Schlagwort-Archive: Union Berlin

Fragen für die nächsten Wochen

Neun Spieltage sind in der zweiten Liga gespielt. Klar, dass noch keine Vorentscheidungen gefallen sind. Aber man hat nun doch ein klareres Bild. Einerseits davon, was die zweite Liga so sportlich hergibt. Andererseits davon, wo RB Leipzig insgesamt steht und welche Baustellen man eventuell noch hat.

21 Spieler hat RB Leipzig bisher in neun Partien eingesetzt. Von denen mit Denis Thomalla und Smail Prevljak zwei inzwischen gar nicht mehr im Verein spielen, weil sie nach Österreich (Ried und Liefering) verliehen wurden. Auf der anderen Seite dürften mit Fabio Coltorti und Terrence Boyd schon recht bald zwei neue Namen auf die Liste kommen.

Neben den beiden Langzeitverletzten kamen mit Henrik Ernst und Fabian Franke auch zwei andere Verletzungssorgenkinder in dieser Saison noch nicht mal zu einem Kadereinsatz. Angesichts der Tatsache, dass mehr als leichte Läufe am Trainingsplatz für die beiden in der Nähe des Mannschaftstrainings weiterhin noch nicht drin liegt, lässt alles weitere Richtung Pflichtspiele auch auf sich warten.

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Blockdenken

Es macht in diesem Jahr durchaus Sinn, die Hinrunde in Blöcke zu trennen, die sich durch die Länderspielpausen ergeben. Im ersten Block hatte RB Leipzig demnach vier Liga- und ein Pokalspiel und im zweiten gerade zu Ende gegangenen Block fünf Ligaspiele. Der dritte Block bringt zwischen dem 17.11. und dem 8.11. wieder vier Liga- und ein Pokalspiel, während sechs Ligaspiele dann die Zeit bis zur Winterpause abschließen.

Auch Alexander Zorniger erklärte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Heidenheim, dass man bei der Trainingskonzeption auf diese Blöcke zurückgreift, indem man in der Zeit der einzelnen Spielblöcke bestimmte Inhalte jeweils stärker in den Mittelpunkt stelle, damit den Spielern immer klar ist, welches Ziel man im Training in welcher Saisonphase verfolge.

Wenn man mal die ersten beiden Spielblöcke rein anhand der Zahlen miteinander vergleicht, dann fallen beim Blick auf die Spieltage 5 bis 9 natürlich die drei obersten Teams ins Auge. Ingolstadt, Düsseldorf und Heidenheim aktuell jeweils mit veritablen Erfolgssträhnen. Wobei erstens auffällig bleibt, dass sich keines dieser Teams in den Spielen durchgehend als Übermannschaft präsentiert hat und zweitens (und mit erstens zusammenhängend) kein Team mehr als 11 der 15 möglichen Punkte ergattern konnte.

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2.Bundesliga: 1. FC Union Berlin vs. RB Leipzig 2:1

Sebastian Polter wird langsam zu einem Namen, der RB Leipzig auf unangenehme Art und Weise verfolgt. Die Älteren unter uns erinnern sich ungern an das 2:2 in letzter Minute gegen die U23 des VfL Wolfsburg im Jahr 2012, als Polter mit seinem Tor der finale Aufstiegsverhinderer wurde. Im Spiel beim 1. FC Union Berlin vollendete der Stürmer, der erst vor kurzem leihweise aus Mainz kam, gleich zweimal und sorgte damit (und mit einer insgesamt tadellosen Leistung) quasi im Alleingang für das 2:1 gegen RB Leipzig, die wiederum viel, aber eben nicht alles richtig machten.

Begonnen hatten die RasenBallsportler das Spiel mit derselben Formation wie eine Woche zuvor gegen Braunschweig. Und hatten sicherlich auch dieselbe Idee im Kopf. Nämlich durch gute Bälle in die Tiefe die gegnerische Verteidigung mit Geschwindigkeit zu überlaufen.

Dass dies nicht wirklich klappen konnte, lag an den Gastgebern, die sich darin übten, Zement anzurühren und nicht nur mit drei Sechsern angetreten waren, sondern (abgesehen von situativem Pressing) im Verbund auch sehr tief verteidigten. Sodass es kaum Möglichkeiten gab, hinter die Verteidigungslinie zu kommen.

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Intensiver Zweitliganachmittag

[Direkt unter dem folgenden Vorbericht vor der Partie von RB Leipzig beim 1. FC Union Berlin (21.09.2014, 13.30 Uhr) befindet sich der Liveticker von der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel. Mit Alexander Zorniger und Benjamin Bellot.]

Spieltag 6 steht in der zweiten Bundesliga schon wieder an und zum zweiten und letzten Mal in der Hinrunde geht es für RB Leipzig in ein Ostduell. Vor diesmal ausverkauftem Haus an der alten Försterei in Berlin gegen Union. Ausverkauft zumindest im Heimbereich, im Gästebereich dürften letztlich ein paar wenige Plätze freibleiben.

Wenn man sich die Bilanzen von Union Berlin nach fünf Spieltagen anschaut und diese mit denen von RB Leipzig vergleicht, könnte man auf die Idee kommen, dass die Favoritenrolle an die Gäste zu vergeben ist. Fakt ist zumindest, dass man sich bei Union langsam den ersten Saisonsieg wünscht, um in ruhigere Fahrwasser zu kommen. Fakt ist aber auch, dass man in der bisherigen Saison, entgegen des Eindrucks den die drei gesammelten Punkte vermitteln, durchaus schon ansprechende Leistungen gezeigt hat.

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6.Spieltag – 2.Bundesliga 2014/2015

Die diskursigste und protestigste zweite Liga aller Zeiten. Dass Sport 1 auf diesen Claim nicht vor der Saison gekommen ist, sollte ihnen in Sachen Nähe zum Publikum echt zu denken geben. Aber es ist ja noch nicht zu spät für eine tägliches Format, in dem die kreativsten Fanaktionen und die langweiligsten hyperspannendsten Wortmeldungen aller Pro-und-Contra-Art rund um den einzig wahren RasenBallsport zwischen diversen Werbeblöcken zu Topnews aufgeblasen werden.

Das soll gar nicht sarkastischer klingen als es gemeint ist, aber die Ernsthaftigkeit mit der in der öffentlichen Debatte vielerseits mit Klischees um sich geworfen und meist nur ein Selbstgespräch geführt wird, bei dem es vor allem um Bekenntnisse und nicht um Argumente geht, ist durchaus erstaunlich. Also eine Situation, in der für den Rezipienten irgendwas zwischen offenem Mund und lautem Lachen bleibt.

Das Diskursrauschen erreicht pünklich zum Union-Spiel am Sonntag wieder mal einen Höhepunkt. Konnte man natürlich auch nicht auslassen, das Storytelling von den völlig unterschiedlichen Vereinen zum Quasi-Kulturkampf aufzublasen. Man möchte immer mal was von Kapitalismus, Wesen, Erscheinungsform und Ideologie dazwischenwerfen, aber der Versuch, sich gesellschaftlichen Verhältnissen und Phänomenen analytisch zu widmen, würde an dem Bekenntnisspielchen abprallen wie ein Wassertropfen von den schwarzen Regenponchos, die die Berliner Zuschauer nach Willen der Union-Ultragruppe Wuhlesyndikat am Sonntag tragen sollen.

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Zweitligaroundup – Spieltag 5

Der fünfte Spieltag der zweiten Liga war nicht extrem spektakulär und brachte vor allem Verlierer. Aue zum Beispiel, die sich auch unter neuem Coach ziemlich leblos und fußballerisch überschaubar präsentierten. Beobachtet wurden sie dabei in Darmstadt auch von 400 eigenen Anhängern, die angesichts der aktuellen Lage offenbar dazu übergegangen sind, die Situation stoisch zu ertragen.

Auf der Verliererseite eintragen darf sich auch Eintracht Braunschweig, die bei RB Leipzig nicht nur das dritte Spiel in Folge verloren und sich nun auch selbst eine Krise attestieren, sondern nach eigentlich guten ersten zwei Saisonspielen inzwischen an einem Punkt angekommen sind, an dem sie in beiden Strafräumen nicht mehr auf höchstem Niveau agieren. Dass sie überragende Fähigkeiten im Spiel mit dem Ball auch unter Druck haben, hat man in Leipzig bei zwei, drei Spielzügen wie dem vor dem 1:2-Anschlusstreffer gesehen. Das Vertrauen in die Fähigkeiten und die Zielstrebigkeit vor des Gegners Tor geht ihnen aber gerade etwas ab.

Inwieweit man in Nürnberg überhaupt über Fähigkeiten verfügt, bleibt aktuell erst mal eine offene Frage. Das freakige 4:0 bei Union Berlin, bei dem ihnen alles in die Karten spielte, muss man dabei wohl außen vor lassen. Oft wirken die Franken so wie ein Pacult-Team. Breites 4-4-2 mit zwei Sechsern, in dem man auf individuelle Klasse hofft und den Ball oft einfach auf den Flügel spielt, von wo aus dann irgendeine Art von Anspiel in den Strafraum passieren soll. Mehr als überschaubar gefährlich das ganze, wie man auch gestern beim 0:2 gegen Düsseldorf gesehen hat. Das System funktioniert, wenn man das Spiel nicht machen muss und beim Umschalten Räume bekommt. Wenn man die Räume nicht kriegt, sieht man schnell unglücklich aus.

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Defense wins zumindest Statistiken

Kein einziges Gegentor kassierte RB Leipzig in den ersten drei Zweitligaspielen. Am nächsten dran war noch der VfR Aalen, die den Ball immerhin an den Pfosten setzten. Ansonsten war direkte Torgefahr eher die Ausnahme.

Kein Gegentor nach drei Spieltagen ist in der zweiten Liga kein ganz seltenes Ereignis. Acht Mannschaften schafften dies seit Einführung der Dreipunkteregel 1995/1996. Diese acht Mannschaften zeigen aber auch, dass eine solche Serie nicht unbedingt bedeutet, dass man es mit einem Abwehrbollwerk zu tun hat. Denn immerhin fünf der acht Teams kassierten am Ende mindestens einen Treffer pro Spiel, jener Grenze, die man als Grenze zwischen Topverteidigungen und dem normalen Rest ansieht.

Im Schnitt kassierten die acht Teams knapp 37 Treffer in den entsprechenden Spielzeiten. Da man ja die ersten drei Spiele ohne Gegentor blieb, bleiben also 37 Tore in nur noch 31 Spielen übrig. Macht also 1,2 Treffer pro Spiel. Eine mehr als menschliche Bilanz.

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2.Spieltag – 2.Bundesliga 2014/2015

Der zweite Spieltag in der zweiten Bundesliga steht an. Und vermutlich wird man am einen oder anderen Orte nach diesem Spieltag schon anfangen, grundsätztliche Fragen zum Saisonverlauf und Saisonerfolg zu stellen. Und das auch wenn jeder weiß, dass nach zwei Spieltagen noch nichts Ernstes passiert sein kann. Klar lassen sich für intensive Beobachter der jeweiligen Vereine auch schon nach zwei Spieltagen Schlussfolgerungen zum Zustand des Teams und der Perspektive formulieren, aber so richtig aussagekräftig dürften die ganzen Geschichten erst ab Spieltag fünf oder sechs werden, also ab September, wenn dann auch die Transferperiode durch ist und man endgültig weiß, in welcher Besetzung die Teams zumindest bis zur Winterpause auflaufen.

Von daher ist die aktuelle Saisonphase letztlich auch noch die entspannteste, weil man in relativer Ruhe und ohne ganz großen Tabellendruck beobachen kann, wie sich die Beteiligten so schlagen und was sie sich ausdenken, um sich auf dem Spielfeld einen Vorteil zu verschaffen. Am kommenden Wochenende sind dabei neben dem RB-Spiel vermutlich das Duell zwischen Union und Düsseldorf, das Auftreten von Heidenheim in Braunschweig und das Aufeinandertreffen der lokalen Konkurrenten und Aufstiegskandidaten aus Fürth und Nürnberg von besonderem Interesse.

Von Interesse scheint auch, zumindest was die eine oder andere Aufgeregtheit in den sozialen Netzwerken und anschließend auch in herkömmlichen Medien angeht, die Kampagne [broken Link] verschiedener,  bundesweiter Fangruppen unter dem Titel “Nein zu RB” zu sein. Letztlich beobachte ich da für meinen Teil eine gewisse Asynchronität im Diskussionsbedürfnis. Während Teile der alteingesessenen Zweitligaanhänger offenbar ein großes Mitteilungsbedürfnis haben, weil sie plötzlich feststellen, dass man doch was gegen RB Leipzig tun müsse, stelle ich an mir fest, dass der fünfundzwanzigste Aufguss dieser Debatte nicht mehr wirklich die ganz große Gegenargumentationslust weckt.

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Abwesenheit als Protestmittel

Mit 1860, Nürnberg, Union und Aue spielen wir in der 2.Liga gegen vier Klubs, die alle schon Testspiele gegen uns abgesagt haben. Vielleicht wollen ja jetzt auch einige dieser Vereine die Punktspiele gegen uns absagen. (Ralf Rangnick gegenüber dem Kicker vom 14.07.2014)

Der hiesige Sportdirektor meinte diese Aussage eher spaßig. Trotzdem zielt er mit dieser kleinen Polemik ein wenig am Gegenstand vorbei. Denn natürlich gibt es einen Unterschied zwischen einem Testspiel, das man sich aussucht und einem Pflichtspiel, das einem der Terminkalender auferlegt. Und in letzter Konsequenz – so frei ist die Welt, auch wenn man die Gründe mal mehr, mal weniger schwer nachvollziehbar finden mag – darf sich jeder Verein selbst aussuchen, gegen wen er testspielen möchte.

Und solange es nicht so unfassbar unprofessionell wie beim VfB Stuttgart läuft, die (wie Rangnick auch noch mal bestätigt) sich um das Testspiel gegen RB Leipzig selbst bemühten(!), um es dann abzusagen, wird man bei aller Doppelmoral, wenn bspw. VfB-Fans (also Bundesliga-Anhänger) wegen des Kommerzes gegen RB sind, damit leben müssen, dass ein nicht unwesentlicher Teil deutscher Vereine der ersten drei Ligen als freiwilliger Testgegner für RB Leipzig nicht zur Verfügung steht.

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Blicke nach vorn

Letztlich setzte sich in dieser Saison 1992/1993 das fort, was ein Jahr zuvor angefangen hatte, nämlich dass die Erkenntnis sackte, dass das Landen im Amateurfußball kein Fehler und auch kein Missverständnis, sondern bittere Realität ist. Und ein wenig steckte in dieser Erkenntis auch schon – wie in der Gesamtgesellschaft – ein kleines bisschen Konsolidierung und Annehmen der Situation drin. Ein Einlassen auf die neuen Gegebenheiten, auf denen das spätere Wachstum beruhte. (Von Hoffen über Realismus bis hin zu Konsolidierung, nach der Saison 1992/1993)

Manchmal ist es komisch mit der Einstellung zu Dingen, die im Fußball passieren. So muss das auch vor 20 Jahren in der Saison 1993/1994 gewesen sein. Energie Cottbus spielte immer noch in der Drittklassigkeit und damit in einer Amateurliga, die weiterhin aus acht Staffeln bestand, von denen allein der NOFV drei stellte. Weswegen der Anteil von Berliner Teams in der Nordost-Oberliga Staffel Mitte enorm hoch blieb. Acht von 16 Teams kamen aus der Hauptstadt. Von Union Berlin über Türkiyemspor, VfB Lichterfelde, SC Charlottenburg bis hin zum Frohnauer SC reichte die hier nur angerissene Reihe. Kommt einem fast schon absurd vor, wenn heute Menschen an der Attraktivität der aktuellen dritten Liga zweifeln..

Jedenfalls hatte sich eigentlich im Vergleich mit der Vorsaison nichts verändert. Schon gar nicht hatte man ernsthaft Zweitligaträume im Kopf. Und trotzdem fühlte sich die Existenz in der ursprünglich bitteren Drittklassigkeit langsam normal an. Normal nicht nur in einem depremierenden, sondern in einem akzeptierenden Sinne. Es war halt so und es war langsam auch ok so, Woche für Woche mit an normalen Tagen 1.000 anderen Verrückten weiterhin dem Fußball in seiner energetischsten Form zu frönen. In einer Liga mit eigentlich nur wenigen Highlights.

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