Drittligablognachbarn

Eine der angenehmen Nebeneffekte der Regionalliga war in Bezug auf mögliche Blognachbarn die Existenz von Alex alias @ersatzbank, seines Zeichens Betreiber des immer wieder gern gelesenen Blogs Nur der FCM!, der die wichtigsten Entwicklungen und Spiele jenseits der offiziellen Medienwege kommentierte. Und auch wenn ich in den entsprechenden Texten immer noch stöbere, fehlt nun doch ein wenig der direktere Bezug zum eigenen fußballsportlichen Interessensfeld.

Der Aufstieg von RB Leipzig in die dritte Liga hatte für die direkteren Bezüge den nicht unangenehmene Nebeneffekt, dass die Zahl der (mir bekannten und von mir gern gelesenen) Blogger nicht unwesentlich zugenommen hat. Da an diesem Wochenende das Spiel gegen Duisburg ansteht, sei zuvorderst auf den MSV-Blogger Kees Jaratz verwiesen, der den Zebrastreifenblog unter dem Titel ‚Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus‘ betreibt. Im Bloguniversum dürften dessen Seiten zu den herausragenden Institutionen gehören. Tagesaktuelles gehört genauso zum Programm wie Hintergründiges. Hellmich, Kentsch, der Zwangsabstieg und das langsame Steigen aus der Asche, das alles kann man bei Kees Jaratz in aller Anschaulichkeit und mit analytischer Schärfe lesen. Viel mehr muss man rund um den MSV fast nicht wissen. Viel besser kann man es nicht aufbereitet bekommen.

Eine Woche später kommt Rot-Weiß Erfurt nach Leipzig und mit ihnen auch ein weiterer Vorzeigeblogger der dritten Liga, der unter dem Pseudonym Fedor Freytag und unter dem programmatischen Titel ‚Fußballblog‘ den stellungsfehler betreibt. Hier finden sich vor allem Spielberichte, aber auch abseits davon taktische Analysen zum Lieblingsclub, Interviews mit Fans oder Verantwortlichen und nicht zu vergessen Polemiken gegen den hierzulande durchaus bekannten Pressesprecher Wilfried Mohren. Das ganze auf sprachlich und analytisch hohem Niveau, dass es eine Freude ist, dem zu folgen und ’sogar‘ von den Verhältnissen bei Rot-Weiß Erfurt eine Idee zu bekommen. Und nicht zuletzt habe ich nicht nur, aber auch wegen Fedor Freytag und einer Rezension ich glaube zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben ein Fußballbuch gelesen (nicht, dass ich keine Bücher lesen würde, aber Fußballbücher gehören normal nicht zu Leseliste). Das letzte Fußballbuch vor der Freytag-Empfehlung muss in meiner Kinderzeit ein Exemplar gewesen sein, in dem anschaulich Außenrist-, Innenrist-, Vollspann-Schüsse und alles mögliche andere rund um den Erwerb von Fußballtechniken erklärt wurden (nicht zu vergessen natürlich zudem ‚Klapperzahns Wunderelf‘).

Eine Woche nach dem Erfurt-Spiel reist RB Leipzig zum SV Wehen-Wiesbaden, wo dann schon der dortige Blogger Gunnar mit dem Stehblog wartet. Hier findet sich alles um die Spiele des SVW, Interviews mit Bloggern und Verantwortlichen (Trainer Vollmann zum Beispiel), Neuverpflichtungen und das eine oder andere mehr, sodass man über den aktuellen Spitzenreiter der dritten Liga und derzeit noch erstaunlich wenig im Fokus stehenden Aufstiegs(mit)favoriten sehr gut informiert bleibt. Über den sowieso schon vorhandenen Bekanntheitsgrad hinaus erlangte der Stehblogger zuletzt Berühmtheit, als er Teil des Mannschaftsfotos wurde und dies an anderen Medienorten aufgegriffen wurde.

Eine Woche nach dem Spiel in Wiesbaden geht es nach Saarbrücken, wo dann zwar erstmal ’nur‘ der SV Elversberg wartet, was mir aber Aufhänger genug ist, um auf Carsten zu verweisen, der „Das FCSBlog 2.0“ betreibt. Und auch wenn der Betreiber aktuell wegen vorübergehender räumlicher Distanz nur aus der Ferne das Geschehen des 1. FC Saarbrücken kommentiert oder gleich über Gastbeiträge kommentieren lässt, sind die Seiten inhaltlich sehr gut gepflegt und bieten – fangefärbt – rund um die Spiele und die aktuellen Debatten (bspw. zur Stadionmodernisierung) alle Informationen, die man braucht. Und im Herbst ist der Autor himself dann hoffentlich wieder zurück in Saarbrücken und kann auch wieder in bekannt lesenswerter Manier die Heimspiele selbst aufarbeiten.

Diese vier Blogs sind letztlich die herausragenden, von Einzelpersonen betriebenen Vereinsblogs, die mir bekannt sind. Darüberhinaus findet man bei politplatschquatsch neben einigem anderen auch Berichte zu HFC-Spielen, wie zum Beispiel jenen nach dem Spiel gegen Wehen-Wiesbaden. Und beim Hanseator gibt es neben Musik und allerlei allgemeinem Fußball auch ganz gelegentlich was zu Hansa Rostock. Aber ansonsten sieht es meines Wissens nach, was von Einzelpersonen mit Fanhintergrund herausgegebene Vereinsblogs als Ergänzung (oder Ersatz) zu herkömmlichen Holzmedien, Fanforen oder Fachzeitschriften angeht, eher mau aus.

Wobei ‚eher mau‘ auch jammern auf hohem Niveau ist, denn mit den benannten Bloggern hat man in der dritten Liga schon sehr viel Qualität gewonnen, die im täglichen Fußballmedienkonsum unverzichtbar ist und meinerseits mehr als dankbar angenommen wird. Und falls die eine Leserin oder der andere Leser findet, dass hier jemand vergessen wurde, dann bitte ich um sachdienliche Hinweise in den Kommentaren, sodass ich die Liste hier im Fall der Fälle noch ergänzen kann.

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12 Gedanken zu „Drittligablognachbarn“

    1. Vielleicht ist ja ‚Klapperzahns Wunderelf‘ für DDR-Sozialisierte die Entsprechung zu ‚Fever Pitch‘. Wobei mir einfällt, dass ich letzteres auch gelesen habe. Das geht dann wohl auch als Fußballbuch durch..

    1. Für den Aufhänger entschuldige ich mich noch mal herzlich..

  1. Vom Tagesausflug während der NRW-Sommerferien zurück lese ich mit großer Freude deine Worte und verneige mich dankend für diesen Beifall. Ich werde versuchen, auch in dieser Saison diesem von dir angekündigten Niveau gerecht zu werden.
    Zugleich kommt ein weiteres Danke für diesen Überlick zu den Drittliga-Bloggern. In NRW mündete die Krise rund um den MSV ja in die Sommerferien. So bin ich bei all der begleitenden Krisen-Berichterstattung noch gar nicht dazu gekommen, meinen Standardsaisonstart-Text zu den Bloggern der Liga zu schreiben, geschweige denn meine Linksammlung neu zu ordnen. Nun werde ich wahrscheinlich in den nächsten Tagen einmal auf dich verweisen und schon ist die Arbeit getan. Wenn es immer so schnell ginge, … 😉
    Ich wäre gerne nach Leipzig gekommen. Familljenansprüche standen dem im Weg. Deshalb beim mir: auf ein schönes Spiel – leider nur am TV.

  2. „Ich wäre gerne nach Leipzig gekommen. Familljenansprüche standen dem im Weg. Deshalb beim mir: auf ein schönes Spiel – leider nur am TV.“

    Wenigstens gibt es in dieser Liga Live-TV. (Auch wenn ich bisher glücklicherweise davon noch nicht Gebrauch machen musste.)

  3. schön, dass Dir „unser“ Kees aufgefallen ist. ich und andere sind sehr stolz drauf (kann man das so sagen, bei aller materialistischen sichtweise auf die welt?) ihn zu haben. nur sein wohnort ist eine katastrophe;)
    und darüberhinaus: Du relativierst meine durchaus irrationale abneigung gegen rb zumindest ein wenig. Chapeau!!

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