RB Leipzig vor der Hinrunde in der Bundesliga 2019/2020

Die vierte Bundesligasaison steht für RB Leipzig auf dem Programm. Schon jetzt eine historische. Das hat weniger mit den sportlichen Prognosen zu tun, denn in Bezug auf das Bundesliga-Dasein stellt sich langsam Normalität ein. Historisch wird die Spielzeit vor allem dadurch, dass es die erste nach sieben Jahren ist, in der Ralf Rangnick keine (offizielle) Rolle mehr im Verein spielt. Dass also jene Person ihren Posten als Sportdirektor (und zweimaligem Übergangstrainer) verlassen hat, die letztlich den Verein in seinen sportlichen Strukturen umgekrempelt und aufgebaut hat. Mit all seinen sehr vielen positiven und wenigen negativen Seiten.

Irgendwann stand ein Abgang von Ralf Rangnick sowieso an, denn keine Person bleibt im Fußball ewig. Dass es schließlich so schnell gehen würde, war dabei vor nicht allzu langer Zeit noch nicht vorauszusehen. Wenn man sich aber einen Übergang in eine Nach-Rangnick-Zeit hätte malen wollen, dann hätte man ihn aber wohl so gestaltet, wie er letztlich gestaltet wurde. Mit Julian Nagelsmann einen der vielversprechendsten Trainer des Landes einstellen. Mit Markus Krösche einen der vielversprechendsten Sportdirektoren holen. Und Ralf Rangnick in einer Red-Bull-Position haben, aus der heraus er weiter relativ nah an RB Leipzig dran ist und quasi als Mentor im früheren Helmut-Groß-Sinne zu Verfügung steht, ohne vielleicht nach jeder Niederlage bei Nagelsmann am Büro vorbeizuschlendern und ihn zu fragen, ob er vielleicht Hilfe bei der Entwicklung einer Spielphilosophie brauche.

Vielleicht ist die aktuelle Konstellation deswegen sogar besser als es jene mit Ralf Rangnick als Sportdirektor gewesen wäre. Rangnick hat ja nach dem Hasenhüttl-Aus schon bekundet, dass er dessen Versuchen, mehr Ballbesitz zu implementieren, kritisch gegenüber stand, dem Trainerteam den Versuch aber zugestand und dann lenkend eingriff, als die Ergebnisse ausblieben. „Habt ihr euch beim Pubertieren vielleicht doch ein paar blaue Augen geholt oder ein paar Zigaretten zu viel geraucht?“, hatte Rangnick mal in einem Interview  mit der Süddeutschen formuliert, wie er den Versuch seiner Jugendlichen kommentierte, als die Ergebnisse nicht mehr stimmten und damit auch klargemacht, wie er das (Macht-)Verhältnis zwischen ihm (Vater) und dem Trainerteam (Pubertierende) sah.

Ein solches Verhältnis hätte in Bezug auf Nagelsmann schnell schiefgehen können. Im Gegensatz zu Hasenhüttl, der bei RB Leipzig in seinem ersten Jahr den Rangnick-Weg einfach und ohne Pubertätsanflüge direkt weiterführte, steht Nagelsmann auch in Sachen Spielidee für viel Selbstbewusstsein und viele eigene Ideen. Einer, der sicherlich jede Meinung und Hilfe mitnimmt, die er kriegen kann, aber ganz sicher auch einer, der sich aus der Rolle des Pubertierenden lange herausgewachsen sieht.

Entsprechend dürfte das Verhältnis mit Markus Krösche, der von seinem Karriereweg her an einem ähnlichen Punkt wie Nagelsmann steht, viel stärker ein Partner auf Augenhöhe sein, der sich weniger als Kontrolleur von Nagelsmann, sondern stärker als Helfer und Ermöglicher für das Trainerteam begreift. Krösches Start bei RB war bei seiner Antritts-PK sehr zurückhaltend. Inzwischen bestätigte sich, was man schon vorher wusste, dass Krösche die Dinge in Ruhe, aber auch konsequent und vergleichweise schnell abarbeitet. Kein Lautsprecher, aber einer der in der Sache sehr gut arbeitet.

Im einem sehr hörenswerten Padercast schätzte einst SCP-Trainer Steffen Baumgart die Person Markus Krösche ein und zeichnete das Bild eines intensiven Netzwerkers, der sich permanent mit Leuten aus dem Fußball und auch mit Trainern trifft, ohne dass gerade ein Verpflichtungsinteresse besteht. Entsprechend verfügt er, wenn er in die Situation kommt, jemanden zu suchen, sofort über entsprechende Namen im Hinterkopf und kann denen schon einen Eindruck und eine Idee zuordnen. Wenn man Bilder der letzten Wochen sieht und wie Krösche mit Rangnick oder Osnabrücker Verantwortlichen diskutiert, bekommt man einen Eindruck, wie Krösche funktioniert und sich immer wieder mit Wissen und Input versorgt, der ihm hilft, in entsprechenden Situationen schnell zu reagieren.

Die Veränderungen im administrativen Bereich von RB Leipzig sind also durchaus beachtlich und aktuell ist noch gar nicht so recht abzusehen, was das für den Verein und seine Entwicklung bzw. seine Identität/ Außenwirkung bedeutet. Und auch im sportlichen Bereich wird sich dann doch so einiges ändern. Denn während Ralf Rangnick das gnadenlose Spiel gegen den Ball pflegte und dem Spiel mit dem Ball abgesehen von Überladungen der linken Außenbahn entsagte, steht Julian Nagelsmann mehr dafür, dass sein Team auch was mit dem Ball anfangen können soll.

Das heißt nicht, dass es Nagelsmann nicht pragmatisch kann, wie er einst auch mal gegen RB zeigte, als er in einer schlechten Phase konsequent auf Ballbesitz verzichtete und auf Umschalten spielen ließ (und 4:0 gewann). Aber prinzipiell ist der Trainer jemand, der in allen Phasen des Fußballspiels, also im Gegenpressing, im normalen Defensivverhalten, im offensiven Umschalten, aber auch im normalen Ballbesitz gut aussehen möchte. So wie es einst der SSC Neapel unter Maurizio Sarri auf wundersame Art und Weise tat.

Das Problem ist, dass der Fußball meist nicht mathematisch funktioniert. Sprich, man kann nur selten einfach Dinge addieren. Die Rechnung, das defensivbeste Team der Vorsaison mit dem Offensivwahnsinn von Nagelsmann zu kombinieren und dann ein Titelteam zu haben, klingt hübsch, lockt aber auf die falsche Fährte. Denn jede Veränderung an einem System bzw. an den Positionierungen der Spieler und an ihren Aufgaben führt immer auch zu einer veränderten Statik des Spiels der Mannschaft.

In der Vergangenheit war bei Nagelsmann rauszuhören, dass er hofft, dass die Defensivprobleme, die er in Hoffenheim hatte, sich in Leipzig auch ein Stück durch die Schnelligkeit und individuelle Klasse in der letzten Reihe lösen lassen, sprich nicht so sehr über systemische Anpassungen bei seiner Spielidee. Ob das funktioniert, muss man sehen. In der Vorbereitung und im Pokalspiel in Osnabrück hat man defensiv teilweise durchaus viel zugelassen. Andererseits fielen beide Treffer in Osnabrück nicht wegen taktischer Probleme, sondern wegen individuellen Schnitzern (subsumieren wir das Klostermann-Handspiel mal einfach unter den Oberbegriff Schnitzer). Noch andererseitser konnte man gerade in Osnabrück aber auch sehen, dass sich RB im Gegensatz zum Vorjahr schon sehr schwer tat, den Gegner vom eigenen Strafraum und von Abschlusspositionen fernzuhalten. Da bekam die letzte Kette wesentlich mehr zu tun als noch unter Rangnick. Und wenn die letzte Kette viel zu tun hat, fällt halt eben auch schneller ein Tor, als wenn sich der Gegner an der Mittelfeldkette oder gar an der Sturmreihe als erster Defensivbarriere abarbeitet.

Letztlich blieb bei den bisherigen Spielen der Eindruck, als würde RB so ein bisschen in einer Zwischenwelt verschwinden. Man hat schon auch immer noch ein gutes Gegenpressing und viele Balleroberungen dadurch. Aber in der Defensivorganisation ist man nicht mehr so stabil wie im Vorjahr und im Spiel mit dem Ball (jenseits des schnellen Umschaltens) ist man teilweise noch sehr fehleranfällig oder auch noch nicht präzise, überzeugt und mutig genug. Da muss man nun erstmal durch, wenn man überzeugt davon ist, dass mit besserem Ballbesitz auch der nächste Schritt auf der sportlichen Entwicklungsleiter verbunden ist. Was eine plausible Annahme ist.

Die Fallhöhe bleibt halt für Julian Nagelsmann hoch. Ralf Rangnick hat aus der Mannschaft in der Bundesliga und im Pokal in der Vorsaison ergebnistechnisch das Optimum herausgeholt. Nur 29 Gegentore sind eine ordentliche Hausnummer, die man Nagelsmann um die Ohren hauen wird, wenn er nach vier Spielen schon zehn Gegentore haben sollte (wobei man nicht vergessen darf, dass auch unter Rangnick defensiv zu Saisonbeginn vor einem Jahr nicht alles stimmte).

Dazu kommt dass RB Leipzig letzte Saison einen Expected Gegentorwert von 39 bis 40 hatte. Sprich, die Gegner hatten Chancen, die normalerweise 39 bis 40 Gegentore statt 29 hätten mit sich bringen müssen. Dass RB bestes Defensivteam der Liga wurde, lag auch daran, dass Gulacsi eine überragende Saison spielte und rund 60% aller Großchancen vereitelte. Das ist ein extrem guter Wert, den in der Form in den letzten Jahren höchstens noch Manuel Neuer in seinen allerbesten Tagen erreichte.

Sprich, die defensive Stabilität des Vorjahrs lebte auch stark von einem Torwart, der statistisch deutlich überperformte. Sollte sich Gulacsi von übermenschlich zu normal sehr guten Werten von um die 50% gehaltener Großchancen einpendeln, dann ist das schon mit mehr Gegentoren (die man Nagelsmann anhängt) verbunden, ohne dass die defensive Stabilität von RB schlechter geworden wäre. Sollte Gulacsi eine normal gute Saison spielen, dann kommen noch mehr Gegentore dazu. Wenn man jetzt noch in Betracht zieht, dass Nagelsmanns größere Risikofreude automatisch zu mehr Chancen für den Gegner führt, wird es schon richtig schwierig bis unmöglich noch mal in Richtung bestes Defensivteam zu kommen.

Holt Nagelsmann trotzdem genug Punkte, um um die Plätze 3 bis 4 zu spielen, dann ist alles gut. Holt er diese Punkte nicht, dann werden die Zahlen zum Problem, ohne dass daran vielleicht Nagelsmann und seine Spielidee überhaupt die ganz große Schuld tragen. Denn das Ziel von RB Leipzig lautet natürlich auch in diesem Jahr Champions League. Für die Öffentlichkeit rund um RB sowieso, aber auch für die Führung des Vereins vom Geschäftsführer bis hin zum Trainer. Ein Verpassen der Champions League ist in der wirtschaftlichen Entwicklung des Vereins nicht vorgesehen. Worst Case wäre, wenn man mit einem ablösefreien Werner-Wechsel und einer verpassten CL-Quali im kommenden Sommer zweimal 40 Millionen Euro verbrennt. Das würde die Entwicklungsspielräume deutlich verkleinern.

Taktisch hat Julian Nagelsmann in der Vorbereitung versucht der Mannschaft sein 3-3-2-2 beizubringen, das man in verschiedensten Ausprägungen vom tiefen 5-3-2-Verteidigen bis hin zum sehr offensiven Attackieren spielen kann. Aber auch das 4-2-2-2 hatte als System noch nicht ausgedient. Das 4-3-3 aka 4-1-2-1-2, also das von Rangnick aus Salzburg von Rose übernommene System mit Raute, hat dagegen erstmal ausgedient, wenn ich es nicht in der Vorbereitung übersehen (oder wieder vergessen) habe. Letztlich ist das 3-3-2-2 auch ein System mit dem man eher in sehr verschiedene Richtung der Spielerpositionierung kommt als vom 4-2-2-2. Aber das ist vielleicht auch nur das Gefühl eines Außenstehenden.

In der Vorbereitung waren bisher noch viele Strukturen zu sehen, die man auch unter Ralf Rangnick gesehen hat. Also Spielabläufe über lange Bälle auf Poulsen, Ablagen und Nachrücken. Etwas was immer noch sehr gut funktioniert. Auch den Ball irgendwo hoch in einen Bereich zu spielen, in dem sich gut (gegen)pressen lässt, ist weiter eine gern genommene Variante. Dazu sieht man aber schon in vielen Ansätzen, wie Nagelsmann schnell und flach durch das Mittelfeld kombinieren lassen will. Demme fühlt sich sichtbar wohler, dass er seinem Lieblingsjob als permanente Anspielstation wieder stärker nachgehen darf als noch unter Rangnick. Die Innenverteidiger müssen sich an ihre Rolle bei der Spielauslösung noch gewöhnen und waren gegen Osnabrück gerade im Verlauf der zweiten Halbzeit teilweise auch zu sehr vom Rest der Mannschaft abgeschnitten, als dass sie sinnvolle Aufbauoptionen gehabt hätten.

Gerade was das risikobehaftete Spiel von hinten heraus angeht, werden die Spieler von RB Leipzig noch einiges an Gewöhnungs- und Lernzeit brauchen. In Hoffenheim war das ja Stilmittel, dass Baumann von hinten heraus fast immer flach rausspielte und man den Gegner lockte, um dann in mögliche Räume hinter die aufrückende Pressinglinie spielen und im Idealfall quasi aus dem Ballbesitz heraus kontern zu können. Bei RB Leipzig fällt man da noch sehr oft in das gewohnte Muster, den Ball nach vorn auf Poulsen oder auf die Außenbahnen zu schlagen, wenn am eigenen Strafraum nur eine Idee von Gegnerdruck zu spüren ist.

Kadertechnisch ist RB Leipzig insgesamt sehr gut aufgestellt, teilweise vielleicht ‚zu‘ gut. Mit 24 Feldspielern (ohne Akteure, die in der U19 spielen) ist man eigentlich zu breit aufgestellt. In den letzten drei Bundesligaspielzeiten hat man jeweils nur 21 Feldspieler eingesetzt (wenn man mal Kaderleichen mit 20 Spielminuten oder Jugendspieler in der Europa-League-Quali rausrechnet). Und da waren schon jeweils Spieler dabei, die erst in der Winterpause kamen. 24 Feldspieler sind eigentlich zu viele, um dem Kader in der Breite Spielzeit zu geben und gleichzeitig das erklärte Ziel zu erfüllen, auch Nachwuchsspielern wie Krauß oder Bidstrup Spielzeit zu geben. Da könnte einiges an Unzufriedenheit blühen, wenn da manch einer im Saisonverlauf merkt, dass es für ihn wenig Chancen auf Spielzeit gibt.

Dünn aufgestellt ist RB derweil was Linksfüße angeht. Neuzugang Candido ist einer, für den die kommende Saison in seiner Entwicklung eigentlich noch zu früh kommt. Saracchi ist auf der linken Seite mit Abstrichen aufgrund seines etwas zu hektischen Passspiels ähnlich kritisch zu sehen. Entsprechend fehlt eigentlich jemand mit einem linken Fuß, einer der vielleicht auch mal den linken Innenverteidiger in einer Dreierkette geben kann. Aktuell sieht es aber nicht danach aus, als gäbe es diesbezüglich größere Aktivitäten.

Bewegung in die Kaderplanung kann auch noch kommen, wenn Bewegung in die Frage nach der Zukunft von Werner (oder auch Augustin) kommt. Im Sturmbereich wäre man ganz schön dünn aufgestellt, wenn einer der beiden noch geht. Zumal wenn Julian Nagelsmann, wie er erklärt hat, in Cunha eher einen Zehner als einen Stürmer sieht (was in mancher Hinsicht stimmt, in anderen nicht). Allerdings könnte auch Lookman sehr gut die Werner-Rolle in einem Zweier-Sturm spielen bzw. vielleicht sogar besser als jene auf der linken Zehn.

Alles in allem wird es eine sehr interessante Saison. Das liegt neben allem anderen vor allem daran, dass RB im Gegensatz zum Vorjahr, als völlig klar war, was Rangnick will und was damit maximal möglich ist, nun in einer Situation ist, in der die angedachten Veränderungen in der Spielidee verschiedenste Möglichkeiten der Entwicklung bieten. Das kann richtig gut werden, aber auch richtig schief gehen.

Fakt ist, es werden mehr Tore als in der Vorsaison fallen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit auf beiden Seiten des Spielfelds. Ob man das gut oder schlecht findet, liegt wohl vor allem daran, welche Präferenzen man in Sachen Ästhetik des Fußballs hat und ob man eher der Typ Darmstadt/ Ingolstadt oder eher der Typ Guardiola-Bayern ist. Im Idealfall kriegt man von RB Leipzig eine Entwicklung in Richtung Sarri-Fußball, die sehr viel Spaß macht und erfolgreich ist. In jedem Fall wird man wesentlich stärker noch als in der Vorsaison um jede Führung zittern müssen. Während RB unter Rangnick praktisch immer gewonnen hat, wenn man mal führte, hat Hoffenheim eine Führung nach der anderen und damit auch eine bessere Platzierung verspielt. Keine gute Voraussetzungen für das Nervenkostüm der Anhängerschaft.

Lassen wir uns also mal überraschen, was die Saison so bringen wird. Mindestens 42 Pflichtspiele wird es auch in dieser Spielzeit wieder geben. Je nachdem wie es nach der Winterpause weitergeht, können es auch deutlich über 50 werden. Dass RB Leipzig in dieser Saison um den Titel in der Liga mitspielt, ist angesichts der Voraussetzungen des Trainerwechsels und der Anpassungen in der Spielidee sehr unwahrscheinlich. Aufregend dürfte es trotzdem werden.

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(Irgendwas mit Fankultur ist sicherlich auch wieder, sobald die Saison losgeht und Meinungen und vorgeprägte Antipathien von Fangruppen mit Sendungsbewusstsein aufeinandertreffen. Das hat zusammen mit einer weiter in mancher öffentlichen (hinter verschlossenen Türen geht das wohl dann doch sehr viel sachlich-entspannter zu) Stellungnahme sehr rigide-populistischen Art seitens der Vereinsführung viel Potenzial für ein weiteres Absinken des  Unterhaltungswertes von Fanthemen.)

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Vor der neuen Saison auch noch einen Blick auf die ewige Tabelle seit 1992. Union Berlin ist das 42. Team, das seit der Wiedervereinigung in der Bundesliga spielt. Bayern, Dortmund, Leverkusen, Schalke und Bremen sind die einzigen Mannschaften, die in allen 27 Spielzeiten seitdem erstklassig waren. Stuttgart und der HSV spielen dieses Jahr zum zweiten Mal in diesem Zeitraum nicht erstklassig. Punktetechnisch steht Bayern über allem. Dortmund und Leverkusen sind da schon eher auf Augenhöhe zueinander. In Sachen Punkteschnitt schiebt sich Leipzig mit 62 Punkten pro Spielzeit noch vor den BVB, hat im Schnitt aber auch mehr als zehn Punkte Rückstand auf den FC Bayern gehabt.

Teilt man die Zeit seit 1992 in drei Phasen a je neun Spielzeiten, fällt auf, dass gleich 15 Mannschaften mindestens acht von neun Spielzeiten seit 2010 bis 2019 erstklassig waren. In den beiden Abschnitten zuvor waren das bei nur elf (2001 bis 2010) bzw. acht (1992 bis 2001) Mannschaften der Fall. Sprich, die Bundesliga ist immer stärker auch in der Breite ein Closed Shop geworden, in den man sich vor allem mit entsprechendem wirtschaftlichen Background hineinspielen kann (Leipzig).

Auch interessant die Zahlen des FC Bayern München. Dessen Punktausbeute lag zwischen 2010 und 2019 bei 730 und damit um fast 100 höher als zwischen 2001 und 2010. 81 Punkte im Schnitt in jeder Spielzeit seit 2010. Das ist einfach ein irrer Wert. Lediglich einmal schaffte es überhaupt ein Team der Bundesliga in einer einzelnen Saison diesen Wert zu erreichen (Dortmund 2011/ 2012). Was einmal mehr die These belegt, dass man nur Meister werden kann, wenn die Bayern mal schwächeln.

[Punkte = Anzahl der Punkte aus den letzten 27 Spielzeiten; Spielzeiten = Anzahl der in der Bundesliga absolvierten Spielzeiten seit 1992; Pkt/Schnitt = Punkte pro absolvierter Bundesligaspielzeit]

 PunkteSpielzeitenPkt/Schnitt
Bayern19632772,7
Dortmund16072759,5
Leverkusen15272756,6
Schalke14112752,3
Bremen13902751,5
Stuttgart12522648,2
Hamburg11872645,7
Mönchengladbach10722444,7
Wolfsburg10402247,3
Hertha9382046,9
Frankfurt8762141,7
Freiburg7551939,7
Kaiserslautern7091547,3
Köln6841838,0
Hannover6461640,4
Mainz5601343,1
Nürnberg5471536,5
Hoffenheim5051145,9
Bochum4971338,2
Rostock4381139,8
18604351043,5
Karlsruhe359844,9
Augsburg321840,1
Bielefeld319935,4
Duisburg292836,5
Cottbus211635,2
Leipzig186362,0
Düsseldorf147436,8
St. Pauli116429,0
Dresden98332,7
Uerdingen89329,7
Unterhaching79239,5
Ingolstadt72236,0
Wattenscheid67233,5
Darmstadt63231,5
Ulm35135,0
Aachen34134,0
Paderborn31131,0
Braunschweig25125,0
Fürth21121,0
VfB Leipzig20120,0
Union Berlin000,0

[10/19 = Punkte in den acht Spielzeiten von 2010 bis 2019; SpZ 10/19 = Anzahl der absolvierten Spielzeiten in den Jahren 2010 bis 2019; 01/10 = Punkte in den neun Spielzeiten von 2001 bis 2010; SpZ 01/10 = Anzahl der absolvierten Spielzeiten in den Jahren 2001 bis 2010;  92/01 = Punkte in den neun Spielzeiten von 1992 bis 2001; SpZ 92/01 = Anzahl der absolvierten Spielzeiten in den Jahren 1992 bis 2001]

 10/19SpZ 10/1901/10SpZ 01/1092/01SpZ 92/01
Bayern730963695979
Dortmund612948495119
Leverkusen523949395119
Schalke462953194189
Mönchengladbach466929483127
Wolfsburg424942691904
Hoffenheim408997200
Mainz3989162400
Bremen377954994649
Hamburg301847694109
Hannover3178329800
Frankfurt345823362987
Stuttgart318851594199
Freiburg325812143097
Augsburg32180000
Hertha292743592114
Köln228615952977
Nürnberg178525671133
Leipzig18630000
Ingolstadt7220000
Kaiserslautern69220754338
Darmstadt6320000
Düsseldorf74200732
St. Pauli291221652
Bochum0028272156
Bielefeld0021761023
Rostock0017952596
Cottbus001725391
18600012733087
Karlsruhe007222876
Duisburg005622366
Dresden0000983
Uerdingen0000893
Unterhaching0000792
Wattenscheid0000672

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Trainingslageridylle bei RB Leipzig - GEPA pictures - Andreas Pranter
GEPA pictures – Andreas Pranter

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7 Gedanken zu „RB Leipzig vor der Hinrunde in der Bundesliga 2019/2020“

  1. Super! So ein kompetenter Beitrag erhöht deutlich die Vorfreude auf die Saison.
    Und RB könnte nach dem 1. Spieltag mal vor den Bayern stehen…

  2. Der RBB ist wieder da … juhu!

    So oder so ähnlich kreisen auch bei mir einige Gedanken in Bezug auf die Entwicklungen und die Saisonerwartungen. Aber das so strukturiert zusammengefasst und mit einigen Zahlen aufbereitet hier nachlesen zu können, das hat mir die letzten Wochen gefehlt und ist wesentlich angenehmer als der Twitter Krams.
    Besten Dank!

  3. Vielen Dank für diese ausführliche und substanzielle Analyse, wie immer Top!!! Wir hoffen, dass es nicht die letzte war und dass wir in regelmäßigen Abständen vom RBB weiterhin mit Informationen versorgt werden. :-)
    Wir sind gespannt und freuen uns auf die nächste Saison.

  4. Bravo und Danke. Ich schaue schon aus Reminiszens vorbei.
    Noch ein kleiner Beitrag zum Union-Spiel?
    In jedem Fall eine große Freude.

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