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RB Leipzig im Spiegel der DFB-Statuten

Angestoßen durch einen Hinweis in einem Kommentar habe ich mich mal dem DFB-Statut der dritten und vierten Liga (pdf) (broken Link) angeschaut. Beide Ligen werden mit eigenem Statut im Verantwortungsbereich des DFB ausgetragen, während die ersten zwei Ligen die DFL und die Ligen unterhalb der Regionalliga die jeweiligen Regionalverbände organisatorisch betreuen.

Das Statut ist ein 114 Seiten starkes Papier in typischem Verbandsdeutsch, das die Zulassung zu den Spielklassen und die Anforderungen an die beteiligten Vereine regelt. Und so auch für RB Leipzig und den DFB in ihrem vermuteten Streit um die Zulassungsvoraussetzungen für die kommende Spielzeit relevant ist.

Nur um das in Erinnerung zu rufen: Glaubt man den medialen Berichten, dreht sich der Streit und die kolportierte Meinung des DFB (der laut gestriger BILD und dem DFB-Mediendirektor sogar zusammen mit der DFL eine Arbeitsgruppe zu RB Leipzig gebildet hat), dass RB Leipzig derzeit wegen seiner Vereinsstrukturen keine Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten würde, um die Allmacht des Ehrenrates, möglicherweise um die fehlende Mitbestimmung der Mitglieder und um zu viel (formalen) Einfluss durch den Sponsor Red Bull.

Erste wichtige Erkenntnis des virtuellen Blätterns im Statuten-Papier: Es gibt keine Differenz zwischen der dritten und der vierten Liga in Bezug auf die organisatorischen Voraussetzungen, die ein Verein erfüllen muss. (Zumindest wenn es um Mitglieder, Organe und Vorstände geht, bei Stadiongröße und Co natürlich schon.) Was mich in meiner Position bestärkt, dass es doch sehr erstaunlich ist, dass der DFB plötzlich einen Verein unter Beobachtung nimmt, dem man bereist zweimal die Lizenz erteilt hat und bei dem sich seither nichts (zumindest nichts öffentlich wahrnehmbares) geändert hat und auf den keine neuen Statuten anzuwenden sind.

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100 minus x: Wieviel x vertragen RB Leipzig, Red Bull und DFB?

Na klar, wenn man über Lizenzprobleme bei RB Leipzig berichten kann, dann muss man das schon wegen der Story tun. Wenn es dazu noch um die Nichteinhaltung der 50+1-Regel geht, also um den rein formalen Streit zwischen RB Leipzig und dem DFB über die Frage, inwiefern sich die Entscheidungsgewalt von Red Bull bei RB in der Satzung widerspiegeln darf beziehungsweise eben nicht widerspiegeln darf, dann ist es erst recht eine berichtenswerte Story. Sowieso hatte ich mich schon gewundert, dass im Zuge der Reformierung der 50+1-Regel kürzlich fast ausschließlich über Wolfsburg, Leverkusen, Hannover und Hoffenheim, aber fast nie über RB Leipzig geredet wurde.

Die Story um 50+1 und den Streit zwischen RB und DFB wurde wiederum von der heutigen LVZ umfänglich und durchaus sehr informativ ausgeschlachtet. Drüben bei den rb-fans.de findet man die Langfassung der Texte, bei rb-leipzig-news.de [broken Link] die Kurzfassung. Interessanterweise hat sich der Verein bemüßigt gefühlt, den LVZ-Journalismus mit einer eigenen Audioantwort von Wolfgang Loos [broken Link] zu adeln. Entweder hat man beim Verein die Kommunikationsstrategie gewechselt und sagt nun manchmal doch nicht mehr gar nichts oder man sieht das Nervpotenzial des Themas und wollte schnellstmöglich eine eigene Sicht platzieren. Die – nun ja – ziemlich vor sich hin floskelnd geworden ist (keine Probleme, übertrieben, Zukunft, werden es lösen, noch lange Zeit).

Nun, ich werde wohl dem in nichts nachstehen und zum Thema nichts substanzielles beizutragen haben, auch weil mir grad schlicht die Zeit fehlt, mich durch Vereinssatzungen und Verbandsstatuten zu schlagen. Was einen ja nicht hindern muss, eine Meinung zu haben. Eine Meinung zu einer Story, die der LVZ zufolge so geht: Der DFB hat Schwierigkeiten mit der Satzung von RB Leipzig, weil laut dieser die Mitglieder nicht die Vereinsgeschicke bestimmen, sondern ein von den Mitgliedern auf sieben Jahre eingesetzter Ehrenrat, in dem drei Vertraute der Führungsebene von Red Bull sitzen. Deshalb soll laut LVZ die Lizenz für die kommende Saison gefährdet sein, weil der DFB die Umsetzung von Mitbestimmungsstrukturen (schon lange) fordert und nicht mehr länger auf die Umsetzung warten wird.

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Biete Namen und Tätigkeit, suche Gesicht: Florian Müller

Nichts verdeutlicht die Unwichtigkeit des rein formalen Chefpostens bei RB Leipzig mehr als die Tatsache, dass die Neubesetzung des Vorstandsvorsitzes lediglich im Impressum der Vereinshomepage nachzuvollziehen ist. Dass Ex-Allmacht Dietmar Beiersdorfer nun einen Nachfolger hat, entdeckte und verbreitete bereits gestern der offizielle RB-Fanclub namens Bulls-Club [broken Link]. Größere diskursive Folgen hatte dies in Fanforen und offiziellen Medien vorerst nicht. Dass der Verein derartige Personalentscheidungen nicht kommuniziert, daran hat man sich ja inzwischen (fast) schon gewöhnt.

Der glückliche oder zwangsverpflichtete neue formale Vereinsboss heißt Florian Müller. Die erste und einzige mir bekannte urkundliche Erwähnung des Herren fand am 07.07.2011 in der BILD, dem investigativen Notnagel in newsarmen Zeiten statt. Im Gepäck des Head of was auch immer bei Red Bull Detlef Kornett soll dieser damals die Geschäftsstelle von RB Leipzig besucht haben. Rechtsanwalt so hieß es im damaligen Artikel sei der Herr. Dass es derselbe Florian Müller gewesen ist, der nun auf dem Chefposten bei RB Leipzig sitzt, davon kann man jedenfalls ausgehen.

“Florian Müller + Anwalt” ist nun jedenfalls nicht gerade eine zielführende Suche bei Google (und sicherlich auch nicht bei allen anderen existierenden Suchmaschinen). Orte kriegt man ein paar. Würzburg, Ismaning, Herrsching. Viel mehr nicht.

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50+1 oder doch -1? Glas halb voll oder doch halb leer?

Manchmal sind Interpretationen schon erstaunlich. Das gilt auch für DFL-Präsident Reinhard Rauball, der der Meinung ist, dass die Empfehlung des Schiedsgerichts die sogenannte Stichtagsregelung aus der 50+1-Regel zu streichen, bedeute, dass “die 50+1-Regel im Kern erhalten bleibt.” [broken Link] 50+1 heißt bisher, dass der Mutterverein die Mehrheit an der Kapitalgesellschaft halten muss, die bei vielen Vereinen ausgegliedert wurde und den Spielbetrieb der Mannschaften in den Profiligen organisiert. Aufgrund der Stichtagsregelung ist es Bayer und VW als Ausnahmen möglich in Leverkusen und Wolfsburg jeweils die Entscheidungsträger, also die Besitzer zu sein. Die zu verändernde Regel (die Profivereine müssen der Empfehlung des Schiedsgerichts noch in einer Mitgliederversammlung zustimmen) ist diese hier (zu finden in der DFL-Satzung [broken Link]):

Über Ausnahmen vom Erfordernis einer mehrheitlichen Beteiligung des Muttervereins nur in Fällen, in denen ein Wirtschaftsunternehmen seit mehr als 20 Jahren vor dem 1.1.1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat, entscheidet der Vorstand des Ligaverbandes.

Die der Logik folgend dann so heißen würde:

Über Ausnahmen vom Erfordernis einer mehrheitlichen Beteiligung des Muttervereins nur in Fällen, in denen ein Wirtschaftsunternehmen seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat, entscheidet der Vorstand des Ligaverbandes.

Heißt, dass wenn die DFL zustimmt, zukünftig alle Vereine ihre mehrheitliche Beteiligung an den Kapitalgesellschaften an Unternehmen abgeben können, die 20 Jahre lang als Sponsor im Verein tätig waren. Was dabei ununterbrochen und erheblich bedeutet und ob die Entscheidungsgewalt der DFL nicht juristisch noch mal zum Zankapfel werden kann, sei einmal dahin gestellt. Mir jedenfalls scheint die entscheidendere Interpretation die zu sein, dass man aus einer verpflichtenden 50+1-Regel eine freiwillige gemacht hat, denn nichts anderes bedeutet es, wenn man nun zu einem Zustand kommt, in dem potenziell jeder Verein seine Stimmmehrheit einem Wirtschaftsunternehmen übertragen kann.

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Ost-West-Geschichten 20 Jahre später

Man kann behaupten, dass es bezeichnend ist für den Fußball in jenem geographischen Teil Deutschlands, der sich 1991 fußballtechnisch dem DFB angeschlossen hat, was da gestern bei der Partie Aue gegen Cottbus auf den Brüsten der Spieler zu sehen war. Da traf “Spar mit! Reisen” auf “Tropical Island”. Ein Schweizer Reiseunternehmen mit 100 Beschäftigten vs. ein malaysischer Geschäftsmann, der im brandenburgischen Niemandsland in einer Halle, in der Cargolifter Ende des letzten Jahrtausends Luftschiffe bauen wollte und daran Pleite ging, im bereits zweiten Versuch eine tropische Traumlandschaft betreibt (Vision laut Eigenwerbung (broken Link): “Europas führendes Urlaubsresort” – ähm ja). Die (zusammen mit Union) derzeit führenden ostdeutschen Fußballvereine wirtschaftlich und sponsorentechnisch immer noch unter ferner liefen, das ist das bezeichnende Merkmal für den Fußball 20 Jahre nach der Wende. Kein Gazprom, Emirates, VW, T-Home oder wie auch immer sie bei den westdeutschen Leuchttürmen heißen, sondern Spar mit! Reisen und Tropical Island! Möglicherweise zufällig, dass es Sponsoren sind, die vor allem auf das Fernweh abzielen.

Dabei ist es sowieso schon eine schräge Geschichte, dass ausgerechnet Cottbus und Aue (derzeit) die Sieger der ostdeutschen Fußballgeschichte sind. Erstere waren beim Abschied der DDR-Oberliga vor 20 Jahren 13. und damit Vorletzte. Zweitere starteten in der letzten Saison des DDR-Fußballs noch nicht mal im Oberhaus. Beide verschwanden in der Frühzeit des bundesdeutsch vereinten Fußballs in der Versenkung des Amateursports. Rostock, Dresden, Erfurt, Halle, Chemnitz, Jena, Lok Leipzig und Stahl Brandenburg hießen die Vereine, die damals in den Profisport aufrücken durften. Die ersten zwei sind immerhin wieder zweitklassig, kämpfen dort allerdings maximal gegen den Abstieg. Beim Rest darf jeder selbst nachvollziehen, wo die Vereine gelandet sind (Tipp: es geht bis runter in die sechste Liga).

Cottbus und Aue also und damit zwei Vereine, die für das Motto stehen, mit dem man gerne – auch schon mal in falscher Sentimentalität – die DDR-Lebensrealität beschrieb: Aus Sch… Bonbons machen. Ja, das können sie in Cottbus und Aue, unter widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Topergebnisse erschaffen. Und doch bleibt trotz der Topleistungen eine fußballerische Lebensrealität, die auch 20 Jahre nach der Fußballvereinigung keine Chancengleichheit zwischen Ost und West erlaubt. Sicherlich gibt es auch Unterschiede zwischen Nord und Süd und innerhalb des Ostens zwischen Sachsen und ostbrandenburger Grenzregionen, aber grundsätzlich und vereinfacht, unterscheiden sich die Bundesländer Ost und West eben durch ihre wirtschaftshistorisch gewachsenen Rahmenbedingungen. Chancengleichheit war auf dieser Basis nie zu haben und wird auf absehbare Zeit kein Thema sein. Der Blick auf die Besetzung der Bundesliga beweist dies nur allzu deutlich.

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Pragmatik, Vergangenheitsbewältigung und Religion

Mit Teams wie Meppen am Sonntag kommen jetzt die richtigen Kaliber. (Peter Pacult in der BILD vom 01.08.2011)

Man mag das für ein leicht übertriebenes Understatement halten, was Peter Pacult da direkt nach dem euphorisierenden DFB-Pkal-Triumph von sich gegeben hat, aber tatsächlich hat er damit auch ein ganz schön großes Stück weit recht. Die Saison beginnt in ihrer harten Realität erst am Wochenende, eben in Meppen. Dafür und nicht für den Wolfsburg-Aufgalopp wurden neun unterklassige Testspielgegner ausgewählt, die die in der Saison wartenden, hochmotivierten Defensivgegner bestmöglich imitieren sollten. Testspiele, in denen die RasenBallsportler das gedankenschnelle Agieren lehren sollten, mit dem auch 10 gegnerische Verteidiger überwindbar werden. Testspiele, in denen nicht alles immer perfekt lief. Man braucht gegen Meppen, Halberstadt, Halle und wie sie alle heißen werden, den Mut zur Offensivaktion gegen kompakte Gegner und keine Angst vor dem Fehlpass, der dann zum blitzschnellen Konter führen könnte. Wobei ich vermute, dass RB Leipzig in der kommenden Spielzeit aufgrund eines individuell schnelleren Defensivverbundes nicht ganz so anfällig für Tempogegenstöße sein dürfte, wie im vergangenen Jahr.

Für den SV Meppen ist das Spiel gegen RB Leipzig von ähnlichem Charakter, wie es das Pokal-Spiel von RB war. Man spielt gegen einen Gegner, der als Favorit das Spiel in die Hand kriegen will. Man kriegt vielleicht am Anfang eine Chance, die die Brust breiter macht. Und dann geht plötzlich vieles von selbst. Und ehe es sich der Favorit versieht, gelingt ihm spielerisch nicht mehr viel und die wenigen, dafür klaren Chancen gehen dann auch noch vorbei. Und schwupps sind die ersten Punkte weg.

Ich würde vermuten der nominelle Klassenunterschied zwischen RB Leipzig und Wolfsburg ist genauso groß, wie der zwischen Meppen und RB. Was verdeutlicht, was schief gehen kann, was aber auch verdeutlich wer als Sieger vom Platz gehen müsste. Wenn die RasenBallsportler tatsächlich den DFB-Pokal abschütteln können und mit ihren Gedanken voll bei der Liga sind, wird es angesichts der offensiv-individuellen Klasse auch klappen. Wenn nicht, dann nicht. Dass die Auslosung zur zweiten Runde im DFB-Pokal ausgerechnet am Samstag, einen Tag vor dem Punktspielstart stattfindet, mag da nicht sehr glücklich sein. Zieht man einen Gegner wie Bayern, Schalke oder Dortmund könnte das ziemlich zulasten der Konzentration in der Spielvorbereitung gehen.

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Peter Pacult und die Reisenden

Mir gefällt an Peter Pacult, dass er jemand ist, der eine Meinung hat und die auch vertritt. Auch in der Öffentlichkeit. Das macht ihn zwar angreifbar, kann aber sympathischerweise auch dazu führen, dass es was zu diskutieren gibt. Man also an Inhalten dran bleiben und sich und seine Meinung weiterentwickeln kann. Wird Pacult nicht demnächst von der Kommunikationsabteilung bei RB/ Red Bull zurückgepfiffen, dann wird das eine verbal höchst unterhaltsame und anregende Saison. Gestern jedenfalls veröffentlichten die Salzburger Nachrichten ein Interview mit dem RB-Chefcoach Peter Pacult [broken Link] mit einigen recht interessanten Meinungen und Details (man kann das folgende auch gut als Ergänzung zum gestrigen Beitrag “Mittelfristige Vereinsphilosophien” lesen):

Sie werden  als „Alleinherscher” in Leipzig bezeichnet, weil es seit Ihrer Bestellung in der Clubführung viele Wechsel gab.
Einige Leute sind ja freiwillig gegangen, wie Sportdirektor Thomas Linke oder Geschäftsführer Dieter Gudel. Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten.

Das leicht hämisch wirkende “Reisende soll man nicht aufhalten” finde ich ehrlich gesagt über das Ziel hinaus geschossen. Sportdirektor Thomas Linke ging, weil er als Sportdirektor zumindest die Mitverantwortung über die Auswahl des Trainers haben wollte, sie aber offenbar nicht eingeräumt bekam. Und Geschäftsführer Dieter Gudel ging, weil in seiner Abwesenheit über seinen Kopf hinweg ein Sportdirektor verpflichtet wurde. Beide waren keinesfalls freiwillig Reisende. Formal vielleicht, defacto nicht. Was auch Peter Pacult vermutlich weiß, weswegen sein Hinterherwinken eher als Nachtreten erscheint und jedenfalls weit von der Position bei seiner Vorstellung als Cheftrainer entfernt ist, dass er zur Vergangenheit nichts sagen möchte, weil er es auch gar nicht könne.

In Leipzig lautet der Tenor der Fußballfans:  „Entschieden wird ohnedies alles in Salzburg.”
Es gibt auch einen Herrn Hopp in Hoffenheim, es gibt Volkswagen in Wolfsburg, es gibt Bayer in Leverkusen. Überall wird am Ende ein Einzelner entscheiden. So auch bei Red Bull. Ich wehre mich dagegen, dass man das nur bei Red Bull und Herrn Mateschitz immer negativ auslegt.
Also gibt es einen kurzen Draht nach Salzburg?
Es gibt einen sehr kurzen Draht.

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Wochen(end)splitter IX

Da ist sie nun schon wieder fast vorbei, die Frauen-Fußball-WM. Von der ich zugegebenermaßen nicht viel mitbekommen habe. Größere Teile der deutschen Spiele gegen Nigeria und Frankreich verfolgt. Das dicke Ende gegen Japan erlebt. Das war es dann auch schon an Live-Ansichten. Dem medialen Drumherum konnte man sich hingegen nicht verschließen, was ich persönlich gar nicht so schlimm fand, denn der gemeinschaftliche Hype führte dazu, dass die meisten teilnehmenden Sportlerinnen einen, wenn nicht den Höhepunkt ihrer Karriere erleben durften, denn allzu selten kommt es vor, dass FußballerInnen vor fünfstelligen, stimmungswilligen Kulissen spielen dürfen. Und was kann es schöneres geben, als dass Leistungssportlerinnen Momente feiern, in denen sie spüren, warum sie sich das alles eigentlich antun.

Was und ob die Bundesliga davon abkriegt, ist nicht sinnvoll vorauszusagen. Es dürfte schwer fallen aus der Fußball-Bundesliga der Frauen ein permanentes Event zu basteln, wie es für ein Highlight wie die WM gelungen ist. Von daher wird man wohl auch künftig unter sich sein. Aber vielleicht hilft es ja doch, dass man bei der Sportschau laut BILD überlegt, am Samstag jeweils ein Spitzenspiel in Ausschnitten zu übertragen. Hier in Leipzig darf man sich zukünftig jedenfalls persönlich davon überzeugen, welchen Zulauf das Produkt Frauen-Fußball hat. In der LVZ vom 02.07. hatte Bernd Wickfelder mit im Schnitt 300 Zuschauern bei den Bundesliga-Spielen des Neubundesligisten Lok Leipzig spekuliert und für das erste Spiel gegen den FFC Frankfurt auf 1000 Zuschauer gehofft. Nicht unambitioniert, aber auch nicht unmachbar.

Eine bemerkenswerte These zur WM gabe es noch beim freitagsspiel [broken Link]:

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Wochen(end)splitter VIII

Montag war es als die mündliche Anhörung vor dem Ständigen Schiedsgericht stattfand, bei der es um die 50+1-Regel ging. Hannovers Präsident Martin Kind sucht bekanntermaßen seit geraumer Zeit nach Wegen, diese Regel zumindest aufzuweichen. Nachdem dies auf dem kooperativen Wege nicht ging und die Lizenzvereine gegen seine Vorschläge votierten (die nie auf die komplette und ersatzlose Abschffung der 50+1-Regel abzielten, sondern eher deren Lockerung erreichen sollten), war die angedrohte Zielrichtung bisher, die Regelung von europäischen Gerichten kippen zu lassen, wofür ihm das eine oder andere Rechtsgutachten gute Karten attestierte.

Vor dem Schiedsgericht nun, das – so wie ich es verstanden habe – die Rechtskompatibilität der 50+1-Regel und Kinds Contra prüft, kam Martin Kind mit einem überraschenden Kompromissvorschlag. In der aktuellen 50+1-Regel gibt es die Ausnahmeklausel, dass Firmen auch die Mehrheit an den Fußball-Kapitalgesellschaften (Profi-Clubs sind meist aus den Vereinen ausgelagerte Kapitalgesellschaften) erwerben können, wenn sie vor 1999 bereits mindestens 20 Jahre lang einen Verein gefördert haben. Wodurch es Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg in ihren Konstellationen gibt, bei denen nicht die Mehrheit an der Kapitalgesellschaft beim Verein verbleiben muss. Der Kompromissvorschlag sieht nun vor, das Datum 1999 ersatzlos zu streichen und so zu einer Regelung zu kommen, bei der die Mehrheit an einer Kapitalgesellschaft auch dann auf einen Investor, eine Firma übertragen werden kann, wenn diese nur in den letzten mindestens 20 Jahren in den Verein investiert hat und die DFL dem zustimmt. In welchem Umfang diese Unterstützung stattgefunden haben muss und ob die DFL demnach auf der Basis eines harten Kritieriums oder eher nach Gefühl entscheidet, bleibt derzeit unklar.

Vermutlich ist der Kompromiss zum jetzigen Zeitpunkt das beste, was allen Beteiligten passieren kann. Die 50+1-Bewahrer-Seite kann ihr Gesicht wahren, das vor Gericht vermutlich durchgefallen wäre. Und Martin Kind könnte zumindest potenziell die Mehrheit in Hannover übernehmen. Inwieweit dies – mal abgesehen von der Juristerei – für den Fußball gut oder schlecht ist, mag jeder selbst beurteilen. Ich denke weiterhin, dass man den Wunsch nach einer auch aktiv ausgelebten aktiven Mitgliedschaft am besten in Vereinen ohne Profiambitionen in den Ligen 4 abwärts pflegen kann. Und sowieso erlaubt die heutige Meinungswelt Wege der Meinungsbildung, die wiederum gänzlich neue Möglichkeiten der Einflussnahme schaffen. Man schaue nur auf die Schalker Auseinandersetzungen um Felix Magath oder das Bayern-Theater um Manuel Neuer. Das sind nicht unbedingt die offiziellen Kanäle der Vereinspartizipation, die da genutzt werden, sondern via Facebook, Offline-Presse, Foren und Co angefachte Auseinandersetzungen um Vereinsentscheidungen, die in letzter Konsequenz auch die Meinungsäußerung im Stadion beinhaltet. Will heißen, die Aufweichung von 50+1 verhindert nicht die Möglichkeit der Einflussnahme. Nirgendwo. Und der Kompromiss führt zumindest dazu, dass verhindert wird, dass Vereine einem permanenten Besitzer-Wechsel unterliegen. Der Kompromiss begünstigt nachhaltige Investitionen. Und das kann man durchaus für akzeptabel halten. Wobei mir weiterhin eine offene Diskussion über die (nicht erreichten) Ziele, Zwecke und Absichten von 50+1 fehlt. Wochen(end)splitter VIII weiterlesen

Enrico Bach: der letzte Beiersdorfer-Mohikaner geht

Man muss Red Bull, äh RasenBallsport, also RB Leipzig ja auch mal dankbar sein können. Das ist nun wirklich keine Firma, die einen auf dem Karriereweg fesselt und so in der Entwicklung beschränkt. Das darf nun und als nächstes Presse- und Kommunikationschef Enrico Bach dankenswerterweise erfahren. Er wurde – wie heute die LVZ final verkündete – durch Beurlaubung von der Gefahr befreit, lange Zeit bei ein und demselben Arbeitgeber arbeiten zu müssen. Nun kann er sich und seine Karriere wieder voll entfalten, neue Herausforderungen suchen und so flexibel sein, wie es moderne Arbeitsmärkte eben erfordern und ermöglichen. Da kann der fast 30jährige Enrico Bach aber von Glück reden, dass ihm die Fesseln eines starren Arbeitslebens abgenommen wurden und er sich wieder der freien Selbstbestimmung widmen kann.

Man kann die Entlassung von Enrico Bach also sarkastisch sehen, so sarkastisch wie es angesichts des Komplettumbaus im administrativen Bereich bei RB Leipzig vielleicht nahe liegt. Man könnte aber auch entspannt pragmatisch argumentieren. Dann gäbe es zwei Varianten, die überraschenderweise ziemlich ähnliche Muster haben. In der ersten Variante wäre die Entlassung von Dietmar Beiersdorfer als Fußballboss Red Bull der Ausgangsfehler, aus dem die direkte Einflussnahme von der Red-Bull-Spitze in Form von Dietrich Mateschitz auf die Geschehnisse bei RB Leipzig resultiert. Das Resultat, die Verpflichtung Peter Pacults als Trainer führt in der Sicht konsequenterweise zur Absetzung allen Personals, das Beiersdorfer-Stallgeruch und keine Pacult-Bindung hat (Linke, Gudel, Bach).

In der zweiten Variante wäre schon die Beiersdorfer-Verpflichtung der Fehler gewesen und dessen Entlassung als Boss des Fußballs bei Red Bull nur die Korrektur dieses Fehlers. Alles was danach kommt, ist lediglich die konsequente Aufarbeitung des Fehlers. Bei beiden Varianten wäre alles was der Beiersdorfer-Entlassung folgt lediglich ein Folgefehler. In der Mathematik zumindest kann man noch eine Eins kriegen, wenn man eine Aufgabe wegen eines Folgefehlers komplett verhaut. Wie es im Fußball ist, wird sich erst noch zeigen. Enrico Bach: der letzte Beiersdorfer-Mohikaner geht weiterlesen