Schlagwort-Archive: Oliver Fritsch

(Vorerst) geplatztes Fußballmärchen

Ach, lieber Alexander Zorniger, ich gebe es zu, dass ich Ihnen den Erfolg in Stuttgart gegönnt hätte. Weil die Geschichte wie gemalt schien. Von Red Bull aus der Regionalliga geholter und in der zweiten Liga gekickter Coach ist schließlich doch vor Leipzig in der Bundesliga und bringt einen schlingernden Erstligisten alias Traditionsverein aus der Heimat wieder auf Kurs. Es hätte ein wunderbares Fußballmärchen werden können.

Wurde es, ach lieber Alexander Zorniger aber nicht, wie wir nun alle wissen. Nicht in jedem Märchen werden am Ende offenbar die Bösen verbrannt, verbannt oder um die Ecke gebracht, sondern ist Geschäft halt Geschäft und der Sportdirektor sich im Fall der Fälle selbst der nächste. Bzw. wie man in Ihrem Fall munkelt derjenige, der sich eine Veränderung in der Spielweise der Mannschaft gewünscht hatte, aber diesen Wunsch von Ihnen nicht erfüllt bekommen konnte.

Ich werde mir, ach lieber Alexander Zorniger nicht anmaßen, Ihr Wirken in Stuttgart im Detail zu beurteilen. Ich habe ungefähr drei Halbzeiten der Spiele in Kiel und in Hoffenheim gesehen. Halbzeiten, die ok waren, aber das hat vermutlich nicht wirklich Aussagekraft. Mehr habe ich mir nicht angucken können, auch weil ich es nicht ertragen hätte können, zuzusehen, wie das Defensivverhalten Ihres Teams alles einreißt, was man sich offensiv erarbeitet hat. Das empfand ich als zu beklemmend.

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Fankultur-Zwischenspiel

Über Fankultur schreiben, ist wie zu Architektur tanzen, möchte man in Anlehnung an einen alten Song von But Alive ausrufen. Und doch ist es rund um RB Leipzig immer wieder von besonderem Interesse, darüber zu berichten, wie sie denn nun sind, die Fans der ‚Retorte‘, die es nach Meinung mancher doch eigentlich gar nicht geben dürfte.

Es passiert gar nicht so selten, dass ich in Gesprächen genau dazu befragt werde und mich dann selber erst mal frage, was denn eigentlich das Besondere an RB-Anhängern sei und ob es denn überhaupt etwas besonderes gibt. Und ganz grundsätzlich feststelle, dass die Differenzen eher gering sind. Weil Fankultur als menschliche Konstruktionsleistung überall hergestellt wird, wo Fußball gespielt wird und Menschen dies mit ihnen eigenen, völlig unterschiedlichen Ausprägungen von Emotionen verfolgen. Was auch die Eskapistin alias @isntfamous drüben in ihrem Blog in einem Artikel zu Fußballkultur auf nachvollziehbare Art und Weise dargestellt hat.

Wozu dann also die Fragen dazu, was denn eigentlich das Besondere an der Fankultur bei RB Leizig sei, wo doch diese Besonderheiten sich maximal in Nuancen und wohl auch eher temporär zeigen dürften? Bzw. wozu eigentlich der Versuch, darauf Antworten zu finden? Landet man da nicht unweigerlich – wenn es um RB Leipzig geht – in diesem merkwürdig anmutenden Geschäft, das ein Philipp Köster betreibt, wenn er versucht in seinen 11Freunden die Bedingungen für Fankultur zu definieren? Und landet man damit nicht in einer permanenten Rechtfertigungsstrategie gegenüber Leuten, denen ihre (Redaktionszimmer)Meinung sowieso über den (oft nicht mal getätigten) Beobachtungen steht? Was wäre der Sinn mit einem Köster, darum zu streiten, ob man nun Fankultur hat oder nicht?

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