung, Gemeinnützigkeit und der Ehrenrat besprochen.)

Bliebe, um von den Worten von Andreas Rettig nicht nur heiße, adressatengerechte Luft übrig zu lassen, nur noch eine weitere Variante, über die der Kicker spekuliert. Nämlich die, dass „eine Gruppe mit hochrangigen Vereinsvertretern gegründet [wurde], die den entsprechenden Paragraphen in der Satzung klarer und unmissverständlich ausgestalten soll.“

Wobei völlig offen bleibt, welchen Paragraphen man in welche Richtung verändern will. Will man diesbezüglich spekulieren und Rettigs Aussage von der Mitwirkungsmöglichkeit der Mitglieder und den nicht vorhandenen Eintrittsbarrieren zu Rate ziehen, dann müsste es darauf hinauslaufen, dass man irgendwo Passagen einbauen will, die genauer definieren, wie Mitgliedschaft im Verein aussehen soll.

Was zumindest damit zusammen passen würde, dass Eintracht Frankfurts Finanzvorstand Axel Hellmann bereits im Mai vergangenen Jahres davon sprach, dass es unter den Profivereinen Ideen gäbe, wie man RB Leipzig den Schritt in den elitären Club des deutschen Profifußballs verwehren könne. Genaueres ließ er sich damals nicht entlocken, allerdings thematisierte auch er die Anzahl der Mitglieder in dem Zusammenhang.

Was alles zusammen aber auch wieder mehr Fragen aufwirft, als beantwortet. Denn wenn man sich einen Optionsraum ausdenkt für Veränderungen in der Lizenzordnung, die RB Leipzig treffen könnten, dann bliebe nur ein Passus übrig, der verpflichtet, dass man Mitglieder aufnehmen muss. Von dem man sich fragen kann, wie dieser aussehen soll, ohne die Grundlagen des deutschen Vereinsrechts zu torpedieren. Denn dass wie bei RB Leipzig Anträge auf Mitgliedschaft von der Vereinsführung ohne Angabe von Gründen abgewiesen werden können, ist im deutschen Vereinswesen absolut nicht ungewöhnlich (der Passus wird normalerweise eingesetzt, um z.B. einen Feuerwehrverein nur aus Feuerwehrmännern bestehen zu lassen).

Trotzdem könnte die DFL versuchen, diese Passage in der RB-Satzung gelockert zu kriegen. Die Frage wäre dann, inwieweit RB dies juristisch als Eingriff in ihre Vereinsangelegenheiten vor einem ordentlichen Gericht angreifen könnte und auch wollte. Denn grundsätzlich ist davon auszugehen, dass weder DFL noch RB Leipzig ein größeres Interesse an einem geräuschvollen, juristischen Kampf oder an einem Kippen von Bestandteilen der Lizenzierungsordnung haben.

Falls die DFL aber darauf abzielt, RB Leipzig zur Aufnahme von Mitgliedern zu zwingen, bliebe immer noch die Höhe des jährlichen Entgelts für die Vereinsmitgliedschaft. Die beträgt aktuell 800 Euro plus 100 Euro einmalige Eintrittsgebühr. Und für diese Summe bleibt man trotzdem noch ein Jahr lang ohne Stimmrecht. Das ist als Gesamtpaket sicherlich nicht sonderlich lukrativ und schließt größere Personenkreise von vornherein aus.

Denkbar, dass auch dies die DFL gern anders hätte, aber schwerlich vorstellbar, dass man es tatsächlich juristisch sicher in einer Lizenzierungsordnung unterkriegt, wie viel Geld Mitglieder maximal für eine Mitgliedschaft in einem Verein, der sich dem Profifußball verschrieben hat, abzudrücken haben. Denn das kann eigentlich nur originäre Entscheidung des eigenverantwortlich handelnden Vereins sein.

Man weiß es letztlich nicht, was Andreas Rettig geritten hat, sich auf dem Fankongress aus dem Fenster zu lehnen. Vielleicht wollte er auch einmal einer sein, den das (Fan-)Volk liebt. Dazu passen würde jedenfalls, dass Rettig die Veranstaltung in Berlin mit den Worten verließ: „Ich wünsche dem Kongress alles Gute und: Nazis raus!“ Da ich nicht vermute, dass er mit dieser – sicher nicht falschen – Parole regelmäßig Vorstandssitzungen bei der DFL beendet, kann man auf die Idee kommen, der Herr Geschäftsführer Rettig hätte vor den Fans ein wenig den offiziellen Weg verlassen, um Gefallen an seiner Person zu erwecken. Das Bad in der Menge sozusagen. Aber das ist natürlich nur eine reine Interpretation der Außenwirkung.

Davon abgesehen werden Lizenzentscheidungen (hoffentlich) weiterhin auf der Basis von Lizenzierungsordnung und allgemeingültig formulierten Regularien getroffen und nicht auf der Basis von Absichtserklärungen in Form markiger Worte vor Fans. Nimmt man diese Verbandsregularien und die Satzung von RB Leipzig ernst, dann gibt es aktuell kein erkennbares Hindernis für eine Zweitligalizenz für RB Leipzig. Zumindest wenn Willkür oder Entscheidungen auf der Basis irgendeines gedachten Geistes der Regularien ausscheiden.

Ein Hindernis könnte die DFL nur erschaffen, wenn man in die entsprechenden Bestimmungen Forderungen in Bezug auf die Mitgliederoffenheit von Vereinen einbaut. Was juristische Fragen über die Legitimität einer solchen Idee als Eingriff in die Selbstbestimmtheit der Vereine aufwirft. Und letztlich auch zu einer Zeitfrage wird.

Denn bis etwa Anfang März sollen die Drittliga-Vereine ihre Lizenzunterlagen für die zweite Liga einreichen. Wenn bis dahin nicht auch klar ist, was die DFL eigentlich zu ändern gedenkt, wenn sie denn etwas zu ändern gedenkt und die 36 Profivereine diese Veränderungen an den Bestimmungen nicht auch abnicken, dann würde RB Leipzig die Lizenz nach den aktuellen Bedingungen beantragen. Und da dies dieselben wie beim DFB im letzten Jahr sind und wie oben dargelegt keine sonderlichen Hürden enthalten, kann dem Erhalt einer Zweitligalizenz dann eigentlich nichts im Wege stehen.

Die nächsten Wochen werden sicherlich nicht langweilig und die Juristen beider Lager werden wohl (wie der eine oder andere Online-Journalist auf der Jagd nach dem Klick) ein, zwei Überstunden schrubben. Und sich letztlich wohl irgendwo im Hinterzimmer zu einem Kompromiss durchringen. Ob sie den in Bezug auf die diesjährige Lizenzrunde überhaupt brauchen, entscheidet sich dann aber doch auf dem eckigen Grün. Glaubt man manchmal gar nicht..

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Randbemerkung 1: Die Betrachtungen zielen natürlich komplett auf die formale Seite der Lizenzierung ab und lassen mögliche berechtigte oder auch unberechtigte Wünsche in Bezug auf den Einfluss von Geldgebern im Fußball oder Mitgliedermitbestimmung außen vor. Ganz grundsätzlich glaube ich weiterhin, im Sinne auch der Systemtheorie, dass man auch ohne Mitgliedschaft in der Interaktion mit dem Verein Dinge verändert. Ich glaube im Übrigen auch, dass auch anderenorts viel mehr abseits der Mitgliederversammlung (Stichwort Schalke 04 und Viagogo) erreicht werden kann, als auf diesen – bei Profivereinen – Eventveranstaltungen mit Szenenapplaus oder Buhrufen.

Grundsätzlich ist das Argumentieren für Mitgliedermitbestimmung aber natürlich trotzdem legitim. Da die Verbände jedoch diesbezüglich keine echten Passagen in ihren Bestimmungen haben (außer der nicht näher definierten Mitgliederversammlung die Hoheit bei Entscheidungen zuzusprechen) und 50+1 in den letzten Jahren immer mehr aufgeweicht wurde, braucht man sich aber auch nicht auf bisherige Regelungen zu berufen. Wenn dann müsste man eine Diskussion führen, wie Fußball künftig aussehen soll. Und dann gucken, wie das juristisch machbar wäre (inklusive möglicher Schadensersatzforderungen, wenn man Vereine plötzlich entgegen der jahrelangen Praxis ausschließt).

Eine solche Debatte wird aber in einem Land, in dem man eh nur selten offen und kontrovers diskutiert, sondern sich – gerade im Fußball – lieber in konsensorientierten Betroffenenzirkeln oder autoritären Jungsgruppen organisiert, nicht zu haben sein. Auch weil man sie seit ewigen Jahren fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Wie man auch in der Mauschelei um Kind und die 50+1-Regel demonstrierte. Von daher wird es wohl auch weiterhin darauf hinauslaufen, dass man in Hinterzimmern Regularien und Kompromisse wälzt, bis es am Ende keinen Gewinner mehr gibt.

Randbemerkung 2: Ist ja schön, wie viele Kommentatoren im Lande die Nachricht von den „Lizenzproblemen“ bei RB Leipzig gierig aufgriffen und sie fast schon als endgültiges Scheitern ansahen. Nur letztlich haben all die Anhänger von Verein xy oder sogar auch z letzlich im Bezug auf den Zustand von RB Leipzig nichts zu melden. Was insgesamt auch gut so ist, da sie es andersherum auch nicht gerne hätten. Die einzigen, die darüber entscheiden, wie RB Leipzig zukünftig aussehen wird, sind (wenn dem DFL nicht was arg kreatives einfällt) die Anhänger und potenziellen Anhänger des Vereins in Leipzig. Die werden darüber entscheiden, ob ihnen Mitgliedschaft ein wichtiges Gut ist oder nicht und so auch Wohl und Wehe des Clubs in ihren Händen halten. Und die meisten haben das schon, weil sie die Gegebenheiten vor Ort und die Möglichkeiten der Gestaltung in Bezug auf originäre Fanthemen kennen. Das nicht respektieren zu können, ist letztlich ein Problem, das jene haben, die glauben, sie könnten als Gladbach-, Bayern- oder Dortmund-Fan mal eben entscheiden, wie andernorts das Leben in einem Fußballstadion gestaltet wird.

Randbemerkung 3: Ganz am Rande noch ein Wort zum Fankongress, der in seiner Ambitioniertheit sicherlich nett ist und in vielerlei Hinsicht auch wichtige Sachen macht. Aber auch ein klares Problem hat. Nämlich eigentlich kein Fankongress zu sein, sondern letztlich auch nur Partikularinteressen einer bestimmten Schicht von Fans zu vertreten und diesen einen Hauch von Allgemeingültigkeit zu geben. Was letztlich schief gehen muss. Was auf die ganz bittere Art die Hooliganklopperei mit Schwerverletztem zeitlich parallel zum Kongress in Köln bewies. Eine Fanklientel, von der es schnell hieß, dass man die eh nicht erreicht (was sicher stimmt) und bei denen keine gut gemeinten Programme helfen (was auch stimmt).

Auf die nicht körperliche, sondern grundsätzlich bittere Art beweisen dies aber auch Zehntausende von Fußballanhängern auf Haupttribünen, Gegengeraden, vor dem Fernseher oder sogar in den Fankurven, die sich von Debatten um Fanprojekte, Selbstregulierung oder Mitbestimmung im Verein nicht mal ansatzweise repräsentiert sehen und trotzdem Fans des Fußballs oder eines bestimmten Vereins sein können.

Was letztlich auch die Schranken des Dialogs zwischen so etwas wie einem Fankongress und Fußballoffiziellen aus den Verbänden aufzeigt. Denn in letzter Konsequenz können nur die Vereine aus dem Dialog mit ihrer meist heterogenen Anhängerschaft über den harten Kern der Kurvenfans hinaus tatsächlich seriös bestimmen, was die Interessenslagen rund um ihren Verein sind und somit einen Dialog mit den Verbänden führen. Wenn jemand von der Wilden Horde aus Köln an der Seite einer Person des Wuhlesyndikats aus Berlin mal eben mit dem DFL-Geschäftsführer schnackt, dann ist das ja ganz hübsch, auch weil dabei durchaus für die jeweiligen Personengruppen relevante Fragen behandelt werden, trotzdem bildet man nur einen sehr kleinen Teil der Fan- und Fußballwirklichkeit ab.

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21 Gedanken zu „Streitobjekt Zweitligalizenz“

  1. Die Vorbehaltsklausel des Vorstands bzgl. der Aufnahme neuer Mitglieder ist übrigens eine gängige Schutzklausel vieler Vereine, nicht nur im Fußball. Man will dadurch feindliche Übernahmen durch den benachbarten Kaninchenzüchterverein unmöglich machen oder zumindest stark erschweren.

    Gerade kleine Vereine könnten nämlich durch einen schnellen Zufluss neuer Mitglieder auf der nächsten MV gnadenlos zerlegt werden. Alles schon vorgekommen.

    1. „Gerade kleine Vereine könnten nämlich durch einen schnellen Zufluss neuer Mitglieder auf der nächsten MV gnadenlos zerlegt werden. Alles schon vorgekommen.“

      Alles richtig,nur dazu müsste man erstmal ein „richtiger“ Verein sein mit eigenständigen,unabhänigen Mitgliedern und Vorstand. Und kein Scheinverein der nur die Weisung von der GmbH/Inhaber durchwinkt.Oder kann Matti keine Brandreden halten wie damals U.Hoeneß auf der MV?

  2. Rettigs Verabschiedung („Ich wünsche dem Kongress alles Gute und: Nazis raus!“) vor dem Fankongress beweist nur seinen Opportunismus und seine Unterwürfigkeit vor dem (Anti-Rechts-)Zeitgeist. Jeder Kenner weiß, dass es (im DFL-Profibereich noch mehr als beim DFB) größere „Nazi-Probleme“ gar nicht gibt. Sieht man einmal von einigen wenigen Extremfans wie bei Borussia Dortmund ab. Und zu den linksradikalen Autonomen-Anhängern des FC St. Pauli (oder Babelsberg) schwieg der feine Herr Rettig natürlich auf der Veranstaltung. Die extrem gewaltbereiten Hooligans, die derzeit in Dresden, Köln oder anderswo solche Sorgen machen, sind hingegen weitgehend unpolitisch und derzeit das eigentliche Problem. Neben Gewaltexzessen von Kickern aus unteren Ligen bzw. in Jugendteams, vor allem mit Migrantenbeteiigung. Aus Rettigs unterwürfiger Gesinnung gegenüber bestimmten Fangruppen bzw. ihren selbsternannten Vertretern erklärt sich wohl auch sein unmotiviertes Thematisieren der Lizenzen, womit er auf RB Leipzig abzielte. Offenkundig eine Liebedienerei gegenüber den Fans „originärer“ Ost-, aber auch Westklubs, die neidisch auf die Erfolge und Perspektiven von Klubs wie RB sind. Aber vom VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen etc. kein Wort aus dem Mund des besorgten Herrn Rettig.

    1. Hm, angesichts der Geschehnisse in Braunschweig, Aachen, Duisburg und auch Dortmund davon zu reden, dass es keine größeren Naziprobleme im deutschen Fußball gebe, finde ich ganz schön gewagt.

    1. Niedlich der Artikel.
      Nur wiedermal wird vergessen,das in der DFL die Vereine auch ihre Interessen wahren wollen.Also einfach kein Bock haben ihre Liga( Markt) für Spekulanten und Mrdäre zu öffnen die ihr eigenes Ding durchziehen möchten. Ok,macht doch ein Kühne auch,ja beim HSV ein langjährigen Erstligisten. 😉
      Und wenn man bedenkt,das dieser „Verein“ nur zwecks Werbung/Reklame erschaffen wurde,wäre es suboptimal zu klagen. Denn Mios von Fussballfans würden sich angewidert abwenden aber zumindest ein Shitstorm würde auf das Produkt einprasseln.

      Da sag ich mir für 100 Mio kann ich bessere Werbung haben.

  3. Die Systemtheorie mag sich verführerisch anhören, aber ich denke, dass sie in diesem Sinne große Schwächen hat. Natürlich ergibt sich in einigen Fällen Wandel durch Interaktion auch dann, wenn eine formelle Vereinsmitgliedschaft fehlt. Woran liegt das aber? Liegt das an öffentlichem Druck? Liegt es an einer gutmütigen, altruistischen Haltung der Herrschenden in einem System? Oder ist es schlicht und ergreifend das Wahren von eigenen Interessen? Was auch immer: Es wird im Zuge dieser Interaktion nur soviel Zugang gewährt, wie es diejenigen wollen, die den Zugang zur Herrschaft verwalten. Und da wird es ohne Vereinsmitgliedschaft irgendwann schwierig.

    Davon abgesehen ist ja der eingetragene Verein sowieso die Ausnahme im Profifußball und auch dieser in der Realität durch Mustersatzungen weitgehend so gestaltet, dass befürchtete Umstürze durch spontan auftretende Gruppen als mit sehr hohen Eintrittshürden verbunden sind. Was natürlich auch auf der anderen Seite zu Lasten des Leistungsgedankens geht, da Vereinsobere unter sich die Pöstchen verteilen. Aus diesem Grunde bin ich eher Anhänger der Forderung Vereinsmitgliedern eine ausreichende Mitgestaltung einzuräumen. Natürlich so, dass wir hinterher nicht wieder zum Schalke 04 der 90er Jahre zurückkehren.

    1. „Natürlich so, dass wir hinterher nicht wieder zum Schalke 04 der 90er Jahre zurückkehren.“

      …. „bisschen schwanger“ funktioniert aber nicht… wenn sich die Fans einbringen wollen, sollen Sie offiziellen Fanclubs beitreten – die können ja dann in Ihrem Verbund einen „Beauftragten“ wählen, der dann im „Club der 7 oder 9“ die Fans vertritt … alles gut… (á la Betriebsrat)
      ich frage mich ausserdem immer, was wollen / sollen den Fans mitbestimmen??? Einkaufspolitik? Postenvergabe? Trainerentscheide? sportliche Ausrichtung? – ist doch alles eher Wunschdenken… Wenn die Ticketpreise im Stadion zu hoch werden oder die Wurst nicht schmeckt, „erheben“ sich die Fans schon – auch bei uns… 🙂

    2. „“bisschen schwanger” funktioniert aber nicht“

      Ich sehe den Vergleich nicht passend. Wer sich mit der Praxis in Vereinen auskennt, weiß, dass es eben in der Realität durchaus Mittelwege gibt.

      „wenn sich die Fans einbringen wollen, sollen Sie offiziellen Fanclubs beitreten – die können ja dann in Ihrem Verbund einen “Beauftragten” wählen, der dann im “Club der 7 oder 9″ die Fans vertritt … alles gut… (á la Betriebsrat)“

      Das ist ein möglicher Ansatz, womöglich sogar ein guter, wenn es eben per Satzung festgelegt ist, dass ein Aufsichtsrat (oder Vorstand) ausschließlich von offiziellen Fanclubs gewählt wird. Aber auch das ist durchaus problematisch, da es einerseits einen Sonderstatus kreiert, der Nicht-Mitglieder offizieller Fanclubs, die dennoch Vereinsmitglieder sind, diskriminiert. Andererseits ist auch das wieder ein Einhegen von Mitbestimmung, wenn man vorab die Zahl der Posten definiert.

      „ich frage mich ausserdem immer, was wollen / sollen den Fans mitbestimmen??? Einkaufspolitik? Postenvergabe? Trainerentscheide? sportliche Ausrichtung? – ist doch alles eher Wunschdenken…“

      Auch das sind zwar populäre Beispiele, die aber schlecht gewählt sind. Es muss vorher geschaut werden, welches Gremium welche Aufgaben macht. Die Einkaufspolitik macht nicht in jedem Verein ein Vorstand, sondern durchaus mal schlicht der Trainer oder Sportdirektor. Über Trainerentlassungen entscheidet ein Präsidium oder Vorstandsvorsitzender, aber zum Beispiel wieder nicht ein Aufsichtsrat.

      Wenn man die Frage stellt, was die Fans mitbestimmen wollen, muss zunächst einmal geklärt werden, worum es geht. Soll ein Fanbeirat kommen, der z.B. über Dinge wie Fanartikel oder ähnliches entscheidet? Will man in ein Aufsichtsgremium, um das Präsidium zu wählen und Einsicht in die Finanzen, also auch Verträge zu haben?

      Ich halte das durchaus für sinnvoll, wenn auch die Vereinsgremien in einem Verein ein Abbild der Mitgliederbasis sind. Fans haben eine Sichtweise auf diverse Themen, gerade in der Öffentlichkeitsarbeit oder dem Marketing, die z.B. aus der Wirtschaft kommenden Vereinsoberen schlicht fehlt, weil sie einfach a) zu fern von den Rängen sind und b) zu wenig Zeit und Muße investieren können, um sich außerhalb ihrer Tätigkeiten mit solchen Dingen zu befassen.

      „Wenn die Ticketpreise im Stadion zu hoch werden oder die Wurst nicht schmeckt, “erheben” sich die Fans schon“

      Sofern sie wissen, ihr Sanktionspotenzial auszunutzen, ja. Aber dafür muss man schon eine bedeutsame Anzahl von Fans sein.

    3. … all deine Argumente sind aus Fansicht sicher nachzuvollziehen – allerdings bleiben die Fragen:
      a) würde dadurch besser im Sinne von erfolgreicher Fussball aufm Platz gespielt? – ich glaube nein..
      b) wenn der Club in erster Linie von deinem Geld leben würde – möchtest du dann das dir alle Nachbarn reinquatschen? – ich glaube nein…
      c) wenn ich mir ein Auto kaufe, weil ich es toll finde, muss ich dann vorher mitbestimmen dürfen, wo es gebaut wird, wer es baut und wie es gebaut wird? – ich glaube nein….
      d) hast du das Gefühl, das es den Leipziger Fussballfan stört, das er nicht Mitglied werden darf? – ich glaube wieder nein….

      also FÜR MICH sind diese ganzen Debatten um Fanmitbestimmung und Mitgliederschaften Scheindebatten, die von Leuten geführt werden, welche so mit RB als Club wenig am Hut haben, aber etwas finden wollen, um hinterher immer sagen zu können: Erfolgreich Ja, ABER….

  4. Mir gefällt mal wieder die Unaufgeregtheit, mit der du den Geist der letzten Woche aufgreifst und dich potentiell strittigen Punkte annimmst. As always…gutes Ding.

    Im Zusammenhang mit dem Schalke der 90er Jahre und auch sonst mit historischen und aktuellen Vereinskonstellationen und -konstrukten habe ich zu wenig Ahnung und zu wenig Interesse, um ein großes Meinungsbild zu haben.
    Allerdings ist mein Blick auf Fußballfunktionäre sowohl in Vereinen als auch in übergeordneten Strukturen der, dass es in ihren eigenen Kreisen vor allen Dingen Lobbyarbeit ist. Zudem offenbart sich allzu oft ein Selbstverständnis, das suggeriert dass Jeder sein eigener King of Kotelett ist.
    Die DFL wurde doch auch als Vermarktungsvehikel für die Bundesliga und damit in letzter Instanz nicht zur Organisation der beiden obersten Ligen sondern zur Generierung von Mehreinnahmen für die beiden obersten Ligen gegründet. Und ist nach außen hin eine typische Funktionärsveranstaltung.

    Nun mag man RBL ja mögen oder nicht, sowohl auf Fan als auch auf Funktionärsseite, aber beileibe werden es Bestimmungen der DFL nicht schaffen, die Lizenzerteilung dauerhaft zu verweigern, noch wird man bei uns den großen Mitgliederzulauf erleben.
    Und auf Fan – Seite rechne ich damit, dass sich irgendwann sowas wie Respekt einstellt. Die Fans der ersten beiden Ligen haben doch bei derzeitiger Berichterstattung ein schwarz weißes Bild. Kein Mensch nimmt das Leistungszentrum, die Personal-Philosophie oder das Spielsystem wahr, sondern sieht nur Red Bull. Irgendwann kommen die Grautöne dazu und dann erledigt sich das von selbst. Sogar Herr Watzke, den ich bei aller Liebe und Verbundenheit zum BVB nicht mehr hören kann, seitdem er sich selbst gern reden hört, wird irgendwann froh sein, dass sein Gästeblock voll ist mit Leipzigern, statt leer zu bleiben. Gefällt dann so auch seinen Aktionären besser…

    1. „Und auf Fan – Seite rechne ich damit, dass sich irgendwann sowas wie Respekt einstellt.“

      Das, vermute ich nach dem Lesen diverser Kommentarspalten, wird sich nicht erfüllen.

  5. Sehr gut geschrieben.
    Sehr beeindruckenend wie du es schaffst,dieses etwas trockene Thema,verständlich rüberzubringen.
    Das schafft kein Trompeter 😀

  6. Wieder mal der Wahnsinn, wie du es hin bekommst verständlich, ausgiebig und unterhaltsam zu erklären, was viele (mich eingeschlossen) aus Zeitgründen gar nicht tiefer beleuchten können.

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  7. Danke für die positiven Kommentare und die inhaltlichen Anmerkungen. Auch immer wieder erfrischend, dass Kommentare in Blogs Mehrwert haben können und nicht vor sich hin pöbeln.

    @Carsten: Das was du als Herrschaft beschreibst, funktioniert natürlich in einer Kommunikationsgesellschaft so, also eindirektional von oben nach unten, nicht. Ein Verein wie RB Leipzig steht per se – Mitgliedergeschichten hin oder her – in Interaktion mit seiner Umwelt und muss sich mit dieser arrangieren. Seien es die Fans, sei es die Stadt, seien es sogar die Fußballverbände. Dabei geht es tatsächlich vornehmlich um die Wahrung des Interesses des Systems, überlebensfähig und erfolgreich zu sein (in dem Sinne passt auch die Systemtheorie, zumindest in den Grundzügen, die ich kenne).

    Wo nötig wird deshalb auch der Einfluss von außen spürbar und ist – aus meiner Sicht – nicht viel anders als bei mitgliedergeführten Vereinen. Nur dass mal nicht eben ein Verein in einer emotionalen sonntäglichen Mitgliederversammlung seinen Präsidenten absägt, weil man zwei Wochen vorher ein wichtiges Derby verloren hat. Sprich, RB Leipzig muss als Verein/ System letztlich so anpassungsfähig und interagierend bleiben, wie andere Vereine auch, hat aber den Vorteil von übereilten Panikaktionen, die es in der Form bei Profivereinen ja auch kaum noch gibt, von vornherein ausgenommen zu sein. Ja, man kann das unter der Maßgabe der Idealvorstellung eines basisdemokratischen Vereins, in dem Diskussionen und Austauch intern existieren, kritisch sehen. Ich sehe aber weiterhin, dass Diskussionen und Austausch der Anhänger rund um RB Leipzig in den letzten drei Jahren extern in einem Ausmaß gewachsen sind, dass ich weiß, dass Einfluss auf den Verein auf anderen Ebenen als der Mitgliedschaft durchaus möglich ist.

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