Folgefehler?

Dem einen oder anderen scheint das Lob vom RB-Spiel zu Kopf gestiegen zu sein (Sven Köhler nach dem 0:3 in Erfurt via Mitteldeutscher Zeitung)

Das ist insofern eine interessante Bemerkung des Hallenser Coaches, dass sie ein subjektives Gefühl meinerseits trifft, dass Mannschaften, die gegen RB Leipzig gut aussahen oder sogar Punkte mitnahmen, im nächsten Spiel Probleme hatten, diese Leistung zu bestätigen und entsprechend Punkte zu holen. Wenn dem so wäre, könnte das mental-unterbewusste Problem dahinterstecken, dass man nach einem guten Spiel gegen den als solchen wahrgenommenen Finanzkrösus denkt, dass nun vieles von selbst gehe. Sprich, den großen sportlichen Brocken hat man mit einer guten Leistung bezwungen oder an den Rand der Niederlage gebracht, dann wird man im kommenden Spiel schon bestehen können.

Der Irrtum an der Geschichte wäre, dass RB zwar wirtschaftlich in den bisherigen Ligen und auch noch in der dritten Liga eine andere Dimension sein mag, aber sportlich nur selten eine andere Dimension war. Sprich, ein Sieg oder ein gutes Spiel gegen RB Leipzig mag aus verschiedenen Gründen süß schmecken, er sagt nur dummerweise nicht unbedingt zwangsläufig, dass das eigene Leistungsvermögen überragend wäre.

Würde ich behaupten. Aber da solche Behauptungen immer schwierig sind, hilft vielleicht auch ein Blick auf die Zahlen und Ergebnisse aus bisher vier Jahren RB-Fußballgeschichte. Nimmt man zuerst einmal nur die Fälle, in denen RB Leipzig bezwungen wurde, dann kommt man auf 12 Niederlagen, auf die auch noch ein weiteres Spiel folgte (es gab noch eine weitere Niederlage gegen den FC Sachsen, aber diese passierte am letzten Spieltag 2009/2010 und entsprechend gab es keinen Folgespieltag mehr).

12mal verlor RB Leipzig also in den letzten vier Jahren. Interessanterweise gelang der Versuch, im folgenden Spiel wieder drei Punkte mitzunehmen, nur ganze fünf Mal. Nur Bautzen, Chemnitz, Wolfsburg II, HSV II und Kiel gelang bisher das Kunststück, einen Sieg gegen RB anschließend auch mit drei weiteren Punkten zu veredeln. Da es unter Zorniger in Ligaspielen noch keine Niederlage gab, bleibt Holstein Kiel in der Saison 2011/2012 der letzte Club in der Reihe.

In fünf Fällen wiederum setzte es eine Niederlage, in zwei Fällen gab es immerhin noch einen Punkt für den RB-Bezwinger. Wobei man hierbei eine Spielplanbesonderheit in Betracht ziehen muss. Denn ganz so durcheinander, wie der Spielplan immer scheint, ist er nicht. Sodass der aktuelle Gegner von RB im darauffolgenden Spiel meist denselben Gegner erwischt. Und in den letzten Jahren waren es meist Spitzenmannschaften. Sprich 2009/2010 mussten die Gegner von RB Leipzig im darauffolgenden Spiel gegen den ärgsten RB-Verfolger und Zweiten in der Abschlusstabelle Budissa Bautzen antreten, 2010/2011 gegen den Zweiten in der Abschlusstabelle VfL Wolfsburg II und auch 2011/2012 gegen den Zweiten am Ende Holstein Kiel. Lediglich in der vergangenen Saison hatte der Spielplan den späteren Absteiger Energie Cottbus II als RB-Folgegegner auserkoren. Wobei dies hier nicht so wichtig ist, weil es in der vergangenen Saison ja keine RB-Niederlagen gab.

Entsprechend waren beide Unentschieden und drei der fünf Niederlagen in Folge von Siegen gegen RB gegen Kiel und Wolfsburg. Lediglich Plauen und Lübeck kamen auch in die Situation mal einen Gegner besiegen zu dürfen, der vorher RB geschlagen hatte (und zwar Kiel und Wolfsburg II).

Dass den 12 Siegen gegen RB nur 5 Siege, 2 Unentschieden und 5 Niederlagen folgten, könnte man als Indiz für oben angedeutete These sehen, dass es mental schwierig ist, nach einem erfogreichen Spiel gegen RB zu bestehen. Andererseits muss man auch sehen, dass es durchaus recht anspruchsvoll ist, zwei Spitzenteams einer Liga hintereinander zu bespielen, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass man nach einem Sieg gegen RB nicht auch noch Kiel oder Wolfsburg II schlagen kann, überdurschnittlich groß ist. Andererseits ist die Quote von Wolfsburg und Kiel, nach ihren jeweils zwei Siegen gegen RB jeweils einmal das folgende Spiel (Plauen, Lübeck) verloren zu haben, auch ein kleiner Pluspunkt für die These von den mentalen Problemen.

Nun zielt ja gerade das oben zitierte Beispiel von HFC-Coach Sven Köhler nicht auf Siege gegen RB ab, sondern nur auf Spiele, in denen man Lob für das Auftreten kassiert und mit sich sportlich zufrieden ist bzw. zufrieden sein kann. Weswegen man sich genaugenommen angucken müsste, wie Mannschaften, die gegen RB gut aussahen, denn im anschließenden Spiel abschnitten. Um das zu formalisieren, sollen hier alle Partien betrachtet werden, in denen RB verlor, unentschieden spielte oder mit maximal einem Tor gewann. Das folgt der Beobachtung, dass die meisten Mannschaften nach einer Niederlage mit einem Tor (wie der HFC) mit dem eigenen Auftreten immer noch ganz zufrieden waren. Das ist natürlich vereinfacht, weil es nicht für jedes Team gleichermaßen gilt, aber diese Vereinfachung sei an dieser Stelle gestattet.

Insgesamt gab es in den letzen vier Jahren 73 Spiele von RB Leipzig, die den skizzierten Kriterien entsprechen. Dabei errangen die Gegner die schon benannten 12 Siege und dazu 25 Unentschieden und 36 knappe Niederlagen. In den darauffolgenden Spielen errangen die Kontrahenten dann 29 Siege und 16 Unentschieden und mussten 28 Niederlagen hinnehmen. Insgesamt also eine deutlich bessere Bilanz als in den Spielen gegen RB. Woraus man interpretieren könnte, dass die Mannschaften, die gegen RB gut aussahen, spätestens im Folgespiel auch Punkte holten.

Noch deutlicher wird die Bilanz, wenn man die 12 Siege herausnimmt. Denn in den 61 verbleibenden Spielen holten die Mannschaften gegen RB Leipzig 25 Unentschieden und 36 knappe Niederlagen. Im darauffolgenden Spiel holten sie dann allerdings 24 Siege, 14 Unentschieden und verloren nur 23mal. Doch letztlich ist die Bilanz erst mal wenig aussagekräftig, denn wenn dies das Resultat von Spielen gegen den Tabellenletzten wäre, dann wäre sie sicherlich nicht ganz so gut.

Weswegen man noch einen kleinen Blick auf die einzelnen Jahre werfen muss. 2009/2010 in der RB-Auftakt-Oberligasaison gab es 11 Spiele, aus denen die Gegner hätten mehr oder weniger zufrieden herausgehen können. Dabei standen einem Sieg und zwei Unentschieden acht Niederlagen für die gegnerischen Mannschaften zu Buche. Im darauffolgenden Spiel gewannen sie immerhin sechsmal, spielten einmal Unentschieden und verloren viermal. Wenig überraschend (und wegen der oben beschriebenen Spielplanzusammenstellung) passierten alle vier Niederlagen gegen Budissa Bautzen. Allerdings wurden auch vier der sechs Siege gegen das Spitzenteam Budissa Bautzen errungen. Sprich, wenn man gegen RB Leipzig gut aussah (aber nicht gewann, weil den einen Sieg in der Saison holte sich Bautzen gegen RB), dann punktete man auch dann recht konstant, wenn der nächste Gegner ein guter war. Budissa Bautzen holte deshalb in acht Spielen gegen Mannschaften, die vorher gegen RB gut spielten im Schnitt 1,5 Punkte, während insgesamt für die Saison 1,93 zu Buche stehen.

2010/2011 gab es 23 Spiele mit anschließend mehr oder weniger zufriedenen RB-Gegnern. 6 Siege, 10 Unentschieden und 7 Niederlagen stehen zu Buche.  Im nächsten Spiel, an dem es fast immer gegen den VfL Wolfsburg ging (18mal) lautete die Bilanz dann 6 Siege, 5 Unentschieden und 12 Niederlagen. In der Tendenz holten die Teams, die gegen RB gut aussahen, in der darauffolgenden Partie also weniger Punkte. Wolfsburg wiederum holte in den 18 Spielen im Schnitt 1,94 Punkte, im gesamten Saisonverlauf aber 2,21 Punkte (was natürlich auch dadurch erklärbar ist, dass gegen RB vor allem die besseren Mannschaft gut aussahen und dementsprechend diese auch Wolfsburg stärker forderten als normal).

2011/2012 gab es 21 Spiele mit mehr oder weniger zufriedenen RB-Gegnern mit einer Bilanz von 5 Siegen, 5 Unentschieden und 11 Niederlagen. Am darauffolgenden Spieltag, an dem es fast immer gegen Holstein Kiel ging (18mal) standen 7 Siege, 2 Unentschieden und 12 Niederlagen zu Buche. Also eine insgesamt recht ähnliche Bilanz wie in den Spielen gegen RB Leipzig. Sprich, ein Leistungsabfall ist im darauffolgenden Spiel nicht wirklich zu sehen. Kiel holte in diesen 18 Spielen 2,11 Punkte und insgesamt in der Saison 2,21 Punkte im Schnitt.

2012/2013 konnten die Gegner von RB Leipzig in 18 Fällen die Partie eng halten. Achtmal reichte es für ein Unentschieden, 10mal kassierte man trotzdem eine Niederlage. In der darauffolgenden Partie gelangen dann allerdings 10 Siege und 8 Unentschieden. Nachdem man also gegen RB Leipzig gut aussah, verlor kein Team sein darauffolgendes Spiel. Und das lag nur bedingt daran, dass neunmal der spätere Absteiger Energie Cottbus II der Gegner war und man gegen diesen vier Siege und fünf Unentschieden holte, denn auch Hertha, Magdeburg, Meuselwitz, Jena und Zwickau mussten einsehen, dass man die Mannschaft, die kurz zuvor den Staffelbesten angemessen forderte, nicht besiegen kann. Insgesamt ein relativ deutliches Zeichen, dass das Spiel gegen RB Leipzig eher positive Folgen für die nähere Zukunft hatte.

Fazit: Insgesamt gibt es quer durch die Zahlen keinen harten Hinweis, dass gute Spiele gegen RB schlechtere Spiele im Anschluss bedeuten, wie in der Eingangsthese vermutet. Wenn dann deuten die Zahlen auf das Gegenteil hin (da die Zahlen aber von den konkreten Gegnern abhängig sind, sind sie nicht ganz einfach zu interpretieren) und damit darauf, dass eine gute Leistung gegen RB eher noch mal einen Schub für das nächste Spiel gibt. In diesem Jahr beschert die Spielplanlogik Rot-Weiß Erfurt im Normalfall das Vergnügen, die Gegner zu erwischen, die am Spieltag zuvor gegen RB spielten (RB kriegt die Mannschaften, die zuvor gegen Burghausen antraten). Auf Basis der Zahlen müssen sie deswegen keine Angst haben, aber eine leichte Tendenz, dass dies kein Vorteil ist, ist eben doch zu erkennen.

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Zahlenannex

Ergebnisse nach Siegen (12) gegen RB Leipzig

  • Siege
    • 2009/2010 Bautzen 1:0 gegen Halberstadt
    • 2010/2011 Wolfsburg II 3:1 gegen Lübeck
    • 2010/2011 Chemnitz 4:0 in Wolfsburg
    • 2011/2012 HSV II 3:0 gegen Meppen
    • 2011/2012 Kiel  3:1 in Hannover
  • Unentschieden
    • 2011/2012 HFC 0:0 bei Holstein Kiel
    • 2010/2011 Magdeburg 0:0 in Wolfsburg
  • Niederlagen
    • 2010/2011 Wolfsburg II 1:3 in Lübeck
    • 2010/2011 Cottbus II 1:3 in Wolfsburg
    • 2010/2011 Holstein Kiel 0:2 in Plauen
    • 2011/2012 HSV II 0:1 gegen Holstein Kiel
    • 2011/2012 ZFC Meuselwitz 1:3 gegen Holstein Kiel

Ergebnisse nach guten Spielen (gewonnen, unentschieden oder mit maximal einem Tor verloren) gegen RB Leipzig

  • 2009/2010 (gegen RB: 1 Sieg, 2 Unentschieden, 8 Niederlagen)
    • 6 Siege – gegen 4 x Bautzen, Pößneck, Halberstadt
    • 1 Unentschieden – gegen VfL Halle
    • 4 Niederlagen – gegen 4 x Bautzen
  • 2010/2011 (gegen RB: 6 Siege, 10 Unentschieden, 7 Niederlagen)
    • 6 Siege – gegen 3 x Wolfsburg II, 2 x Türkiyemspor, Lübeck
    • 5 Unentschieden – gegen 5 x Wolfsburg II
    • 12 Niederlagen – gegen 10 x Wolfsburg II, Plauen, Lübeck
  • 2011/2012 (gegen RB: 5 Siege, 5 Unentschieden, 11 Niederlagen)
    • 7 Siege – geggen 4 x Kiel, 2 x Hannover 96 II, Meppen
    • 2 Unentschieden – gegen 2 x Kiel
    • 12 Niederlagen – gegen 12 x Kiel
  • 2012/2013 (gegen RB: 8 Unentschieden, 10 Niederlagen)
    • 10 Siege – gegen 4 x Cottbus II, 2 x Magdeburg, Plauen, Meuselwitz, Hertha II, Rathenow
    • 8 Unentschieden – gegen 5 x Cottbus II, Auerbach, Jena, Zwickau

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4 Gedanken zu „Folgefehler?“

  1. Ich glaube du hast deine erweiterten Kriterien vertauscht. Soll bestimmt heissen RB verlor, spielte unentschieden oder gewann mit max 1 Tor.

    Generell deine Mühe in Ehren, aber du hast dich hier verrannt. Die Aussage, dass es schlicht nicht zu beweisen ist weil meist der gleiche starke Gegner folgte hätte es auch getan.

    Wenn du doch mal Zeit vom Blog einsparen musst – Das bietwt sich an.

  2. „Ich glaube du hast deine erweiterten Kriterien vertauscht. Soll bestimmt heissen RB verlor, spielte unentschieden oder gewann mit max 1 Tor.“

    Das ist natürlich richtig, danke. Und zu Deinem Tipp: Kein Ergebnis ist/ wäre, wenn man sich eine Frage stellt, auch ein Ergebnis. Und auch wenn ich die Einschätzung teile, dass die Daten generell eher schwerlich Aussagen zulassen, sehe ich eben doch eine kleine Tendenz. Und ja, in Bezug auf das, was mir beim Lesen der Köhlerschen Meinung als Fragen durch den Kopf schoss, bin ich mit dieser klitzekleinen Antwort nicht unzufrieden..

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