Schlagwort-Archive: Fankultur

Abseitiger Bonustrack

Da waren wir wieder. Länderspielpause ist perfekte Podcastzeit, so befreit von allen kommunikativen Zwängen, die das Tagesgeschäft Fußball so bereithält. Und so plauderten André Herrmann, Dirk Hofmeister und meine Wenigkeit mal wieder miteinander. Manchmal um den heißen Brei herum, manchmal auf eher direktem Wege.

Wie immer rissen wir dabei die Schwelle des guten Zeitgeschmacks mit Leichtigkeit, ohne auch nur ansatzweise in die Nähe der Langeweile zu geraten. Unterstützt wurden wir dabei wieder mal von kulinarischen Besonderheiten, die nur teilweise sport- oder kindergerecht waren.

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Blind

Noch schlimmer als eine dumme Idee sind die Menschen, die ihr blind folgen. Gegen Red Bull und seine Anhänger.

Neben Fußball war am Sonntag beim Spiel von RB Leipzig beim TSV 1860 München vor allem Zeit für ein paar Tapeten im Heimblock. Die sich allesamt in irgendeiner Form gegen Red Bull wendeten und die Tradition stark machen wollten. Also letztlich nicht viel anderes als die Tapeten in den letzten Jahren taten. Nur der Umfang der mehr oder minder kreativen (z.B. „Red Bull Kartell stoppen!“,  „Red Bull verleiht Flügel – Bis die rote Blase platzt“) Botschaften war höher als in den letzten Jahren (wenn man mal von den meist botschaftsintensiven Spielen gegen Lok Leipzig absieht).

Inhaltlich auch nicht ganz neu, aber trotzdem herausstechend war oben zitierte Parole, die nicht auf abstrakte Konzepte wie Tradition oder Kommerz abzielte, sondern auf jene, die es sich im Schatten des RasenBallsports als Zuschauer bequem gemacht haben und ihr Team zu vielen Spielen begleiten. Blind, sprich gedankenlos seien die RB-Anhänger, die einem Verein folgen, der nach Meinung von zumindest Teilen der Löwenfans nicht in eine Reihe mit den anderen der zweiten Liga gehört.

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Fankultur-Zwischenspiel

Über Fankultur schreiben, ist wie zu Architektur tanzen, möchte man in Anlehnung an einen alten Song von But Alive ausrufen. Und doch ist es rund um RB Leipzig immer wieder von besonderem Interesse, darüber zu berichten, wie sie denn nun sind, die Fans der ‚Retorte‘, die es nach Meinung mancher doch eigentlich gar nicht geben dürfte.

Es passiert gar nicht so selten, dass ich in Gesprächen genau dazu befragt werde und mich dann selber erst mal frage, was denn eigentlich das Besondere an RB-Anhängern sei und ob es denn überhaupt etwas besonderes gibt. Und ganz grundsätzlich feststelle, dass die Differenzen eher gering sind. Weil Fankultur als menschliche Konstruktionsleistung überall hergestellt wird, wo Fußball gespielt wird und Menschen dies mit ihnen eigenen, völlig unterschiedlichen Ausprägungen von Emotionen verfolgen. Was auch die Eskapistin alias @isntfamous drüben in ihrem Blog in einem Artikel zu Fußballkultur auf nachvollziehbare Art und Weise dargestellt hat.

Wozu dann also die Fragen dazu, was denn eigentlich das Besondere an der Fankultur bei RB Leizig sei, wo doch diese Besonderheiten sich maximal in Nuancen und wohl auch eher temporär zeigen dürften? Bzw. wozu eigentlich der Versuch, darauf Antworten zu finden? Landet man da nicht unweigerlich – wenn es um RB Leipzig geht – in diesem merkwürdig anmutenden Geschäft, das ein Philipp Köster betreibt, wenn er versucht in seinen 11Freunden die Bedingungen für Fankultur zu definieren? Und landet man damit nicht in einer permanenten Rechtfertigungsstrategie gegenüber Leuten, denen ihre (Redaktionszimmer)Meinung sowieso über den (oft nicht mal getätigten) Beobachtungen steht? Was wäre der Sinn mit einem Köster, darum zu streiten, ob man nun Fankultur hat oder nicht?

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Dynamo in die vierte Liga?

Neues Jahr, neues Projekt. Das Podcast lautet und aus Gründen, die man nachhören kann, den Titel „Champagner statt Bier“ gekriegt hat. Ein Podcast rund um alles, was mit RB Leipzig zu tun hat und darüberhinaus zu allem, was den Beteiligten im Laufe der Sendung über die Leber laufen mag.

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Goldene und weniger goldene November

Die aktuelle Situation ist für RB Leipzig insgesamt zufriedenstellend. Auch wenn die letzte Niederlage gegen Rostock und die eine oder andere offensive Dürftigkeit ihre Kratzer im Lack hinterlassen haben. Nur drei Tore in drei Ligaspielen bisher im November, eins nach Torwartfehler beim Herauslaufen, eins durch einen Sonntagsschuss und eins durch einen Freistoß, den der Keeper eigentlich halten muss, legen den Finger in die derzeitige Wunde.

Vor einem Jahr noch war der November so etwas wie ein goldener Monat. 12:1 Tore und vier Siege standen damals in der Regionalliga zu Buche (ergänzt durch einen Sieg im Sachsenpokal). Darunter die emotionalen Highlights in Magdeburg mit einem Röttger on fire und in Zwickau. Quasi ein Festmonat aus RB-Sicht. Der die klare Tabellenführung in der Regionalliga mit sich brachte und die Liga fast schon vorentschied. Ein bisschen was von jener offensiven Sicherheit wünschte man sich vor dem anstehenden Spiel in Saarbrücken zurück..

Als nicht unwesentlicher Grund für die damalige Erfolgssträhne – mal abgesehen von der tieferen Liga – ließ sich eine fest eingespielte Stammformation ausmachen. Sieben bis acht Spieler waren in praktisch allen Spielen mehr oder minder durchgängig auf dem Platz. Das sieht in diesem Jahr, in dem auf einigen Positionen öfters gewechselt wird, deutlich anders aus, ist aber angesichts einer größeren Liga und wesentlich mehr Spielen auch gar nicht anders möglich. Umso erstaunlicher, dass angesichts einer gewissen Unruhe bei der Kaderbesetzung in diesem Jahr bisher Platz 2 in der dritten Liga steht.

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Opferrollenverschiebungshoffnungen

Dann hätten die Traditionalisten ein neues Opfer und würden uns in Ruhe lassen. (In Hoffenheim hofft man laut Rhein-Neckar-Zeitung [broken Link] fanseits auf den Aufstieg von RB Leipzig.)

Das Argument hat man in ähnlicher Form aus Hoffenheim schon gelegentlich gehört. Ich fürchte allerdings, dass ihr Hoffen unberechtigt ist und der durchschnittliche „Traditionalist“ genug Platz für zwei (oder gar mehr) verhasste Vereine im den Fußball verarbeitenden Teil des Hirns hat.

Oder man nimmt sich in Hoffenheim ein Beispiel an einer Ultragruppe des SV Wehen Wiesbaden, die vor einigen Jahren zum Vorwurf Stellung nahm, dass ihr Verein ein „Kunstprodukt“ sei und diesen Vorwurf im Kern auch bestätigte, um ihn dann aber relativieren und sich selbst in den Schoß der guten Fans zurückholen zu wollen: Opferrollenverschiebungshoffnungen weiterlesen

Traditionelle Identitäten

Es gibt kaum Themen mit größerem Nervpotenzial als das große Thema Tradition. Wenn ein Artikel mit diesem Wort aufmacht, wird es in einer hohen Prozentzahl an Fällen schwiemelig und unlogisch und stellenweise auch populistisch. Weswegen sich eine ebenso hohe Anzahl an Artikelfällen im Normalfall nicht zu besprechen lohnen würde.

Und dann gibt es auch die Ausnahmen von der Regel. Texte, die man im Endeffekt in ihrer Aussage nicht teilt, aber die sich sachlich, aber auch nicht meinungslos, mit ihrem Themenfeld auseinandersetzen und versuchen, sich ihm durch Umkreisen zu nähern. Einen ebensolchen Artikel wehte mir der Netzwind zufällig in die Arme als ich drüben bei Twitter über einen Tweet von Spox stolperte: „Traditionsverein, was ist das eigentlich? Wird man ja wohl noch mal fragen dürfen..“, hieß es darin. Und meine erste, erfahrungsgeprägte Reaktion war: Och nee, nicht schon wieder. Ich bedauere es absolut nicht, doch hineingeschaut zu haben..

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Gegenattacke

Eine meiner eindrücklichsten jugendlichen Erinnerungen an Fußball jenseits der damaligen deutsch-deutschen Landesgrenzen und jenseits spätabendlicher Europapokalübertragungen im Radio war eine Schalker Fankurve, die via TV ein lautstarkes „Wir sind Schalker und ihr nicht“ intonierte. Ob man gerade abstiegsgefährdet oder bereits abgestiegen war, weiß ich nicht mehr, nur noch an diese lautstarke Unmutsäußerung als letztes Mittel, sich von den eigentlichen Fußballhelden zu distanzieren und sich selbst zum Herzen des Vereins zu machen, erinnere ich mich. Auf der einen Seite also jene, die jenseits des Rasens dem Verein so etwas wie ein Aussehen und eine Identität geben und auf der anderen Seite die, die aus dieser Idenitätskonstruktion (vorübergehend) ausgeschlossen werden, weil man ihnen unterstellt, sich auf dem Rasen nicht dem Verein angemessen zu verhalten.

In jenen Tagen, als von der Veltins-Arena noch nicht mal Visionen existierten, erschienen mir diese Unmutsäußerungen absolut nachvollziebar und völlig plausibel. Heute würde ich vermutlich, falls dies neben mir im Stadion gerufen werden, emotional entweder mit lautem Lachen oder nicht ganz so lautem, dafür umso heftigerem Kopfschütteln reagieren, aber damals passte dies auch noch zu meiner eigenen Identität als Fußballanhänger.

Zur Identität des Schalker Fußballs gehörte für mich solange ich denken kann auch der Attacke-Ruf, der einem Trompetensignal folgt. Mitte der 80er wurde dieses Signal in einer Kneipe vom als „Trompeten-Willy“ zur Legende gewordenen Schalker Wilhelm Plenkers quasi erfunden und erprobt. Später setzte sich die Attacke nach und nach im Stadion durch, nicht unter Plenkers, aber unter einem anderen Trompeter. Seit Anfang der 90er trompetet Plenkers wieder selbst und ist damit so wie  seine kurze Tonfolge mit anschließendem Ruf fester Bestandteil der Schalke-Identität.

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Bilanz: RB Leipzig in der Saison 2011/2012

Da ist sie also dahingegangen diese Saison und die blöde Sommerpause gewinnt langsam Oberhand. Jaja, ich weiß es wurden für Freitag und nächsten Dienstag noch mal Freundschaftsspiele in der Umgebung vereinbart (Bernburg und Braunsbedra). Aber mal ehrlich, nach Saisonnachgeplänkel steht mir irgendwie auch gar nicht der Sinn (keine Ahnung, wie es den Spielern gehen mag). Für Imagepflege in der Region und Vertrags- und Kadergespräche mag das alles aber durchaus sinnvoll sein.

Wie auch immer, die Zeit ist da, um die Rückrunde in ihren vielen Unzulänglichkeiten noch einmal Revue passieren zu lassen. Wofür es Sinn macht, sich noch einmal den Stand nach der Vorrunde, die RB Leipzig immerhin knapp als Tabellenführer beendete, vor Augen zu führen:

Die bisherige Saison war ergebnis- und stimmungstechnisch gut, spielerisch und spieltaktisch aber maximal befriedigend. Insgesamt also ausbaufähig. Mit einer weiteren Saisonvorbereitung und dem weiteren Verinnerlichen von Spielabläufen sollte sich aber gerade die spielerische Linie weiterentwickeln. (Zwischenbilanzen: RB Leipzig in der Saison 2011/2012)

Ja, so optimistisch ging es in der Winterpause hier im Blog noch zu. Wenn man schon eine Halbserie als Tabellenführer beendet, die in vielen Belangen noch nicht mal optimal lief, was würde erst auf den geneigten Beobachter warten, wenn noch mehr Vorbereitung noch mehr Klasse bringen würde? Es ist schon eine Crux, dass von den Träumen und Wünschen so wenig übrig blieb.

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Firmenkompetenz vs. Identitätsirrationalität

Trainingsauftakt war heute mitten in der Trübnis eines sich wie November anfühlenden Winters. Neuzugänge: noch keine. Ausgiebiges Trainieren: noch Fehlanzeige. Ein kleiner, unspektakulärer Start in eine hoffentlich spektakuläre Rückrunde. Auch nicht wirklich spektakulär, aber trotzdem nicht unspannend war das, was Peter Pacult schon vor Weihnachten im Interview verlauten ließ:

Aber es ist ein anderes Arbeiten hier. Weil der Verein anders ist. Normalerweise wird ja immer in deine Arbeit rein geredet. Hier quatscht keiner rum. RB ist intern straffer organisiert und arbeitet kompetent wie eine Firma. (Peter Pacult gegenüber BILD)

Was ich daran weiterhin spannend finde, ist die Tatsache, dass auch Pacult belegt, dass Fußballprofessionelle, also Trainer, Manager, Spieler und Co sehr wenig Berührungsängste mit dem grundsätzlichen Prinzip Red Bull Fußball und dem konkreten Prinzip in Leipzig haben (die Namen Magath, Metzelder, Hoeneß, Calmund, und Beckenbauer stehen stellvertretend dafür), weil sie die Möglichkeit, den eigenen Beruf unter bestmöglichen Bedingungen ausüben zu können, offenbar zu schätzen wissen. Das eigene Team, die Vereinsinfrastruktur und die konkreten Entscheidungswege nehmen da offenbar einen zentraleren Platz ein, als die Frage, ob wer schon vor 30 Jahren im gleichen Vereinstrikot gesteckt hat.

Die sportlich-professionelle Struktur bei RB Leipzig scheint also Formen angenommen zu haben, die den (aktuell) Beteiligten offenbar gut schmeckt. Was durchaus positiv ist. Bleibt aber trotzdem die schon von Christoph Metzelder formulierte Frage, wie die Fans den Verein annehmen und ihm so auch im Umfeld Leben einhauchen. Es wird letztlich um Antworten auf die Frage gehen, inwieweit die auch in Bezug auf seine Identität und deren Konstruktion professionell-strategische Arbeitsweise des Vereins sich mit dem dazu in leichtem Widerspruch stehendem, immer auch irrationalen Wesen des Fanseins und der Fanidentität und der scheinbaren Nichtbeteiligung der Fans an der (offiziellen) Identitätskonstruktion (wie bspw. bei „Die Roten Bullen“) verträgt. Eine weiterhin offene Frage. Auf die wohl nur die Zukunft Antworten weiß und für deren Beantwortung eventuell die nochmals erwähnt sein sollende Umfrage bei rb-fans.de [broken Link] und deren Ergebnisse ein paar Anhaltspunkte bereit hält.