Schlagwort-Archive: DDR-Oberliga

RB Leipzig und das ostdeutsche Fußball-Leben

Vor dem Pokalspiel Erzgebirge Aue gegen den  1.FC Nürnberg war es, als die Clubfans United den Aue-Blog [broken Link] zum Spiel und einigem mehr befragten. Der hiesige Fußball wurde dabei in Form von RB Leipzig auch zum Thema:

Kann für den Ost-Fußball nur ein Modell wie “Rasenballsport Leipzig” die Rettung sein?

“Mit Tradition und Herz gegen Kommerz!!!!!!” Wo steht RBL und wo steht der Rest des Ostdeutschen Fussballs??? RBL wird niemals zum Ostdeutschen Fussball gehören! ;)

Nun ja, mir persönlich ist das Bezugsfeld Ostdeutschland ja ziemlich egal, weil ich nicht den Anspruch habe, den Osten zu vertreten (noch nicht mal Leipzig), wenn ich mich für Fußball und für RB begeistere!!!!! Energie Cottbus war in den Bundesliga-Jahren ja auch nicht das Herzstück aller ostdeutschen Fußballanhänger, weil Ostdeutschland höchstens wirtschaftlich, aber nicht fußball-emotional als homogene Analyse-Größe begriffen werden kann…… Trotzdem, eine empirische Frage ist eine empirische Frage!!!!!!! Und wird deshalb auch hier aufgegriffen: Wo steht RB Leipzig im ostdeutschen Vergleich eigentlich??????? RB Leipzig und das ostdeutsche Fußball-Leben weiterlesen

Sportliche Abstürze

Die These, die gestern hier im Blog aufgestellt wurde, lautete, dass die fußballerische Vereinigung DDR-BRD vor 20 Jahren eine „wirtschaftliche Ausschlussveranstaltung auf Kosten der ostdeutschen Spitzenclubs“ war. In den vergangenen 20 Jahren sind die hoffnungsfroh gestarteten Ost-Vereine sukzessive sportlich nach unten gerutscht. Und dies vor allem im Vergleich mit ihren historisch-wirtschaftlich bevorteilten Konkurrenten aus dem Westen.

Nun ist das mit Thesen ja so eine Sache, denn manchmal stellt man welche auf und dann guckt man auf die Fakten und stellt fest, dass es ganz so einfach dann doch nicht zuging. Weswegen ich mir dachte, dass ich zur gestrigen Behauptung noch den passenden Vergleich liefere. Und zwar in Form einer Tabelle, die für die Erst- und Zweitligisten von vor 20 Jahren auflistet, wo die Vereine heute gelandet sind.

Auffällig vorneweg, dass 11 Erstligisten von 1991 auch heute noch Erstligisten sind. Dazu kommen 4 Teams, die 1991 noch als Zweitligisten aktiv waren und inzwischen in der höchsten Spielklasse angekommen sind. 15 von 18 heutigen Bundesligaclubs gehörten demnach bereits 1991 zu den obersten zwei Spielklassen. Lediglich Hoffenheim, Wolfsburg und Augsburg, also Vereine, die auf die eine oder andere Art und Weise von erhöhten Geldspritzen profitieren durften, konnten von weiter unten in den Kreis ganz oben eindringen. Was gleichzeitig die gestrige These unterstreicht, dass ohne den Einsatz überdurchschnittlicher Finanzmittel für unterklassige Vereine die Lücke nach oben nicht zu schließen ist.

Sportliche Abstürze weiterlesen

Ost-West-Geschichten 20 Jahre später

Man kann behaupten, dass es bezeichnend ist für den Fußball in jenem geographischen Teil Deutschlands, der sich 1991 fußballtechnisch dem DFB angeschlossen hat, was da gestern bei der Partie Aue gegen Cottbus auf den Brüsten der Spieler zu sehen war. Da traf „Spar mit! Reisen“ auf „Tropical Island“. Ein Schweizer Reiseunternehmen mit 100 Beschäftigten vs. ein malaysischer Geschäftsmann, der im brandenburgischen Niemandsland in einer Halle, in der Cargolifter Ende des letzten Jahrtausends Luftschiffe bauen wollte und daran Pleite ging, im bereits zweiten Versuch eine tropische Traumlandschaft betreibt (Vision laut Eigenwerbung (broken Link): „Europas führendes Urlaubsresort“ – ähm ja). Die (zusammen mit Union) derzeit führenden ostdeutschen Fußballvereine wirtschaftlich und sponsorentechnisch immer noch unter ferner liefen, das ist das bezeichnende Merkmal für den Fußball 20 Jahre nach der Wende. Kein Gazprom, Emirates, VW, T-Home oder wie auch immer sie bei den westdeutschen Leuchttürmen heißen, sondern Spar mit! Reisen und Tropical Island! Möglicherweise zufällig, dass es Sponsoren sind, die vor allem auf das Fernweh abzielen.

Dabei ist es sowieso schon eine schräge Geschichte, dass ausgerechnet Cottbus und Aue (derzeit) die Sieger der ostdeutschen Fußballgeschichte sind. Erstere waren beim Abschied der DDR-Oberliga vor 20 Jahren 13. und damit Vorletzte. Zweitere starteten in der letzten Saison des DDR-Fußballs noch nicht mal im Oberhaus. Beide verschwanden in der Frühzeit des bundesdeutsch vereinten Fußballs in der Versenkung des Amateursports. Rostock, Dresden, Erfurt, Halle, Chemnitz, Jena, Lok Leipzig und Stahl Brandenburg hießen die Vereine, die damals in den Profisport aufrücken durften. Die ersten zwei sind immerhin wieder zweitklassig, kämpfen dort allerdings maximal gegen den Abstieg. Beim Rest darf jeder selbst nachvollziehen, wo die Vereine gelandet sind (Tipp: es geht bis runter in die sechste Liga).

Cottbus und Aue also und damit zwei Vereine, die für das Motto stehen, mit dem man gerne – auch schon mal in falscher Sentimentalität – die DDR-Lebensrealität beschrieb: Aus Sch… Bonbons machen. Ja, das können sie in Cottbus und Aue, unter widrigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Topergebnisse erschaffen. Und doch bleibt trotz der Topleistungen eine fußballerische Lebensrealität, die auch 20 Jahre nach der Fußballvereinigung keine Chancengleichheit zwischen Ost und West erlaubt. Sicherlich gibt es auch Unterschiede zwischen Nord und Süd und innerhalb des Ostens zwischen Sachsen und ostbrandenburger Grenzregionen, aber grundsätzlich und vereinfacht, unterscheiden sich die Bundesländer Ost und West eben durch ihre wirtschaftshistorisch gewachsenen Rahmenbedingungen. Chancengleichheit war auf dieser Basis nie zu haben und wird auf absehbare Zeit kein Thema sein. Der Blick auf die Besetzung der Bundesliga beweist dies nur allzu deutlich.

Ost-West-Geschichten 20 Jahre später weiterlesen

Blühende Landschaft Profifußball

Noch ist Winterpause und demnach auch ein wenig Raum für eine neue Rubrik. Diese nennt sich ‚Vor 20 Jahren‘ und beleuchtet – man ahnt es fast – das Fußballgeschehen vor 20 Jahren. Nun ja, nicht das komplette Fußballgeschehen, aber das subjektiv erlebt und erinnerte. Das bedeutet, dass es sich im heutigen Rückblick auf die Hinserie der Saison 1990/1991 praktisch komplett um mich und Energie Cottbus dreht. Blühende Landschaft Profifußball weiterlesen